Während die Polizei in Los Angeles weiterhin vergeblich nach Rodney Alcala fahndete, stellte sich im Herbst 1968 ein Mann namens John Berger im Zulassungsbüro der New York University vor. Berger bewarb sich um einen Studienplatz für den Masterstudiengang der Kunsthochschule. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Denn solch ein Studienplatz war extrem begehrt. Das lag unter anderem daran, dass Persönlichkeiten wie Roman Polanski, der mit »Rosemary‘s Baby« just einen der prägendsten Filme der 1960er-Jahre abgedreht hatte, zu den Lehrkräften dieser Hochschule gehörten. Zudem hatte das Studiensemester bereits begonnen.
Doch John Berger wickelte die Entscheidungsträger mit seinem Charme und einer überzeugenden Bewerbungsmappe dermaßen ein, dass sie in seinem Fall eine Ausnahme machten. Und Berger schien den Vertrauensvorschuss zu rechtfertigen. In jedem Kurs, den er belegte, gehörte er stets zu den Notenbesten. Nach drei Jahren hatte er das Studium mit Bravour abgeschlossen. Bei diesem brillanten Studenten handelte es sich natürlich um niemand anderes als Rodney Alcala, der unter falschem Namen im Großstadtdschungel von New York untergetaucht war.
Inhaltsverzeichnis
Rodney Alcala – Kapitel 2
Highlife im Greenwich Village
Der Vater von Alcalas Opfer Tali Shapiro hatte auch mal so ein Leben auf der gesellschaftlichen Überholspur geführt. Er war ein erfolgreicher Musikmanager, der sich ständig in der Umgebung von Musikgrößen wie den Stones oder Dylan aufhielt. Aber der Überfall auf seine Tochter hatte sein Leben und das seiner Familie komplett auf den Kopf gestellt. Der Vater von Tali schmiss seinen Job hin und vergrub sich mit Frau und Kindern in der tiefsten Provinz, nur um der Erinnerung an die schreckliche Tat zu entkommen. Währenddessen ließ Rodney Alcala in New York die Korken knallen.
Alcalas Studium dauerte von 1968 bis 1971. Bisher weiß man von keinen weiteren Straftaten, die er in dieser Phase verübt hat. Das bedeutet in seinem Fall allerdings nicht viel. Denn bei seinem nächsten Verbrechen dauerte es vierzig Jahre, bis ihm ein Gericht seine Schuld nachweisen konnte. Und dieses Mal war Alcalas Opfer nicht mit dem Leben davongekommen.
Cornelia Crilley
Am 12. Juni 1971 klingelte gegen fünf Uhr nachmittags im Büro des jungen New Yorker Staatsanwalts Leon Borstein das Telefon. Am anderen Ende der Leitung meldete sich die aufgeregte Mutter seiner Verlobten Cornelia Crilley. Cornelia war verschwunden! Borstein versuchte seine Schwiegermutter in spe zu beruhigen. Sie sollte ihm erst einmal erklären, was genau passiert sei. Mutter und Tochter Crilley telefonierten regelmäßig, häufig mehrfach täglich. So hatten sie auch an diesem Dienstag bereits zweimal miteinander gesprochen. Schließlich war es ein besonderer Tag im Leben von Cornelia Crilley.
Die TWA-Stewardess zog mit zwei Kolleginnen in eine neue Wohnung um. Nun, genau genommen musste Cornelia den Umzug alleine bewältigen, weil ihre Mitbewohnerinnen kurzfristig für einen Flug eingeteilt worden waren. Für 14.00 Uhr hatten die Crilleys ein weiteres Telefonat verabredet. Doch Cornelia war nicht mehr an den Apparat gegangen, selbst als ihre Mutter es alle fünf Minuten probierte. Inzwischen machte sich die Frau große Sorgen.
Leon Borstein kämpfte sich daraufhin durch den Berufsverkehr von Brooklyn nach Manhattan zur 427 E 83rd Street, der neuen Adresse seiner Verlobten. Da sie auf sein Klingeln nicht reagierte, suchte Borstein das nächste Polizeirevier auf. Als Staatsanwalt kannte er einige der Beamten persönlich. Er konnte zwei der Polizisten überreden, ihn zur Wohnung seiner Verlobten zu begleiten. Die beiden hangelten sich die Feuertreppe hoch und schlugen ein Fenster ein. Dann die Gewissheit: Die 23-jährige Cornelia lag tot in einem der Schlafzimmer des Apartments. Gefesselt, brutal vergewaltigt und anschließend mit ihrer Nylonstrumpfhose erdrosselt.
