Cheri Jo Bates: Ein ungeklärter Mord in Riverside

Am Morgen des 31. Oktober 1966 säuberte der Platzwart Cleophus Martin die Straßen auf dem Campus des Riverside City College in Kalifornien. Um 6.28 Uhr fuhr er mit seiner Kehrmaschine an einen Schotterweg vorbei, der am Terracina Dive nahe dem Parkplatz der Bibliothek verlief. Dort lag eine junge Frau mit dem Gesicht nach unten zwischen zwei unbewohnten Häusern.

Inhaltsverzeichnis

Ein fehlendes paar Schuhe

Die verständigte Polizei identifizierte die Tote anhand von Ausweispapieren als die 18-jährige Studentin Cheri Jo Bates. Sie war vollständig bekleidet und trug nach wie vor die Kleidung, in der sie Zeugen zuletzt gesehen hatten: eine langärmelige, hellgelbe Bluse und verblasste rosafarbene Caprihosen. Die Kleidungsstücke waren durchtränkt mit Blut.

Auf ihrer Hose befand sich zudem ein blutiger Handabdruck. Eine große, rot-beige geflochtene Strohtasche, in der sich sowohl ihr Ausweis als auch 56 Cent befanden, lag teilweise unter ihrem Bein. Ein weiteres auffälliges Detail: Die Schuhe des Opfers fehlten.

Der Täter hatte Cheri Jo Bates nach dem ersten Augenschein wiederholt in die Brust und die linke Schulter gestochen. Der Leichnam wies zudem mehrere tiefe Schnittwunden im Gesicht und am Hals auf.

Zwei Spuren

Angesichts der Spurenlage gingen die Ermittler davon aus, dass der Täter die junge Frau getötet hatte, als sie auf dem Rücken lag. Erst post mortem hatte er ihren Leichnam umgedreht. Der Gerichtsmediziner leitete diesen Umstand aus der Art und Weise ab, wie sich das Blut auf der Rückseite ihrer Hose angesammelt hatte und wie ihre Füße gekreuzt waren. Darüber hinaus stellte er fest, dass der Täter Cheri Bates nicht vergewaltigt hatte oder in anderer Form sexuell übergriffig geworden war.

Rund drei Meter von Bates’ Leiche entfernt entdeckten Ermittler eine billige, mit Farbspritzern versehene Timex-Armbanduhr sowie einen Schuhabdruck. Letzterer stammte von einem Fabrikat der Marke BF Goodrich, das ausschließlich über militärische Verkaufsstellen vertrieben und von Insassen im Bundesgefängnis Leavenworth hergestellt wurde. Die Schuhgröße lag zwischen 41 und 43.

Die gefundene Timex-Uhr am Tatort

Wie ein frisch gepflügtes Feld

Cheri Jo Bates war 1,60 Meter groß. Ihr Mörder hatte sie daher möglicherweise als leichte Beute eingeschätzt. Doch in diesem Punkt hatte er sich geirrt. Die Frau war fit und athletisch. Sowohl die Untersuchung des Tatorts als auch die spätere Autopsie brachten zahlreiche Belege für einen heftigen körperlichen Kampf zwischen Bates und ihrem Mörder zutage.

Offensichtlich hatte sie die Arme, das Gesicht und den Kopf ihres Angreifers zerkratzt und ihm dabei die Armbanduhr vom Handgelenk gerissen. Die Kriminalbeamte fanden Blutstropfen, die vom Tatort zum Terracina Drive führten, woraus sie schlossen, dass der Mörder nach der Bluttat diesen Fluchtweg genommen hatte.

Den Boden rund um Bates’ Leiche beschrieb der Gerichtsmediziner im offiziellen Bericht mit dem Ausdruck „wie ein frisch gepflügtes Feld“. Darum herrschte im Nachhinein Skepsis, ob sich der oben beschriebene Schuhabdruck tatsächlich zweifelsfrei dem Täter zurechnen ließ.

Ein maigrüner VW-Käfer

Bates’ maigrüner VW Käfer stand nur 70 Meter östlich des Fundorts ihrer Leiche. Vermutlich hatte der Täter die Zündkabel und den Verteiler des Fahrzeugs absichtlich herausgezogen. Der Zündschlüssel steckte im Zündschloss und die Fenster auf der Fahrer- und Beifahrerseite waren ein Stück heruntergelassen. Auf dem Vordersitz lagen drei Bibliotheksbücher zum Thema US-Wahlrecht und Regierung sowie ein blaues, mit Kugelschreiber beschriebenes Spiralnotizbuch.

Am Fahrzeug stellten die Ermittler elf verschmierte, ölige Hand- und Fingerabdrücke sicher. Die Überprüfung ergab, dass diese Abdrücke weder von Bates noch von einem ihrer Freunde oder Verwandten stammten.

Ergebnisse der Autopsie

Die anschließende Autopsie des Leichnams ab 10.30 Uhr am selben Morgen ergab, dass Cheri Jo Bates insgesamt 26 Wunden erlitten hatte und wiederholt gegen den Kopf getreten worden war. Ihre Kleidung war zerzaust, und in ihrem Haar steckten Blätter, Zweige und anderes Unrat.

Der Gerichtsmediziner Dr. F. Rene Modglin hielt in seinem Protokoll fest, dass sie Stichwunden in der Brust (einmal unter dem linken Schulterblatt und mehrere Einstiche an der linken Brust) erlitten hatte. Zudem wiesen ihre linke Wange, ihre Oberlippe, die Rückseite ihrer linken Hand und ihre Arme Schnittwunden auf.

Drei weitere Schnitte fanden sich am Hals, darunter ein V-förmiger Schnitt, der zweimal ihren Schildknorpel traf, sowie einen Stich durch die rechte Karotis und Drosselvene, die mühelos und ohne Zögern durchtrennt wurde und vom Gerichtsmediziner als tödlicher Treffer eingestuft wurde. Die Klinge des Tatmessers war 3,8 cm breit und 8,9 cm lang, wie sich aufgrund der tiefsten Stichwunden schlussfolgern ließ.

Im Laufe der Jahre tauchten Berichte auf, die behaupteten, ihr Kopf sei „fast ganz abgeschnitten“ worden. Dies entsprach aber nicht den Tatsachen, die dem Autopsiebericht zu entnehmen sind. Ihre linke Halsschlagader, ihre Drosseladern und ihre Luftröhre waren nicht in ihrer Funktion beeinträchtigt. Eine fast vollständige Enthauptung wäre zudem aufgrund der geringen Klingenlänge kaum möglich gewesen.

