Der Zodiac Killer ist der fleischgewordene Albtraum jeder Ermittlungsbehörde. Seine Opfer sind scheinbar willkürlich gewählt. Bei jeder Tat verwendet er eine andere Waffe. Obendrein verschickt er zahlreiche Briefe, in denen er die Polizei verhöhnt und eine gesamte Großstadt terrorisiert. Das schlimmste Detail ist jedoch: Der Täter kann nie gefasst werden.

Inhaltsverzeichnis
Lake Herman Road
Auch in Kalifornien können die Nächte klirrend kalt werden. Der 20. Dezember 1968 war so ein Abend. Das Thermometer in Vallejo an der Peripherie von San Francisco zeigte -5 °C an. Der 17-jährige David Arthur Faraday bereitete sich an diesem Abend auf seine erste Verabredung mit der 16-jährigen Betty Lou Jensen vor. Beide gingen noch zur High School.
David Faraday
David zog eine braune Cordhose, ein langärmeliges, hellblaues Hemd, beige Stiefeletten und einen sandfarbenen Sportmantel an. Zudem trug er am linken Mittelfinger stolz den vergoldeten Ring seiner Jahrgangsklasse. Sein kurzes braunes Haar war akkurat über die Stirn gekämmt.
Betty Lou Jensen
Betty Lou war ein eher zierliches Mädchen mit glattem braunem Haar, das ihr bis zu den Schultern reichte. Sie trug ein violettes Minikleid mit weißen Manschetten und Kragen, darüber einen weißen Mantel. Beide hatten sich für den Abend auf ihre Art herausgeputzt.
Das erste Date
David holte Betty Lou um 20.20 Uhr ab und versprach ihren Eltern, sie bis 23.00 Uhr wieder zu Hause abzusetzen. Es war das erste Date überhaupt, dass die Jensens ihrer Tochter erlaubten. Die beiden Teenager hatten ursprünglich geplant, ein Weihnachtskonzert an der Hogan High School zu besuchen. Stattdessen schauten sie bei einer Freundin von Betty Lou vorbei, wo sie sich allerdings nur kurz aufhielten.
Die Freundin Sharon begleitete das Paar hinaus zu Davids Wagen, den er sich von seiner Mutter geliehen hatte. Ein beigefarbener viertüriger Kombi der Marke Rambler. Beide äußerten sich nicht dazu, was ihr nächstes Ziel war, als sie davonfuhren.
Ein abgeschiedenes Plätzchen
Sie aßen zunächst eine Kleinigkeit in einem Restaurant in Vallejo. Anschließend hatte sich das Paar entschieden, das Date an der Lake Herman Road ausklingen zu lassen. Dort gab es ein abgeschiedenes Plätzchen, das unter den Liebespärchen aus der Gegend bekannt war und bereits innerhalb der Gemarkung der Nachbarstadt Benicia lag.
Vermutlich steuerte David Faraday diese Parknische gegen 22.15 Uhr an. Denn kurz darauf kam ein Fahrer an dieser Stelle vorbei, der sich später bei der Polizei meldete. Ihm sei zu diesem Zeitpunkt ein heller Kombi aufgefallen. Durch den Lichtkegel der Scheinwerfer – eine andere Beleuchtungsquelle gab es an diesem Ort nicht – habe er im Innern des Fahrzeugs auch zwei Personen ausmachen können. Wie sich aus der Tatortanalyse ergab, hatten die beiden Jugendlichen die Türen verschlossen und die Sitze zurückgelehnt.
Der Wagen von David Faraday parkte rechts neben dem Baum mit der Front zur Leitplanke und den Schildern.
Treibjagd
Gegen 23.00 Uhr muss dann ein anderes Fahrzeug in etwa drei Meter Entfernung von Davids Wagen angehalten haben. Ein weiterer Zeuge bemerkte im Vorbeifahren die beiden Fahrzeuge, die Seite an Seite parkten. Dem Zeugen fiel ansonsten jedoch nichts Ungewöhnliches auf.
Was dann in den nächsten Minuten geschah, ließ sich nur anhand der Spuren rekonstruieren. Offensichtlich hielten die Teenager zunächst die Türen und Fenster am Wagen verschlossen. Um sie dennoch aus dem Wagen herauszutreiben, gab der Fremde einen Schuss durch das hintere rechte Fenster in das Innere des Wagens ab.
