Andrew Urdiales: Geständnis, frühere Morde und Prozess

Andrew Urdiales wurde am 4. Juni 1964 in Chicago geboren, wuchs aber in Dolton auf, einem südlichen Vorort der Metropole, wo er 1982 die Highschool abschloss. Er galt in der Schule als ein Außenseiter und hatte nur wenige Freunde.

Nach seiner Schulzeit trat er dem Marinekorps der Vereinigten Staaten bei. In den nächsten Jahren war er in Südkalifornien stationiert, vor allem auf der Militärbasis Camp Pendleton, nördlich von San Diego gelegen. Man bildete ihn zum Funker aus. Urdiales diente im ersten Golfkrieg 1990/91.

Dr. Dorothy Otnow Lewis sagte als psychiatrische Sachverständige vor Gericht aus, dass er dem Militär aber nicht aus patriotischen Erwägungen beigetreten sei. Für ihn hätten andere Motive eine Rolle gespielt. Er habe lernen wollen, sich selbst zu verteidigen. Und im zweiten Schritt, wie er andere vernichten könnte. Denn Furcht und daraus resultierende Wut seien die bestimmenden Themen seiner Kindheit und Jugend gewesen.

Schikanen

Dr. Lewis führte aus, dass es in der Familie Urdiales mehrere Fälle psychischer Erkrankungen gegeben habe. Zudem hätten ihn seine Eltern physisch und psychisch misshandelt. Er sei außerdem von seiner Schwester und einem Cousin sexuell missbraucht worden. In der Schule und während seines Militärdienstes habe man ihn unaufhörlich schikaniert.

Seine Schwester habe ihn als kleines Kind die Treppe hinunterfallen lassen, was eine Schädigung des Hirns zur Folge gehabt haben könnte. Zeugen der Anklage widersprachen dem jedoch vor Gericht und attestiertem dem Beschuldigten lediglich eine „begrenzte geistige Leistungsfähigkeit“. Salopp formuliert: Der Mann war vielleicht kein Albert Einstein, aber deswegen noch lange nicht geistig unzurechnungsfähig.

Urdiales habe Stimmen gehört, die sich ihm teilweise in „verschlüsselter Sprache“ mitteilten. Habe er den Code geknackt, hätte die Botschaft für ihn immer gelautet, er habe eine „Mission zu erfüllen“. Darüber hinaus habe man bei ihm ein Tourette-Syndrom diagnostiziert.

In seinen persönlichen Einlassungen hatte Andrew Urdiales behauptet, dass er sich während seiner Dienstzeit in ein 15-jähriges Mädchen verliebt habe, das von ihm schwanger wurde. Eine Hochzeit sei jedoch unmöglich gewesen.

Er habe sich vor der Reaktion der Eltern des Mädchens gefürchtet. Außerdem habe er mit einer Bestrafung seitens des Militärs gerechnet, wenn es von seiner sexuellen Beziehung zu einer Minderjährigen erfahren hätte. So hätten sie sich gemeinsam zu einer Abtreibung entschlossen, obwohl er dies eigentlich nicht wollte.

Während seiner Militärzeit wurde Urdiales mehrfach befördert, aber auch wieder herabgestuft. Die Vorgesetzten waren der Ansicht, dass es ihm an ausreichender Führungsstärke mangelte. Untergebene von ihm hatten sich wiederholt geweigert, seinen Befehlen Folge zu leisten.

Beginn der Mordserie

Kurz nach seinem Einsatz bei der Operation „Desert Storm“ entließ man ihn 1991 ehrenhaft aus dem Militärdienst. Er kehrte zurück in sein Elternhaus nach Chicago. Später suchte er dort psychiatrische Hilfe in einer Klinik für Veteranen. Am 12. April 1996 forderte der behandelnde Arzt Urdiales während einer Sitzung auf, „offener seine Wut auszudrücken“. Zwei Tage danach tötete er Laura Uylaki.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Den Psychiater traf keine Schuld daran, dass Urdiales mordete. Denn damit hatte er bereits zehn Jahre zuvor begonnen, genauer gesagt am 18. Januar 1986, wie er den Kriminalbeamten McGrath und Krakausky gestand.

