Der Fall Elizabeth Short wirbelte in der Presse reichlich Staub auf. Als nach zwei Jahren Ermittlungen immer noch keine Lösung in Sicht war, witterten die Reporter Vertuschung. Der Mörder sei ein einflussreicher Mann, der von korrupten Behörden und Politikern geschützt würde.
Das County berief einen Untersuchungsausschuss ein, der die Ermittlungsarbeit im Mordfall Elizabeth Short kritisch hinterfragen sollte. Zudem beauftragte man den Sonderermittler Lieutenant Frank Jemison mit der Aufgabe, die Untersuchungsergebnisse der Kriminalbeamten zu überprüfen und gegebenenfalls neue Ermittlungen anzustellen.

Inhaltsverzeichnis
Der Untersuchungsausschuss: Die Liste der 22 Verdächtigen
Diese Arbeit mündete in einer Liste mit 22 Personen, die nach Meinung der Polizei und des Sonderermittlers als Tatverdächtige infrage kamen. Da die Staatsanwaltschaft sich in jüngerer Vergangenheit nicht so bedeckt hielt wie das LAPD, sind diese Namen inzwischen bekannt.
- Herman Carl Balsiger
- George W. (Claude) Welsh II
- Sergeant “Chuck” (genauer Name unbekannt)
- John D. Wade
- Joe Scalis(e)
- James Nimmo
- Maurice Clement
- Ein Polizeibeamter aus Chicago
- Salvador Torres Vera
- Dr. George Hodel
- Marvin Margolis
- Glenn Wolfe
- Michael Anthony Otero
- George Bacos
- Frances/Francis Campbell
- „Lesbische Chirurgin“
- Dr. Paul DeGaston
- Dr. A. E. Brix
- Dr. M. M. Schwartz
- Dr. Arthur McGinnis Faught
- Dr. Patrick S. O’Reilly
- Mark Hansen/Hanson
Die Eingrenzung durch Sonderermittler Frank Jemison
Der Sonderermittler grenzte die Liste am 28. Oktober 1949 auf 6 Personen ein. Er empfahl, in diesen Fällen nochmals intensiver zu ermitteln. Zu diesen Tatverdächtigen zählten:
- Leslie Dillon
- Mark Hanson
- Carl Balsiger
- Glenn Wolfe
- Henry Hubert Hoffman
- Dr. George Hodel
Außerdem der unbekannte Arzt des Opfers. Elizabeth Short hatte mehrfach gegenüber Bekannten erwähnt, dass sie bei einem Arzt in Los Angeles wegen „Frauenproblemen“ und Asthma in Behandlung sei. Bei diesem unbekannten Arzt handelte es sich wohl um jenen Dr. Arthur McGinnis Faught, der bereits auf der ersten Liste auftaucht.
Carl Balsiger: Zwischen Mitleid und widersprüchlichen Aussagen
Carl Balsiger tauchte zwar nicht in dem ominösen Adressbuch von Elizabeth Short auf, in dem sie die Namen von 75 Bekannten notiert hatte. Doch in ihren persönlichen Gegenständen, die am 24. Januar 1947 an den »Los Angeles Examiner« gesandt wurden, fanden die Ermittler ein gefaltetes Stück Papier, das den Namen des Verdächtigen enthielt. Die Ermittler konnten seinen Wohnsitz herausfinden, wo er auch zum Tatzeitpunkt lebte (7424 W. Sunset Boulevard).
Pures Mitleid
Bei seiner Vernehmung am 20. Januar 1947 sagte Carl Balsiger aus, er habe Elizabeth Short das erste Mal am 6. Dezember 1946 auf dem Sunset Boulevard in Hollywood vor dem Büro eines Immobilienmaklers getroffen. Short sei an diesem Tag aus dem Chancellor Hotel ausgezogen und er habe ihr geholfen, ihr Gepäck in den Wagen zu laden.
