D.B. Cooper: Der Mann, der sich in Luft auflöste

Die Geschichte nahm ihren Anfang am 24. November 1971, einen Tag vor Thanksgiving. Am Nachmittag näherte sich ein Mann, der sich selbst als „Dan Cooper“ identifizierte, dem Schalter der Northwest Orient Airlines am Portland International Airport in Oregon. Dan Cooper führte einen schwarzen Aktenkoffer mit sich und kaufte ein One-Way-Ticket für den Flug 305 nach Seattle zum Preis von 18,25 US-Dollar zuzüglich Steuern. Voraussichtliche Flugdauer: 30 Minuten.

Inhaltsverzeichnis

Bourbon mit Soda

Cooper bestieg die Maschine vom Typ Boeing 727-100 und setzte sich auf Platz 18C im hinteren Teil der Passagierkabine. Er zündete sich eine Zigarette an und bestellte einen Bourbon mit Soda. Die übrigen Passagiere an Bord beschrieben den Mann später wie folgt: Mitte 40, etwa 1,78 m bis 1,83 m groß, 77-82 kg schwer, braune Augen. Er trug einen leichten, schwarzen Regenmantel, einen dunklen Anzug, Slipper, ein ordentlich gebügeltes weißes Hemd mit Kragen, eine schwarze Krawatte und eine Krawattennadel aus Perlmutt.

D.B. Cooper - Dan Cooper
Phantomzeichnung des FBI von Dan Cooper

Drohung per Zettel

Flug 305 hob pünktlich um 14.50 Uhr ab. Die Maschine war nur zu einem Drittel besetzt. Die Stewardess Florence Schaffner hatte sich während des Starts auf einen Notsitz nahe der hinteren Eingangstür gesetzt. Da beugte sich plötzlich Dan Cooper zu ihr herüber und überreichte der Flugbegleiterin einen Zettel.

Die junge Frau dachte zunächst, es handele sich um die übliche Telefonnummer eines abenteuerlustigen Geschäftsmanns. Deshalb ließ sie die Nachricht ungelesen in ihrer Handtasche verschwinden. Dan Cooper beugte sich nochmals vor: „Miss, Sie sollten besser einen Blick auf den Zettel werfen. Ich habe eine Bombe.“

Acht Zylinder mit Kabel

Die Notiz war mit Filzstift fein säuberlich in großen Druckbuchstaben abgefasst. Die Nachricht lautete: „Ich habe eine Bombe in meiner Aktentasche. Ich werde sie, wenn nötig, benutzen. Ich möchte, dass Sie sich neben mich setzen. Das ist eine Entführung.“ Schaffner kam der Aufforderung nach. Dann verlangte sie, die Bombe sehen zu dürfen. Cooper öffnete kurz seine Aktentasche. Die Stewardess erhaschte einen Blick auf acht rote Zylinder in zwei Reihen à vier Behälter. Die Zylinder waren mit roten Kabeln untereinander verbunden. Die Kabel liefen zu einer großen Batterie.

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Stewardess Florence Schaffner

Die Forderungen

Nachdem der Mann die Aktentasche wieder verschlossen hatte, nannte er seine Forderung: 200.000 amerikanische Dollar in Scheinen (rund 1,2 Mio. Dollar nach heutigem Wert) und vier Fallschirme. Außerdem sollte bei Ankunft am Flughafen in Seattle ein Kerosinwagen bereitstehen, um die Maschine zu betanken. Florence Schaffner ging daraufhin zum Cockpit und übermittelte die Forderungen des Entführers. Als sie zurückkehrte, trug der Mann eine dunkle Sonnenbrille.

Der Pilot William Scott kontaktierte die Flugsicherung am Flughafen Seattle-Tacoma. Diese verständigte wiederum die Polizei vor Ort sowie die Bundesbehörden. Der Präsident der Airline erklärte sich sofort zur Zahlung des Lösegelds bereits. Er instruierte seine Mitarbeiter, auch allen anderen Forderungen des Entführers nachzukommen.

Der Kapitän informierte die übrigen 36 Passagiere, dass sich die Ankunft in Seattle wegen technischer Probleme etwas verzögern würde. Die Maschine kreiste schließlich zwei Stunden über dem Puget Sound, der Pazifikbucht vor Seattle. In dieser Zeit besorgten die Polizei von Seattle und das FBI das Lösegeld sowie die Fallschirme. Zudem brachte man Rettungskräfte am Rollfeld in Position.

Maschine vom Typ Boeing 727-100 Photo By Steve Fitzgerald - Website: http://www.airliners.net/photo/Lufthansa/Boeing-727-30C/1815012/&sid=7e2d2506874a4ec28213f12edad1a508, GFDL 1.2, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18004324
Maschine vom Typ Boeing 727-100
Photo By Steve Fitzgerald – GFDL 1.2, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18004324

Kein bisschen gestresst

Schaffner sagte später aus, dass Cooper offenbar mit der Gegend vertraut war. Er deutete zum Beispiel aus dem Flieger und bemerkte: „Sieht aus wie Tacoma da unten.“ Bei einer anderen Gelegenheit erwähnte er die McChord Air Force Base, die sich nur 20 Minuten entfernt vom Flughafen befinde, was den Tatsachen entsprach.

Ansonsten wirkte der Entführer auf Schaffner redegewandt, höflich, ruhig und kein bisschen gestresst. Er bestellte sich noch einen zweiten Bourbon mit Soda, zahlte die Rechnung und bestand darauf, dass Schaffner das Wechselgeld einbehielt. Er bot sogar an, Essen für die Crew bei der Polizei in Seattle zu ordern.

Fotografierte Scheine

Derweil besorgten sich FBI-Agenten in Seattle von mehreren Banken das Lösegeld: 10.000 unmarkierte 20-Dollar-Scheine. Sie fotografierten so viele Scheine wie möglich auf Mikrofilm. Zudem mussten sie bei einer Fallschirmschule neue Schirme besorgen. Die Militärversionen, die sie ursprünglich aufgetrieben hatten, lehnte Cooper ab. Er bestand auf zivile Fallschirme, deren Reißleine sich manuell betätigen ließ.

Um 17.24 Uhr informierten die Behörden Cooper, dass sie alle seine Forderungen erfüllt hatten. Um 17.39 Uhr landete Flug 305 endlich auf dem Seattle-Tacoma Airport. Cooper wies den Piloten William Scott an, den Flieger zu einem hell erleuchteten Abschnitt auf dem Flugfeld zu manövrieren. Er sollte die Lichter in der Kabine löschen, um den Scharfschützen der Polizei kein Schussfeld zu bieten.

Der Bezirksmanager Al Lee von Northwest Orient Airlines näherte sich der Maschine mit dem Lösegeld in normaler Straßenkleidung. Er dachte, es sei klüger, in diesem Fall auf die Uniform der Fluggesellschaft zu verzichten, damit der Entführer ihn nicht fälschlicherweise für einen Polizeibeamten hielt. Das Lösegeld befand sich verpackt in einem Rucksack, wie von Cooper gewünscht. Außerdem lieferte Lee die vier Fallschirme ab. Er übergab alle Gegenstände der Stewardess Mucklow an der hinteren Treppe.

Passagiere dürfen gehen

Nach der erfolgten Übergabe erlaubte Cooper allen Passagieren, das Flugzeug zu verlassen. Außerdem durften auch die Flugbegleiterinnen Schaffner und Hancock gehen. An Bord blieben somit neben Cooper nur noch der Pilot Scott, sein Co-Pilot William Rataczak, der Flugingenieur H.E. Anderson und die Stewardess Tina Mucklow zurück.

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William Rataczak, Pilot Bill Scott, Tina Mucklow (v.l.n.r.)

Der Kursplan

Während die Maschine aufgetankt wurde, skizzierte Cooper der Cockpit-Besatzung seinen Kursplan. Er verlangte, dass die Maschine südöstlichen Kurs auf Mexiko City nahm. Der Pilot sollte eine Höhe von maximal 3.000 Meter und eine möglichst geringe Geschwindigkeit von etwa 100 Knoten einhalten.

Das Fahrwerk sollte in der Start-/Landeposition verharren, die Flügelklappen um 15 Grad gesenkt werden und die Kabine drucklos bleiben. Copilot William Rataczak wendete ein, dass der Sprit bei dieser Flugkonfiguration höchstens für 1.600 km ausreichen würde. Man müsste also zwischenlanden, um die Maschine neu zu betanken. Cooper und die Besatzung diskutierten die Optionen. Der Entführer entschied sich schließlich für Reno in Nevada als Zwischenstopp.

