Charles Albright gilt als Serienmörder, obgleich er lediglich wegen eines einzigen Mordes verurteilt wird. Im Winter 1990/1991 findet die Polizei in Dallas drei Frauenleichen, die auffällige Gemeinsamkeiten aufwiesen. Ihnen fehlen die Augäpfel.

Inhaltsverzeichnis
Zweifel an Charles Albrights Täterschaft
Die Polizei überführte Charles Albright aufgrund von Haarspuren. Dennoch hielten sich hartnäckig Zweifel, ob er der gesuchte Serienmörder war. Zum einen gab es in dem Fall einen zweiten Verdächtigen, der im März 1991 kurz nach der Festnahme von Charles Albright Dallas verließ.
Die Ermittler hatten den Mann im Verdacht, zumindest an den Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. Der Polizei gelang es jedoch nicht, entsprechendes Beweismaterial oder belastende Zeugenaussagen, die den Verdächtigen mit den Taten in Verbindung gebracht hätten, vorzulegen.
Darüber hinaus war die Forensik zum Zeitpunkt der Ermittlungen noch weit vom heutigen Stand entfernt. Die Haaranalyse, die zu Albrights Verurteilung führte, war nicht annähernd so genau wie eine DNA-Analyse. Ein DNA-Test hätte Gewissheit gebracht, ob die an der Leiche gefundenen Haare tatsächlich von Charles Albright stammten.
Die Polizei von Dallas hatte allerdings kein Interesse daran, den Fall zehn Jahre später nochmals aufzurollen. Für sie war der Fall erfolgreich abgeschlossen. Der verurteilte Straftäter wiederum konnte sich ein entsprechendes Gutachten finanziell nicht leisten.
So steht heute nur eine Tatsache zweifelsfrei fest: Seitdem Charles Albright, „The Eyeball Killer“, im Gefängnis seiner Geburtsstadt Amarillo in Texas einsitzt, sind in Dallas keine Leichen mehr aufgetaucht, denen die Augäpfel fehlten.
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Mary Lou Pratt
Am 13. Dezember 1990 fanden Schulkinder die Leiche der 33-jährigen Mary Lou Pratt, die im Stadtteil Oak Cliff als Straßenprostituierte arbeitete. Oak Cliff erlangte eine gewisse Berühmtheit, weil Lee Harvey Oswald in dem Stadtviertel gelebt hatte. Nach dem Attentat auf John F. Kennedy hatte die Polizei Oswald in einem Kino in Oak Cliff gestellt.
Dreißig Jahre nach den Schüssen auf JFK war der Stadtteil zum Rotlichtbezirk verkommen. Die einstigen Bewohner hatten dem Viertel längst den Rücken gekehrt, in den zurückgebliebenen Häusern hatten sich Obdachlose und Junkies einquartiert. Auf den Straßen von Oak Cliff florierte der Drogenhandel und Frauen wie Mary Pratt prostiuierten sich dort, um sich das nächste Korn Crack zu verdienen.
Der Täter hatte die Leiche von Mary Pratt in den frühen Morgenstunden mitten auf die Straße eines Wohnviertels im südlichen Dallas abgelegt. Mary Pratt war bis auf ein hochgeschobenes T-Shirt nackt. Die Todesursache stand schnell fest. In Mary Pratts Hinterkopf klaffte ein gewaltiges Loch, verursacht von einer Kugel des Kalibers 44 Magnum.
Makabre Trophäen eines Mörders
Erst während der Obduktion zeigte sich, dass der Mörder die Leiche zudem verstümmelt hatte. Beide Augäpfel fehlten. Die Gerichtsmedizinerin Dr. Peacock konstatierte aufgrund der sauberen Schnittkanten: Der Täter war bei dieser Operation äußerst präzise vorgegangen und verstand mit ziemlicher Sicherheit etwas von chirurgischen Eingriffen. Die Beamten konnten die herausgetrennten Augäpfel nirgends finden. Deshalb nahmen sie an, dass der Mörder sie als Trophäen mitgenommen hatte.
Susan Peterson
Am 10. Februar 1991 tauchte eine weitere Frauenleiche auf. Die Auffindesituation war fast identisch wie im Fall Mary Lou Pratt. Die Frau war bis auf ein T-Shirt, welches ihr der Täter über die Brüste hochgeschoben hatte, vollständig nackt. Sie war erschossen worden. Und bei dem Opfer handelte es sich erneut um eine Prostituierte: Susan Peterson, 27.
Die Gerichtsmedizinerin Dr. Peacock war dieses Mal vorgewarnt. Noch am Fundort schob sie der Toten die von der Leichenstarre steifen Augenlider zurück. Auch Susan Peterson fehlten beide Augäpfel. Der Täter hatte den Eingriff erneut mit nahezu chirurgischer Präzision vorgenommen. Zudem ergab die ballistische Untersuchung, dass Susan Peterson mit der gleichen Munition getötet worden war wie zuvor Mary Pratt. Damit gewannen die Ermittler die Gewissheit, dass sie es mit einem Serienmörder zu tun hatten.
Dr. Peacock untersuchte die Schnittkanten näher, die in den Augensockeln zurückgeblieben waren. Sie fand heraus, dass der Täter ein Schablonenmesser für den Eingriff benutzt haben musste. Solche Messer verwendeten in der Regel Grafiker, wenn sie mit Papier oder Karton arbeiteten. Oder Leute, die sich die Zeit mit Bastelarbeiten vertrieben.