Er habe an diesem Tag einen geschäftlichen Termin mit einer Bäckerei in Camarillo gehabt, der er Mehl und Sirup verkauft habe. Elizabeth Short habe ihn auf dieser Geschäftsreise begleitet. Sie seien am gleichen Tag nach Los Angeles zurückgekehrt. Er habe dann unter seinem Namen für das Opfer ein Hotelzimmer auf der Yucca Street in Hollywood angemietet. Er behauptete, dabei sei es zu keinerlei sexuellem Kontakt gekommen. Die Frau habe ihm einfach nur leidgetan.
Beim Lügen ertappt
Am 7. Dezember 1946 habe er Elizabeth Short dann zum Busbahnhof in Hollywood gebracht. Sie habe ihm gegenüber geäußert, dass sie ihre Schwester in San Francisco besuchen wolle. Die Polizei kaufte ihm die Story jedoch nicht ab. Denn die Ermittlungen hatten ergeben, dass das Opfer erst am 9. Dezember 1946 einen Bus nach San Diego bestieg. Die Beamten überprüften die Hotels auf der Yucca Street. Der Name Carl Balsiger tauchte in keinem der Anmeldungsformulare für den 6. Dezember 1946 auf.
Die Ermittler durchleuchteten daraufhin Balsigers Vorgeschichte. Es stellte sich heraus, dass er im Februar 1943 in Camp Cooke stationiert gewesen war. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Elizabeth Short bereits auf der dortigen Poststelle. Kannte Balsiger das Opfer also in Wahrheit schon viel länger? Balsiger war zudem zweimal wegen Körperverletzung angezeigt worden, jeweils von Frauen, die er ohne ersichtlichen Grund verprügelt hatte.
Die Beamten entdeckten in Balsigers Heimatstadt Kansas City noch eine weitere interessante Spur. Er hatte zusammen mit Leila Adele Welsh die Schule besucht. Leila Welsh war 1941 in Kansas City unter ähnlichen Umständen wie Elizabeth Short ermordet worden. Ihr Bruder George Welsh wurde des Verbrechens angeklagt, aber freigesprochen.
Flüchtig
Als man den Verdächtigen nochmals vernehmen wollte, hatte er Los Angeles bereits verlassen. Die Beamten konnten seine Spur aufnehmen. Offensichtlich schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch und wechselte ständig die Bundesstaaten. In St. Louis konnte man ihn dingfest machen.
Zwei Ermittler des LAPD reisten an, um ihn erneut zu verhören. Carl Balsiger gab schließlich zu, mit dem Opfer bis zum 8. Dezember 1947 zusammen gewesen zu sein. Er bestritt aber, Short bereits im Camp Cooke gekannt zu haben. Die Beamten führten einen Lügendetektortest durch und fanden die Angaben des Verdächtigen schließlich glaubhaft.
George W. Welsh II: Die Parallelen zum Mordfall Leila Adele Welsh
George Winston Welsh geriet durch die Ermittlungen gegen Carl Balsiger unter Verdacht. Wie die Untersuchungen des Los Angeles Police Department ergeben hatten, kannte Balsiger eine junge Frau namens Leila Welsh, deren Tod knapp sechs Jahre zuvor gewisse Parallelen zum Mordfall Elizabeth Short aufwies. Hauptverdächtiger war ihr Bruder George W. Welsh II, der allerdings von einem Gericht freigesprochen wurde.
Dennoch ging das LAPD dieser Spur nach. Und siehe da: Zum Zeitpunkt des Mordes an Elizabeth Short weilte George Welsh in Hollywood. Doch trotz intensiver Befragung von Zeugen gelang den Ermittlern nicht der Nachweis, dass sich George Welsh und Elizabeth Short kannten.
Der Mordfall Leila Adele Welsh
Leila Welsh stammte aus einer angesehenen und wohlhabenden Familie in Kentucky. Sie hatte in Kansas City an der University of Missouri studiert. Nach ihrem Abschluss 1938 unterrichtete sie als Lehrerin in Knoxville, Illinois. Im Herbst 1940 kehrte sie auf Bitten ihrer Mutter nach Kansas City zurück und lebte gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Bruder George unter einem Dach.
