Am 30. Juli 1975 stand sich Jimmy Hoffa auf einem Parkplatz in Bloomfield Township, Michigan, die Beine in den Bauch. Der einst mächtige Gewerkschaftsboss war stinkwütend. Er war um 14.00 Uhr zum Essen im »Machus Red Fox« verabredet gewesen. Vor dem Gebäude des Restaurants wartete er nun seit einer Viertelstunde vergeblich auf die beiden Männer, die er treffen wollte. Jimmy Hoffa hasste Unpünktlichkeit. Unpünktlichkeit empfand er als Respektlosigkeit ihm gegenüber. Und in Sachen Respekt ließ Hoffa nicht mit sich spaßen.
Nach weiteren fünf Minuten des Wartens hatte Jimmy Hoffa die Schnauze voll. Er stapfte wütend auf seinen Gucci-Tretern zu einer Telefonzelle, die vor einem Baumarkt angebracht war, am anderen Ende des Parkplatzes. Er rief seine Frau Josephine an. Sie merkte sofort, dass ihr Mann mächtig aufgebracht war. Er beschwerte sich, dass man ihn offensichtlich versetzt habe. Er habe vor, sich ins Auto zu setzen und auf direktem Weg nach Hause zurückzukehren. Um 16.00 Uhr sei er wieder da.
Links das Gebäude des früheren „Machus Red Fox“, rechts die Shopping-Mall, wo Hoffa telefonierte
Insgeheim war Josephine Hoffa erleichtert. Denn ihr Mann hatte einen nervösen Eindruck auf sie gemacht, bevor er zu dem Treffen aufgebrochen war. Das war ungewöhnlich für diesen Mann, der sonst vor Selbstbewusstsein nur so strotzte. Josephine hatte ein mulmiges Gefühl gehabt. Der Mitarbeiter eines Limousinen-Services würde diese Beobachtung später bestätigen. Hoffa hatte bei ihm kurz darauf angerufen. Er vermutete, dass die beiden Männer, mit denen er verabredet war, dort einen Leihwagen gemietet hatten. Hoffa habe angespannt und fahrig am Telefon geklungen, meinte der Autoverleiher. Definitiv nervös.
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Jimmy Hoffa mit Ehefrau und Enkeltochter
»Tony Jack« und »Tony Pro«
Josephine Hoffa wartete an diesem Tag jedoch vergeblich auf die Heimkehr ihres Mannes. Er blieb wie vom Erdboden verschluckt. Am nächsten Tag verständigte sie die Polizei. Sie teilte den Beamten mit, was sie über das Verschwinden von Jimmy Hoffa wusste. Wo er sich zuletzt aufgehalten hatte. Welche Kleidung er am Vortag trug: ein dunkelblaues, kurzärmliges Hemd; blaue Hosen; schwarze Schuhe von Gucci; weiße Socken. Schließlich, mit wem ihr Mann in dem Restaurant verabredet gewesen war: Anthony »Tony Jack« Giacalone und Anthony »Tony Pro« Provenzano.
Offiziell war Provenzano ein Gewerkschaftsführer, also quasi ein Berufskollege von Hoffa. Die Polizisten wussten es besser. Tatsächlich gehörten sowohl »Tony Jack« als auch »Tony Pro« der Cosa Nostra an. Giacalone dem Syndikat von Detroit und Provenzano zählte man zur Genovese-Familie aus New York. Alte Kumpels von Hoffa. Denn dass Jimmy Hoffa mit der Mafia eng zusammengearbeitet hatte, war kein Geheimnis. Es hatte ihn in den 1960ern seine Karriere gekostet und ihn ins Gefängnis gebracht.
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Anthony Provenzano
Verdächtige Alibis
Die Polizei befragte natürlich beide Männer, wo Jimmy Hoffa abgeblieben war. Sie behaupteten, sie wüssten nichts von einer Verabredung mit Hoffa. Die Information müsse auf einem Missverständnis beruhen. Logisch, die beiden konnten auch ein Alibi nachweisen. »Tony Jack« sagte aus, er habe den ganzen Tag im »Southfield Athletic Club«, einem Fitnessstudio, verbracht. Zeugen bestätigten seine Aussage.
»Tony Pro« Provenzano wiederum hatte angeblich mit Freunden in New Jersey Karten gespielt. Den Beamten schwante Übles. Das hier klang nach dem typischen Drehbuch eines Mafiamordes. Das potenzielle Opfer war spurlos verschwunden und die beiden Hauptverdächtigen hielten rein zufällig wasserdichte Alibis parat.
Immerhin fanden die Polizisten Hoffas Wagen. Kunststück. Der grüne Pontiac Grand Ville, Baujahr 1974, stand unverschlossen auf dem Parkplatz des Restaurants. Die Beamten überprüften das Wageninnere, konnten aber nichts Ungewöhnliches finden. Der Kofferraum war leer und picobello sauber.
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Hoffas Wagen
Ein erstklassiger Augenzeuge
Die Ermittler putzten Klinken. Sie befragten die Besitzer und Verkäufer der Ladenzeile neben dem Restaurant. War jemandem etwas aufgefallen? Die Beamten hatten Glück. Sie erhielten einen Hinweis auf einen Lkw-Fahrer, der hier auf seiner Lieferroute jeden Tag Punkt 14.30 Uhr Station machte. Zur gleichen Zeit hatte man letztmals von Jimmy Hoffa gehört.
Der Zeuge hatte tatsächlich eine wichtige Beobachtung gemacht. Er sei gerade von der Straße in die Auffahrt zum Parkplatz eingebogen. Da sei doch plötzlich so ein kastanienbrauner Mercury angerauscht gekommen. Ungebremst. Und dann auch noch quer, sodass er die ganze Einfahrt blockiert habe. Der Lkw-Fahrer hatte sich sogar das Modell gemerkt: ein Marquis Brougham, Baujahr 1975.
Weil er entsprechend sauer gewesen sei, so der Zeuge, habe er einen genauen Blick auf die Insassen geworfen. Und wen sah er da? Jimmy Hoffa. Saß auf dem Rücksitz neben einem anderen Typen. Sicher? Definitiv sicher. Sei schließlich der Big Boss gewesen. Er gehöre selber der Gewerkschaft für Transportarbeiter an, da werde er ja wohl Hoffa wiedererkennen.
Außerdem habe neben Hoffa auf der Mittelkonsole noch ein länglicher Gegenstand gelegen, der in eine graue Decke gehüllt gewesen sei. Er habe spontan an ein Gewehr oder eine Schrotflinte denken müssen. Die anderen Gestalten hätten ihm nichts gesagt. Seien aber mindestens noch zwei weitere Burschen außer Hoffa gewesen.
Der Ziehsohn von Hoffa
Mit dieser präzisen Beschreibung ließ sich etwas anfangen. Die Ermittler machten alsbald den Halter des Mercury ausfindig. Der Wagen war auf einen gewissen Joe Giacalone zugelassen, einem Sohn von Anthony »Tony Jack« Giacolone. Joe Giacalone behauptete aber, den Wagen am Vortag an einen gewissen Charles »Chuckie« O‘Brien verliehen zu haben. Der Name war der Familie Hoffa ein Begriff. Der Gewerkschaftler galt als enger Freund von Jimmy Hoffa. Was hatte er mit dem Verschwinden zu tun?
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Anthony Giacolone (rechts)
Die Beamten unterzogen den Mercury einer gründlichen Untersuchung. Tatsächlich fanden sie die Fingerabdrücke von Chuckie O‘Brien auf einer Limoflasche und einem Stück Papier. Den Ermittlern dämmerte ein mögliches Szenario: Hatte die Mafia Chuckie O‘Brien vorgeschickt, um Hoffa zu ködern? Denn Hoffa wäre ohne Argwohn zu O‘Brien in den Wagen gestiegen, wenn der ihn darum gebeten hätte. Chuckie war wie ein Ziehsohn für ihn. Aber warum sollte O‘Brien seinen Freund verraten? Vermutlich hatte die Mafia irgendetwas gegen ihn der Hand, mit dem sie ihn erpressen oder anderweitig unter Druck setzen konnte.
Chuckie O’Briens Alibi
Doch Chuckie O‘Brien stritt ab, am 30. Juli 1975 Jimmy Hoffa getroffen zu haben. Und auf dem Parkplatz des Restaurants habe er sich an diesem Tag ebenfalls nicht aufgehalten. Vielmehr habe er an diesem 30. Juli einen zwanzig Kilogramm schweren Lachs an ein hohes Tier der Transportarbeitergewerkschaft ausgeliefert. Er hätte der Ehefrau dieses Typen sogar noch geholfen, den Fisch in Filets zu zerteilen.
Um 14.30 Uhr, als Jimmy Hoffa verschwand, sei er dann im Fitnessstudio gewesen. Rein zufällig im selben wie Anthony Giacalone: dem »Southfield Athletic Club«. Danach sei er mit dem Mercury in eine Waschanlage gefahren. Weil der Lachs ja noch ganz frisch gewesen sei und geblutet habe wie Sau. Sei alles auf die Sitzpolster durchgesickert. Eine schöne Schweinerei sei das gewesen. In diesem Zustand konnte er dem Besitzer ja schlecht den geliehenen Wagen zurückgeben. Allerdings fand die Polizei weder im Sportstudio noch in der Waschanlage Zeugen, die O‘Briens Angaben bestätigten.
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Chuck O’Brien (links)
Spürhunde
Die misstrauischen Beamten ließen ein paar Spürhunde aus Philadelphia einfliegen. Man hielt den Schäferhunden ein paar Mokassins und Bermudashorts von Jimmy Hoffa vor die Nase. Sobald sie ihre Schnauzen in die Polster der Rückbank gedrückt hatten, schlugen die Polizeihunde mehrfach an. Die Beamten waren nun felsenfest überzeugt, dass sich Hoffa in dem Wagen aufgehalten hatte. Nur mussten sie diesen Lügenbaronen noch nachweisen, dass er dort auch am Nachmittag des 30. Juli saß. Ein schwieriges Unterfangen, solange sie keine Leiche hatten.