Overkill
Was die Vorgehensweise des Täters betraf, fiel den Kriminalbeamten nur ein einziger nennenswerter Unterschied auf. Der Mörder hatte Mary Pratt mit einem gezielten Schuss in den Hinterkopf regelrecht hingerichtet. Auch bei Susan Petersons Leiche fand sich solch ein aufgesetzter Schuss am Hinterkopf. Aber der Killer hatte dieses Mal insgesamt dreimal geschossen. Eine zweite Kugel traf Susan Peterson an der Oberseite des Kopfes, eine weitere durchschlug die linke Brust. Jeder der Schüsse war tödlich. Also ein klassischer Overkill.
Die Beamten schlossen daraus, dass der Täter wütend gewesen war. Susan Peterson hatte bei der Army gedient. Susan Peterson ließ sich von niemandem etwas gefallen, auch als es mit ihrem Leben steil bergab ging und sie schließlich in der Gosse landete. Die Ermittler vermuteten, dass Susan Peterson dem Mörder unerwartet Widerstand geleistet und ihn damit in Wut versetzte hatte.
Shirley Williams
Am 18. März 1991 meldeten Lehrer einer Grundschule den dritten Leichenfund, den man der Mordserie zurechnete. Die Tote lag auf der Straße unmittelbar vor dem Schulgebäude. Der Frau waren ebenfalls beide Augäpfel entfernt worden. Der Mörder hatte sie mit einem Revolver Kaliber 44 Magnum erschossen. Der „Eyeball Killer“ hatte erneut zugeschlagen. Aber es gab in diesem Fall auch gravierende Unterschiede zu den vorhergehenden Verbrechen.
Gravierende Unterschiede
Das Opfer war die 41-jährige Shirley Williams, eine Afroamerikanerin. Mary Pratt und Susan Peterson waren Weiße gewesen. Laut der operativen Fallanalyse des FBI passte dies nicht zusammen. Serienmörder suchten sich ihre Opfer immer innerhalb der eigenen Rasse, so die bis dahin gängige These der Abteilung für Verhaltensforschung im FBI. Da wusste man noch nicht, dass Serienmörder wie der „Green River Killer“ Gary Ridgway sich nicht an solch theoretischen Kram hielten.
Außerdem verdingte sich Shirley Williams im Unterschied zu den übrigen Opfern nur als Gelegenheitsprostituierte. Tagsüber arbeitete die alleinerziehende Mutter einer Tochter als Verkäuferin. Shirley Williams prostituierte sich nur dann, wenn ihr das Geld ausgegangen war. Auch sie war crackabhängig. Eine Zeugin sagte aus, dass sie in der Nacht, in der sie ums Leben kam, vermutlich anschaffen gegangen sei.
Auch Shirley Williams musste den Täter in Rage versetzt haben. Doch dieses Mal war die Gewalt noch weiter eskaliert als im Fall Susan Peterson. Bevor der Mörder Shirley Williams tötete, hatte er ihr Gesicht mit heftigen Schlägen malträtiert. Der Kopf war übersät mit Blutergüssen, die Nase gebrochen. Anschließend hatte der Täter Shirley Williams frontal in die Stirn und ins Gesicht geschossen. Sein bisheriges Markenzeichen – der aufgesetzte Schuss am Hinterkopf – fehlte dieses Mal.
Stümperhafte Schnitte
Aber den gravierendsten Unterschied zu den übrigen Fällen der Mordserie bemerkte Gerichtsmedizinerin Dr. Peacock, sobald sie die ausgehöhlte Augenpartie genauer untersuchte. Zuvor war der Serienmörder bei der Entfernung der Augäpfel fachkundig vorgegangen. Bei Shirley Williams hingegen hatte er offensichtlich wild herumgeschnippelt und -gesäbelt, bis er die Augen entfernt hatte. Dabei war die Klingenspitze des Schablonenmessers abgebrochen und im Jochbein stecken geblieben.
Die Kriminalbeamten reagierten verunsichert. Hatten sie es wirklich mit demselben Täter zu tun? Andererseits war ein Trittbrettfahrer, der den Serienmörder ungeschickt nachahmte, um seine eigenen Verbrechen zu verschleiern, höchst unwahrscheinlich.
Denn bisher hatte die Polizei gegenüber den Medien verschwiegen, dass der Mörder seinen Opfern die Augen herausschnitt. Es war lediglich durchgesickert, dass die Frauen im Gesicht verstümmelt waren. Daraufhin taufte die Presse den gesuchten Täter »Dallas Slasher« und »Dallas Ripper« nach dem berühmtesten Serienkiller der Geschichte.
Spekulationen
Die Ermittler spekulierten über mögliche Gründe für die veränderte Vorgehensweise. Vielleicht, so die These, habe der Mann bei den ersten Morden völlig ungestört zu Werke gehen können. Möglicherweise in einem geschlossenen Raum, in dem ihm ausreichend Licht zur Verfügung gestanden habe.
Das könne ein großes geräumiges Auto, eine Garage, ein Keller oder auch ein Haus gewesen sein, wenn er alleine lebe. Doch beim letzten Mord habe er den schwierigen Eingriff irgendwo im Dunkeln versucht. Vielleicht sei er gezwungen gewesen, draußen zu operieren, weil er sein übliches Versteck an diesem Abend nicht habe aufsuchen können. Oder er habe unter gewaltigem Stress gestanden, weil er befürchtet habe, entdeckt zu werden.