Am 8. März 1941 ging sie abends mit ihrem Verlobten Richard Funk aus, mit dem sie bereits seit 5 Jahren liiert war. Richard brachte seine Freundin um 1.30 Uhr nach Hause zurück. Leila unterhielt sich noch kurz mit ihrer Mutter, bevor sie sich schlafen legte. Später in der Nacht wurde die Mutter von einem dumpfen Geräusch geweckt. Da sie keinen weiteren Lärm hören konnte, dachte sie, ihr Sohn sei bloß vom Sofa heruntergefallen. Die Mutter schlief wieder ein.
Am nächsten Morgen wollte sie ihre Tochter wecken. Doch jemand hatte von innen einen Stuhl unter die Türklinke in Leilas Zimmer geschoben. Als es der Mutter endlich gelungen war, das Hindernis beiseite zu räumen, fand sie ihre 22-jährige Tochter tot im Bett vor.
Wie die spätere Obduktion ergab, hatte der Täter Leila Adele Welsh mit einem 2 Kilogramm schweren Meißelhammer mehrfach auf den Kopf geschlagen. Er hatte ihr die Gurgel so tief durchtrennt, dass der Kopf fast abgetrennt war. Zudem hatte der Mörder ein Stück Fleisch aus ihrem rechten Oberschenkel in Nähe des Gesäßes herausgeschnitten. Es gab keine Hinweise darauf, dass Leila Welsh sexuell missbraucht worden war.
Der Täter war offensichtlich über ein offenes Fenster in das Haus eingedrungen. Das Messer, mit dem er die junge Frau getötet hatte, fand die Polizei direkt unterhalb dieses Fensters im Garten. Die zweite Tatwaffe, den Hammer, hatte er auf dem Teppich im Schlafzimmer der Toten zurückgelassen. In rund 100 Meter Entfernung vom Haus entdeckten die Beamten im Garten eines Nachbarn auch das Stück Fleisch und blutverschmierte Handschuhe aus Baumwolle.
Der Bruder gerät unter Verdacht
Die Polizei verhaftete den Bruder George Welsh aufgrund einiger Indizien und eines vermeintlichen Tatmotivs. Die beiden Geschwister waren Erben eines beträchtlichen Immobilienvermögens, das ihnen ihr Großvater vermacht hatte. Im Zimmer der Toten hatte die Spurensicherung Fingerabdrücke von George Welsh gefunden, was aber kein wirklich starkes Indiz war, da er im Haus wohnte.
Außerdem meldete sich ein Eisenwarenhändler, der aussagte, dass er vier Tage vor dem Mord Handschuhe an den Verdächtigen verkauft habe, die dem am Tatort gefundenen Paar entsprachen. Für einen Schuhabdruck, den die Spurensicherung im Haus der Welshs sicherstellte und von einem Mann mit einer deutlich kleineren Schuhgröße als George Welsh stammte, konnte die Polizei allerdings keine plausible Erklärung liefern.
Vor Gericht sagte die Mutter zugunsten ihres Sohnes aus. Dem Staatsanwalt gelang es danach nicht, die Geschworenen anhand der spärlichen Indizien von der Schuld des Angeklagten zu überzeugen. George Welsh wurde freigesprochen. Der Fall blieb bis heute ungeklärt.
Das Rätsel um „Sergeant Chuck“ und den Polizisten aus Chicago
„Sergeant Chuck“
Die wahre Identität von Sergeant »Chuck« konnte nie aufgeklärt werden. So viel ist klar: Im Frühjahr 1943 hatten verschiedene Zeugen mehrfach Elizabeth Short zusammen mit diesem unbekannten Mann in Camp Cook beobachtet.
Im selben Jahr war es dann dort offensichtlich zu einem Militärgerichtsverfahren gegen diesen Offizier gekommen. Wer dieses Verfahren ursprünglich angestrengt hatte, ist nicht bekannt. Allerdings wussten mehrere Zeugen der Polizei zu berichten, dass Elizabeth Short in diesem Prozess gegen Sergeant »Chuck« ausgesagt hatte, er habe sie angegriffen. Ob es sich dabei um eine (versuchte) Vergewaltigung oder um einfache Körperverletzung handelte, blieb unklar.