Der Staatsanwalt gerät unter Tatverdacht
Die herbeigerufenen Kriminalbeamten konnten keine Spuren entdecken, die darauf hinwiesen, dass der Täter gewaltsam in die Wohnung eingedrungen war. Es ließen sich auch keine Zeugen auftreiben, die Cornelia Crilley an diesem Tag gemeinsam mit einem Mann gesehen hatten. Leon Borstein war lange genug bei der Staatsanwaltschaft, um zu begreifen, was das für ihn bedeutete. Er würde ab sofort als der Hauptverdächtige in diesem Mordfall gelten. Bei solch einer Spurenlage deutete alles auf eine Beziehungstat hin. Das war das kriminalistische Einmaleins. Und da von Cornelia Crilley bekannt war, dass sie extrem misstrauisch gegenüber fremden Personen war, rückte das Borstein noch mehr in den Fokus der Ermittlungen.
Zum Glück gelang es den Ermittlern nicht, Borstein den Mord anzuhängen. Denn der Staatsanwalt war unschuldig. Aber Borstein musste hilflos zusehen, wie ihn die Polizei in den nächsten Monaten in die Mangel nahm, während der Mörder seiner Verlobten unerkannt entkommen konnte. Noch Jahre später ließen die Kriminalbeamten ihn deutlich spüren, dass sie ihn – und nur ihn – im Verdacht hatten. Der Mann erlebte also in doppelter Hinsicht ein Trauma.
Bissspuren überführen den wahren Täter
Es sollte dreißig Jahre dauern, bis Beweise auftauchten, die den wahren Mörder entlarvten: Rodney Alcala. Und weitere zehn Jahre vergingen, bis dieser für das Verbrechen verurteilt wurde. Man konnte Alcala schließlich nur überführen, weil er sehr auffällige Bisswunden an der Brust der getöteten Cornelia Crilley hinterlassen hatte. Der Gerichtsmediziner war so vorausschauend, die Bissspuren zu sichern. Vielleicht wäre damit eines Tages ein Gebissvergleich möglich, so sein ursprünglicher Hintergedanke. Dem Gewebe haftete aber auch noch DNA von Alcala an. Drei Jahrzehnte nach der Tat war die Forensik so weit, dass sie diese Art von Spurenmaterial auswerten konnte.
Der Verführer
Da Alcala zunächst nicht geständig war, musste sich die Polizei ihre eigene Theorie zurechtbasteln. Gegen 12.30 Uhr hatte ein Nachbar letztmals das spätere Mordopfer lebend gesehen. Zu diesem Zeitpunkt mühte sich Cornelia Crilley in der prallen Mittagssonne mit einem schweren Sofa ab, das noch auf dem Bürgersteig stand. Sie hatte offensichtlich vor, das Möbelstück alleine in den ersten Stock zu hieven. Die Polizei mutmaßte, dass just in diesem Moment Rodney Alcala aufgetaucht sein musste. Er bot der Frau vermutlich seine Hilfe beim Tragen an.
Wie gesagt: Cornelia Crilley galt gegenüber Fremden als sehr misstrauisch. Doch Alcala war von jeher äußerst geschickt im Umgang mit anderen Menschen. Die Jahre im Greenwich Village hatten seine diesbezüglichen Fähigkeiten noch weiter verfeinert. Es war ihm wohl gelungen, Cornelias Zweifel zu zerstreuen. Und sobald er mit ihr alleine in der Wohnung war, schlug Alcala erbarmungslos zu. Es musste eine spontane, ungeplante Tat gewesen sein, bei der Rodney Alcala einfach Glück hatte. Er hatte am helllichten Tag inmitten einer belebten Großstadtstraße ein Opfer verführt, ohne dass ihn Zeugen dabei beobachtet hatten. Und er war damit davongekommen. Aus seiner Sicht hatte sich das Risiko gelohnt.