Die geöffnete Hintertür

Außerdem verlangte Cooper, dass die hintere Ausgangstür des Flugzeugs geöffnet und die Treppe ausgezogen werden sollte. Damit war das Management von Northwest Orient Airlines allerdings nicht einverstanden. Sie fürchtete um die Sicherheit der Maschine. Cooper entgegnete, dass eine ausgefahrene Treppe am Heck die Sicherheit nicht gefährden würde. Doch er wolle nicht über diesen Punkt diskutieren. Er würde die Treppe einfach absenken, sobald sie in der Luft seien.

D.B. Cooper - Boeing 727 Hecktür
Eine Besonderheit des Typs Boeing 727-100 ist die Tür am Heck.
Foto © Piergiuliano Chesi / Wikipedia

Ein Beamter der nationalen Flugsicherheitsbehörde wollte sich mit Cooper persönlich an Bord des Flugzeugs austauschen. Doch der Entführer lehnte die Anfrage ab. Schließlich kam es zu einer Verzögerung bei der Betankung. Wegen einer Dampfsperre blockierte der Pumpmechanismus am Kraftstofftanklastzug. Cooper wurde misstrauisch. Aber er erlaubte, dass ein Ersatztanklastzug vorfuhr und die Betankung fortsetzte. Schließlich folgte noch ein dritter Wagen, nachdem der zweite leer gepumpt war.

Niemals fliegt man so ganz allein

Gegen 19.40 Uhr startete die 727 zu ihrem Flug Mexiko City via Reno. Zeitgleich stiegen zwei F-106-Kampfjets von der nahe gelegenen McChord Air Force Base in die Luft auf. Sie verfolgten das Verkehrsflugzeug außerhalb des Sichtfelds von Cooper. Ein Kampfjet hielt sich auf gleicher Höhe hinter der Boeing, der andere Flieger blieb unterhalb des Jumbos. Außerdem nahm auch noch eine Lockheed T-33 von der Nationalgarde die Verfolgung auf. Allerdings musste diese Maschine an der Grenze von Oregon und Kalifornien wegen Treibstoffmangels abdrehen.

Nach dem Start forderte Cooper die Stewardess Mucklow auf, sich zum Rest der Crew ins Cockpit zu begeben. Sie sollte die Tür verschlossen halten. Mucklow kam der Aufforderung nach und bemerkte im Weggehen, wie sich Cooper etwas um die Taille band.

Der Sprung

Um ca. 20.00 Uhr blinkte ein Warnlicht im Cockpit auf. Es zeigte an, dass jemand die rückwärtige Treppe an der Boeing betätigt hatte. Über die Intercom-Funkverbindung bot die Crew Cooper ihre Hilfe an, was dieser ablehnte. Die Besatzung bemerkte bald darauf eine Veränderung des Luftdrucks – ein Hinweis darauf, dass die hintere Tür endgültig offen war.

Gegen 20.13 Uhr spürte die Crew, dass sich das Heck des Flugzeugs plötzlich nach oben bewegte. Der Pilot musste die Maschine nachtrimmen, um das Flugzeug wieder in den Horizontalflug zu bringen. Um 22.15 Uhr landeten Scott und Rataczak die 727 schließlich auf dem Flughafen von Reno. Die Treppe war zu diesem Zeitpunkt nach wie vor ausgefahren.

Keine Spur von Cooper

Die Maschine wurde sofort von FBI-Agenten, Staatspolizisten und Kräften der örtlichen Polizei umstellt. Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt sagen, ob sich Cooper nicht möglicherweise doch noch an Bord befand. Eine Reihe von Beamten betrat mit gezückten Waffen das Flugzeug. Doch die Suche verlief ergebnislos. Dan Cooper war offensichtlich mit dem Geld aus dem Flieger gesprungen.

An Bord des Passagierflugzeugs konnten die FBI-Agenten 66 Fingerabdrücke sicherstellen, die keiner bekannten Person zuzuordnen waren. Zusätzlich fanden sie Coopers schwarze Ansteckkrawatte mit der Krawattennadel aus Perlmutt und zwei der vier Fallschirme. Cooper hatte eines dieser Exemplare geöffnet und zwei Fanglinien davon abgeschnitten.

D.B. Cooper - Fallschirm
Einer der zurückgelassenen Fallschirme

Präzise Täterbeschreibung

Die Ermittler befragten sofort im Anschluss alle Augenzeugen in Portland, Seattle und Reno, die direkten Kontakt mit dem Täter hatten. Nach den Beschreibungen entstanden mehrere Phantomzeichnungen. Die Beamten waren besonders erfreut, dass die Angaben der Flugbegleiterinnen Schaffner und Mucklow nahezu identisch waren. Beide hatten am längsten Kontakt zum Entführer gehabt. Die Ermittler konnten also davon ausgehen, dass ihre Täterbeschreibung äußerst präzise war.

D.B. Cooper - Phantombilder
Phantomzeichnungen von Dan Cooper

Wie aus Dan Cooper D.B. Cooper wurde

Die örtliche Polizei und FBI-Agenten hielten sofort Ausschau nach möglichen Verdächtigen. Eine der ersten Personen, die ins Visier der Fahnder geriet, schien gleich ein Volltreffer zu sein. Der Mann hieß D.B. Cooper und lebte in Portland. Konnte der Täter so bescheuert gewesen sein, seinen eigenen Namen zu benutzen? Leider nicht, wie die Polizei rasch feststellen musste.

Dennoch bekam der Reporter einer Nachrichtenagentur Wind von den Ermittlungen und produzierte einen folgenschweren Fehler. Der Mann war noch unerfahren in seinem Job und stand unter erheblichen Zeitdruck. So verwechselte er den Namen des Verdächtigen D.B. Cooper mit dem Alias Dan Cooper, den der Täter benutzt hatte. Deshalb ist der Flugzeugentführer bis heute nur unter dem Pseudonym D.B. Cooper bekannt, obwohl er diesen Namen nie selbst benutzt hatte.

Komplizierte Suche nach der Landezone

Selbstverständlich suchten die Beamten auch nach der Landezone von Dan Cooper. Doch dieses Unterfangen erwies sich in der Praxis als äußerst kompliziert. Selbst kleine Abweichungen bei der Schätzung der Flug- und Windgeschwindigkeit sowie Flughöhe hatten schon gravierende Auswirkungen auf das mutmaßliche Zielgebiet.

Zudem fehlte den Ermittlern jeglicher Anhaltspunkt, wie lange sich Cooper im freien Fall befand und wann er den Fallschirm geöffnet hatte – wenn er ihn denn geöffnet hatte. Denn niemand konnte ausschließen, dass der Mann schlicht verunglückt war.

Keinem der Piloten von der Luftwaffe war etwas Verdächtiges aufgefallen. Sie flogen zwar außer Sichtweite der Boeing, mussten aber die Stelle, an der Cooper abgesprungen war, unmittelbar danach passiert haben. Doch sie hatten weder mit bloßem Auge noch auf dem Radar einen geöffneten Fallschirm wahrgenommen. Allerdings sollte man hinzufügen, dass es dunkel war und aufgrund von Regen extrem schlechte Sichtverhältnisse herrschten. Außerdem trug Cooper schwarze Kleidung.

Rekonstruktion des Sprungs

Das FBI entschloss sich, den Sprung nachzustellen. Man besorgte sich einen 90 kg schweren Schlitten und versuchte, den Flug mit derselben Maschine so exakt wie möglich zu simulieren. Wieder wurde die Boeing von William Scott gesteuert. In Anbetracht der Zeugenaussagen gingen die Ermittler davon aus, dass Cooper um 20.13 Uhr gesprungen war, als sich das Heck merklich hob. Zu diesem Zeitpunkt durchkreuzte der Flieger einen schweren Regensturm über dem Lewis River.

Die ersten Ergebnisse der Rekonstruktion ergaben, dass Cooper vermutlich an den südlichsten Ausläufern des Mount St. Helens gelandet war, ein paar Meilen südöstlich der Ortschaft Ariel im Bundesstaat Washington. In der Nähe lag der Lake Merwin, ein künstlicher Stausee, der durch den Lewis River gespeist wurde.

Große Suchaktion

Die ersten Suchaktionen konzentrierten sich deshalb auf das Clark County und das Cowlitz County, die links und rechts des Lewis River aneinander angrenzten. FBI-Agenten suchten zusammen mit örtlichen Polizeikräften große Bereiche der zerklüfteten Gebirgslandschaft zu Fuß ab.

Außerdem befragte man alle Anwohner der Umgebung, ob sie irgendwelche verdächtige Beobachtungen gemacht hatten. Weitere Suchmannschaften fuhren auf Patrouillenbooten den Lake Merwin und Lake Yale ab, einem Trinkwasserreservoir weiter östlich. Doch weder von Cooper noch seiner Ausrüstung fand sich irgendwo eine Spur.

