Charles Manson: Die Tate-Morde und LaBianca-Morde

Das Erste, was ihr auffiel, war ein herabbaumelndes Telefonkabel, der über dem verschlossenen Eingangstor hing. Es war 8.00 Uhr an einem Sonntagmorgen, dem 9. August 1969, als die Haushälterin Winifred Chapman das Grundstück von Sharon Tate und Roman Polanski betrat. Auf dem Weg zum Haus bemerkte sie einen weißen Rambler, der in der Auffahrt parkte. Sie hatte den Wagen nie zuvor hier gesehen.

Sie holte den Haustürschlüssel aus dem Versteck und schloss die Hintertür auf. In der Küche angekommen hob sie zunächst den Telefonhörer ab. Die Leitung war tot. Es war also tatsächlich das zerstörte Kabel der Telefonleitung gewesen, das sie draußen gesehen hatte. Was hatte das zu bedeuten?

Auf dem Weg ins Wohnzimmer bemerkte Winifred Chapman, dass die Haustür sperrangelweit offen stand. An den Wänden rote Flecken. Auf dem Boden rote Lachen. Ihr wurde speiübel. Sie realisierte plötzlich, dass dies Blut war, was sie sah.

Durch die geöffnete Tür konnte sie den Rasen erkennen. Dort lag ein Mensch. Tot. Winifred Chapman schrie entsetzt auf. Sie rannte, so schnell sie konnte, zur Hintertür hinaus, die Einfahrt hinunter. Sie kam wieder am Rambler vorbei. Sie sah noch eine Leiche. Sie lief zu den nächsten Häusern in der Nachbarschaft, die hundert Meter entfernt standen. Die hysterisch kreischende Frau hämmerte so lange gegen die Türen, bis endlich jemand reagierte.

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Das Eingangstor der Villa mit dem Telefonkabel

Inhaltsverzeichnis

Ein ordentlich gepflegter Rasen

Die ersten Beamten am Tatort waren die Officer Jerry DeRosa, William Whisenhunt und Robert Burbridge vom LAPD. Sie warfen zunächst einen Blick in den Rambler. Sie sahen einen blutüberströmten jungen Mann, der reglos auf dem Fahrersitz saß und dessen Oberkörper zur Beifahrerseite abgekippt war. Mit gezogenen Waffen durchsuchten sie die offene Garage und die übrigen Fahrzeuge darin.

Auf dem ordentlich gepflegten Rasen vor dem Hauseingang fanden die Polizisten zwei weitere Leichen. Das erste Opfer war ein etwa 30 Jahre alter Mann. Sein Gesicht war vollkommen zertrümmert, der Schädel eingeschlagen. Auch der Rest seines Körpers war mit Wunden übersät. Nicht weit von ihm lag eine junge Frau mit langen braunen Haaren, die ein knöchellanges Nachthemd trug. Ihr Leichnam wies zahlreiche Stichwunden auf. Das ursprünglich weiße Hemd war unterhalb der Brüste völlig rot getränkt von ihrem Blut.

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Das Haus der Polanskis, Vordereingang

Die drei Beamten näherten sich vorsichtig dem Haus. Sie hatten keine Ahnung, was sie dort erwartete. Sie wussten nur, dass es komplett verrückt wäre, wenn sie alle drei aufgereiht wie die Osterlämmer auf dem Weg zur Schlachtbank die Tür hineinspazierten. Sie teilten sich auf. Whisenhunt und Burbridge suchten nach einem weiteren Zugang, während DeRosa die Eingangstür sicherte.

Zwei weitere Leichen

Burbridge und Whisenhunt verschafften sich schließlich über ein unverschlossenes Fenster Zutritt zum Haus. Die beiden Beamten rückten vorsichtig auf die Haustür vor. Auf der unteren Hälfte des Türblatts hatte jemand mit Blut ein Wort geschrieben – »Schwein«. Im Eingangsflur standen zwei große Reisekoffer. Auf dem Boden lagen eine Hornbrille und ein Holzstück herum. Der Holzsplitter schien von einem Waffenknauf zu stammen.