Am Abend dieses Tages entdeckte ein Wachmann auf dem Gelände des Saddleback College in Mission Viejo (Kalifornien) gegen 22.30 Uhr eine leblose Gestalt auf dem Parkplatz im Westen des Universitätsgeländes. Da der Parkplatz schlecht beleuchtet war, glaubte der Sicherheitsmann zunächst an einen Studentenulk. Für ihn wirkte es auf den ersten Blick, als hätte dort jemand eine Schaufensterpuppe abgelegt.

Deshalb fuhr der Wachmann einfach weiter. Aber einige Sekunden später entschied er sich anders, wendete den Wagen und hielt neben der vermeintlichen Puppe an. Der Parkplatz war ansonsten menschenleer.

Der Gegenstand lag neben einem Chevrolet Citation. Der Wachmann näherte sich. Er sah eine Blutlache. Und realisierte plötzlich, dass er es nicht mit einer Puppe zu tun hatte. Es war der Leichnam einer jungen Frau.

Robbin Brandley

Zwei Studenten eilten in diesem Moment gerade zu einem abgestellten Fahrzeug und kamen dabei am Fundort vorbei. Sie kannten die Tote. Es war die 23-jährige Robbin Brandley, die am College Kommunikationsdesign studierte.

Sie hatte erst wenige Minuten zuvor eine Party in der Kunstfakultät verlassen. Früher am Abend hatte dort ein Jazz-Konzert stattgefunden, bei der Brandley als Platzanweiserin ausgeholfen hatte. Im Anschluss hatten die Studenten weitergefeiert.

Die Leitung der Ermittlungen übernahm Detective Michael Stephany vom Sheriff-Büro des Orange County. Die Tote trug ein langes Kleid mit Blumenmustern. Das Kleid war bis über den Bauch hochgeschoben und gab den Blick auf ein Bikinihöschen und Kniestrümpfe aus Nylon frei. Neben dem Leichnam lag die Handtasche der jungen Frau.

Der Beamte bemerkte mehrere Stichwunden an Hals, Brust und Rücken. Die Hände des Opfers wiesen Schnittwunden auf, was auf typische Abwehrverletzungen bei Messerangriffen hindeutete. Die Autopsie ergab, dass der Täter insgesamt 41 Mal auf Brandley eingestochen hatte.

Ansonsten fanden sich allerdings keine brauchbaren Hinweise am Tatort: keine Fingerabdrücke, keine Tatwaffe, keine Textilfasern, keine Haare, keine DNS. Wegen des hochgeschobenen Kleides drängte sich der Verdacht auf, dass es sich um ein Sexualdelikt gehandelt haben könnte. Doch es gab keine weiteren Spuren einer Vergewaltigung.

Auch Raub schied als Motiv aus. Der Mörder hatte die Handtasche des Opfers samt Inhalt am Tatort zurückgelassen. Detective Michael Stephany stand vor einem Rätsel. So blieb das Verbrechen über Jahre hinweg ungeklärt – bis Andrew Urdiales das Verbrechen gestand.

Seinerzeit war er im Camp Pendleton nahe San Diego stationiert, nur rund eine halbe Autostunde vom Saddleback College entfernt. Seiner Aussage zufolge war der konkrete Auslöser der Tat, dass er wieder einmal von seinen Kameraden schikaniert worden war. Er war wütend. So wütend, dass er glaubte, jemanden ausrauben zu müssen, um seinen Zorn zu besänftigen.

Camp Pendleton front gate.jpg
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Camp Pendleton, Haupteingang

Schwarzer Schmodder

Wie gesagt: So stellte Andrew Urdiales den Ablauf dar. Die Tat selbst deutete aus Ermittlersicht eher darauf hin, dass er von Anfang an einen Mord und nicht nur Raub im Sinn hatte. Er hatte ein Jagdmesser eingesteckt, dessen Klinge 27,5 cm maß. Er begab sich zu dem düsteren College-Parkplatz, wo er sich auf die Lauer legte. Er hielt nach einem Opfer Ausschau. Seinen eigenen Worten zufolge war ihm einerlei, wie dieses Opfer aussah. Hauptsache, es war eine Frau.

