Ted Bundy gestand insgesamt 31 Morde, aber die tatsächliche Zahl der Opfer bleibt wohl immer ein Geheimnis. Bundy hatte selber mehrfach Andeutungen gemacht, dass den Ermittlern nur ein Bruchteil seiner Verbrechen bekannt war. 1980 äußerte er zum Beispiel in einem Interview, dass auf jeden Mord, den man ihm zuschreibe, ein weiteres Todesopfer hinzukäme.
Als FBI-Agenten sich mit ihm über die Gesamtzahl der Opfer unterhielten und die Zahl 36 in den Raum stellten, äußerte sich Bundy wie folgt: »Hängen Sie noch eine Null hinten dran und dann haben Sie die richtige Zahl.« Polly Nelson, seiner Anwältin, wiederum erzählte Bundy, dass die Zahl 35 korrekt sei. Robert Keppel, der die Ermittlungen in Washington geleitet hatte, war nach den zahlreichen Verhören von Bundy überzeugt, dass die Summe der Mordopfer weit darüber lag.
An Abend vor Bundys Hinrichtung unternahm FBI-Agent William Hagmeier einen letzten Versuch, die Frage zu klären. Er ging mit Bundy Bundesstaat um Bundesstaat durch. Ted Bundy gestand folgende 31 Opfer:
- Washington: Elf Opfer, von denen acht namentlich bekannt sind (darunter auch Kathleen Parks, die Bundy in Oregon entführte, aber in Washington tötete); drei Frauen, die nicht identifiziert werden konnten
- Utah: acht Opfer (fünf bekannt, drei nicht identifiziert)
- Colorado: vier Opfer (alle bekannt)
- Florida: drei Opfer (alle bekannt)
- Oregon: zwei Opfer (beide nicht identifiziert)
- Idaho: zwei Opfer (eines bekannt, eines nicht identifiziert)
- Kalifornien: ein Opfer (nicht identifiziert)
Allerdings äußerte Ted Bundy 1987 gegenüber Robert Keppel, dass er einige Morde begangen habe, über die er nie sprechen würde, weil sie entweder zu nahe an seinem Zuhause, zu nahe an seinem familiären Umfeld stattgefunden hätten oder die Opfer zu jung gewesen seien, als dass er darüber reden wolle.
Inhaltsverzeichnis
Ted Bundy – Kapitel 8
Ann Marie Burr
Zu dieser letztgenannten Gruppe könnte die achtjährige Ann Marie Burr gehören. Sie verschwand am 31. August 1961 aus ihrem Elternhaus in Tacoma, Washington. Damals war Ted Bundy 14 Jahre und arbeitete als Zeitungsausträger. Das Haus der Burrs lag auf seiner täglichen Route.
Ann Marie Burrs Vater war sicher, Bundy am Tag des Verschwindens seiner Tochter auf einer Baustelle gesehen zu haben. Die Baustelle lag auf dem benachbarten Campus der University of Puget Sound. Der Vater von Ann Marie Burr behauptete, Ted Bundy habe sich dort in einer Baugrube versteckt.

Es gab wohl auch noch andere Indizien, die für Bundys Schuld sprachen. Aber die Kriminalbeamten, die den Fall untersuchten, schließen bis heute aus, dass Bundy etwas mit dem Verbrechen zu tun hatte. Auch Bundy selbst stritt wiederholt ab, der Mörder von Ann Marie Burr gewesen zu sein. Er schrieb sogar einen Brief an die Familie Burr, in dem er versicherte, die Tat nicht begangen zu haben.
2011 unternahm man erneut einen Anlauf, den Fall zu klären. Man verglich Spurenmaterial vom Tatort mit der DNA von Ted Bundy. Das Beweismaterial hatte jedoch die lange Lagerzeit von 50 Jahren nicht unbeschadet überstanden. Der DNA-Vergleich konnte deshalb nicht durchgeführt werden.
