Am 27. September 1969, einem Samstag, verabredeten sich Cecelia Shepard (20) und Bryan Hartnell (22) zu einem Picknick am idyllischen Lake Berryessa, einem beliebten Ausflugsziel in der Umgebung von San Francisco. Das Paar war schon längere Zeit liiert und studierte am Pacific Union College.
Inhaltsverzeichnis
Lake Berryessa: Eine lauschige Halbinsel
Dort gab es eine lauschige Halbinsel, die nur über eine Sandbank mit dem Westufer verbunden war – der ideale Ort für ein romantisches Date. Am späten Nachmittag breiteten sie dort ihre Decke aus. Sie waren völlig ungestört und allein. Bryan Hartnell hatte seinen weißen Karmann Ghia etwa 500 Meter entfernt an der Landstraße geparkt.
Doch sie blieben nicht so ungestört, wie es ursprünglich den Anschein hatte. Zwischen 18.00 und 18.15 Uhr bemerkte Cecelia einen Mann, der oberhalb der Halbinsel stand. Er schien sie zu beobachten. Cecelia machte ihren Freund auf den Fremden aufmerksam, als dieser auf sie zukam. Fast so plötzlich, wie er auf der Bildfläche erschienen war, verschwand der Mann hinter einer Baumgruppe. Das Paar erhaschte noch einen kurzen Blick auf seinen Schatten, als er sich hinter einem anderen Baum verbarg.

Der Fremde in der Henkersmaske
Cecelia und Bryan zuckten mit den Achseln und wandten sich wieder ihrem Picknick zu. Wenige Augenblicke später erschien der Fremde erneut. Dieses Mal trug er jedoch eine Art schwarzer Henkersmaske, die ihm bis zur Hüfte reichte.
Am Kopf zeichneten sich vier scharfe Kanten ab wie an der Unterseite eines Sacks. Auf der Vorderseite war ein seltsames Symbol abgebildet – das Zodiac-Symbol, wie sich später herausstellen sollte. In die Kapuze waren zwei Löcher für die Augen eingelassen. Doch sie waren von einer dunkel getönten Brille verdeckt.
Zudem baumelt an der linken Seite ein Messer herab, dessen Klinge mindestens 30 cm maß. An der anderen Hüfte trug der Mann ein leeres Pistolenhalfter. In der rechten Hand hielt er die dazu passende Pistole, mit dem er nun das junge Paar bedrohte.
Ein entflohener Häftling
Der Fremde in dem unheimlichen Aufzug behauptete, ein entflohener Häftling zu sein. Er erzählte ihnen, er habe in Deer Lodge (Montana) eingesessen, wo er einen Wärter getötet und ein Fahrzeug gestohlen habe. Er verlangte Bryans Autoschlüssel und ihr Geld. Er plane, nach Mexiko zu fliehen.
Der Räuber zog mehrere Kabel einer zerschnittenen Plastikwäscheleine hervor und wies Cecelia an, ihren Freund damit zu fesseln. Sie gehorchte, band den Knoten aber nicht sonderlich fest zu. Dann fesselte der Mann das Mädchen. Als er die Knoten überprüfte, bemerkte er die losen Schnüre um Bryans Handgelenke und zog sie fester zu.
Stich um Stich
Nun drohte er dem Paar an, er würde es erstechen. Die jungen Leute versuchten, auf ihn einzureden. Sie bettelten um ihr Leben. Doch der Mann kniete sich hin und rammte Bryan die Klinge seines Messers in den Rücken. Anschließend wendete er sich Cecelia zu. Er stach sie ebenfalls mehrfach in den Rücken. Aber er hatte noch nicht genug. Er drehte das Mädchen um und stieß ihr das Messer in jede Brust, den Bauch und die Leiste. Cecelia wurde von insgesamt 24 Stichen getroffen.
Ohne Beute
Der Fremde ging wortlos fort und ließ die Autoschlüssel sowie das Geld auf der Decke zurück. Sobald er aus dem Blickfeld verschwunden war, schrien die beiden Opfer um Hilfe. Cecelia konnte sich von ihren Fesseln befreien und löste das Seil um Bryans Hände. Ein Angler in einem Boot auf dem See hörte den Lärm. Er fuhr an die Küste und informierte die Park Ranger.
