Sie kamen am Dienstagnachmittag. Ein Trupp von zehn Gardeinfanteristen, angeführt von einem Hauptmann, der zackige Kommandos bellte. Die Soldaten hielten direkt auf das Rathaus von Köpenick zu. Die aufgepflanzten Bajonette ließen keine Zweifel daran, dass sie es todernst meinten, wie auch immer ihr Marschbefehl lautete. Sobald sie das Rathaus erreicht hatten, schien alles nach einem ausgeklügelten Plan abzulaufen.

Der Hauptmann von Köpenick - Wilhelm Voigt - Rathaus Köpenick

Rathaus Köpenick
Fotograf: Andreas Steinhoff

Der Hauptmann gab kurze Befehle, schon hatten zwei Soldaten vor dem Haupteingang Stellung bezogen und ließen niemanden mehr hinein oder heraus. Je ein Infanterist bewachte die beiden Nebeneingänge. Zwei weitere Soldaten sicherten das Erdgeschoss und scheuchten jeden in sein Büro zurück, der es wagte, nach dem Grund für den Aufmarsch zu fragen. Der Hauptmann begab sich derweil mit den verbliebenen vier Soldaten in den ersten Stock. Dort verhafteten sie den Oberstadtsekretär Rosenkranz sowie den Bürgermeister Dr. Langerhans. Manchmal reichten zehn Soldaten, um eine komplette Stadt zu erobern. Köpenick lernte die Lektion am 19. Oktober 1906. Weiterlesen →