D.B. Cooper - FBI Fahndungsplakat
Fahndungsplakat des FBI

Das FBI koordinierte zudem eine Suche aus der Luft mit Flugzeugen und Hubschraubern, die entlang der gesamten Flugstrecke von Seattle nach Reno flogen. Die Besatzungen konnten zwar eine Reihe von abgebrochenen Baumwipfeln und auffällige Kunststofffetzen vermelden. Doch bei näherer Überprüfung ließ sich keinerlei Zusammenhang zum Fall Cooper entdecken.

Neuerlicher Anlauf

Zu Beginn des Jahres 1972 unternahm das FBI kurz nach der Schneeschmelze einen neuen Anlauf. Man mobilisierte rund 200 Army-Soldaten aus Fort Lewis, weitere Kräfte der Air Force und der Nationalgarde sowie zahlreiche freiwillige Helfer. Im März und April durchsuchten diese Teams jeweils 18 Tage lang erneut die Bezirke Clark und Cowlitz. Selbst ein U-Boot kam zum Einsatz, das den 60 Meter tiefen Lake Merwin durchkreuzte. Es war wohl die intensivste Suchaktion, die bis dato in der Geschichte der USA durchgeführt wurde.

In dieser Zeit entdeckten zwei Frauen in einer verlassenen Gegend des Clark County ein Skelett. Doch bei dem Leichnam handelte es sich um die sterblichen Überreste eines weiblichen Teenagers, der einige Wochen zuvor entführt und ermordet wurde. Hinweise auf den Verbleib von Dan Cooper ergaben sich auch dieses Mal nicht.

Zweifel an den Berechnungen

Spätere Analysen stellten die ursprünglich errechnete Landezone in Frage. Pilot William Scott hatte das Flugzeug manuell gesteuert aufgrund der Forderungen von Cooper hinsichtlich Geschwindigkeit und Höhe. Später war er der Meinung, dass seine Flugroute vermutlich weiter östlich verlief, als er ursprünglich angenommen hatte.

Weitere Daten aus einer Vielzahl von Quellen legten nahe, dass sich die Experten bei der Berechnung der Windrichtung in der Absprungzone um bis zu 80 Grad geirrt haben konnten. So waren insbesondere die Angaben des Piloten Tom Bohan relevant, der am Tattag in einem Linienflug der Continental Airlines der entführten Boeing-Maschine in einem Abstand von lediglich vier Minuten folgte.

Seine Beobachtungen sowie andere Daten legten den Schluss nahe, dass sich Coopers Landeplatz möglicherweise weiter süd-südöstlich befand, vermutlich im Einzugsbereich des Washougal River. Das Flusstal wurde in den folgenden Jahren von verschiedenen privaten Suchtrupps durchforstet, ohne dass sie jedoch sachdienliche Hinweise zutage förderten. Dan Cooper blieb bis auf Weiteres spurlos verschwunden.

Ende 1971 verteilte das FBI Listen mit den Seriennummern des Lösegelds an Banken, Casinos und Wettbüros. Hier lief normalerweise das meiste Bargeld zusammen und entsprechend waren die Chancen am höchsten, dass dort Teile der Beute wieder auftauchten.

Belohnungen

Im Frühjahr 1972 entschloss sich der Bundesanwalt John Mitchell, die Seriennummern auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Northwest Orient lobte zudem eine Belohnung von 15 Prozent auf das wiederbeschaffte Geld aus.

1972 erhielt der Reporter Karl Fleming, der für „Newsweek“ tätig war, zwei 20-Dollar-Scheine mit passenden Seriennummern. Doch wie sich herausstellte, waren die Scheine gefälscht. Zwei Männer wollten dem Magazin die Geschichte für 30.000 Dollar verkaufen und behaupteten fälschlicherweise, sie seien die Entführer gewesen.

Anfang 1973 veröffentlichte das „Oregon Journal“ aus Portland erneut die Seriennummern und bot eine Belohnung von 1.000 Dollar für denjenigen an, der als Erster eine Banknote aus der Beute bei der Zeitung oder dem örtlichen FBI-Büro einreichte. Der „Post-Intelligencer“ aus Seattle zog nach und erhöhte die Belohnung auf 5.000 Dollar. An Thanksgiving 1974 lief das Angebot aus, ohne dass einer Scheine aufgetaucht wäre.

Verjährung abgewendet

1976 drohte die Flugzeugentführung zu verjähren, weil bis dato noch gegen niemanden Anklage erhoben worden war. Selbst wenn man Dan Cooper noch schnappen würde, konnte er straffrei entkommen. Das Problem wurde durch eine formelle Anklageerhebung vor der Grand Jury von Portland gegen „Unbekannt alias Dan Cooper“ wegen Luftpiraterie beseitigt. Dieses Verfahren ist bis heute offen und kann sozusagen jederzeit wieder aufgenommen werden.

Eine erste Spur?

1978 machte ein Jäger in der Nähe einer Forststraße etwa 20 km östlich von Castle Rock (Washington) und nördlich des Lake Merwin eine interessante Entdeckung. Er fand ein Schild, auf dem erläuterte wurde, wie man die Hintertür an einer Boeing 727 öffnete. Da der Fundort prinzipiell an der Flugroute von Flug 305 lag, konnte es sich tatsächlich um ein Relikt aus der entführten Maschine handeln.

Spektakulärer Fund 1980

Die spektakulärste Entdeckung in diesem Fall war jedoch einem 8-jährigen Jungen vorbehalten. Brian Ingram verbrachte im Februar 1980 mit der Familie einen Urlaub am Columbia River. Etwa 15 km stromabwärts von Vancouver im Bundesstaat Washington und rund 30 km östlich von Ariel entdeckte er drei Geldbündel, die aus dem Lösegeld stammten. Brian Ingram stieß auf das Geld, als er an einem Sandstrand eine Kuhle aushob, um ein Lagerfeuer entfachen zu können.

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Brian Ingram

Die Geldscheine hatten sich inzwischen teilweise aufgelöst, wurden aber nach wie vor von einem Gummiband zusammengehalten. Zwei Pakete enthielten 100 Scheine à 20 Dollar, ein Bündel lediglich 90 Scheine, also insgesamt 5.800 Dollar. Die Geldnoten waren exakt so abgepackt, wie man sie Cooper überreicht hatte. FBI-Techniker bestätigten die Echtheit des Geldes.

D.B. Cooper - Geld
Teil der gefundenen Beute
© FBI

Mehr neue Fragen als Antworten

Die Entdeckung löste selbstverständlich intensive neue Ermittlungen aus. Doch am Ende warf der Fund mehr neue Fragen auf, als dass er Antworten lieferte. Die ersten Schlussfolgerungen der befragten Experten gründeten auf der Annahme, dass die Bündel vom Columbia River an Land geschwemmt wurden und möglicherweise aus einem seiner zahlreichen Nebenflüsse dorthin gelangt waren.

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Fundstelle des Geldes

Ein Gewässeringenieur der Army bemerkte, dass sich die Scheine auf eine sehr charakteristische Weise aufgelöst hätten. Der Abrieb der Fasern war fast rundlich. Zudem war das Material der verschiedenen Geldnoten miteinander verfilzt, was darauf hindeutete, dass sich die Bündel tatsächlich längere Zeit im Flusswasser bewegt hatten. Hätte jemand die Scheine direkt vor Ort am Strand vergraben, wäre das Material anders verrottet, so der Ingenieur.

Folgte man dieser These, konnte Cooper nicht nahe des Lake Merwin heruntergekommen sein oder in einem anderen Einzugsgebiet des Lewis River. Denn der Lewis River mündete erst weiter stromabwärts von der Fundstelle des Geldes in den Columbia River. Dies gab der Theorie neuerlichen Auftrieb, die Landezone habe sich im Einzugsbereich des Washougal River befunden. Denn dieser mündete in der Tat weiter stromaufwärts in den Columbia River.

D.B. Cooper - Karte
Übersichtskarte der Absprungzone
© FBI

Zweifel an der Theorie

Doch es meldeten sich auch Stimmen zu Wort, die bezweifelten, dass das Geld überhaupt im Columbia River getrieben war. Warum waren zwei Bündel komplett, aber bei einem fehlten zehn Scheine? Und warum waren diese drei Bündel zusammen angeschwemmt worden? Dies war doch völlig unlogisch, wenn sie sich längere Zeit im Columbia River befunden hätten. Die Strömung hätte die Pakete zwangsläufig trennen müssen.

Weiteres Paradox

Die Ermittler standen zudem vor einem weiteren Paradox. Die Bündel konnten sich nicht allzu lange im Flusswasser aufgehalten haben. Denn sonst wäre der Schaden an den Gummibändern deutlich gravierender ausgefallen, als dies tatsächlich der Fall war. Dies belegten Experimente, die man durchgeführt hatte.