Bates hatte offenbar auf dem Boden gelegen, als sie die Messerstiche in ihr linkes Schulterblatt und in den Hals erlitt. Außerdem vermutete der Gerichtsmediziner anhand der Spurenlage, dass sie zeitweise vor ihrem Angreifer weggekrochen war und er sie zurückgezogen hatte.

Auf der Stirn und der Kopfhaut wies Bates sogenannte Petechien auf – kleine Blutpunkte unter der Haut als Folge geplatzter Kapillaren durch hohe emotionale Belastung und Todesangst. Pathologe Dr. Rene Modglin sicherte Fragmente von Haut sowie mehrere braune Haare an der Basis ihres rechten Daumens unter den Fingernägeln ihrer rechten Hand, die nicht von ihr stammten.

Der Magen beinhaltete laut Obduktion unter anderem ein Roastbeef-Sandwich, das Cheri Bates etwa 2 bis 4 Stunden vor ihrem Tod gegessen haben musste. Aufgrund des Mageninhalts und anderer Spuren grenzte der Gerichtsmediziner den Todeszeitpunkt auf den Zeitraum zwischen 21:23 Uhr und 0:23 Uhr in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober ein.

Der letzte Tag im Leben von Cheri Jo Bates

Am 1. November hatte die Polizei von Riverside bereits mit 75 Personen gesprochen. Bis zum 3. November wuchs die Zahl auf 125 Befragte an. Die Beamten sprachen unter anderem mit Angehörigen, Freunden, Kollegen, Kommilitonen sowie Militärpersonal der 15 Autominuten entfernten March Air Force Base. Bis zum 6. November hatte die Polizei fast alle Personen, die sich erwiesenermaßen auf dem Campus aufgehalten hatten, überprüft und ausgeschlossen.

Cheri Jo Bates

Zu diesem Zeitpunkt standen den Ermittlern auch die notwendigen Informationen zur Verfügung, um den letzten Tag im Leben des Mordopfers zu rekonstruieren. Am Morgen des 30. Oktober 1966 besuchten Cheri Jo Bates und ihr Vater die Sonntagsmesse in der katholischen Kirche St. Catherine of Alexandria. Anschließend frühstückten die beiden gemeinsam in einem örtlichen Diner namens „Sandy’s“.

Nachdem sie gegessen hatten, fragte ihr Vater sie, ob sie ihn an den Strand begleiten wolle. Eine Freizeitaktivität, an der die Tochter sonst gerne teilnahm. Sie lehnte jedoch ab und erklärte, sie müsse nach Hause gehen, um an einer bald fälligen Hausarbeit über das Wahlmännergremium zu arbeiten.

Anrufe am Nachmittag

Um 15:00 Uhr sowie zwischen 15:30 und 15:45 Uhr rief Cheri Jo Bates zweimal eine enge Freundin namens Stephanie Guttman an, um zu fragen, ob diese sie in die Bibliothek begleiten wolle, um zu lernen und Bücher zu holen. Beim zweiten Gespräch lehnte Guttmann ab. Einigen Quellen zufolge war ursprünglich auch geplant, dass sie mit einer Nachbarin und Mitstudentin namens Kathryn Hunter in die Bibliothek gehen sollte, die das Angebot jedoch ebenfalls ausschlug.

Zudem rief Bates kurz vor ihrem Aufbruch eine ungenannte Kollegin in der Riverside National Bank an und fragte, ob diese eine von ihr verlegte Bibliografie für eine Semesterarbeit gesehen habe. Als die Kollegin dies verneinte, erwiderte Bates: „Jetzt muss ich mit meinen Karteikarten ganz von vorne anfangen.“

Die Ermittler mutmaßten, dass Bates das Haus zwischen 16:30 und 17:00 Uhr verließ. Eine Nachbarin gab an, ihr Auto um 16:45 Uhr noch in der Einfahrt geparkt gesehen zu haben. Als ihr Vater am späten Nachmittag gegen 17:00 Uhr vom Strand nach Hause zurückkehrte, fand er einen Zettel am Kühlschrank der Familie vor, auf dem geschrieben stand: „Dad, bin zur RCC-Bibliothek gefahren.“ Er ging an diesem Abend noch einmal außer Haus und hinterließ seiner Tochter seinerseits einen Zettel, den er bei seiner Rückkehr gegen Mitternacht unberührt vorfand.

In der Bibliothek

Ein Zeuge berichtete der Polizei, dass Bates in ihrem auffälligen VW Käfer gegen 18:00 Uhr in Richtung des RCC fuhr. Ein weiterer Zeuge gab an, dass ihrem Fahrzeug ein bronzefarbener Oldsmobile aus dem Baujahr 1965 oder 1966 dicht gefolgt sei.

Die Bibliothek lag knapp 5 Kilometer von ihrem Haus entfernt. Nach ihrer Ankunft parkte sie ihren maigrünen VW Käfer im Terracina Drive, einer schmalen Straße zwischen der Bibliothek und dem alten Campus-Hof im mediterranen Stil.

Um 18:13 Uhr beobachteten vier Arbeiter, die auf einem Zaun saßen, wie Cheri Jo Bates ihr Auto parkte und zur Bibliothek ging. Die Männer blieben bis etwa 19:15 Uhr dort und gaben an, niemanden Verdächtiges um ihr Fahrzeug herum bemerkt zu haben.

Ein Student, der Bates kannte, sah sie gegen 18:15 Uhr in der Bibliothek an einem Tisch sitzen. Sie schrieb mit dem Kugelschreiber etwas in ihren blauen Spiralblock. Die Unibibliothek hatte erst gegen 18.00 Uhr geöffnet. Auch eine Bibliothekarin bezeugte gegenüber der Polizei, Cheri Jo Bates an dem Abend gesehen zu haben, ohne sich jedoch an die genaue Uhrzeit erinnern zu können.

Einige RCC-Studenten, die sich zwischen 18:30 und 18:45 Uhr in dem Gebäude aufhielten und Bekannte von ihr waren, sagten hingegen aus, sie an diesem Abend nicht angetroffen zu haben. Dabei war der Raum recht überschaubar.

Verdächtige Beobachtungen

Um 19:00 Uhr beobachtete ein Zeuge einen hellbraunen Studebaker, etwa Baujahr 1950 mit verblichenem Lack, der südwärts auf dem Terracina Drive fuhr. Ein Freund von Bates namens Walter Siebert arbeitete von 19:15 bis 21:00 Uhr in der Bibliothek an Hausaufgaben und hatte sie ebenfalls nicht bemerkt. Niemand konnte sich daran erinnern, wann genau Cheri Jo die Bibliothek verlassen hatte.