Als die Beamten das Wohnzimmer betraten, entdeckten sie zwei weitere Leichen. Zwischen einem Sessel und einem Sofa lag ein an den Händen gefesselter Mann. Über seinen Kopf war ein leerer Kissenbezug gestülpt. Um seinen Hals war ein Seil geknüpft. Das Seil war um einen Sparren an der Decke geschlungen.

Das andere Ende des Seils schnürte einer jungen blonden Frau die Luft ab, deren Leichnam sich direkt vor der Couch befand. Sie war offensichtlich hochschwanger. In ihrem Rücken und ihrer Brust waren mit bloßem Auge zahlreiche tiefe Stich- und Schnittverletzungen zu erkennen.

Ein Verdächtiger

Die Polizisten durchsuchten die übrigen Räume des Hauses sowie ein Nebengebäude, das unweit vom Tatort stand. Dort hörten sie Stimmen. Ein Hund. Schließlich eine Männerstimme. Der etwa 25-jährige Mann wirkte verschlafen, war jedoch vollkommen unverletzt. Er behauptete, William Garretson zu heißen und bei den Polanskis als Hausverwalter beschäftigt zu sein. Die Beamten legten Garretson Handschellen an und verhafteten ihn.

Die Polizei konnte rasch alle Opfer des Massakers im Haus der Polanskis identifizieren. Die meisten von ihnen waren prominent. Sehr prominent sogar. Den Behörden dämmerte, dass diese Untersuchung ein gewaltiges Medienecho auslösen würde. Unter den Toten befand sich die Hausbesitzerin, die 26-jährige Filmschauspielerin Sharon Tate. Sie war im achten Monat schwanger. Ihr ungeborenes Kind war das sechste Opfer der Bluttat.

Sharon Tate

Sharon Tates berufliche Karriere hatte sich bereits frühzeitig abgezeichnet. Schon als Kind hatte sie zahlreiche Schönheitswettbewerbe gewonnen. Alsbald war sie ein gefragtes Fotomodell. Doch Tate hatte den Ehrgeiz, nicht nur als Model zu arbeiten, sondern darüber hinaus als Filmschauspielerin Anerkennung zu finden. 1963 nahm sie der Produzent Martin Ransohoff unter seine Fittiche. Er vermittelte ihr Rollen in den Serien »The Beverly Hillbillies« und »Petticoat Junction« sowie in den Filmen »Nur für Offiziere« (1964) und »… die alles begehren« (1965).

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Sharon Tate 1968

1965 bekam Sharon Tate das erste Angebot für eine Hauptrolle neben David Niven und Deborah Kerr im Film »Die schwarze 13«. In dem Film spielte sie ein Mädchen vom Lande mit magischen Kräften. Die Dreharbeiten fanden im Sommer 1966 in London statt. In dieser Zeit lernte sie ihren späteren Ehemann Roman Polanski kennen. Er hatte gerade den Film »Ekel« mit Catharine Deneuve abgedreht und galt seitdem in der Filmbranche als kommender Regiestar.

Polanski besetzte Sharon Tate als Hauptrolle in seinem Klassiker »Tanz der Vampire«. Während der Dreharbeiten wurden die beiden ein Liebespaar. Nach dem Abschluss der Dreharbeiten zu Polanskis Film »Rosemaries Baby« heirateten die beiden am 20. Januar 1968.

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Hochzeit Sharon Tate und Roman Polanski

Stilikone der 1960er

In Europa galten Roman Polanski und Sharon Tate bereits vor der Hochzeit als Glamourpaar und waren ein beliebtes Ziel für die Berichterstattung der Boulevardpresse. Denn Tate zierte weiterhin die Cover zahlreicher Modemagazine und im Sommer 1967 auch das Titelbild des Playboys. Die für die damaligen Zeit teils gewagten Aufnahmen machten sie weltweit berühmt und zur Stilikone der Jugend in den »Swinging Sixties«.

Doch während Roman Polanski von Erfolg zu Erfolg eilte, stagnierte Tates Filmkarriere. Sie drehte zwar 1969 zwei weitere Filme ab (»Rollkommando« und »Zwölf plus eins«), aber man besetzte sie wegen ihres Aussehens und der Bekanntheit ihres Namens, nicht wegen ihres schauspielerischen Talents.

