David Berkowitz: Verschwörung

Jahrelang hatte David Berkowitz nur rätselhafte Andeutungen gemacht, dass seine Mordserie möglicherweise im Zusammenhang mit einer okkulten Sekte stand. Zu dem Zeitpunkt, als er sich zur christlichen Erweckungsbewegung bekannte (1987), äußerte sich auch erstmals konkreter zu dem Thema Satanismus.

Er behauptete, Mitte der 1970er-Jahre an okkulten Riten teilgenommen zu haben. Die Beschäftigung mit satanistischen Praktiken wäre ein Auslöser für seine Morde gewesen. Dieses Bekenntnis gab Gerüchten neuen Auftrieb, die sich bereits seit 1977 hartnäckig hielten. Nämlich dass Berkowitz die Morde nicht alleine begangen habe.

Arlis Perry – Mord in Stanford

Schon im Februar 1979 hatte David Berkowitz bei dem teilweisen Widerruf seines ursprünglichen Geständnisses solch einen Zusammenhang angedeutet. Im selben Jahr versandte er ein Buch über Hexerei an die Polizei von North Dakota. Er hatte mehrere Passagen in dem Werk unterstrichen und einige Randnotizen angefügt. Unter den Notizen fanden sich folgende Anmerkungen: »Arlis Perry. Gejagt, verfolgt und erlegt. Nach Kalifornien gefolgt. Stanford University.«

Die Notiz bezog sich offensichtlich auf den damals noch ungeklärten Mordfall Arlis Perry. Die 19-jährige Perry stammte ursprünglich aus North Dakota und war am 12. Oktober 1974 in Stanford unter mysteriösen Umständen einem Mord zum Opfer gefallen. Die Medien hatten über ihren Tod und vor allen Dingen über die Schändung ihrer Leiche inmitten einer Kirche auf dem Campusgelände ausführlich berichtet.

Arlis Perry - Portrait
Arlis Perry

Nur ein Wichtigtuer?

David Berkowitz erwähnte North Dakota und dieses Verbrechen auch in weiteren Briefen. Er deutete an, er verfüge über Informationen aus erster Hand. Täterwissen. Die Ermittler im Fall Perry verhörten daraufhin Berkowitz. Der Mann war schließlich ein verurteilter Serienmörder. Jemand, der nachweislich mehrere Menschen umgebracht hatte. Wenn der solche Andeutungen machte, nahm man ihn besser ernst.

Die Beamten hätten sich die Dienstreise sparen können. Die Vernehmung war ein Fiasko. David Berkowitz konnte oder wollte keinerlei relevante Angaben zur Tat machen. Die Ermittler hielten Berkowitz für einen Wichtigtuer – zurecht, wie die spätere Klärung des Verbrechens nahelegte.

Die Jahre 1976 und 1977 hatten ihm Publicity im Überfluss verschafft. Nun war er wieder die kleine Wurst, die er zeit seines Lebens war, und fühlte sich wie ein Junkie auf Entzug. Er spielte die Trumpfkarte aus, die praktisch jeder Serienkiller irgendwann zückte: Bei mir gibt es noch mehr Leichen im Keller. Viel mehr Leichen. Ihr wollt Einzelheiten wissen? Dann schenkt mir Aufmerksamkeit.

Die 22 Schüler der Hölle

Damit war die Geschichte allerdings noch nicht beendet. 1990 verlegte man Berkowitz vom Hochsicherheitsgefängnis Attica in die Strafanstalt Sullivan nach Fallsburg, New York. In Attica saßen die wirklich schweren Jungs ein. Die Angst, dass ihm nochmals einer dieser Burschen ein Messer in den Leib rammte, war bei Berkowitz sehr ausgeprägt. In Sullivan normalisierte sich sein Leben zusehends.

Kurze Zeit nach seiner Verlegung behauptete er, 1975 Mitglied eines satanischen Kults gewesen zu sein. Jetzt sollten es nicht länger mehr nur irgendwelche obskuren Riten gewesen sein, an denen er angeblich teilgenommen hatte, nun war er schon Teil einer Art Sekte gewesen.