Aus nächster Nähe
Der Täter bewegte sich dann auf die linke Wagenseite und feuerte einen weiteren Schuss in den linken Radkasten ab. In diesem Moment müssen David und Betty Lou beide zur Beifahrertür ausgestiegen sein. Das Mädchen kam als Erste heraus, ihr folgte der Junge. David Faraday starb unmittelbar neben der rechten Tür durch einen Schuss, der ihn aus geringer Entfernung direkt hinter dem linken Ohr getroffen haben muss. An der Eintrittswunde waren Schmauchspuren zu erkennen. Die Kugel trat in horizontalem Winkel ein.
5 Schüsse in den Rücken
Betty Lou Jensen floh in Richtung Straße. Der Täter folgte ihr. Aus drei Metern Entfernung schoss er dem Mädchen fünf Mal in den Rücken. Betty Lou brach 8,50 m vom Wagen entfernt auf dem Boden zusammen. Der Killer ging daraufhin zurück zu seinem Wagen und verließ umgehend den Tatort. Es gab keinerlei Hinweise, die auf einen Raub oder ein Sexualverbrechen hindeuteten.
Um 23.10 Uhr passierte eine weitere Autofahrerin die Stelle an der Lake Herman Road. Ihre Scheinwerfer erfassten die tote Betty Lou an der Straße, die offenen Türen des Kombis und das zersplitterte Seitenfenster. Die Frau fuhr sofort weiter nach Benicia und verständigte dort um 23.19 Uhr eine Polizeistreife.
Ergebnisse der Ballistik
Als die Beamten am Tatort eintrafen, war Betty Lou Jensen bereits tot. Bei David Faraday stellten die Polizisten trotz der schweren Kopfverletzung noch einen schwachen Puls fest. Ein Rettungswagen brachte den Jungen ins Vallejo General Hospital. Doch die Ärzte konnten sein Leben nicht mehr retten. Um 0.05 Uhr erklärten sie David Faraday offiziell für tot.
Wie die ballistischen Untersuchungen ergaben, hatte der Mörder der beiden Teenager eine halb automatische Pistole vom Typ J.C. Higgins 80 oder Hi Standard Model 101 benutzt. Er verwendete kupferummantelte Munition Kaliber .22 der Marke Winchester Super X, die erst seit 1967 produziert wurde.
Ermittlungen im Umfeld der Opfer
Niemand hatte zunächst eine Erklärung dafür, warum dieses junge Paar sterben musste. Hinweise auf einen Serienmörder gab es zu diesem Zeitpunkt keine. Also konzentrierte die Polizei ihre Ermittlungen auf das unmittelbare Umfeld der Opfer.
So schilderten mehrere Zeugen, Betty Lou Jensen habe in den Wochen vor ihrem Ableben bedrückt und zuweilen nervös gewirkt. Sie habe das Gefühl gehabt, jemand würde sie beobachten und ihr auf dem Schulweg folgen. Ihre Mutter hatte mehrmals das Gartentor offen vorgefunden. Das Tor befand sich in der Nähe des Fensters von Betty Lous Zimmer. Dadurch geriet unter anderem ein Nachbarjunge unter Verdacht, der dem Mädchen in der Vergangenheit mehrfach nachgestellt hatte.
Bei David Faraday gingen die Ermittler Gerüchten nach, der Junge sei vielleicht Zeuge eines Drogenhandels an seiner Schule geworden. Doch obwohl die Polizei enormen Druck ausübte, konnte das Verbrechen nicht geklärt werden.
Blue Rock Springs
Darlene Ferrin war 22 Jahre alt, wirkte aber deutlich jünger. Das mochte an der Zahnspange liegen, die sie noch trug. Die junge Frau war jedoch bereits zum zweiten Mal verheiratet und lebte mit ihrem Mann Dean und ihrer Tochter Dena zusammen in Vallejo. Sie trug ihr blondes Haar kurz, wog 59 kg und war 1,55 m groß. Außerdem arbeitete sie als Kellnerin in einem Restaurant namens „Terry’s“.
