Am 12. Mai hielt der Lieferfahrer William Allen an einer Straße nahe dem Weiler Mount Rose an, um auszutreten. Das kleine Dorf lag direkt südlich von Hopewell und nur 7 Kilometer vom Anwesen der Lindberghs entfernt. Der Lkw-Fahrer entdeckte im Unterholz den Leichnam eines kleinen Kindes.
Der Körper lag mit dem Kopf nach unten auf dem Waldboden und war nur notdürftig mit einigen Blättern bedeckt. Die Leiche war schon zu großen Teilen skelettiert. William Allen verständigte die Polizei in Hopewell.
Bezirksarzt Dr. Charles H. Mitchell war für die Autopsie des Leichnams zuständig. Doch der Mediziner litt unter schwerer Arthritis. Er bat deshalb den örtlichen Leichenbeschauer Walter Swayze darum, die Sektion vorzunehmen. Mitchell würde derweil die Obduktion überwachen und notwendige Anweisungen erteilen. Denn Swayze war kein ausgebildeter Arzt, sondern von Beruf einfacher Bestattungsunternehmer.
Diese Vorgehensweise wäre bei jeder Autopsie höchst fragwürdig gewesen. Aber ausgerechnet beim vermeintlichen „Verbrechen des Jahrhunderts“? Da war es nicht nur fragwürdig, sondern extrem fahrlässig. Normalerweise ein gefundenes Fressen für jeden Anwalt. Vor einem Geschworenengericht, wie es in den USA üblich ist, kann solcher Pfusch verheerende Folgen für den Ausgang des Verfahrens haben.
Inhaltsverzeichnis
Charles Lindbergh Jr. – Kapitel 2
Todesursache
Der Leichnam befand sich in einem fortgeschrittenen Verfallszustand. Linke Hand und rechter Arm fehlten komplett, das linke Bein ab Knie. Außerdem waren die meisten innere Organe verschwunden. Die entsprechenden Körperteile waren aller Wahrscheinlichkeit Opfer von Wildfraß geworden. Die Zerstörung war so weit vorangeschritten, dass eine Geschlechtsbestimmung nicht mehr möglich war.
Der Leichnam von Charles Lindbergh Jr.
Bei der Autopsie lag das besondere Augenmerk auf zwei Aspekten. Erstens wollte Dr. Mitchell möglichst eindeutig nachweisen, dass es sich bei dem toten Kind tatsächlich um Charles Lindbergh Jr. handelte. Darüber hinaus galt sein Hauptinteresse der Todesursache. Letzteres ließ sich zügig klären. Der Schädel des Babys wies eine massive Fraktur auf. Sonstige Verletzungen, die auf Gewalteinwirkung zurückzuführen waren, ließen sich nicht feststellen.
Dr. Mitchell mutmaßte, dass der Tod bereits am 1. März, also in der Nacht der Entführung eingetreten war. Dafür sprach einerseits der Verwesungsgrad, andererseits die Art der Schädelverletzung. Möglicherweise hatte einer der Täter das Baby noch im Kinderzimmer auf den Boden fallen lassen. Oder es war während des Abtransports über die Leiter zu Fall gekommen.
Die Überlegungen von Dr. Mitchell zum Tathergang setzten aber voraus, dass es sich bei der Leiche in der Tat um das verschwundene Lindbergh-Kind handelte. Die Identifizierung gelang schließlich anhand zweier körperlicher Merkmale: Anzahl der Zähne und eine spezifische Fehlstellung der Zehen.
Dr. Mitchell hatte nicht nur den Vater und das Kindermädchen in die Pathologie gebeten, sondern auch den behandelnden Kinderarzt von Charles Lindbergh Jr. Sie alle bestätigten aufgrund der genannten Merkmale die Identität des Kindes. Außerdem klebten an der Leiche noch Überreste eines Hemds, das Betty Gow für Charles Jr. genäht hatte und das sie wiederzuerkennen glaubte.
Zweifel an der Identität
Zwei weitere Ergebnisse der Autopsie weckten jedoch später Zweifel an der Identität. Die große Fontanelle auf dem Kopf des Säuglings hatte noch einen Durchmesser von 2,5 cm, was nach Ansicht von Medizinern bei einem 20 Monate alten Säugling wohl ungewöhnlich war. Die Größe des Lochs deutete eher auf ein Alter von zwölf Monaten hin.