Lisa E. Wick und Lonnie Trumbull
Am 23. Juni 1966 drang ein unbekannter Täter in die Souterrainwohnung der beiden Flugbegleiterinnen Lisa E. Wick und Lonnie Trumbull (beide 20) ein. Die Wohnung befand sich in Queen Anne Hill, einem Stadtteil von Seattle, und lag in der Nachbarschaft eines Supermarkts, in dem Bundy zum Zeitpunkt des Überfalls arbeitete. Lisa Wick und Lonnie Trumbull waren dort regelmäßige Kundinnen.
Der Täter überraschte die beiden Frauen im Schlaf und schlug mit einem Holzknüppel auf sie ein. Lonnie Trumbull starb in Folge der Attacke und Lisa E. Wick hatte nach den Schlägen auf den Kopf einen dauerhaften Gedächtnisverlust erlitten. Ted Bundy leugnete, die Tat begangen zu haben, und konkrete Beweise gegen ihn tauchten nie auf.
Susan Davis und Elizabeth Perry
Die beiden 19-jährigen Studentinnen Susan Davis und Elizabeth Perry verbrachten zusammen ihren Urlaub im Bundesstaat New Jersey. Am 30. Mai 1969 fand man ihren Pkw neben dem Garden State Parkway nahe der Stadt Somers Point. Die Leichen der Frauen entdeckte man drei Tage später in einem nahe gelegenen Waldstück.
Im Gespräch mit dem forensischen Psychologen Art Norman hatte Ted Bundy erwähnt, dass er 1969 zwei Frauen in der Nähe von Atlantic City ermordet habe. Zwischen Januar und Mai 1969 studierte Bundy an der Temple University in Philadelphia. Die Stadt lag etwa 100 Kilometer nördlich vom Tatort entfernt.

Möglicherweise hatte Ted Bundy für diesen Doppelmord bereits auf seinen Trick mit dem falschen Gipsverband zurückgegriffen. Seine Tante Julia Cowell erinnerte sich nämlich, dass er am Wochenende des Verbrechens einen Gips am Bein getragen habe. Er habe ihr gesagt, dass er sich das Bein infolge eines Autounfalls gebrochen habe.
Aber wie die Ermittlungen ergaben, existierten keinerlei Unterlagen über solch einen Unfall, in den Bundy verwickelt gewesen sein könnte. Das Verbrechen gilt als ungeklärt, doch die zuständigen Ermittler halten Bundy nach wie vor für den Hauptverdächtigen.

Rita Curran
Die 24-jährige Rita Curran wurde am 19. Juli 1971 tot in ihrer Souterrainwohnung in Burlington, Vermont aufgefunden. Der Täter hatte die 24-jährige Grundschullehrerin, die nebenbei als Zimmermädchen in einem Motel jobbte, vergewaltigt, erschlagen und erwürgt. Das Motel, in dem Rita Curran arbeitete, stand direkt neben dem Heim für ledige Mütter, in dem Ted Bundy zur Welt gekommen war. Die Spurenlage am Tatort wies viele Ähnlichkeiten zu anderen Verbrechen von Bundy auf.

Es existierten zwar keine eindeutigen Beweise, dass sich Bundy zum Tatzeitpunkt in Burlington aufgehalten hatte. Jedoch gab es in den Archiven der Stadtverwaltung von Burlington eine Aktennotiz, die besagte, dass in den Tagen rund um den Mord eine Person mit dem Namen »Bundy« von einem Hund gebissen worden war. Wo sich Ted Bundy im Sommer 1971 genau herumgetrieben hatte, war der Polizei unbekannt. Aber dass er sein Geburtshaus besichtigte hatte, klang zumindest nicht unplausibel. Offiziell gilt der Fall Rita Curran aber als ungeklärt.
Joyce LePage
Die 21-jährige Joyce LePage wurde zuletzt am 22. Juli 1971 auf dem Campus der Washington State University in Seattle gesehen. Neun Monate später fand man ihre Leiche in einer Schlucht bei Pullman, Washington. Der skelettierte Leichnam war in einer Militärdecke und einem Teppich verschnürt. Es gab in diesem Fall mehrere Tatverdächtige, darunter auch Ted Bundy. An diesem Stand der Dinge hat sich bis heute nichts geändert.