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Sharon Tate – Setfoto ihres letzten Films „12 + 1“

Rückzug aus der Öffentlichkeit

Nach der Heirat, die unter großem Medieninteresse stattfand, zog sich Sharon Tate zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Ihr war der Rummel um ihre Person zu viel geworden. Die Polanskis verlegten ihren Lebensmittelpunkt nach Los Angeles. Im Februar 1969 mieteten sie das Haus am Cielo Drive. Das abgeschiedene Grundstück in den Bergen oberhalb von Beverly Hills ließ ihnen genügend Privatsphäre.

Im Sommer 1969 reiste Sharon Tate zu ihrem Mann nach London, wo er mit den Dreharbeiten zu einem neuen Film beschäftigt war. Sie wollte ihr Baby jedoch zu Hause, in der Nähe ihrer Familie, zur Welt bringen. Aufgrund ihrer Schwangerschaft rieten ihr die Ärzte von einer Flugreise ab. So buchte sie eine Schiffspassage auf der RMS Queen Elizabeth. Am 20. Juli 1969 traf sie in Los Angeles ein. Roman Polanski hatte versprochen, spätestens am 12. August zurückzukehren. Zwei Wochen später war der errechnete Geburtstermin des gemeinsamen Kindes.

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Sharon Tate 1969

Der letzte Abend

Am Abend des 8. August verabredete sich Sharon Tate mit einigen Freunden im »El Coyote Cafe«, ihrem Lieblingsrestaurant. Zum Essen erschienen der renommierte Hairstylist Jay Sebring, Abigail Folger, eine wohlhabende Erbin des Kaffeekonzerns Folgers, sowie ihr Lebensgefährte Wojciech Frykowski. Die Vierergruppe beschloss, den weiteren Abend im Haus der Polanskis fortzusetzen.

Gemäß dem Obduktionsbericht waren sie dort gegen Mitternacht ermordet worden. Sharon Tate wurde durch fünf Messerstiche in Brust und Rücken tödlich verletzt. Die Stiche trafen ihr Herz und ihre Leber und lösten starke innere Blutungen aus. Die übrigen elf Verletzungen waren nicht lebensgefährlich gewesen.

Abigail Folger

Die Leiche der 25-jährigen Abigail »Gibby« Folger, die man auf dem Rasen gefunden hatte, war mit 28 Stichwunden übersät. Folger gehört aufgrund ihrer Herkunft zur High Society von Kalifornien. Ihr Vater war Peter Folger, Direktor der Folger Coffee Company. 1967 hatte sie ihren Abschluss in Harvard gemacht. Im selben Jahr packte sie die Sinnkrise. Sie reiste kreuz und quer durch die USA und pendelte von Party zu Party. Nebenbei arbeitete sie für verschiedene Verlage.

Dadurch lernte sie 1968 im Rahmen einer Buchpräsentation den polnischen Autor Wojciech Frykowski kennen. Frykowski war erst seit einem Monat in den USA und sprach kein Wort Englisch. Die beiden verständigten sich zunächst auf Französisch und wurden schnell ein Paar. Frykowski war mit seinem Landsmann Polanski befreundet und stellte ihn Abigail Folger vor.

Abigail Folger

1968 unterstützte Gibby Folger als Wahlkampfhelferin den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy. Zurück in Los Angeles engagierte sie sich intensiv in Wohlfahrtsprojekten. Unter anderem war sie als Sozialarbeiterin in den Ghettos von Los Angeles tätig und kümmerte sich um Not leidende Kinder.

Doch das ehrenamtliche Engagement deprimierte sie zunehmend. Sie hatte das Gefühl, als würde ihre Arbeit nichts bewirken. An den grundlegenden Problemen konnte sie nichts verändern. Freunden erzählte sie, sie könne die Bilder und Erlebnisse, die sie tagtäglich beobachtete, nicht vergessen, wenn sie nach Haus zurückkehre. Zudem belastete sie die Beziehung mit Frykowski. Beide waren drogenabhängig. In den letzten Sitzungen mit ihrem Psychotherapeuten hatte Folger zu erkennen gegeben, dass sie vorhabe, ihr Leben von Grund auf zu verändern.

