John Wayne Gacy: Die Mordserie

Timothy McCoy

Nur drei Monate nach Ablauf der Bewährungsfrist beging John Wayne Gacy seinen ersten Mord. Am 2. Januar 1972 gabelte er am Busbahnhof in Chicago den 15-jährigen Timothy Jack McCoy auf. McCoy war auf dem Weg von Michigan nach Nebraska. Gacy lud den Jungen zu einer Tour durch Chicago ein. Am Ende des Sightseeings überredete er McCoy dazu, sein Haus in der Summerdale Avenue aufzusuchen. Gacy bot dem Teenager an, bei ihm auf der Couch zu übernachten. Am nächsten Tag würde er ihn wieder zur Greyhound-Station fahren, damit er seinen Anschluss nach Omaha in Nebraska bekäme.

Vor der Polizei sagte Gacy aus, Timothy McCoy habe am nächsten Morgen mit einem Küchenmesser in seinem Schlafzimmer gestanden. Er sei aus dem Bett gesprungen und habe sich auf den Jungen gestürzt. McCoy habe die Arme nach oben gerissen, als wolle er sich ergeben. Dabei habe er Gacy versehentlich mit der Klinge am Oberarm getroffen. Um seine Behauptung zu untermauern, zeigte der Serienmörder den Beamten eine Narbe an seinem Arm.

Er habe McCoy dann das Handgelenk so lange herumgedreht, bis dieser das Messer fallen ließ. Anschließend habe er den Kopf des Jungen gegen die Wand gerammt und ihn gegen den Schlafzimmerschrank geworfen. McCoy habe sich gewehrt und ihm in den Bauch getreten. Daraufhin habe Gacy ihn zu packen bekommen, ihn niedergerungen, sich auf seine Brust gesetzt und ihm mit dem Küchenmesser mehrfach in die Brust gestochen.

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Tödliches Missverständnis

Als er in die Küche gegangen sei, habe er einen offenen Eierkarton bemerkt. Auf dem Küchentisch habe zudem eine noch nicht angeschnittene Schinkenschwarte gestanden. Der Tisch sei für zwei Personen gedeckt gewesen.

Gacy wurde schlagartig klar, dass er einem Irrtum aufgesessen war. McCoy habe ihn in Wahrheit wohl nur zum Frühstück wecken wollen. Mit dem Messer habe der Junge den Schinken anschneiden wollen und sich nichts Böses dabei gedacht, als er damit ins Schlafzimmer spaziert sei. Gacy ließ McCoys Leiche im Kriechkeller verschwinden und verschloss die Grabstelle später mit Beton.

In seinem Geständnis schilderte John Gacy seine Gefühle nach dem ersten Mord als zwiespältig. Einerseits habe er sich emotional völlig ausgelaugt gefühlt. Andererseits erinnerte er sich, einen Orgasmus bekommen zu haben, während er den Jungen tötete. »In diesem Moment wurde mir klar, dass das Töten der ultimative Kick war.«

Unbekanntes Opfer

Seinen zweiten Mord beging Gacy im Januar 1974. Das Opfer war ein Jugendlicher, vermutlich zwischen 14 und 18 Jahre alt, mit mittellangem, braunem, gelocktem Haar. Bis heute ist es der Polizei nicht gelungen, die Identität des Toten festzustellen.

Gacy gab zu, den Jungen erdrosselt und in seinem Garten fünf Meter neben dem Grillplatz verscharrt zu haben. Zuvor hatte er die Leiche in einem Schrank gelagert. Dabei sei dem Toten Flüssigkeit aus Nase und Mund getropft. Aufgrund dieser Erfahrung habe er seinen Opfern immer Kleidungsgegenstände in den Hals gestopft.

1974 gründete John Gacy sein Bauunternehmen, das bereits im folgenden Jahr stark expandierte. Er arbeitete 12 bis 16 Stunden am Tag, um die zunehmende Zahl an Aufträgen bewältigen zu können. Das führte dazu, dass er sich verstärkt nach »Entspannung« sehnte. Zunächst hielt er nur nach sexuellen Abenteuern mit jungen Männern Ausschau. Diese standen nicht gerade Schlange, um sich mit einem älteren, dicklichen Typen einzulassen. Gacy griff auf frühere Verhaltensmuster zurück: Missbrauch von Abhängigen und Minderjährigen.