Er habe einige Mitglieder des Kults auf einer Party kennengelernt. Als er mit ihnen ins Gespräch gekommen sei, habe er zunächst gedacht, dass es sich dabei nur um okkulte Spielereien wie Séancen oder Wahrsagerei handele. Aber nach und nach hätten die Personen ihn in eine Welt hineingeführt, in der man pausenlos Drogen konsumiert habe und Sadismus, Verbrechen und Mord an der Tagesordnung gewesen seien.

David Berkowitz äußerte, dass es allein in New York rund zwei Dutzend Mitglieder dieses Kults gäbe, die den inneren Kern ausmachten. Das seien jene »22 Schüler der Hölle«, die er in seinem Brief an Breslin erwähnt habe. Diese Gruppe besäße Verbindungen in den gesamten USA und sei in Drogengeschäfte und andere kriminelle Machenschaften verwickelt.

Die Mordserie in Wahrheit ein Mordkomplott?

1993 suchte Berkowitz den Kontakt zur Presse und machte die Sache publik. Fortan behauptete er, nur drei der Morde persönlich begangen zu haben, für die er verurteilt wurde: Donna Lauria, Valentina Suriani und Alexander Esau.

Bei den anderen Morden sei er lediglich in die Planung und das Auskundschaften der Opfer involviert gewesen oder habe Schmiere gestanden und das Fluchtfahrzeug gefahren. Berkowitz weigerte sich in den Interviews, die Namen anderer Beteiligter zu nennen. Er fürchte, dass andernfalls seinen Verwandten Unheil drohen könne.

Unter den namenlosen Komplizen sei auch ein weibliches Mitglied der Satanistengruppe gewesen. Sie habe auf Carl Denaro und Rosemary Keenan gefeuert. Die Opfer hätten nur überlebt, weil die Täterin nicht mit dem mächtigen Rückstoß des Revolvers klargekommen sei.

Berkowitz erklärte, dass mindestens fünf Mitglieder bei den Schüssen auf Christine Freund und John Diel vor Ort gewesen wären. Der Schütze sei ein prominenter Unterstützer des Kults gewesen, der nicht aus New York stamme und eigens angereist sei. Im Fall Stacy Moskowitz und Robert Violante sei der Schütze ebenfalls ein Auswärtiger gewesen.

David Berkowitz beschuldigt die Familie Carr

Zwei Mitglieder des Kults erwähnte Berkowitz dann doch namentlich: John und Michael Carr. Die zwei Söhne des Hundehalters Sam Carr, der bei Berkowitz um die Ecke in der Walburton Avenue wohnte und mit dem er zum Zeitpunkt der Morde über Kreuz lag. Beide Männer waren bereits lange tot, als Berkowitz seine Anschuldigungen vorbrachte. John Carr erlag in North Dakota einer Schussverletzung. Die Polizei ging von Selbstmord aus. Michael Carr starb 1979 bei einem schweren Verkehrsunfall.

Berkowitz behauptete, dass John Carr der Schütze bei dem Attentat auf Donna DeMasi und Joanne Lomino gewesen sei. Er fügte hinzu, dass ein Polizist aus Yonkers bei diesem Verbrechen geholfen habe. Michael Carr wiederum habe die Schüsse auf Sal Lupo und Judy Placido abgegeben.

Die Mitglieder des Kults hätten lange auf die Gelegenheit gewartet, jemanden vor dem »eléphas« töten zu können, weil der Name der Diskothek für die Satanisten von besonderer Bedeutung sei. Er erinnere an den französischen Okkultisten Eliphas Levi aus dem 19. Jahrhundert [Link zu Wikipedia-Artikel].