Wojciech Frykowski

Ihr Freund Wojciech Frykowski war 32 Jahre alt. Laut Polanski war der gebürtige Pole »mit geringem Talent, aber einem Übermaß an Charme gesegnet.« Frykowski bezeichnete sich als Schriftsteller, schlawinerte sich jedoch als eine Art Frauenheld durchs Leben. Es war ein Rätsel, wodurch er seinen Unterhalt finanzierte, denn seine Arbeit warf praktisch keinerlei Einnahmen ab. Vermutlich lebte er von dem Geld, dass ihm seine Freundin Abigail Folger zusteckte. Dies tat seiner Beliebtheit keinen Abbruch. Frykowski war ein extrovertierter, charmanter Bursche und ein gern gesehener Partygast.

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Wojciech Frykowski

Frykowskis Leichnam hatte man unweit seiner Lebensgefährtin auf dem Rasen gefunden. Der Gerichtsmediziner stellte eine Vielzahl an Verletzungen fest, die seinen Tod herbeigeführt hatten. Jemand hatte Frykowski mit dreizehn Schlägen den Kopf zertrümmert. In seinem Körper fanden sich zwei Patronen. Auf ihn war also auch geschossen worden. Zusätzlich zählte der Pathologe insgesamt 51 Stichwunden.

Jay Sebring

Der vierte Tote Jay Sebring war hinsichtlich seines Lebensstils gewissermaßen der Gegenentwurf zu Wojciech Frykowski. Sebring war ein äußerst gefragter Friseur in Los Angeles. Er hatte sich das Image aufgebaut, der Hairstylist der Hollywoodstars zu sein. Zu seiner Kundschaft zählten Frank Sinatra, Paul Newman und Steve McQueen.

Teil seines Geschäftserfolgs war, dass er sich ausschließlich auf Männerfrisuren spezialisiert hatte. Inzwischen schlug er noch mehr Kapital aus seiner Tätigkeit. Er hatte eine Firma gegründet, die Haarpflegeartikel entwickelte und vertrieb. Außerdem war er dabei, in verschiedenen Großstädten der USA Hair Styling Shops als Franchise-Unternehmen unter seinem Label aufzubauen. Abigail Folger hatte ihm für die Verwirklichung dieser Pläne Geld geliehen.

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Jay Sebring und Sharon Tate, ca. 1966

Jay Sebrings Leiche hatte neben Sharon Tate im Wohnzimmer gelegen. Der Gerichtsmediziner stellte sieben Stichverletzungen und eine Schusswunde fest.

Steven Parent

Als letztes Opfer identifizierte man den jungen Mann im weißen Rambler. Er hatte nicht zur Partygesellschaft gehört. Es handelte sich um den 18-jährigen Steven Earl Parent, der noch bei seinen Eltern in El Monte lebte. Parent war mit dem Verwalter William Garretson befreundet. Gegen 23.30 Uhr war er auf dem Gelände vorgefahren und hatte an Garretsons Tür geklopft.

Steven Parent hatte im Juni die High School abgeschlossen und verdiente sich mit Ferienjobs Geld dazu, um im Herbst das College zu besuchen. Außerdem war Parent ein Hi-Fi-Freak. Er wollte seinem Kumpel ein neues Radio präsentieren, das er sich zugelegt hatte.

Garretson hatte jedoch kein Interesse an der Vorführung. Er unterhielt sich nur kurz mit dem jungen Mann und schickte ihn wieder nach Hause. Vermutlich nur wenige Minuten später war Steven Parent durch vier Schüsse aus einer Pistole Kaliber .22 gestorben.

Steven Parent

Die Tatwaffen

Sowohl Steven Parent als auch Jay Sebring und Wojciech Frykowski waren mit der gleichen Waffe getötet worden – einem Revolver Kaliber .22. Bis auf den 18-jährigen Teenager wiesen alle Leichen zudem zahlreiche Messerstiche auf. Neben der Leiche von Sharon Tate hatten die Beamten ein Klappmesser der Marke Buck sichergestellt.