Die erste Frau, die er sah, war Robbin Brandley. Er schlich sich von hinten an die Studentin an und hielt ihr die Hand vor den Mund. Er verlangte ihre Handtasche. Sie händigte sie ihm aus.

Dann stach er sie in den Rücken. Sie sank zu Boden. Er rammte ihr das Messer mehrfach in die Brust. Wie bereits erwähnt: 41 Mal. Sieht so das typische Verhaltensmuster eines Raubmörders aus? Ich habe meine Zweifel.

Das Messer blieb schließlich in den Rippen stecken. Er stemmte sich mit seinem Fuß gegen den Körper des Mädchens, um die Klinge wieder herausziehen. Anschließend verschwand Andrew Urdiales und ließ Robbin Brandley sterbend zurück.

Seine Hose, die Jacke und die Hände waren blutverschmiert. So konnte er nicht in der Kaserne erscheinen, das war ihm bewusst. Er kratzte die Ölrückstände vom Motorblock seines Wagens ab. Mit dem Schmodder rieb er sich die Hände ein und überdeckte die Blutspuren an seiner Kleidung. Der Wache am Eingang zur Kaserne erzählte er, er habe eine Autopanne gehabt.

Es vergingen zweieinhalb Jahre bis zur nächsten Tat, die nach einem gänzlich anderen Muster ablief. Kein Wunder, dass die Ermittler keinen Zusammenhang gesehen hatten. Am 17. Juli 1988 sprach Andrew Urdiales die 29-jährige Prostituierte Julie McGhee in Cathedral City an.

Julie McGhee

Er fuhr mit ihr zu einer Baustelle hinaus, die in einer Wüstenregion nahe Palm Springs im Riverside County lag. Sie hatten Sex. Anschließend zwang er die Frau, auszusteigen, und schoss ihr in den Kopf. Die Polizei fand später Hülsen vom Kaliber .45 ACP am Tatort.

Urdiales behauptete, nichts gefühlt zu haben, als er abdrückte. Er erinnere sich nur, wie „ruhig und friedlich“ es in der Wüste gewesen sei, so seine Aussage. Er sei anschließend in eine Striptease-Bar gefahren und habe ein paar Bier getrunken.

Er hatte die persönlichen Gegenstände, die das Opfer bei sich trug, mitgenommen. Die Ermittlungen in diesem Fall wurden durch den Umstand erschwert, dass sich Coyoten und andere Aasfresser am Leichnam bedient hatten, bevor die Polizei die Leiche fand.

Mary Ann Wells

Am 25. September 1988 verübte Andrew Urdiales seinen nächsten Mord an der 31-jährigen Mary Ann Wells. Er fuhr mit der Prostituierten in ein verlassenes Industriegebiet in San Diego. Nach dem Sex schoss er Mary Ann Wells in den Kopf und ließ den Leichnam in einer Gasse liegen.

Er nahm die 40 Dollar, die er ihr zuvor bezahlt hatte, wieder an sich. Doch dieses Mal machte er einen Fehler. Er ließ das Kondom, das er benutzt hatte, am Tatort zurück. Das Labor konnte DNS-Spuren von Mary Ann Wells und einem unbekannten Mann sichern. Da das DNS-Profil von Urdiales in keiner Datenbank erfasst war, konnte ihm die Polizei auf diesem Weg nicht auf die Spur kommen. Erst ein Abgleich nach seiner Verhaftung ergab eine Übereinstimmung.

Tammy Erwin

Am 16. April 1989 sprach Andrew Urdiales die 20-jährige Prostituierte Tammy Erwin an und fuhr mit ihr zu einem entlegenen Platz in der Umgebung von Palm Springs. Die beiden kannten sich bereits zuvor. Er verlangte Oralsex im Auto.

Als Tammy Erwin anschließend ausstieg, schoss Urdiales vom Fahrersitz auf sie. Er verließ den Wagen und feuerte zwei weitere Schüsse auf das Opfer ab. Die Polizei fand mehrere Patronenhülsen am Tatort.