Um 19.13 Uhr alarmierten die Ranger das Sheriffbüro von Napa. Die beiden Polizisten Ray Land und Dave Collins waren die ersten Beamten vor Ort. Sie fanden Bryan Hartnell in 300 Meter Entfernung von der Straße. So weit hatte sich der verletzte Mann schleppen können, bevor er aufgrund des Blutverlusts zusammenbrach. Er erzählte den Beamten noch von seiner Freundin, die auf der Insel zurückgeblieben war. Als die Polizisten zu Cecelia Shepard kamen, war sie noch bei Bewusstsein. Sie konnte den Beamten recht präszise Angaben zu dem Angriff und dem flüchtigen Täter machen.

Anonymer Anruf
Um 19.40 Uhr rief beim Sheriffbüro von Napa ein Mann an und meldete einen Doppelmord etwa drei Kilometer nördlich von der Hauptverwaltung des Parks. Als der Beamte fragte, wo sich der Anrufer gerade befinde, antwortete der Mann: „Ich bin der, der es getan hat.“
Der Anruf konnte zu einem Münzfernsprecher in Napa zurückverfolgt werden. Er befand sich auf dem Gelände einer Autowaschanlage an der Main Street, wenige Querstraßen von der Polizeistation entfernt. Der Hörer baumelte vom Apparat herab. Die Polizei konnte am Telefon einen offensichtlich noch frischen Handabdruck sichern.

Schuhabdruck des Täters
Neben Hartnells Wagen konnte die Polizei einen Schuhabdruck der Größe 10 ½ (43-44) sicherstellen, der vermutlich vom Täter stammte. Das Profil konnte einem Schuhtyp namens Wing Walker zugeordnet werden, wie er damals üblicherweise von Angehörigen des Militärs oder Sicherheitskräften getragen wurde. Cecelia Shepard erlag ihren schweren Verletzungen am 28. September 1969. Bryan Hartnell überlebte den Angriff.

Botschaft des Mörders
Damit keinerlei Zweifel aufkamen, wer den Mord begangen hatte, hinterließ der Fremde in der Henkerskutte noch eine eindeutige Nachricht am Tatort. Er hatte sie mit einem Stift auf Hartnells weißen Kharman Ghia notiert.

Eine vorläufige Anmerkung meinerseits: Die verfügbaren Informationen zu diesem Fall sind sehr umfangreich. Deswegen kann ich das Detail nicht auf die Schnelle nachprüfen. Aber wenn ich die Geschichte richtig im Kopf habe, dann hatten die Zeitungen bis dato nur den Geheimcode des Täters abgedruckt und eine allgemein gehaltene Zusammenfassung der Briefe veröffentlicht.
Der genaue Wortlaut und das Symbol, mit dem der Zodiac seine Briefe signierte, waren der Öffentlichkeit folglich noch unbekannt. Als dieses Zeichen dann auf der Tür von Hartnells Wagen auftauchte, war der Polizei natürlich sofort klar, dass die Botschaft authentisch war und wer der Mörder von Cecelia Shepard war.
Presidio Heights: Paul Stine
Der 29-jährige Taxifahrer Paul Lee Stine konnte am 11. Oktober 1969 mit einem einträglichen Geschäft rechnen, als er am Abend in der Innenstadt von San Francisco nach Kundschaft Ausschau hielt. Es war Samstag und in den Ausgehvierteln rund um den Union Square war jede Menge Betrieb.
Um 21.30 Uhr winkte ihn ein Fahrgast an der Ecke Mason Street und Geary Street heran. Der Mann nannte als Fahrtziel Presidio Heights. Das Viertel grenzte direkt an die gleichnamige Militärbasis im Norden von San Francisco an. Der Fahrgast wollte von Stine an der Ecke Washington Street und Maple Streets abgesetzt werden.
