Ted Bundy: Die Morde in Utah und Colorado

Im August 1974 erhielt Ted Bundy die Zulassung zum Jurastudium an der University of Utah. Er zog noch im selben Monat nach Salt Lake City und ließ seine Lebensgefährtin Elizabeth Kloepfer in Seattle zurück. Er telefonierte häufig mit ihr, betrog sie aber in dieser Phase mit mindestens einem Dutzend anderer Frauen, wie er später zugab.

Das Studium der Rechtswissenschaften entpuppte sich für Bundy als eine einzige Enttäuschung. Er hatte zuvor schon wenig Interesse gezeigt, Jura zu studieren, und sich von seiner Lebensgefährtin dazu überreden lassen. Nun musste er feststellen, dass er für dieses Studienfach weit weniger begabt war als andere Kommilitonen. Das kratzte an Bundys Selbstverständnis. Bisher hatte er sich immer als Überflieger in Sachen schulischer Leistungen gesehen.

Der Frust entlud sich in weiteren Morden. Die Tatsache, dass er sich durch den Umzug in einer neuen Umgebung zurechtfinden musste, hatte kaum Auswirkungen auf die Mordserie. Bereits sechs Wochen nach dem Doppelmord an Janice Ott und Denise Naslund schlug Ted Bundy erneut zu. Die beiden Morde, die er Anfang September und Oktober 1974 beging, blieben jedoch lange Zeit unentdeckt.

Die Wahrheit kam erst ans Licht, als er die Verbrechen kurz vor seiner Hinrichtung gestand. Am 2. September 1974 vergewaltigte und erdrosselte er im US-Bundesstaat Idaho eine Tramperin, deren Identität die Ermittlungsbehörden bis heute nicht feststellen konnten. Bundy warf ihre Leiche in einen nahe gelegenen Fluss. Am nächsten Tag kehrte er an die Stelle zurück, um den Leichnam zu fotografieren und zu zerstückeln.

Inhaltsverzeichnis

Nancy Wilcox

Am 2. Oktober überwältigte Ted Bundy die 16-jährige Nancy Wilcox in Holladay, einem Vorort von Salt Lake City. Er verschleppte sein Opfer in ein Waldgebiet. Der ehemalige Psychologiestudent hatte sich fest vorgenommen, dieses Mal die junge Frau »nur« zu vergewaltigen und anschließend laufen zu lassen, wie Bundy später behauptete. Es sei ein Versuch gewesen, seinen krankhaften Trieb unter Kontrolle zu bekommen.

Die Eigentherapie ging auf grauenhafte Weise schief. Ted Bundy erwürgte Nancy Wilcox. Ein Unfall, wie Bundy später beteuerte. Das Mädchen habe so laut geschrien und er habe sie nur zum Schweigen bringen wollen. Er verscharrte Nancy Wilcox in der Nähe des Capitol Reef Nationalpark, etwa 320 km südlich von Holladay. Ihre Überreste konnten jedoch nie geborgen werden.

Nancy Wilcox

Melissa Smith

Am 18. Oktober 1974 verschwand in Midvale, einem weiteren Vorort von Salt Lake City, Melissa Smith, die 17-jährige Tochter des örtlichen Polizeichefs, nachdem sie eine Pizzeria verlassen hatte. Neun Tage später fand man ihren nackten Leichnam in einem Gebirge am Rande von Salt Lake City. Der Täter hatte Melissa Smith erdrosselt und vergewaltigt. Die Obduktion offenbarte, dass das 17-jährige Mädchen vermutlich nach ihrer Entführung noch bis zu sieben Tage gelebt hatte.