Aber es gab einen klaren Hinweis darauf, dass die Geldscheine erst nach 1974 auf der Sandbank Tina oder Tena, wie der Strand genannt wurde, angelangt sein konnten. Denn in diesem Jahr hatten in dem Flussabschnitt Baggerarbeiten stattgefunden.

Der Geologe Leonard Palmer von der Portland State University fand zwei verschiedene Schichten von Sand und Sediment zwischen der Tonschicht, die sich am Ufer des Flusses durch die Baggerarbeiten gebildet hatte, und den Geldbündeln. Mit anderen Worten: Das Geld konnte hier erst gelandet sein, nachdem die Bagger schon lange verschwunden waren.

Der Geologe erhielt jedoch auch Widerspruch für seine Theorie. Andere Experten waren der Meinung, dass der Ton am Flussufer nicht zwangsläufig mit den Ausgrabungen in Verbindung stehen musste, sondern möglicherweise eine natürliche Ablagerung darstellte. Dann hätte das Geld auch theoretisch innerhalb eines Jahres nach der Entführung angeschwemmt worden sein. Denn so lange konnten die Gummibänder das Bad im Flusswasser überdauern, wie die Experimente ergeben hatten. Dies sagte aber immer noch nichts darüber aus, von wo sie dorthin gelangt waren.

Weitere Theorien

Es tauchten im Laufe der Jahre weitere Theorien auf. Eine besagte zum Beispiel, eine Person oder ein Tier habe das Geld an einem anderen Ort gefunden, es zur Sandbank gebracht und dort verbuddelt. Der Sheriff von Cowlitz County brachte die Idee auf, dass Cooper vielleicht schon beim Ausstieg aus dem Flugzeug einige Geldbündel verloren hatte, die dann erst vom Wind weggetragen wurden, nachdem er gesprungen war, und im Columbia River landeten.

Ein Lokalreporter kam auf die Idee, dass Cooper vielleicht bewusst wurde, dass er das Geld niemals würde ausgeben können. Dann habe er es einfach in den Fluss geworfen. Wirklich befriedigend konnte jedoch bis heute keine dieser Theorien die Spurenlage am Tina-Strand erklären.

1981 entdeckte im Übrigen ein Suchtrupp bei weiteren Nachforschungen im Bereich der Sandbank einen menschlichen Schädel. Doch Gerichtsmediziner kamen zu dem Schluss, dass es sich um die Knochen einer Frau handelte.

Kräftige Wertsteigerung

1986 wurden die gefundenen Banknoten zu gleichen Teilen zwischen der Versicherung der Northwest Orient und dem Finder Brian Ingram aufgeteilt. 14 Exemplare durfte das FBI behalten. Ingram verhökerte 2008 auf einer öffentlichen Auktion 15 Geldscheine aus dem Lösegeld und erlöste damit mehr als 37.000 US-Dollar. Das nenne ich mal Wertsteigerung. Bis heute tauchte jedoch keine weitere Banknote von den fehlenden 9.710 Stück auf.

1988 entdeckte man das Teilstück eines Fallschirms im gleichen Gebiet, in dem Brian Ingram die drei Geldbündel gefunden hatte. Doch die Experten des FBI kamen zu dem Schluss, dass es sich dabei nicht um einen von Coopers Schirmen handelte.

Im Jahr 2008 gruben Kinder einen weiteren Fallschirm in der Nähe von Amboy, Washington, aus. Die Stelle lag etwa 10 km unterhalb des Lake Merwin. Das Material stammte jedoch aus dem Zweiten Weltkrieg und war militärischen Ursprungs.

DNA-Spuren an Krawatte

Ende 2007 nahm das FBI nochmals einen Anlauf, die Ermittlungen dank neuer forensischer Erkenntnisse und Technologien zu beleben. So gelang es, ein DNA-Profil aus organischem Spurenmaterial zu gewinnen, das der Ansteckkrawatte von Cooper anhaftete. Allerdings mussten die Agenten einräumen, dass diese Spur nur bedingt Aussagekraft hat.

Das organische Material könnte natürlich auch von einer anderen Person stammen, zum Beispiel einem der damaligen Ermittler, die das Beweismaterial einsammelten oder untersuchten. Von DNA-Spuren hatte 1971 schließlich noch kein Polizist etwas geahnt. Entsprechend wurden auch keine so strengen Schutzmaßnahmen getroffen wie heute, um das Beweismaterial vor Verunreinigung mit Fremdspuren zu schützen.

D.B. Cooper - Krawatte
Die zurückgelassene Ansteckkrawatte von Dan Cooper – © FBI

Täter hatte offenbar nur bedingt Ahnung von Fallschirmen

Im Zuge dieser neuen Untersuchung gab das FBI weitere Ermittlungserkenntnisse preis. Cooper hatte zwei Hauptfallschirme und zwei Reservefallschirme erhalten. Bei den Hauptfallschirmen entschied er sich für das ältere Modell, obwohl der neuere Sportfallschirm dem anderen in technischer Hinsicht überlegen war.

Bei den Reservefallschirmen entschied er sich für einen Dummy, der praktisch unbrauchbar war, weil sich die Reißleine nicht bedienen ließ. Das Modell diente allein als Anschauungsmaterial im Unterricht. Das FBI betonte, dass der Dummy-Fallschirm dem Täter seinerzeit nicht absichtlich untergejubelt wurde. Der Fehler sei dem zeitlichen Druck geschuldet gewesen, unter dem die Beamten damals standen.

Interessant daran war aber, dass ein erfahrener Fallschirmspringer diesen Fehler sofort erkannt hätte, weil der Fallschirm entsprechend markiert war. Den zweiten Reservefallschirm hatte Cooper geöffnet und zerschnitten. Die Ermittler vermuteten, dass er die Schnüre benutzt hatte, um den Rucksack fest zu verschließen beziehungsweise an seinen Körper zu binden.

Das „Cooper Research Team“

2009 bildete sich zudem eine private Ermittlungsgruppe rund um den Paläontologen Tom Kaye vom Burke Museum of Natural History. Die Gruppe wollte den Fall nochmals mit neuen Technologien aufrollen, die den Ermittlern in den 1970ern nicht zur Verfügung standen. Die Gruppe ist heute unter dem Namen „Cooper Research Team“ bekannt und arbeitet mit dem FBI zusammen.

Die Titanium-Spur

Im November 2011 gab Kaye bekannt, dass man an Coopers Krawatte mittels eines Elektronenmikroskops verschiedene Spurenelemente habe identifizieren können, darunter Bärlappsporen (vermutlich von einem pharmazeutischen Produkt), Wismut, Aluminium und reines Titanium. Speziell die Titanium-Spur schien interessant zu sein, da dieses Material in den 1970er Jahren noch weitaus weniger verbreitet war als heute.

Es fand damals vor allem in der Metallfertigung oder in Chemieunternehmen Verwendung, die es zum Beispiel in Verbindung mit Aluminium einsetzten, um extrem korrosionsanfällige Substanzen zu lagern. Aus diesem Umstand ließ sich laut Tom Kaye schlussfolgern, dass Cooper vielleicht als Chemiker, Metallurg, Ingenieur oder Manager in einem entsprechenden Produktionsbetrieb tätig war. Dies waren die einzigen Berufsgruppen in solchen Unternehmen, die zu dieser Zeit einen Schlips während der Arbeit trugen.

Täterprofil

Die offizielle Täterbeschreibung blieb über die Jahre hinweg unverändert und gilt als recht zuverlässig. Die Beamten hatten die Flugbegleiterinnen Florence Schaffner und Tina Mucklow in der Tatnacht getrennt voneinander in verschiedenen Städten befragt. Dennoch waren ihre Beschreibungen praktisch identisch.

Demnach war Dan Cooper zwischen 1,78 m und 1,83 m groß, 77 bis 82 kg schwer, Mitte 40 und hatte braune Augen sowie einen stechenden Blick. Die übrigen Passagiere und andere Augenzeugen gaben sehr ähnliche Beschreibungen ab.

Ortskenntnisse

Das FBI geht davon aus, dass sich Cooper in der Gegend von Seattle auskannte und möglicherweise bei der Luftwaffe gedient hatte. Seine Bemerkung gegenüber Mucklow zur McChord Air Force Base legte dies nahe. Ein Zivilist hätte den Luftwaffenstützpunkt kaum gekannt, geschweige denn in einem Gespräch beiläufig erwähnt.