Ein einziger Schuss
Bis heute ist unklar, warum Stine nicht an dieser Ecke anhielt, sondern noch eine Querstraße weiterfuhr. Dort blieb sein Wagen an der nordöstlichen Ecke der Kreuzung Washington Street/Cherry Street stehen. Plötzlich legte der Fahrgast seinen linken Arm von hinten um Stines Hals und drückte dem Taxifahrer den Lauf einer Pistole an die rechte Wange. Paul Stine wehrte sich. Der Täter feuerte einen einzigen Schuss ab. Sein Opfer sackte zusammen.
Wie die ballistischen Untersuchungen ergaben, hatte Stines Mörder eine halb automatische Pistole vom Kaliber 9mm verwendet. Allerdings handelte es sich nicht um die Waffe, die im Mordfall Darlene Ferrin benutzt wurde. Das kupferummantelte Geschoss war in Stines Schädel explodiert und in vier Fragmente zersplittert. Er erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen und wurde um 22.30 Uhr offiziell für tot erklärt.
Souvenirs
Der Mörder stieg nun aus und begab sich auf den Fahrersitz. Er durchsuchte sein Opfer nach dessen Brieftasche und Schlüssel und nahm beide Gegenstände an sich. Außerdem trennte er ein Stück vom blutdurchtränkten Hemd des Taxifahrers ab und steckte den Fetzen ein. Laut eines Polizeiberichts ließ er im Gegenzug vermutlich ein Paar schwarzer Lederhandschuhe der Größe 7 im Wagen zurück.
Dann wischte der Täter den Innenraum des Fahrzeugs ab, vermutlich um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Als er aus dem Wagen ausstieg, säuberte er auch die Tür und den Griff mit einem Lappen. Dennoch blieben einige blutige Fingerabdrücke in diesem Bereich zurück, die die Polizei später dem Täter zuordnete.
Drei Teenager an einem Mansardenfenster
Dem Mann war nicht bewusst, dass er währenddessen von drei Teenagern auf der gegenüberliegenden Straßenseite aus etwa 18 Meter Entfernung beobachtet wurde. Um 21.55 Uhr blickten die Jugendlichen aus einem Mansardenfenster des südöstlichen Eckhauses auf das Taxi hinab. Sie sahen, wie der Mann den Tatort zu Fuß auf der Cherry Street in nördlicher Richtung verließ.
Um 21.58 Uhr rief einer der Jugendlichen den Notruf der Polizei von San Francisco an. Er berichtete dem Beamten von seinen Beobachtungen und beschrieb obendrein den verdächtigen Fahrgast: ein weißer Mann, 25-30 Jahre alt, 1,72-1,75 m groß, stämmige Figur, rötlich braunes Haar, Bürstenhaarschnitt, eine Hornbrille mit breitem Rahmen, dunkle Kleidung.

Eine vertauschte Täterbeschreibung
Doch irgendwo zwischen Aufnahme der Anzeige und der Verständigung aller Streifenwagen musste ein Fehler passiert sein. Denn in der ersten Täterbeschreibung, die über Funk an die Streifenbesatzungen herausging, war plötzlich von einem flüchtigen Schwarzen statt eines flüchtigen Weißen die Rede. Dies sollte Konsequenzen haben.
Begegnung im Nebel
Denn bereits um 22.00 Uhr näherten sich die Streifenpolizisten Donald Fouke und Eric Zelms der Kreuzung Jackson Street und Cherry Street. Ihnen kam auf der Jackson Street ein weißer Mann von gedrungener Gestalt entgegen, der inmitten des aufziehenden Nebels auf dem nördlichen Bürgersteig Richtung Osten ging. Nach etwa fünf bis zehn Sekunden wandte sich der Passant einer Treppe zu, die zum Vordereingang eines der Häuser auf der nördlichen Seite der Straße führte.
Wegen der falsch lautenden Täterbeschreibung hielten die Polizisten nicht an. Sie befragten ihn noch nicht einmal, ob er eine verdächtige Person bemerkt habe. Stattdessen bogen sie in die Cherry Street ein und fuhren zum Tatort.