Rita Lorraine Jolly und Vicki Lynn Hollar
Rita Lorraine Jolly (17) verschwand am 29. Juni 1973 aus West Linn, Oregon. Vicki Lynn Hollar (24) aus Eugene, Oregon, galt seit dem 20. August 1973 als vermisst. Ted Bundy hatte kurz vor seiner Hinrichtung zwei Morde in Oregon gestanden, ohne allerdings Namen zu nennen oder konkrete Hinweise zu geben, die eine Identifizierung möglich gemacht hätten. Mordermittler aus Oregon halten es aber für wahrscheinlich, dass es sich bei den erwähnten Opfern um Rita Jolly und Vicki Hollar handeln könnte.


Katherine Frohe Devine und Brenda Baker Joy
Die 14-jährige Katherine Frohe Devine wurde am 25. November 1973 entführt. Ihre Leiche entdeckte man einen Monat später im Capitol State Forest in der Nähe von Olympia, Washington. Die ebenfalls 14-jährige Brenda Baker Joy wurde zuletzt gesehen, als sie am 27. Mai 1974 in der Nähe von Puyallup, Washington, trampte. Den Leichnam fand man einen Monat später im Millersylvania State Park.
Die zuständigen Ermittler waren überzeugt, dass Ted Bundy der Mörder war. Bundy stritt im Gespräch mit Robert Keppel jede Tatbeteiligung ab. 2002 sorgte eine DNA-Analyse im Fall Katherine Devine für Klarheit. Der Täter war ein mehrfach wegen Vergewaltigung vorbestrafter Mann namens William E. Cosden. Der Mord an Brenda Baker Joy ist nach wie vor ungeklärt.


Sandra Jean Weber
Sandra Jean Weber, 19, wurde letztmalig am 1. Juli 1974 in Salt Lake City gesehen. Sie stammte ursprünglich aus Wisconsin, lebte aber zum Zeitpunkt ihres Verschwindens in Tooele, Utah. Man fand ihren nackten Leichnam am folgenden Tag in der Nähe von Grand Junction, Colorado. Angeblich nannte Ted Bundy ihren Namen am Abend vor seiner Hinrichtung. Die Quellen widersprechen sich jedoch. Bis dato gilt der Mordfall offiziell als ungeklärt.
Carol L. Valenzuela
Carol L. Valenzuela (20) war am 2. August 1974 in der Nähe von Vancouver, Washington, als Anhalterin unterwegs. Zwei Monate später entdeckte man ihre Leiche südlich von Olympia. Neben ihren sterblichen Überresten lag ein zweiter Leichnam, den man bisher nicht identifizieren konnte. Bei der unbekannten Toten handelte es sich um eine Frau, die ebenso wie Carol Valenzuela langes Haar trug, das in der Mittel gescheitelt war.
Die Polizei konnte anhand der Kreditkartenabrechnung nachweisen, dass Ted Bundy Anfang August 1974 von Seattle nach Salt Lake City aufgebrochen war. Theoretisch hätte er in Vancouver einen »Zwischenstopp« einlegen können. Ansonsten gibt es aber keinen Beweis dafür, dass Bundy der Mörder von Carol Valenzuela war.
Arlis Perry
Die 19-jährige Arlis Perry kam unter mysteriösen Umständen in der Campuskirche der kalifornischen Eliteuni Stanford ums Leben. Man fand ihre Leiche in den frühen Morgenstunden des 12. Oktober 1974 nahe dem Altar. Der unbekannte Mörder hatte Arlis Perry vergewaltigt, geschlagen, gewürgt und schließlich mit einem Eispickel erstochen.
Als die Polizei Ted Bundy 1975 in Utah verhaftete, entdeckte sie in seinem VW-Käfer unter den übrigen Mordwerkzeugen einen Eispickel. Zudem kannte Bundy die Uni von Stanford, weil er dort im Sommer 1968 ein Stipendium ergattert hatte. Seine große Liebe Stephanie Brooks lebte in San Francisco, was nur 60 Kilometer von Stanford entfernt lag.