Finanzielle Schwierigkeiten

Zum Zeitpunkt der Entführung befand sich der Täter vermutlich in finanziellen Schwierigkeiten. Dies ist eher eine empirische Schlussfolgerung des FBI. Die Mehrzahl der bekannten Erpresser oder Entführer, mit denen es die Behörde zu tun hatte, hatte in akuten Geldnöten gesteckt.

Comic-Held Namenspate?

Das FBI glaubt zudem, dass der Mann den Aliasnamen einer in den 1970er-Jahren beliebten belgischen Comic-Reihe entnommen hat. Dort gab es nämlich einen fiktiven Helden namens Dan Cooper, der für die kanadische Luftwaffe als Testpilot tätig war und bei seinen zahlreichen Abenteuern dargestellt wurde, darunter auch beim Fallschirmspringen. Doch die Comics wurden nie ins Englische übersetzt oder in die USA importiert.

Deswegen mutmaßen die Ermittler, dass der Täter die Hefte vielleicht in Europa kennengelernt hat, als er dort als Soldat stationiert war. Eine alternative Erklärung lieferte das Cooper Research Team. Möglicherweise sei Cooper Kanadier gewesen und habe dort die Comics erworben.

Den Augenzeugen war zwar kein Akzent aufgefallen. Doch er hatte die im US-Englischen eher ungebräuchliche Terminologie „in marktgängiger amerikanischer Währung“ („negotiable American currency“) bei der Forderung nach dem Lösegeld verwendet.

Sorgfältige Planung

Das FBI geht davon aus, dass Cooper die Tat sehr sorgfältig geplant hat. So forderte er nicht ohne Hintergedanken vier Fallschirme an. Die Polizei musste davon ausgehen, dass der Täter möglicherweise eine oder mehrere Geiseln dazu zwingen wollte, mit ihm aus dem Flieger zu springen. Dadurch stellte Cooper sicher, dass man ihm keine vorsätzlich sabotierte Ausrüstung aushändigte.

Clever gewählte Maschine

Zudem suchte er sich für die Entführung gezielt eine Boeing vom Typ 727-100 aus. Sie war von ihrer Bauweise perfekt für seine Absichten geeignet. Sie verfügte zum einen als eines von wenigen Flugzeugen der zivilen Luftfahrt über einen hinteren Ausstieg. Zum anderen waren die Triebwerke hoch genug angebracht, sodass ihm bei einem Sprung von der hinteren Treppe wenig Gefahr drohte, vom Sog der Turbinen erfasst zu werden bzw. seinen Fallschirm durch den heißen Abgasstrahl in Brand zu setzen.

Zudem war diese Boeing-Maschine bereits mit einer „Single-Point-Betankung“ ausgerüstet. Damals handelte es sich um eine technische Neuerung, die ein schnelleres Betanken über einen einzelnen Stutzen erlaubte. Außerdem war die Boeing 727 in der Lage, in geringer Höhe mit vergleichsweise niedriger Geschwindigkeit zu fliegen, ohne die Triebwerke abzuwürgen, was sehr ungewöhnlich für ein normales Verkehrsflugzeug war. Dies war aber Voraussetzung dafür, dass Cooper einen Sprung mit dem Fallschirm wagen konnte.

Kannte spezifische Details der Luftfahrt

Der Entführer kannte sich zudem mit einigen luftfahrtechnischen Details aus, über die ein Laie kaum Bescheid wissen konnte. So verlangte er zum Beispiel von den Piloten explizit, die Klappen auf 15° einzustellen. Diese Klappeneinstellung war für diesen Flugzeugtyp einzigartig. Cooper kannte die typische Betankungszeit einer Boeing 727. Und er wusste, dass sich die hintere Treppe auch während des Flugs senken ließ.

Dieses Detail hatte Boeing aber noch nicht einmal den zivilen Besatzungen der entsprechenden Verkehrsflugzeuge offenbart. Es gab schlichtweg keinen Grund, warum eine Crew auf normalen Linienflügen jemals von dieser Option Gebrauch machen sollte. Zudem ließ sich die Treppe durch einen eigenen Schalter ausfahren, der sich aus dem Cockpit nicht außer Kraft setzen ließ. Auch dieses Detail musste Cooper bekannt gewesen sein.

Eine Theorie besagt, dass Cooper sein Wissen über die Besonderheiten der Boeing 727 im Vietnamkrieg erworben haben könnte. Dort wurde der Flugzeugtyp angeblich von der CIA eingesetzt, um Agenten oder Nachschub hinter den feindlichen Linien abzuwerfen. Dazu benutzte man besagte hintere Treppe.

Terminwahl

Coopers sorgfältige Planung könnte sich auch auf die Terminwahl erstreckt haben. So fahndete das FBI damals gezielt nach Personen, die im Anschluss an den Tattag spurlos verschwunden waren – ohne Erfolg. Vielleicht hatte Cooper deshalb gezielt ein verlängertes Feiertags-Wochenende für die Tatdurchführung ausgesucht, um montags wie gehabt an seinem Arbeitsplatz zu erscheinen.

Wahl der Kleidung

Zudem ist die Wahl der Kleidung recht auffällig. Wer vorher plant, mit einem Fallschirm aus einem Flieger abzuspringen, würde doch normalerweise etwas anderes anziehen als ausgerechnet einen Anzug, sollte man meinen. Doch vielleicht stand dahinter ein anderes Kalkül.

Cooper musste damit rechnen, mitten in der Wildnis herunterzukommen. Um dort so schnell wie möglich zu entkommen, hatte er sich vermutlich als Anhalter an die nächst gelegene Straße stellen. Er hatte sich eventuell bessere Chancen ausgerechnet, mitgenommen zu werden, wenn er dort in einem Anzug statt einer ollen ausgebeulten Jeans herumstand.

Kein erfahrener Springer

Trotz der sorgfältigen Planung und Detailversessenheit geht das FBI heute davon aus, dass es sich bei Cooper nicht um einen erfahrenen Fallschirmspringer oder gar Fallschirmjäger gehandelt hat. Ein erfahrener Springer wäre kaum mit Slipper und Trenchcoat in eine pechschwarze Nacht hinausgesprungen, in der ihm der Wind und Regen mit mehr als 300 Stundenkilometer entgegenpeitschte und die Temperatur auf Flughöhe bei rund -57 °C lag. Zudem übersah er, dass einer der Reserveschirme funktionsuntüchtig war, und entschied sich für das ältere Modell. Obendrein forderte er keinen Schutzhelm an.

Belader einer Frachtmaschine?

Andererseits wäre wohl kein kompletter Laie auf die wahnwitzige Idee verfallen, das Flugzeug ausgerechnet per Fallschirm zu verlassen. So etwas ist einfach nicht plausibel. Deshalb nimmt das FBI an, dass Cooper möglicherweise bei der Luftwaffe gedient hat und zum Beispiel zum Beladen der Frachtmaschinen eingeteilt war.

In dieser Position hätte er sich zum einen wichtiges Basiswissen über die Flugfahrt aneignen können. Zum anderen war er dadurch mit der Situation an der Hintertreppe vertraut. Dort wird die Fracht bei Militärmaschinen beladen und gegebenenfalls abgeworfen.

Außerdem absolvieren solche Belader bei der Luftwaffe ein rudimentäres Sprungtraining und führen immer einen Notfallschirm mit sich. Damit hätte Cooper zwar über ein gewisses Know-how im Hinblick auf Fallschirme verfügt. Doch diese Kenntnisse hätten nicht ausgereicht, um den Sprung in der Nacht vom 24. November zu überleben.

Theorie des FBI

Diese Theorie favorisiert das FBI nämlich heute: Cooper hat den Sprung nicht überlebt und konnte deshalb niemals gefunden werden. Der Täter sei einfach in die Wildnis ohne festes Ziel hineingesprungen, habe keine geeignete Ausrüstung gehabt und habe sich die denkbar ungünstigsten Witterungsbedingungen ausgesucht. Wahrscheinlich sei ihm noch nicht einmal genügend Zeit verblieben, um die Reißleine zu ziehen.

Selbst wenn er wider Erwarten den Sprung überlebt habe, wäre er irgendwo in einer unzugänglichen Gebirgsregion gelandet. Ohne Licht, ohne Nahrung, ohne wärmende Kleidung. Wie hätte er da ohne fremde Hilfe herausfinden sollen, wenn jeder Fehltritt in solch einem Terrain tödlich sein kann?

Komplize kann ausgeschlossen werden

Die Unterstützung durch einen Komplizen konnte man aufseiten der Ermittler nahezu ausschließen. Dazu hätte er ein zeitgenauen Sprung an einer ganz bestimmten Koordinate durchführen müssen. Der gesamte Geschehensablauf widersprach dem. Es sei denn, die komplette Flugbesatzung steckte mit Dan Cooper unter einer Decke. Doch dafür hatte das FBI keinerlei Hinweis gefunden.