Motive für einen Mord
Die Ermittler hatten sich auch bereits über das Motiv den Kopf zerbrochen. Sie waren zu folgendem Schluss gekommen: 1964 stand Jimmy Hoffa wegen krimineller Verschwörung, Betrug, Unterschlagung und Erpressung vor Gericht. Weil er zudem versucht hatte, Geschworene zu bestechen, kam ein weiterer Anklagepunkt hinzu. Er wurde zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Seine Karriere schien gelaufen zu sein.
Doch an Weihnachten 1971 begnadigte ihn Präsident Richard Nixon vorzeitig aus der Haft. Zufälligerweise sprach die Gewerkschaft der Transportarbeiter kurz danach an ihre Mitglieder die Empfehlung aus, dem Republikaner Nixon bei der anstehenden Präsidentenwahl ihre Stimme zu geben. Obwohl die Gewerkschaft zuvor in der Regel demokratische Kandidaten unterstützt hatte. Auf Hoffa selbst wartete draußen ein nettes Willkommensgeschenk. Die Gewerkschaft zahlte ihm seinen Pensionsanspruch aus: 1,7 Millionen US-Dollar, bar auf die Kralle.
Nun war Jimmy Hoffa zwar wieder in Freiheit. Doch die Sache hatte einen Haken für ihn. Sein alter Posten war längst mit einem neuen Getreuen der Mafia besetzt: Frank Fitzsimmons. Darüber hinaus hatte Hoffa eine Vereinbarung unterzeichnet, dass er sich bis 1980 nicht mehr gewerkschaftlich oder politisch betätigen durfte, zumindest nicht in offizieller Funktion. Sonst wäre die Begnadigung nicht zustande gekommen. Ein paar Jahre hielt Hoffa die Füße still. Aber dann wurde es ihm scheinbar zu fad. Er sehnte sich nach seinem alten Leben zurück. Er klagte gegen die Verzichtserklärung. Das Gericht wies seinen Einspruch ab. Man dürfe wohl davon ausgehen, dass er die Erklärung bei vollem Bewusstsein unterschrieben habe. Und von Erpressung könne nicht die Rede sein. Schließlich habe er nur fünf statt dreizehn Jahren Haft absitzen müssen.
Jimmy Hoffa kündigt Autobiografie an
Jimmy Hoffa maulte bei allen zuständigen Stellen herum und suchte nach Verbündeten. Vor allen Dingen lag er seinen Kumpanen aus der Mafia ständig in den Ohren, dass sie für ihn was deichseln sollten. Doch die Mafia hatte gar kein Interesse daran, am Istzustand etwas zu ändern. Frank Fitzsimmons, der neue Gewerkschaftsboss, ließ sich viel leichter kontrollieren als Hoffa in früheren Tagen. Die Gewerkschaftskasse konnte sowieso wie eh und je geplündert werden. Jimmy Hoffa sollte seinen wohlverdienten Ruhestand genießen und ihnen nicht auf die Nerven gehen.
Aber Hoffa wollte den Wink mit dem Zaunpfahl nicht kapieren. Plötzlich kündigte er an, in Bälde eine Autobiografie zu veröffentlichen. Die hatte einen vielversprechenden Arbeitstitel: »Jimmy Hoffa – die wahre Geschichte«. Hoffa hätte es besser wissen müssen. Geschwätzigkeit konnten seine Kumpels auf den Tod nicht ausstehen. Für die Kriminalbeamten war das Motiv genug, dass die Bosse Jimmy Hoffa zum Abschuss freigegeben hatten.
Das Verschwinden von Jimmy Hoffa dürfte wohl der am wenigsten rätselhafte ungelöste Mordfall der Kriminalgeschichte sein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit steht fest, wer das Verbrechen verübt hat. Es ist klar, wie die mutmaßlichen Täter vorgingen. Und man weiß auch, warum Jimmy Hoffa sterben musste. Die einzige Frage, die seit knapp vierzig Jahren die Behörden und halb Amerika noch beschäftigt, lautet: Wo, zum Teufel, ist die Leiche von Jimmy Hoffa abgeblieben?
[nextpage title=“Jimmy Hoffa und die Mafia“]
Jimmy Hoffa wurde 1913 in Brazil, Indiana, geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater arbeitete als Bergmann und verstarb an einer Lungenkrankheit, als Jimmy Hoffa noch ein Kind war, woraufhin die übrige Familie 1924 nach Detroit zog. Hoffa ging mit 14 Jahren von der Schule ab und suchte sich eine Arbeit. Die Familie war auf den Verdienst angewiesen. Interessanterweise war Hoffa jedoch niemals in seinem Leben als Lastkraftfahrer tätig, obwohl sein Name immer in einem Atemzug mit der Transportarbeitergewerkschaft genannt werden sollte. Von Hause aus war Jimmy Hoffa eigentlich Lagerarbeiter bei einer Lebensmittelkette.
Hoffa legte sich schon als junger Mann mit seinem Arbeitgeber an. Er beschwerte sich wegen der schlechten Arbeitsbedingungen und des Lohndumpings, mit dem sein Boss die Not vieler Arbeiter ausnutzte. Hoffa ließ sich nicht durch Drohungen einschüchtern und blieb in seinen Forderungen hart. 1932, mit 19 Jahren, organisierte Jimmy Hoffa seinen ersten erfolgreichen Streik. Vor allen Dingen scharrte er seine Kollegen, von denen viele beträchtlich älter waren als er, hinter sich. Der toughe Junge war der geborene Anführer. Das fiel auch den Gewerkschaftlern in Detroit auf. Als es der Kroger Food Company, für die Hoffa arbeitete, 1936 endlich gelungen war, den aufmüpfigen Angestellten rauszuschmeißen, bot ihm die Transportarbeitergewerkschaft prompt einen neuen Job an.
Jimmy Hoffa, der gewiefte Taktiker
In der Transportarbeitergewerkschaft organisierten sich Fernfahrer und Lagerarbeiter. In den 1930ern und 1940 formte Jimmy Hoffa diese Organisation zu einer der größten und einflussreichsten Gewerkschaften im ganzen Land – trotz massiver Widerstände von Arbeitgeberseite und deren Verbündeten in der Politik. Die Teamsters, wie sich die Gewerkschaft in den USA nannte, verzeichneten unter Hoffas Führung insbesondere im Mittleren Westen gewaltige Zuwachsraten. 1933, bei seinem Eintritt in die Gewerkschaft, gab es 75.000 Mitglieder. Bis 1951 hatte Hoffa diese Zahl auf 1 Million Transportarbeiter gesteigert.
Hoffa hatte durchaus ein plausibles Motiv für die Mitgliederwerbung. Denn die Gewerkschaft zahlte ihm kein monatliches Gehalt. Er bekam stattdessen Prämien für neu angeworbene Mitglieder. Hoffa überzeugte die Arbeiter, indem er mutig voranschritt. Allein 1933, seinem ersten Jahr als Gewerkschaftsfunktionär, wurde er 24 Mal von bezahlten Streikbrechern oder Polizisten zusammengeschlagen. Doch Hoffa kehrte immer wieder zurück. Legendär ist zum Beispiel die Geschichte, als er innerhalb eines einzigen Streiktages 18 Mal von der Polizei verhaftet wurde. Und 18 Mal begab er sich nach seiner Freilassung sofort wieder zu den Streikposten zurück. Der Mann hatte unbestritten Stehvermögen, Courage und Charisma. Das kam bei den Arbeitern an.
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Jimmy Hoffa als junger Gewerkschaftsfunktionär (1940, links im Bild), wieder einmal verhaftet von der Detroiter Polizei
Jimmy Hoffa verdankte seinen Aufstieg jedoch vor allen Dingen der Tatsache, dass er ein gewiefter Taktiker war. Bevor Hoffa auf der Bildfläche erschien, war der Generalstreik das bevorzugte Mittel im Arbeitskampf. Ein Generalstreik kam aber nicht nur die Unternehmer, sondern auch die Arbeiter teuer zu stehen. Denn von irgendetwas mussten sie leben und die Gelder aus der Streikkasse reichten nur für einen begrenzten Zeitraum. Meistens saßen die Unternehmer die Streiks einfach aus und zwangen die Arbeitnehmerschaft in die Knie.
Hoffa hingegen setzte darauf, gezielt Druck auf einzelne Unternehmen auszuüben. Wenn dort die Lagerarbeiter und die Lieferanten streikten, brach auch bei den meisten anderen Betrieben, die Teil der Lieferkette waren, die komplette Produktion zusammen. Bestreikte man nur ein einziges Unternehmen, konnte die Streikkasse problemlos den entgangenen Lohn der vergleichsweise wenigen, betroffenen Arbeiter ausgleichen. Selbst wenn es hart auf hart kam und der Boss partout nicht nachgeben wollte, konnten die Arbeiter den Streik locker Monate, wenn nicht sogar Jahre durchhalten.
Irgendwann zwang Jimmy Hoffa so jeden Unternehmer an den Verhandlungstisch. Und dann wurde es für die Widerspenstigen teuer. Die anderen Unternehmen ließ Hoffa derweil in Ruhe. Er drohte ihnen lediglich damit, dass bei ihnen bald ähnliche Zustände herrschen könnten. Das reichte meist schon, um auch dort die Forderungen der Gewerkschaft durchzusetzen.
Las Vegas mit den Pensionsgeldern der Arbeiter erbaut
Führte diese Methode nicht zum Erfolg, konnte Hoffa eine zweite Trumpfkarte ausspielen: die Mafia. Die Mafia hatte spätestens seit den 1920ern ihre Schlägertrupps den Unternehmern zur Verfügung gestellt – gegen üppige Bezahlung selbstverständlich. Die Schläger knüppelten gnadenlos jeden Streikposten zusammen, karrten arbeitslose Streikbrecher heran und schüchterten die Gewerkschaftsfunktionäre ein. Mit Streik war dann bald Essig.