Erst als sich Tage später im Zuge der Ermittlungen der Irrtum aufklärte, meldeten die beiden Streifenbeamten ihre Beobachtung in dieser Nacht. Ihre Beschreibung des Verdächtigen wies zumindest Ähnlichkeiten zu den Aussagen der Jugendlichen auf: ein weißer Mann, 35-45 Jahre alt, etwa 1,78 m groß, zwischen 80 und 90 kg schwer, auffallend breite Brust, mit hellem Bürstenhaarschnitt und Brille.
Überarbeitetes Fahndungsplakat
Verhängnisvoller Fehler
Eine Schlamperei, ein stressbedingter Fehler oder ein Missverständnis hatte letztlich verhindert, dass die Polizei in dieser nebligen Nacht das Rätsel um den Zodiac-Killer lösen konnte. Denn man muss heute davon ausgehen, dass die Beamten Donald Fouke und Eric Zelms dem Mörder von Paul Stine, Cecelia Shepard, Darlene Ferrin, Betty Lou Jensen und David Faraday begegnet waren.
Für die Polizei von San Francisco deutete die Spurenlage zunächst jedoch auf einen Raubmord hin. Zwar war es ungewöhnlich, dass der Täter nicht sofort vom Schauplatz des Verbrechens geflohen war und sich stattdessen Zeit ließ, um ein Stück vom Hemd seines Opfers zu entfernen. Dies erhöhte aus seiner Sicht das Risiko, entdeckt zu werden.
Die Polizei erklärte sich diesen Umstand damit, dass er den Stoff benötigte, um seine Fingerabdrücke abzuwischen. Doch der Mörder hatte dabei gänzlich anderes im Sinn gehabt, wie sich einige Tage später zeigen sollte.
Ein blutiger Fetzen Stoff
Am 13. Oktober 1969, zwei Tage nach dem Mord an dem Taxifahrer Paul Stine, erhielt der „San Francisco Chronicle“ ein Bekennerschreiben vom Zodiac-Killer, das mit der Aufforderung „Bitte umgehend an den Herausgeber weiterleiten“ versehen war. Das Schreiben war am Vortag in San Francisco aufgegeben worden. Auf dem Briefumschlag klebte wieder einmal zu viel Porto.
Damit überhaupt keine Zweifel aufkommen konnten, ob der Täter für dieses Verbrechen infrage kam, legte der Mörder dem Brief ein eindeutiges Beweisstück bei – einen blutigen Fetzen Stoff, der nachweislich vom Hemd des Toten stammte.
Brief vom 13. Oktober 1969
Hier spricht der Zodiac.
Ich bin der Mörder des Taxifahrers drüben an der Ecke Washington Street und Maple Street letzte Nacht. Zum Beweis habe ich ein blutbeflecktes Stück seines Hemds beigelegt. Ich bin derselbe Mann, der die Leute in der North Bay umgelegt hat.
Die Polizei von San Francisco hätte mich letzte Nacht schnappen können, wenn sie den Park richtig durchsucht hätten. Stattdessen haben sie mit ihren Motorrädern Straßenrennen veranstaltet, um zu sehen, wer mehr Krach macht. Die Streifenwagenbesatzungen hätten einfach nur anhalten und ruhig abwarten müssen, bis ich aus meinem Versteck hervorgekommen wäre.
Schulkinder geben nette Ziele ab. Ich denke, ich sollte eines Tages mal einen Schulbus abknallen. Bloß die Vorderreifen platt schießen und mir dann die Kinder vornehmen, wenn sie heraus gerannt kommen.

Eine konkrete Drohung
Die konkrete Drohung, einen Schulbus anzugreifen, versetzte die Behörden natürlich in höchsten Alarm. Bei diesem Burschen war mit allem zu rechnen. Man verzichtete vorläufig darauf, die Öffentlichkeit zu informieren, um eine Panik zu vermeiden. Stattdessen fuhren nun bewaffnete Polizisten in den Schulbussen mit. Tagsüber kreisten verstärkt Helikopter am Himmel, um die Busrouten zu überwachen.
