Charles Manson schlug zu einer Zeit in San Francisco auf, die als »Sommer der Liebe« in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Die Stadt war randvoll mit Hippies aus aller Welt, der Stadtteil Haight-Ashbury das Epizentrum von Love, Peace und Happiness. Manson war wenig beeindruckt von der Hippie-Kultur. Sie war für ihn eher Mittel zum Zweck. Er konnte in dem Milieu problemlos untertauchen.
Zudem verabscheute die Subkultur den Gedanken an eine Leistungsgesellschaft. Mansons bisher erfolglos verlaufende Biografie und seine Antriebslosigkeit waren also kein Makel. Er finanzierte seinen Lebensunterhalt fortan mit Betteln. Zudem lernte er in dem Umfeld viel über den Umgang mit Drogen. Er merkte rasch, dass Drogen ein effizientes Mittel waren, um seine Mitmenschen noch leichter zu manipulieren.
Inhaltsverzeichnis
Charles Manson – Kapitel 4
Das Füllhorn der Liebe
Bald nach seiner Ankunft in San Francisco lernte Charles Manson die 23-jährige Mary Brunner kennen. Die Uniabsolventin aus Wisconsin arbeitete als Bibliotheksangestellte an der University of California in Berkeley. Manson zog bei ihr ein und überzeugte seine neue Freundin irgendwie davon, dass nichts Unrechtes daran sei, wenn auch andere Frauen von seinem unerschöpflichen Füllhorn der Liebe profitierten. Alsbald teilte Mary Brunner ihre Wohnung mit Manson und 18 weiteren Freundinnen.
Darunter befanden sich viele junge Frauen mit psychischen und emotionalen Problemen, die gegen ihre Eltern und die Gesellschaft im Allgemeinen rebellierten. Charles Manson war für diese Jugendlichen so etwas wie eine Offenbarung. Normen und Konventionen kannte er bestenfalls vom Hörensagen. Er stellte die Welt, in der sie aufgewachsen waren, komplett infrage. Und er half ihnen, ihre anerzogenen Hemmungen fallen zu lassen. Mit der Unterstützung von LSD und Amphetaminen formte er aus den leichtgläubigen Geschöpfen glühende Anhänger, die ihm bedingungslos folgten und sich von nun an als Manson Family bezeichneten.
Die Versatzstücke seiner Philosophie klaubte sich der Guru mit ellenlangem Vorstrafenregister aus verschiedenen Quellen zusammen. Dazu zählte unter anderem Scientology, womit sich Manson bereits im Gefängnis beschäftigt hatte, aber auch die Process Church. Deren Mitglieder glaubten an eine Versöhnung von Satan und Christus, die am Jüngsten Tag gemeinsam über die Menschheit zu Gericht sitzen würden.
Das Hippiemobil
Noch vor Ende des Sommers besorgte sich Manson einen alten Schulbus. Zusammen mit seinen Anhängern rüstete er das Fahrzeug zum Hippiemobil um: ein neuer Anstrich, ein paar bunte Flokatis und Kissen statt der ausgebauten Sitze. Ab November 1967 bereiste Manson in dem Bus gemeinsam mit neun Anhängern die gesamte amerikanische Westküste von Washington bis nach Mexiko. Am Ende ließ sich die Manson Family in der Gegend von Los Angeles nieder.

Unter anderem zog die Gruppe vorübergehend beim späteren Mordopfer Gary Hinman im Topanga Canyon ein. Dort brachte Mary Brunner am 15. April 1968 Mansons nächsten Sohn zur Welt, den die Eltern Valentine Michael nannten oder auch »Pu der Bär«. Es gehörte zu Mansons Spleens, jedes Mitglied seiner Family mit einem Alias- und Spitznamen zu versehen wie etwa »Mother Mary«, »Marioche«, »Mary Manson«, »Och« oder »Christine Marie Euchts«.
Die Strandpredigt
Ein Mithäftling namens Phil Kaufman, später der dubiose Manager der Country-Rock-Legende Gram Parsons, hatte Charles Manson einen Kontakt zu einem Nachwuchsproduzenten aus Hollywood vermittelt. Der Mann hieß Gary Stromberg und arbeitete für Universal Studios an einer Verfilmung der Jesusbiografie. Allerdings sollte die Geschichte im modernen Amerika spielen. Christus war ein Schwarzer und die Römer rassistische Hinterwäldler aus den Südstaaten. Manson schien von dem Filmprojekt fasziniert zu sein und unterbreitete eigene Inszenierungsvorschläge für einige Szenen.