Melissa Smith

Laura Aime

Am 31. Oktober, in der Nacht von Halloween, kidnappte Ted Bundy in Lehi, Utah, die ebenfalls erst 17-jährige Laura Aime. Wenige Tage später entdeckte ein Wanderer ihre Leiche in einem Fluss im Wasatch-Gebirge. Der Täter hatte Laura Aime mit einem Brecheisen niedergeschlagen, anschließend vergewaltigt und schließlich mit einem Nylonstrumpf erdrosselt. Aber offensichtlich entsprach der Fundort der Leiche nicht dem Tatort, denn die Polizei fand kein Blut. Jahre später stellte sich heraus, dass er beide Opfer wahrscheinlich in seine Wohnung verschleppt und dort getötet hatte.

Laura Aime

Carol DaRonch

Ted Bundy mordete in immer kürzeren Zeitabständen und ging noch höhere Risiken ein. Die Polizei hatte schließlich nach wie vor keinen Schimmer, wer für die Morde verantwortlich war. Am 8. November 1974, einem Freitag, wurde die 18-jährige Carol DaRonch von einem gut aussehenden jungen Mann in einer Buchhandlung angesprochen. Das Geschäft befand sich in einem Einkaufszentrum in Murray. Ganz in der Nähe hatte Bundy drei Wochen zuvor Melissa Smith entführt.

Der ihr unbekannte Mann stellte sich Carol DaRonch als »Officer Roseland« vor. Er behauptete, jemand habe versucht, ihr Auto aufzubrechen. Er forderte die junge Frau auf, ihn zu ihrem Wagen zu begleiten, um festzustellen, ob etwas gestohlen worden war. Carol DaRonch hielt Officer Roseland wegen seines selbstsicheren Auftretens im ersten Moment für einen Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts des Einkaufszentrums.

Man kann nur mutmaßen, dass Bundy seine Rolle sehr überzeugend spielte. Denn anders lässt sich nicht erklären, warum sich Carol DaRonch nicht fragte, wie der vermeintliche Wachmann so schnell den Namen der Fahrzeughalterin ermittelt hatte. Und wie sollte ihm das Kunststück gelungen sein, ausgerechnet in einem Einkaufszentrum die passende Person zu dem Namen zu finden?

Als die beiden den Wagen erreicht hatten, schaute sich Carol DaRonch im Innern ihres Wagens um. Es fehlte nichts. Officer Roseland ließ nicht locker. Nun verlangte er von Carol DaRonch, dass sie ihn zur nächsten Polizeiwache begleiten sollte, damit er dort eine Anzeige aufnehmen könne. Er führte sie zu einem VW-Käfer älteren Baujahrs.

Da wurde die junge Frau erstmals misstrauisch. Das sollte das Dienstfahrzeug eines Polizisten sein? Sie forderte Officer Roseland auf, sich auszuweisen. Der Mann zückte eine goldene Polizeimarke, hielt sie ihr kurz vor die Nase und sagte, er gehöre zum Murray Police Department. Carol DaRonch stieg in den Käfer ein. Ein großer Fehler, wie sie rasch merken sollte.

In der Falle

Denn Officer Roseland fuhr statt zum Polizeipräsidium in die genau entgegengesetzte Richtung. Dann hielt er plötzlich an, packte ihre Arme und versuchte, ihr Handschellen anzulegen. Carol DaRonch schrie wie am Spieß. Officer Roseland zog eine Pistole und drohte ihr, sie zu erschießen, wenn sie nicht sofort still sei. Er öffnete die Tür und schubste sie hinaus. Sie fiel zu Boden. Er stieg ihr hinterher und drückte sie an den Wagen. Er hielt jetzt statt der Pistole ein Brecheisen in der Hand und holte zum Schlag aus. Carol verpasste dem Angreifer geistesgegenwärtig einen Tritt zwischen die Beine.

Sie rannte schreiend auf die Straße. Einige Fahrzeuge hielten an. Carol DaRonch sprang in den erstbesten Wagen hinein. Sie war völlig aufgelöst, panisch, hysterisch. Der Fahrer hatte Schwierigkeiten, sie zu verstehen. Immerhin bekam er so viel mit, dass gerade ein Mann versucht hatte, sie umzubringen. Der Helfer fuhr Carol DaRonch zur nächsten Polizeiwache.