Augenscheinlich hielt das Gericht Sergeant »Chuck« für schuldig. Denn gleich im Anschluss an die Urteilsverkündung wurde er nach Übersee in Kriegsgebiet verlegt. Short machte danach Ansprüche auf sein Hab und Gut geltend, dass der Mann zurücklassen musste.
Die Ermittler des LAPD hielten es für denkbar, dass jener Sergeant »Chuck« im Winter 1946/47 in Los Angeles aufgetaucht war, Elizabeth Short zufällig über den Weg lief und sich an ihr gerächt hatte. Doch trotz intensiver Befragungen konnte sich keiner der Zeugen an den Namen des Mannes erinnern. Noch mysteriöser: Auch eine Überprüfung der Militärgerichtsakten ergab keinerlei Hinweis auf das Verfahren und die Identität des Angeklagten.
Kurzzeitig geriet Carl Balsiger unter Verdacht, jener mysteriöse Sergeant »Chuck« gewesen zu sein. Nach eingehendem Verhör und Lügendetektortest schlossen die Ermittlungsbeamten diese Möglichkeit jedoch aus.
Unbekannter Polizist aus Chicago
Die Polizei fand im Koffer von Elizabeth Short, der nach ihrem Tod sichergestellt wurde, etliche Fotos, die das Mordopfer mit unterschiedlichen männlichen Bekannten zeigten. Der Zeuge und Ermittler Jack Egger glaubte, in einem dieser Männer jenen unbekannten Begleiter wiederzuerkennen, den er Anfang 1947 zusammen mit Elizabeth Short bei einer CBS-Radioshow am Sunset Boulevard gesehen hatte. Der Unbekannte hatte sich als Polizeibeamter aus Chicago ausgegeben und Jack Egger eine Polizeimarke vorgezeigt.
Das LAPD nahm Kontakt mit den Kollegen in Chicago auf. Es stellte sich heraus, dass sich nur ein einziger Beamter des Chicago Police Department Anfang des Jahres 1947 in Los Angeles aufgehalten hatte. Dieser Mann hatte jedoch erst am 15. Januar 1947, also einen Tag nach dem Mord, in einem Hotel eingecheckt.
Das LAPD ließ sich auch Listen mit Namen von pensionierten Polizisten aus Chicago schicken, die sich inzwischen in Südkalifornien niedergelassen hatten. Auch diese Überprüfungen führten nicht zur Identifizierung des unbekannten Begleiters.
Die Polizei von Chicago benutzte sternförmige Polizeimarken. Jack Egger konnte sich jedoch nicht an die genaue Form der Marke erinnern. Er war sich lediglich sicher, dass er den Aufdruck »Chicago Police Department« gelesen hatte. Möglicherweise handelte es sich ja bei der gesuchten Person auch um jemanden, der sich irgendwo eine Polizeimarke gekauft oder nachgemacht hatte.
Schließlich hatten die Ermittlungen ergeben, dass sich Elizabeth Short von April bis zum 7. Juli 1946 (mit Unterbrechungen) in Chicago aufgehalten hatte. Vielleicht hatte sie hier jemanden kennengelernt, den sie ein halbes Jahr später in Los Angeles wiedergetroffen hatte. Der Polizei gelang es, fünf Männer ausfindig zu machen, die in Chicago in Kontakt zu Elizabeth Short standen und prinzipiell Gelegenheit hatten, sich eine Polizeimarke zu besorgen.
- Jack Chernau, wohnhaft 7107 Grand Avenue, arbeitete für eine Polsterei. Er gab zu, Elizabeth Short etwa fünfzehn Mal getroffen zu haben. Die beiden hatten auch miteinander geschlafen und sich dazu ein Zimmer im „Blackstone Hotel“ genommen.
- Slig Diamond, arbeitete für eine Zeitung, lebte im „Park Row Hotel“, in dem Elizabeth Short ebenfalls ab dem 24. Juni 1946 wohnte. Er hatte Short ebenfalls mehrfach getroffen und eine Affäre mit ihr. Er berichtete, sie habe sich ständig über Mordfälle unterhalten wollen.
- Lou Paris, ein Reporter, der für die »Chicago Daily Times« schrieb. Er hatte sich mit Elizabeth Short unterhalten. Sie zeigte gesteigertes Interesse am bekannten Mordfall Suzanne Degnan/William Heirens.