Eines Tages beobachtete Stromberg, dass Charles Manson am Strand eine öffentliche Predigt hielt. Er verdammte den Materialismus der modernen Gesellschaft. Einer der Zuhörer zweifelte seine Worte an. Er deutete auf den hübschen Hippie-Bus und stellte Mansons Glaubwürdigkeit infrage. Manson, der Guru, warf dem Fremden die Wagenschlüssel zu und ließ sich keine Regung anmerken, selbst als der Mann mit dem Gefährt davonbrauste.
Laut Stromberg zeichnete Charles Manson die Fähigkeit aus, die Schwächen seines Gegenübers rasch zu erkennen und mit ihnen zu spielen. Er berichtete von einem aufgebrachten Vater, der seine Tochter aus den Fängen der Manson Family retten wollte. Der Mann sei mit einer Pistole aufgetaucht und habe damit Manson bedroht.
Manson sei vollkommen ruhig geblieben und habe den erbosten Vater aufgefordert, ihn zu erschießen. Danach unterhielt er sich mit dem Mann über Liebe und überredete ihn zu einem LSD-Trip. Der Vater habe sich schließlich in das scheinbar unvermeidliche Schicksal gefügt und sei wieder von dannen gezogen.
Dennis Wilson und die »Beach Boys«
Die Tate- und LaBianca-Morde hatten eine lange Vorgeschichte, deren Ursprünge bis in den Frühling 1968 zurückreichten. Damals machten Patricia Krenwinkel und Ella Jo Bailey, zwei Frauen der Manson Family, beim Trampen die Bekanntschaft von Dennis Wilson. Wilson war zusammen mit seinen Brüdern Brian und Carl Mitbegründer der »Beach Boys«.
Dennis Wilson 1968
Die Band konnte seit 1967 zwar nicht mehr an die kommerziellen Erfolge früherer Jahre anknüpfen, die Wilson-Brüder zählten aber immer noch zu den Topstars der damaligen Musikbranche. Krenwinkel und Bailey willigten also sofort ein, als Dennis Wilson sie zu einem Abstecher in seine Villa nach Pacific Palisades einlud.
Als Wilson in der darauffolgenden Nacht nach Hause zurückkehrte, begrüßte ihn ein fremder Mann in seiner Einfahrt. Der Fremde stellte sich als Charles Manson vor. Er beruhigte den nervösen Hausbesitzer. Er habe nicht vor, ihm etwas anzutun. Um ihn von seinen harmlosen Absichten zu überzeugen, kniete sich Manson vor Wilson nieder und küsste ihm die Füße.
Im Innern des Hauses erwarteten Dennis Wilson dann zwölf weitere Gestalten, die ihm allesamt fremd waren. Die meisten von ihnen waren Frauen. Während der nächsten Monate verdoppelte sich die Zahl noch. Manson musizierte die meiste Zeit mit Wilson oder unterhielt sich mit ihm, während die Frauen sie bedienten.
Die Schmarotzer
Die Manson Family schmarotzte sich auf Kosten des Musikstars durch. Das fragwürdige Vergnügen der Bekanntschaft kostete Dennis Wilson rund 100.000 Dollar. Darunter befanden sich Arztrechnungen für die Behandlung von Geschlechtskrankheiten, die sich auf 21.000 Dollar beliefen, sowie die Werkstattkosten für seinen unversicherten Wagen, den sich seine Hausgäste geborgt und anschließend geschrottet hatten.
Die Musik-Sessions von Manson und Wilson fanden häufig in einem Studio statt, für das Wilson zahlte. Wilson machte Manson auch mit einer Reihe von Leuten aus der Unterhaltungsbranche bekannt. Dazu zählten unter anderem Terry Melcher und Rudi Altobelli. Altobelli war der Eigentümer des Hauses, in dem Sharon Tate und ihre Gäste sterben sollten. Terry Melcher war dort der Vormieter der Polanskis gewesen.
Irgendwann wurde es Dennis Wilson mit der Manson Family zu bunt. Sein Manager schmiss die Gruppe aus Wilsons Haus hinaus. Doch Charles Manson hatte zu diesem Zeitpunkt bereits für Ersatz gesorgt. Er hatte George Spahn kennengelernt, dem eine große Ranch in der Nähe des Topanga Canyon Boulevard gehörte.