Der falsche Polizist

Als sie auf der Wache eintraf, baumelten an ihren Handgelenken immer noch die Handschellen, die Bundy versucht hatte, ihr anzulegen. Carol DaRonch erzählte den Polizisten unter Tränen von dem Verrückten, der sie fast erschlagen hätte. Und dass es sich dabei um einen Polizeibeamten handele. »Officer Roseland«. Die Polizisten schauten sich ratlos an. Ein Kollege dieses Namens war ihnen vollkommen unbekannt.

Natürlich schickte man umgehend eine Streife zum Tatort hinaus. Doch da war der falsche Polizist im VW-Käfer längst verschwunden. Immerhin lieferte Carol DaRonch eine sehr präzise Personenbeschreibung ihres Angreifers sowie des Autos. Später fanden die Techniker im Kriminallabor auch Blutspuren am Mantel von Carol DaRonch, die eindeutig vom Täter stammten. Er hatte sich beim Gerangel mit seinem Opfer verletzt. Die Spuren entsprachen Blutgruppe 0 – Ted Bundys Blutgruppe.

Am selben Abend, als Carol DaRonch nur knapp dem falschen Polizisten entkommen war, sprach ein gepflegt wirkender Mann an der Viewmont Highschool in Bountiful, dreißig Kilometer nördlich von Murray gelegen, die Regisseurin eines Theaterstücks an. Er fragte sie, ob sie ihm bei der Halterfeststellung eines Fahrzeugs behilflich sein könne. Die Frau war viel zu beschäftigt mit den Vorbereitungen für die Premiere ihres Stücks und wimmelte den Mann ab.

Einige Zeit später sprach derselbe Mann sie nochmals an. Sie ließ ihn erneut abblitzen. Als die Regisseurin ihn kurz darauf ein drittes Mal im Backstagebereich der Bühne erblickte, wurde sie ärgerlich. Die Selbstverständlichkeit und Penetranz, mit welcher der Fremde hier herumschlich, wo er nicht hingehörte, kam ihr seltsam und etwas unheimlich vor. Aber der Beginn der Vorstellung rückte immer näher, sodass sie darauf verzichtete, den Mann zur Rede zu stellen.

Debra Kent

Die 17-jährige Debra Kent, Schülerin an der Viewmont Highschool, besuchte die Theaterpremiere gemeinsam mit ihren Eltern. Sie verließ das Stück allerdings bereits vor dem letzten Vorhang. Sie hatte ihrem Bruder versprochen, ihn mit dem Wagen von der Rollschuhbahn abzuholen. Wenn alles nach Plan lief, würde sie noch vor Ende der Vorstellung in die Aula der Highschool zurückkehren. Doch weder ihre Eltern noch ihr Bruder sahen Debbie Kent an diesem Abend wieder.

Debra Kent

Die besorgten Eltern benachrichtigten die Polizei. Denn Debra Kents Wagen stand immer noch auf dem Parkplatz. Verschlossen. An der Bowlingbahn war sie nie eingetroffen. Die Streifenbeamten schauten sich den Wagen an. Direkt neben dem Fahrzeug entdeckte einer der Polizisten einen Schlüssel. Wie die Ermittlungen ergaben, handelte es sich dabei um einen Handschellenschlüssel.

Einer der Beamten kam auf die Idee, den Schlüssel an den Handfesseln auszuprobieren, die man am selben Tag bei Carol DaRonch sichergestellt hatte. Der Schlüssel passte. Zudem meldete sich ein Augenzeuge bei der Polizei. Er hatte in der fraglichen Nacht einen VW-Käfer beobachtet, der den Parkplatz der Highschool mit hoher Geschwindigkeit verlassen hatte.

