Carroll Cole: Mordserie, der Prozess und seine Hinrichtung

Am 7. Mai 1971 bandelte Carroll Cole in einer Bar in San Diego mit der 39-jährigen Besitzerin Essie Buck an. Er lockte sie in seinen Wagen und erwürgte sie dort. Den Leichnam versteckte Cole über Nacht im Kofferraum. »Am nächsten Morgen wachte ich auf und fühlte gar nichts. Weder Erleichterung noch Schuld oder irgendein anderes Gefühl, was man in so einer Situation vielleicht hätte erwarten können. Einfach nur gar nichts. Es fühlte sich genauso an wie an jedem anderen beschissenen Morgen.« Carroll Cole verbrachte seinen 33. Geburtstag damit, Essie Bucks Leichnam zu beseitigen.

Zwei Wochen danach betrank sich Cole mit einer Frau, von der er nur den Vornamen wusste: Wilma. Nach einer gemeinsam verbrachten Nacht erwürgte er Wilma. Er vergrub ihre Leiche in den Hügeln rund um San Ysidoro. Die Polizei konnte weder die sterblichen Überreste bergen noch jemals die Identität der Frau klären. Nur eine Woche später tötete Carroll Cole sein drittes Opfer. Hier kannte er noch nicht einmal den Vornamen. Er ging nach dem immer selben Schema vor: Suff, Sex, Erwürgen.

Lasche Ermittlungen

Drei Morde in einem Monat. Dass Carroll Cole angesichts dieser Eskalation bis zum November 1980 »nur« 14 Frauen zum Opfer fielen, lag einzig darin begründet, dass er in den Jahren zwischen 1971 und 1980 ständig im Gefängnis landete und mal ein paar Tage, mal ein paar Monate hinter Gittern verbrachte. Dass der Kleinkriminelle inzwischen zum Serienkiller mutiert war, ahnte die Polizei nicht.

So saß Cole im Juni 1971 zum Beispiel wegen Diebstahls ein, als ihm Detective Robert Ring, Beamter der Mordkommission von San Diego, einen Besuch im Gefängnis abstattete. Er befragte ihn unter anderem nach Essie Buck. Cole dachte, nun sei er fällig. Er gestand, dass er die Nacht, in der Essie Buck letztmals von Zeugen gehen wurde, mit ihr verbracht habe. Cole behauptete, morgens neben der toten Essie Buck aufgewacht zu sein. Er wisse nicht, woran sie verstorben sei. Er tippe auf Alkoholvergiftung. Auf jeden Fall habe er wegen seiner Vorstrafen Panik bekommen und die Leiche verschwinden lassen.

Erstaunlicherweise kaufte ihm Robert Ring die Geschichte ab und stellte keine weiteren Ermittlungen an. Im März 1972 war Carroll Cole wieder ein freier Mann. Er hatte mit seinem Kalkül richtig gelegen. In San Diego zeigten die Cops wenig Interesse an verschwundenen Säuferinnen.

Noch im selben Monat gabelte er zwei namenlose Frauen in einer Kneipe in San Ysidoro auf. Er überredete die beiden, mit ihm einen Ausflug in die Umgebung zu unternehmen. Die Aussicht auf ein paar Sixpacks Bier überzeugte die Frauen. Als eine der Frauen in die Büsche verschwand, um sich zu erleichtern, schlug er ihre Freundin mit einem Hammer nieder. Die zweite Frau erwürgte er gleich nach ihrer Rückkehr. Danach vergrub er die Leichen in der Wüste. Zwei weitere Opfer, die niemals gefunden wurden.

Das wahre »Leaving Las Vegas«

Im Sommer 1972 lernte Carroll Cole die Kellnerin Diana Pashal kennen. Es war wie mit Betty. Die beiden praktizierenden Alkoholiker funkten auf derselben Wellenlänge, zogen alsbald zusammen und heirateten im Juli 1973. Das hielt Cole nicht davon, seine Frau ständig zu betrügen. Am ersten Hochzeitstag beispielsweise düste er mit einer Geliebten nach Nevada. Diana vergab ihm seinen Fehltritt, als er einen Monat später reumütig zurückkehrte. Doch sie hielt den Zeitpunkt für ein ernstes Beziehungsgespräch gekommen.