Bloß reden
Am Freitag, dem 4. Juli 1969, meldete sich Darlene bei ihrem Freund Michael Mageau. Der 4. Juli war der amerikanische Unabhängigkeitstag und damit Feiertag. Die beiden verabredeten sich für den Abend zu einem Kinobesuch in San Francisco. Darlene holte Michael zu Hause ab, der alleine lebte. Michael war offensichtlich in Eile. Als er das Haus verließ, ließ er alle Lichter brennen, den Fernseher laufen und die Tür offenstehen.
Statt im Kino landeten die Beiden auf einem Parkplatz am Columbus Parkway, der zum Blue Rock Springs, einem Golfklub, gehörte. Laut Michael Mageau wollten die beiden bloß reden. Der Parkplatz war zu diesem Zeitpunkt komplett verlassen.
Die vermeintliche Polizeikontrolle
Gegen 0.10 Uhr tauchte plötzlich ein weiterer Wagen auf, vermutlich ein hellbrauner Ford Mustang oder ein Chevrolet Corvair. Der Fahrer stellte den Wagen so ab, dass Darlene Ferrin mit ihrem Auto nicht mehr wegfahren konnte. Ein Mann stieg aus dem Fahrzeug aus. Er hielt eine Taschenlampe in der Hand. Darlene und Michael gingen davon aus, dass es sich um einen Polizisten handelte. Deshalb zückten sie ihre Ausweise.
Kein Wort
Das Fenster auf der Beifahrerseite war unten. Der Mann trat davor. Das grelle Licht der Taschenlampe blendete Michael. Dann hörte er plötzlich fünf Schüsse krachen. Er spürte Schmerzen. Darlene sank auf ihrem Sitz nach vorne. Sie wurde mehrfach verwundet. Einige der Kugeln waren durch Michael hindurchgegangen und hatten die junge Frau ebenfalls getroffen.
Der Fremde wendete sich ab. Michael schrie vor Schmerzen auf. Daraufhin kehrte der Schütze zurück und feuerte vier weitere Schüsse ab. Michael konnte sich auf den Rücksitz retten. Bei dieser Gelegenheit konnte Mageau erstmals das Gesicht des Täters erkennen. Es war ein Weißer, Ende 20 bis Anfang 30, von stämmiger Statur, etwa 1,72 bis 1,75 m groß, mit rundem Gesicht und braunen Haaren. Der Mann sagte die ganze Zeit kein Wort. Schließlich kehrte er zu seinem Wagen zurück und verließ den Parkplatz.
Mit gespaltener Zunge
Michael Mageau kroch langsam aus dem Wagen hervor. Von seinem Nacken und der Backe floss Blut. Eine Kugel hatte ihren Weg durch seinen Wangenknochen und die Zunge gefunden. Er konnte kaum noch sprechen. Darlene Ferrin stöhnte leise vor sich hin.
In diesem Augenblick bogen zufällig drei Teenager auf den Parkplatz ein. Sie hielten nach einem Freund Ausschau. Sie bemerkten den Wagen und den schwer verletzten Jungen. Ohne zu zögern, sprangen sie aus dem Wagen, um zu helfen. Michael konnte ihnen trotz seines eingeschränkten Sprechvermögens irgendwie erklären, dass sich im Wagen noch eine angeschossene Frau befand.
Die drei Jungen fuhren zum Haus eines Freundes in der Nachbarschaft, um die Polizei zu verständigen. Die Streifenbeamten Hoffman und Conway waren die ersten Polizisten am Tatort. Dann traf der Rettungswagen ein. Darlene war von fünf Schüssen getroffen worden, Michael von vier. Darlene Ferrin wurde um 0.38 Uhr für tot erklärt.
Michael Mageau versuchte zwar, die Fragen der Beamten beantworten, befand sich aber bereits im Schockzustand. Eine genauere Beschreibung von Täter und Fluchtfahrzeug war ihm zu diesem Zeitpunkt nicht möglich.
Die Opfer Betty Lou Jensen, David Faraday und Darlene Ferrin (v.l.n.r.)
Ein anonymer Anruf
Etwa 45 Minuten nach den Schüssen in Blue Rock Springs ging auf der Wache der Polizei von Vallejo ein Anruf ein. Die Stimme am anderen Ende des Telefons wirkte ruhig und sachlich. Der Mann berichtete dem Beamten von einem Doppelmord, gab die genaue Stelle an und beschrieb den Wagen von Darlene Ferrin.