Zodiac Killer verlangt Anwalt
Am 22. Oktober 1969 ging um 2.00 Uhr früh ein Anruf beim Polizeirevier von Oakland ein. Der männliche Anrufer behauptete: „Hier spricht der Zodiac. Ich möchte F. Lee Bailey sprechen. Wenn Sie mich nicht mit Bailey verbinden können, verschaffen Sie mir einen Kontakt zu Melvin Belli. Ich möchte einen der beiden in der Talkshow von Kanal 7 sehen. Ich werde mich dann telefonisch melden.“
Beide Personen gehörten zu den bekanntesten US-amerikanischen Anwälten jener Zeit. F. Lee Bailey war als Strafverteidiger von Dr. Sam Sheppard und dem möglichen „Boston-Strangler“ Albert DeSalvo berühmt geworden. Später sollte er noch als Anwalt von Patty Hearst und O.J. Simpson für Furore sorgen.
Melvin Belli vertrat vor allem Hollywoodstars in Schadensrechtsangelegenheiten, hatte jedoch auch als Verteidiger von Jack Ruby von sich reden gemacht. Ruby hatte Lee Harvey Oswald, den mutmaßlichen Mörder von Präsident John F. Kennedy, vor laufenden Kameras erschossen.
Talkshow vom 22. Oktober 1969
Der Beamte verständigte umgehend seinen Vorgesetzten, der bei Bailey kein Glück hatte, aber immerhin Belli zu dieser späten Stunde an den Apparat bekam. Die Talkshow lief bereits im Morgenprogramm, sodass Eile geboten war. Melvin Belli fuhr ins Studio und wartete gemeinsam mit Moderator Jim Dunbar auf einen weiteren Anruf des angeblichen Zodiac.
Jim Dunbar (links) und Melvin Belli in der Talkshow am 22.10.1969
Insgesamt 35 Anrufer meldeten sich bei der Talkshow, von denen zwölf auf Sendung gingen. Ein gewisser „Sam“ behauptete, er leide unter heftigen Kopfschmerzen. Dieses Kopfweh habe eine konkrete Ursache. Er habe getötet. Er wolle nicht in der Gaskammer enden.
Melvin Belli versicherte dem Anrufer, dass er für seine Taten keine Todesstrafe zu befürchten habe. Sie sei derzeit vom Staat Kalifornien ausgesetzt. Er riet ihm, sich den Behörden zu stellen. Belli unterhielt sich auch noch mit „Sam“, als sie nicht mehr auf Sendung waren. Sie verabredeten sich zu einem geheimen Treffen in Daly City am gleichen Morgen. Der Anwalt wartete dort 45 Minuten – vergeblich.
Es konnte nie geklärt werden, ob es sich bei dem Anrufer tatsächlich um den mysteriösen Zodiac gehandelt hatte. Zum einen gab er im Telefonat keinerlei Details preis, die nur dem Täter bekannt gewesen wären. Zum anderen war der Polizeibeamte, der in der Nacht den ersten Anruf entgegengenommen hatte, noch nicht einmal sicher, dass die Telefonstimme in der Sendung mit dem anonymen Anrufer identisch war.
Karte vom 8. November 1969
Im November 1969 erhielt der „San Francisco Chronicle“ zwei weitere Briefe des Täters. Sie waren definitiv authentisch, denn ihnen war wieder ein Stück von Stines Hemd beigefügt. Am 8. November traf bei der Zeitung eine Jux-Karte ein, der ein 340 Zeichen umfassender Geheimcode beilag. Dieser Code konnte bis heute nicht geknackt werden.
Hier spricht der Zodiac.
Ich dachte mir, Sie könnten ein wenig Aufmunterung brauchen. Denn ich habe schlechte Neuigkeiten. Sie werden nämlich einige Zeit nichts mehr von mir hören.Dezember Juli August September Oktober = 7



Die Postkartennotiz enthielt eine Merkwürdigkeit. In den Monaten Dezember, Juli, September und Oktober hatte der Zodiac Killer getötet. Doch von einem Mord im August war bisher nichts bekannt. Zudem war seine Zählung verwirrend. Bei den ihm zugerechneten Attentaten waren fünf Menschen ums Leben gekommen. Hatte der Zodiac also im August zwei weitere Opfer getötet? Oder rechnete er die verletzten Opfer Michael Mageau und Bryan Hartnell mit?
Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten für die Sonderkommission 10 Kriminalbeamte und 50 Polizisten. Nachdem die Grußkarte beim „Chronicle“ eingetroffen war, klapperte die Polizei umgehend alle Geschäfte in San Francisco ab, die diese spezielle Karte verkauften. Die Beamten hofften, einer der Angestellten könnte sich an den Käufer erinnern. Die Hoffnung zerschlug sich.
Brief vom 9. November 1969
Nur einen Tag später, am 9. November, folgte das bis dato längste Schreiben des Zodiac. Es war eine 7-seitige Tirade gegen die Polizei von San Francisco. Der Verfasser gab seine Verfolger der Lächerlichkeit preis. Zudem konkretisierte er seine Drohung, ein Attentat auf einen Schulbus verüben zu wollen. Doch dieses Mal sprach er von einer Bombe, die er detailliert beschrieb.
Hier spricht der Zodiac.
Bis Ende Oktober habe ich 7 Menschen getötet. Ich bin echt sauer auf die Polizei, weil sie Lügen über mich verbreitet. Ich werde von nun an anders vorgehen, um weitere Sklaven einzusammeln. Ich werde das in Zukunft niemanden mehr ankündigen. Wenn ich meine Morde begehe, lasse ich sie wie einen normalen Raubmord, einen Mord im Affekt oder wie einen Unfall etc. aussehen.Die Polizei wird mich niemals zu fassen bekommen, weil ich zu clever für sie bin.
1. So wie auf den Phantombildern sehe ich nur aus, wenn ich mein Ding durchziehe. In der übrigen Zeit sehe ich völlig anders aus.
2. Ich habe bisher keine Fingerabdrücke zurückgelassen, auch wenn die Polizei etwas anderes behauptet. Ich habe durchsichtige Fingerkappen. Dazu trage ich zwei Schichten Modellbauklebstoff auf meine Fingerkuppen auf. Fällt kaum auf und ist sehr effektiv.
3. Meine Mordwerkzeuge habe ich im Postversand gekauft, bevor es verboten wurde. Bis auf eines. Das habe ich in einem anderen Staat gekauft. Wie Sie also sehen können, hat die Polizei kaum Ansatzpunkte für ihre Suche. Sollten Sie sich fragen, warum ich dennoch das Taxi abgewischt habe: Ich habe falsche Spuren für die Polizei gelegt, damit sie ihnen nachjagt.
Wie man so sagt: Ich halte die Polizisten auf Trab, damit sie ihren Spaß haben. Es bereitet mir großes Vergnügen, die blauen Schweine zu ärgern. Heh, ihr blauen Schweine: Ich war im Park. Ihr habt Feuerwehrwagen benutzt, um den Lärm von euren Streifenwagen zu übertönen.
Die Hunde kamen mir nie näher als zwei Blocks. Sie waren im Westen. Es waren nur zwei Gruppen, die parkten ungefähr 10 Minuten entfernt, als die Motorräder etwa 50 Meter entfernt vorbeifuhren von Süden nach Nordwesten.
P.S.: 2 Bullen haben Mist gebaut, etwa 3 Minuten nachdem ich das Taxi verlassen habe. Ich ging den Hügel runter, als der Bullenwagen neben mir hielt. Einer rief mich ran. Fragte mich, ob ich jemand Verdächtigen gesehen hätte in den letzten 5 bis 10 Minuten. Ich sagte: ‚Ja, da war dieser Mann, der mit einer Waffe herumfuchtelte.‘
Und die Bullen gaben Gas. Bogen um die Ecke, wo ich sie hingeschickt hatte. Anderthalb Blocks weiter bin ich dann im Park verschwunden und wurde nie mehr gesehen. Müssen Sie in der Zeitung drucken.