In den einschlägigen Datenbanken ließ sich kein Hinweis auf ein irgendwie ähnlich geartetes Verbrechen finden. Mörder, die ihren Opfern die Augäpfel herausschnitten, hatte es in den USA noch nicht gegeben. So baten die Ermittler die Kollegen vom FBI bereits nach dem zweiten Mord um eine operative Fallanalyse. Ein Psychologe fertigte ein Täterprofil.
Das Täterprofil
Der Profiler ging in seiner Analyse davon aus, dass der Mörder vermutlich ebenso wie seine ersten beiden Opfer ein Weißer war, der in Oak Cliff lebte. Wahrscheinlich hatte er Naturwissenschaften studiert. Oder als medizinisch-technischer Assistent in einem Labor gearbeitet.
Auf jeden Fall war er irgendwann einmal in einem Bereich tätig, in dem er die menschliche Anatomie von der praktischen Seite kennengelernt hatte. Niemand las ein paar Bücher und trennte dann so fachgerecht die Augäpfel heraus. Der Täter besaß Übung, so viel stand fest.
Der Psychologe mutmaßte weiterhin, dass der Mann Mitte dreißig und körperlich in hervorragender Verfassung war. Er wurde von seinem sozialen Umfeld respektiert und galt keineswegs als ein Einzelgänger oder Außenseiter. Vermutlich hatte er sogar Freunde bei der Polizei oder anderen Behörden, die mit Polizeiermittlungen zu tun hatten. Er fuhr wahrscheinlich einen Pick-up älteren Baujahrs.
Der Täter ein Sadist
Der Augapfel-Killer mordete aus Lust am Töten. Er war ein Sadist. Nach den Erfahrungen des FBI teilten alle sadistischen Sexualstraftäter eine Gemeinsamkeit. Sie hassten Frauen. Und zwar ausnahmslos alle. Frauen waren für sie Schlampen und Huren. Das schloss auch die eigenen Freundinnen, Ehefrauen sowie Mütter ein.
Die Art und Weise wiederum, wie der Täter seine Opfer beseitigt hatte, gab Aufschluss über seine Motive. Er hatte nicht einmal ansatzweise versucht, seine Verbrechen zu verbergen. Er bildete sich einiges auf das ein, was er getan hatte. Für ihn stellten die Toten Siegestrophäen dar. Er zeigte sie stolz her. Auf der Straße, wo jeder sie sehen konnte.
Aber die Leiche musste er hergeben. Die Augen der Opfer hingegen konnte er behalten. Das waren seine persönlichen Trophäen. Gleichzeitig belebte er mit ihrer Hilfe die Erinnerung an das Geschehene und den unbeschreiblichen Kick, den er beim Töten fühlte, Tag für Tag aufs Neue.
Allerdings würde dieses Gefühl schwächer werden. Der Täter wäre enttäuscht. Und er würde ein weiteres Verbrechen planen, um die Empfindung in voller Intensität erneut spüren zu können. Schon bald würde er wieder durch die Straßen von Oak Cliff streifen, auf der Suche nach einem geeigneten Opfer.
Die nächste Eskalationsstufe
Die Obduktion hatte bewiesen, dass der Mörder die Frauen nach ihrem Tod operierte. Aber es sei nur noch eine Frage der Zeit, so der Psychologe, bis der Sadist brutaler vorginge. Dann würde er die Prostituierten fesseln, fixieren, dominieren. Und ihnen die Augen bei lebendigem Leib herausschneiden. Wer von solch extremen Fetischen besessen sei, schrecke nicht davor zurück, eine immer härtere Gangart an den Tag zu legen.
Vielleicht würde er bald das Blut seiner Opfer trinken. Bei diesen Typen sei mit allem zu rechnen. Der Gesuchte sei glücklich über die öffentliche Reaktion auf seine Verbrechen. Das befriedige sein Streben nach Macht. Er ganz allein hielte die Stadt in Angst. Er bestimme darüber, wann er wieder zuschlagen würde. Er würde das nächste Opfer aussuchen.
Charles Albright gerät unter Verdacht
Mehrere Zeugenaussagen führten unmittelbar nach dem dritten Mord, noch im März 1991, auf die Spur eines Tatverdächtigen. Bereits im Dezember 1990 hatte sich eine Straßenprostituierte an zwei Streifenbeamte gewandt und behauptet, sie sei bei der Ermordung von Mary Pratt zugegen gewesen. Der Mörder habe auch sie töten wollen, sie sei aber in letzter Sekunde entkommen.
Die Prostituierte war für die Polizei keine Unbekannte. Sie war seit Jahren abhängig von Crack und die meiste Zeit unzurechnungsfähig. Darüber hinaus stand sie im Ruf, eine notorische Lügnerin zu sein. Die Polizisten maßen ihrer Aussage zum damaligen Zeitpunkt keine Bedeutung zu. Vor allen Dingen enthielt ihre Schilderung auch keinen Hinweis auf eine konkrete Person, dem man hätte nachgehen können.
Ein Phantombild
Nach der Ermordung von Shirley Williams meldeten sich zwei ihrer Kolleginnen vom Straßenstrich bei der Polizei. Ihre Beobachtungen waren von beträchtlicher Relevanz für die weiteren Ermittlungen. Eine der beiden Frauen führte die Polizeibeamten an den mutmaßlichen Tatort, an dem der Mörder Shirley Williams getötet hatte. Die Polizei konnte dort eine Reihe von Spuren sichern, die später im Prozess eine wichtige Rolle spielen sollten.