Carroll Cole schob die Schuld auf das Umfeld, in dem sie lebten. San Diego mache sie beide fertig. Sie bräuchten einen kompletten Neuanfang, irgendwo weit weg. Diana war einverstanden. So zog das Paar nach Las Vegas um. Das Säuferdrama »Leaving Las Vegas« mit Nicholas Cage und Elizabeth Shue mag harter Tobak sein. Aber an die reale Hölle, die Carroll und Diana Cole ihr Leben nannten, reichte der Hollywoodfilm nicht annähernd heran.

Wunderlicherweise ergatterte der vielfach vorbestrafte Cole einen Job als Geldbote für eines der Casinos. Er leerte die Spielautomaten am Flughafen und brachte das Geld zu den Spielbanken in die Innenstadt. Es kam, wie es kommen musste. Eines Tages verschwand Cole mit den kompletten Tageseinnahmen auf Nimmerwiedersehen. Diana ließ er in Las Vegas zurück.

Auf der Flucht

Carroll Cole flüchtete in den Bundesstaat Wyoming und schlug sich als Hilfsarbeiter auf Ölfeldern durch. In Casper lernte er im August 1975 Myrlene »Teepee« Hamer kennen. Cole fiel der Ehering auf, den sie trug. Myrlene Hamer schien sich dadurch nicht gebunden zu fühlen. Nachdem sie über Stunden zusammen getrunken hatten, fuhren sie zu einem einsamen Plätzchen hinaus. Aber Cole war nicht an Sex interessiert. Er erdrosselte Myrlene Hamer. Er ließ ihren Leichnam auf der Wiese zurück und bedeckte ihn notdürftig mit einem alten Schlafsack. Die Polizei entdeckte die Tote am 9. August. Am nächsten Tag verließ Cole die Stadt, bevor die Polizei ihn befragen konnte.

Die letzten fünf Jahre in Freiheit irrlichterte Carroll Cole quer durch die USA, immer auf der Flucht wegen irgendeiner Anklage, die er am Hals hatte. Zwischendurch tötete er weitere Frauen nach dem bekannten Schema. So legte er im Mai 1977 einen Zwischenstopp in Las Vegas ein und erwürgte in einem Hinterhof die Prostituierte Kathlyn Blum.

Ein Stück Fleisch in der Bratpfanne

Im November 1977 strandete Carroll Cole in Oklahoma City. Am 24. November, dem Morgen nach Thanksgiving, wachte er auf und fand in seiner Badewanne eine tote Frau. Der Toten fehlten beide Füße sowie der rechte Arm. Jemand musste die Körperglieder abgeschnitten haben. Cole schaute sich daraufhin in der Küche um. Er entdeckte Reste der Körperteile in seinem Kühlschrank. Auf dem Herd stand eine Bratpfanne, in dem noch ein Stück Fleisch lag. Auf dem Küchentisch sah er einen benutzten Teller.

Cole berief sich später darauf, in dieser Nacht einen Filmriss gehabt zu haben. Er wisse nicht, was genau geschehen sei. Carroll Cole, der Kannibale mit Blackout, entschloss sich jedenfalls, nun den übrigen Leichnam mit einem Küchenmesser und einer Bügelsäge zu zerteilen. Er verpackte die Überreste in Müllsäcke und fuhr sie zur Deponie. Vermutlich landeten sie in der Verbrennungsanlage, ohne dass jemand etwas von ihrem Inhalt ahnte.

Der beste Sex seines Lebens

Am 27. August 1979 befand sich Cole nach der Verbüßung mehrerer Haftstrafen wieder mal bei seiner Frau Diana, die mittlerweile zurück nach San Diego verzogen war. In der Nacht lernte er auf einer Sauftour die 40-jährige Bonnie Sue O‘Neil kennen. Er schleppte sie zu dem Haushaltswarenladen ab, für den er damals arbeitete. Die beiden trieben es im Lagerraum – »der beste Sex meines Lebens«, wie Cole später aussagte.

