18. Mai 2014 by

Gary Ridgway – „Green River Killer“

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Im Juli 1982 begann in der Umgebung von Seattle, Washington, eine der fürchterlichsten Mordserien in der Geschichte der USA. Ihr fielen mindestens 49 junge Frauen zum Opfer. Erst zwanzig Jahre später gelang es aufgrund einer DNA-Analyse, den Täter zu überführen. Sein Name: Gary Leon Ridgway, geboren am 18. Februar 1949 in Salt Lake City, Utah.

Gary Ridgway - Green River Killer - Portrait 1982

Gary Ridgway im Jahre 1982

In den zwanzig Jahren, in denen man das Phantom vergeblich jagte, etablierte sich für den Täter bei Polizei und Medien der Name »Green River Killer«. Sicherlich eine griffige Bezeichnung, aber auch etwas irreführend. »Green River Killer« geht auf den Fundort der ersten fünf Leichen zurück, die man in dem gleichnamigen Fluss barg. Danach spielte dieser Ort in der Mordserie aber praktisch keine Rolle mehr. Diese ersten fünf Leichname waren allerdings für die Klärung des Falls entscheidend. Aufgrund der kurzen Liegezeit konnte die Polizei DNA-Material sichern, das Gary Ridgway schließlich später überführen sollte.

Modus Operandi

Gary Ridgway sprach seine Opfer in der Regel auf dem Straßenstrich von Seattle an. Er stellte ihnen etwas mehr Geld als üblich in Aussicht, um sie an einen einsam gelegenen Ort oder in sein Haus zu locken. Die meisten Frauen tötete er dann in seinem Pick-up, der über einen Campingaufsatz verfügte, oder in seinem Schlafzimmer. Der tödliche Angriff kam überraschend, meist unmittelbar nach dem Sex. Gary Ridgway packte die Frauen von hinten und erwürgte sie mit seinem Unterarm oder einer Schlinge.

Anschließend schaffte er den Leichnam in seinem Pick-up zu einem seiner zahlreichen abgelegenen Verstecke im King County. Die Stellen befanden sich meist in einem Waldgebiet, das direkt an einen Highway oder eine Autobahn angrenzte. Dafür nahm Ridgway auch längere Fahrtstrecken von bis zu 100 Kilometern in Kauf. Im Übrigen lagen einige Leichenverstecke ganz in der Nähe von Orten, die bereits Ted Bundy wenige Jahre zuvor benutzt hatte, um die ersten zehn Opfer seiner Mordserie zu verscharren. Wie Bundy war Gary Ridgway nekrophil veranlagt, das heißt, er kehrte häufiger zu den Leichenverstecken zurück, um die Leichen zu schänden.

Wirkliche Opferzahl unklar

Bis heute ist unklar, wie viele Frauen Gary Ridgway wirklich zum Opfer fielen. Offiziell ist er wegen Mordes in 49 Fällen verurteilt worden. Gary Ridgway hat alle 49 Verbrechen gestanden, die Polizei hat in jedem einzelnen Fall eine Leiche geborgen. Es gibt eine Handvoll weiterer Frauen, welche die Ermittler nach den Geständnissen von Ridgway ebenfalls zu den Opfern der Mordserie zählen. Allerdings konnten ihre Leichen bisher nicht gefunden werden. Deshalb gelten diese Verbrechen noch nicht als endgültig geklärt.

Die tatsächliche Opferzahl schätzen die Ermittler aber weitaus höher ein. Zum einen ergibt sich die Einschätzung aus den Verhören mit Gary Ridgway. Dort hat er insgesamt 75 Mord zugegeben. In einem Interview, das er im September 2013 einem Radiosender gab, sprach Ridgway sogar von 80 oder 90 getöteten Frauen. Problem: Nach den Erfahrungen, die die Green River Task Force mit Gary Ridgway in den Befragungen sammelte, gilt der Mann in seinen Aussagen als sehr unzuverlässig.

Dessen ungeachtet befürchten die Kriminalbeamten jedoch, dass der »Green River Killer« tatsächlich weitaus mehr Morde auf dem Gewissen hat. Folgt man der Logik von Gary Ridgway, hat der Serienkiller in anderthalb Jahren zwischen 1982 und 1984 rund 45 Frauen getötet, danach in den 17 Jahren bis zu seiner Verhaftung aber »nur« noch fünf weitere. Viele Kriminalisten halten das für völlig unglaubwürdig. Zudem gibt es in den Bundesstaaten Washington und Oregon sowie im benachbarten kanadischen Vancouver mehrere ungeklärte Mordserien, die gewisse Ähnlichkeiten mit Ridgways Vorgehensweise aufweisen.

»Todesmeile«

Ich werde an dieser Stelle auf eine ausführlichere Darstellung des Falls verzichten. Das hat zwei Gründe. Zum einen habe ich einen mehr als 500 Seiten umfassenden Tatsachenroman über die Jagd nach dem Green River Killer geschrieben, der unter dem Titel »Todesmeile« bei Amazon sowohl als E-Book wie auch als Taschenbuch erhältlich ist. Zum anderen finden Sie auf einer meiner anderen Internetseiten weiterführende Informationen zum Fall. Hier die Links zu richarddeis.de:

Allgemeine Einführung
Die Opfer von Gary Ridgway

Datei mit allen relevanten Schauplätzen der Mordserie
Dokumentarfilme über den Green River Killer
Informationen zum Buch »Todesmeile«

 

Dazu mehrere Textproben aus dem dritten Teil des Buchs, der unter anderem die Verhöre der Task Force mit Gary Ridgway umfasst.