Zweiter Punkt: Auf dem offiziellen Fahndungsplakat war die Größe des Babys mit 29 Inch (= 73,5 cm) angegeben. Die Vermessung der Leiche ergab jedoch eine Länge von 33 Inch (= 84 cm). Einige Autoren führen diese Abweichung auf einen Schreibfehler zurück.
Die ursprüngliche Angabe habe wohl 2 Fuß 9 Inch gelautet, was 33 Inch entsprechen würde (1 Fuß = 12 Inch). Die amerikanische Schreibweise für 2 Fuß 9 Inch lautet 2’9‘‘. Der erste Apostroph könnte auf dem Weg zur Drucklegung irgendwo übersehen worden sein.

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Fahndungsplakat des gesuchten Kindes
Zweifler beriefen sich immer wieder auf diese Befunde, wenn sie in Abrede stellten, dass es sich bei dem aufgefundenen Leichnam um Charles Lindbergh Jr. handelte. Dabei gibt es nur ein Problem: Beide Befunde passen nicht zueinander. Sprich: Ein 12 Monate alter Säugling wäre mit 84 cm ungewöhnlich groß gewesen. Heutiger Durchschnittswert für ein Kind dieses Alters sind 74 cm. In den 1930-er Jahren fiel die durchschnittliche Körpergröße von Erwachsenen noch deutlich niedriger aus als heute. Ob dieser Umstand auch abweichende Körpergrößen bei Säuglingen zur Folge hatte, vermag ich allerdings nicht zu sagen.
Dr. Mitchell ließ während der Obduktion keine Fotos des Schädels anfertigen. Sein Autopsiebericht umfasste lediglich eine Textseite, die einige wenige Messdaten enthielt. Eine Stunde nach Ende der Untersuchung wurden die sterblichen Überreste des Kindes eingeäschert.
Spurenlage
Die Polizei verfügte also nur über wenige Ansatzpunkte für ihre Ermittlungen:
- eine kaputte Leiter, ein Meißel und ein paar Reifenspuren am Tatort
- die Briefe der Entführer
- die rudimentäre Beschreibung von „Friedhof-John“
Das vielversprechendste Indiz war zunächst die Leiter. Norman Schwarzkopf hatte mehrere Experten angeschrieben und um Rat gebeten. Der Holzfachmann Arthur Koehler vom Forest Products Laboratory in Madison (Wisconsin) erwies sich dabei als Volltreffer.
Anhand der Holzsplitter, die man ihm schickte, konnte er zunächst die Holzarten identifizieren, die man zum Bau verwendet hatte: Douglastanne, Birke und Gelb-Kiefer. Zudem konnte Koehler den Lieferweg eines Teils des verwendeten Holzes von einer Mühle in South Carolina bis zu einem Holzhändler in der Bronx nachverfolgen.
Auffällig war laut Koehler, dass die Leiter aus Holzsorten unterschiedlicher Herkunft aufgebaut war. Das wirkte wie die Arbeit eines Heimwerkers, der sich zum Bau alles genommen hatte, was ihm gerade in die Hände fiel. Die Verbindungen der Einzelstücke waren hingegen das Werk eines Profis, vermutlich eines erfahrenen Tischlers.
Profis oder Amateure?
Bei der Suche nach den Tätern tappte die Polizei allerdings weiterhin im Dunkeln. Lindbergh war der Meinung, die Entführer seien höchst professionell vorgegangen und stammten aus dem Umfeld der Organisierten Kriminalität. Diese Einschätzung teilten die Ermittler nicht.
Die Polizei war vielmehr der Ansicht, dass die Kidnapper im näheren Umfeld der Familie zu suchen waren. Sie verfügten über genaue Ortskenntnisse und wussten sogar, wo sich das Kinderzimmer befand. Auf der anderen Seite verlangten sie ein relativ bescheidenes Lösegeld. Beides zusammen sprach dafür, dass sie es mit Amateuren zu tun hatten.