Die Romanze endete, als O‘Neil erwähnte, dass sie ihren Ehemann anrufen müsse. Carroll Cole erwürgte sie auf der Stelle und legte ihre Leiche im Hinterhof des Geschäfts ab. Ihre Klamotten warf er in einen nebenstehenden Müllcontainer. Die Polizei verhörte weder Cole noch irgendeinen anderen Angestellten des Ladens, als man die Leiche entdeckt hatte. Die Logik der Polizisten: Das Verbrechen war nachts geschehen. Da waren Haushaltswarengeschäfte bekanntlich geschlossen und die Angestellten zu Hause.

Eine Ehe in den letzten Zügen

Coles Ehe befand sich zu diesem Zeitpunkt buchstäblich in den letzten Atemzügen. Am 26. September 1979 erdrosselte er seine Ehefrau Diana, wickelte ihre Leiche in Decken und verstaute den Körper in einem Schrank in ihrem gemeinsamen Haus. Acht Tage später meldete sich ein Nachbar Coles bei der Polizei. Er habe gerade beobachtet, wie Cole unter seinem Haus herumgekrochen sei. Ihm sei das sehr verdächtig vorgekommen.

Kurz darauf schauten zwei Streifenbeamte bei Cole vorbei. Sie fanden ihn tatsächlich im Kriechraum vor. Er hob eine Grube aus. Die Grube hatte in etwa die Ausmaße eines Grabes. Den Polizisten kam das weniger merkwürdig vor, als sie feststellten, dass Cole stark alkoholisiert war. Sie schafften Carroll Cole statt ins Gefängnis in eine Entgiftungsklinik. Als er am nächsten Morgen entlassen wurde, hatte seine Schwiegermutter inzwischen die Leiche ihrer Tochter Diana entdeckt. Die Polizei war bereits vor Ort und durchsuchte das Grundstück. Cole beobachtete das Tohuwabohu aus sicherer Entfernung. Er stieg in den nächsten Bus, um den Fragen der Polizei zu entgehen.

Seine Flucht war unnötig. Denn von den örtlichen Polizeikräften hatte er wie üblich nichts zu befürchten, wenn es sich um Mord an einer Alkoholikerin drehte. Der Gerichtsmediziner stellte fest, dass die Blutalkoholkonzentration bei der Toten jenseits von 2,5 Promille lag. Er führte den Tod der 35-jährigen Frau auf eine Alkoholvergiftung zurück.

Dritte Ehe

Carroll Cole flüchtete in das ihm bestens vertraute Las Vegas. Er fand eine Anstellung als Fahrer für eine Wohltätigkeitsorganisation und sammelte Kleiderspenden ein. Cole bändelte mit einer Kollegin an und heiratete zum dritten Mal. Das hielt ihn nicht davon ab, seinen bisherigen Lebensstil aufrechtzuerhalten.

Eine seiner zahlreichen Kneipenaffären tötete er am 3. November 1979 im Casbash Hotel. Das Mordopfer hieß Marie Cushman. Cole ließ ihre Leiche im Zimmer liegen, wo sie am nächsten Tag von einer Hotelbediensteten gefunden wurde. Wieder einmal hatte er Glück. Die Zeugen, die die Polizei befragte, lieferten Täterbeschreibungen, die Carroll Cole nicht im Geringsten ähnelten.

Im Monat darauf unternahm Cole mit seiner frisch gebackenen Braut eine ausgedehnte Hochzeitsreise nach Texas. Das Paar geriet in eine Verkehrskontrolle. Cole konnte keinen gültigen Führerschein vorzeigen. Normalerweise wäre er in so einem Fall mit einer Verwarnung davongekommen. Der Beamte ließ Coles Namen jedoch überprüfen. Wie sich herausstellte, wurde nach Carroll Cole wegen Unterschlagung gefahndet.