Übereinstimmenden Zeugenaussagen zufolge blieb die Bibliothek bis zur regulären Schließzeit um 21:00 Uhr geöffnet. Eine Studentin berichtete, dass sie gegen 21:30 Uhr einen jungen Mann bemerkte, der in der Gasse, in der Bates später tot aufgefunden wurde, im Schatten harrte und eine Zigarette rauchte. Sie schätzte ihn auf etwa 19 bis 20 Jahre und rund 1,80 Meter groß. Er starrte intensiv in Richtung des geparkten Autos von Bates.

Die Polizei sah sich den Standort des Unbekannten an, den die Zeugin beschrieben hatte. Er hätte von dort tatsächlich einen hervorragenden Blick auf den VW Käfer haben können. Die Polizei sicherte an dieser Stelle einen weggeworfenen Zigarettenstummel, der möglicherweise von diesem Mann stammte.

Schreie in der Nacht

Zudem nahmen die Ermittler die Aussage einer Anwohnerin der nahen Shelly Lane Apartments auf. Sie hatte in der Mordnacht zwischen 22:15 und 22:45 Uhr kurze Schreie einer Frau aus Richtung Terracina Drive und danach einen gedämpften Laut gehört. Ungefähr zwei Minuten hatte sie das Starten eines Motors vernommen. Ein zweiter Zeuge wollte ebenfalls einen Schrei gegen 22:30 Uhr wahrgenommen haben.

Wenn die Zeitangaben stimmen sollten, stellte sich die Frage: Was hatte Cheri Jo Bates nach Schließung der Bibliothek um 21.00 Uhr gemacht? Ihr Auto stand schließlich nur wenige Schritte vom Gebäude entfernt.

Eine mögliche Erklärung: In der Nacht zuvor war erstmals in den USA die Sommerzeit eingeführt und damit die Uhr um eine Stunde zurückgedreht worden. Doch gegen diese Maßnahme gab es in der Öffentlichkeit reichlich Widerstand. Viele Menschen weigerten sich zunächst, ihre Uhren auf die neue Zeit umzustellen. Sollten die Zeugen zu dieser Gruppe dazugehört haben, würde die zeitliche Einordnung wieder passen. Dann wären die Schreie zwischen 21.15 und 21.45 Uhr zu vernehmen gewesen.

Die schlimmsten Befürchtungen

Gegen 19:00 Uhr an diesem Abend hatte Joseph Bates das erste Mal bei Stephanie Guttman angerufen, um zu fragen, ob seine Tochter Cheri sich bei ihr aufhalte oder sie wisse, wo sie gerade stecke. Das Mädchen erzählte ihm von ihren Telefonaten am Nachmittag und Cheri die Bibliothek besuchen wollte.

Am 31. Oktober wachte der besorgte Vater früh auf und musste feststellen, dass das Bett seiner Tochter in der Nacht unberührt geblieben war. Um 5:43 Uhr verständigte er die Polizei von Riverside und gab eine Vermisstenanzeige auf. Gegen 5:50 Uhr rief er nochmals Stephanie Guttman. Doch sie hatte immer noch nichts von ihrer Freundin gehört. Um 6:28 Uhr entdeckte dann Cleophus Martin den Leichnam von Cheri Jo Bates und bestätigte damit die schlimmsten Befürchtungen des Vaters.

Am 4. November 1966 wurde das Mordopfer auf dem Friedhof Crestlawn Memorial Park in Riverside beigesetzt. Ihre Eltern, ihr älterer Bruder und mehrere Hundert Trauernde nahmen an der Zeremonie teil.

Rekonstruktion eines Verbrechens

Die Ermittler gingen aufgrund der Spuren am Tatort davon aus, dass der Täter gezielt den Wagen seines späteren Opfers manipuliert hatte. Forensische Experten fanden heraus, dass er das mittlere Kabel von der Zündspule zum Verteiler des VW-Käfers abgerissen hatte. Damit war die Stromzufuhr zu den Zündkerzen unterbrochen und der Wagen ließ sich nicht mehr starten.

Die Polizei vermutete zudem, dass der Täter sich Cheri Jo Bates näherte, nachdem sie wiederholt versucht hatte, ihr Auto zu starten. Er bot ihr als vermeintlicher Retter in der Not seine Hilfe an. Indizien für diesen Tathergang: Der Schlüssel steckte bereits im Zündschloss und die Fenster auf Fahrer- und Beifahrerseite waren ein Stück weit geöffnet, so als hätte sie sich mit jemandem unterhalten. Die an ihrem Auto gefundenen Finger- und Handballenabdrücke ließen sich niemandem zuordnen und stammten nach Einschätzung der Ermittler höchstwahrscheinlich vom Täter selbst.

Nach den Überlegungen der Polizei lockte er sie dann unter irgendeinem Vorwand aus dem Käfer heraus. Vielleicht bot er ihr an, sie zu einem Telefonapparat zu verständigen, um ihren Vater anzurufen. Möglicherweise hatte er ihr versprochen, er kenne jemand, der helfen könne. Was diesem Szenario allerdings widersprach, war der zurückgelassene Autoschlüssel. Hatte er sie vielleicht doch schon an dieser Stelle mit einer Waffe bedroht und zum Aussteigen gezwungen? Der Täter attackierte das Opfer aber erst in einem schlecht beleuchteten Abschnitt des Terracina Drive, der durch dichten Pflanzenbewuchs nur teilweise einsichtbar war.

Detective Sergeant David Bonine vom RPD ließ neun Tage nach ihrer Beerdigung die letzten Stunden im Leben von Cheri Jo Bates mithilfe der befragten Zeugen nachstellen. Die RCC-Bibliothek wurde hierfür zwischen 17:00 und 21:00 Uhr gesperrt. An dieser Rekonstruktion nahmen 62 Studierende, zwei Bibliothekare und ein Hausmeister teil, die am Abend des 30. Oktober tatsächlich anwesend gewesen waren. Alle trugen dieselbe Kleidung und parkten ihre Autos exakt an derselben Stelle.

Jede von der Polizei aufgerufene Person erschien – mit Ausnahme eines korpulenten, bärtigen Mannes, der im Gespräch mit einer jungen blonden Frau gesehen worden war und danach spurlos verschwand. Man vermutete, dass er der Halter des mehrfach gemeldeten hellbraunen Studebakers war.

Alle anwesenden männlichen Studenten gaben Haar- und Fingerabdruckproben ab. Sie konnten allesamt entlastet werden. Der entscheidende Durchbruch blieb aus. Der Polizei gelang es auch nie – trotz aller Appelle in den Medien – den Halter des Studebakers zu ermitteln.