Anthony Antonucci

Der 15-jährige Anthony Antonucci war einer von Gacys Beschäftigten. Gacy hatte ihn im Mai 1975 eingestellt. Im Juli 1975 erlitt Antonucci einen Arbeitsunfall. Er hatte sich den Fuß verletzt. Gacy besuchte den Jungen zu Hause, als seine Eltern nicht da waren. Gacy machte den 15-Jährigen betrunken, überwältigte ihn und fesselte ihm die Hände auf den Rücken. Die Schelle um das rechte Handgelenk saß jedoch locker, sodass sich Antonucci befreien konnte.

Anthony Antonucci war Mitglied des Ringerteams an seiner Schule. Er stürzte sich auf den überraschten Gacy, rang ihn zu Boden und entwendete ihm die Schlüssel für die Handschellen. Dann legte er seinem Peiniger die Fesseln an. Zunächst stieß Gacy wüste Drohungen aus, beruhigte sich jedoch bald.

Er bequatschte den Jungen, ihm die Fesseln abzunehmen. Gacy versprach ihm, sofort zu verschwinden und ihn in Zukunft in Frieden zu lassen. Antonucci ließ sich schließlich überreden. Sein Glück: Gacy hielt sich an das Versprechen. Dem Jungen passierte nichts. Dafür musste ein anderer Junge eine Woche später für Gacys Frust und Wut über die Demütigung mit seinem Leben bezahlen.

John Butkovic

Der 17-jährige Johnny Butkovich war ein Autofreak. Sein ganzer Stolz war ein Dodge Baujahr 1968, an dem er in jeder freien Minute schraubte. Doch Ersatzteile waren teuer. Er brauchte einen Job, der ihm sein Hobby finanzierte. Er bewarb sich bei Gacys Firma. Butkovich fühlte sich dort auf Anhieb wohl. Er bekam ein gutes Gehalt. Die Arbeitszeit verging wie im Flug, weil man sich mit dem Chef so gut unterhalten konnte.

Die positive Stimmung erhielt einen empfindlichen Dämpfer, als John Gacy dem Jungen seinen Lohn für zwei Wochen Arbeit verwehrte. Gacy fuhr öfters solche linke Touren. Wenn der Angestellte klein beigab, steckte er das Geld in die eigene Tasche. John Butkovic war verständlicherweise wütend. Er glaubte, er käme an sein Geld heran, wenn er Gacy drohen würde. So stand er am 28. Juli 1975 abends mit zwei Freunden bei Gacy vor der Haustür.

Doch der windige Bauunternehmer zeigte sich von dem burschikosen Auftritt nicht sonderlich beeindruckt. Er weigerte sich nach wie vor, den Lohnscheck auszustellen. Die Kontrahenten brüllten sich an. Butkovic drohte, Gacy beim Finanzamt zu verpfeifen, weil er seine Angestellten teilweise schwarz beschäftige. Die Drohung erwies sich als fruchtlos. Johnny Butkovic und seine Freunde zogen wieder ab. Sie wollten keine Anzeige wegen Körperverletzung oder Hausfriedensbruch riskieren. Am Tag darauf verschwand Butkovic spurlos.

John Gacy gestand später, den Jungen am 29. Juli unter dem Vorwand in sein Haus gelockt zu haben, sich gütlich einigen zu wollen. Er hatte das Haus für sich alleine, da seine Frau und die Stieftöchter eine seiner Schwestern in Arkansas besuchten. Gacy gelang es, Butkovic zu fesseln. Er strangulierte ihn und verscharrte seinen Leichnam unter dem Estrich in seiner Garage. Man fand Butkovics Dodge verlassen auf einem Parkplatz auf. Im Wageninnern lag noch das Portemonnaie des Jungen. Der Schlüssel steckte in der Zündung.

Unantastbar

Butkovics Vater wandte sich an den Boss seines Sohnes. Gacy versprach, ihm bei der Suche nach seinem Johnny behilflich zu sein. Allerdings befürchte er, so John Gacy, der Junge sei durchgebrannt. Schließlich ermittelte die Polizei. Sie befragte auch Gacy zu dem Vermisstenfall. Er gab zu, dass Butkovic am Tag vor seinem Verschwinden mit zwei Freunden bei ihm aufgetaucht sei und eine ausstehende Lohnzahlung angemahnt habe. Doch er behauptete, die drei wären wieder friedlich abgezogen, als man sich auf einen Kompromiss geeinigt habe.