George Spahn
Quartiersuche
Er unterbreitete Spahn einen Deal. Mansons Mädchen würden den 80-jährigen, nahezu blinden Mann sexuell verwöhnen, dafür dürfe die gesamte Manson Family auf dem weitläufigen Farmgelände kostenfrei wohnen. Im August 1968 siedelte Manson mit seinen Anhängern auf die Spahn Ranch über.
Im November suchte sich Manson ein weiteres Ausweichquartier. Ihn zog es in die Umgebung des Death Valley. Er entdeckte zwei kleine, nahezu unbewohnte und unbewirtschaftete Farmen, die Myers und Barker Ranch. Die Myers Ranch gehörte der Großmutter eines neuen Mitglieds der Manson Family. Die Barker Ranch wurde von einer älteren Frau bewohnt, der sich Manson als Musiker vorstellte.
Er behauptete, er arbeite mit ein paar Musikerkollegen an einer neuen Platte und suche ein ruhiges Plätzchen, um ein neues Album einzuspielen. Die Besitzerin willigte unter der Bedingung ein, dass sich Manson um einige notwendige Reparaturen am Haus kümmerte. Manson revanchierte sich, indem er ihr eine Goldene Schallplatte der »Beach Boys« schenkte, die er von Dennis Wilson abgestaubt hatte. Doch im Winter wurden die Nächte in der Wüste kalt. Die Manson Family hielt sich wieder vorwiegend auf der Spahn Ranch auf.
Der Traum von der Musikkarriere
Auch die strikt antikapitalistisch ausgerichtete Manson Family musste sich von irgendetwas ernähren. Die Spahn Ranch hatte lediglich einige Pferde zu bieten, die man für Ausritte vermietete. Ansonsten war hier nichts zu holen. Die Manson Family plünderte Mülltonen und unternahm gelegentliche Diebeszüge, um das Überleben sicherzustellen. Die meisten Nahrungsmittel auf dem Speiseplan stammten aus den Abfalltonnen der umliegenden Supermärkte.
Charles Manson hing nach wie vor der Idee nach, als Musiker Karriere zu machen. Durch den Kontakt zu Dennis Wilson hatte er wie erwähnt Terry Melcher kennengelernt. Melcher war ein Sohn aus Doris Days erster Ehe und zudem als Musikproduzent tätig. Manson wollte Melcher dazu überreden, seine Musik zu produzieren. Er erzählte ihm von einem Filmprojekt, zu dem er den Soundtrack beisteuern wollte. Bei dieser Gelegenheit besuchte Manson Terry Melcher mehrfach in seinem Haus am Cielo Drive, in das wenige Monate später die Polanskis einziehen würden.
Terry Melcher mit seiner Mutter Doris Day
Charles Manson lud Melcher auf die Spahn Ranch ein. Dort sollte er sich seine Kompositionen anhören und mitschneiden. Melcher erschien tatsächlich zweimal dort. Manson sang seine Lieder und spielte Gitarre. Einige Mädchen mimten den Background-Chor und schlugen die Tambourins. Melcher war weder von der Musik noch vom Auftritt Mansons überzeugt. Er konnte nicht das geringste Potenzial für einen zukünftigen Hit erkennen.
Ein geplatzter Traum
Terry Melcher konnte nicht ahnen, was sich in Mansons Kopf derweil abspielte. Er fantasierte nicht länger von einer Musikkarriere. Nein. Der Auftritt auf der Spahn Ranch war die Geburtsstunde des kommenden Stars im Musikgeschäft. Für Charles Manson war das in diesem Moment Fakt. Seine erste Platte war quasi schon produziert, wenn auch noch nicht gepresst. Als er jedoch nichts mehr von Melcher hörte, wurde Manson wütend auf ihn. Er gab Melcher die Schuld daran, dass seine Karriere ins Stocken geraten war.
Die Wut über die Zurückweisung war sicherlich nicht die einzige Ursache jener Ereignisse, die nun folgten. Doch von nun an widmete sich Charles Manson einem anderen Projekt, mit dessen Hilfe er garantiert die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erregen würde. Wenn ihm der Erfolg im Guten verwehrt blieb, würde er ihn sich eben auf anderem Weg besorgen.