Biografie Cheri Jo Bates

Die Polizei grub tiefer im Leben des Mordopfers. Hatte sie sich in jungen Jahren bereits Feinde gemacht? Gab es etwa einen eifersüchtigen Ex-Freund? Cheri Josephine Bates wurde am 4. Februar 1948 als jüngeres von zwei Kindern von Joseph Charles Bates und Irene Margaret Karolevitz in Omaha, Nebraska, geboren.

1957 zog die Familie nach Riverside, einem kleinen Vorort im Osten von Los Angeles. Dort arbeitete ihr Vater zunächst am X-15-Programm auf der Edwards Air Force Base, bevor er eine Anstellung als Maschinist am Corona Naval Ordnance Laboratory fand.

Scheidung der Eltern

Cheris Eltern ließen sich 1965 scheiden. Ihre Mutter lebte zwar ebenfalls in der Nähe, war zum Zeitpunkt des Mordes an ihrer Tochter jedoch Berichten zufolge wegen psychischer Probleme im Patton State Hospital untergebracht. Ihr älterer Bruder Michael diente 1966 bei der U.S. Navy.

Cheri Jo Bates hatte blaue Augen, blondes Haar mit einer Pagenkopf-Frisur und trug laut ihrem Vater beim Lernen eine Brille. Sie war zierlich, wog nur ca. 50 kg und war 1,60 Meter groß. Bekannte beschrieben sie als nettes, aber schreckhaftes bzw. eher schüchternes junges Mädchen. Ihr Bruder erwähnte, dass sie viele Freunde hatte, aber nicht zu festen Cliquen dazugehören wollte.

Sie absolvierte 1966 die Ramona High School, wo sie zu den Jahrgangsbesten gehörte. Sie war in der Schülervertretung und als Cheerleader für die Schulmannschaft aktiv gewesen. Sie spielte Klavier und nähte gerne ihre eigene Kleidung. Ehemalige Mitschüler und Nachbarn erinnerten sich an ihre große Hilfsbereitschaft, ihre Freundlichkeit und daran, dass sie oft in der Nachbarschaft babysittete.

Traumberuf Stewardess

Sie hegte den Traum, Flugbegleiterin zu werden und die Welt zu bereisen. Da man für diesen Job damals jedoch mindestens zwanzig Jahre alt sein musste, wurde ihre erste Bewerbung abgelehnt. Sie plante daher, das Riverside City College für zwei Jahre zu besuchen und sich danach erneut bei einer Fluggesellschaft zu bewerben.

Kurz vor dem Mord, am 22. Oktober, hatte sie sich mit ihrem zwei Jahre älteren High-School-Jugendfreund Dennis Highland verlobt. Highland hatte ebenfalls das RCC besucht, war jedoch nach zwei Jahren an das San Francisco State College gewechselt, um dort als Tight End in der Footballmannschaft zu spielen. Am Wochenende vor der Tat hatte Cheri Jo Bates ihn und seine Eltern in San Francisco besucht, was etwa sechs Autostunden von Riverside entfernt lag.

Um sich das Studium zu finanzieren, arbeitete sie in Teilzeit bei der Riverside National Bank. Ihre Ersparnisse und dieser Lohn ermöglichten ihr den Kauf eines maigrünen VW Käfers aus dem Jahr 1960. Sie war stolz auf ihr Auto und sehr penibel bezüglich dessen Zustand und Sauberkeit. Erst in der Woche vor ihrem Tod hatte sie den Wagen zur Inspektion in eine Kfz-Werkstatt gebracht.

Im Oktober 1966 studierte Cheri Jo in ihrem ersten Semester am RCC. Sie wohnte zusammen mit ihrem Vater in der 4195 Via San Jose in Riverside.

Der Mörder meldet sich

Knapp ein Monat nach dem Mord an Cheri Jo Bates, am 29. November 1966, trafen zwei identische, mit einer Schreibmaschine verfasste Briefe ohne Absender im Hauptquartier der Polizei von Riverside (RPD) sowie in den Redaktionsräumen der Riverside Press-Enterprise ein. Der Verfasser schilderte detailliert, wie er das junge Opfer von ihrem Auto weggelockt und anschließend ermordet hatte. Er beschrieb, wie er ihren Wagen manipuliert hatte. Wie er dann im Schatten stand. Wie er sie beobachtet hatte, als sie wiederholt versuchte, die Zündung einzuschalten, bis die Batterie vollständig entladen war.

Erst zu diesem Zeitpunkt habe er ihr seine Hilfe angeboten, indem er behauptete, sein eigenes Auto stehe weiter die Straße hinunter. Dadurch habe er sie erfolgreich von ihrem Auto weggelockt. Nachdem sie nur ein kurzes Stück gegangen waren, habe er zu ihr gesagt: „Es ist an der Zeit.“ Daraufhin fragte sie: „Zeit für was?“, worauf er schlicht erwiderte: „Zeit für dich zu sterben.“

Der Briefschreiber behauptete weiterhin, er habe seine Hand auf ihren Mund gepresst und ein Messer an ihren Hals gehalten. Er habe sie gezwungen, in eine nahe gelegene, schwach beleuchtete Gasse zu gehen. Dort habe er begonnen, sie zu schlagen und zu treten, bevor er sie zu Tode stach. Der Verfasser gab zudem an, das Opfer gekannt zu haben: „Mir ging nur eins durch den Kopf: Sie dafür büßen zu lassen, dass sie mich in den Jahren zuvor abgewiesen hatte.“ Da der Brief Details des Tötungsdelikts enthielt, welche die Öffentlichkeit noch nicht kannte, hielten die Ermittler das Schreiben für authentisch.

Brief vom 29. November 1966

Die Polizei von Riverside kontaktierte am folgenden Tag das FBI. Gab es ähnliche Fälle in ihren Akten? Die Überprüfung lieferte jedoch keine Ergebnisse. 1974 stellte das FBI fest, dass sich auf dem Umschlag des an das RPD gesendeten Briefes ein latenter Fingerabdruck befand, der Stand Juli 2026 weiterhin unidentifiziert ist.

Ein geschmackloser Scherz

Am 29. April 1967, rund ein Monat nach der Tat, druckte eine Lokalzeitung einen Artikel zum aktuellen Stand der Ermittlungen im Mordfall Cheri Jo Bates ab. Am nächsten Tag erhielten die Polizei von Riverside, die Press-Enterprise und Joseph Bates handgeschriebene Briefe von einer unbekannten Person mit der Botschaft: „Bates musste sterben. Es wird weitere geben“. Am Ende jeder Korrespondenz befand sich ein unentzifferbares Symbol, bei dem es sich entweder um eine „2“ oder ein „Z“ handelte.

Brief vom 29. April 1967

Im August 2021 veröffentlichte die Cold-Case-Einheit des Riverside Police Dpartments ein Update zu den drei Briefen. Im April 2016 hatte die Polizei ein Schreiben von einem Bewohner aus San Bernardino erhalten, der gestand, die Briefe im April 1967 verschickt zu haben.