Nachahmer

Cooper war nicht der erste Flugzeugentführer, der ein Lösegeld zu erzwingen wollte. Zwei Wochen zuvor hatte ein gewisser Paul Cini an Bord einer DC-8 von Air Canada über Montana einen ähnlichen Coup versucht. Der Täter konnte jedoch von der Besatzung überwältigt werden, als er seine Pistole am Fallschirm befestigen wollte. Möglicherweise diente Cooper die Tat als Inspiration. Er selbst löste mit seiner erfolgreichen Lösegelderpressung eine Flut an Nachahmungstaten aus.

Garrett Brock

Im Januar 1972 entführte Garrett Brock eine Maschine der TWA auf dem Flug von Los Angeles nach New York City. Er verlangte exakt 306.800 Dollar in bar, die Freilassung von Angela Davis – eine bekannte Bürgerrechtlerin, die damals wegen Terrorismusverdachts in Haft saß – und ein Treffen mit Präsident Richard Nixon. Nachdem die Maschine auf dem Kennedy Airport landete, wurde der Täter von der Polizei überwältigt und durch mehrere Schüsse vor seiner Festnahme verletzt.

Richard LaPoint

Richard Charles LaPoint bestieg am 20. Januar 1972 am McCarran Airport in Las Vegas Flug 800 von Hughes Airwest. Der obdachlose Army-Veteran behauptete, eine Bombe bei sich zu führen, während die DC-9 auf die Startbahn einbog. Er forderte 50.000 Dollar, zwei Fallschirme und einen Helm. Die Behörden kamen seinen Forderungen nach.

Daraufhin ließ er die Passagiere und zwei Flugbegleiter frei. Anschließend dirigierte er den Piloten auf einen östlichen Flugkurs in Richtung Denver. Über einem baumlosen Terrain im nordöstlichen Colorado sprang er schließlich ab.

Die Polizei hatte die Fallschirme allerdings mit einem Signalgerät versehen. So konnte man seine Position feststellen und musste lediglich den Spuren folgen, die LaPoint im Schnee und Schlamm hinterließ. Wenige Stunden später hatte man den Mann festgenommen.

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Der verhaftete Richard LaPoint im Rollstuhl

Richard McCoy Jr.

Richard McCoy Jr. führte im April 1972 eine Entführung durch, die in vielen Details Coopers Tat glich. Deshalb geriet er auch in den Kreis der Verdächtigen für das Verbrechen am 24. November 1971. Dazu im nächsten Kapitel mehr.

McCoy war ein ehemaliger Green Beret, also Angehöriger einer Spezialeinheit der US-amerikanischen Luftwaffe. Er entführte wie Cooper eine Boeing vom Typ 727-100, die sich im Besitz der Fluggesellschaft United Airlines befand. Nach dem Start in Denver (Colorado) schickte er die Maschine auf Kurs San Francisco. McCoy sprang über Utah mit einem Lösegeld von 500.000 Dollar ab. Er konnte zwar wohlbehalten landen, wurde aber zwei Tage später verhaftet.

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Richard McCoy Jr., 1972

Frederick Hahneman

Im Mai 1972 brachte Frederick Hahneman eine Boeing 727 von Eastern Airlines in Allentown (Pennsylvania) mithilfe einer Pistole in seine Gewalt. Er verlangte 303.000 Dollar und lenkte die Maschine nach Honduras um, seinem Geburtsland. Dort sprang er mit dem Lösegeld ab. Das FBI setzte ein Kopfgeld von 25.000 Dollar auf ihn aus. Aufgrund des Fahndungsdrucks stellte sich Hahneman einen Monat später freiwillig bei der amerikanischen Botschaft in Tegucigalpa.

Robb Heady

Anfang Juni 1972 stürmte der Fallschirmjäger und Vietnam-Veteran Robb Dolin Heady eine 727 von United Airlines in Reno (Nevada). Er konnte 200.000 Dollar erpressen sowie zwei Fallschirme. Er sprang in der Dunkelheit über dem Washoe Lake ab, der rund 40 km südlich von Reno liegt. Die Polizei konnte Headys Wagen aufspüren, der in der Nähe des Sees parkte. Auf der Rückseite klebte ein Sticker der amerikanischen Fallschirmspringer-Vereinigung. Die Beamten verhafteten den Täter, als er am nächsten Morgen an seinem Fahrzeug auftauchte.

Martin McNally

Martin McNally war ein arbeitsloser Tankstellenwärter, der mit einer Maschinenpistole Ende Juni eine 727 von American Airlines überfiel. Er lenkte den Linienflug von St. Louis nach Tulsa in Richtung des Bundesstaats Indiana um. McNally entkam mit einer Beute von 500.000 Dollar. Er verlor jedoch das Lösegeld, als er die Maschine verließ. Er selbst landete unverletzt in Peru (Indiana). Ein paar Tage später schnappte ihn die Polizei in der Umgebung von Detroit.

Folgen für die internationale Luftfahrt

1972 gab es in den USA insgesamt 31 Flugzeugentführungen, von denen 19 Stück dazu dienten, Lösegeld zu erpressen. In 15 Fällen verlangten die Täter neben dem Geld auch einen Fallschirm. Diese Taten konnten zwar allesamt aufgeklärt werden. Aber es war klar, dass die Behörden etwas unternehmen mussten, um diese Art von Verbrechen zu erschweren.

Somit läutete die Cooper-Entführung historisch gesehen das Ende der Flugreisen ohne Sicherheitskontrolle ein. Bis dahin waren die Kontrollen – abgesehen von Pass- und Zollüberprüfungen – praktisch nicht vorhanden. Ab 1972 begleiteten Sky Marshals, bewaffnete Sicherheitskräfte, Linienflüge in den USA. 1973 führten die Behörden eine allgemeine Gepäckkontrolle ein, wie sie heute noch üblich ist.

Die Cooper-Platte

Außerdem wurden einige technische Änderungen an den Flugzeugen eingeführt. So verlangte die amerikanische Flugsicherung FAA, dass alle Boeing 727 mit einer Vorrichtung versehen wurden, die ein Öffnen der ominösen Heckklappe während des Flugs verhinderte. Das Teil taufte man in der Luftfahrt später auf den Namen „Cooper-Platte“. Einige Fluglinien verzichteten ganz auf den hinteren Ausgang und ließen die Tür verschweißen.

Der Türspion

Eine weitere noch heute gebräuchliche Veränderung an Flugzeugen geht auf die Entführung durch Cooper zurück. Seitdem ist die Tür zum Cockpit mit einem Spion ausgestattet, sodass die Besatzung jederzeit im Blick hat, was in der Passagierkabine geschieht, auch wenn die Tür geschlossen ist.

Drastischer Rückgang der Entführungen

Danach ging die Zahl der Flugzeugentführungen drastisch zurück. 1973 kam es zum Beispiel nur zu zwei weiteren Versuchen, beide von Personen verübt, die sich in psychiatrischer Behandlung befanden und einen Absturz der Maschine über dem Weißen Haus verlangten.

Der erste Cooper-Nachahmungstäter trat erst wieder 1980 in Erscheinung. Am 11. Juli entführte Glenn K. Tripp Flug 608 von Northwest Airlines am Flughafen Seattle-Tacoma. Er verlangte 600.000 Dollar, zwei Fallschirme sowie die umgehende Ermordung seines Chefs. Nach einer zehn Stunden währenden Verhandlung konnte der Mann schließlich festgenommen werden.

Am 21. Januar 1983 befand sich Tripp wieder auf freiem Fuß und versuchte die gleiche Entführung noch einmal. Dieses Mal ließ er sich nicht auf Verhandlungen ein. Er verlangte, nach Afghanistan ausgeflogen zu werden. Stattdessen landete die Maschine in Portland (Oregon), wo FBI-Agenten Glenn Tripp erschossen.

Der Kreis der Verdächtigen

Seit 1971 hat das FBI nach eigenen Angaben mehr als tausend verdächtige Personen im Zusammenhang mit dem Entführungsfall genauer überprüft. Die meisten dieser Verdächtigen konnten definitiv ausgeschlossen werden. Ein Überblick über die bekanntesten Namen, die den Theorien zufolge die Tat begangen haben könnten.

D.B. Cooper - Phantombild Alterung
Mögliche Alterung D.B. Cooper

Kenneth Christiansen

Im Jahr 2003 sah sich Lyle Christiansen aus Minnesota eine TV-Dokumentation über den Cooper-Fall an. Nach der Sendung war er überzeugt, sein verstorbener Bruder Kenneth sei der gesuchte Dan Cooper. Seine Argumentation schien das FBI jedoch nicht zu überzeugen.