Dann fügte er hinzu: „Sie wurden mit einer 9-Millimeter-Luger erschossen. Ich habe außerdem die beiden Kids im letzten Jahr getötet. Tschüss. Auf Wiedersehen.“ Der Anruf kam von einem öffentlichen Münzfernsprecher in Vallejo, nicht weit entfernt vom Polizeirevier.
Michael Mageau wurde morgens um 8.25 Uhr operiert. Nachdem er wieder bei Bewusstsein war, vernahmen ihn die Polizisten. Er konnte der Polizei jetzt zwar Angaben machen. Doch er veränderte seine Geschichte mehrfach. Als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, tauchte er unter. Er hatte Angst, der Mörder könne zurückkehren, um ihn als Zeugen zu beseitigen.
Kein Zusammenhang?
Die Ermittlungen der Polizei liefen ins Leere. Zunächst geriet Darlenes Ehemann Dean Ferrin unter Verdacht. Doch er hatte ein wasserdichtes Alibi. Zum Zeitpunkt des Anschlags hatte er als Koch in einem Restaurant namens „Caesar’s“ gearbeitet. Auch Darlenes Ex-Mann James Philipps Crabtree wurde kurzzeitig der Tat verdächtigt.
Einen Zusammenhang mit den Morden an der Lake Herman Road ein halbes Jahr zuvor sah die Polizei zunächst nicht, obwohl die Tatorte nur 6,5 km voneinander entfernt lagen und die Tatumstände sich ähnelten. Dem anonymen Anruf maß man noch keine besondere Bedeutung zu.
Konkrete übereinstimmende Spuren gab es nicht, wenn man von dem anonymen Anruf absieht. Die Opfer stammten zwar aus derselben Stadt. Darlene Ferrin hatte zudem die gleiche High School wie Betty Lou Jensen besucht. Aber ansonsten standen die Opfer beider Taten in keinem engeren Kontakt.
Zudem gab es Probleme mit den Zuständigkeiten. Im Fall Ferrin/Mageau ermittelte die Stadtpolizei von Vallejo, für die Morde an der Lake Herman Road war der Sheriff von Solano County zuständig. Der Zusammenhang sollte erst Ende Juli sichtbar werden, als der Fall eine dramatische Wendung nahm.
Hier spricht der Zodiac
Am 31. Juli 1969 gingen bei drei Tageszeitungen im Raum San Francisco anonyme Schreiben mit nahezu identischem Wortinhalt ein. Der Verfasser ließ keinerlei Zweifel daran, dass er a) der Mörder der Teenager war und b) beide Verbrechen in Vallejo und Benicia in direktem Zusammenhang standen. Denn er offenbarte in den Briefen exklusives Täterwissen.
Serienmörder mit gesteigertem Mitteilungsbedürfnis waren damals keine Novität mehr. Schon zu Zeiten von Jack the Ripper waren bei Polizei und Presse zahlreiche Bekennerschreiben eingetroffen. In letzterem Fall bestehen bis heute allerdings Zweifel daran, ob einer der Texte tatsächlich aus der Feder des Mörders stammte.
Im Fall des „Mad Bomber“ George Metesky, der in den 1940er und 1950er-Jahren die Stadt New York terrorisierte, sah die Sache schon anders. Eine noch größere Aufmerksamkeit war den Briefen beschieden, die der „Son of Sam“ David Berkowitz und der BTK-Killer Dennis Radar verschickten. Doch den letztgenannten Verbrechern wurde ihre Schreiberei schließlich zum Verhängnis. Der Zodiac-Killer sollte hingegen über zehn Jahre hinweg munter Briefe schreiben und konnte dennoch niemals gefasst werden.
Ein Geheimcode mit 408 Zeichen
Der erste Text ging am 31. Juli an den „San Francisco Chronicle“, den „San Francisco Examiner“ und die „Vallejo Times“ heraus. Das Anschreiben war wie erwähnt nahezu identisch. Doch jedem Kuvert lagen drei unterschiedliche Teile eines Kryptogramms bei, das insgesamt 408 Symbole umfasste und nur zusammen Sinn ergab.
Zudem war der Briefumschlag mit zwei 6-Cent-Marken mehr als ausreichend frankiert. Der Täter schien sicher stellen zu wollen, dass die Briefe pünktlich ausgeliefert wurden. Außerdem unterzeichnete er den Brief mit einem Logo, das in der Folge zu seinem persönlichen Erkennungsmerkmal werden sollte.