- John Giampa, 3421 West Lexington, arbeitete im Versand des »Chicago Herald American«. Er sagte aus, Elizabeth Short habe in Chicago einen Polizeibeamten gekannt, der am Heirens-Fall gearbeitet habe.
- Jan Jansen, Reporter der »Chicago Daily News«
John D. Wade
Über John D. Wade ist wenig bekannt. Den spärlichen Bemerkungen, die ihm Frank Jemison im Bericht der Staatsanwaltschaft widmet, ist zu entnehmen, dass Wade eher zufällig in den Fokus der Ermittler geriet. Im Zuge der Untersuchung klapperten die Kriminalbeamten Sharp und Corsini die Bars ab, in denen sich Elizabeth Short vor ihrem Tod häufiger aufgehalten hatte. Die Polizei richtete dabei ihr Augenmerk insbesondere auf die Läden an der Olive Street.
Denn laut dem Hotelportier hatte Elizabeth Short das »Biltmore Hotel« am 9. Januar 1947 zwischen 21.45 und 22.00 Uhr verlassen und war die Olive Street in südliche Richtung gegangen. Einige Bars auf der Olive Street hatte sie bereits bei früheren Gelegenheiten aufgesucht. Also war es naheliegend, dort mit den Recherchen zu beginnen.
Ein merkwürdiges Telefonat
Während Sharp und Corsini die Bedienungen in diesen Lokalen befragten, wurden sie Ohrenzeugen eines merkwürdigen Telefonats. Ein Mann telefonierte von einem Münzsprecher in einer der Bars mit einer Hausfrau in South Gate. Der Bursche, der sich gegenüber Kellnern und Gästen als »Zahnarzt Dr. J. Bass« ausgegeben hatte, machte in einem fort reichlich anzügliche Bemerkungen. Das war offensichtlich die typische Knallcharge, die Frauen mit obszönen Anrufen belästigte.
Die Beamten verlangten von dem vorgeblichen Zahnarzt, dass er sich ausweise. Es stellte sich heraus, dass sein tatsächlicher Name John D. Wade lautete. Die weitere Befragung ergab, dass Wade zahlreiche Etablissements besucht hatte, in denen auch das Mordopfer Elizabeth Short in den Wochen und Monaten vor ihrem Tod regelmäßig verkehrte. Die Beamten wurden misstrauisch.
Kein Kontakt mit Elizabeth Short
Sie zeigten Wades Foto herum. Doch die Befragungen von Kneipenpersonal und Shorts Bekannten ergaben keine konkreten Verdachtsmomente. Einige Kellnerinnen und Barkeeper wie Frances Campbell, Joe Scalis und Bernice Smith, die im »Crown Grill« arbeiteten, erkannten Wade zwar als Gast wieder. Aber niemand konnte sich erinnern, den Verdächtigen jemals zusammen mit Elizabeth Short gesehen zu haben.
Joe Scalise
Der »Crown Grill« an der 754 South Olive Street war ein Restaurant mit angeschlossener Cocktailbar, dem »Crown Jewel Cocktail Room« oder kurz »Jewel Room«. Laut Ermittler Frank Jemison zählte er zu den Läden, die Elizabeth Short häufiger mit ihren Bekannten aufsuchte: »Elizabeth Short und ihre Freundinnen Marjorie Graham und Anne Toth waren als Gäste in dieser Bar bekannt. Das Lokal liegt an der Ecke 8th Street und Olive Street und ist nur zwei Querstraßen vom Biltmore Hotel entfernt, wo man Elizabeth Short zuletzt lebend gesehen hat.«
Elizabeth Short regelmäßiger Gast im „Crown Grill“
Mehrere Angestellte des »Crown Grill« identifizierten Elizabeth Short anhand von Fotos als häufigen Gast, darunter auch die Kellnerinnen Frances Campbell, Bernice Smith und Majorie Underorbok. Campbell hatte am 9. Januar 1947 in der Bar gearbeitet, konnte sich aber nicht erinnern, Short an diesem Abend gesehen zu haben. Doch laut Lt. Jemison erzählte ein Barkeeper dem Polizeibeamten Ed Barrett, dass sich das Opfer dort am fraglichen Abend alleine aufgehalten habe.