Aber Hoffa kam ein schlauer Einfall, wie er die Mafia auf die Seite der Gewerkschaften ziehen konnte. Dem organisierten Verbrechen ging es einzig und allein darum, Geld zu verdienen. Solange die Mafiosi ihren Schnitt machten, war ihnen völlig egal, auf wessen Seite sie agierten. Jimmy Hoffa zeigte den Verbrechenssyndikaten auf, wie sie in Kooperation mit der Gewerkschaft sehr viel mehr Geld verdienen konnten.
Die hohen Mitgliederzahlen bescherten der Transportarbeitergewerkschaft nicht nur üppige Mitgliederbeiträge. In Ermangelung einer staatlichen Rentenversicherung bot die Gewerkschaft ihren Mitgliedern auch an, Gelder in einen Pensionsfonds einzuzahlen. Jimmy Hoffa versprach den Gewerkschaftsmitgliedern, die Gelder gewinnbringend anzulegen, sodass für jeden Einzahler am Ende eines langen Arbeitslebens eine hübsche Rendite dabei heraussprang. Hoffa war der Hüter eines Milliardenvermögens.
Wie er das Geld investierte, blieb lange Zeit Hoffas Geheimnis. Er vergab zum Beispiel Darlehen an dubiose Typen wie Morris »Moe« Dalitz. Der Mann war praktizierender Gangster und einst Mitglied der berüchtigten »Purple Gang« in Detroit. Bekannt wurde Dalitz, weil er maßgeblich am Aufbau von Las Vegas beteiligt war – im Auftrag der Mafia. So wurden die berühmten Kasinohotels »Desert Inn« und »Stardust« mit Mitteln aus dem Pensionsfonds der Teamster-Gewerkschaft finanziert, während die Gewinne aus den Einnahmen bei den Syndikaten in Chicago und Miami landeten.
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Stardust Casino, Las Vegas
Eine Hand wäscht die andere
Natürlich fielen bei all diesen Geschäften auch immer ein paar Krümel für Hoffa selber ab. Jimmy Hoffa revanchierte sich, indem er seinen Mafiakumpanen persönliche Gefallen erwies. 1949 bestreikte die Transportarbeitergewerkschaft beispielsweise Wäschereien in Detroit. An etlichen dieser Unternehmen war jedoch Moe Dalitz beteiligt. Er bat Hoffa, zu intervenieren, was dieser auch tat. Im Gegenzug erhielt Hoffa von den betroffenen Wäschereien einen hübschen Batzen Geld, den man als Darlehen deklarierte.
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Moe Dalitz (links), 1966
Johnny Dio
Die Mafia profitierte auch anderweitig von der Verbindung zu Jimmy Hoffa. John „Johnny Dio“ Dioguardi, ein Mitglied der New Yorker Lucchese-Familie, hatte einen perfiden Plan ausgeheckt, den er mit Unterstützung der Gewerkschaft in die Tat umsetzen konnte. Johnny Dio eröffnete mehrere Textilfabriken. Vorab schmierte er die entscheidenden Gewerkschaftsfunktionäre und sicherte sich damit Sondervereinbarungen zu. Dank dieser Vereinbarungen war er nicht mehr an die üblichen Tarifverträge gebunden und konnte Einwanderer beschäftigen, die nicht gewerkschaftlich organisiert waren und für einen Hungerlohn arbeiteten. Damit unterbot er jeden Mitbewerber auf dem Markt. Das Modell wurde von anderen Mafiamitgliedern vielfach kopiert.
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Johnny Dio, 1957
Anthony Corallo
Ein enger Partner von Johnny Dio war Anthony »Tony Ducks« Corallo. Den hübschen Spitznamen »Ducks« verdankte er nicht etwa der Tatsache, dass er eine besondere Vorliebe für Enten oder Donald Duck hegte. Anthony Corallo war ein Meister darin, sich aus jedem Gerichtsverfahren, das man gegen ihn eröffnete, herauszuwinden. »Tony Ducks« duckte sich immer noch rechtzeitig weg, wenn die Schlinge sich schon um seinen Hals gelegt hatte.
Anthony Corallo hatte eine weitere zündende Idee, wie die Mafia Kapital aus dem Zusammenwirken mit den Gewerkschaften ziehen konnte. Mit Jimmy Hoffas Segen eröffnete die Cosa Nostra in New York sechs Gewerkschaftsbüros, die letztlich nur auf dem Papier existierten. Die Büros hatten keine zahlenden Mitglieder, dafür jede Menge »Funktionäre«. Diese Jobs wurden an Mafiamitglieder vergeben. Netter Nebeneffekt: Die Pöstchen dienten den Gangstern als legale Fassade, wenn das Finanzamt mal nachfragte, wie man eigentlich seinen Lebensunterhalt finanzierte.
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Anthony Corallo, 1967
Aber Tony »Ducks« Corallo hatte noch eine andere Gaunerei im Sinn. Mit ihren Ausweisen von der Teamster-Gewerkschaft bekam die Mafia Kontrolle über den gesamten Frachtgutbereich an den New Yorker Flughäfen. Die Cosa Nostra konnte nun ungehindert stehlen, was ihr Herz begehrte. Hoffa erwartete als Gegenleistung, dass die Mafia ihn bei allen Gewerkschaftswahlen unterstützte. Das tat sie, indem sie Exklusivkonzerte mit Frank Sinatra und anderen Showgrößen organisierte, Gewerkschaftsmitglieder nach Las Vegas einlud oder die stimmberechtigten Arbeiter direkt mit Geld bestach.
Jimmy Hoffa hatte die Transportarbeitergewerkschaft in eine durch und durch korrupte Organisation verwandelt. Denn ähnliche Deals wie in New York hatte er auch mit den Syndikaten in Chicago, Detroit, Pittsburgh, Cleveland, Minneapolis und St. Louis am Laufen. Der Betrug nahm irgendwann solche Dimensionen an, dass er sich kaum noch vertuschen ließ und für jeden Insider ein offenes Geheimnis war. Das sollte Jimmy Hoffa zum Verhängnis werden.
[nextpage title=“Jimmy Hoffa und Robert F. Kennedy“]
1959 war Robert F. Kennedy Gast in einer bekannten Talkshow des amerikanischen Fernsehens. Sein Bruder John F. Kennedy bereitete sich gerade auf die Präsidentschaftskandidatur vor, die ihn 1960 ins Weiße Haus führen sollte. Da erklärte Bobby Kennedy einem Millionenpublikum haarklein, wie eine kleine Kaste von Männern die öffentlichen Kassen ausplünderte und zu einem Staat im Staat heranwuchs, zu einer echten Bedrohung für die amerikanische Gesellschaft. Bobby Kennedy beließ es nicht bei ein paar diffusen Andeutungen. Er nannte Ross und Reiter: Johnny Dio, Tony »Ducks« Corallo und Jimmy Hoffa.
Das war schon ein starkes Stück. Auch wenn die Meinungsfreiheit in den USA traditionell ein hohes Gut ist – Menschen im Fernsehen als Verbrecher zu bezeichnen, war eine riskante Angelegenheit. Vor allen Dingen, wenn diese Männer so einflussreich und gefährlich waren wie Corallo und Hoffa. Der Auftritt sagte viel über Bobby Kennedys Sendungs- und Selbstbewusstsein aus. Das war ein Mann, der sich auf einem Kreuzzug wähnte: gegen die Mafia im Allgemeinen und gegen Jimmy Hoffa im Besonderen.
Der McClellan-Ausschuss
Zwischen 1956 und 1959 leitete Robert F. Kennedy den sogenannten McClellan-Ausschuss im US-Senat. Das Komitee untersuchte den Einfluss der organisierten Kriminalität auf die Gewerkschaften. Mit anderen Worten: Es sollte das korrupte Imperium durchleuchten, das Jimmy Hoffa geschaffen hatte. Der McClellan-Ausschuss befragte in drei Jahren rund 1.500 Zeugen. Nachdem der Ausschuss seine Arbeit beendigt hatte, schrieb Bobby Kennedy ein Buch, in dem er die wichtigsten Ermittlungsergebnisse in der ihm eigenen offenen Art zusammenfasste. Das Buch entwickelte sich zum Bestseller. Jimmy Hoffa tobte.

Quelle: LBJ Library photo by Yoichi R. Okamoto
Fehde zwischen Jimmy Hoffa und Robert Kennedy
In der jahrelangen Fehde zwischen Jimmy Hoffa und Robert F. Kennedy trafen zwei Charaktere aufeinander, wie sie nicht unterschiedlicher sein konnten. Hoffa war zeit seines Lebens ein störrischer, unbeugsamer Typ, der zu unkontrollierten Wut- und Gewaltausbrüchen neigte. Als Bobby Kennedy auf ihn losging, nahm er die Auseinandersetzung von Anfang an persönlich. Das war ein Krieg zwischen den Kennedys und ihm. Er machte Bobby Kennedy bei jeder sich bietenden Gelegenheit lächerlich. Hoffa nannte ihn nur das »Jüngelchen«.
Als sich die Wege der beiden Kontrahenten auf einer gesellschaftlichen Veranstaltung in Washington kreuzten, entblödete sich Hoffa nicht, Bobby Kennedy in aller Öffentlichkeit zu einem Duell im Armdrücken herauszufordern. Als würden sich seine kriminellen Verstrickungen einfach wegdrücken lassen. Bei einer anderen Gelegenheit trafen die beiden Streithähne in einem Restaurant aufeinander. Hoffa verwickelte Kennedy in ein Geschubse. Das war Hoffas Welt. Wenn sich der ungehobelte Junge aus einfachen Verhältnissen nicht mehr weiterzuhelfen wusste, ließ er die Fäuste sprechen. Das betrachtete Hoffa als sein gutes Recht. Schließlich war er ein echter Mann. Und nicht so ein verzogenes Jüngelchen aus reichem Haus mit affektierten Manieren.