Also wendete er sich an den Filmautor und Regisseur Nora Ephron, in der Hoffnung, dass dieser seine Geschichte verfilmen würde. Als auch dies scheiterte, engagierte er den Privatdetektiv Skipp Porteous aus New York. Dieser Detektiv veröffentlichte 2010 ein Buch, in dem er behauptete, Kenneth Christiansen sei in der Tat der Flugzeugentführer gewesen.

Christiansen war 1944 zum Militär eingezogen worden und wurde zum Fallschirmjäger ausgebildet. Er unternahm Ende der 1940er noch einige Übungssprünge in Japan, als er dort mit der amerikanischen Besatzungsarmee stationiert war. Nach seiner Dienstzeit beim Militär arbeitete er als Mechaniker für Northwest Orient Airlines, später auch als Flugbegleiter und Purser in Seattle.

Zum Zeitpunkt der Entführung war Kenneth Christiansen 45 Jahre alt. Er war wie der Entführer Raucher und hatte eine Vorliebe für Bourbon. Zudem war er Linkshänder (es gibt Hinweise darauf, dass der Täter ebenfalls Linkshänder war). Die Stewardess Florence Schaffner äußerte gegenüber einem Reporter, dass die Fotos von Christianen eher Dan Cooper ähnelten als andere Bilder von Verdächtigen, die man ihr gezeigt hatte. Allerdings stimmten Körpergröße und Gewicht von Kenneth Christiansen nicht mit den Angaben der Augenzeugen überein. Christiansen wog nur 68 kg und war lediglich 1,72 m groß.

Christiansen hatte angeblich wenige Monate nach der Flugzeugentführung ein Haus gekauft und bar bezahlt. Nach seinem Tod 1994 entdeckten Angehörige Goldmünzen und eine wertvolle Briefmarkensammlung. Außerdem befanden sich auf diversen Konten des Verstorbenen mehr als 200.000 US-Dollar.

In seinem Nachlass fand sich zudem eine Sammlung von Zeitungsausschnitten über seinen Arbeitgeber Northwest Orient Airlines. Er hatte bereits seit Anfang der 1950er-Jahre solche Artikel gesammelt, jedoch kurz vor der Entführung damit aufgehört, obwohl es sich dabei wohl um die schlagzeilenträchtigste Geschichte in der Historie der Fluglinie handelte. Nach 1971 arbeitete Christiansen allerdings nur noch in Teilzeit für die Airline.

Das Buch von Porteous und eine TV-Dokumentation aus dem Jahr 2011 verschafften der Geschichte einige Aufmerksamkeit. Dennoch betrachtete das FBI Kenneth Christiansen nie als Verdächtigen. Zum einen stimmte sein äußeres Erscheinungsbild nicht mit den Zeugenbeschreibungen überein.

Zum anderen war er ein ausgesprochen erfahrener Fallschirmspringer. Fehler, wie sie Dan Cooper unterlaufen waren, wären ihm wohl kaum passiert. Außerdem fand sich keinerlei belastendes Material, das ihn direkt mit der Entführung in Verbindung brachte.

William Gossett

William Pratt Gossett hatte in seiner Militärzeit nichts ausgelassen. Er diente bei der Marine, der Luftwaffe und dem Heer. Er hatte sowohl am Korea- als auch am Vietnamkrieg teilgenommen. Zu seinen militärischen Qualifikationen zählten Sprung- und Überlebenstraining in der Wildnis. 1973 schied er aus dem Militär aus und arbeitete als Lehrer für die Fortbildung von Reserveoffizieren.

Außerdem unterrichtete er Militärrecht an der Weber State University in Ogden (Utah) und hatte eine eigene Radio-Talkshow in Salt Lake City, in der er gerne über paranormale Phänomene sprach. 1988 änderte Gossett seinen Vornamen in Wolfgang und wurde katholischer Priester. William Gossett verstarb 2003.

Gossett war von der Cooper-Entführung regelrecht besessen. Er sammelte alle Zeitungsartikel zu dem Thema. Kurz vor seinem Tod erzählte er seinen Söhnen angeblich (darunter zwei Juristen), dass er die Flugzeugentführung begangen habe. Fotos von Gossett, die um 1971 entstanden sind, zeigen durchaus Ähnlichkeiten zu den Phantombildern.

Der Anwalt Galen Cook hat viele Jahre Unterlagen zu William Gossett zusammengetragen. Laut seiner Recherchen habe Gossett seinen Söhnen auch einen Schlüssel zu einem Bankschließfach in Vancouver (Kanada) gezeigt, in dem sich das vermisste Lösegeld befinde.

Gossetts ältester Sohn Greg erinnerte sich, dass sein Vater ihnen kurz vor Weihnachten 1971, nur wenige Wochen nach der Entführung, einen großen Haufen Bargeld präsentiert habe. Er habe angenommen, dass sein Vater das Geld später in Las Vegas verzockt habe, da er ein passionierter Spieler gewesen sei.

Für das FBI genügten diese Indizien jedoch nicht. Für die Behörden ist es noch nicht einmal zweifelsfrei erwiesen, ob sich Gossett zum Zeitpunkt des Verbrechens im Nordwesten der USA aufhielt.

Richard McCoy

Richard Floyd McCoy Jr. war ein Army-Veteran, der zwei Dienstzeiten in Vietnam gedient hatte. Er war zunächst Spezialist für Sprengungen, dann später bei den Green Berets als Hubschrauberpilot tätig. Nach dem Militärdienst wurde er Stabsfeldwebel in der Nationalgarde von Utah. In seiner Freizeit war er begeisterter Fallschirmspringer.

Am 7. April 1972 entführte McCoy in Denver Flug 855 von United Airlines. Es handelte sich wie im Cooper-Fall um eine Boeing 727 mit rückwärtiger Treppe. Der Täter verwendete einen Briefbeschwerer, der wie eine Handgranate geformt war, sowie eine nicht geladene Pistole, um die Flugbesatzung zu bedrohen. Dann verlangte er 500.000 Dollar in bar und vier Fallschirme. Die Übergabe erfolgt auf dem San Francisco International Airport. McCoy sprang über Provo in Utah aus der Maschine.

An Bord des Flugzeugs ließ er seine handschriftlichen Anweisungen an die Besatzung zurück. Das FBI konnte den Täter rasch identifizieren, da er Fingerabdrücke an einer Illustrierten hinterlassen hatte. Als ehemaliger Militärangehöriger waren seine Fingerabdrücke registriert. Am 9. April konnte McCoy verhaftet werden. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Haftstrafe von 45 Jahren.

Doch zwei Jahre später konnte McCoy aus der Haftanstalt in Lewisburg mit mehren Komplizen fliehen. Die Insassen durchbrachen mit einem Müllwagen das Haupttor des Gefängnisses. Drei Monate später konnte das FBI den entflohenen Sträfling in Virginia Beach aufspüren. Es kam zu einer Schießerei mit den Agenten, bei der Richard McCoy seinen Verletzungen erlag.

1991 erschien ein Buch, deren Verfasser der ehemalige FBI-Agent Russell Calame und der Bewährungshelfer Bernie Rodes waren. Darin behaupteten die Autoren, dass sie McCoy als wahren Dan Cooper überführt hätten. Als Indizien führten sie zahlreiche Parallelen zwischen beiden Fällen an. Außerdem behaupteten Angehörige von McCoy, dass dieser eine Ansteckkrawatte und eine Perlmuttkrawattennadel besessen habe, wie sie Cooper seinerzeit am Tatort zurückgelassen hatte.

Während das FBI keinerlei Zweifel hegt, dass McCoy die Maschine in Denver entführt hat, gilt er jedoch offiziell nicht als Verdächtiger im Cooper-Fall. Zum einen war er 1971 29 Jahre alt und nicht Mitte 40, wie die Zeugen den Täter beschrieben hatten. Zum anderen verfügte er über exzellente Kenntnisse als Fallschirmspringer, weswegen ihm einige Fehler, wie sie Dan Cooper unterlaufen waren, wohl kaum passiert wären. Außerdem gab es wohl ernst zu nehmende Hinweise, dass sich Richard McCoy am 24. November 1971 in Las Vegas aufhielt und den darauffolgenden Feiertag zusammen mit seiner Familie in seinem Haus in Utah verbrachte.

Duane Weber

Duane L. Weber hatte während des Zweiten Weltkriegs in der US-Army gedient. Zwischen 1945 und 1968 saß er wegen Einbrüchen und Fälschungsdelikten sechs Mal im Gefängnis ein. Weber geriet erst 1995 durch seine Witwe unter Verdacht. Sie behauptete, ihr Mann habe ihr auf dem Sterbebett anvertraut, dass er Dan Cooper sei.