Elizabeth Kloepfer wendet sich erneut an die Polizei

Im November 1974 las Elizabeth Kloepfer in der Zeitung von den vermissten Frauen, die rund um Salt Lake City verschwunden waren. Sie rief erneut bei der Polizei des King County in Seattle an. Dieses Mal gab sie sich zu erkennen und erschien persönlich auf dem Kommissariat, als sie der Kriminalbeamte Randy Hergesheimer zu einer Befragung vorlud. Ted Bundy rückte auf der Liste der Tatverdächtigen wieder weiter nach oben. Doch als Hergesheimer den zuverlässigsten Augenzeugen vom Lake Sammamish die Fotos von Bundy präsentierte, schüttelten diese nur den Kopf. Das sei nicht der Mann, den sie im Sommer am See beobachtet hätten.

Seitenansicht des Hauses in der 565 First Avenue in Salt Lake City, in dem Ted Bundy von September 1974 bis Oktober 1975 lebte. Zeigt die Feuerleiter, die Bundy verwendete, um zu seinem Zimmer im zweiten Stock zu schleichen, wenn er unbeobachtet bleiben wollte. Die Polizei nimmt an, dass Bundy einige seiner Opfer (Melissa Smith, Laura Aime, Debra Kent) dorthin verschleppt hat.
Quelle: Vidor, en.wikipedia.org

Elizabeth Kloepfer ließ nichts unversucht. Im Dezember 1974 rief sie direkt bei der Polizei von Salt Lake City an. Sie schilderte dem Beamten ihren Verdacht. Zwar nahm die dortige Mordkommission den Namen Ted Bundy zu den Akten, aber sie sahen zu diesem Zeitpunkt noch keine ausreichenden Verdachtsmomente, die Bundy mit den Morden in Verbindung brachten.

Caryn Campbell

Im Januar 1975 kehrte Ted Bundy nach Ende des Semesters für kurze Zeit zu Elizabeth Kloepfer zurück. Seine Lebensgefährtin erwähnte mit keinem Wort, dass sie ihn im Verdacht hatte, ein Serienmörder zu sein, und Bundy bereits dreimal bei der Polizei angeschwärzt hatte. Stattdessen heckte sie Pläne aus, ihren Freund im kommenden August in Utah zu besuchen. Die Pfade der Liebe sind mitunter unergründlich.

Im Januar 1975 verlegte Ted Bundy seine kriminellen Aktivitäten in den Nachbarstaat Colorado, blieb aber weiterhin in Salt Lake City wohnen. Caryn Campbell, ihr Verlobter Dr. Raymond Gadowski und seine beiden Kinder aus einer ersten Ehe hatten in Snowmass Village, 640 Kilometer südöstlich von Salt Lake City, einen Winterurlaub gebucht. Das Paar hatte ein stressiges Jahr hinter sich und sehnte sich nach etwas Entspannung. Die Kinder freuten sich darauf, endlich mal etwas mehr von ihrem Vater zu haben.

Caryn Campbell

Am Abend des 12. Januar 1975 saßen die vier Urlauber in der Lobby ihres Hotels »Wildwood Inn« und vertrieben sich die Zeit bis zum Essen. Caryn Campbell verschwand kurz, um sich eine Illustrierte zu holen, die sie auf ihrem Zimmer vergessen hatte. Sie kehrte nicht zurück. Gadowski nahm zunächst an, dass Caryn Campbell sich etwas hingelegt hatte. Tagsüber hatte sie verschnupft geklungen und über Kopfschmerzen geklagt. Vielleicht hatte sie sich erkältet. Gadowski schaute im Zimmer nach. Dort war Caryn Campbell nicht. Die Illustrierte lag noch immer an ihrem Platz. Gadowski wusste nicht, was er davon halten sollte.

Fund von Caryn Campbells Leiche

Erst am nächsten Vormittag, als Caryn Campbell immer noch spurlos verschwunden war, wandte er sich an die örtliche Polizei. Man durchsuchte daraufhin das gesamte Hotel. Die Beamten fanden keinerlei Hinweise, was mit Caryn Campbell geschehen war. Einen Monat später entdeckte ein Arbeiter den nackten Leichnam von Caryn Campbell neben einem Feldweg. Der Fundort lag nur wenige Kilometer vom Hotel entfernt.