Robert F. Kennedy lehrte den Bullen aus Detroit auf seine Art Zores. Kennedy beherrschte wie kaum ein anderer den Umgang mit dem Beamtenapparat in Washington. Die Bürokraten waren seine Kampftruppen im Konflikt mit Jimmy Hoffa und der Mafia. Bisher hatte Jimmy Hoffa die Welt im Zweifelsfall auf eine simple Binsenweisheit reduzieren können: Man konnte sich fetzen und bis aufs Blut bekriegen – am Ende drehte sich doch immer alles nur ums Geld. Jeder Streit ließ sich regeln, wenn man die richtige Summe auf den Tisch packte. Mit dieser Denke kam er bei Bobby Kennedy nicht weiter. Robert F. Kennedy war der Sohn eines der reichsten Männer der USA. Bobby Kennedy war unbestechlich und unangreifbar. Solche Typen waren Jimmy Hoffa bisher nicht untergekommen.
Jimmy Hoffa ist geliefert
Hoffa zahlte für diese Lektion einen teuren Preis. Das McClellan-Komitee war lediglich ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss. Die Senatoren konnten Jimmy Hoffa weder anklagen noch verurteilen. Doch Bobby Kennedy war ruhelos. Der Ausschuss hatte ihm genügend Munition geliefert, um Hoffa bei einer Vielzahl von Staatsanwaltschaften im Lande anzuschwärzen. Als Robert F. Kenenndy 1960 Justizminister im Kabinett seines Bruders wurde, hatte er auch den Einfluss, um diesen Empfehlungen entsprechenden Nachdruck zu verleihen.
Von da an war Hoffa endgültig geliefert. Mit den Anklageerhebungen, die ihm daraufhin zugestellt wurden, konnte er sich sein Wohnzimmer neu tapezieren. Jimmy Hoffa machte die Sache noch schlimmer, weil er die Dinge auf seine Art zu regeln versuchte. Kurz vor Prozessbeginn flog auf, dass Hoffa mindestens einen Geschworenen bestochen hatte. Das Gericht verurteilte ihn schließlich wegen Betrugs, krimineller Verschwörung und Bestechung zu einer Gesamtstrafe von dreizehn Jahren Gefängnis. Es folgten noch drei Jahre, in denen Hoffa in Berufungsverfahren die gegen ihn ergangenen Urteile vergeblich anfocht. 1967 musste er seine Strafe antreten. Am Ende der jahrelangen Scharmützel zwischen Jimmy Hoffa und Robert F. Kennedy stand der tiefe Fall des einst mächtigsten Gewerkschaftsführers in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
[nextpage title=“Jimmy Hoffas gefährlicher Ehrgeiz“]
Am 14. Februar 1970 drehte eine Propellermaschine ihre Runden über dem Staatsgefängnis in Lewisburg, Pennsylvania. Der kleine Flieger hatte ein großes Banner im Schlepptau, auf dem zu lesen war: »Happy Birthday, Jimmy!« Jimmy Hoffas Freunde ließen sich nicht lumpen. Sie gratulierten dem gefallenen Gewerkschaftsboss, der inzwischen seit drei Jahren in Haft saß, standesgemäß zum 57. Geburtstag. Hoffa erhielt obendrein noch Hunderte von Glückwunschkarten und Briefen. Sie kamen meist von ihm nach wie vor treu ergebenen Gewerkschaftsmitgliedern und -funktionären.
Nach all den Tiefschlägen der vergangenen Jahre waren Hoffa wenigstens noch seine loyalen Freunde geblieben. Die Hoffnung war trügerisch. Für viele einfache Arbeiter war Jimmy Hoffa zwar immer noch ein Held. Aber die Führungskader der Gewerkschaft und die Mafia, die mehr denn je die Fäden innerhalb der Transportarbeitergewerkschaft zog, empfanden das gänzlich anders. Sie freuten sich insgeheim, dass Jimmy Hoffa kaltgestellt war.
Die Marionette Fitzsimmons
Frank Fitzsimmons, sein Nachfolger als Vorstand der Teamster, war viel mehr nach dem Geschmack derjenigen, die das Sagen hatten. Fitzsimmons nahm nicht nur »wohlmeinende Ratschläge« von der Mafia entgegen, um dann seine eigenen Entscheidungen zu treffen, wie es Hoffa gehandhabt hatte. Frank Fitzsimmons räumte den Gangstern jede Menge Gestaltungsspielraum ein, den sie weidlich nutzten. Er mischte sich nicht in die Dinge ein, die in den Ortsvereinen der Gewerkschaft passierten, die nur zum Schein existierten und vom Syndikat kontrolliert wurden. Er überließ der Mafia dort vollkommen freie Hand.

Photo by Oliver F. Atkins, official photographer – The U.S. National Archives and Records Administration
Mit dem ausgeglichenen Fitzsimmons war zudem viel einfacher auszukommen als mit dem streitsüchtigen Jimmy Hoffa. Weiterer Pluspunkt: Frank Fitzsimmons war ein dicker Kumpel vom US-Präsidenten Richard Nixon. Der spazierte praktisch ein und aus im Weißen Haus. Das verlieh ihm einen seriösen Anstrich, über den der Prolet Hoffa nie verfügt hatte, auch vor seiner Verurteilung nicht. Seriösität war prima fürs Geschäft. Aber nun war Jimmy Hoffa obendrein noch ein vorbestrafter Krimineller. Ein wachechter Knacki. Nicht ansatzweise die Idealbesetzung für den Posten eines Gewerkschaftsbosses. Jimmy Hoffa war raus aus dem Spiel, wenn es nach der Mafia ging.
Hoffas Pläne nach der Entlassung
Jimmy Hoffa bekam von diesen Entwicklungen nichts mit oder sie kümmerten ihn herzlich wenig. Sobald man ihn entlassen hatte, würde er seinen alten Posten und die damit verbundene Macht zurückverlangen. Dem standen zunächst nicht nur Frank Fitzsimmons und seine Befürworter im Weg, sondern auch ein Gesetz, das verurteilten Straftätern unter anderem untersagte, ein Amt in einer Gewerkschaft zu übernehmen. Das Verbot galt für mindestens fünf Jahre nach Entlassung aus der Haft. Auch das würde er geduldig aussitzen, so wie er die Haftstrafe abgesessen hatte.
Aber dann, so Hoffas Plan, würde er wieder zurückkehren auf seinen angestammten Thron. Dann würde er bei der nächsten Vorstandswahl gegen Frank Fitzsimmons antreten. Fitzsimmons war eine Marionette der Mafia. Fitzimmons war eine Pfeife. Eine Buchhaltertype. Amerikanische Arbeiter standen nicht auf Buchhalter. Amerikanische Arbeiter liebten echte Kerle, wie Jimmy Hoffa einer war.
Jimmy Hoffa war überzeugt davon, dass er die große Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder hinter sich scharen würde. Scheiß auf die Verurteilung. Wussten doch alle, dass er bloß der Sündenbock in einem abgekarteten Spiel gewesen war. Genau genommen ein Märtyrer, der sich für die gute Sache geopfert hatte. Die beiden Kennedys, seine Erzfeinde, lagen inzwischen unter der Erde. Und diese Flitzpiepe Fitzsimmons würde er eigenhändig erledigen. Dann würde wieder ein anderer Wind wehen in der Gewerkschaft, die er überhaupt erst groß gemacht hatte. Und die Typen von der Mafia würden nicht länger sagen, wo es langging, sondern sich auf dem Platz wiederfinden, der ihnen zustand: Auf dem Bänkchen der Bittsteller.
Unter dem Schutz von „Tony Pro“
Aber bis er dieses Ziel erreicht hatte, versuchte Jimmy Hoffa zweigleisig zu fahren. Zunächst benötigte er seine alten Mafiakumpels, damit sie ihn wieder auf den Thron hievten. Denn ein bisschen Bargeld in der Wahlkampfkasse, um die richtigen Leute zu schmieren, konnte nicht schaden. Da traf es sich, dass während Hoffas Haftzeit in Lewisburg gleichzeitig ein hochrangiges Mafiamitglied einsaß: Anthony »Tony Pro« Provenzano.
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Anthony Provenzano, 1979
Provenzano war ein Capo der New Yorker Genovese-Familie, gleichzeitig aber auch leitender Funktionär des Gewerkschaftsbüros 560 in Union City, New Jersey. »Tony Pro« und Hoffa waren seit vielen Jahren befreundet. Sie hatten so einige lukrative Dinge zusammen gedreht. Für Anthony Provenzano war das Gewerkschaftsbüro 560 so etwas wie der Honigtopf, in den er jederzeit hineinlangen konnte, wenn ihm danach begehrte. Mit dem Gewerkschaftsgeld hatte er jede Menge illegaler Geschäfte kostengünstig vorfinanziert.
In Lewisburg waren Jimmy Hoffa und Anthony Provenzano deshalb zunächst enge Verbündete gewesen. Provenzano war im Knast aufgrund seiner Mafiazugehörigkeit unantastbar. An »Tony Pro« und seine Freunde traute sich niemand heran, der noch ein Funken Verstand besaß. Und natürlich stand Jimmy Hoffa unter Provenzanos Schutz.
Hoffa konnte sich bei einer Gelegenheit revanchieren, als es Anthony Provenzano aus gesundheitlichen Gründen dreckig ging. Provenzano bekam eines Nachts so starke Magenschmerzen, dass er fast ohnmächtig vor Schmerz wurde und sich nicht mehr bewegen konnte. Jimmy Hoffa scheuchte daraufhin die trägen und skeptischen Wächter so lange herum, bis diese sich endlich in Bewegung setzten und den kranken Häftling auf dem schnellsten Weg zur Krankenstation schafften.