Allerdings sprachen auch einige Gründe gegen die Täterschaft von Ted Bundy. Zum einen hatte er sich bereits im Februar 1974 von Stephanie Brooks getrennt und den Kontakt komplett eingestellt. Im Oktober 1974 hielt er sich nachweislich in Salt Lake City auf. Er hätte eine Anfahrt von 1.200 Kilometern (eine Strecke) in Kauf nehmen müssen, um diesen Mord begehen zu können.
Zudem war den Ermittlern bekannt, dass er am 11. Oktober in Salt Lake City getankt hatte und am Morgen des 13. Oktober um 3.24 Uhr in seiner Wohnung ein Telefongespräch geführt hatte. Zwar war es theoretisch möglich, dass er den Mord zwischen diesen beiden zeitlich erfassten Ereignissen begangen hatte, aber es war sehr unwahrscheinlich.
UPDATE: Inzwischen gilt der Mord an Arlis Perry als geklärt. Mutmaßlicher Täter war ein Wachmann auf dem Universitäts-Campus, der sich der Verhaftung durch Selbstmord entog.
Melanie Suzanne Cooley
Suzy Cooley (18) verschwand am 15. April 1975, nachdem sie die Nederland High School in Nederland, Colorado, verlassen hatte. Straßenarbeiter fanden ihre Leiche zwei Wochen später in 30 Kilometer Entfernung im Coal Creek Canyon. Es gibt Quellen, die behaupten, Bundy habe am Tag des Verschwindens von Cooley im nahe gelegenen Golden getankt. Das FBI hat anhand der Kreditkartenbelege und anderer dokumentierter Quellen die vollständigste Übersicht über den Verbleib von Bundy aufgestellt. Dort kann man für die relevanten Tage andere Angaben nachlesen:
- 14. April 1975: Bundy tankt in Salt Lake City
- 15. April 1975: Bundy besucht Vorlesung an der University of Utah, Salt Lake City
- 17. April 1975: Bundy tankt in Salt Lake City
Auch die zuständigen Ermittlungsbehörden im Jefferson County in Colorado halten die Indizien, die in diesem Fall für Bundys Schuld sprechen, nicht für schlüssig. Der Fall bleibt ungeklärt.

Shelley Kay Robertson
Shelly Robertson (24) aus Golden, Colorado, erschien am 1. Juli 1975 nicht zur Arbeit. Zwei angehende Bergbauingenieure fanden ihren nackten Leichnam auf einer Exkursion in einer Mine am Berthoud Pass in der Nähe des Winter Park Resort. Auch in diesem Fall hat Bundy angeblich zum Zeitpunkt des Verschwindens in der Nähe getankt, obgleich die offizielle Zeitleiste des FBI nichts davon vermerkt. Der Fall gilt als ungeklärt.
Nancy Perry Baird
Nancy Perry Baird (23) verschwand am 4. Juli 1975 spurlos von ihrem Arbeitsplatz. Sie arbeitete in einer Tankstelle in Farmington, Utah, etwa 30 Kilometer nördlich von Salt Lake City. Bundy hat ausdrücklich verneint, etwas mit ihrem Mord zu tun zu haben.

Debbie Smith
Die 17-jährige Debbie Smith wurde zuletzt Anfang Februar 1976 in Salt Lake City gesehen. Das war unmittelbar vor Beginn des Prozesses wegen Entführung von Carol DaRonch. Bundy war bis zu seiner Verurteilung auf Kaution draußen. Debbie Smiths Leiche fand man am 1. April 1976 in der Nähe des Flughafens von Salt Lake City. Der Fall gilt nach wie vor als ungeklärt.
* * * * *
Bücher zum Fall Ted Bundy
Über den Fall Ted Bundy ist eine Menge Literatur erschienen. Die Bücher lassen sich grob in zwei Gruppen unterteilen: a) die Autoren haben eine persönliche Beziehung zu dem Fall; b) es handelt sich um professionelle Sachbuchautoren.
Autoren, die Ted Bundy kannten
Ann Rule: The Stranger Beside Me
Ann Rule vereint beide Merkmale in einer Person. „The Stranger Beside Me“ war 1980 ihr großer Durchbruch als Bestsellerautorin im Bereich True Crime. Der besondere Clou an ihrem Buch: Ann Rule hatte Anfang der 1970er ein Jahr lang zusammen mit Ted Bundy für die Telefon-Seelsorge in Seattle gearbeitet. Die beiden verstanden sich auf Anhieb gut, freundeten sich an, tauschten sich über persönliche Dinge aus.