Hotelgang des „Wildwood Inn“ in Snowmass Village, Colorado. An dieser Stelle entführte Ted Bundy Caryn Campbell am Abend des 12. Januar 1975. Quelle: Vidor, en.wikipedia.org

Die Leiche war bereits durch Wildfraß erheblich beschädigt, weshalb der Gerichtsmediziner die Todesursache nicht eindeutig benennen konnte. Aber für ihn war klar ersichtlich, dass Cary Campbell mehrere Schädelfrakturen erlitten hatte, die vermutlich tödlich gewesen waren. Der Täter hatte eine stumpfe Waffe benutzt, die markante Rillen auf dem linken Teil des Schädelknochens hinterlassen hatte. Zudem bemerkte der Pathologe tiefe Schnittwunden an mehreren Stellen des Körpers. Er stellte fest, dass der Mörder Caryn Campbell bereits wenige Stunden nach ihrem Verschwinden getötet hatte. Vermutlich hatte er sie auch vergewaltigt.

Julie Cunningham

160 Kilometer nordöstlich von Snowmass Village verschwand am 15. März 1975 die Skilehrerin Julie Cunningham, 26, aus dem bekannten Skiort Vail. Die junge Frau war mit ihrem Freund zum Abendessen verabredet gewesen. Ted Bundy gestand später gegenüber Kriminalbeamten aus Colorado, dass er sich Julie Cunningham auf Krücken genähert hatte.

Er habe sie gebeten, ihm seine Skistiefel zum Auto tragen. Dort angekommen habe er sie niedergeschlagen und mit Handschellen gefesselt. Vergewaltigt und erwürgt habe er Julie Cunningham dann in der Nähe von Rifle, Colorado, etwa 140 Kilometer westlich von Vail. Einige Wochen später sei er nochmals zum Leichenversteck zurückgekehrt und habe dafür auch eine sechsstündige Anreise von Salt Lake City aus in Kauf genommen.

Julie Cunningham

Denise Oliverson

Am 6. April 1975 fuhr die 25-jährige Denise Oliverson mit dem Fahrrad zum Haus ihrer Eltern in Grand Junction, einer Stadt an der Grenze von Utah und Colorado. Auf dem Weg dorthin fiel sie Ted Bundy in die Hände. Man fand ihr Fahrrad und ihre Sandalen in der Unterführung einer Eisenbahnbrücke.

Denise Oliverson

Lynette Culver

Einen Monat später, am 6. Mai, lockte Ted Bundy die 12-jährige Lynette Culver während der Mittagspause vom Schulhof der Alameda Junior High School in Pocatello, Idaho, in seinen VW-Käfer. Pocatello lag etwa 250 Kilometer nördlich von Salt Lake City. Bundy verschleppte das Mädchen in das „Holiday Inn“, wo er ein Zimmer angemietet hatte. Dort ertränkte er Lynette Culver in der Badewanne und verging sich anschließend an der Leiche. Ihren Leichnam warf er in einen Fluss nördlich von Pocatello, wahrscheinlich in den Snake River.

Lynette Culver

Fund weiterer Leichen am Taylor Mountain

Etwa zur gleichen Zeit entdeckte man in Washington die Leiche von Brenda Ball nur 15 Kilometer entfernt von der Stelle, an der man die sterblichen Überreste von Janice Ott und Denise Naslund geborgen hatte. Brenda Ball war im Juni 1974 in Burien verschwunden, als sie die »Flame Taverne« verlassen hatte. Brenda Ball war wie Ott und Naslund durch stumpfe Schläge auf den Kopf zu Tode gekommen.

Nach dem Fund von Brenda Balls Leiche durchkämmte die Polizei großflächig das Areal am Taylor Mountain. Die Beamten befürchteten, dass der Täter dort weitere Opfer versteckt hatte. Die Befürchtungen sollten sich bewahrheiten. Wenige Tage später stieß man auf den Leichnam von Susan Rancourt, die ebenfalls seit dem vorangegangenen Sommer vermisst wurde.