Maury Terry

Berkowitz’ Geschichte über die satanistische Verschwörung fand auch außerhalb der Gefängnismauern Anklang. Einer der wichtigsten Befürworter dieses Szenarios ist der Journalist Maury Terry. Bereits 1979 veröffentlichte er mehrere Artikel, in denen er erhebliche Zweifel an der offiziellen Version der Behörden äußerte.

Terry benannte etliche Ungereimtheiten und Widersprüche in den Ermittlungsakten. Die New Yorker Polizei wies die Vorwürfe zwar vehement zurück und tat sie als Sensationshascherei ab. Aber Terrys These, dass mehrere Täter die »Son of Sam«-Morde begangen hatten, fanden in der Öffentlichkeit Anklang.

1987 fasste Maury Terry seine Recherchen in dem Buch »The Ultimate Evil« zusammen. Der Autor beschrieb detailliert ein satanistisches Netzwerk, das sich über die USA ausgebreitet habe und außer für die »Son of Sam«-Mordserie auch für viele andere Verbrechen verantwortlich sei. Terry erntete für seine Thesen sogar von Leuten Zustimmung, welche die satanische Verschwörung als Blödsinn abtaten.

Dazu zählte unter anderem der Polizeikommissar Michael Novotny aus Yonkers, der gegen David Berkowitz ermittelt hatte. Der entscheidende Punkt an Terrys Buch war für ihn, dass es in den Ermittlungsakten tatsächlich von Hinweisen wimmelte, die auf die Beteiligung mehrerer Täter hindeuteten.

Das Rätsel der Phantombilder

Das stärkste Argument für verschiedene Tatbeteiligte waren die voneinander abweichenden Zeugenaussagen. Eine Vielzahl der befragten Zeugen beschrieben Personen, die nicht die geringste Ähnlichkeit mit David Berkowitz hatten. Man muss sich bloß die angefertigten Phantombilder anschauen, schon fallen einem die krassen Unterschiede ins Auge.

David Berkowitz - Son of Sam - Phantombilder
Phantombilder des „Son of Sam“, die das NYPD nach Zeugenaussagen fertigte

Doch mit Zeugenaussagen ist das so eine Sache. Wenn es nach Zeugenaussagen ginge, die Polizisten so in ihrem Berufsleben aufnehmen, wäre jeder Banküberfall, Straßenraub oder Verkehrsunfall mit Fahrerflucht Teil einer gigantischen satanistischen Verschwörung, so sehr unterscheiden sich Schilderungen häufig. Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich nicht, dass Aussagen von Augenzeugen generell nichts taugen. Aber Polizisten müssen sie zwangsläufig kritisch hinterfragen und überprüfen, ob sie mit der übrigen Spurenlage in Einklang zu bringen sind.

David Berkowitz kein Teamplayer

David Berkowitz hatte in seinem ursprünglichen Geständnis nicht einfach nur pauschal die Morde gestanden. Er hatte konkrete Angaben gemacht, wie er an den Tatort gelangt war, wie er seine Opfer ausgesucht hatte und wie seine Fluchtroute ausgesehen hatte. Er hatte darüber hinaus eindeutiges Täterwissen offenbart. Berkowitz behauptete nun, er habe dieses Wissen erlangt, weil er in alle Verbrechen involviert gewesen sei, auch wenn er nicht in jedem Fall geschossen habe.

Dem standen die Erkenntnisse von Psychologen und Ermittlern gegenüber, die sich sehr eingehend mit David Berkowitz beschäftigt hatten. Ihrem Urteil zufolge handelte es sich bei Berkowitz um einen äußerst introvertierten Einzelgänger, der gar nicht zur Teamarbeit fähig gewesen wäre, selbst wenn ihn jemand dazu aufgefordert hätte.

Die Experten vermuteten eher, Berkowitz habe sich eine Fantasie zurechtgezimmert, die ihn von der erdrückenden Last der Schuld zumindest teilweise befreite. Früher war er das Werkzeug eines Dämonen. Dann schrieb jemand ein Buch über eine satanistische Verschwörung. Also war er nun das Werkzeug einer obskuren Sekte. Hauptsache, er trug nicht alleine die Verantwortung für seine Taten.