Er erklärte, dass es sich um einen geschmacklosen Scherz gehandelt habe. Die Person äußerte Reue für ihre Handlungen, entschuldigte sich und gab an, damals ein verstörter Jugendlicher gewesen zu sein und die Briefe aus Geltungssucht geschrieben und versendet zu haben. Diese Behauptungen ließen sich später durch einen positiven DNA-Abgleich untermauern.

Weiterer Mordversuch auf dem Campus

Die Polizei von Riverside untersuchte seinerzeit auch, ob es mögliche Verbindungen zu anderen Verbrechen gab. Ein Jahr vor dem gewaltsamen Tod von Cheri Jo Bates war eine Studentin Opfer eines versuchten Mordes auf dem Campus des Riverside City College geworden. Der Fall wies auf den ersten Blick deutliche Parallelen auf.

Am 13. April 1965 verließ die 19-jährige Rosalyn Attwood am Abend eine Vorlesung. Die Studentin wohnte in Campusnähe und ging häufig zu Fuß zur Hochschule. Als sie sich auf dem Heimweg auf einem Parkplatz nahe des Cutter-Pools befand, sprach sie ein Autofahrer an. Er bestand äußerst hartnäckig darauf, sie nach Hause zu fahren.

Sie lehnte sein Angebot mehrfach ab und ging ihres Weges. Der Mann stieg schließlich aus dem Wagen aus, folgte ihr ein Stück zu Fuß und attackierte sie. Es kam zu einem Handgemenge, bei dem der Angreifer ein Messer zog und sie in den Bauch stach. Attwood erlitt schwere Verletzungen, überlebte aber.

Sie konnte den Ermittlern so eine Beschreibung des Täters geben. Etwas mehr als zwei Wochen später, am 28. April 1965, teilte die Polizei mit, dass sie den 19-jährigen Rolland Lin Taft verhaftet hatte. Der Verdächtige passte auf die Beschreibung. Dann verglichen die Ermittler seine Fingerabdrücke mit den sichergestellten Spuren auf der Tatwaffe und landeten einen Volltreffer. Taft wurde noch im selben Jahr wegen der Tat zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Nach dem Mord an Cheri Jo Bates erinnerten sich die Medien an das Verbrechen aus dem Vorjahr. Sie wiesen darauf hin, dass beide Tatorte sehr nahe beieinander lagen. Taft kannte zudem das Opfer, weil er dieselbe Highschool besucht hatte. Doch er hatte ein wasserdichtes Alibi. Im Oktober 1966 saß er schon lange in Haft und konnte schlicht nicht diesen Mord begangen haben.

Skandal am Riverside City College

Vier Tage vor der Tat war es zu einem handfesten Skandal am Riverside City College gekommen. Am 27. Oktober 1966 nahm die Polizei 21 Mitglieder einer Studentenverbindung fest. Die Behörden warfen den Männern vor, am 22. Oktober eine 16-jährige Schülerin der Ramona High School gemeinschaftlich sexuell misshandelt zu haben.

Von den 21 Verdächtigen wurden 20 beschuldigt, direkt an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Zwei Studenten nahm die Polizei sofort in Untersuchungshaft, zwei weitere übergab man an die Jugendbehörden. Die verbleibenden 17 Personen ließ man gegen eine Kaution von jeweils 550 US-Dollar auf freien Fuß. Mir sind keine Berichte über spätere Entwicklungen oder eine Verbindung dieses Vorfalls zum Mord an Cheri Jo Bates bekannt.

Spätere Überprüfung von DNA-Material

Etliche gesicherte Spuren im Fall Cheri Jo Bates enthielten DNA-Material. Mitte der 1960er-Jahre konnte selbstverständlich noch niemand ahnen, wie der technologische Fortschritt in diesem Feld die Polizeiarbeit ab den 1990er-Jahren revolutionieren sollte. Dieser Umstand ermöglichte es den Ermittlungsbehörden, Jahrzehnte nach der Tat weitere Untersuchungen in dem ungelösten Mordfall durchzuführen.

Im März 1999 schickte die Polizei von Riverside sämtliche physische Beweismittel im Zusammenhang mit dem Mord an Cheri Jo Bates an das FBI-Labor in Quantico, um sie mit ihrem damaligen Hauptverdächtigen abzugleichen. Es gelang ihnen, eine mitochondriale DNA-Sequenz aus einem der Haare zu extrahieren, die sich im Blutgerinnsel an der Basis von Bates’ rechtem Daumen befanden.

Am 21. Juni 1999 gab das FBI bekannt, dass sich diese Haare mikroskopisch von den Haaren auf Bates’ Kopf unterschieden. Im darauffolgenden März teilten die Ermittler mit, dass die mtDNA der Haarprobe nicht mit der DNA des Hauptverdächtigen des RPD übereinstimmte.

Zudem versuchte das FBI, DNA aus dem Zigarettenstummel zu extrahieren. Der Stummel war, wie weiter oben beschrieben, in der Nähe des Tatorts geborgen worden. Die Ermittler mutmaßten, dass er dort von dem geheimnisvollen Mann in der Gasse zurückgelassen wurde. Es stellte sich jedoch heraus, dass das Zigarettenstück nicht genügend DNA-Spuren enthielt, um daraus ein genetisches Profil zu erstellen.

Eine neue Blutspur

Im Jahr 2017 strahlte der History Channel eine TV-Miniserie mit dem Titel „The Hunt for the Zodiac Killer“ aus. Während der Dreharbeiten fiel dem Cold-Case-Ermittler Ken Mains ein Blutstropfen auf Bates’ pinkfarbenen Caprihosen auf, der sich von den anderen zu unterscheiden schien.

Die forensische Serologin Suzanna Ryan nutzte eine mikrobielle Vakuumsaugtechnologie (auch als „M-Vac“ bekannt), um DNA von den Hosen zu sichern, und konnte bestätigen, dass diese von einem Kaukasier stammte, also einem weißem Mann. Die Menge an Material war ausreichend, um die Spur mit einer anderen Probe zu vergleichen. Darüber hinaus gelang es Experten, DNA von der Timex-Armbanduhr zu gewinnen.

Hinsichtlich der Fingerabdrücke am Wagen sind – Stand Juli 2026 – vier Finger- und drei Handballenabdrücke ungeklärt und beim FBI hinterlegt. Laut einem FBI-Bericht von 1974 gab es zudem zwei unidentifizierte latente Abdrücke auf den Briefen (vom „Geständnis“-Brief im November 1966 sowie der Korrespondenz „She had to die“), die jedoch nicht mit denen vom VW übereinstimmten.