Konflikt mit Provenzano
Aber noch während der gemeinsamen Haftzeit musste es zwischen beiden zum Bruch gekommen sein. Grund war eine »Bitte«, die Provenzano an Hoffa richtete. Der Mafiosi verlangte vom ehemaligen Gewerkschaftsführer, dass er seinen Einfluss geltend mache, um an ein Darlehen aus dem Pensionsfonds heranzukommen. »Tony Pro« wollte mit dem Geld ein Restaurant eröffnen. Aber Hoffa verweigerte ihm den Freundschaftsdienst. Jimmy Hoffa wollte oder konnte dem Wunsch nicht nachkommen. Anthony Provenzano reagierte stinksauer. Später belauschten Zeugen ein Gespräch zwischen den beiden Häftlingen, in dessen Verlauf Hoffa sinngemäß gesagt haben soll: »Wegen so Leuten wie dir sitze ich jetzt im Knast.«
Der Konflikt spitzte sich weiter zu. Jimmy Hoffa nutzte alle ihm zur Verfügung stehenden Drähte zur Gewerkschaft, um gegen Provenzanos Plan zu opponieren, nach der Haftentlassung wieder das Gewerkschaftsbüro 560 zu übernehmen. Und »Tony Pro« Provenzano setzte alle Hebel in Bewegung, damit Hoffa nicht wieder Boss der Teamster wurde. Die beiden bekriegten sich nach allen Regeln der Kunst.
Streit eskaliert
Als Hoffa und Provenzano etwa zeitgleich aus Lewisburg entlassen wurden, eskalierte die Auseinandersetzung ein weiteres Mal. Ein Informant des FBI berichtete, die beiden wären sich zufällig an einem Flughafen begegnet und hätten sich gegenseitig lautstark beschimpft. Das Spektakel sei in einer handfesten Keilerei geendet, an deren Ende Jimmy Hoffa »Tony Pro« eine Flasche über den Schädel gezogen habe. Hoffas Familie habe die Szene mit ansehen müssen. Provenzano sei völlig ausgetickt. Er habe Hoffas Enkelkinder angeschrien, dass er ihnen allen eigenhändig die Haut abziehen und die Eingeweide herausreißen würde.
Jimmy Hoffa dachte vielleicht, er sei ein tougher Typ, dem niemand was könne. Aber in diesem Fall hatte er sich definitiv mit dem Falschen angelegt. Provenzano rasselte nicht nur mit dem Säbel. Der haute jedem eiskalt die Rübe ab, der ihn bloß blöde anguckte. 1963 war ein Mann unter ungeklärten Umständen erschossen worden, der in einem Prozess gegen Anthony Provenzano als Zeuge der Anklage aussagen sollte. 1972 verschwand ein Komplize von Provenzano spurlos, der bei einem Fälschungscoup mitgemischt hatte und die Klappe nicht halten konnte. Es brauchte keinen Sherlock Holmes, um zu kapieren, wer der Drahtzieher dieser Morde war.
Das Treffen am 30. Juli 1975 im »Machus Red Fox« sollte eigentlich dazu dienen, die Wogen zwischen Hoffa und Provenzano zu glätten. So hatte sich das Jimmy Hoffa zumindest vorgestellt. Deshalb hatte er einen weiteren Vertrauten mit Mafiaverbindungen – Anthony Giacalone aus Detroit – um Vermittlung gebeten. Aber über Jimmy Hoffas Schicksal war längst an anderer Stelle entschieden worden. Um den lästigen Ex-Gewerkschaftsführer geräuschlos zu beseitigen, griff man auf einen Plot zurück, der bereits in der Vergangenheit in einem anderen Fall funktioniert hatte.
[nextpage title=“Ein tödlicher Plot“]
1961 plagte sich Anthony Provenzano mit einem aufmüpfigen Schatzmeister der Transportarbeitergewerkschaft herum. Anthony Castellito arbeitete für den Teamster-Ortsverein von Union City, den Provenzano als seine persönliche Melkkuh betrachtete. Castellito war ein kleingeistiges Gewerkschaftsarschloch durch und durch, wie »Tony Pro« meinte. Der Typ funkte ständig dazwischen, meldete Bedenken an und versaute damit die einträglichen Geschäfte, die Provenzano über den Laden abwickelte. Castellito musste verschwinden.
Nachdem der Streit sich zunehmend hochgeschaukelt hatte, unterbreitete Anthony Provenzano seinem Kontrahenten ein Friedensangebot. Er lud Anthony Castellito zu einem Treffen ein, bei dem man die Meinungsverschiedenheiten ein für alle Mal ausräumen könne. Ein Gespräch unter Männern. Castellito willigte ein. Als er jedoch an dem verabredeten Treffpunkt im Norden des Bundesstaates New York eintraf, erwartete ihn dort statt Provenzano ein kleiner Hanswurst mit Brille. Castelitto reagierte unwirsch. Er verlangte, den Chef zu sehen.
Auftragskiller Salvatore Briguglio
Dass er den vermeintlichen Hanswurst schwer unterschätzt hatte, dürfte Castellito wohl nicht mehr aufgegangen sein. Denn kurz darauf hatte ihn Salvatore Briguglio, wie der kleine Mann hieß, in die ewigen Jagdgründe befördert. »Sally Bugs« Briguglio sah vielleicht auf den ersten Blick harmlos aus, aber der Kredithai verdingte sich nebenbei als Auftragskiller der Mafia.
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Salvatore Briguglio (Bildmitte, 1975)
Briguglio ließ Castellitos Leiche spurlos verschwinden. Seine Familie meldete ihn als vermisst. Die Polizei hatte von Anfang an Anthony Provenzano im Verdacht, den lästigen Mitarbeiter beseitigt zu haben. Aber Provenzano konnte ein wasserdichtes Alibi vorweisen. Zum Zeitpunkt des Verschwindens von Castellito weilte er in Florida und sah den Fischen beim Sterben zu. Die Staatsanwaltschaft erhob angesichts der Beweislage keine Anklage.
Dieser Mord lieferte Provenzano quasi das Drehbuch für die Beseitigung von Jimmy Hoffa: keine Leiche, keine Anklage. Aber obwohl Anthony Provenzano ein einflussreicher Mafia-Capo war, konnte er Jimmy Hoffa nicht einfach so umbringen lassen. Er brauchte das Einverständnis der Bosse. Zwar war Hoffa kein Mitglied der Familie und damit sozusagen Freiwild nach dem Verständnis der Cosa Nostra. Aber es konnte ja noch den einen oder anderen Mafiapaten geben, bei dem Hoffa nach wie vor ein Stein im Brett hatte. Doch für die Dons hatte der Ex-Gewerkschaftsboss seinen Nutzen verloren. Und einigen war er zudem in der Vergangenheit empfindlich auf die Zehen gestiegen.
Mafiapate Russell Bufalino
So wie zum Beispiel Russell Bufalino, dem Paten des kleinen, aber sehr einflussreichen Syndikats im nordöstlichen Pennsylvania. Bufalino befehligte gerade mal über 30 Mafiamitglieder. Sein Einflussgebiet umfasste vorwiegend Kleinstädte im Staatendreieck von Pennsylvania, New York und New Jersey. Aber Russell Bufalino war bestens vernetzt mit dem Syndikat in Buffalo und der mächtigen Bonnano-Familie in New York. Jimmy Hoffa hatte es sich 1967 mit Bufalino verscherzt. Genauer gesagt mit dessen Cousin William Bufalino, der das Detroiter Scheinbüro der Gewerkschaft im Auftrag der Mafia führte. Und einem Mafiaboss pisste man nicht ungestraft ans Bein, wie Hoffa acht Jahre später lernen musste.
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Russel Bufalino, 1968
Im Januar 1976 verfasste das FBI ein Memo, in dem die Personen, die bei der Ermordung Jimmy Hoffas mitgewirkt hatten, eindeutig benannt wurden. Neben Russell Bufalino und Anthony Provenzano tauchte da zum Beispiel erneut der Name Salvatore Briguglio auf. Dem brauchte Provenzano nicht lange zu erklären, wie die Sache ablaufen sollte. Außerdem waren »Tony Jack« Giacalone, Chuckie O‘Brien, die Gebrüder Stephen und Thomas Andretta sowie Frank Sheeran mit von der Partie. Die Zeitung »Detroit Free Press« druckte das 56-seitige Memo im Juni 2006 ab. Die Ermittlungsbehörden sind bis heute überzeugt, dass dieser Bericht der Wahrheit am nächsten kommt.
Ralph Picardo und Frank Sheeran packen aus
Das FBI verdankte sein Wissen über das Mordkomplott vor allen Dingen einem Informanten, der sich bereits 1975 an die Ermittlungsbehörden gewandt hatte. Ralph Picardo saß seit Mai 1975 im Knast, weil er einen Kredithai getötet hatte. Picardo war offiziell Funktionär der Transportarbeitergewerkschaft in New Jersey, in Wahrheit aber langjähriger Fahrer von Anthony Provenzano. Ralph Picardo war definitiv ein Insider. Nun erhoffte er sich einen Strafnachlass, wenn er gegen seinen ehemaligen Boss auspackte.
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Ralph Picardo, 1976
Kurz vor seinem Tod brach zudem ein Beteiligter an der Verschwörung sein Schweigen. Frank Sheeran war einst die rechte Hand von Jimmy Hoffa gewesen und beseitigte in dessen Auftrag unangenehme Probleme. Nach der Inhaftierung Hoffas wechselte Sheeran die Seiten und arbeitete für Russell Bufalino. Nun sollte er das Problem Hoffa beseitigen. Sheeran war Co-Autor eines Buchs und schilderte darin detailliert, was sich an diesem 30. Juli 1975 zugetragen hatte.
Die Falle wird aufgestellt
Laut Picardo und Sheeran hatte sich zunächst Anthony Giacalone bei Hoffa gemeldet. Er habe gute Nachrichten, habe »Tony Jack« gesagt. Anthony Provenzano sei bereit, den Streit beizulegen. Giacalone schlug Hoffa vor, dass beide sich mit Provenzano im »Machus Red Fox« treffen sollten, um dort das Kriegsbeil endgültig zu begraben. Jimmy Hoffa war in dem Restaurant Stammgast und schöpfte folglich keinen Verdacht, als Giacalone das Lokal als Treffpunkt vorschlug.