Ernüchterndes Ergebnis

Die Behörden in Texas waren der Meinung, dass es sich bei dem Häftling um einen unbelehrbaren Wiederholungstäter handelte, dem man mal einer genaueren psychiatrischen Untersuchung unterziehen müsse. Man überstellte ihn an die Forensische Klinik nach Springfield (Missouri), eine Bundeseinrichtung. Dort sollte er seine Strafe absitzen und gleichzeitig gründlich durchgecheckt werden.

Das Ergebnis war ernüchternd. Die Klinikärzte stellten zwar fest, dass der Patient dringend in Therapie gehöre. Aber da er sich weigere, an therapeutischen Maßnahmen teilzunehmen, sei dieses Unterfangen sinnlos. Da er weder an einer Psychose noch an einer Neurose leide, müsse man ihn am 4. Oktober 1980 aus der Klinik entlassen. Cole bekam mal wieder zum Abschied ein Busticket in die Hand gedrückt. Dieses Mal führte ihn die Reise nach Dallas, wo er bis zum 30. November drei weitere Menschen umbringen sollte, bevor die Mordserie endlich ein Ende fand.

Nur ein Aufschneider?

Selbst nach seinem ausführlichen Geständnis musste Carroll Cole noch darum kämpfen, dass sich die Behörden endlich für ihn zuständig fühlten – das Leitmotiv seines Lebens. Detective Gerald Robinson reagierte auf die Ausführungen Coles zunächst skeptisch. Bei der Polizei kreuzten häufig genug Spinner auf, die von der Jesus-Kreuzigung bis zum Kennedy-Attentat alle Verbrechen der Menschheit gestanden, nur um etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen.

Robinsons Zweifel schienen sich zu bestätigen, als er weitere Nachforschungen anstellte. Die Gerichtsmediziner, die er befragte, beharrten auf ihrer ursprünglichen Diagnose. Mehrere Frauen, von denen Cole behauptete, sie ermordet zu haben, seien nicht durch Fremdverschulden ums Leben gekommen. Die Polizeibehörden von San Diego gingen noch einen Schritt weiter. Sie stempelten Carroll Cole als Lügner und Aufschneider ab.

Lieutenant John Gregory, Leiter der Mordkommission von San Diego, äußerte sich vor den Medien wie folgt: »Ich bin überzeugt, dass an dieser Geschichte nichts dran ist. Unsere Gerichtsmedizin leistet hervorragende und gründliche Arbeit. Dieser Cole müsste schon eine ganz neue Methode erfunden haben, wie man Menschen erwürgt, ohne Blutergüsse zu hinterlassen. Daran glaube ich nicht.«

Kurzer Prozess

So klagte man Carroll Cole am 6. April 1981 zunächst nur der drei Morde an, die er im November 1980 in Dallas begangen hatte. Cole trat vor Gericht als sein einziger »Entlastungszeuge« auf. An seiner Aussage war allerdings wenig Entlastendes. Er schilderte in aller Ausführlichkeit, wie er die drei Frauen in Dallas und elf weitere Menschen getötet hatte. Er berichtete auch über seine Kindheit und die Rolle, die seine manipulative, sadistische Mutter für sein weiteres Leben spielte.

»Ich denke«, äußerte Cole gegenüber den Geschworenen, »ich habe die Frauen getötet, weil ich mich an meiner Mutter rächen wollte.« Die Geschworenen benötigten lediglich 25 Minuten Beratungszeit, bevor sie zu einem Urteil gelangten. Sie sprachen Carroll in allen drei Mordfällen schuldig. Richter John Mead verurteilte Cole am 9. April 1981 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Las Vegas ermittelt

Während die Behörden in San Diego und Oklahoma Coles Geständnisse schlichtweg ignorierten, wurde zumindest die Polizei von Las Vegas hellhörig. Sobald Detective Joe McGuckin von der Geschichte erfuhr, buchte er einen Flug nach Dallas. Am 3. Dezember 1980 befragte er den inhaftierten Cole persönlich. Danach war überzeugt, dass Carroll Cole tatsächlich Kathlyn Blum und Marie Cushman ermordet hatte.