Der Hauptverdächtige: „Bob Barnett“

Im Fall Cheri Jo Bates kam es nie zu einer Verhaftung. Doch in den Jahrzehnten bis zu den DNA-Abgleichen hatte sich für die Ermittler ein Hauptverdächtiger heraus kristallisiert. Die wahre Identität wurde nie enthüllt, da der Mann noch lebte. Im Internet ist für diese Person das Pseudonym „Bob Barnett“ geläufig.

Barnett war im Herbst 1966 ebenfalls Student am RCC und datete angeblich Bates in den Wochen vor ihrem Mord. Kurz vor ihrem Tod hatte sie sich jedoch mit ihrem Highschool-Freund Dennis Highland verlobt. Ein Widerspruch? Die Ermittler schienen die Möglichkeit zumindest in Betracht zu ziehen, dass dieser Beziehungskonflikt im Hintergrund schwelte. Gegenüber der Seite zodiackiller.com stritt Barnett Jahrzehnte später jedoch kategorisch ab, Bates jemals gedatet zu haben, sowie andere Behauptungen über ihn wie beispielweise folgende Ohrfeige.

Eine Ohrfeige auf dem Campus

Nach der Trennung kam es laut Zeugenaussagen Tage vor dem Mord auf dem RCC-Campus zu einem heftigen öffentlichen Streit zwischen den beiden. Barnett ohrfeigte Cheri Jo Bates und fragte sie: „Hast du deine Meinung jetzt geändert?“

Am Abend des Mordes spielte Barnett mit Freunden Basketball. Auf eine bis heute ungeklärte Weise kontaktierte Bates ihn scheinbar während des Spiels. Denn laut seinen Freunden verließ er die Runde mit den Worten: „Die Schlampe will in die Bibliothek.“

Bei den ersten Ermittlungen schien er aus polizeilicher Sicht dennoch entlastet zu sein. Doch 1968 geriet er erneut ins Visier der Ermittler. Ein Gefängnisinsasse berichtete, Barnett habe ihm gegenüber geprahlt, den Mord begangen zu haben. Der Informant bestand einen Lügendetektortest, seine Geschichte blieb über Jahre konsistent.

Zwei Männer auf der Suche

Anwohner hatten zudem gegen 1:30 Uhr am 31. Oktober 1966 zwei Männer mit Taschenlampen am Tatort beobachtet, die offenbar etwas suchten. Die Polizei mutmaßte, dass es sich bei diesen Personen um Bob Barnett und einen Komplizen gehandelt hatte. Sein damals bester Freund fiel später beispielsweise durch einen Lügendetektortest durch. Barnett selbst verweigerte auf Anraten seines Anwalts alle Antworten bei einer ähnlichen Vernehmung.

Anfang der 1990er-Jahre machte besagter ehemaliger bester Freund ein Geständnis. Er habe Bob Barnett in den frühen Morgenstunden des 31. Oktober, gegen 2.30 Uhr seiner Erinnerung nach, im Restaurant „The Green Turtle“ getroffen. Barnett habe ihm gegenüber geäußert, etwas auf dem Campus verloren zu haben und danach suchen zu wollen. Ein weiterer Freund sagte aus, ein hysterischer Barnett habe ihm am Morgen des 31. Oktober anvertraut, er habe Cheri getötet.

Barnett hatte zwar bis 1966 keinen direkten Berührungspunkt zum Militär. Aber seine Schwester arbeitete zur Tatzeit auf der Norton Air Force Base. Die Ermittler hielten es für möglich, dass sie ihm Schuhe und Armbanduhr besorgt bzw. geschenkt haben könnte, weil sie entsprechenden Zugang zu den Army-Shops hatte. Zudem waren die unter Bates’ Fingernägeln gesicherten Haare hellbraun, was zu Barnetts Haarfarbe passte.

Im Dezember 1998 kehrte Barnett über die Weihnachtsfeiertage aus den Philippinen zurück, wo er den Großteil seines Lebens verbracht hatte. Die Polizei ergriff die Gelegenheit beim Schopf und fing ihn am Ontario Airport ab. Sie entnahm ihm Haut-, Speichel- und Haarproben und schickte sie an das FBI in Quantico. Sein DNA-Profil stimmte jedoch nicht mit den Tatortspuren überein. Damit war er ein zweites Mal offiziell entlastet.

Mögliche Verbindung zum Zodiac-Killer

Bis heute gilt auch der sogenannte „Zodiac-Killer“ als potenzieller Verdächtiger im Mordfall Cheri Jo Bates. Diesen Zusammenhang hatten zunächst Medien ins Spiel gebracht. Doch dann meldete sich der Täter in dieser Causa selbst zu Wort und gab der Theorie zusätzliche Glaubwürdigkeit.

In einem Brief mit Poststempel vom 13. März 1971 übernahm der Zodiac-Killer nämlich in einem Schreiben an die L.A. Times die Verantwortung für den Mord an Cheri Jo Bates und erklärte:

„Ich muss der Polizei zugutehalten, dass sie über meine Aktivitäten in Riverside gestolpert sind, aber sie finden nur die leichten. Da unten gibt es noch verdammt viel mehr.“
(Anm.: Im englischen Original „a hell of a lot more“)

Die Verwendung des Wortes „leicht“ ließ sich so interpretieren, dass der Verfasser der Ansicht war, seine Verbindung zum Tötungsdelikt an Bates sollte eigentlich für jedermann völlig offensichtlich sein. Nur an den harten Nüssen, für die er auch verantwortlich sei, würden die Beamten und die Öffentlichkeit noch scheitern.

Der Überfall am Lake Berryessa

War Bates ein frühes Opfer – vielleicht sogar das erste – des bis heute nicht identifizierten Serienmörders? Laut zodiackiller.com zogen die Ermittlungsbehörden den Täter aus dem Raum San Francisco erstmals im Oktober 1969 – also drei Jahre nach der Tat – als Verdächtigen im Fall Cheri Jo Bates in Betracht.

Das RPD stellte Ähnlichkeiten mit einem bestätigten Zodiac-Angriff vom 27. September 1969 fest. Der Unbekannte hatte die 22-jährige Cecelia Shepard und den 20-jährigen Bryan Hartnell am Lake Berryessa niedergestochen. Shepard verstarb, Hartnell überlebte.

Im November 1970 gingen Medien wie der San Francisco Chronicle und die Los Angeles Times auf die Parallelen zwischen beiden Taten ein. Kripobeamte aus der Bay Area trafen sich daraufhin mit dem RPD. Die Polizei aus Riverside war zu diesem Zeitpunkt aber nach wie vor überzeugt, dass es sich beim Täter mindestens um einen Bekannten des Opfers und wahrscheinlicher noch um eine verschmähte Romanze handelte. Die Verbrechen des Zodiac Killers zeichneten sich hingegen augenscheinlich eher durch ihre Willkür hinsichtlich der Wahl der Opfer aus.