In den folgenden drei Jahren kontaktierten die Eltern von John Butkovic mehr als hundert Mal die Polizei. Sie forderten die zuständigen Beamten wiederholt auf, John Gacy genauer unter die Lupe zu nehmen. Vergeblich. Ein Muster, das sich in den folgenden dreieinhalb Jahren noch mehrfach wiederholen sollte. Die Polizei konnte einfach nicht glauben, dass der angesehene Bauunternehmer privat männliche Teenager verführte, vergewaltigte und ermordete. Diese Denke sollte sich als fataler Irrtum erweisen. Bis Dezember 1978 sollten dem vermeintlichen Saubermann John Wayne Gacy noch mindestens dreißig weitere junge Menschen zum Opfer fallen.

Im März 1976 ließ sich John Gacy von seiner zweiten Frau scheiden. Nun war er in seinem Haus völlig ungestört. Die Mordserie eskalierte. Nur einen Monat nach der Scheidung entführte und ermordete er den 18-jährigen Darrell Sampson. Sampson wurde in Chicago am 6. April 1976 letztmals lebend gesehen.

Randall Reffet und Samuel Stapleton

Fünf Wochen später verschwand am Nachmittag des 14. Mai der 15-jährige Randall Reffett, während er sich auf dem Schulweg befand. Gacy knebelte den Jungen mit einem Stück Stoff, an dem er schließlich erstickte. Nur Stunden nach dem Mord an Reffett verlor sich jede Spur vom 14-jährigen Samuel Stapleton, nachdem er die Wohnung seiner Schwester verlassen und sich auf den Heimweg begeben hatte. Gacy begrub ihre Leichen an derselben Stelle im Kriechkeller.

Michael Bonnin

Der 17-jährige Michael Bonnin arbeitete gerne mit seinen Händen. Am 3. Juni 1976 restaurierte er eine alte Jukebox und hatte das Projekt fast schon erfolgreich beendet. Die restlichen Arbeiten mussten warten, weil er versprochen hatte, seinen Stiefbruder zu besuchen. Der Bruder wartete vergeblich am Bahnhof auf ihn. Gacy hatte den Jugendlichen aus Lakeview vor dem Bahnhof in Chicago abgepasst, ermordet und in seinem Keller vergraben.

William Carroll Jr.

William Carroll Jr. steckte ständig in Schwierigkeiten, seitdem er ein kleines Kind war. Mit neun Jahren landete er in einem Erziehungsheim, weil er eine Geldbörse gestohlen hatte. Mit 11 griff ihn die Polizei mit einer Pistole auf. Billy trieb sich die meiste Zeit auf den Straßen von Uptown Chicago herum und suchte die Gesellschaft einiger zwielichtiger Gestalten. Mit 16 Jahren verdingte er sich als eine Art Zuhälter für Strichjungen. Er vermittelte den Kontakt zwischen älteren Freiern und Prostituierten. Am 13. Juni 1976 verließ William Carroll seine Wohnung und wurde niemals lebend wiedergesehen.

Rick Johnston und drei unbekannte Tote

John Gacy hatte ihn ermordet und den Leichnam unter seinem Küchenboden versteckt. Billy Carroll war vermutlich der erste von vier Jugendlichen, die Gacy zwischen dem 13. Juni und 6. August 1976 zum Opfer fielen und unter den Dielen von Küche und Waschküche endeten. Zwei der Leichen konnte man nicht identifizieren. In der gleichen Grabstätte fanden die Beamten noch einen fünften, ebenfalls unbekannten Toten, der aber vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt gestorben war.

Die erste unidentifizierte Leiche war schätzungsweise zwischen 22 und 30 Jahre alt, 1,55 m groß und 68 kg schwer. Er hatte halb langes dunkelbraunes Haar. Ihm fehlten zwei obere Schneidezähne. Die Ermittler spekulierten, er habe deshalb wahrscheinlich eine Zahnprothese getragen. Das zweite unbekannte Opfer hatte gleichfalls dunkelbraunes Haar und war vermutlich 15-19 Jahre alt. Mehrere Jahre vor seinem Tod hatte er eine Schlüsselbeinfraktur erlitten. Gacy hatte ihn erdrosselt. Bei dem vierten Toten handelte es sich um den 17-jährigen Rick Johnston, der zum letzten Mal am 6. August lebend gesehen wurde.