Zwei Monate später sollte Rodney Alcalas Glückssträhne in New Hampshire reißen – zumindest vorübergehend. Während der Semesterferien in den vergangenen beiden Jahren hatte er einen Kurs bei einem Theaterworkshop geleitet. Der Workshop fand in einem kleinen Kaff namens Georges Mills in New Hampshire statt. Die Tätigkeit als Dozent bereitete ihm so viel Spaß, dass er seine erneute Mitarbeit auch nach Beendigung des Studiums zugesagt hatte. Das sollte sich rächen.
Die zehn meistgesuchten Gangster der USA
Denn zwei Teilnehmerinnen des Workshops suchten eines Nachmittags das Dorf auf. Sie wollten lediglich ein paar Postkarten in den Briefkasten schmeißen. Doch sie wurden von einem heftigen Gewitterschauer überrascht. Sie suchten Unterschlupf in dem kleinen Postladen. Während sie das Ende des Sommergewitters abwarteten, studierten sie gelangweilt die Auslagen und Broschüren. Da fiel ihr Blick auf ein Fahndungsplakat des FBI. Die zehn meistgesuchten Gangster der USA. Die Mädchen rissen Witze über die hässlichen Verbrechervisagen. Bis beide plötzlich verstummten.

Auf einem der Bilder blickte ihnen nämlich ein wohlvertrautes Gesicht entgegen. Das ihres Dozenten John Berger. Der Mann auf dem Foto wirkte zwar jünger, die Frisur war anders. Aber es waren unverkennbar seine markanten Augen, die ihnen dort entgegenblickten. Doch unter dem Foto stand ein völlig anderer Name: Rod James Alcala.

Die Mädchen konnten sich nicht vorstellen, dass ihr charmanter Lehrer in Wahrheit ein gefährlicher Verbrecher sein sollte. Vielleicht war es nur eine Art Doppelgänger. Solche verblüffenden Ähnlichkeiten gab es ja zuweilen. Dennoch unterrichteten sie den Veranstalter des Workshops über ihre Entdeckung. Schließlich ging es um die Vergewaltigung eines kleinen Mädchens, wie sie dem Fahndungsplakat entnommen hatten. Der Veranstalter sah das ähnlich und benachrichtigte umgehend das FBI.
Die Tarnung fliegt auf
Es dauerte lediglich bis zum nächsten Tag und Alcalas Tarnung, die ihn drei Jahre geschützt hatte, flog auf. Ein Vergleich der Fingerabdrücke brachte Gewissheit. Aber wie war Alcala auf das Fahndungsplakat des FBI geraten? Steve Hodel hatte der ungeklärte Fall keine Ruhe gelassen, auch nach drei Jahren nicht.
Es hatten sich in diesem Zeitraum keinerlei neue Hinweise auf den Verbleib des Flüchtigen ergeben. Dass Rodney Alcala irgendwo weit entfernt von Los Angeles ein neues Leben begonnen hatte, war inzwischen nur allzu klar. Hodels einzige Hoffnung war, dass der Täter die USA noch nicht verlassen hatte. Also bat er das FBI um Amtshilfe. Vielleicht würde eine landesweite Fahndung den entscheidenden Hinweis bringen. Und Hodels Kalkül ging auf.
Mildernde Umstände
Endlich musste sich Rodney Alcala für sein schreckliches Verbrechen an der kleinen Tali vor einem Gericht verantworten. Doch die Familie von Tali Shapiro lebte inzwischen in Mexiko und weigerte sich, wieder nach Los Angeles zurückzukehren. Der Prozess fand also ohne die Zeugenaussage von Tali Shapiro statt.
Am Ende entschieden die Geschworenen aufgrund der Beweislage, dass Rodney Alcala lediglich ein versuchter Kindesmissbrauch nachzuweisen war. Das Gericht verurteilte daraufhin den Angeklagten Rodney Alcala zu einer Gefängnisstrafe von 34 Monaten. Für die Ermittlungsbehörden von Los Angeles stellte das Urteil eine herbe Enttäuschung dar. Nach nur zwei Jahren wurde Rodney Alcala wegen guter Führung auf Bewährung entlassen.