Die Aussichten auf ein Verfahren in Nevada stufte McGuckin jedoch als gering ein. Coles rechtmäßige Verurteilung bedeutete, dass dieser mindestens 25 Jahre in Texas weggeschlossen blieb. Vorher würde man ihm in Nevada nicht den Prozess machen können, sofern Cole nicht wider Erwarten freiwillig kooperierte. Und Cole wusste, dass ihm in Nevada die Todesstrafe drohte.

Fluchtpläne

In de Tat beschäftigte sich Carroll Cole zu diesem Zeitpunkt mit gänzlich anderen Gedanken. Er hatte einen minutiösen Fluchtplan ausgeheckt, der ihn im November 1982 aus dem Staatsgefängnis von Huntsville herausführen sollte. In seiner Zelle bunkerte er Lebensmittelfarbe und Tabascosoße für den Tag X. Mit der Farbe wollte er seine Häftlingskleidung umfärben. Die scharfe Soße sollte dazu dienen, die Spürhunde von seiner Fährte abzubringen.

Er hatte sich zudem erfolgreich um einen Job in der Gärtnerei beworben. Diese Kolonne arbeitete regelmäßig außerhalb der Gefängnismauern. Bei einem der Ausflüge wollte er eine Wache überwältigen und türmen. Am Abend vor dem anvisierten Fluchttermin verletzte sich Cole jedoch in der Werkstatt. Die Gefängnisleitung verlegte ihn anschließend auf eine andere Station. Coles Fluchtplan war gescheitert.

Das Gericht als Sterbehelfer

Im Januar 1984 erhielt Carroll Cole einen Brief, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass seine Mutter verstorben sei. Am 15. Februar 1984 stellten die Behörden von Nevada offiziell ein Überstellungsgesuch für Cole, um ihn dort vor Gericht zu bringen. Cole verzichtete auf sein Einspruchsrecht. Weil er inzwischen die Hoffnung aufgegeben hatte, jemals aus der Haft entfliehen zu können, hatte er für sich entschieden, dass er lieber sterben wollte, als seine Zukunft im Knast zu verbringen. Die Behörden sollten ihn bei diesem Vorhaben behilflich sein. Im April 1984 überführte man Cole schließlich nach Las Vegas.

Die Staatsanwaltschaft in Nevada war nur allzu begierig darauf, aus Coles Haltung ihren Vorteil zu ziehen. Am 16. August 1984 wurde das Verfahren eröffnet und Cole bekannte sich sogleich der beiden Morde schuldig, derer man ihn anklagte. Sein Pflichtverteidiger intervenierte. Sein Mandant versuche, mithilfe des Gesetzes Selbstmord zu verüben. Cole habe kein Recht darauf, sich selbst seine Strafe auszusuchen. Damit würde er die Autorität des Gerichts untergraben, dem allein dieses Recht zustände. Um die Integrität dieser Institution auch in Zukunft zu gewährleisten, müsse man für den Angeklagten mildernde Umstände geltend machen, argumentierte der Verteidiger spitzfindig. Ansonsten spazierten demnächst die Kriminellen in die Gerichtssäle und verlangten, über sich selbst zu Gericht zu sitzen.

Cole protestierte gegen die Darstellung seines Verteidigers. »Ich bin mein Leben lang ein Befürworter der Todesstrafe gewesen. Ich hab keine Ahnung, wie mein Verteidiger auf diesen Stuss kommt. Es gibt absolut keine mildernden Umstände, die für mich sprechen.« Der vorsitzende Richter entgegnete Coles Verteidiger, dass er sich keine Sorge um seine Autorität machen müsse. Es seien ja Fälle denkbar, in denen Richter und Angeklagte ausnahmsweise derselben Ansicht seien.