Violet Sharpe
Konkret gerieten die Hausangestellten unter Verdacht. Namentlich das Kindermädchen Betty Gow und das Hausmädchen Violet Sharpe. Denn am Tag der Entführung, einem Montag, gab es eine Besonderheit. Normalerweise verbrachte die Familie die Wochenenden in Hopewell und fuhr dann zu Beginn der Woche in ein rund 100 km entferntes Anwesen in Englewood nahe New York City. Doch da das Baby erkältet war, verschob man die Abreise an diesem 1. März um ein bis zwei Tage. Außer den Hausangestellten hatte niemand von dieser Planänderung gewusst. Hatten sie also Komplizen darüber informiert?
Insbesondere das 28-jährige Dienstmädchen Violet Sharpe erregte vor diesem Hintergrund das Misstrauen der Ermittler. Sie hatte bei ihrer polizeilichen Vernehmung eine seltsame Geschichte aufgetischt, als die Beamten von ihr wissen wollten, wie sie den Abend des 1. März verbracht hatte.
Sie behauptete, sie habe zum fraglichen Zeitpunkt gemeinsam mit einem Mann und einem Paar eine Gaststätte aufgesucht. Doch ihren männlichen Begleiter kannte sie angeblich nur beim Vornamen, von dem Paar wisse sie gar keinen Namen. Sie konnte auch keinerlei Angaben dazu machen, wo und wie die Polizei die ominösen Zeugen finden konnte. Nach dem Fund der Leiche reagierte sie zunehmend ängstlicher, nahezu hysterisch, wenn die Ermittler sie ansprachen.
Blausäure
Schwarzkopf war infolgedessen überzeugt, dass die Frau etwas zu verbergen hatte. Er meldete sich im Juni telefonisch bei den Lindberghs und kündigte an, das Dienstmädchen am anderen Tag erneut verhören zu wollen. Als Violet Sharpe davon erfuhr, erklärte sie, dass sie es nicht mehr ertragen könne. Dann ging sie auf ihr Zimmer und leerte eine Flasche mit Silberpolitur, die Kaliumcyanid enthielt, ein Blausäuresalz. Innerhalb weniger Minuten war sie tot.
Wenig später meldete sich der Mann bei der Polizei, mit dem Violet Sharpe am Tatabend ausgegangen war. Er wurde von dem Paar begleitet, das Sharpe in ihrer Zeugenaussage erwähnt hatte. Die Leute bestätigten zunächst, dass sie gemeinsam mit Sharpe den Abend des 1. März verbracht hatten.
Dann erklärten sie den Beamten, warum sich Violet Sharpe so seltsam verhalten hatte. Das Dienstmädchen sei mit dem Butler Olly Whateley verlobt gewesen und habe um ihre Beziehung sowie ihre Stellung im Hause Lindbergh gefürchtet. Der Butler hätte es wohl kaum hingenommen, wenn er erfahren hätte, dass seine Verlobte nachts mit ein paar Bekannten um die Häuser zieht.
Condon unter Verdacht
Die Ermittler wandten sich nach dem Debakel einem anderen Verdächtigen zu: John F. Condon. Der Mann hatte sich nach Polizeigeschmack viel zu einfach mitten in den Verhandlungen mit den Entführern eingefunden. War es nicht denkbar, dass er selbst Teil der Entführer-Bande war? Und seine Vermittlungsdienste angeboten hatte, um die Kontrolle über die Ereignisse zu haben? Wenige Tage nach dem Selbstmord von Violet Sharpe lud die Polizei Condon zur Befragung vor. Doch Condon überstand das stundenlange Kreuzverhör unbeschadet und verließ die Wache als freier Mann.
Schwarzkopf war aber nicht bereit, so schnell aufzugeben. Im Juli und August hörte die Polizei Condons Telefon ab. Man las seine Post. Man grub seinen Garten um. Man riss ihm die Tapeten von den Wänden. Alle Maßnahmen verpufften ergebnislos. Schließlich kamen die Ermittler zu dem Schluss, dass Condon wohl exzentrisch sei, aber vermutlich nichts mit der Entführung zu tun habe.
Condon ließ sich nicht anmerken, ob ihn das Misstrauen gekränkt hatte. Anderthalb Jahre arbeitete er sich stoisch durch die Abertausende von Fotos umfassende Verbrecher-Kartei der Polizei von New York. Er hoffte, darin „Friedhofs-John“ identifizieren zu können.