Fairerweise muss man hinzufügen: Es waren die 1970er. Der Resozialisationsgedanke war groß in Mode. Hatte Rodney Alcala nicht bewiesen, was für ein fleißiger und brillanter Student er sein konnte? Konnte man also nicht davon ausgehen, dass er sich noch als nützliches Mitglied der Gesellschaft erweisen sollte? Und war er in den drei Jahren nach dem Verbrechen an Tali nicht immer ein braver, gesetzestreuer Bürger gewesen? Noch ahnte ja niemand, dass er Cornelia Crilley ermordet hatte. Rodney Alcala war ein gewiefter Blender, der andere Menschen geschickt zu manipulieren wusste. Offensichtlich gaben diese Faktoren letztlich den Ausschlag, dass der Richter zu seinem überraschend milden Urteil gelangte.
Ohne den Hauch eines Skrupels
Was er allerdings bei der Urteilsfindung nicht beachtete: Rodney Alcala hatte seine Tat präzise geplant. Er musste sich sehr genau bewusst gewesen sein, was er da vorhatte. Und dennoch hatte er die Nummer ohne den Hauch eines Skrupels durchgezogen. In den wenigen Minuten, die er mit dem Mädchen alleine in der Wohnung verbracht hatte, war er mit äußerster Brutalität vorgegangen. Die Hantel, mit der Rodney Alcala Tali Shapiro niedergeschlagen hatte, fanden die Beamten in der Küche wieder. Die Metallstange lag quer über dem Kehlkopf des Mädchens und schnürte ihm die Luft ab.
Nach der Spurenlage am Tatort hatten die Ermittler keinerlei Zweifel, dass Rodney Alcala den Tod des Mädchens in sein Szenario fest einkalkuliert hatte. Der Bursche würde vor einem eiskalten Mord nicht zurückschrecken. Die Kriminalbeamten sollten mit ihrer düsteren Prognose recht behalten. Das milde Urteil war letzten Endes eine Entscheidung mit fatalen Folgen, wie sich noch herausstellen sollte.
Nach der Haftentlassung zog Rodney Alcala bei seiner Mutter in Monterey Park ein. Dass er damit ein Stück Unabhängigkeit einbüßte, störte ihn nicht. Sein Zimmer verfügte über einen separaten Eingang. Er konnte kommen und gehen, wann es ihm passte. Es dauerte nicht lange und Alcala fand einen Job, der ihm zusagte. Eine Fotoagentur heuerte ihn an, Ladenlokale im Süden von Los Angeles abzulichten. Nun verdiente er sein eigenes Geld. Er konnte sich sogar ein Auto leisten. Er war wieder voll im Geschäft.
Rodney Alcala erschien jeden Tag pünktlich zur Arbeit und erledigte seinen Job zur vollsten Zufriedenheit seines Auftraggebers. Die Agentur war begeistert von ihrem neuen Mitarbeiter. Rodney Alcala lenkte sein Leben in normale Bahnen. Die Resozialisation schien von Erfolg gekrönt zu sein. Dann kam der 13. Oktober 1974. Und Alcalas hässliche Seite lugte wieder hervor.
Judith
Am Morgen dieses Tages fuhr er an einem Einkaufszentrum in Huntington Beach vorbei. Dort stand ein Mädchen an einer Bushaltestelle herum. Alleine. Rodney Alcala konnte der Versuchung nicht widerstehen. Er hielt neben dem Kind an und versprach ihm eine Freifahrt zur Schule. Wozu auf den klapprigen, stinkenden Bus warten, in dem eh nur die öden Versager herumgammelten?
Rodney Alcala entzifferte auf den Schulheften den Namen des Mädchens, der dort groß und deutlich geschrieben stand. »Heh, Judith« dies, »Heh, Judith« das. Der erfahrene Alcala schäkerte mit dem Teenager herum, bis Judith über beide Backen knallrot anlief, bei all der Aufmerksamkeit, die ihr der schöne Fremde zuteilwerden ließ. Er fragte Judith, wie alt sie sei. »Dreizehn«, antwortete sie. »Komm schon, Judith, steig ein.« Und Judith stieg ein.
In der Falle
Ein paar Minuten später raste Alcalas Wagen an Judiths Schule vorbei. Erst glaubte sie an einen Irrtum und bat Alcala anzuhalten. Aber der reagierte überhaupt nicht. Da stieg langsam Panik in ihr auf. Sie begann, sich auf ihrem Sitz zu winden und heimlich nach dem Türgriff zu tasten. Da wurde der zuvor so freundliche Rodney Alcala äußerst ungehalten. Er riss sie am Arm zurück und drückte sie in den Sitz. Er brüllte sie an, sie solle es ja nicht wagen, sich nochmals zu rühren. Das verängstigte Kind saß wie paralysiert da und betete still und leise, dass die Sache noch ein gutes Ende nähme.