Während der Mordserie arbeitete die ehemalige Polizistin Ann Rule aber auch als Autorin für ein True-Crime-Magazin. Sie hatte gute Beziehungen zu den Ermittlungsbehörden im Bundesstaat Washington und war deshalb an einigen Tatorten der Mordserie. In der Summe ergeben all diese persönlichen Erfahrungen eine authentische Schilderung des Falls und der Hauptfiguren.
Robert Keppel: The Riverman: Ted Bundy and I Hunt for the Green River Killer
Robert Keppel war während der Mordserie leitender Ermittler in Seattle und untersuchte die Verbrechen, die Ted Bundy in Washington beging. Später wirkte er als Berater der Polizeibehörden bei anderen spekatulären Verbrechensserien wie der Jagd nach dem „Atlantic Child Murderer“ Wayne Williams oder dem „Green River Killer“ Gary Ridgway mit.
Das Buch „The Riverman: Ted Bundy and I Hunt for the Green River Killer“ schildert sehr detailliert die Gespräche, die Keppel Mitte der 1980er Jahre mit Ted Bundy führte. Bundy hatte angeboten, eine Art Täterprofil für den „Green River Killer“ zu entwickeln. Keppel geht aber auch auf andere Morde ein, die Bundy begangen hatte. Nachteil des Buchs: Es ist nicht unbedingt schlüssig strukturiert. Man sollte sich keine durchgängig erzählte Geschichte erwarten, die Bundys Verbrechen und die anschließenden Ermittlungen beschreibt.
Robert Keppel & Stephen Michaud: Terrible Secrets: Ted Bundy on Serial Murder
Das Buch wiederholt etliche Informationen, die bereits in Keppels „The Riverman“ oder in Stephen Michauds Büchern über den Fall (siehe unten) veröffentlicht wurden, aber auch ein paar neue Details aus den Verhören und Gesprächen mit Ted Bundy.
Momentan nur als E-Book vefügbar.
Polly Nelson: Defending the Devil
Polly Nelson gehörte dem Verteidigerteam von Ted Bundy an und hatte ungefähr drei Jahre mit ihrem Klienten zu tun. Das Buch schilderte weniger die Mordfälle, sondern mehr die Person Bundy und natürlich die juristische Seite des Falls.
Elizabeth Kendall: The Phantom Prince: My Life With Ted Bundy
Elizabeth Kendall ist das Pseudonym der langjährigen Lebensgefährtin von Ted Bundy. Unter dem Titel „The Phantom Prince: My Life With Ted Bundy“ hat sie ihre eigene Sicht auf die Person Bundy und ihre Rolle in dem Mordfall (sie gab der Polizei einen Hinweis darauf, dass ihr Freund der gesuchte Täter sein könnte) dargelegt.
Sonstige Sachbuchautoren
Stephen Michaud & Hugh Aynesworth: The Only Living Witness
„The Only Living Witness: The True Story of Serial Sex Killer Ted Bundy“ von Stephen Michaud und Hugh Aynesworth ist ein Mix aus Sachbuch (Schilderung der Ermittlungsarbeit und Mordserie) und einem langen Interview mit Bundy über die Fälle. Ted Bundy stand bei Entstehung des Buchs noch als Angeklagter vor Gericht und stritt jegliche Tatbeteiligung ab. Michaud und Aynesworth köderten ihn mit einem Trick. Bundy möge doch bitte über die Person spekulieren, die diese Taten, die da verhandelt wurden, begangen hatte. Bundy schluckte den Köder.
Stephen Michaud & Hugh Aynesworth: Ted Bundy, Conversations with a Killer
Stephen Michaud und Hugh Aynesworth legten mit „Ted Bundy, Conversations with a Killer“ noch einen zweiten Titel nach. Das Buch basiert auf Gesprächen, die sie mit Bundy auch nach seiner Verurteilung weiterführten und rund 150 Stunden umfassen.