Die letzte Hoffnung
Den Beamten verblieb eine letzte Hoffnung: das Lösegeld. Die Behörden hatten 250.000 Broschüren mit den gesuchten Seriennummern drucken lassen, um sie an Banken und Geschäfte im ganzen Land zu verteilen. Dennoch hielt sich die Zuversicht in Grenzen. Wenn die Täter vorsichtig agierten, drohte ihnen kaum Gefahr. Kein Geschäftsinhaber würde bei kleineren Geldbeträgen Verdacht schöpfen und zunächst die Seriennummern nachschlagen, bevor er das Geld nahm.
So kam es zunächst auch. Die ersten Goldzertifikate tauchten bereits kurz nach der Lösegeldübergabe im April 1932 auf. Doch immer handelte es sich nur um wenige Scheine, die zunächst nicht auffielen. Immerhin ergab sich ein Muster. Der oder die Täter hatten vielfach Geschäfte aufgesucht, die sich in unmittelbarer Nähe derselben U-Bahnstrecke befanden. Die Bahn verband die östliche Bronx mit dem östlichen Manhattan und durchschnitt unter anderem den Stadtteil Yorkville, in dem viele deutsche und österreichische Einwanderer lebten.
Der Druck erhöht sich
Dann spielte der Zufall den Ermittlungsbehörden in die Hände. Anfang der 1930-er Jahre steckten die USA – wie die gesamte Weltwirtschaft – in einer lang anhaltenden Krise. Die Politik versuchte, mithilfe von Reformen gegenzusteuern. Unter anderem wollte US-Präsident Roosevelt der Spekulation auf den Goldpreis ein Ende bereiten, die in jenen Jahren massiven Schaden anrichtete.
Im Zuge dieser Maßnahme ordnete er kurz nach seinem Amtsantritt an, dass alle Goldzertifikate im Wert von mehr als einhundert Dollar bis zum 1. Mai 1933 eingelöst werden müssten. Ein Teil der Lösegeldsumme im Lindbergh-Fall bestand aus solchen Zertifikaten. Die Täter mussten also bis zum Mai 1933 handeln, wollten sie nicht zusehen, wie ihr erpresstes Geld plötzlich zu wertlosem Papier wurde.
J.J. Faulkner
Und pünktlich zum 1. Mai 1933 tauchte tatsächlich ein größerer Betrag aus dem Lösegeld auf. Fragliche Goldzertifikate im Wert von 2.980 US-Dollar wurden bei der Federal Reserve Bank in New York City eingezahlt. Der Einzahlschein war mit dem Namen J.J. Faulkner unterschrieben. Die angegebene Adresse lautete 537 West 149th Street.
Doch der Kassierer konnte sich unglücklicherweise nicht an den Kunden erinnern. Die Überprüfung der Angaben auf dem Einzahlschein verlief im Leeren. Zwar hatte zwanzig Jahre zuvor eine Jane Faulkner in dem Haus gewohnt. Doch sie stritt vehement ab, irgendetwas mit den Zertifikaten zu tun zu haben. Auf die Polizei wirkte die Frau offenbar glaubwürdig. Bis heute weiß man nicht, wer dieser ominöse „J.J. Faulkner“ war.
Ein verdächtiger Kunde
Am 15. September 1934, zweieinhalb Jahre nach der Entführung, bezahlte ein Kunde an einer New Yorker Tankstelle seine Rechnung über 98 Cent mit einem 10-Dollar-Goldzertifikat. Der Tankstelleninhaber Walter Lyle wunderte sich. Solche Zertifikate hatte er seit längerer Zeit nicht mehr in Händen gehalten.
Der Mann versicherte ihm, dass alles seine Ordnung habe. Goldzertifikate mit einem Wert von weniger 100 Dollar seien nach wie vor ein reguläres Zahlungsmittel. Der Kunde sprach mit einem deutschen Akzent. Doch Lyle war misstrauisch. Als der Fremde fortfuhr, notierte er sich das Kennzeichen und benachrichtigte die Polizei.
Die Halterabfrage ergab, dass das Nummernschild zu einem blauen, viertürigen Dodge gehörte, Baujahr 1930. Der Besitzer lebte in der Bronx, 1279 East 222nd Street. Aus der Registrierung ging auch hervor, dass der Besitzer ursprünglich aus Deutschland stammte und Schreiner von Beruf war. Sein Name war Bruno Richard Hauptmann.