Seit seiner Zeit im Gefängnis hatte sich nichts geändert. Manson wollte mit aller Macht im Mittelpunkt stehen. Dafür war ihm jedes Mittel recht. Die zwei Dutzend Jünger, die er um sich geschart hatte, reichten ihm nicht mehr. Charles Manson plante nicht weniger, als die gesamte Welt ins Chaos zu stürzen. Die Zeit für »Helter Skelter« war gekommen.
Wie weit Charles Manson an das religiös-philosophische Konstrukt glaubte, das er seinen Anhängern predigte, ist nicht bekannt. Aber die Mitglieder der Manson Family schenkten seinen Worten umso mehr Glauben. Kern der Philosophie war Mansons Umdeutung des Armageddons nach der Offenbarung des Johannes.
Laut Manson würde sich in naher Zukunft der schwarze Mann erheben und gegen die Weißen in den Krieg ziehen. Die Städte würden in einem Inferno versinken. Der schwarze Mann würde diesen Rassenkrieg gewinnen und alle Weißen töten. Doch er würde den Sieg nicht lange genießen können. Denn der schwarze Mann könne seine Natur nicht verleugnen, so Charles Manson. Er sei von seinem Wesen her unterwürfig und unfähig, zu führen.
Das »Weiße Album«
Als Charles Manson erstmals einen bevorstehenden Krieg der Rassen beschwor, veröffentlichten die Beatles ihr »Weißes Album«. Einer der Songs hieß »Helter Skelter«. Warum ein Lied über eine turbulente Liebesbeziehung Pate für Mansons Untergangsszenario stand – keine Ahnung. Wahrscheinlich, weil das Musikstück für die damalige Zeit laut und hart war und »Helter Skelter« wie ein ziemlich griffiger Slogan klang.
An einem bitterkalten Silvesterabend auf der Myers Ranch versammelte Manson seine Anhänger an einem Lagerfeuer und erklärte ihnen, dass die Aufstände, die er angekündigt hatte, bereits von den Beatles auf ihrem »Weißen Album« prophezeit worden seien. Die Songs auf dem Album würden die ganze Geschichte verkünden, wenn auch in kodierter Form.
Im Laufe der Zeit spitzte Manson diese Aussage noch zu. Er behauptete, das »Weiße Album« sei in Wahrheit eine Botschaft, die sich unmittelbar an die Manson Family richte. Die Manson Family seien die Auserwählten, die sich als würdig genug erwiesen hätten, die Welt vor dem bevorstehenden Inferno zu retten.
Laut Manson würde Helter Skelter mit einigen Morden beginnen. Ein paar Schwarze aus Watts würden die Villen reicher Weißer in Beverly Hills oder Bel Air heimsuchen. Sie würden alle Bewohner der Reihe nach niedermetzeln und aufschlitzen. Sie würden die Hände im Blut ihrer Opfer tränken und ihre blutigen Botschaften an die Wände schmieren.
Der schlimmste Albtraum des weißen Establishments würde wahr. Daraufhin würden sich die Massen erheben, bis die Schwarzen den Krieg gewonnen hätten. Doch mit der Übernahme der Macht würden sie auch das Karma der weißen Unterdrücker erben. Der schwarze Mann wäre ab nun das verhasste Establishment, neues Chaos die Folge.
Die Höhle im Death Valley
Charles Manson und seine Familie würden dieses Inferno natürlich unbeschadet überleben. Dazu würde sich die Manson Family an einen Ort in der Wüste zurückziehen, fernab der Städte. In einer Höhle im Death Valley befand sich der verborgene Zugang zu einer anderen Welt. Er führte zu einer Stadt unter der Erde, deren Häuser aus purem Gold bestanden. Dort würde sich die Manson Family verstecken und abwarten, bis der Krieg vorüber war. Bis dahin wäre die Familie auf eine Größe von 144.000 Personen angewachsen, so Mansons Berechnungen.
»Die Welt wird uns gehören«, versprach Manson seinen Jüngern. »Es wird niemanden außer uns und unseren schwarzen Dienern geben. Er, Charles Willis Manson, der fünfte Engel, Jesus Christus, wird dann über die Welt herrschen.« Die anderen vier Engel hießen im Übrigen nicht Michael, Gabriel oder Raphael, sondern laut Mansons Evangelium John, Paul, George und Ringo – wie die Beatles.