Mit dem Fall Tammy Erwin keimte bei den Ermittlern erstmals der Verdacht auf, dass sie es mit einer Mordserie zu tun hatten. Die Ermittler aus San Diego und dem Riverside County verglichen ihre Akten und Spuren.

Die ballistischen Untersuchungen bewiesen, dass McGhee, Wells und Erwin mit derselben Waffe getötet wurden. Aber es fehlte neben der Tatwaffe vor allem ein Verdächtiger. Der Name Andrew Urdiales war in keiner der Ermittlungsakten jemals aufgetaucht.

Vorgehensweise

Was augenscheinlich mit der Vorgehensweise zusammenhing. Er hatte zu fast allen Opfern bereits lange vor dem Mord Kontakt aufgenommen und Vertrauen hergestellt. Nach den Aussagen von Zeugen galt Urdiales als „harmlos“, „nett“ und „freundlich“.

Niemand hätte ihm einen Gewaltausbruch oder gar einen Mord zugetraut. Die Opfer vermutlich ebenso nicht. Sonst hätten sie ihn nicht zu verlassenen Plätzen begleitet, die für sie schließlich zur tödlichen Falle werden sollten.

Den Fall Robbin Brandley hatten die Beamten, wie gesagt, als Bestandteil der Mordserie nie auf der Rechnung. Dazu unterschied er sich zu stark von den übrigen Taten. Brandley arbeitete nicht wie die anderen Opfer als Prostituierte. Und der Täter verwendete in ihrem Fall ein Messer, keine Pistole.

Doch die Untersuchung versandete. In den nächsten dreieinhalb Jahren geschah kein einziges Verbrechen, das dem gleichen Schema folgte. Erst im Herbst 1992 trat Andrew Urdiales wieder in Erscheinung. Zu diesem Zeitpunkt verbrachte er einen Kurzurlaub in Kalifornien.

Jennifer Asbenson

Am 27. September 1992 erledigte die 19-jährige Jennifer Asbenson rasch noch ein paar Einkäufe, bevor sie zur Bushaltestelle eilte. Als sie dort eintraf, war ihr der Bus vor der Nase weggefahren. Asbenson war verzweifelt. Sie arbeitete als Krankenschwester in einem Heim für behinderte Kinder und war auf dem Weg zur Nachtschicht. Aber dies war der letzte Bus, der an diesem Abend fuhr.

Aus dem Nichts tauchte ein Wagen auf und hielt neben ihr an. Der Fahrer fragte sie, ob sie Hilfe benötige. Könne er sie vielleicht irgendwohin mitnehmen? Asbenson hatte nicht das Gefühl, als gehe von dem Mann irgendeine Gefahr aus. Sie warf ihre Bedenken über Bord und ließ sich von dem Fremden zu ihrem Arbeitsplatz fahren.

„Mir blieben nur Sekunden, um mich zu entscheiden. Ich war 19, da denkst du nicht an Konsequenzen. Ich dachte nur: Wenn ich nicht mitfahre, verliere ich meinen Job“, äußerte sie später in einem Interview über die Situation.

Nichts geschah. Im Gegenteil. Der Fremde wirkte auf Asbenson freundlich und charmant. Okay, am Ende versuchte er doch noch, an ein Date und ihre Telefonnummer zu gelangen. Aber damit konnte Asbenson umgehen. Dachte sie zumindest.

Denn Urdiales behauptete später, sie habe ihm eine Fake-Nummer gegeben. Er habe dort noch in der Nacht angerufen. Alles, was er zu hören bekam, war: kein Anschluss unter dieser Nummer. Das habe ihn wütend gemacht. Er sei am anderen Morgen zum Arbeitsplatz von Absenson zurückgekehrt. Er wusste aus dem Gespräch, dass ihre Schicht um 6.00 Uhr endete.

Flucht aus dem Kofferraum

Asbenson verließ pünktlich das Heim. Draußen wartete schon der vermeintliche gute Samariter und bot ihr an, sie nach Hause zu fahren. Wegen des gut verlaufenen Trips am Abend zuvor hatte sie keine Bedenken. Doch dieses Mal hatte der Fremde anderes im Sinn.