Da dieses Material auch die Grundlage für die Netflix-Serie über Bundy war, hat man das Buch nochmals unter leicht verändertem Titel neu herausgebracht: „Ted Bundy: Conversations with a Killer: The Death Row Interviews“ (2019)
Kevin Sullivan: The Bundy Murders: A Comprehensive History
„The Bundy Murders: A Comprehensive History“ von Kevin Sullivan ist ein neueres Buch über den Fall Ted Bundy (2009 erschienen). Es umfasst die bekannten Fakten und fügt eine Reihe neuerer Informationen hinzu, so zum Beispiel zu den Mordfällen Lynette Culver, Julie Cunningham und Caryn Campbell. Sullivans Buch ist also auf dem aktuellen Stand der Forschung in Sachen Bundy.
Richard Larsen: The Deliberate Stranger
Richard Larsen schrieb mit „Bundy: The Deliberate Stranger“ das erste Sachbuch zum Thema, unmittelbar nach Prozessende. Die Details, die Bundy später in den Interviews, die er während seiner Haftzeit gab, offenbarte, fehlen also noch. Dafür ist das Buch aber noch näher am Zeitpunkt des Geschehens dran, die Erinnerungen der befragten Personen noch frischer. Das Buch diente auch als Vorlage für eine Verfilmung des Stoffs.
Al Carlisle: I’m Not Guilty
Der Psychologe Dr. Al Carlisle hatte Ted Bundy nach seiner ersten Verhaftung in Utah als Gutachter untersucht. Der Fall ließ ihn danach nicht mehr los. Er führte Gespräche mit Freunden, Verwandten, Nachbarn, Ermittlern und überlebenden Opfern, um die Geschichte des Serienmörders möglichst lückenlos zu rekonstruieren. Für sein Buch „I’m not guilty“ hat er ein fiktives Gespräch gewählt, das er mit Ted Bundy kurz vor dessen Hinrichtung führt und in dem alle Fakten auf den Tisch kommen.
Ich bin mir nicht sicher, ob es sich inhaltlich exakt um das gleiche Buch handelt. Aber unter dem Titel „Violent Mind: The 1976 Psychological Assessment of Ted Bundy“ ist 2017 ein weiteres Buch von Al Carlisle erschienen, das auf seinem Gutachten von 1976 beruht.
Filme zum Fall Ted Bundy
Spielfilme
Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile (2019)
Biografischer Thriller über Ted Bundy, der auch in deutscher Synchronisation erhältlich ist. Die Hauptrolle übernahm Zac Efron, Regie führte Joe Berlinger.
Ted Bundy – Der Film
Der Psychothriller „Ted Bundy – Der Film“ (2002) von Matthew Bright (Hauptrolle: Michael Reilly Burke) hält sich am ehesten an die reale Geschichte. Verzichtet auf billige Schockeffekte, ist gestalterisch eher nüchtern, weniger modernes Action-Kino. Okay. 35 Morde hintereinander sind harte Kost genug. Psychologischen Tiefgang sucht man in dem Werk aber vergebens. Dieser Ted Bundy-Film ist in Deutsch erhältlich.
Der Fall: Ted Bundy
„Der Fall: Ted Bundy – Serienkiller“ (Film von 2008) mit Corin Nemec als Ted Bundy und Michael Feifer als Regisseur irrlichtert irgendwo zwischen Horror-Film und Dokudrama. Mein Geschmack ist das nicht. Aber die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Dieser Ted Bundy-Film ist in Deutsch erhältlich.
Alptraum des Grauens
„Alptraum des Grauens – Nachts wird er zur Bestie“ (1986) mit Mark Harmon als Ted Bundy ist die Verfilmung, die nach Meinung vieler Zuschauer am gelungensten ist. Allerdings ist der Film in der deutschen Fassung im Moment nicht erhältlich. Kann sich bekanntlich ändern, deshalb verlinke ich den Film dennoch (1. Link). Beim 2. Link handelt es sich um die amerikanische Originalfassung (OT: „The Deliberate Stranger“, Regie: Marvin J. Chomsky)
Das Schweigen der Lämmer
Schließlich noch ein Film, der nicht wirklich von Ted Bundy handelt. Ich habe aber mehrfach gelesen, dass Leute glauben, hier hätte man Bundys Taten verfilmt: „Das Schweigen der Lämmer“ (1990). Zweifelsohne einer der besten Thriller zum Thema Serienmörder überhaupt. Mit Bundy hat der Film aber nur wenig zu tun.