Die Fahrt endete nach einer Viertelstunde am Strand von Huntington Beach. Rodney Alcala stieg aus und zerrte Judith aus dem Wagen. Anschließend schubste er sie in Richtung der Klippen. Sie solle sich auf einen der Felsen setzen, befahl er ihr. Dann zog er einen Joint hervor, zündete ihn an und nahm einen tiefen Zug. Anschließend reichte er ihn an Judith weiter. Er forderte sie auf, ebenfalls daran zu ziehen. Das Mädchen traute sich nicht, zu widersprechen.

Quelle: DHN, en.wikipedia.org
Sobald sie inhaliert hatte, befiel sie ein krampfartiger Husten. Rodney Alcala schüttelte sich vor Lachen und machte sich über sie lustig. Judith witterte ihre Chance und versuchte wegzurennen. Alcala bekam sie an einem Bein zu fassen und zerrte das sich verzweifelt windende Mädchen wieder zu sich heran. Er packte sie an ihren Haaren. Dann drückte er plötzlich seinen Mund auf ihren und zwängte seine Zunge zwischen ihre Zähne. Judith überkam endgültig Angst. Diese Sache würde schlimm für sie enden. Daran hatte sie nun keinen Zweifel mehr.
Hundert Meter unterhalb der Klippen patrouillierte im selben Augenblick ein Ranger. Der Strand war Teil eines Staatsparks. Die vorrangige Aufgabe des Rangers bestand darin, die Leute davon abzuhalten, das Gelände zuzumüllen. Dem Mann fielen die beiden Gestalten auf den Felsen auf, die dort miteinander rangelten.
Er dachte weniger daran, dass er gerade Zeuge eines Verbrechens wurde. Er schüttelte lediglich den Kopf darüber, wie leichtsinnig diese jungen Leute waren. Direkt hinter den Klippen fiel die Felswand steil herab. Der Ranger beschloss, den beiden ins Gewissen zu reden und erklomm den Pfad nach oben.
Erwischt
Als er noch zwanzig Meter von den beiden entfernt war, wehte ihm der untrügliche Geruch von Marihuana entgegen. Der Ranger machte sich lautstark bemerkbar. Der verdutzte Alcala ließ daraufhin sofort von seinem Opfer ab. Er stotterte herum, er und seine Freundin befänden sich auf einer Wanderung und hätten nur eine kurze Rast eingelegt.
Doch Judith, die sich endlich aus der Umklammerung befreit hatte, stürzte im nächsten Moment dem Ranger entgegen und bat ihn um Hilfe. Sie erzählte ihm aufgeregt, dass der Mann sie gezwungen habe, mit ihm zu gehen und den Joint zu rauchen. Sie wolle nur noch nach Hause zu ihren Eltern. Der Ranger wusste nicht genau, was hier gespielt wurde. Also schaffte er beide zum nächsten Polizeirevier.
Die beiden blieben bei ihren unterschiedlichen Darstellungen der Ereignisse. Die Polizisten überprüften die Personalien. Gegen Judith lag nichts vor. Doch im Falle von Alcala wurden sie natürlich fündig. Nun war klar, wem die Beamten glaubten. Rodney Alcala sah seinem nächsten Prozess entgegen.
Verstoß gegen die Bewährungsauflagen
Der Staatsanwalt musste jedoch die Anklage wegen Freiheitsberaubung und Nötigung fallen lassen. Einzig das Mädchen konnte die Vorwürfe bezeugen und das würde vor Gericht nicht ausreichen. Also belangte man Alcala nur wegen eines Drogenvergehens. Er hatte einer Minderjährigen Marihuana gegeben. Das war strafrechtlich gesehen eine Bagatelle.
Aber weil er damit gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hatte, konnte der Richter ihn schließlich zu zweieinhalb Jahren verknacken. Alles in allem war die Sache aber erneut glimpflich ausgegangen für Alcala. Am 16. Juni 1977 ließ man Rodney Alcala wieder auf die Menschheit los – noch wütender als zuvor.