Die zweite Prostituierte berichtete von einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit einem Freier, die sich kurz zuvor zugetragen hatte. Einige Details ihrer Schilderung ließen die Beamten glauben, dass es sich dabei durchaus um ihren gesuchten Serienmörder handeln könnte. Die Zeugin wirkte glaubwürdig und konnte den Angreifer sehr präzise beschreiben, sodass die Polizei ein Phantombild anfertigen ließ. Die lokalen Medien veröffentlichten die Zeichnung.
Ein konkreter Name
Eine Anruferin, die sich daraufhin bei der Polizei meldete, weil sie den Mann auf dem Bild wiederzuerkennen glaubte, lieferte dann einen konkreten Namen: Charles Albright. Albright sei ihr Ex-Geliebter gewesen, äußerte sich die Frau gegenüber dem Polizeibeamten am Telefon. Sie berichtete von seinen seltsamen sexuellen Vorlieben und seinem Kontrollwahn, der nahe an Stalking grenzte.

Quelle: Dallas Police Department
Eine erste Überprüfung ergab, dass Charles Albright bereits vorbestraft war und als verurteilter Sexualstraftäter geführt wurde. Die Ermittler legten dann den Augenzeuginnen die Fotos mehrerer Männer vor, darunter auch das von Albright.
Die Frauen hatten keinen Zweifel. Das war der Mann. Auch andere Prostituierte aus dem Rotlichtbezirk waren sicher, dass sie Charles Albright in Oak Cliff häufig auf dem Straßenstrich gesehen hatten. Daraufhin durchleuchtete die Polizei das Leben von Charles Albright und befragte Zeugen aus seinem Umfeld.
Lebensgeschichte Charles Frederick Albright
Charles Frederick Albright wurde am 10. August 1933 in Amarillo, Texas, geboren und wuchs in einem Waisenhaus auf. Fred und Delle Albright konnten keine Kinder bekommen. Sie adoptierten den Jungen. Delle Albright war Grundschullehrerin. Sie nahm Charles unter ihre persönlichen Fittiche. Sie formte ihn. Sie forderte ihn. Sie war streng zu ihm. Und sie ließ sich äußerlich nie anmerken, wie sehr sie in den Jungen vernarrt war.
Ein Zeuge, der die Familie kannte, behauptete, dass sie Charles häufiger Mädchenkleider angezogen und ihm Puppen zum Spielen gegeben habe. Andere Quellen, die die Polizisten befragten, zweifelten hingegen den Wahrheitsgehalt der Aussage an.
Ja, Charles Albright habe als Kind mehrfach am Tag die Kleidung wechseln müssen. Weil Delle Albright überfürsorglich gewesen sei und Angst gehabt habe, der Junge könne sich mit Bakterien und Keimen anstecken. Aber sie habe ihn bestimmt nicht in Mädchenkleider gezwungen.
Kindheit und Jugend
Geld war im Haushalt der Albrights lange Zeit knapp. Dennoch achtete die Mutter auf eine umfassende Ausbildung des einzigen Kindes. Charles Albright erhielt Klavierstunden und Malunterricht. Delle Albright gab ihrem Sohn private Nachhilfe. Der Junge war begabt. Mehr als das. Charles Albrights IQ war so hoch, dass er bis zu seinem Abschluss an der Highschool zwei komplette Jahrgänge überspringen sollte. Was immer dem kleinen Charles Albright aufgetragen wurde, führte er brav aus.

Doch während der Pubertät geriet er auf Abwege. Es fing mit Diebstählen an. Mal klaute er seinen Mitschülern das Pausenbrot, mal einen Füller oder Taschengeld. Mit dreizehn Jahren beging er sein erstes schweres Verbrechen. Man nahm ihn wegen Körperverletzung fest. Er hatte einen anderen Schüler zusammengeschlagen. Grundlos, so hieß es. Kurze Zeit später erwischte man ihn mit einer Prostituierten.
Mit fünfzehn verließ er die Highschool. Er hatte einen regulären Abschluss in der Tasche. Aber angesichts von Charles Albrights IQ dürfte das Abschlusszeugnis eine Enttäuschung dargestellt haben. Denn die Noten reichten nicht für eine Zulassung an den guten Unis. Also fälschte er kurzerhand sein Zeugnis. Da nahm ihn die North Texas State University auf.
Als Charles Albright 16 war, ertappte ihn die Polizei mit ein paar Geldscheinen in der Tasche, die er zuvor aus einer Registrierkasse gestohlen hatte. Daraufhin durchsuchten die Beamten sein Zimmer. Sie entdeckten zwei Pistolen und ein Gewehr. Er besaß für keine der Waffen einen Nachweis über den Erwerb. Von einem Waffenschein ganz zu schweigen. Obgleich Delle Albright alle Hebel in Bewegung setzte, verknackte ihn ein Richter zu einem Jahr Gefängnis.
Studienzeit
Nach seiner Entlassung aus der Haft schien Charles Frederick Albright seine Lektion gelernt zu haben. Er machte in Arkansas eine Ausbildung zum Lehrer. Er lernte mehrere Fremdsprachen. Auf dem Campus war er in verschiedenen Vereinen aktiv. Er war unter seinen Kommilitonen beliebt. Aber manchen fiel auch auf, dass er gerne prahlte und in seinen Erzählungen häufig übertrieb. Vorzugsweise, wenn es um seine angeblichen Bettgeschichten ging.