Das Gericht hatte verschiedene Kriminalbeamte aus Las Vegas, Dallas, Missouri, Wyoming und San Diego als Zeugen einbestellt, um festzustellen, ob Cole tatsächlich der Serienmörder war, für den er sich ausgab. Die Aussagen hätten nicht gereicht, um ihn im Einzelfall die Morde nachzuweisen. Aber in Verbindung mit Coles Geständnis ergab sich für die Richter ein Gesamtbild, das besagte: Coles Schilderungen entsprachen im Großen und Ganzen der Wahrheit.

Hinrichtung von Carroll Cole

Am Ende des Verfahrens appellierte Carroll Cole nochmals an die Richter, ihn mit dem Tode zu bestrafen. Ansonsten wäre er in fünf Jahren wieder auf Bewährung draußen (was nicht den Tatsachen entsprach) und würde dort fortfahren, wo er im November 1980 in Dallas aufgehört habe. Die Richter folgten Coles Wunsch und verhängten die Todesstrafe.

In den folgenden Monaten verweigerte sich Cole allen Versuchen von dritter Seite, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Die letzten Wochen seines Lebens verbrachte Carroll Cole damit, eine ausführliche Autobiografie zu verfassen. Der Tag der Hinrichtung war auf den 6. Dezember 1985 festgesetzt worden. Gegen 2.00 Uhr morgens richtete ihn der Henker mit einer Giftspritze hin.

Unmittelbar nach dem Tode Coles trat der zuständige Staatsanwalt vor die Fernsehkameras: »Es war für mich sehr befriedigend zu sehen, dass unser System effektiv funktioniert.« Es wäre noch befriedigender gewesen, wenn dieses ominöse »System« funktioniert hätte, als es galt, eine Mordserie mit fünfzehn Opfern zu verhindern. Die Möglichkeit dazu war mehrfach gegeben.

Opfer

  • Sommer 1946: Duane NN (ca. 8), Richmond (Kalifornien)
  • 7. Mai 1971: Essie Buck (39), San Diego (Kalifornien)
  • Ende Mai 1971: »Wilma«, San Diego (Kalifornien)
  • Ende Mai 1971: unbekanntes Opfer, San Diego (Kalifornien)
  • März 1972: Zwei unbekannte Opfer, San Ysidoro (Kalifornien)
  • 8. August 1975: Myrlene »Teepee« Hamer, Casper (Wyoming)
  • 14. Mai 1977: Kathlyn Blum (27), Las Vegas (Nevada)
  • 23. November 1977: unbekanntes Opfer, Oklahoma City (Oklahoma)
  • 27. August 1979: Bonnie Sue O‘Neil (40), San Diego (Kalifornien)
  • 26. September 1979: Diana Cole (35), San Diego (Kalifornien)
  • 3. November 1979: Maria Cushman (51), Las Vegas (Nevada)
  • 9. November 1980: Dorothy King (52), Dallas (Texas)
  • 12. November 1980: Wanda Faye Roberts (32), Dallas (Texas)
  • 30. November 1980: Sally Thompson (43), Dallas (Texas)

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Sachbuch (englisch)

Michael Newton: Silent Rage – Inside the Mind of a Serial Killer (2014)
Für das Buch nutzte der Autor unter anderem Aufzeichnungen von Interviews, die er über einen längeren Zeitpunkt mit Cole im Gefängnis geführt hatte.

Kapitelübersicht zum Fall Carroll Cole

5 Kommentare

  1. So fesselnd wiedergegeben, ich verschlinge die Artikel hier förmlich. Vielen Dank für die große Mühel welche hier investiert wurde!

  2. Wunderbar und spannend geschrieben, wie der Rest der Artikel auf dieser Seite! Kann mich Gabriel nur anschließen, verschlinge seit Tagen die Berichte. Makaber und erschreckend, aber detailliert, gut recherchiert und spannend!

    • Danke, das freut mich! Ich hoffe, ich komme bald wieder dazu, neue Geschichten hinzufügen. Aktuell ist ein Update zum Zodiac-Fall weit fortgeschritten, das ich hoffentlich noch in diesem Monat einstellen kann.

      Herzliche Grüße
      Richard Deis

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