Heh, ihr Bullenschweine, fuchst euch das nicht, wenn ich euch das unter die Nase reibe?
Wenn ihr Bullen tatsächlich glaubt, dass ich den Anschlag auf den Bus so verübe, wie ich es euch beschrieben habe, regnet es in euren Kopf rein. Man nehme einen Sack Dünger aus Ammoniumnitrat + 1 Gallone Heizöl und bedecke das Ganze mit einigen Säcken Kieselsteinen. Dann zündet man den Scheiß an. Wird garantiert alles wegblasen, was sich in der Nähe befindet.
Die Todesmaschine ist schon fertig. Ich hätte euch gerne Fotos geschickt. Aber ihr wärt so gemein und würdet sie bis zum Fotolabor zurückverfolgen und von da zu mir. Deshalb werde ich euch das Meisterwerk nur beschreiben. Ein nettes Detail ist, dass man alle Einzelteile im freien Handel kaufen kann, ohne dass jemand Fragen stellt.
1 Wecker mit Batterie – läuft ungefähr 1 Jahr
1 fotoelektrischer Schalter
2 Blattfedern aus Kupfer
2 Autobatterien mit 6 Volt
1 Taschenlampenbirne mit Reflektor
1 Spiegel
2 schwarze Kartonröhren, 18 Zoll groß, mit Schuhwichse innen und außen
Das System habe ich von vorne bis hinten durchgetestet. Was ihr nicht wisst: Habe ich die Todesmaschine schon in Stellung gebracht oder verstecke ich sie noch in meinem Keller, um sie in Zukunft einzusetzen? Ich glaube, ihr habt nicht genügend Leute, um mich aufzuhalten, indem ihr vielleicht die Straßen überprüft und nach der Bombe sucht. Und es würde auch nichts nützen, die Busse neu zu streichen oder neue Fahrpläne herauszugeben, weil die Bombe veränderten Bedingungen angepasst werden kann.
Viel Spaß!! Im Übrigen könnte es ziemlich unschön werden, wenn ihr versucht, mich auszutricksen.
P. S.: Denkt dran, den markierten Teil auf Seite 3 abzudrucken, oder ich zieh mein Ding durch.
Um zu beweisen, dass ich der Zodiac bin: Fragt die Bullen in Vallejo nach meiner elektrischen Zielvorrichtung, die ich benutzt habe, als ich angefangen habe, meine Sklaven einzusammeln.
Die Streifenbeamten Fouke und Zelms widersprachen im Übrigen der Darstellung des Briefverfassers. Sie blieben bei ihrer Version, dass sie einen Mann wahrgenommen hatten, welcher der Beschreibung der drei Jugendlichen entsprach. Doch sie hätten ihn nicht angesprochen.







Weihnachtskarte für Melvin Belli
Im selben Jahr ging noch ein weiteres Schreiben des Zodiac ein. Der Empfänger war dieses Mal der Rechtsanwalt Melvin Belli. Am 20. Dezember 1969 erhielt Belli eine Weihnachtskarte, die in einem Umschlag steckte. Auch dieser Karte war ein Fetzen von Stines Hemd beigelegt.
Lieber Melvin,
hier spricht der Zodiac.
Ich wünsche dir frohe Weihnachten. Die eine Sache, um die ich dich bitten möchte, ist die: Bitte hilf mir. Ich weiß nicht, an wen ich mich sonst wenden soll. Dieser Zwang lässt es nicht zu, dass ich mir Hilfe suche. Ich finde es immer schwieriger, ihn unter Kontrolle zu halten. Ich habe Angst, ich verliere wieder die Kontrolle und werde mir mein neuntes, vielleicht auch zehntes Opfer holen. Bitte hilf mir, ich habe das Gefühl, ich ertrinke.
Im Moment sind die Kinder noch vor der Bombe sicher. Das Teil ist so massiv und der Schalter schwierig einzustellen, sodass ich noch mehr Zeit benötige. Aber je länger ich mich zurückhalten muss, umso mehr verliere ich die Kontrolle über mich. Und dann könnte die Bombe hochgehen. Bitte hilf mir, ich kann mich nicht mehr viel länger kontrollieren.