Die Verschwörer hätten sich dann ein Haus in Detroit auf der Beaverland Street ausgeguckt, in dem sie Hoffa umbringen wollten. Die Andretta-Brüder hätten das Haus mit Linoleum-Boden ausgelegt. Ihr Job sei es gewesen, den Tatort zu säubern und die Leiche verschwinden zu lassen. Sie hätten sich so lange im Haus verstecken sollen, bis Hoffa dort aufgetaucht sei.
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Die Brüder Thomas (links) und Stephen Andretta, 1975
Chuckie O‘Brien habe man derweil vorgeschickt, um Jimmy Hoffa in die Falle zu locken. Chuckie habe bis zum Schluss keine Ahnung gehabt, was eigentlich Sache gewesen sei, meinte Frank Sheeran. Sheeran sei ebenfalls mit zum Restaurant hinausgefahren, denn Hoffa habe sowohl ihm als auch Chuckie O‘Brien blind vertraut. Zusätzlich habe noch Salvatore Briguglio im Auto gesessen. Der habe den Aufpasser gespielt, damit Sheeran nicht in letzter Sekunde noch das schlechte Gewissen packte.
Kurz nach halb drei seien sie dann auf dem Parkplatz vor dem Restaurant eingetroffen. Hoffa sei reichlich sauer gewesen, habe sich aber beruhigt, sobald er Sheeran und O‘Brien gesehen habe. Die beiden hätten ihm dann erklärt, dass Giacalone und Provenzano es wegen eines Termins in Detroit nicht rechtzeitig geschafft hätten, aber dort auf ihn warten würden. Sie habe man losgeschickt, Hoffa Bescheid zu geben und hinzubringen. Jimmy Hoffa habe ihnen die Geschichte abgekauft und sei arglos in den Wagen eingestiegen.
Dass Jimmy Hoffa tatsächlich in jenem Mercury Marquis Brougham gesessen hatte, den sich Chuckie O’Brien am 30. Juli 1975 von Giacalones Sohn ausgeliehen hatte, konnte das FBI 2001 definitiv nachweisen. In dem Fahrzeug hatte man 1975 unter anderem eine Haarsträhne gefunden. Diese unterzog man einem DNA-Vergleich mit Haaren von Jimmy Hoffa. Die Familie hatte glücklicherweise eine Haarbürste aufbewahrt, die Hoffa benutzt hatte. Ergebnis der DNA-Analyse: Volltreffer. Die Haare waren identisch.
Die Falle schnappt zu
Als sie vor dem präparierten Haus in der Beaverland Street angekommen seien, seien nur er – Frank Sheeran – und Hoffa ausgestiegen. »Sally Bugs« Briguglio und Chuckie O‘Brien seien sofort weitergefahren. Er und Hoffa seien dann zur Haustür hineingegangen und hätten den Eingangsflur betreten. Niemand sei zu sehen gewesen. Aus keinem der angrenzenden Räume sei ein Laut zu vernehmen gewesen. In dem Moment sei Jimmy Hoffa klar geworden, was die Stunde geschlagen habe.
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Angeblicher Tatort
Hoffa sei zurück zur Tür gestürmt. Da habe Frank Sheeran schon die Waffe in Händen gehalten und die Andretta-Brüder seien ebenfalls mit gezückten Pistolen aus ihren Verstecken hervorgekommen. Wer die tödlichen Schüsse genau abgegeben hatte, darüber schwieg sich Frank Sheeran aus. Laut seiner Schilderung hätten zwei Kugeln Jimmy Hoffa hinterrücks in den Kopf getroffen, als er schon den Türknauf in Händen gehalten habe.
Was dann mit der Leiche passiert sei, wisse er nur vom Hörensagen, so Frank Sheeran. Denn er habe sich sofort anschließend zum Flughafen begeben, um sich schnellstens ein Alibi zu besorgen, weit weg vom Tatort. Russell Bufalino habe ihm später erzählt, dass man Hoffas Leiche zu einer Müllpresse gebracht habe. Oder zu einem Krematorium, so genau wisse er das nicht mehr.
Am 4. Dezember 1975 erhob die Staatsanwaltschaft auf Grundlage der Aussage von Ralph Picardo Anklage vor einer Grand Jury gegen Anthony Provenzano, Frank Sheeran, Salvatore Briguglio und die anderen Mitverschwörer. Jeder der Beschuldigten berief sich auf den fünften Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten und verweigerte die Aussage. Nach Ansicht der Grand Jury lagen nicht genügend Beweise vor, um ein Verfahren eröffnen zu können. Die Klage wurde abgewiesen. Die Staatsanwaltschaft unternahm keinen weiteren Anlauf. So ist der Fall Jimmy Hoffa bis heute offiziell ungeklärt.
Das weitere Schicksal der Verschwörer
Dennoch mussten die Beteiligten am Komplott auf gewisse Art und Weise für die Tat büßen. Das Schicksal meinte es nicht allzu gut mit ihnen. Zunächst stellte das FBI das berüchtigte Gewerkschaftsbüro 560 in Union City auf den Kopf und machte den Laden schließlich dicht. Ein herber Schlag für Anthony Provenzano, der sich an die stetig sprudelnden Einnahmen gewöhnt hatte. Für ihn kam es noch schlimmer. Denn 1978 erhob man offiziell Anklage gegen ihn wegen des Mordes an Anthony Castellito, 17 Jahre nach dem Verbrechen.
Der Staatsanwaltschaft war es gelungen, Salvatore Briguglio zum Reden zu bringen. Der Junge hatte inzwischen so viel auf dem Kerbholz, dass er sich über jeden Deal mit den Ermittlungsbehörden freuen konnte. Briguglio plapperte aus, wie die Sache mit Castellito genau gelaufen war. Und er klärte auch auf, was mit dessen Leiche geschehen war. Er selbst habe sein Opfer zurück nach New Jersey verfrachtet und die Leiche dort in einem Häcksler zerstückelt.
Nachdem Anthony Provenzano damals aus dem Florida-Urlaub zurückgekehrt sei, habe er seinen Killer belohnt, indem er ihn zum Nachfolger des verschwundenen Anthony Castellito ernannt habe. »Sally Bugs« hatte nie zuvor ein Gewerkschaftsamt ausgeübt und hatte keinen blassen Schimmer von dem Job. Aber im Gewerkschaftsbüro 560 war das auch nicht wirklich wichtig.
Natürlich bekam Provenzano Wind davon, dass »Sally Bugs« gesungen hatte. Die Spielregeln der Mafia waren jedem Teilnehmer bekannt. Salvatore Briguglio starb auf der Mulberry Street inmitten des New Yorker Stadtteils Little Italy. Er wurde von zwei unbekannten Schützen am helllichten Tag auf offener Straße kaltblütig hingerichtet. Dieses Mal musste niemand nach der Leiche suchen. Anthony Provenzano nutzte es aber wenig, den Kronzeugen der Anklage ausgeschaltet zu haben. Die Geschworenen verknackten ihn wegen des Mordes an Castellito zu einer langjährigen Haftstrafe. »Tony Pro« verstarb zehn Jahre später im Alter von 81 Jahren im Gefängnis.
Anthony Giacalone wurde wegen Steuerhinterziehung zu zehn Jahren Haft verurteilt. Als man ihn entließ, hatte er gleich eine neue Klage am Hals. Dieses Mal erwartete ihn ein Verfahren wegen bandenmäßiger Schutzgelderpressung. Bevor der Fall jedoch vor Gericht verhandelt werden konnte, starb Giacalone.
Auch Chuckie O‘Brien, der – wissentlich oder unwissentlich – seinen Freund und Ziehvater Jimmy Hoffa in die Falle gelockt hatte, musste Ende der 1970er ins Gefängnis. Allerdings handelte es sich um ein kleineres Vergehen (er hatte in einem Kreditantrag falsche Angaben gemacht) und er kam mit einer geringen Haftstrafe davon. O‘Brien zog nach Florida um. Vorstand Frank Fitzsimmons höchstpersönlich hatte ihm dort einen Job bei der Teamster-Gewerkschaft zugeschustert.
Aber 1990 war es für Chuckie O‘Brien mit der Funktionärskarriere vorbei. Wegen seiner öffentlich gewordenen Verbindungen zur Mafia war er nicht mehr tragbar. Danach ging es mit ihm gesundheitlich bergab. O‘Brien erkrankte an Krebs und musste insgesamt vier Herzoperationen über sich ergehen lassen. Angeblich lebt er aber immer noch in Boca Raton, Florida.
Chuckie O‘Brien bestreitet nach wie vor, dass er Jimmy Hoffa am 30. Juli 1975 überhaupt getroffen habe. Und mit Sicherheit habe er nichts mit dem Verschwinden seines Freundes zu tun, für das nach Ansicht von O‘Brien ohnehin nicht die Mafia, sondern die Regierung der Vereinigten Staaten verantwortlich sei.
[nextpage title=“Was ist mit der Leiche von Jimmy Hoffa geschehen?“]
Manchmal beschleicht einen das Gefühl, dass die Suche nach Jimmy Hoffas Leiche inzwischen nur noch als Running Gag für Spielfilme und Fernsehserien taugt. Selbst die eigentliche Ermittlungsarbeit verkommt mitunter zum Klamauk. Ein Beispiel: 2006 meldete sich der 75-jährige Donovan Wells bei den Behörden. Der Mann war für die Polizei kein unbeschriebenes Blatt. Er hatte einige Vorstrafen wegen Handels mit Marihuana.
Wells behauptete, Mitte der 1970er beobachtet zu haben, wie mehrere Männer den Leichnam von Jimmy Hoffa auf einer Pferdefarm namens »Hidden Dreams« vergraben hätten. Der Hof befand sich in Milford, Michigan, und gehörte 1975 einem gewissen Rolland McMaster, der einst ein wichtiger Mitarbeiter von Hoffa war. Nur aus diesem Grund nahm die Polizei den Hinweis überhaupt ernst. Das Farmgelände war 32 Hektar groß. Die Ermittler wussten gar nicht, wo sie zu graben anfangen sollten. Sie taten es dennoch, rissen unter anderem auch eine Scheune ab. Am Ende blieb die Suche erfolglos.