Neue Ermittlungen

Dennoch rollte 1996 die Polizei von Yonkers den Fall neu auf. Was immer bei diesen Ermittlungen herauskam – das Material reichte nicht für eine neuerliche Anklageerhebung aus. Die Akte David Berkowitz ist offiziell immer noch offen, doch mangels neuer Erkenntnisse wird die Untersuchung seitdem nicht fortgeführt. Das New York Police Department hat sich erst gar nicht an den Ermittlungen beteiligt. Die dortige Polizei ist nach wie vor felsenfest davon überzeugt, dass Berkowitz der alleinige Täter war.

David Berkowitz und der Zodiac Killer

Es gibt auffällige Parallelen zwischen dem Fall David Berkowitz und dem Zodiac Killer, der Ende der 1960er im Raum San Francisco fünf Menschen tötete und bis heute nicht gefasst werden konnte. Wie David Berkowitz überfiel der Zodiac Killer in erster Linie junge Pärchen und wählte sie offenbar willkürlich aus. Auch der Modus Operandi von David Berkowitz und dem Zodiac Killer ähnelte sich.

Mehrfach griff der Zodiac Killer seine Opfer an Plätzen an, die man im amerikanischen Englisch „lovers‘ lane“ nennt. Orte, die dafür bekannt waren, dass sie junge Liebespaare anzogen. Der Zodiac Killer verübte vier Morde mit einer Schusswaffe, einmal benutzte er ein Messer. Und der Zodiac Killer schickte mehrfach rätselhafte Briefe an Polizei und Presse und löste damit einen riesigen Medienhype aus.

Laut den offiziellen Ermittlungsergebnissen geschah der erste Mord des Zodiac Killer im Dezember 1968. Zu dem Zeitpunkt war David Berkowitz gerade einmal 15 Jahre alt. Es ist also mehr als unwahrscheinlich, dass David Berkowitz der gesuchte Zodiac Killer war. Zudem gibt es keinen Hinweis darauf, dass Berkowitz jemals San Francisco besucht hat.

Die einzige Verbindung, die er zu dieser Region der USA hatte, war eine Stiefschwester, die dorthin verzogen war – allerdings nach 1971. Wahrscheinlicher ist, dass Berkowitz die intensive Berichterstattung über diesen spektakulären Fall verfolgt hatte und die Mordserie gewissermaßen als Blaupause für seine eigenen Verbrechen benutzte.

*****

Filme

Spielfilme (deutsch)

Summer of Sam

Die bekannteste Verfilmung des Stoffs stammt von Regisseur Spike Lee. In „Summer of Sam“ (1999) spielt die Mordserie allerdings nur eine Nebenrolle. Wie es der Titel bereits ausdrückt, geht es in dem Film in erster Linie darum, wie sich die Morde und das Klima der Angst auf die Bevölkerung von New York auswirken. 

Son of Sam

Dann hat der deutsche Filmemacher Ulli Lommel, der im amerikanischen Exil arbeitet, mal wieder zugeschlagen. Nichts gegen den Kollegen Lommel. Aber das ist nach dem „Green River Killer“ schon der zweite Serienmörder-Stoff, den er verfilmt hat und bei dem die Kritiken verheerend sind. Ich habe mir den Film nicht angeschaut, kann also weder zuraten noch abraten. Wer weiß. Vielleicht plant ja jemand gerade eine Ed-Wood-Gedächtnissause.

Out of the Darkness

Dann gibt es noch einen amerikanischen Fernsehfilm namens „Out of the Darkness“ (1985) mit Martin Sheen in der Hauptrolle. Ja, der Vater von Charlie Sheen und Emilio Estevez. Berühmt für seine Rolle als Captain Benjamin Willard in Coppolas „Apocalypse Now“ und als Darsteller des US-Präsidenten in der Serie „The West Wing“. Die „Son of Sam“-Verfilmung mit ihm soll solides Filmhandwerk sein, ist aber leider nicht als DVD verfügbar.