Kurze Zeit darauf entdeckte man zwei weitere Frauenleichen: Lynda Healy und eine Frau, die man nicht identifizieren konnte. Alle Opfer wiesen schwere Kopfverletzungen auf. Der zuständige Gerichtsmediziner und die Ermittler vermuteten inzwischen, dass es sich bei der Tatwaffe um ein Brecheisen handeln könne.

Ted Bundy schmiedet Heiratspläne

Ted Bundy reiste Anfang Juni erneut für eine Woche nach Seattle, um Elizabeth Kloepfer zu besuchen. Das Paar schmiedete Pläne, an Weihnachten zu heiraten. Bundys Lebensgefährtin erwähnte bei dieser Gelegenheit mit keinem Wort, dass sie sich in der Vergangenheit an die Polizei des King County und von Salt Lake City gewandt hatte. Andererseits hatte auch Ted Bundy seine Geheimnisse, wie etwa ein Verhältnis mit seiner Ex-Kollegin Carole Ann Boone und einer Jurastudentin in Utah. Ganz zu schweigen von den 17 Morden, die er bis dahin mindestens begangen hatte.

Susan Curtis

Nachdem Bundy nach Salt Lake City zurückgekehrt war, setzte sich die Mordserie fort. Am 28. Juni verschwand Susan Curtis vom Campus der Brigham Young Universität in Provo, 70 Kilometer südlich von Salt Lake City. Der Mord an Susan Curtis sollte später das letzte Geständnis werden, das Ted Bundy Minuten vor seiner Hinrichtung ablegte. Die Leichname von Nancy Wilcox, Debra Kent, Julie Cunningham, Lynette Culver, Denise Oliverson und Susan Curtis wurden allerdings nie gefunden.

Susan Curtis

Die Erfindung der Rasterfahndung

Im US-Bundesstaat Washington standen die Ermittler im Sommer 1975 immer noch vor einem Rätsel. Im Jahr zuvor hatte ein Mörder acht junge Frauen getötet und dann die Mordserie abrupt beendet. Inzwischen hatten die Beamten aufgrund der Leichenfunde unzählige Spuren gesichert und noch mehr Hinweise gesammelt, ohne einen blassen Schimmer zu haben, ob sich der Name des Täters bereits in den Ermittlungsakten befand. Die Aufgabe glich der sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Um der schieren Masse an Informationen Herr zu werden, tüftelte die Sonderkommission einen Plan aus, der Kriminalgeschichte schreiben sollte. Es war die Geburtsstunde der Rasterfahndung. Die Ermittler fütterten einen Computer mit den Namen von diversen Listen, die man in den vergangenen Monaten zusammengetragen hatte: Klassenkameraden und Bekannte der Opfer; Eigentümer eines VW-Käfers, die mit Vornamen Ted hießen; registrierte Sexualstraftäter.

Man griff dazu auf den Computer zurück, der für das King County die Lohnbuchhaltung regelte. Aus heutiger Sicht eine primitive Maschine, aber damals der einzige Rechner in Behördeneigentum, der zu solch komplexen Datenabgleichen in der Lage war.

So reduzierten sich die Tausenden von Namen auf überschaubare 26 Personen, die gleichzeitig auf vier separaten Listen aufgetaucht waren. Darunter befand sich auch Ted Bundy. Zusätzlich hatten die Kriminalbeamten auch eine handschriftliche Liste mit ihren 100 vielversprechendsten Verdächtigen zusammengetragen, in der Bundy ebenfalls geführt war.

Die Sonderkommission des King County stand also im August 1975 kurz davor, den wahren Mörder dingfest zu machen. Doch letztlich blieb ihre Arbeit für die Katz. Denn ihre Kollegen aus Utah kamen ihnen wenige Tage zuvor.

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