Eigenes Album soll Rassenkrieg auslösen
Im Februar 1969 hatte Manson seine Vision vervollständigt. Die Manson Family würde ein eigenes Musikalbum herausbringen, dessen Lieder – ähnlich subtil wie die Songs der Beatles – die Welt in das vorhergesagte Chaos stürzen würden. Grausame Morde an Weißen, begangen von Schwarzen, würden unweigerlich Vergeltung nach sich ziehen. Der Konflikt würde das weiße Establishment spalten. Rassisten würden mit Antirassisten streiten, was zur Vernichtung der weißen Rasse führen würde.
Die Mitglieder des Manson-Kults machten sich sofort an die Ausarbeitung der notwendigen Soundtracks von Helter Skelter. Doch als Terry Melcher seine Mitarbeit an Mansons Vision verweigerte, stand der Guru plötzlich vor einem praktischen Problem. Seine Prophezeiungen trafen nicht ein. Die Glaubwürdigkeit gegenüber seinen Anhängern war damit gefährdet.
Black Panther Party
Im Juni 1969 wies Manson Charles »Tex« Watson an, Geld für die Familie aufzutreiben. Die Manson Family müsse sich auf den nun bald beginnenden Krieg vorbereiten. Watson zockte daraufhin Bernard »Lotsapoppa« Crowe ab. Crowe war ein schwarzer Drogendealer. Sobald er herausfand, dass Watson ihn betrogen hatte, drohte er mit Rache. Er würde jeden auf der Spahn Ranch kaltmachen. Charles Manson fuhr zu Crowes Haus und feuerte mehrere Schüsse auf den Drogenhändler ab.
Am nächsten Tag berichteten die Zeitungen von Los Angeles über ein ermordetes Mitglied der Black Panther Party, ohne das Opfer namentlich zu erwähnen. Manson ging fälschlicherweise davon aus, dass es sich bei dem Toten um Crowe handelte. Der Prophet des Helter Skelter hatte nun selber Angst, Opfer einer Vergeltungsaktion der Black Panther zu werden.
Er verwandelte die Spahn Ranch in eine Trutzburg, teilte nachts Wachen ein, die bewaffnet Patrouille liefen. Seine Anhänger werteten dies als Zeichen, dass Helter Skelter unmittelbar bevorstehe. Die Schwarzen hatten tatsächlich vor, sich an den Auserwählten zu vergreifen.
Prophezeiungen treten nicht ein
Doch nichts dergleichen geschah. Und auch die anderen Dinge, die Charles Manson prophezeit hatte, traten nicht ein. Laut Mansons Vision sollten sich die ersten Morde der Schwarzen aus Watts im Sommer 1969 ereignen. Der Sommer kam, ohne dass die Zeitungen von einem fürchterlichen Massaker berichteten.
Es wurden leise Zweifel am selbst ernannten Führer laut. Manson gab den Schwarzen die Schuld. Wenn man ihnen nicht haarklein erkläre, was sie zu tun hätten, wären sie völlig aufgeschmissen. Manson beschloss, die Sache selber in die Hand zu nehmen. Ein paar spektakuläre Morde würden den begriffsstutzigen Schwarzen den Weg weisen. Aber auch diese Verbrechen lösten nicht den versprochenen Rassenkrieg aus.
Nach dem Mord an dem Ehepaar LaBianca befahl Manson Linda Kasabian, Rosemarys LaBiancas Geldbörse und Kreditkarten an sich zu nehmen und diese in der Frauentoilette einer bestimmten Tankstelle zu deponieren. Er spekulierte darauf, dass jemand die Wertsachen einstecken und mit den Kreditkarten bezahlen würde. Die Spuren würden dann in dieses hauptsächlich von Schwarzen bewohnte Viertel führen. Aber nichts passierte. Der Mann, der gerade mal die Grundrechenarten beherrschte, hatte sich wieder einmal verkalkuliert.
Kapitelübersicht zum Fall Charles Manson
- Kapitel 1: Die Tate-Morde erschüttern Hollywood
- Kapitel 2: Die Spur führt zur Manson Family
- Kapitel 3: Charles Manson – Leben ohne Struktur
- Kapitel 4: Sommer der Liebe und der Aufstieg der Manson Family
- Kapitel 5: Helter Skelter und die Blutnacht von Los Angeles
- Kapitel 6: Prozess, Medienhype und der Mythos Charles Manson