Während ein großes Polizeiaufgebot das Gelände beackerte, entwickelte sich das Drumherum zum Medienspektakel. Hunderte Journalisten berichteten live vom vermeintlichen Fundort. Über dem Areal kreisten die Hubschrauber wie die Geier. Direkt neben dem Grundstück errichteten fliegende Händler ihre Stände. Sie drehten den neugierigen Gaffern, die sich eingestellt hatten, »Hoffa-Burger« an oder T-Shirts und Kaffeetassen mit Hoffas Konterfei und jeder Menge blöder Sprüche. Das Ganze ähnelte mehr einem Volksfest als einer Polizeiuntersuchung.
Die Fallakte ist noch offen
So erhalten die Ermittlungsbehörden bis heute zwar eine Vielzahl an Hinweisen auf den Verbleib von Jimmy Hoffa, aber bei etlichen davon stellt sich von vorneherein die Frage, ob sich die Leute nicht bloß ein Späßchen mit der Polizei erlauben. Insbesondere Knastinsassen scheint der Gedanke zu beglücken, den Beamten irgendwelchen Blödsinn zu verzapfen und dann zuzusehen, wie eine Armada von Polizisten auf Händen und Knien in der Pampa herumkriecht.
Dabei nimmt das FBI den Fall nach wie vor ernst, obwohl Jimmy Hoffa bereits 1982 offiziell für tot erklärt wurde. Im FBI-Büro von Detroit ist immer noch ein Agent dem Fall zugeteilt, der allen neuen Hinweisen akribisch nachgeht. Die letzte große Suchaktion fand beispielsweise im Juni 2013 statt. Die Akten des FBI im Vermisstenfall Jimmy Hoffa umfassen mittlerweile stolze 16.000 Seiten. Die Daten stammen vorwiegend aus Zeugenbefragungen, Abhörmaßnahmen und Observationen im Mafiaumfeld.
Die Aussage von Frank Sheeran zum Verbleib von Hoffa war für das FBI selbstverständlich von besonderem Interesse. Schließlich galt Sheeran nach den Erkenntnissen der Ermittlungsbehörde als unmittelbarer Tatbeteiligter. Kurz vor seinem Tod hatte Frank Sheeran konkrete Angaben zum Tatort gemacht und die Adresse des Hauses, in dem Hoffa höchstwahrscheinlich erschossen wurde, bekannt gegeben. Agenten des FBI suchten 2004 in dem Gebäude nach Spuren. Das Ergebnis ist nicht bekannt. Aber man darf wohl annehmen, dass die Ermittler sich an die Öffentlichkeit gewandt hätten, wenn man fündig geworden wäre.
In der Schrottpresse
Der FBI-Informant Ralph Picardo, der den Behörden 1975 den ersten Hinweis auf die Mordverschwörung lieferte, hatte gehört, dass man Hoffas Leiche in einem Ölfass abtransportiert habe. Das Fass sei am Ende auf einer Giftmülldeponie in Jersey City gelandet. Die Polizei hatte Ähnliches verlauten hören, als sie den großen Lauschangriff auf diverse Mafiagrößen unternahm. Man habe Hoffas Leiche in einem Ölfass nach Dearborn in Detroit geschafft. Dort sei die Tonne in einer Schrottpresse von Ford gelandet. Salvatore »Bill« Bonnano, Sohn des berühmten New Yorker Mafiabosses Joseph Bonnano, erzählte in seinem Buch »Bound by Honor« eine weitere Variante dieser Geschichte. Demnach hätten die Mörder Hoffas Leiche in den Kofferraum eines gestohlenen Fahrzeugs deponiert und den Wagen zur Schrottverwertung gegeben.
Zu Pulver zermahlen
Das FBI wiederum ging lange davon aus, dass Hoffas Leichnam in einer Fabrik geendet war, die sich auf die chemische Beseitigung von Fettrückständen spezialisiert hatte – die letzte Ölung im wortwörtlichen Sinne quasi. Aber bevor die Agenten den fraglichen Betrieb untersuchen konnten, fackelte das Fabrikgebäude unter nicht geklärten Umständen ab. Charles Allen, ein ehemaliger Mithäftling von Jimmy Hoffa, modifizierte diese Story und behauptete 1982, man habe Hoffas pulverisierte Überreste in einem Sumpfgebiet in Florida zerstreut.
In Beton gegossen
Wo die Mafia ist, ist der Beton nie fern. Logisch, dass Hoffas Leiche häufiger als unfreiwilliges Fundament eines Neubaus herhalten musste. Die bekannteste Geschichte geht auf den Auftragskiller Donald Frankos zurück, besser bekannt unter seinem Künstlernamen »Tony the Greek«. Wem vertraut so ein Killer seine düstersten Geheimnisse an? Richtig, dem »Playboy«. 1989 war dort zu lesen, dass Hoffa heute Teil der Stadiontribüne der New York Giants sei. Das Stadion des Footballteams entstand Mitte der 1970er in Rutherford, New Jersey. Seine Mörder hätten dafür gesorgt, dass Hoffa besten Blick auf das Spielgeschehen genieße – er liege auf Höhe der Touchdown-Linie.
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Donald Frankos, 1984
Richard C. Powell
Da klingt die Geschichte, dass die Killer Hoffas Leichnam in der Kiesgrube seines Bruders William in Highland (Michigan) entsorgt hätten, doch schon weitaus profaner. Ebenso schmucklos kommt das Geständnis des wegen Mordes verurteilten Gefängnisinsassen Richard C. Powell daher. 2003 behauptete er, er habe Jimmy Hoffa vom Restaurantparkplatz zum Au Sable River in die Nähe von Oscoda gebracht. Zunächst habe man Hoffa im Wagen eine Spritze verpasst und betäubt, dann seinen Körper mit Steinen beschwert und im Fluss versenkt.
Die Behörden schenkten Powells Erzählung zunächst durchaus Glauben. Denn seine Angaben hatten in einem anderen Mordfall zum Fund einer Leiche geführt, die seit 30 Jahren als vermisst galt. Um seine Behauptung belegen zu können, verriet Richard C. Powell den Polizisten das Versteck, in dem angeblich die Brieftasche von Hoffa und die Injektionsnadel, mit der man ihn außer Gefecht setzte, zu finden sei. Die Beamten fanden nichts dergleichen.
Richard Kuklinski
Noch ein weiterer verurteilter Mörder meldete sich im Fall Jimmy Hoffa zu Wort. Richard »The Iceman« Kuklinksi äußerte, die Mafia habe ihm 40.000 Dollar für die Ermordung Hoffas angeboten. Er habe den ehemaligen Gewerkschaftsboss mit einem Jagdmesser getötet und den Leichnam verbrannt. Die Überreste habe er in einem Ölfass zu einer Mülldeponie gefahren und dort vergraben. Dann habe ein Mitwisser zu plaudern begonnen. Da habe man das Fass mit der Leiche wieder ausgebuddelt und zur Schrottpresse geschafft. Der Schrott sei nach Japan gelangt und dort eingeschmolzen worden. Das Metall habe man dort für den Bau neuer Autos verwendet.
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Richard Kuklinski, 1988
Interessante Geschichte, die allerdings einen Haken hat. Richard Kuklinski war eigentlich ein verurteilter Serienmörder, dem die Ermittler fünf Morde nachgewiesen hatten. Als er dann seine Gefängnisstrafe absaß, behauptete er plötzlich, zwischen 100 und 250 Menschen im Auftrag der Mafia umgebracht zu haben. Die Medien waren begeistert. Es entstanden in der Folge drei Bücher, drei Dokumentarfilme und ein Spielfilm, die auf den Erzählungen von Kuklinski basierten. Richard Kuklinsi hatte auch nachweislich Kontakte zum organisierten Verbrechen unterhalten. Aber kein einziges Mafiamitglied, in dessen Auftrag Kuklinski angeblich getötet haben wollte, hat jemals irgendeine seiner Storys bestätigt. Selbst die nicht, die ihr Schweigen gebrochen hatten und vor der Polizei Interna der Cosa Nostra ausplauderten.
Bodenproben
Im September 2012 kündigte die Polizei von Roseville im Bundesstaat Michigan an, dass sie in den Vororten von Detroit auf einen interessanten Hinweis gestoßen seien. Ein Zeuge, der in der Nachbarschaft lebte, habe sich bei ihnen gemeldet. Der Zeuge glaube sich zu erinnern, im Jahre 1975, etwa zum Zeitpunkt des Verschwindens Hoffas, die Beseitigung einer Leiche beobachtet zu haben. Die Ermittlungen ergaben, dass das Grundstück 1975 einem bekannten Zocker mit Verbindungen zur örtlichen Mafia gehörte.
Die Polizei entnahm am 28. September 2012 Bodenproben an einer Zufahrt zu einem Lagerschuppen, unter der die Leiche Hoffas angeblich verscharrt war. Anschließend schickten die Beamten die Proben an forensische Anthropologen der Michigan State University. Die konnten allerdings keinerlei Rückstände feststellen, die auf menschlichen Ursprung hindeuteten.
Letzte heiße Spur
Die vorerst letzte vermeintlich heiße Spur ergab sich im Januar 2013. Der Hinweis stammte von Tony Zerilli, der ein hohes Tier der Detroiter Mafia war. Er berichtete, dass man Jimmy Hoffa seinerzeit auf einem Acker im nördlichen Teil des Oakland County notdürftig vergraben habe, etwa dreißig Kilometer entfernt vom Restaurant. Der Plan sei gewesen, zu einem späteren Zeitpunkt zu der Stelle zurückzukehren, die Leiche zu bergen und zu einem sicheren Versteck zu bringen. Den Plan hätten die Verantwortlichen für das Komplott allerdings aufgegeben, sodass Hoffas Leiche immer noch an dem Platz liegen müsse.