Ein Gedicht in der Bibliothek

Einer der meistdiskutierten Entdeckungen im Mordfall Cheri Jo Bates ist ein Klapptisch, der im Oktober 1966 in der Bibliothek stand und später im Lager der Uni verschwand. Auf der Unterseite des Holztisches hatte jemand eine Art Gedicht hinterlassen. Ein Uni-Hausmeister hatte den Fund gemacht und gemeldet.

Der Textinhalt drehte sich um Schnittwunden, spritzendes Blut und eine unbekannte junge Frau. Das Gedicht enthielt sogar eine Signatur, über die später viel spekuliert wurde:

Lebensüberdrüssig / Sterben will ich nicht

schneiden.
säubern.
wenn rot /
säubern.
Blut spritzend,
tropfend,
fließend;
überall auf ihrem neuen
Kleid.
ach was:
es war ohnehin
rot.
Leben entweicht in einen
ungewissen Tod.
sie wird nicht
sterben.
dieses Mal
jemand wird sie finden.
warte nur bis
zum nächsten Mal.

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Gedicht unter dem Schreibtisch

Der Abgleich der Handschriften

Im November 1970 erhielt der Journalist Paul Avery vom San Francisco Chronicle einen anonymen Hinweis auf die mögliche Verbindung zwischen den Zodiac-Morden und dem Fall Bates. Er legte dem kalifornischen Handschriftenexperten Sherwood Morrill mehrere Dokumente zur Untersuchung vor.

Dieser erklärte am 16. November 1970, dass das Gedicht unter dem Tisch sowie die Briefe von 1967 an das RPD, die Press-Enterprise und Bates’ Vater „unzweifelhaft“ von derselben Person stammten, die später die Zodiac-Briefe verfasste. Das Riverside Police Department ließ sich von Averys Einschätzung jedoch nicht überzeugen.

Weitere Theorien

Ted Bundy

Zum Zeitpunkt des Mordes an Cheri Jo Bates im Herbst 1966 war Ted Bundy neunzehn Jahre alt und lebte in der McMahon Hall an der University of Washington. Er hatte sich dort am 26. September 1966 für das Semester eingeschrieben, um Chinesisch zu studieren, und besuchte die Hochschule bis zum Jahresende. In Kalifornien hielt er sich erst ab dem Sommer des Folgejahres auf.

Was für Bundy als Täter spricht: Er gestand in Vernehmungen kurz vor seiner Hinrichtung, dass er noch mehr Opfer getötet hatte, als er offiziell zugegeben hatte. Der Modus Operandi erinnert aber nur entfernt an seine Vorgehensweise. Ja, unter seinen Opfern fanden sich häufiger Studentinnen. Ja, er hatte diese auch an dunklen Abenden auf einem Unigelände abgepasst und angesprochen.

Doch er schlug seine Opfer in der Regel mit einem stumpfen Gegenstand bewusstlos. Er bot nicht seine Hilfe an, sondern spielte den Mann, der selber bei einem praktischen Problem Hilfe benötigte, und appellierte an die Hilfsbereitschaft seiner Opfer.

Natürlich lässt sich einwenden, dass der Bates-Mord historisch mehrere Jahre vor Bundys offizieller Mordserie liegt. In dieser Zeit könnte er aus praktischen Erwägungen seines Modus Operandi angepasst haben. Doch es gibt schlichtweg keinen einzigen stichhaltigen Beleg, der ihn zum Tatzeitpunkt mit dem Tatort verbinden würde.

George Hodel

Steve Hodel, ein früherer Kriminalbeamter der Polizei von Los Angeles, behauptete in seinem 2009 erschienenen Buch „Most Evil“, dass sein Vater, Dr. George Hill Hodel, für den Mord an Bates verantwortlich sei. Diese Behauptung stieß jedoch auf Skepsis, nicht zuletzt deshalb, weil Hodel darüber hinaus der Überzeugung war, sein Vater sei gleichzeitig der Zodiac-Killer, der „Lipstick Killer“ und der Täter hinter dem ungelösten Mord an Elizabeth Short („Black Dahlia“) von 1947 gewesen.

William Heirens war ein verurteilter Serienmörder, der nach Schmierereien mit Lippenstift den Spitznamen „Lipstick Killer“ erhielt. Er widerrief jedoch seine unter fragwürdigen Umständen zustande gekommenen Geständnisse und betonte bis zu seinem Tod 2012 seine Unschuld.

Gegen Dr. Hodel, der 1999 verstarb und tatsächlich vorübergehend auf der Liste der offiziellen Verdächtigen im Fall Elizabeth Short auftauchte, wurde zu Lebzeiten lediglich wegen Vergewaltigung seiner Tochter Anklage erhoben. Von diesem Tatvorwurf sprach ihn das Gericht jedoch frei. Steve Hodel hat zudem bis heute keine unwiderlegbaren Beweise vorgelegt, die für die Schuld seines Vaters in nur einem der oben genannten Verbrechen sprechen würden, geschweige denn allen.

George Hodel 1949

Robert Houser

Ein weiterer Name tauchte in einem Brief eines Kriminalreporters der Vallejo Times-Herald, Dave Peterson, auf. Er richtete sich an einen Empfänger namens „Jerry“. Möglicherweise handelte es sich dabei um Jerry Carroll, ein ehemaliger Polizeichef von Riverside aus den 1970er-Jahren.

Dave Peterson erwähnte in seinem Schreiben den Namen Robert Houser im Zusammenhang mit dem Mord an Cheri Jo Bates. Dem Ton des Briefes nach zu urteilen, versuchte Peterson offenbar, Houser nachträglich mit dem Fall in Verbindung zu bringen. Houser war zu dieser Zeit im Mare Island Naval Shipyard in Vallejo beschäftigt, etwa sieben Autostunden von Riverside entfernt. Auch für ihn gibt es keinerlei stichhaltige Indizien, die ihn als Täter wahrscheinlich erscheinen lassen.

Robert Hunter

Laut dem WordPress-Blog „darcsfalcon“, der etliche Artikel aus dem Archiv des „Napa Sentinel“ hochgeladen hat, wollte Bates am Mordabend eigentlich gemeinsam mit ihrer Nachbarin und Studienkollegin Kathryn Hunter in die Bibliothek gehen. Die Freundin sagte jedoch ab, da ihr Onkel Robert an diesem Wochenende zu Besuch war.