Mit dem Namen habe sie zunächst nichts anfangen können. Erst ein Bekannter habe ihr Monate später erklärt, um wen es sich dabei handle. Danach habe sie die örtliche Bibliothek aufgesucht und dort ein Sachbuch über die Flugzeugentführung gefunden. An den Rändern fanden sich handschriftliche Anmerkungen. Sie habe sofort die Handschrift ihres verstorbenen Mannes wiedererkannt.

Nach der Lektüre habe sie sich daran erinnert, wie ihr Mann einst im Schlaf laut redete. Er sprach davon, aus einem Flugzeug zu springen, und dass er Angst habe, Fingerabdrücke an der Hintertreppe zu hinterlassen. Ihr Mann sei zudem Kettenraucher gewesen und habe Bourbon getrunken.

Darüber hinaus habe sie 1979 zusammen mit ihrem Mann einen Trip nach Seattle und an den Columbia River unternommen. Ihr Gatte habe sich dabei einmal alleine zu einem Spaziergang in die Nähe des Tina-Strandes aufgemacht – nur vier Monate, bevor Brian Ingram dort die Geldscheine aus der Beute fand.

Das FBI strich Weber 1998 von der Liste der Verdächtigen, als seine Fingerabdrücke mit keiner der in der entführten Maschine sichergestellten Spuren übereinstimmten. Zudem konnte man keinen wirklichen Beweis finden, der Weber mit der Entführung in Verbindung brachte. Spätere Untersuchungen ergaben, dass Webers DNA-Profil auch nicht zu dem organischen Material passte, dass man durch die Krawatte gewonnen hatte.

John List

John Emil List war Veteran des Zweiten Weltkriegs und Korea-Kriegs. Anschließend arbeitete er als Buchhalter, bis er seine Mutter, seine Frau und seine drei minderjährigen Kinder in Westfield (New Jersey) ermordete und spurlos verschwand. Die Morde ereigneten sich 15 Tage vor der Entführung der Boeing-Maschine durch Dan Cooper. Durch diese zeitliche Parallele geriet er beim FBI automatisch unter Verdacht. Zudem ähnelte sein Äußeres in groben Zügen der Zeugenbeschreibungen von Dan Cooper.

1989 konnte List verhaftet werden. Bei seiner Vernehmung gestand er die Ermordung seiner Familie. Doch mit der Flugzeugentführung hatte er nach eigenem Bekunden nichts zu tun. Und es ist äußerst unwahrscheinlich, dass jemand, der fünf Morde gesteht, nicht gleichzeitig noch eine unblutig verlaufene Entführung beichtet. Weil zudem keinerlei Hinweise auf eine Verbindung auftauchten, gilt er beim FBI nicht länger als Verdächtiger im Entführungsfall. John List verstarb 2008 in Haft.

Barbara Dayton

Robert Dayton diente in der Handelsmarine, während des Zweiten Weltkriegs in der Army. Nach seiner Entlassung aus dem Militär arbeitete er als Bibliothekar sowie mit Sprengstoff im Baugewerbe. Außerdem war er Hobbypilot und strebte eine Karriere bei einer professionellen Fluggesellschaft an. Doch er erhielt keine Verkehrspilotenlizenz.

1969 unterzog sich Dayton einer operativen Geschlechtsumwandlung und änderte seinen Namen in Barbara. Viele Jahre später behauptete jene Barbara Dayton, für die Cooper-Entführung verantwortlich gewesen zu sein. Sie habe sich seinerzeit als Mann verkleidet. Sie sei sauer auf die Luftfahrtbehörde FAA und die gesamte Luftfahrtindustrie gewesen, weil man ihr die Zulassung als Pilot verwehrt habe. Das Lösegeld habe sie in einer Zisterne in Woodburn, einem Vorort von Portland (Oregon), versteckt. Dort sei sie damals gelandet.

Als Barbara Dayton erfuhr, dass sie wegen der Flugzeugentführung immer noch juristisch belangt werden konnte, widerrief sie ihr Geständnis. Das FBI hat sich zu dieser Person nie öffentlich geäußert. Dayton verstarb 2002.

Ted Mayfield

Ted Mayfield gehörte den Special Forces der US-Army an und war unter anderem Ausbilder für Fallschirmspringer. Gleichzeitig war er mehrfach vorbestraft wegen fahrlässiger Tötung (bei zwei Schülern öffneten sich die Fallschirme nicht), bewaffneten Raubüberfällen und des Transports von gestohlenen Flugzeugen. Zuletzt wurde er 2010 zu einer Strafe von drei Jahren auf Bewährung verurteilt, weil er eine einmotorige Maschine geflogen war. 26 Jahre zuvor hatte man ihm seine Pilotenlizenz auf Lebenszeit entzogen.

Mayfield stand in den anfänglichen Ermittlungen tatsächlich unter Verdacht des FBI, weil einer der Agenten ihn kannte und zu einem früheren Zeitpunkt mit Mayfield aneinandergeraten war. Doch der Verdächtige meldete sich nur zwei Stunden nach der Landung der entführten Maschine in Reno bei den Behörden und bot seine Hilfe bei der Suche nach der Landezone an. Das FBI hielt es deshalb für sehr unwahrscheinlich, dass es sich bei ihm um den Täter handeln konnte.

2006 meldeten sich jedoch zwei Amateurdetektive über die Medien zu Wort und beschuldigten Mayfield der Tat. Daniel Dvorak und Matthew Myers behaupteten, sie hätten genügend belastende Indizien zusammengetragen, um ihm das Verbrechen nachzuweisen. Sie wollten ihre Beweise in einem Buch offenlegen, das sie bald zu veröffentlichen gedachten.

Mayfield wehrte sich gegen die Vorwürfe und ließ durchblicken, die beiden Autoren in spe hätten ihm viel Geld in Aussicht, wenn er bei dieser Geschichte mitspielen würde. Dvorak und Myers wiesen dies empört zurück. 2007 starb Dvorak. Das Buch ist bis heute nicht erschienen, konkrete Indizien gegen Mayfield sind nie aufgetaucht.

Jack Coffelt

Jack Coffelt war mehrfach vorbestraft. Er behauptete, Chauffeur und enger Vertrauter von Robert Todd Lincoln Beckwith gewesen zu sein, dem letzten nachweislichen Nachfahren von Abraham Lincoln. Bereits 1972 erzählte Coffelt, er sei jener gesuchte Dan Cooper.

Coffelt sagte, er sei in der Nähe von Mount Hood gelandet, etwa 80 km südöstlich von Ariel. Dabei habe er sich verletzt und auch das Lösegeld verloren. Coffelt hatte eine gewisse Ähnlichkeiten mit den Phantomzeichnungen, auch wenn er zum Zeitpunkt der Entführung bereits Mitte 50 war. Angeblich hatte er sich laut Zeugen am 24. November 1971 in Portland aufgehalten und litt seitdem unter einer Beinverletzung.

Das FBI überprüfte daraufhin Coffelt, stellte jedoch in etlichen Details gravierende Abweichungen fest, ohne diese Unterschiede jemals öffentlich preiszugeben. Die Behörden hielten die Geschichte für einen ausgemachten Schwindel, um an Geld zu gelangen. Ein ehemaliger Mithäftling sollte Coffelt einen Kontakt zu den Filmproduktionsfirmen in Hollywood herstellen. Dazu kam es jedoch nicht. Jack Coffelt verstarb bereits 1975.

Lynn Cooper

Den Namen Lynn Doyle Cooper brachte seine Nichte Marla Cooper 2011 ins Spiel. Sie behauptete, als Kind Cooper und einen weiteren Onkel belauscht zu haben. Sie hätten einen Plan geschmiedet, für den sie teure Walkie-Talkies benötigten. Dieses Treffen habe im Haus ihrer Großmutter in Sisters (Oregon) am Tag vor der Flugzeugentführung stattgefunden. Sisters liegt etwa 250 km südlich von Portland.

Am nächsten Tag wollten die beiden Onkel dann angeblich Truthähne jagen. Doch plötzlich sei L.D. Cooper mit einem blutverschmierten Hemd zu Hause erschienen. Er erklärte seinen Aufzug mit einem Autounfall. Ihr Onkel sei zudem ein großer Fan der kanadischen Comic-Reihe mit Dan Cooper gewesen. Eines der Hefte habe er sogar an einer Wand befestigt.

Das FBI verglich Fingerabdrücke und DNA-Profil mit ihren Spuren, stellte jedoch keine Übereinstimmung fest. Zudem hatte Cooper keinerlei Ausbildung oder Erfahrung als Fallschirmspringer.

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Überblick zum Fall D.B. Cooper

  • Die Jagd nach D.B. Cooper

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