Zerilli stritt allerdings ab, irgendetwas mit dem Mord zu tun zu haben. Er kenne die Details nur aus Gesprächen – der übliche Tratsch unter Mafiabossen halt. Das FBI durchkämmte daraufhin am 17. Juni 2013 ein Grundstück, dass dem Detroiter Mafiaboss Jack Tocco gehörte. Nach drei Tagen intensiven Grabens brach das FBI die Suche ergebnislos ab.
Somit ist der Fall Hoffa zwar einerseits aller Wahrscheinlichkeit nach gelöst, aber das letzte Puzzlestück fehlt immer noch. Die Täter haben Jimmy Hoffa vielleicht in dem Glauben getötet, damit einen mächtigen Gegenspieler ein für allemal auszuschalten. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Hoffas einstige Konkurrenten haben längst ihre Macht eingebüßt. Hoffas Sohn James Hoffa Jr. hingegen hat das Erbe seines Vaters angetreten und ist seit 1999 Vorstand der nach wie vor einflussreichen Transportarbeitergewerkschaft. Der König ist tot – lang lebe der König.
* * * * *
[nextpage title=“Bücher zu Jimmy Hoffa“]
Es sind seit den 1950ern eine Reihe von Büchern erschienen, die sich mit Jimmy Hoffas Leben, Wirken und spurlosem Verschwinden auseinandersetzen. Ich habe mal die Titel zusammengetragen, die momentan noch im Handel erhältlich sind.
Romane (deutsch)
James Ellroy: Ein amerikanischer Thriller
Der bekannteste Roman, in dem Hoffa eine wichtige Rolle spielt, dürfte »Ein amerikanischer Thriller« (1995) von James Ellroy sein. Ellroy erzählt darin ein Stück amerikanischer Zeitgeschichte. Der Roman setzt im November 1958 ein, als Robert Kennedy Jimmy Hoffa im McClellan-Ausschuss hart zusetzt, und endet mit dem Attentat auf John F. Kennedy fünf Jahre später. Wie immer bei Ellroys Hauptwerken: Eine Mischung aus historischen Fakten und frei erfundenen Geschichten.
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William Carrington: Columbo, die Hoffa-Connection
Etwas skurriler kommt da das Buch »Columbo, die Hoffa-Connection« (1997) von William Harrington daher. Da ermittelt TV-Kommissar Columbo im Hoffa-Fall. Immerhin in deutscher Sprache erschienen.
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Ältere Biografien (englisch)
James Hoffa: Hoffa: The Real Story
Quasi posthum (wenn man mal das Naheliegende annimmt und von Hoffas Tod ausgeht) erschien Jimmy Hoffas Autobiografie, mit deren Erscheinen er seinen Mafiakumpanen gedroht hatte. Sie heißt »Hoffa: The Real Story« (1975).
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James Hoffa: The Trials of Jimmy Hoffa
Zuvor hatte Jimmy Hoffa bereits ein weiteres autobiografisches Werk veröffentlicht (1970). Das Buch schildert seine Sicht auf die Prozesse, denen er sich in den 1960ern stellen musste: »The Trials of Jimmy Hoffa«.
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Robert Kennedy: The Enemy Within
Eine andere Sichtweise der Person Jimmy Hoffa bietet das Buch »The Enemy Within: The Mcclellan Committee’s Crusade Against Jimmy Hoffa And Corrupt Labor Unions« (1960). Hierin fasst sein großer Widersacher Robert Kennedy die Ermittlungsergebnisse der sogenannten McClellan-Kommission zusammen, die er 1956-1959 leitete. Der Ausschuss befragte rund 1.500 Zeugen und deckte die im wahrsten Sinne mafiösen Strukturen der Transportarbeitergewerkschaft auf, für die Jimmy Hoffa verantwortlich war.
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Walter Sheridan: The Fall and Rise of Jimmy Hoffa
Walter Sheridan gehörte ebenfalls dem Stab des McClellan-Ausschusses an. Er schildert in seinem Buch »The Fall and Rise of Jimmy Hoffa« (1972) allerdings nicht bloß die Ermittlungsergebnisse des Ausschusses, sondern verfolgt auch Hoffas weiteres Schicksal in den 1960ern bis hin zu seiner Verurteilung.
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Neuere Biografien nach 1975 (englisch)
Arthur Sloane: Hoffa
»Hoffa« (1991) von Arthur Sloane ist die wohl umfangreichste Biografie von Jimmy Hoffa. Der Autor ist Professor in Delaware und hat den Kontakt zu Familie und Freunden von Hoffa gesucht, um das Buch zu schreiben. Deshalb ist die Schilderung von Hoffas Leben wesentlich ausgewogener, als dies in anderen Büchern der Fall ist. Der Autor würdigt auch ein Stück weit die Lebensleistung von Hoffa. Gleichzeitig behandelt auch er ausführlich das Geheimnis um das Verschwinden von Jimmy Hoffa.
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Dan Moldea: The Hoffa Wars: Teamsters, Rebels, Politicians and the Mob
Dan Moldea beschäftigt sich in seinem Buch »The Hoffa Wars: Teamsters, Rebels, Politicians and the Mob« (1978) hauptsächlich mit Jimmy Hoffas Verbindungen zur Mafia. Außerdem stellt er die Frage, welche Rolle Hoffa möglicherweise bei dem Attentat auf John F. Kennedy spielte. Natürlich kann er für die entscheidenden Punkte in seiner Geschichte keine handfesten Beweise anführen. Aber es geht ihm wohl auch eher um die interessante Erzählung, frei nach dem Motto: »So hätt‘s sein können.«
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Charles Brand & Frank Sheeran: „I Heard You Paint Houses“
Das Buch »„I Heard You Paint Houses“: Frank „The Irishman“ Sheeran & Closing the Case on Jimmy Hoffa« (2005) von Charles Brand schildert vordergründig die Geschichte von Frank Sheeran, einem Auftragskiller der Mafia. Aber der Hauptplot ist die Ermordung von Jimmy Hoffa, für die Sheeran verantwortlich gewesen sein will. Das Buch war ein Bestseller in den USA.
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Joseph Franco: Hoffa’s Man: The Rise and Fall of Jimmy Hoffa As Witnessed by His Strongest Arm
Joseph »Joe« Franco war – nach eigenem Bekunden – einer der Ganoven, mit denen sich Jimmy Hoffa umgab. Er schildert in »Hoffa’s Man: The Rise and Fall of Jimmy Hoffa As Witnessed by His Strongest Arm«, wie er in einem Slum von Detroit aufwuchs und zur rechten Hand von Jimmy Hoffa aufstieg. Mit all der Gewalt und Kriminalität, die zu diesem Aufstieg dazugehörte.
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[nextpage title=“Filme zu Jimmy Hoffa“]
Spielfilme (deutsch)
The Irishman (2019)
Der Spielfilm von Regisseur Martin Scorsese stellt Frank Sheeran in den Mittelpunkt, der zuvor in einem Bestseller seine Beteiligung an der Ermordung von Jimmy Hoffa eingestanden hatte. In den Hauptrollen sind Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci zu sehen.
Jimmy Hoffa (1991)
Jack Nicholson als Jimmy Hoffa? Keine schlechte Besetzung, auch wenn James Gandolfini die noch interessantere Wahl gewesen wäre. Aber Danny DeVito drehte den Film »Jimmy Hoffa« 1991. Damals war Gandolfini noch nicht bekannt genug.
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Die Faust im Nacken (1954)
Jimmy Hoffa tauchte in einem Film erstmals 1954 auf. Die Figur Johnny Friendly in dem Filmklassiker »Die Faust im Nacken« (Regie: Elia Kazan; Hauptrolle: Marlon Brando) nimmt deutliche Anleihen beim realen Hoffa.
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F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg (1978)
Und auch Sylvester Stallone durfte sich mal an Jimmy Hoffa probieren. Der Gewerkschaftsboss, den Stallone in »F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg« (1978) spielt, trägt zwar im Film den Namen Johnny Kovak, ist aber deutlich an den realen Jimmy Hoffa angelehnt.
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Verfolgt bis in den Tod (1967)
Es gibt noch einen weiteren Film (»Verfolgt bis in den Tod«. OT: »Blood Feud«), der von Jimmy Hoffa handelt, aber momentan nicht auf DVD erhältlich ist. In der Rolle von Hoffa tritt dort der Schauspieler Robert Blake auf, der in der Verfilmung von »Kaltblütig« (»In Cold Blood«, 1967) [Link zu Amazon] den Gangster Perry Smith spielte, der zusammen mit Richard Hickock die Clutter-Morde begangen hatte. Robert Blake geriet vor rund zehn Jahren selber in den Fokus einer spektakulären Mordermittlung.
Dokumentationen (englisch)
Jimmy Hoffa – The Man Behind the Mystery
Doku über Jimmy Hoffa, die vom amerikanischen Sender „Biography Channel“ produziert wurde. Der Film schildet sowohl seine Kindheit, seine Karriere in der Gewerkschaft, den Konflikt mit den Kennedys, die Zeit im Gefängnis und sein mysteriöses Verschwinden. Folgende Zeitzeugen treten auf:
- Barbara Crancer, Tochter von Jimmy Hoffa
- James P. Hoffa, Sohn von Jimmy Hoffa
- Joe Konowe, Freund von Jimmy Hoffa
- Bobby Holmes, Freund von Jimmy Hoffa
- Rolland McMaster, Gewerkschaftskollege von Jimmy Hoffa
- Frank Ragano, Anwalt von Jimmy Hoffa
- Pierre Salinger, Vertrauter von Robert Kennedy
- John Bell, FBI-Agent
- Chuckie O’Brien, Ziehsohn von Jimmy Hoffa und angeblich in seine Ermordung verwickelt
- Arthur Sloane, Autor