Einige ehemalige Mitstudenten behaupteten, das Lügen sei ihm zur zweiten Natur geworden. Sofern er etwas haben wollte, sei er rücksichtslos vorgegangen. In Fächern, die ihm lagen, brachte er hervorragende Leistungen. In den anderen griff er auf alte Gewohnheiten zurück. Er fälschte die Zensuren in seinen Zeugnissen. Er klaute die Aufgaben für Klausuren. Und dann hatte es da zu Albrights Unizeit noch einen Vorfall gegeben, der die Polizisten hellhörig machte. Denn er hatte mit Augen zu tun.
Albrights bester Kumpel hatte sich damals von seiner Freundin getrennt. Er hatte alle Fotos, die ihn mit ihr zeigten, kurzerhand in den Müll geschmissen. Es dauerte nicht lange und der Studienfreund war mit einer neuen Frau zusammen. Eines Tages kam er in seine Studentenbude und erlitt den Schock seines Lebens. An den Wänden, der Decke und im Bad hingen Fotos seiner neuen Flamme.
Irgendwer hatte allerdings auf jedem Bild die Augen der Frau mit einem anderen Augenpaar überklebt. Der junge Mann erkannte diese wieder. Es waren die auffälligen mandelförmigen Augen seiner Ex, die jemand aus den alten Fotografien, die er weggeschmissen hatte, mühsam herausgeschnitten haben musste. Das war ein gruseliger Anblick. Und dem Studenten fiel nur eine Person ein, der er solch eine makabre Aktion zugetraut hätte: Charles Albright.
Charles Albright flog schließlich vom College, als man in seinem Zimmer Diebesgut fand. Allerdings kam es dieses Mal nicht zu einer Anklage. Er zeigte keinerlei Reue. Eine seiner Freundinnen brachte er dazu, für ihn einen Schlüssel zu klauen. Damit drang er ins Sekretariat der Uni ein. Er fälschte ein Diplomzeugnis und stahl ein paar Dokumente, mit denen er seinen Abschluss nachweisen konnte. Mehr brauchte er nicht, um einen Job zu ergattern.
Unstetes Leben
Er heiratete in dieser Zeit seine Freundin aus Collegetagen. Die beiden bekamen eine Tochter und führten ein scheinbar stinknormales Leben. Sie wurde Lehrerin, er selbst behielt nie lange denselben Job. Das lag jedoch nicht an seiner Unfähigkeit. Jede Arbeit, die er anpackte, meisterte er auch.
Er war in den darauffolgenden Jahren als Illustrator, Grafikdesigner, Künstler, Friseur und Schreiner tätig. Einmal gar als Stierkämpfer. Er schummelte sich weiter durchs Leben. Er fälschte Schecks und seine Unterlagen fürs Einwohnermeldeamt. Er ergatterte mit seinem gefälschten Zeugnis einen Job als Lehrer an der Crandall Highschool in Dallas.
Er unterrichtete Biologie und trainierte das Footballteam der Schule. Er war als Lehrer sogar recht beliebt und galt als kompetent. Er lernte, dass ihm sein Charme und seine Lügen aus jeder Patsche heraushalfen. Wenn man ihn mal bei einem Schwindel ertappte, kam er mit einer Bewährungsstrafe davon.
Seine erste Frau hatte ihn im Laufe des Zusammenlebens aber offenbar durchschaut. Seine Ehe zerbrach. Die Albrights trennten sich 1965. Die Scheidung erfolgte neun Jahre später. Nun wurde Charles Albright bei seinen kriminellen Aktivitäten immer kühner. Man erwischte ihn schließlich, wie er aus einem Baumarkt Waren im Wert von mehreren Hundert Dollar stahl. Dieses Mal kassierte er eine Haftstrafe. Er bekam zwei Jahre aufgebrummt, war aber nach sechs Monaten wieder auf Bewährung draußen.
Seine Schlussfolgerung daraus? Er musste noch mehr in ein seriöses Auftreten investieren, um die Leute zukünftig besser blenden zu können. Er konvertierte zum Katholizismus und wurde ein eifriger Kirchgänger. Er beteiligte sich an der Kirchenarbeit, um als respektables Mitglied der Gemeinde wahrgenommen zu werden.
Die leibliche Mutter
1981 starb seine Adoptivmutter Delle. Auf dem Totenbett berichtete sie Charles Albright von seiner leiblichen Mutter. Sie sei angeblich eine brillante, aber verheiratete Jurastudentin gewesen und er das Resultat eines Seitensprungs. Daraufhin hatte Charles Albright wohl versucht, mit seiner tatsächlichen Mutter in Kontakt zu treten. Die Polizisten konnten nicht ermitteln, wie dieses Treffen verlaufen war. Charles Albright erzählte jedenfalls danach herum, seine Mutter sei eine Prostituierte gewesen. Zum Beispiel hatte er sich gegenüber Bekannten aus einem Softballteam so geäußert. Die Beamten fanden keinerlei Beweise für diese Behauptung.
Im selben Jahr, als seine Adoptivmutter starb, belästigte Charles Albright die neunjährige Tochter eines befreundeten Ehepaars sexuell. Die Eltern zeigten ihn daraufhin an. Vor Gericht bekannte er sich schuldig. Er kam wieder einmal mit einer Bewährungsstrafe davon. Später äußerte er, er habe sich nur auf ein Schuldeingeständnis eingelassen, um einen Streit mit seinen Bekannten zu vermeiden. An der Geschichte sei nichts dran gewesen.