Urdiales sagte aus, er sei rechts rangefahren, habe seinen Revolver hervorgezogen und sie bedroht. Dann habe er ihren Kopf gepackt und gegen das Armaturenbrett geknallt. Schließlich habe er der benommenen Frau die Hände auf den Rücken gefesselt. Er sei mit ihr an eine einsame Stelle in der Wüste rund um Palm Springs gefahren.

Dort nötigte er die Frau zu verschiedenen sexuellen Handlungen. Er riss ihr die Kleider vom Leib. Er versuchte sie zu vergewaltigen, bekam aber keine Erektion. Er würgte sie bis zur Bewusstlosigkeit. Als sie aus der Ohnmacht erwachte, zwang er sie, auszusteigen und sich in den Kofferraum zu legen.

Jennifer Absenson war überzeugt, dass der Mann sie töten wollte. Sie fummelte am Schloss des Kofferraums herum. Es ließ sich von innen öffnen. Sie wartete ab, bis das Fahrzeug an einer Kreuzung anhalten musste.

Dann sprang sie aus dem Heck und rannte die Straße hinunter. Urdiales bemerkte die Flucht, traute sich aber wegen der vielen Zeugen nicht, die Verfolgung aufzunehmen. Jennifer Absenson rettete sich schließlich zu einem Lkw, in dem – ausgerechnet – zwei US-Marines saßen.

Andrew Urdiales trat das Gaspedal durch und sah zu, dass er aus der Gegend entkam. Er gab den Mietwagen zurück und flog noch am gleichen Tag nach Chicago zurück. Jennifer Absenson zeigte die Entführung bei der Polizei an. Die Beamten glaubten ihr jedoch nicht. Erst Jahre später war aufgrund der Aussagen des Täters klar, dass sie die Wahrheit gesagt hatte.

Ein ungewöhnliches Verhalten

Bis zur nächsten Tat verging wieder ein längerer Zeitraum. Dieses Mal waren es zweieinhalb Jahre. Nach dem letzten Vorfall hatte Urdiales Angst, dass die Polizei ihm auf die Spur kommen könnte. Deshalb unternahm er vorläufig auch keinen Versuch, die Mordserie in seiner Heimatstadt Chicago fortzusetzen. Zumindest behauptete er das in seinem Geständnis. Die Polizei konnte ihm nichts Gegenteiliges nachweisen.

Was ungewöhnlich für einen Serientäter ist. Denn laut der gängigen Theorie über diesen Tätertyp verkürzen sich die Intervalle zwischen den Taten mit steigender Zahl der Verbrechen. Der Kick hält nicht mehr so lange vor, die Täter verlieren zunehmend die Kontrolle. So die Theorie. Der Fall Urdiales zeigt, dass diese Erkenntnisse nicht in Stein gemeißelt sind.

Denise Maney

Am 11. März 1995 schlug Urdiales wieder in der Umgebung von Palm Springs zu. Erneut weilte er auf Urlaub in Kalifornien. Dieses Mal fiel die 32-jährige Prostituierte Denise Maney dem Serienmörder zum Opfer.

Er verfuhr nach seinem üblichen Muster. Er sprach Denise Maney auf dem Straßenstrich an und fuhr mit ihr an eine entlegene Stelle. Er fordert sie auf, sich zu entkleiden und ihn oral zu befriedigen.

Er packte sie am Haar und befahl ihr, sich auf den Bauch zu legen. Dann fesselte er ihr die Hände auf den Rücken. Er zwang sie erneut zu Oralverkehr. Doch „er fühlte sich nicht wirklich befriedigt“, wie sich Urdiales im Verhör ausdrückte. Er begrabschte sie so brutal, dass sie vor Schmerzen aufschrie.

Er forderte sie auf, aus dem Wagen auszusteigen und in Richtung Wüste zu gehen. Er hielt sie an, schob ihr den Revolver in den Mund und drückte ab. Es reichte ihm nicht. Er war mal wieder wütend. Er ging zurück zum Wagen, holte sein Messer und stach mehrfach auf sie ein.