Theorien der Gutachter
Die Briefe des mutmaßlichen Täters wurden natürlich im Laufe der Ermittlungen ausführlich analysiert. Schriftgutachter und Sprachwissenschaftler setzten sich mit den Inhalten auseinander. Es gab zum Beispiel die Theorie, dass der Täter aus Großbritannien stammte oder sich längere Zeit dort aufgehalten hatte. Begriffe wie „the Kiddies“ und „Happy Christmas“ wurden im britischen Englisch verwendet, aber nicht in den USA.
Außerdem gingen die meisten Experten davon aus, dass seine offensichtlichen Orthografie- und Grammatikschwächen nur vorgeschoben waren, um den Eindruck zu erwecken, es handele sich beim Täter um einen ungebildeten Mann. Denn er war clever genug, seine Briefe zu codieren. Er verwendete häufig Symbole und Zeichen aus der Astrologie. Und speziell seine späteren Schreiben waren voll mit kulturellen Querverweisen, die nicht jedem Bürger geläufig waren.
Andererseits gab es hinsichtlich des Schriftbildes unterschiedliche Positionen unter den Gutachtern. Zunächst ging man davon aus, dass es sich um die originale Handschrift des Verfassers handelte. Aber die Schreibweisen wiesen mit der Zeit deutliche Unterschiede zueinander auf. Die Experten erklärten sich dieses Phänomen damit, dass der Täter die Ermittler auch in diesem Fall von Anfang an täuschen wollte. Die Beamten spekulierten, dass er die handschriftlichen Notizen anderer Personen benutzte und diese unter einem Vergrößerungsglas abzeichnete.
Wie auch immer: Es sollten mehr als vier Monate vergehen, bis sich der Zodiac erneut persönlich meldete. Dafür tauchten weitere Hinweise auf, dass die Mordserie möglicherweise schon einige Jahre zuvor begonnen hatte. Und im März des folgenden Jahres sollten eine junge Frau und ihr Baby nur knapp einer weiteren tödlichen Attacke entgehen.
Kapitelübersicht zum Fall Zodiac Killer
- Kapitel 1: Die ersten Morde – Lake Herman Road & Blue Rock Springs
- Kapitel 2: Lake Berryessa und der Mord an Paul Stine
- Kapitel 3: Mögliche weitere Opfer des Zodiac Killers
- Kapitel 4: Briefe, Codes und die Mount-Diablo-Karte
- Kapitel 5: Arthur Leigh Allen als Hauptverdächtiger
- Kapitel 6: Robert Graysmith, Medien und neue Ermittlungen
- Kapitel 7: Weitere Verdächtige im Zodiac-Fall
Wäre es nicht denkbar, dass der Täter zur damaligen Zeit ein Militärangehöriger war.
Dafür spricht die Militäruhr mit dem Zodiac Symbol, der Schuhabdruck eines Militärschuhs an einem der Tatorte, die auf einem Militärstützpunkt gekaufte Munition und dass der Täter Erfahrung mit Schusswaffen hatte.
Hallo Kurt,
Sie haben vollkommen recht: Die Spuren deuten auf einen militärischen Hintergrund hin. Meines Wissens sind die Ermittlungsbehörden und auch die meisten Forscher in den USA, die sich bis heute mit dem Fall beschäftigen, immer davon ausgegangen, dass der Täter zumindest eine militärische Vergangenheit hatte. Das Problem an diesem Ansatz: Zum Zeitpunkt der Morde herrschte in den Vereinigten Staaten noch allgemeine Wehrpflicht (wurde erst im Zuge des Vietnam-Kriegs abgeschafft). Das heißt, Großteile der männlichen Bevölkerungen hatten als Soldat gedient. In Kalifornien gab es damals unzählige militärische Einrichtungen, auch in der sogenannten Bay Area um San Francisco, also dem Schauplatz der Verbrechen. Für eine effektive Rasterfahndung hätte dieses Merkmal folglich nicht getaugt.
Herzliche Grüße
Richard Deis