Thomas Harris, der Schöpfer literarischen Vorlage, hatte wohl während seiner Recherche Kontakt zur Behavorial Science Unit des FBI, die sich in den 1970er Jahren formte und das Verhalten von Serientätern wissenschaftlich untersuchte. Und Harris hat sich auch von mehreren Fällen inspirieren lassen, die man damals beim FBI näher untersuchte. Aber von Bundy ist lediglich der Modus operandi in den Film mit eingeflossen.
Die Szene, in welcher der Täter die Tochter der Senatorin entführt, trägt sozusagen seine Handschrift: Gipsarm, schwere Sachen schleppen, auf Mitleid und Hilfsbereitschaft spekulieren, zuschlagen. Der Wahnsinn mit den vernähten Menschenhäuten geht allerdings auf den Serienmörder Ed Gein zurück. Man könnte annehmen, dass Ted Bundy für Hannibal Lecter Modell gestanden hat. Laut Autor Harris geht die Figur jedoch auf einen Arzt zurück, den er in einem mexikanischen Knast kennengelernt hatte.
Dokumentationen deutsch
Ted Bundy: Selbstporträt eines Serienmörders (2019)
Vierteilige Doku-Serie von Netflix mit „aktuellen Interviews, Archivbildern und Tonaufnahmen aus dem Todestrakt“. [Link zur Netflix-Seite]
Amerikas Albtraum – Die gefährlichsten Serienkiller der USA
Folge 2 der Reihe „Amerikas Albtraum – Die gefährlichsten Serienkiller der USA“ widmet sich dem Fall Ted Bundy. Die Doku ist 2009 für den Discovery Channel entstanden (OT: Deranged). Die einzige momentan verfügbare Dokumentation über Ted Bundy in Deutsch. Zahlreiche Orginalaufnahmen aus den beiden Prozessen gegen Ted Bundy. Folgende Zeitzeugen treten u.a. im Interview auf:
- Robert Keppel, Ermittler der King County Police
- Pete Hayward, Sheriff Salt Lake County
- Dan Clark, Brigham University Police
- Lawrence Kobilinsky, Gerichtsmediziner
- Larry Thompson, Staatsanwalt
- Jerry M. Blair, Staatsanwalt
- Lynn Thompson, Verteidiger
- Ann Rule, Sachbuchautorin und Bekannte von Ted Bundy
- Karen Chandler, Opfer von Ted Bundy
- Eleanor Rose, Mutter von Denise Naslund
- Conny Wilcox, Mutter von Nancy Wilcox
- Belva Kent, Mutter von Debra Kent
- Ronald E. Smith, Psychiater der University of Washington
- Ralph Munro, Politiker der Republikaner
- James Sewell, Ex-Sicherheitschef der FS University, Tallahassee
- Auschnitte aus Interview mit Ted Bundy von 1977 und 1984
Born to Kill? – Ted Bundy
Die Doku stammt aus dem Jahre 2010 und wurde fürs britische Fernsehen gedreht. Das Konzept der Reihe „Born to Kill?“ sieht vor, dass neben den Zeitzeugen pro Sendung zwei bis drei Psychologen auftreten, die das Verhalten des Täters hinterfragen und zu erklären versuchen, was aus psychologischer Sicht hinter den Taten steckt. Folgende Zeitzeugen sind zu sehen:
- Ann Rule, Sachbuchautorin und frühere Bekannte von Ted Bundy
- Dan Lazares, Mitbewohner von Ted Bundy während Studienzeiten
- Dawn Saunders, Zeugin am Lake Sammamish
- Debbie Berto, Zeugin am Lake Sammamish
- Paul Decker, ehemaliger Vollzugsbeamter in Railford, Florida
- Dr. James D. Sewell, Ermittler im Mordfall Chi-Omega
Dokumentationen englisch
Ted Bundy – Natural Porn Killer