Dokumentation (deutsch)

Amerikas Albtraum – Die gefährlichsten Serienkiller der USA: Son of Sam

Eine Doku über David Berkowitz in Deutsch. Lief im deutschen Fernsehen innerhalb der Reihe „Amerikas Albtraum – Die gefährlichsten Serienkiller der USA“ (OT: Deranged) und ist 2009 für den Discovery Channel entstanden. Folgende Zeitzeugen treten in dem Film auf:

  • Carl Denaro, Opfer von David Berkowitz
  • Michael Lauria, Vater von Opfer Donna Lauria (Archivmaterial)
  • Eltern von Opfer Stacy Moskowitz (Archivmaterial)
  • Joe Coffey, NPYD
  • Joseph Borelli, NYPD
  • Richard Conlon, NYPD
  • Jim Horan, Kriminallabor NYPD
  • Martin Lubin, Psychiater
  • Jimmy Breslin, Journalist, dem David Berkowitz eines seiner Bekennerschreiben schickte
  • Cäcilia Davis, Zeugin, die David Berkowitz beim Mord an Stacy Moskowitz in der Nähe des Tatorts sah
  • Maury Terry, Buchautor
  • Kevin Murphy, Yonkers Police Department

Der Film zeigt reichlich Archivmaterial über New York, eine Stadt im Ausnahmezustand 1977. Viele Interviews mit Passanten über die rätselhaften Morde. Am Ende der Doku wird die Theorie näher erläutert, dass David Berkowitz nicht alleine gehandelt habe, sondern Teil eines Mordkomplotts gewesen sei.

Dokumentationen (englisch)

Zunächst mal ein fernsehgeschichtliches Kleinod, welches ich entdeckt habe. Der Fernsehsender ABC hat auf seiner Seite eine Originalreportage über den letzten Mord [Link zu abcnews.go.com] von David Berkowitz (Stacy Moskowitz) online gestellt. Und wer springt da als junger Reporter im Bild herum? Der bekloppte Geraldo Rivera. Erfinder des Reality-TV. Master of the Trash-TV. Stolzer Urahn unserer heutigen Fernsehherrlichkeit.

Born to Kill? – David Berkowitz – The Son of Sam

Die Doku über David Berkowitz stammt aus der britischen Reihe „Born to Kill?“ und ist 2012 entstanden. Neben Zeitzeugen, welche die Ermittlungen im Fall der Mordserie schildern, zeichnet die Dokumentation vor allen Dingen ein Psychogramm von David Berkowitz. Warum tötete der .44 Caliber Killer? Welche Motive hatte der „Son of Sam“ David Berkowitz für seine Morde? Folgende Zeitzeugen treten auf:

  • Robert Violante, Opfer von David Berkowitz
  • Joseph Coffey, NYPD
  • Ed O’Sullivan, NYPD
  • Paul Callan, Staatsanwaltschaft New York
  • Dr. Daniel W. Schwartz, ehemaliger Direktor des Kings County Hospital, in dem man David Berkowitz zahlreichen psychiatrischen Untersuchungen unterzog

 A & E Biography: David Berkowitz

Die David-Berkowitz-Doku entstand 1998 für den „Biography Channel“. Der interessante Punkt: Diese Dokumentation bemüht sich anhand der Biographie von David Berkowitz aufzuarbeiten, wie er sich zum Serienmörder entwickelte. Das Video enthält außerdem viele Ausschnitte aus einem Interview mit David Berkowitz von 1993. Folgende Zeitzeugen treten auf:

  • Michael Lauria, Vater von Opfer Donna Lauria
  • Mutter von Opfer Stacy Moskowitz (Archivmaterial)
  • Joe Coffey, NPYD
  • Dr. Daniel W. Schwartz, psychiatrischer Gutachter von David Berkowitz
  • Sheldon Greenberg, Strafverteidiger von David Berkowitz

 Investigative Reports – Son of Sam Speaks: The Untold Story

Eine etwas ältere Doku (1997) vom Sender A&E als digitale Abtastung von VHS. Diese Dokumentation enthält ein langes Interview mit David Berkowitz. Der Film schildert vor allen Dingen die angebliche Verschwörung, die hinter der Mordserie steckte, und benennt mitunter auch Verantwortliche.