David Cram

Am 26. Juli 1976 stellte John Gacy den 18-jährigen David Cram ein. Am 21. August zog Cram bei Gacy ein. Am Tag darauf überredete Gacy seinen Hausgast dazu, sich mit Handschellen fesseln zu lassen. Dann teilte er ihm mit, dass er ihn nun vergewaltigen würde. Doch David Cram hatte ein Jahr bei der Army gedient und wusste, sich zur Wehr zu setzen. Er trat Gacy ins Gesicht und setzte ihn außer Gefecht. Anschließend befreite er sich von den Handfesseln. Trotz des Vorfalls blieb er vorläufig im Haus wohnen.

Ein Monat später erschien Gacy bei ihm im Schlafzimmer und kündigte erneut an, ihn vergewaltigen zu wollen: »Dave, du hast keinen blassen Schimmer, mit dem du es hier zu tun hast. Gib mir lieber, was ich will, und ich lass dich leben.« Cram konnte sich wieder erfolgreich wehren. Danach zog er aus und kündigte bei Gacy. Doch seltsamerweise übernahm er in den folgenden zwei Jahren noch mehrfach Gelegenheitsjobs für Gacys Firma. Ein Kollege von ihm, der 18-jährige Michael Rossi, löste ihn bei Gacy als Nachmieter ab.

Zwei weitere Unbekannte

Vermutlich brachte Gacy in dieser Phase zwischen August und Oktober 1976 zwei weitere junge Männer um. Auch ihre Identität ließ sich bis heute nicht klären. Direkt auf den Leichen von William Carroll und Rick Johnston entdeckte die Polizei das Skelett eines 21-27 Jahre alten Mannes. David Cram zog erst am 21. August bei Gacy ein. Rick Johnston starb vermutlich am 6. August. Die Polizei vermutete, dass Gacy den unbekannten Mann während dieser zwei Wochen getötet hatte.

Der zweite Tote war etwas jünger, schätzungsweise 17-21 Jahre. Er hatte dunkelbraunes Haar und litt zum Tatzeitpunkt unter einem vereiterten Zahn. Er lag im nordöstlichen Bereich des Kriechkellers. Die Befragungen von ehemaligen Angestellten Gacys ergaben, dass ein Kollege auf Anweisung des Chefs genau an dieser Stelle rund um den 5. Oktober 1976 einen Graben ausgehoben hatte.

Kenneth Parker und Michael Marino

Am 24. Oktober 1976 tötete John Gacy zwei Freunde namens Kenneth Parker und Michael Marino. Zeugen hatten die beiden letztmals vor einem Restaurant in der Clark Street beobachtet. Beide Jugendlichen wurden erdrosselt und in derselben Grabstelle im Keller aufgefunden. Zwei Tage später verschwand der 19-jährige William Bundy, der bei Gacy angestellt war. Er hatte seinen Eltern gesagt, er sei auf einer Party eingeladen. Man fand Bundys Leiche im Kriechkeller unterhalb von Gacys Schlafzimmer.

Gregory Godzik

Am Abend des 12. Dezember 1976 fuhr der 17-jährige Gregory Godzik seine Freundin nach Hause. Danach verschwand auch er spurlos. Godzik war ebenfalls bei Gacy beschäftigt. Er hatte seinen Eltern unter anderem berichtet, dass er für seinen Boss eine Drainage in seinem Keller habe ausheben müssen. Man fand Godziks Auto, einen Pontiac Baujahr 1966, verlassen in Niles vor.

Seine Eltern und die Schwester Eugenia kontaktierten John Gacy. Gacy behauptete, dass Gregory Godzik ihm gegenüber angedeutet habe, von zu Hause ausreißen zu wollen. Er habe auf seinem Anrufbeantworter auch eine Nachricht von dem Jungen vorgefunden, nachdem er verschwunden sei. Als die Familie die Nachricht hören wollte, entschuldigte sich Gacy damit, dass er sie bereits gelöscht habe.