Die britische Doku aus dem Jahre 2006 heißt wirklich so: „Ted Bundy – Natural Porn Killer“. Der Titel spielt auf das letzte Fernsehinterview an, das Ted Bundy James Dobson am Abend vor seiner Hinrichtung gab (siehe unten). Dobson war ein bekannter Aktivist für die Abschaffung von Pornografie und das Interview schien zu beweisen, dass Pornos diesen fürchterlichen Serienkiller hervorgebracht hatten. Die Doku greift diese Frage an und entwickelt darauf aufbauend ein Psychogramm von Ted Bundy: Wer war dieser Mensch? Wie tickte Ted Bundy wirklich? Als Zeitzeugen treten auf:
- William Hagmaier, FBI
- Stephen Michaud, Autor, der Ted Bundy viele Stunden interviewte
- John Tanner, Anwalt von Ted Bundy
- Jim Coleman, Anwalt von Ted Bundy
- Mike Minerva, Anwalt von Ted Bundy
- Joseph Aloi, Mitglied des Verteidigungsteams von Ted Bundy
- Ken Katsaris, Polizei von Tallahassee
- Mike Vasilinda, Reporter in Florida
A&E Biography: Ted Bundy – The Mind of a Killer
Der Film aus dem Jahre 1995 eilt von Mord zu Mord und ist ein wenig hektisch von der Erzählweise. Pluspunkt: Die Interviews mit den Zeitzeugen sind interessant:
- Robert Keppel, Ermittler
- Jerry Blair, Staatsanwalt
- Larry Simpson, Staatsanwalt
- Lynn Allan Thompson, Verteidiger von Ted Bundy
- James D. Sewell, Gefängnisdirektion Florida
- Louise Cowell vor Gericht, Mutter von Ted Bundy (Archivaufnahme)
- Ann Rule, Autorin und Bekannte von Ted Bundy
- Ralph Munro, ehemaliger Parteifreund von Ted Bundy
- Ronald E. Smith, Psychiater und Dozent von Ted Bundy
- Park Dietz, forensischer Psychiater
Murder: No Apparent Motive
Hervorragende Doku des Senders HBO aus dem Jahre 1984 über das aus damaliger Sicht noch völlig neue Phänomen Serienmörder. Die Doku konzentriert sich vor allen Dingen auf die Fälle Ted Bundy und Edmund Kemper. Erwähnung finden auch David Berkowitz, der Green River Killer (der damals noch nicht gefasst ist), John Wayne Gacy, Wayne Williams und Henry Lucas.
Es treten eine Reihe bekannter Polizeiexperten auf wie Robert Ressler, Robert Keppel und Pierce Brooks, der Erfinder von VICAP. Der Film enthält ein ausführliches Interview mit Edmund Kemper, der sich offen zu seinen Verbrechen äußert, und Interviewausschnitte mit Ted Bundy aus dem Jahre 1977, der alle seine Verbrechen leugnet. Zusätzlich werden folgende Zeitzeugen befragt:
- die Eltern von Susan Rancourt
- die Mutter von Denise Naslund
- der Vater von Melissa Smith
Ted Bundy – Letztes Interview
Das letzte Interview mit Ted Bundy vor der Hinrichtung im Video. Rund 16 Stunden vor der Urteilsvollstreckung interviewte James Dobson den Todeskandidaten. Das Video macht auch deutlich, wie der Pornografie-Gegner Dr. Dobson Ted Bundys Äußerungen für seine Zwecke nutzte.
Kapitelübersicht zum Fall Ted Bundy
- Kapitel 1: Die Mordserie in Washington
- Kapitel 2: Die Morde in Utah und Colorado
- Kapitel 3: Erste Verhaftung und Lebensgeschichte
- Kapitel 4: Prozess in Utah und Flucht
- Kapitel 5: Chi Omega und Kimberly Leach
- Kapitel 6: Prozesse, Geständnisse und Hinrichtung
- Kapitel 7: Modus Operandi und Pathologie
- Kapitel 8: Weitere mögliche Opfer