Name und Logo
In dieses Zeichen ist viel hineininterpretiert worden. Die Theorien, was es bedeuten könnte und wo es überall gesichtet bereits wurde, würden Seiten füllen. Ähnliches gilt für den Namen „Zodiac“ (englisch für Tierkreiszeichen), den sich der Mörder selber gab. Ich stelle an dieser Stelle nur die simpelste Erklärung vor, die beides unter einen Hut bringt: den Schweizer Uhrenhersteller Zodiac.
Die Firma existierte bereits zum Zeitpunkt der Morde und war in den USA durchaus bekannt. Das Modell Super Sea Wolf wurde zum Beispiel 1970 zur offiziellen Uhr der U.S. Navy Seals bestimmt.
Eine grobe Übersetzung des Briefs vom 31. Juli 1969 an den „San Francisco Chronicle“:
Lieber Herausgeber,
hier schreibt der Mörder der beiden Teenager am Lake Herman letzte Weihnachten und des Mädchens am 4. Juli am Golfplatz in Vallejo. Um zu beweisen, dass ich der Mörder bin, werde ich einige Fakten nennen, die nur mir und der Polizei bekannt sind.
Weihnachten
1) Markenname der Munition war Super X
2) 10 Schüsse wurden abgefeuert
3) Der Junge lag auf dem Rücken mit den Füßen zum Wagen
4) Das Mädchen lag auf der rechten Seite, die Füße zeigten gen Westen4. Juli
1) Das Mädchen trug gemusterte Hosen
2) Der Junge wurde unter anderem im Knie getroffen
3) Markenname der Munition war WesternHier ist ein Teil eines Geheimcodes. Die anderen beiden Teile des Codes habe ich an die Herausgeber der Vallejo Times und des San Francisco Examiner geschickt. Ich verlange, dass Sie den Code in Ihrer Zeitung abdrucken. Der Code enthält meine Identität.
Wenn Sie den Code nicht bis zum Nachmittag des 1. August 1969 abdrucken, werde ich Freitagnacht einen Amoklauf starten. Ich werde das gesamte Wochenende herumfahren und nachts einsame Menschen töten und so lange damit weitermachen, bis ich übers Wochenende ein Dutzend getötet habe.
Die Zeitungen kamen der Aufforderung nach und druckten den Code ab. Im „San Francisco Chronicle“ erschien er beispielsweise auf Seite 4. Neben der verschlüsselten Nachricht ließ sich der Polizeichef von Vallejo mit den Worten zitieren: „Wir sind nicht restlos überzeugt, dass der Brief vom Mörder stammt.“
Die Polizei blieb also skeptisch, ob das Schreiben tatsächlich authentisch war. Vielleicht wollte sie den Täter auch nur provozieren, einen weiteren Brief abzuschicken. Je mehr er von sich preisgab, umso bessere Chancen bestanden, dass ihm ein Fehler unterlief.

Zweiter Brief vom 7. August 1969
Der Mörder ließ sich in der Tat auf dieses Spiel ein. Nur wenige Tage später, am 7. August, traf beim „San Francisco Examiner“ ein zweites Schreiben ein. Es sollte alleine schon wegen seiner Eingangszeile Berühmtheit erlangen: „Lieber Herausgeber, hier spricht der Zodiac“. Dies war das erste Mal, dass der Täter den Namen „Zodiac“ für sich beanspruchte.
Eine ungefähre Übersetzung des Briefs vom 7. August 1969:
Lieber Herausgeber,
hier spricht der Zodiac.
Sie wollten mehr über die schöne Zeit erfahren, die ich in Vallejo verbracht habe. Ich bin höchst erfreut, Ihnen noch mehr Details liefern zu können. Nebenbei gefragt: Hat die Polizei eine ebenso schöne Zeit mit dem Code? Falls nicht, richten Sie ihr aus: Kopf hoch! Wenn sie ihn knacken, haben sie mich.