John Szyc

Am 20. Januar 1977 lockte Gacy den 19-jährigen John Szyc in sein Haus. Er hatte Szyc vorgegaukelt, ihm seinen Plymouth Satellite abkaufen zu wollen. John Szyc war mit John Butkovic und Gregory Godzik befreundet. Gacy begrub ihn am selben Platz wie Godzik. Bei der Hausdurchsuchung hatte man einen Ring von Szyc mit seinen eingravierten Initialen in einem Nachttisch in Gacys Schlafzimmer gefunden. Gacy behielt auch einen tragbaren Fernseher der Marke Motorola zurück, der seinem Opfer gehörte. Den Wagen des Jungen verkaufte er an Michael Rossi.

Jon Prestidge und „Greg“

Zwischen Dezember 1976 und März 1977 ermordete Gacy einen etwa 25 Jahre alten Mann, dessen Identität sich nie klären ließ. Der einzige Hinweis, den die Ermittler entdecken konnten, war ein Schlüsselanhänger, der mit dem Namen Greg bedruckt war. Seine Leiche lag im Kriechkeller neben dem 20-jährigen Jon Prestidge, den Gacy am 15. März 1977 ermordet hatte. Der junge Mann stammte aus Michigan und besuchte Freunde in Chicago.

Neben den Leichen von Randall Reffett und Samuel Stapleton fand sich eine weitere namenlose Leiche. Die Polizei mutmaßte, dass der 17-21 Jahre junge Mann nicht im Mai 1976 ums Leben kam wie Stapleton und Reffett, sondern erst im Frühjahr oder Sommer 1977. Nicht lange vor seinem Verschwinden musste sich der Jugendliche das linke Schlüsselbein gebrochen haben.

Im März 1977 heuerte die Firma PE Systems John Gacy als Subunternehmer für einen Großauftrag an. Das Projekt umfasste den Umbau zahlreicher Drogeriemärkte und Apotheken im gesamten Land. Infolgedessen reiste Gacy 1977 und 1978 kreuz und quer in den USA umher. Alleine 1977 betreute er rund 80 verschiedene Baustellen dieser Art.

Matthew Bowman

Im April 1977 verlobte sich Gacy mit einer Frau, mit der er seit drei Monaten regelmäßig ausgegangen war. Seine Verlobte zog bei ihm ein, doch im Juni 1977 wurde die Verlobung im gegenseitigen Einverständnis wieder aufgelöst. Im darauffolgenden Monat ermordete Gacy den 19-jährigen Matthew Bowman aus Crystal Lake. Als die Ermittler seine Leiche im Kriechkeller fanden, war um seinen Hals immer noch die Aderpresse geschlungen, mit der ihn John Gacy getötet hatte.

Im August 1977 ergab sich für die Polizei ein neuer Hinweis im Vermisstenfall John Szyc. Michael Rossi tankte an einer Tankstelle, ohne zu zahlen. Das Personal konnte ihn festhalten und verständigte die Polizei. Die Beamten überprüften die Nummerschilder und Zulassung. Das Fahrzeug hatte ursprünglich John Szyc gehört, war aber nun auf Rossi zugelassen. Rossi hatte als Wohnadresse Gacys Haus angegeben.

Die Polizisten befragten in der Folge auch seinen Vermieter. John Gacy behauptete, Szyc habe ihm den Wagen im Februar 1977 verkauft. Der Junge habe geäußert, dass er dringend Bargeld benötige, weil er die Stadt verlassen wolle. Die Polizei unterrichtete zwar die Mutter des vermissten Jugendlichen vom Fund des Wagens, verfolgte die Sache aber nicht weiter.

Robert Gilroy

Ende 1977 starben sechs weitere Männer durch die Hand des Serienmörders John Wayne Gacy. Der 18-jährige Robert Gilroy, Sohn eines Polizisten aus Chicago, war ein begeisterter Wanderer, Camper und Pferdeliebhaber. Am 15. September 1977 war er mit Freunden zu einem Ausritt verabredet. Auf dem Pferdehof tauchte er jedoch nie auf. Seine Leiche fand man in Gacys Kriechkeller.

John Mowery

Zehn Tage später verschwand der 19-jährige US-Marine John Mowery. Mowery hatte seine Mutter besucht und befand sich auf dem Heimweg. Er wurde von Gacy erwürgt. Sein Leichnam lag im Keller neben dem Opfer William Bundy.