Dennoch sollte ihm dieser Vorfall noch Probleme bereiten. Von nun an galt er als vorbestrafter Sexualstraftäter. In dieser Zeit suchte er auch häufiger Prostituierte auf. Die kostspieligen Besuche finanzierte er vermutlich aus seiner Erbschaft. Sein Vater Fred war kurz nach der Mutter verstorben.
Der Schmarotzer
1985 lernte er dann in Arkansas seine derzeitige Lebensgefährtin Dixie kennen. Es dauerte nicht lange und er bat sie, mit ihm zusammenzuleben. Dixie zog nach Dallas. Charles Albright drängte die neue Frau in seinem Leben geschickt dazu, immer mehr in die Rolle der Versorgerin zu schlüpfen. Sie arbeitete als Lehrerin und verfügte nicht gerade über ein üppiges Gehalt. Dennoch gelang es Charles Albright irgendwie, sie dazu zu bringen, die monatlichen Fixkosten zu begleichen. Dank seiner Überredungskünste nahm Dixie sogar einen Kredit auf ihren Namen auf, der ihnen finanziell etwas Spielraum verschaffte.
Er tischte ihr immer neue Lügen auf, warum er keinen festen Job fand. Obwohl es ihm offensichtlich weder an Intelligenz noch an Fähigkeiten mangelte. Sie gab sich mit den Ausreden zufrieden. Charles Albright machte lediglich ein Zugeständnis. Er übernahm einen Job als Zeitungsausträger. Jeden Tag stand er in aller Herrgottsfrühe auf und verließ das Haus. Dass seine Route ihn mitten durch das Rotlichtviertel führte und dort zu der Uhrzeit Hochbetrieb herrschte, verschwieg er seiner Frau allerdings.
Knopfaugen
Dann erzählte ein ehemaliger Bewährungshelfer von Albright noch eine konkrete Geschichte aus dessen Jugendtagen, die den Kern der Ermittlung berührte. Als der Vater Charles Albright eine Waffe in die Hand gedrückt hatte, um ihm das Jagen beizubringen, tötete der halbwüchsige Charles damit einige kleinere Tiere. Er sagte, dass er diese gerne ausstopfen würde, weil sie so schön seien. Also half ihm seine Mutter, sich mit der Materie vertraut zu machen. Charles Albright brachte es bis zur Meisterschaft im Präparieren von Tieren. Seine bevorzugten Objekte waren Vögel.
Delle Albright unterstützte ihn dabei nicht nur mit schlauen Büchern. Sie saß neben ihm, wenn er geduldig die notwendigen Arbeiten ausführte. Sie ermahnte ihn zu mehr Sorgfalt. Sie trieb ihn zu immer größerer Perfektion. Doch Delle war zu geizig, echte Glasaugen zu kaufen. Stattdessen besorgte sie in der Kurzwarenabteilung eines Kaufhauses schwarze Knöpfe, die hübsch glänzten. Jetzt besaß Charles Albright einen Haufen perfekt präparierter Vögel, die ihn aus billigen Knopfaugen anstarrten. Vermutlich eine herbe Enttäuschung für den Buben.

Abgesehen von dem Trauma in Bezug auf Augen, das Albright möglicherweise erlebt hatte, drängte sich den Beamten eine weitere Frage auf. Wie viel wusste so ein versierter Tierpräparator über die menschliche Anatomie? Reichten die Fähigkeiten, um einer Frau die Augäpfel zu entfernen? So präzise und sauber, wie es bei Pratt und Peterson geschehen war?
Zu alt?
Die Ermittler hatten zweifelsohne interessante Hintergründe hinsichtlich der Person Charles Albright zusammengetragen. Er log, betrog, begrapschte kleine Kinder und stopfte tote Tiere aus. Aber je mehr die Ermittler in Charles Albrights Leben herumschnüffelten, umso mehr Erkenntnisse förderten sie zutage, die scheinbar gegen die Schuld des Verdächtigen sprachen. Da war zunächst das Alter.
Zum Zeitpunkt der Morde war Charles Albright bereits 57. Serienkiller, die mit Ende fünfzig die Lust zum Töten entdeckten, waren selbst dem FBI bis dato unbekannt geblieben. Serienmörder waren gewöhnlich zwischen zwanzig und vierzig, wenn sie ihre Serien starteten. Keine Frage, Charles Albright war körperlich topfit. Er könnte problemlos eine Frau überwältigen, die durch Crackkonsum geschwächt war.
Doch Serienmorde waren auch Kopfsache. Man fing nicht kurz vor der Rente damit an, plötzlich auf Serienkiller umzuschulen. Diese Entscheidung fiel wesentlich früher im Leben eines Menschen. Wenn jemand feststellen musste, dass er scheinbar ein ganz kleines Würstchen war und dies für immer bleiben würde. Aber gleichzeitig die Selbsteinschätzung eine gänzlich andere war. Die zentrale Frage lautete also: Warum hatte Charles Albright all die Jahre zuvor nicht getötet? Vom Standpunkt der Psychologen war das kaum plausibel zu erklären. Und auch die Kriminalbeamten hatten keine passende Antwort parat.
Zu nett?
Weitere Zweifel wurden durch Charles Albrights Lebensumstände geweckt. Polizisten und forensische Psychologen gingen davon aus, dass Serienmörder in aller Regel Einzelgänger waren. Laut der Lehrmeinung handelte es sich meist um Leute, die von ihrem Umfeld als Verlierer wahrgenommen wurden. Geringer Bildungsgrad, schlechter Job, allenfalls kurze Beziehungen zu Frauen. Auf der anderen Seite waren sie sehr von sich selbst eingenommen, geradezu narzisstisch, und überzeugt, dass sie in ihrem Leben Besseres verdient hätten. Sie waren immer auf der Suche nach einer unmittelbaren Befriedigung ihrer Bedürfnisse.