Zum 4. Juli:
Ich habe die Tür nicht geöffnet. Das Fenster war schon heruntergedreht. Der Junge saß ursprünglich auf dem Vordersitz, als ich losfeuerte. Als ich den ersten Schuss auf seinen Kopf abgab, hat er sich zurückgeworfen. Hat mir den Schuss versaut. Er landete auf der Rückbank, dann auf dem Boden hinter den Sitzen. Da hat er ziemlich mit seinen Beinen herumgestrampelt. Bei der Gelegenheit habe ich ihm ins Knie geschossen.Ich habe den Tatort nicht mit quietschenden Reifen und jaulendem Motor verlassen, wie es in der Vallejo Times geschrieben stand. Ich bin eher langsam gefahren, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Der Mann, der der Polizei sagte, dass mein Auto braun sei, war ein Neger, um die 40-45, eher schäbig gekleidet. Ich stand an dem Fernsprecher und hab mir mit den Bullen von Vallejo ein wenig die Zeit vertrieben. Da ging er vorbei. Als ich aufgelegt hatte, schellte plötzlich dieses verdammte Ding. Dadurch ist er auf mich und meinen Wagen aufmerksam geworden.
Letzte Weihnachten
Die Polizei hat sich da gefragt, wie ich in der Dunkelheit auf meine Opfer schießen und sogar noch treffen konnte. Sie haben es zwar nicht so klar ausgedrückt, aber zwischen den Zeilen angedeutet, dass es in der Nacht ziemlich hell gewesen sei. Man habe sogar noch die Silhouetten der Hügel am Horizont erkennen können. Schwachsinn. In der Gegend befinden sich große Hügel und Bäume.Was ich tatsächlich gemacht habe: Ich habe eine kleine Stifttaschenlampe an dem Lauf meiner Waffe befestigt. Achten sie mal darauf: In der Mitte des Lichtstrahls erscheint ein schwarzer oder dunkler Fleck, etwa 7,5 bis 15 cm groß. Ist die Lampe direkt am Waffenlauf befestigt, wird die Kugel genau im Zentrum des schwarzen Flecks einschlagen. Alles, was ich tun musste, war sie anzuleuchten, so als hielte ich einen Wasserschlauch in der Hand. Die Zielvorrichtung war überhaupt nicht nötig. Ich bin im Übrigen ganz und gar nicht erfreut, dass ich es nicht auf die Titelseite geschafft habe.



Rätsel gelöst
Ganz so clever, wie der Täter sich selbst darstellte, war er dann auch wieder nicht. Es dauerte nur bis zum 8. August 1969, bis ein Lehrer aus Salinas namens Donald Harden zusammen mit seiner Frau Bettye den Code geknackt hatte. Harden war ein begeisterter Amateur-Kryptologe. Der Text verriet allerdings nicht den Namen des Mörders. In diesem Punkt hatte er also – wenig überraschend – gelogen. So begann das Katz-und-Maus-Spiel von Neuem.
Donald Harden
Ungefähre Übersetzung des Kodes:
Ich liebe es, Menschen zu töten. Weil es so viel Spaß macht. Es bringt viel mehr Spaß als die Jagd auf Tiere. Weil der Mensch die gefährlichste Spezies überhaupt ist. Es ist das erregendste Gefühl, das ich kenne. Es ist sogar besser, als es mit einem Mädchen zu treiben. Das Beste daran ist: Wenn ich sterbe, werde ich im Paradies wiedergeboren. Und alle, die ich getötet habe, werden dort meine Sklaven sein. Ich werde euch nicht meinen Namen verraten, weil ihr versuchen werdet, mich aufzuhalten. Dann könnte ich keine weiteren Sklaven für mein Nachleben sammeln.
Dann folgte noch ein Stück Code, der bis heute nicht entschlüsselt werden konnte – EBEORIETEMETHHPITI.
Kapitelübersicht zum Fall Zodiac Killer
- Kapitel 1: Die ersten Morde – Lake Herman Road & Blue Rock Springs
- Kapitel 2: Lake Berryessa und der Mord an Paul Stine
- Kapitel 3: Mögliche weitere Opfer des Zodiac Killers
- Kapitel 4: Briefe, Codes und die Mount-Diablo-Karte
- Kapitel 5: Arthur Leigh Allen als Hauptverdächtiger
- Kapitel 6: Robert Graysmith, Medien und neue Ermittlungen
- Kapitel 7: Weitere Verdächtige im Zodiac-Fall
Vielleicht war er einfach ein Mensch ,der wusste das er nicht mehr lange hat.aufgrund einer Krankheit oder er war selbst Polizist…mittlerweile wird er wohl Tod sein