Am Tag nach dem Mord exmatrikulierte sich Kathryn Hunter vom RCC. Angeblich verließ Robert E. Hunter zudem Riverside am Tag nach dem Mord. Und dann waren da noch seine Namensinitialen: R.H. – wie in der Signatur des Schreibtisch-Gedichts.

Reichen diese Details, sofern sie denn überhaupt stimmen, um überhaupt einen Anfangsverdacht zu rechtfertigen? Wohl kaum. Vor allem vor dem Hintergrund, dass sich der Mord nicht in der Nachbarschaft des Bates-Hauses ereignete, sondern 3 Meilen entfernt auf dem Unigelände.

Bud Kelley

Bud Kelley ist ein weiterer Name, der im Internet als Verdächtiger im Bates-Fall kursiert. Kelley war 1966 ein Streifenbeamter im Riverside Police Department. Er war einer der ersten Polizisten am Tatort. Und er arbeitete ab 1972 als Kriminalbeamter am Fall Cheri Jo Bates. Vor seiner Polizeikarriere diente er fünf Jahre bei den U.S. Marines.

Er schrieb selbst Gedichte, verfasste Leserbriefe an die Press-Enterprise und wohnte zeitweise in der Nähe von Bates. Im Internet wurde darüber spekuliert, ob er irgendwie an ihr Tagebuch gelangt sein könnte. Auffällig war, dass er aggressiv reagierte, sobald der Zodiac-Killer als möglicher Täter ins Spiel gebracht wurde.

Jahre später stellte sich heraus, dass Kelley ein Pädophiler war, der 2003/2004 zwei Mädchen missbrauchte, sich 2011 schuldig bekannte und zu 24 Jahren Haft verurteilt wurde. Das beweist, dass er kriminell war. Es beweist aber nicht, dass er Cheri Jo Bates ermordet hat.

Gerald Peterson

Gerald Peterson war ein Mathelehrer an der Ramona High School, die Cheri Jo Bates vor ihrem Studium am RCC besucht hatte. Warum er einen Mord an einer seiner Schülerinnen begangen haben soll? Da wird es dann schon wieder recht verquer.

Einige Reddit-Nutzer verwiesen auf die Codes und Chiffren, für die der Zodiac-Killer bekannt war. Dafür wäre ein Studium der Mathematik doch bestimmt ganz hilfreich. Irgendwelche Indizien, die ihn mit der Tat und dem Tatort in Verbindung bringen würden? Fehlanzeige.

Gary Francis Poste

Im Oktober 2021 behauptete eine Gruppe pensionierter Polizeibeamter, Geheimdienstmitarbeiter und Journalisten, die sich „The Case Breakers“ nannten, den Mord an Bates gelöst zu haben. Sie erklärten, die Tat stehe mit den Zodiac-Morden in Verbindung und der Täter in beiden Fällen sei ein Mann namens Gary Francis Poste gewesen.

Zu den Indizien, die sie für ihre Thesen anführten, gehörte der Umstand, dass Poste von Beruf Maler war, was die Farbspritzer auf der am Tatort gefundenen Timex-Armbanduhr erklären könnte. Sie konnten darlegen, dass Poste zum Zeitpunkt von Bates’ Tod auf der March Air Force Base wegen einer „versehentlichen“ Schusswunde medizinisch behandelt wurde. Der Standort lag nur 15 Minuten vom Tatort entfernt. Zudem hatte der Verdächtige braune Haare, was zur Spurenlage passte.

Die Theorie schien beim RPD jedoch auf Skepsis zu stoßen. Laut der Online-Gossip-Zeitung TMZ erklärten „The Case Breakers“, die Polizei von Riverside habe ihre Bitte abgelehnt, Proben der unter Bates’ Fingernägeln gefundenen Haare einem DNA-Test zu unterziehen. Die Behörde dementierte allerdings, jemals ein derartiges Ersuchen von der Gruppe erhalten zu haben.

Das RPD vertritt bis heute den Standpunkt, dass es keinerlei Beweise gibt, die für eine direkte Verbindung zwischen dem Bates-Mord und den späteren Zodiac-Verbrechen sprechen. Man sei immer noch der Überzeugung, dass der Mörder aus dem Riverside County stamme.

William Lester Suff

William Lester Suff tauchte erst spät in den Diskussion auf. Laut der Website „ZodiacCiphers.com“ war Suff zum Tatzeitpunkt ein 16-jähriger Schüler. Suff wurde dann 1995 wegen des Mordes an zwölf Frauen im Riverside County verurteilt, nachdem er bereits zuvor eine zehnjährige Haftstrafe für die Tötung seiner zwei Monate alten Tochter Dijanet abgesessen hatte.

Man vermutet, dass er bis zu 22 Morde begangen haben könnte, wobei er laut einem Artikel der L.A. Times vor allem Prostituierte und Drogenabhängige als Opfer wählte. Die Frauen hatte er meist erdrosselt oder erstochen, drei davon auch verstümmelt, indem er ihnen eine Brust abschnitt. Es gibt jedoch keinerlei konkrete Anhaltspunkte oder Beweise dafür, dass Suff etwas mit dem Mord an Cheri Jo Bates zu tun hatte.

Ein Stipendium als Nachlass

Nach dem Tod seiner Schwester stiftete Michael Bates am Riverside City College ein Stipendium zu ihren Ehren. Die Cheri Jo Bates Memorial Endowed Scholarship wird an Studierende mit Hauptfach Musik (insbesondere mit Schwerpunkt Klavier oder Orgel) vergeben, die sich aktiv an außerschulischen Projekten beteiligen, finanzielle Bedürftigkeit nachweisen, ehrenamtlich tätig sind und einen Notendurchschnitt von mindestens „B“ halten können.

Aus bis heute nicht öffentlich bekannten Gründen ließ die Familie die sterblichen Überreste von Cheri Jo Bates im Jahr 1982 exhumieren und einäschern. Die Asche wurde anschließend auf dem Meer verstreut.

Bates’ Mutter Irene war zu diesem Zeitpunkt bereits lange tot. Sie starb Anfang Juli 1969 durch Suizid infolge einer Strychninvergiftung. Sie hatte das Gift, welches in Maulwurf- und Taschenrattenpestizid verwendet wurde, vermutlich am 2. Juli eingenommen. Zum Zeitpunkt ihres Todes lebte sie im Swiss Inn Care Home in der Main Street in Riverside. Ihre Leiche wurde am 4. Juli in ihrem Zimmer entdeckt. Ihr Ex-Mann Joseph Bates verstarb am 29. Dezember 1999 im Alter von achtzig Jahren in Cayuga, New York.

Überblick zum Fall Cheri Jo Bates

  • Ungeklärter Mord am Riverside City College

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