 Inside Edition – David Berkowitz

Und zum Schluss die ursprüngliche „Enthüllungs“-Doku aus dem Jahre 1993, in der Autor Maury Terry für die Sendereihe „Inside Edition“ unter anderem den inhaftierten David Berkowitz interviewt. Berkowitz behauptet nun, er habe nur drei Menschen selber ermordet, in den anderen Fällen sei er lediglich Komplize gewesen. Die Doku ist von VHS digitalisiert worden, insbesondere die letzten 20 Minuten sind von der Bildqualität sehr schlecht. Neben David Berkowitz sind folgende Zeitzeugen im Interview zu sehen:

  • Tommy Zaino, Augenzeuge während des Anschlags auf Stacy Moskowitz und Robert Violante
  • Die Eltern von Stacy Moskowitz

Bücher

Bücher, die sich mit dem Serienmörder David Berkowitz aka „Son of Sam“ beschäftigen.

Romane (englisch)

Jonathan Mahler: Ladies and Gentlemen, The Bronx is Burning

Das Buch „Ladies and Gentlemen, The Bronx is Burning“ von Jonathan Mahler handelt nicht ausschließlich von den „Son of Sam“-Morden. In dem dokumentarischen Roman geht es um das Jahr 1977, eine Art Schicksals- und Wendejahr für New York, in dem David Berkowitz eben auch eine wichtige Rolle spielt. Das Buch fängt sehr gekonnt das Lebensgefühl und die Atmosphäre dieser Zeit ein. 

Der Titel geht auf einen Satz des bekannten Sportjournalisten Howard Cosell während einer Live-Reportage zurück. Das Fernsehen übertrug gerade ein Spiel der New York Yankees, die in der Bronx beheimatet sind. Die Yankees sind im amerikanischen Baseball etwa das, was der FC Bayern München im deutschen Fußball darstellt. Der Rekordmeister hatte aber seit 1962 nichts mehr gerissen – wie die ganze Stadt New York.

Im Verlauf des Spiels will die Fernsehregie eine Luftaufnahme des Stadions einblenden. Doch der Kameramann entdeckt eine riesige schwarze Rauchsäule, die aus dem umliegenden Stadtviertel gen Himmel steigt. Dieses Livebild kommentiert der Reporter mit dem inzwischen legendären Satz: „Ladies and Gentlemen. The Bronx is burning.“ Was so viel bedeutete wie: Diese Stadt ist komplett am Arsch. Alle Vorurteile bestehen völlig zurecht. Und das sah in diesem Moment jeder Amerikaner live und in Farbe.

Auf der Grundlage dieses Buchs von Jonathan Mahler entstand auch eine 6-teilige Mini-Serie mit John Turturro in der Hauptrolle. Die Serie gilt als sehr gelungen im Hinblick darauf, wie sie die Atmosphäre dieses Jahres 1977 einfängt.

 Jimmy Breslin & Dick Schaap: .44

Der Journalist Jimmy Breslin, dem ja eine gewichtige Nebenrolle innerhalb der Mordserie zukam, brachte zusammen mit Co-Autor Dick Schaap noch im Jahre 1977 einen fiktiven Roman heraus, der auf der wahren Geschichte basierte. Um sich Material für sein Buch zu besorgen, hatte er auch die Angehörigen der Opfer ausgehorcht. „Wir planen ein ganz SERIÖSES Buch …“ oder was immer er ihnen erzählte. Diese Leute reagierten natürlich not amused, als sie hörten, dass Breslin offensichtlich nur daran interessiert war, mit der Story einen schnellen Dollar zu verdienen.