Russell Nelson und Robert Winch

Am 17. Oktober 1977 verschwand der 21-jährige Russell Nelson aus Minnesota, nachdem ihn Zeugen zuletzt vor einer Bar in Chicago gesehen hatten. Nelson starb durch Ersticken. Gacy verscharrte seine Leiche im Keller. Knapp vier Wochen später ermordete Gacy den 16-jährigen Robert Winch aus Kalamazoo.

Tommy Boling

Am 18. November ereilte den 20-jährigen Familienvater Tommy Boling das gleiche Schicksal. Gacy hatte ihn vor einer Bar in Chicago in sein Auto gelockt. Sowohl Boling als auch Winch lagen im Kriechkeller unterhalb des Flurs. Sie waren beide erdrosselt worden.

David Talsma

Am 9. Dezember 1977 fiel ein weiterer US-Marine John Gacy zum Opfer. Der 19-jährige David Talsma wollte am Abend ein Rockkonzert in Hammond besuchen, wie er seiner Mutter gesagt hatte. Stattdessen wurde er von Gacy erdrosselt und im Keller begraben.

Robert Donnelly

Am 30. Dezember 1977 entführte John Gacy mit vorgehaltener Waffe den 19-jährigen Studenten Robert Donnelly von einer Bushaltestelle in Chicago. Gacy fuhr mit dem Jungen zu seinem Haus, wo er ihn mehrere Stunden vergewaltigte und folterte.

So zwang er ihn zum Beispiel in eine gefüllte Badewanne und drückte seinen Kopf so lange unter Wasser, bis er das Bewusstsein verlor. Anschließend wartete er ab, bis Donnelly wieder zu Bewusstsein kam. Dann wiederholte Gacy die Prozedur.

Donnelly sagte später aus, dass die Schmerzen irgendwann unerträglich gewesen seien. Er habe Gacy angefleht, ihn zu töten, damit die Qualen endlich ein Ende hatten. Gacy habe ihm nur geantwortet: »Ich werde noch darauf zurückkommen.«

Aber wider Erwarten ließ der zigfache Serienmörder John Gacy den jungen Mann laufen. Robert Donnelly zeigt seinen Peiniger sofort an. Am 6. Januar 1978 verhörte die Polizei Gacy zu den Vorwürfen. Er gab zu, zusammen mit Donnelly sadomasochistische Sexpraktiken ausgeübt zu haben, allerdings im gegenseitigen Einverständnis. Die Beamten glaubten ihn und stellten die Ermittlungen ein.

William Kindred

Am 16. Februar 1978 verschwand der 19-jährige William Kindred, nachdem er sich von seiner Verlobten verabschiedet hatte, um den Abend in einer Kneipe zu verbringen. Kindred war gleichzeitig das letzte Opfer, das John Gacy in seinem Kriechkeller vergraben hatte. Ab nun ließ er die Leichen im Des Plaines River verschwinden.

Timothy O’Rourke

Im März 1978 folgte zunächst die Vergewaltigung von Jeffrey Rignall, der Gacy später anzeigen sollte. Dann brachte er Mitte Juni den 20-jährigen Timothy O‘Rourke um. O‘Rourke hatte seine Wohnung verlassen, um Zigaretten zu besorgen. Er war Gacys erstes Opfer, das er von der Brücke der Interstate 55 in den Fluss warf. Die Leiche von O‘Rourke wurde am 30. Juni zehn Kilometer stromabwärts gefunden.

Frank Landigin und James Mazzara

Am 4. November 1978 tötete John Gacy den 19-jährigen Frank Landigin. Seine Leiche tauchte am 12. November im Des Plaines River auf. Am 24. November verschwand der 20-jährige James Mazzara aus Elmwood Park, nachdem er Thanksgiving bei seiner Familie verbracht hatte. Sein Leichnam wurde am 28. Dezember 1978 geborgen.

Landigin war an seinem eigenen Erbrochenen verstorben, weil Gacy ihm seine Unterhose in den Mund geschoben hatte. Mazzara hatte er mit einer Schnur erdrosselt. Das letzte bekannte Opfer war dann Robert Piest am 11. Dezember 1978. Allerdings behauptete John Gacy, noch eine fünfte Person in den Des Plaines River geschmissen zu haben. Die Leiche konnte jedoch nie gefunden werden.

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