Die Haushälterin konnte sich nicht erinnern, diese Waffe jemals im Haushalt der Polanskis gesehen zu haben. Die Untersuchungen im Labor würden zeigen, ob es sich bei dem Messer um eine der Tatwaffen handelte.

Die LaBianca-Morde

Am Abend des 10. August 1969 kehrte der 15-jährige Frank Struthers um 22.30 Uhr von einem Campingausflug zurück. Als er die Auffahrt zu seinem Elternhaus 3301 Waverly Drive hochging, fielen ihm sofort einige Dinge auf, die ihn beunruhigten. Vor dem Gebäude stand das Speedboot seiner Eltern. Er wusste, dass sie am Tag zuvor einen Bootsausflug unternommen hatten. Doch sein Stiefvater Leno LaBianca war äußerst penibel, wenn es um sein teures Spielzeug ging. Er räumte es normalerweise direkt nach der Heimkehr in die Garage. Außerdem waren alle Fensterläden verschlossen. So etwas war noch nie vorgekommen.

Frank Struthers klopfte an die Tür. Niemand antwortete ihm. Er hatte keinen Schlüssel dabei. Also ging er zu der nächstgelegenen Telefonzelle. Seine Eltern hoben nicht ab. Schließlich erreichte er seine ältere Schwester Susan in ihrer Wohnung. Sie hatte ihre Eltern auf dem Bootsausflug begleitet, hatte sich aber von ihnen vor ihrem Apartment absetzen lassen. Ihre Eltern hätten gegen 1.00 oder 2.00 Uhr nachts zu Hause eintreffen müssen. Susan hatte seitdem keinen Kontakt mehr zu ihnen gehabt. Sie versprach, mit einem Schlüssel vorbeizukommen.

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Das Haus der Familie LaBianca

Zwei Leichen und vier Botschaften

Daraufhin betrat Frank Struthers zusammen mit Joe Dorgan, dem Freund seiner Schwester, das Elternhaus. Im Wohnzimmer entdeckten sie die Leiche von Leno LaBianca. Der Tote war in Pyjamas gekleidet und hatte einen blutgetränkten Kissenbezug über dem Kopf. Um seinen Hals war ein Seil geschlungen. Ein Gegenstand ragte aus seinem Bauch heraus. Die beiden Jungen stürmten aus dem Haus.

Die zur Hilfe gerufenen Polizeibeamten entdeckten schließlich auch die Leiche von Franks und Susans Mutter Rosemary LaBianca. Die Tote lag auf dem Fußboden im Elternschlafzimmer. Jemand hatte ihr das Nachthemd bis über den Kopf hochgezogen. Das Gesicht war mit einem Kissen verhüllt, um ihren Hals war eine Lampenkordel geknüpft. Der oder die Täter hatten den Opfern die Hände mit einem Lederriemen auf dem Rücken gefesselt.

Leno und Rosemary LaBianca

Beide Ehepartner waren an den Folgen zahlreicher Messerstiche verstorben. Der Gerichtsmediziner zählte bei Leno LaBianca 26 Stichwunden, bei seiner Frau Rosemary 49. Bei dem Gegenstand, den die Kinder in Leno LaBiancas Bauch wahrgenommen hatten, handelte es sich um eine Bratengabel, die noch im Fleisch steckte. Auf seiner Haut hatte jemand zudem mit einem Messer ein Wort hineingeritzt: »Krieg«.

An drei weiteren Stellen im Haus fanden sich ähnlich prägnante Botschaften. Sie waren offensichtlich mit dem Blut der Opfer geschrieben worden. An einer Wohnzimmerwand stand »Tod den Schweinen« geschrieben, an einer gegenüberliegenden Wand »Erhebt euch«. Und an der Tür des Kühlschranks war zu lesen: »Healter Skelter« (sic!), was so viel bedeutete wie »wildes Chaos«, „Holterdiepolter“ oder „Hals über Kopf“.

Wohlhabendes Ehepaar

Im Unterschied zu Sharon Tate und ihren Gästen waren die LaBiancas nicht prominent, jedoch ebenfalls wohlhabend. Leno LaBianca war ein angesehener Geschäftsmann, der von seinem Vater einen Lebensmittelgroßhandel übernommen hatte. Bekannte beschrieben ihn als zurückhaltend und konservativ.