Bruno Richard Hauptmann
Weitere polizeiliche Überprüfungen ergaben: Hauptmann war 1923 im Alter von 23 Jahren illegal in die USA eingereist und in Kamenz, einer Kleinstadt in der Lausitz, geboren. In Deutschland war er kurz nach dem Ersten Weltkrieg, in dem er als Soldat gedient hatte, wegen Wohnungseinbruch und Raubes verhaftet worden. Er verbüßte vier Jahre Haft im Zuchthaus Bautzen. Kurz nach seiner Entlassung schnappte ihn die Polizei erneut mit gestohlener Ware. Er konnte jedoch aus der U-Haft fliehen und flüchtete in die Vereinigten Staaten.
Dort heiratete er 1925 eine deutschstämmige Kellnerin namens Anna Schoeffler. Das Paar bekam 1933 einen Sohn Manfred, benannt nach dem berühmten deutschen Flieger Manfred von Richthofen, dem „Roten Baron“. Hauptmann spielte Mandoline, reiste gerne und war beliebt bei den Mitgliedern der deutsch-amerikanischen Gemeinde in der Bronx. Seit Frühjahr 1932 arbeitete er nicht mehr als Schreiner, sondern war seitdem angeblich als Aktieninvestor tätig.
Beweise
Die Polizei verhaftete Hauptmann. Als die Beamten ihn durchsuchten, fanden sie in seiner Brieftasche ein 20-Dollar-Goldzertifikat. Der Schein stammte aus dem Lindbergh-Lösegeld. Der wirklich dicke Fisch ging der Polizei aber ins Netz, als sie Hauptmanns Garage auf den Kopf stellten. Zwischen den Wandbalken versteckt fanden sie Goldzertifikate aus der Beute im Wert von 14.600 US-Dollar. Im anschließenden Verhör behauptete Richard Hauptmann, das Geld habe ihm sein ehemaliger Geschäftspartner Isidor Fisch ausgehändigt, bevor dieser im Dezember 1933 nach Deutschland zurückgekehrt sei.
Ein Beamter der New Jersey State Police entdeckte zudem auf Hauptmanns Dachboden Holzbohlen, die mit dem Holz der Leiter identisch zu sein schienen. Der Sachverständige Arthur Koehler bestätigte die Übereinstimmung. Das Holz passte zum unteren Teil der Leiter.
Hauptmanns Dachboden
Darüber hinaus fand man in Hauptmanns Besitz einen Notizblock mit der Zeichnung einer Leiter, die dem Fundstück am Tatort ähnelte. Auf einer Schrankwand in Hauptmanns Haus hatte jemand eine Telefonnummer und Adresse gekritzelt. Wie sich herausstellte, waren es John Condons Nummer und Anschrift.
Die Polizei forderte Hauptmann in einer Gegenüberstellung auf, die Worte von „Friedhofs-John“ zu wiederholen, die er während der Geldübergabe geäußert hatte. Sowohl Charles Lindbergh als auch John Condon waren der Ansicht, die Stimme des Täters wiederzuerkennen. Außerdem musste Hauptmann Handschriftenproben abliefern.
Zunächst entschied eine Grand Jury in New York darüber, ob die bisherigen Verdachtsmomente gegen Richard Hauptmann ausreichten, um ihn an den Bundesstaat New Jersey auszuliefern, wo ihn ein Gerichtsverfahren wegen Entführung und Mords erwartete.
Neben den besagten Indizien präsentierte der Staatsanwalt einen Nachbarn der Lindberghs als Zeugen. Millard Whited behauptete, Hauptmann bereits in den Tagen vor der Entführung in der Nähe des Lindbergh-Anwesens gesehen zu haben. Die Grand Jury stimmte schließlich am 19. Oktober 1934 einer Überstellung nach Hunterdon County, New Jersey, zu.
Bruno Richard Hauptmann
Kapitelübersicht zum Fall Charles Lindbergh Jr.
- Kapitel 1: Die Entführung
- Kapitel 2: Die Spur des Lösegelds
- Kapitel 3: Bruno Hauptmann vor Gericht