Urteile und Tod

1997 klagte man Urdiales im Cook County (Illinois) der Morde an Laura Uylaki und Lynn Huber an. Der Prozess fand allerdings erst zwischen 8. April und 30. Mai 2002 statt. Das Gericht verurteilte ihn wegen Mordes in zwei Fällen zum Tode. Das Todesurteil wurde jedoch 2003 in lebenslängliche Haft umgewandelt.

Der damalige Gouverneur George Ryan hatte alle ausstehenden 167 Todesurteile im Bundesstaat Illinois gestoppt. Eine Studie der Northwestern University von Illinois hatte nachgewiesen, dass mehr als ein Dutzend der Insassen im Todestrakt unschuldig inhaftiert waren. Ryan wollte kein Risiko eingehen, bis alle Fälle überprüft waren. Vollstreckte Todesurteile lassen sich nun mal nicht mehr rückgängig machen.

Am 24. April 2004 stand Urdiales das nächste Mal in Illinois vor Gericht, dieses Mal wegen des Mordes an Cassie Corum. Auch in diesem Fall erging die Todesstrafe. Er legte Widerspruch ein. 2011 wandelte der seinerzeit amtierende Gouverneur Pat Quinn auch dieses Urteil in eine lebenslängliche Haftstrafe um.

Doch damit war Andrew Urdiales noch nicht aus dem Schneider. Nur Stunden nach der Entscheidung von Quinn erhob die Staatsanwaltschaft des Orange County in Kalifornien Klage gegen den Häftling aufgrund von fünf Morden. Im Mai 2018 musste sich Urdiales schließlich wegen dieser Taten vor einem kalifornischen Gericht verantworten.

Am 5. Oktober 2018 verurteilten die Geschworenen ihn auch für diese Morde zum Tode. Wegen des Prozesses hatte man ihn zuvor aus Illinois in die Haftanstalt San Quentin verlegt. Dort nahm sich Andrew Urdiales am 2. November 2018 das Leben.

Die Opfer

  • 18.1.1986: Robbin Brandley (23), Mission Viejo (Kalifornien)
  • 17.7. 1988: Julie McGhee (29), Cathedral City (Kalifornien)
  • 25.9. 1988: Mary Ann Wells (31), San Diego (Kalifornien)
  • 16.4.1989: Tammy Erwin (20), Palm Springs (Kalifornien)
  • 28.9.1992: Jennifer Asbenson (19), Palm Springs (Kalifornien); kann Urdiales entkommen
  • 11.3.1995: Denise Maney (32), Palm Springs (Kalifornien)
  • 14.4.1996: Laura Uylaki (25), Wolf Lake (Illinois)
  • ca. 13.7. 1996: Cassandra Corum (21), Vermilion River (Illinois)
  • ca. 1.8. 1996: Lynn Huber (22), Wolf Lake (Illinois)

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Fotos zum Fall u.a. auf den Seiten von CBS News und Daily Mirror

Bücher (englisch)

Jennifer Asbenson: The Girl in the Treehouse. A Memoir

Die Autorin ist das einzig überlebende Opfer der Mordserie so weit bekannt. Sie geht im Buch auf ihre Begegnung mit dem Täter ein, aber es handelt sich um eine Autobiografie. Sprich: Der Fall füllt das Buch nicht aus, sondern stellt nur einen Teil der Geschichte dar, die sie erzählt. Zudem entzieht es sich meiner Erkenntnis, ob die Erzählung überhaupt auf die übrigen Opfer und Hintergründe näher eingeht.

Doku (englisch)

Inside Evil with Chris Cuomo: Confessions of a Serial Killer (2019)

Das Interview von Chris Cuomo mit dem Serienmörder Andrew Urdiales mag nicht jedermanns Geschmack sein. Aber die rund 80-minütige Doku bietet weitere Interviews mit Zeitzeugen.

People Magazine Investigates: Monster in the Desert (2019)

Rund 43-minütige Doku über den Fall mit Interviews und Reenactment.

Kapitelübersicht

  1. Kapitel 1: Andrew Urdiales und die Mordserie am Wolf Lake
  2. Kapitel 2: Die kalifornische Mordserie und das Geständnis von Andrew Urdiales

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