Um ein Haar
Alle Freunde, die die Polizei befragte, verhielten sich jedoch loyal zu dem Verdächtigen. Charles Albright ein Killer? Die Vorstellung hielt jeder von ihnen für absurd. Er war weder alkoholkrank noch drogen- oder spielsüchtig. Er lebte seit einigen Jahren in einer festen Beziehung, die laut seiner Partnerin äußerst harmonisch verlief. Seine Bekannten beschrieben ihn als charmant. Charles Albright konnte Menschen für sich einnehmen. Er galt als großzügig, freundlich und half anderen in der Not. Viele Eigenschaften des Verdächtigen passten einfach nicht zum Profil eines Serienmörders.
Die Ermittlungsbeamten erwirkten dennoch einen Haftbefehl gegen Charles Albright und einen Durchsuchungsbeschluss für sein Haus und Auto. Am 22. März 1991 verhaftete man ihn. Bei der anschließenden Durchsuchung schienen die Beamten auch fündig zu werden. Unter anderem stellte man einen Revolver Kaliber 44 Magnum und einen Satz Schablonenmesser der Marke X-Acto sicher. Zudem fand man Kondome von derselben Marke, wie sie vom Täter neben zwei Opfern auffällig platziert worden waren. Das Kriminallabor konnte aber weder bei der Schusswaffe noch bei den Messern nachweisen, dass es sich bei diesen Gegenständen um die gesuchten Tatwerkzeuge handelte.

Photo © by Motorrad67
Bei anderem Spurenmaterial war man hingegen erfolgreicher. Das Labor hatte auf einem gelben Regenmantel, den man dank einer Zeugin am mutmaßlichen Tatort des dritten Mordes sichergestellt hatte, einige Blutstropfen entdeckt. Sie stimmten tatsächlich mit der Blutgruppe von Shirley Williams überein. Vermutlich handelte es sich um den Mantel, den andere Augenzeugen in der Mordnacht an ihr wahrgenommen hatten.
Der Teufel ist ein Eichhörnchen
Dem Mantel haftete noch weiteres Spurenmaterial an. Neben Erde, Gras, Textilfasern und menschlichen Haarsträhnen fand sich ein Haar, das das Interesse der Ermittler in besonderem Maße weckte. Es gelang nämlich zunächst nicht, seine Herkunft festzustellen. Nicht nur in dem Sinne, von welcher Person es ursprünglich stammte. Sondern zu welcher Spezies diese Strähne überhaupt gehörte.
Die äußere Schicht wirkte unter dem Mikroskop wie ein Mosaik. Der innere Kern des Haares, die sogenannte Medulla, war vom Umfang sehr viel dicker als bei Menschenhaar. Der zuständige Labortechniker verglich das Fundstück mit den Haaren von Haustieren und den gängigsten Wildtieren der Umgebung. Er hatte keinen Erfolg. Auch eine Recherche in den Fachbüchern brachte ihn nicht weiter. Er fertigte eine Fotografie der mikroskopischen Vergrößerung und schickte sie an Kollegen. Nach einer Woche erhielt er eine Antwort. Es handelte sich um das Schwanzhaar eines Eichhörnchens.
Inzwischen hatte derselbe Labortechniker auch den Inhalt der Staubsaugerbeutel, die die Ermittler bei der Durchsuchung von Albrights Haus und Fahrzeug gefüllt hatten, überprüft. Darin fand er ein identisches Eichhörnchenhaar. Das Haar eines Eichhörnchens in einer normalen Wohnung war schon sehr ungewöhnlich. Aber ein exaktes Duplikat, das augenscheinlich vom selben Tier stammte, an einem anderen Ort sicherzustellen, der vermutlich Tatort eines Mordes war, bedeutete einen Volltreffer. Wie sollte es da keinen Zusammenhang geben?
Der Labortechniker unterrichtete die Kriminalbeamten von dem Fund. Man spekulierte, was geschehen war. Charles Albright und Shirley Williams waren zu der Wiese herausgefahren, um dort Sex zu haben. Die beiden zogen sich die Kleider aus und legten diese nebeneinander. Während sie zugange waren, schlich ein Eichhörnchen über die Klamotten. Nach dem Mord schnappte Charles Albright sich seine Jacke und schmiss sie zu Hause auf den Boden. Dabei löste sich das Haar des Eichhörnchens.
Die Theorie war gut. Sie hatte bloß einen Makel. Nach dem damaligen Stand der forensischen Wissenschaft war nicht auszuschließen, dass andere Eichhörnchen identische Haare hatten. Es war unwahrscheinlich, kam aber in der Natur vor.
Eine DNA-Analyse, die das zweifelsfrei hätte klären können, gab es zu dem Zeitpunkt zwar schon. Doch das Verfahren war erst wenige Jahre zuvor erstmals vor Gericht zugelassen worden, steckte im Hinblick auf die Analysemöglichkeiten noch in den Kinderschuhen und wurde in der kriminalistischen Praxis noch selten angewendet. Zudem galt die Methode damals als sehr zeitaufwendig und teuer – zu teuer, um damit Haare von Eichhörnchen zu testen.