Sachbücher (englisch)

George Carpozi: Son of Sam: The .44-Caliber Killer

Um einen ganz ähnlichen Schnellschuss wie bei Jimmy Breslin handelt es sich bei dem Buch „Son of Sam: The .44-Caliber Killer“ von George Carpozi. Musste halt noch zum Weihnachtsgeschäft 1977 fertig werden, um den damaligen Hype mitzunehmen. Das merkt man dem Buch auch an. Es geht durchaus als klassische Reportage über den Fall durch, aber bleibt recht oberflächlich. Und was der Autor angesichts der gebotenen Eile noch nicht in Erfahrung bringen konnte, saugt er sich mal eben schnell aus den Fingern.

 

Lawrence D. Klausner: Son of Sam: Based on the Authorized Transcription of the Tapes, Official Documents and Diaries of David Berkowitz

Deutlich umfangreicher und ausgereifter ist das Buch „Son of Sam: Based on the Authorized Transcription of the Tapes, Official Documents and Diaries of David Berkowitz“ von Lawrence D. Klausner, das 1981 erschien. Der Untertitel ist allerdings etwas irreführend. Man darf sich kein klassisches Sachbuch erwarten, in dem die Originaldokumente abgedruckt oder transkribiert wurden. Es ist ein typisches Buch aus dem True Crime-Genre. Die Originalzitate sind in Form von Dialogen oder O-Tönen in die Geschichte eingearbeitet.

 

Maury Terry: The Ultimate Evil

Dann gibt es noch das bereits erwähnte Buch „The Ultimate Evil“ von Maury Terry aus dem Jahre 1987. Überspitzt gesagt: Terry versucht alle Morde von Kain und Abel bis zur „Son of Sam“-Mordserie als Teil einer satanistischen Verschwörung zu schildern. Das Buch ist wirklich sehr umfangreich. Aber so fair muss man sein: Der Autor kann durchaus ansprechend und interessant schreiben.

 

David Abrahamsen: Confessions of Son of Sam

Der norwegische Psychiater David Abrahamsen hatte David Berkowitz nach seiner Verurteilung sehr ausführlich befragt. Zusätzlich hat er sich mit Verwandten, Mitschülern und Kollegen von Berkowitz unterhalten, um ein psychologisches Porträt des Serienmörders zu entwerfen. Abrahamsen konzentriert sich in dem Buch „Confessions of Son of Sam“ (1985) auf das Motiv, das hinter den Taten steckt.

 

George Calohan: My Search for the Son of Sam

Das Buch „My Search for the Son of Sam“ stammt von George Calohan, der zum Zeitpunkt der Mordserie als Chief Inspector beim New York Police Department beschäftigt war. Eigentlich würde man angesichts solch eines Autors eine spannende Reportage aus Sicht der Ermittler erwarten. Offensichtlich macht Calohan genau das nicht. Das Buch scheint mehr daran interessiert zu sein, die religiöse Erleuchtung des Autors zu transportieren.

 

Stephen & Kenneth Cender: A Serial Killer: David Berkowitz: Son of Sam/Son of Hope

In die Rubrik „Religiöser Erweckungsroman“ gehört schließlich auch das Buch „A Serial Killer: David Berkowitz: Son of Sam/Son of Hope“ von Stephen und Kenneth Cender aus dem Jahre 2001. In dem Buch geht es nicht um die Mordserie, sondern es schildert die Wandlung Berkowitz‘ vom Straftäter zum frommen Christen.

 

Sammelbände (deutsch)

Douglas, John/Olshaker, Mark: Die Seele des Mörders. 25 Jahre in der FBI-Spezialeinheit für Serienverbrecher.

 

Murakami, Peter/Murakami, Julia: Lexikon der Serienmörder.

Kapitelübersicht zum Fall David Berkowitz

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