Häkeldeckchen
Der Prozess des Jahrhunderts
Kafkaesk
Der Bunker
Laverne
Pfläumchen

 

Der Link zum Taschenbuch bei Amazon (gibt es unter demselben Link auch als E-Book):

Todesmeile (True Crime Thriller)

Price: EUR 15,99

4.0 von 5 Sternen (7 customer reviews)

1 used & new available from EUR 15,99

Gary Ridgway – „Green River Killer“ was last modified: März 7th, 2015 by Richard Deis

4 Responses to Gary Ridgway – „Green River Killer“

  1. Petra Frank

    Ich bin eine treue und begeisterte Leserin, weswegen ich eine Frage hätte, die sich mir beim Lesen von Todesmeile immer wieder stellte:
    Wie recherchieren Sie bzw. wie (wo) kommen Sie an die ganzen Informationen?
    Kann man ie Prozessakten einsehen? Also so ein „normal sterblicher“ wie ich?
    Wenn Sie das beantworten möchten. Kann ja ein gehütetes AutorenGeheimnis sein 😉

    Vielen Dank für viele interessante Lesestunden 🙂

    Gruesse
    Petra F.

    • Richard Deis Post author

      Vielen Dank für die tolle Rückmeldung!

      Zum Punkt Recherche:
      Ich bin Ende der 1990er Jahre erstmals auf den Fall aufmerksam geworden. Damals war die Mordserie noch nicht aufgeklärt. Ich fand den Fall so spannend, dass ich mir das seinerzeit einzig erhältliche Sachbuch zum Thema besorgt habe. Es war 1990/91 erschienen und beleuchtete sehr detailliert die Ermittlungen in den 1980ern. Die beiden Autoren Smith und Guillen arbeiteten als Journalisten für eine der Tageszeitungen in Seattle. Sie waren also hautnah am Geschehen. Außerdem verfügte besagte Tageszeitung bereits über ein Online-Archiv, das zumindest damals frei zugänglich war. Ich konnte mir dadurch später die Originalberichterstattung besorgen. Beide Quellen waren zum Beispiel sehr wichtig für den ersten und zweiten Teil von „Todesmeile“

      Als dann 2001 ein möglicher Verdächtiger verhaftet wurde, habe ich natürlich ständig die Seiten der Tageszeitungen und Lokalsender in Seattle im Blick gehabt. Anderthalb Jahre lang passierte aber nichts Wesentliches. Erst dann kam heraus, dass Gary Ridgway gestanden hatte. Nach dem Abschluss des Verfahrens im November/Dezember 2003 hat die Bezirksstaatsanwaltschaft die Videoaufzeichnungen und Transkripte der Verhöre mit Ridgway für die Medien freigegeben. Davon haben diese natürlich reichlich Gebrauch gemacht. Und es erschienen mehrere weitere Sachbücher. So schrieb zum Beispiel einer der Pflichtverteidiger von Ridgway (Mark Prothero) ein interessantes Buch, dem ich viele wichtige Fakten für den dritten Teil von „Todesmeile“ verdankte. Unter anderem hat Prothero viele Originalverhörprotokolle abgedruckt, aus denen ich ja ausführlich zitiere.

      Die bekannte True-Crime-Autorin Ann Rule schrieb ein Buch, das sich in erster Linie mit den Opfern der Mordserie und deren Angehörigen beschäftigte. Auch aus dieser Schilderung flossen Details ein. Und schließlich gingen auch die beiden Ermittler Dave Reichert und Bob Keppel unter die Autoren. Dass Sheriff Reichert nicht unbedingt positiv in meinem Buch dargestellt wird, hat er sich sozusagen selbst zuzuschreiben. Das Material dazu hat er mir in seiner Eigendarstellung frei Haus geliefert. Die Details der Geschichte über Ted Bundy als Profiler im Green-River-Fall verdanke ich wiederum Bob Keppel.

      Zu den Prozessakten: Ein richtiger Prozess hat ja nicht stattgefunden, weswegen es dazu auch kaum Akten gibt. Die Anklageschrift und die Urteilsbegründung konnte ich mir aber besorgen. Es gibt natürlich tonnenweise Ermittlungsakten. Selbst wenn ich mir als Nicht-US-Bürger irgendwie Zugang verschafft hätte – es hätte aufgrund der Menge (einige Millionen Aktenseiten) mehrere Jahre gedauert, diese Papiere nur zu lesen. Das hätte ich mir weder zeitlich noch finanziell leisten können. War aber auch nicht nötig, da es eben ausreichend Buch- und Zeitungsquellen sowie die Originalverhörprotokolle gab.

      Herzliche Grüße
      Richard Deis

  2. Petra Frank

    Vielen lieben Dank für Ihre Antwort.
    Das hat mich schon sehr interessiert.

    Ich freue mich auf weitere Projekte von Ihnen 🙂

    Ganz viel Erfolg bei weiteren Büchern und Ihnen persönlich alles Gute

    Gruesse aus dem Schwabenland
    Petra F.

  3. Benjamin T.

    Hallo,

    Veröffentlichen Sie doch mal den Fall Thomas Rung, welcher von 1983-1995 insgesamt 7 Menschen in Berlin tötete und 1996 zu lebenslanger Haft mit anschließender SV verurteilt wurde.
    Gruß,
    Benjamin

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