Viele Treffer bei den Haarspuren
Das Kriminallabor landete bei seinen Haaranalysen weitere bemerkenswerte Treffer. In den Staubsaugerbeuteln fanden sich nämlich acht Haarsträhnen, die mit dem Haar von Shirley Williams übereinstimmten. Sechs weitere Haare von Williams hafteten der blauen Decke an, die Polizeibeamte auf der Wiese neben dem gelben Regenmantel entdeckten.
Auf derselben Decke befanden sich drei Schamhaare, die man Charles Albright zuordnen konnte. Ein weiteres Schamhaar des Beschuldigten sicherte man im Nacken von Shirley Williams. Ein Kopfhaar von Charles Albright hatte sich im gelben Regenmantel verfangen. Weitere Haare von ihm wurden in einer Wunde im Gesicht von Williams, auf ihrem Rücken und an ihrer linken Hand gefunden. Drei Kopfhaare von Susan Peterson tauchten auf einer Decke auf, die man in Albrights Pick-up fand. Ebenso vier Haare, die vermutlich von Mary Pratt stammten.
Der Staatsanwalt klagte Charles Albright schließlich lediglich des Mordes an Shirley Williams an. In den beiden anderen Fällen war die Beweislage zu dünn. Aufgrund der unterschiedlichen Verstümmelung der Augenpartie hätte die Verteidigung jederzeit behaupten können, dass die Taten nicht von demselben Täter begangen wurden. Zudem fehlte nach wie vor die Tatwaffe, mit der die Opfer erschossen worden waren, und das Messer, mit dem der Mörder die Augäpfel entfernt hatte.
Im Prozess widerriefen mehrere Belastungszeugen ihre ursprünglichen Aussagen. Dann zitierte die Verteidigung einen Gutachter in den Zeugenstand, der die Haaranalysen des Kriminallabors sowie deren Beweiskraft erheblich in Zweifel zog. Der Techniker habe teilweise geschlampt und Haarproben miteinander verwechselt. Zudem sei es wissenschaftlich nicht möglich, ein Haar einer bestimmten Person mit hundertprozentiger Sicherheit zuzuordnen.
Zwar besorgte der Staatsanwalt daraufhin einen weiteren Wissenschaftler, der das Urteil dieses Sachverständigen anzweifelte und die Ergebnisse des Kriminallabors stützte. Aber die Beweisführung der Anklage stand auf reichlich wackligen Beinen.
Kein klares Urteil
Dieser Umstand schlug sich auch im Urteil des Gerichts nieder. Die Geschworenen waren nach der Verhandlung wohl überzeugt davon, dass Charles Albright durch und durch kriminell veranlagt war. Sie hegten aber begründete Zweifel, dass er Shirley Williams vorsätzlich und aus Heimtücke ermordet hatte. Die Anklage hatte dafür keine plausiblen Beweise vorbringen können. So konnte man nicht ausschließen, dass Shirley Williams und Charles Albright in Streit geraten waren und Albright im Affekt getötet hatte.
Das Gericht verurteilte den Angeklagten daraufhin zu einer Strafe von fünf Jahren bis lebenslänglich. Das bedeutete, er durfte nach fünf Jahren erstmals einen Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen. Die zuständige Kommission hat allerdings jedes dieser Gesuche abgelehnt. Der Straftäter verbrachte den Rest seiner Tage im Gefängnis, das sich in seiner Geburtsstadt Amarillo in Texas befindet.
Am 22. August 2020 verstarb Charles Frederick Albright schließlich im Alter von 87 Jahren im University Medical Center in Lubbock (Texas).

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Bücher
Buch (englisch)
The Eyeball Killer
Zum einen gibt es ein Buch mit dem Titel »The Eyeball Killer«, an dem der Polizeibeamte John Matthews mitgewirkt hat. Matthews hatte zusammen mit seiner Kollegin Regina Smith entscheidend zur Lösung des Falls beigetragen. Das Taschenbuch liegt allerdings nur in englischer Sprache vor.

Buch (deutsch)
Aug um Aug
Dann gibt es von mir selbst das E-Book „Aug um Aug – Der Texas Eyeball Killer“, welches im Kindle-Shop von Amazon erhältlich ist. Meines Wissens das einzige Buch über den Fall Charles Albright in deutsch. Ich habe die Geschichte als True Crime Story aufbereitet (Seitenumfang: 63 Normseiten). Anders ausgedrückt: Das Buch ist rund dreimal so lang wie der Artikel auf dieser Webseite.

Filme
Dokumentation (englisch)
A Current Affair
Außerdem gibt es über Charles Albright eine Doku aus der Reihe „A Current Affair“ des amerikanischen Senders TLC, die nur in englischer Sprache verfügbar ist. Darin äußern sich zahlreiche Leute, die an den Ermittlungen beteiligt waren, über den Fall Charles Albright im Interview, u.a.:
- John E. Westphalen, leitender Ermittler der Mordkommission
- Dr. Elizabeth Peacock, Gerichtsmedizinerin
- Daniel J. Hagood, Staatsanwalt
- Regina Williams, Streifenbeamtin, deren Befragungen der Prostituierten auf dem Straßenstrich wesentlich zur Klärung des Falls beitrugen
- Roy Hazelwood, FBI-Profiler
- zudem taucht Charles Albright in einem kurzen Interview auf
Dokumentation (deutsch)
Charles Albright: Der Folterknecht aus Dallas (2015)
Aus der bekannten britischen Doku-Reihe: „Born to Kill – Als Mörder geboren?“