Die 38-jährige Rosemary LaBianca hatte mexikanische Wurzeln und war in einem Waisenhaus aufgewachsen. Mit 12 Jahren wurde sie von einem Ehepaar adoptiert. In den 1940er-Jahren hatte sie ihren ersten Ehemann geheiratet. Susan und Frank stammten aus dieser Ehe. Nach der Scheidung schlug sich die alleinerziehende Mutter zweier Kinder zunächst als Bedienung in einem Drive-in-Schnellimbiss durch. Dort lernte sie ihren zweiten Ehemann Leno LaBianca kennen.

Inzwischen gehörte Rosemary LaBianca eine Boutique namens »Carriage«, die hübsche Gewinne abwarf. Sie hatte ihr Geld gewinnbringend in Aktien und Warentermingeschäfte an der Börse investiert. Mittlerweile bezifferte sich ihr persönliches Vermögen auf 2,6 Millionen Dollar. Angesichts der schwierigen Umstände, unter denen sie aufgewachsen war, hatte ihr Leben eine bemerkenswerte Entwicklung genommen.

Fehlendes Tatmotiv

Soweit bekannt war, hatte die Familie LaBianca keine Feinde. Ebenso wenig fanden sich Hinweise darauf, dass einer der beiden Partner eine Affäre unterhielt oder sonst in irgendeiner Weise ein Doppelleben geführt hatte. Auch Raub schied als Tatmotiv aus. Zwar fehlten das Portemonnaie und eine Armbanduhr von Rosemary LaBianca. Doch die Täter hatten zahlreiche Wertgegenstände und selbst offen herumliegendes Bargeld im Haus zurückgelassen. Die Polizei stand vor einem Rätsel.

6 Kommentare

  1. Hallo,

    die Darstellung von Sharon Tates Leichnam ist nicht korrekt. Wie so oft, werden Tatsachen und Gerüchte verdreht. Sharons Baby und somit auch ihr Bauch, waren völlig unversehrt.
    Woher ich das weiß? Nun,ich bin Autor und arbeite seit Jahren an einem Buch über Sharon Tate.
    Ich stehe daher auch mit ihrer hinterbliebenen Schwester in Kontakt. Ich habe alle Autopsieberichte etc. gelesen.
    Sharon Tate wurde mit 16 Messerstichen ( in Brust und Rücken) ermordet.

    Liebe Grüße

  2. Keine Ursache!

    Es ist erschreckend, welche Gerüchte in den letzten, knapp 50 Jahren in diesem Zusammenhang entstanden sind.
    Erst kürzlich habe ich mich mit einem amerikanichen Zeitungsverleger auseinandergesetzt, der öffentlich behauptete, dass Sharon Tate seinerzeit beide Brüste abgetrennt wurden.
    Den Artikel hat er dann ganz schnell wieder entfernen lassen.

    Im Übringen setze ich mich, ebenso wie Debra Tate dafür ein, dass Sharon nicht immer nur als Opfer dargestellt wird.
    Sie war so viel mehr als das.
    Vor allem war sie eine wunderbare Frau – ein ganz toller Mensch.

    Liebe Grüße
    Benjamin Cook

  3. Hallo Herr Cook,

    wissen sie was mit dem kleinen Hund von Sharon passiert ist? Auf ihren letzten Bildern posiert sie mit einem kleinen Hund. Darum gehe ich davon aus, dass er zum Zeitpunkt des Verbrechens auch auf dem Grundstück war. Ist dem so? Was ist mit dem Hund passiert?
    So ein unfassbares Verbrechen. Wie sind Frauen in der Lage einer hochschwangeren Frau das anzutun?

    Beste Grüße
    Caro

  4. Man vermutet einer der toten Männer war Sharons Geliebter und das Baby war von ihm. Warum wurde das nicht genetisch untersucht? Es hätte gezeigt, dass Polanski ein Mordmotiv hatte.

    • Nonsens, Jay Sebring war Sharons Ex-Freund, und Sharons Baby war das gemeinsame Kind von Roman und ihr.
      Roman liebte Sharon und sie liebte ihn.

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