Ein jähzorniger Barkeeper
Die Ermittler wurden misstrauisch, als der Barkeeper Joe Scalise, der am 9. Januar im »Jewel Room« bedient hatte, behauptete, er habe die Tote nie zuvor in seinem Leben gesehen. Die Polizei zog Erkundigungen über den Mann ein. Er stand im Ruf, sich oft mit Frauen, die die Bar besuchten, nach Dienstschluss zu verabreden. Wenn er eine Abfuhr kassierte, konnte er äußerst jähzornig reagieren.
Joe Scalise wohnte damals im »Adson Hotel« 2611 South Bronson Avenue. Die Ermittler suchten ihn dort auf. Der Mann machte auf sie den Eindruck, als sei er sehr nervös. Sie sprachen ihn auf die Tote an. Er antwortete: »Ja, ich weiß. Man hat ihre Leiche da drüben gefunden.« Er zeigte in südliche Richtung. Der Fundort von Shorts Leiche lag nur acht Blocks entfernt. »Ich habe damals auf der anderen Seite des Flurs gelebt.« Doch es fanden sich keine Zeugen, die Joe Scalise zusammen mit Elizabeth Short gesehen hatten.
Gerüchte über die letzten Tage von Elizabeth Short
Der Ermittler James McGrath unterhielt sich später noch mit der Kellnerin Chris Anaya, die erst nach dem Tod von Elizabeth Short im »Crown Grill« angeheuert hatte. Sie berichtete ihm, dass unter dem Personal Geschichten über Elizabeth Short und den Abend ihres Verschwindens die Runde machten. Short sei in jener Nacht tatsächlich im »Jewel Room« gewesen.
Sie sei in Begleitung einer schönen rothaarigen Kellnerin namens Kay Graham und einer Blondine, die June Pina hieß, gesehen worden. Angeblich hätten die drei Frauen mehrere Tage im Hotel direkt über der Bar verbracht, dem »Olive Hotel«. Doch als James McGrath die Anmeldungen des Hotels überprüfte, konnte er keinen der drei Namen entdecken. Die Bücher waren allerdings recht schlampig geführt.
James Nimmo
Zwischen September und November 1946 machten im Bekanntenkreis von Elizabeth Short Gerüchte die Runde, Short treffe sich mit jemandem vom Columbia-Studio. Das klang so, als stünde ihr Durchbruch in Hollywood unmittelbar bevor. Es ist denkbar, dass Elizabeth Short dieses Gerücht selbst gestreut und dabei ein bisschen dick aufgetragen hat.
Denn möglicherweise handelte es sich bei diesem Verehrer um James Nimmo oder Neemo, der damals als Platzanweiser für das CBS-Studio am 6121 Sunset Boulevard arbeitete. Nicht gerade die Art von Beziehung, die einen ganz nach oben brachte.
Jack Egger
Der Name James Nimmo tauchte im Zuge der ursprünglichen Polizeiermittlungen noch nicht auf. Erst im Februar 1950, als Lieutenant Frank Jemision den Fall für die Staatsanwaltschaft neu aufrollte, wurde der Name aktenkundig.
Einer von Jemisons Mitarbeitern, der ihn beim »Black Dahlia«-Mordfall unterstützte, gab ihm den Tipp. John F. »Jack« Egger behauptete, dass er Elizabeth Short noch Anfang Januar 1947 lebend gesehen habe. Einer seiner damaligen Kollegen, nämlich James Nimmo, sei mit der Toten gut befreundet gewesen.
Als Elizabeth Short im Januar 1947 ermordet wurde, war Jack Egger leitender Platzanweiser bei der Hollywood-Produktionsfirma Columbia Broadcasting Studio. CBS produzierte unter anderem eine Reihe von Live-Programmen fürs Radio, die vor Publikum aufgezeichnet wurden. Egger kontrollierte zusammen mit ein paar Kollegen den Einlass und brachte die Gäste zu ihren Plätzen.
Elizabeth Short häufiger Gast bei CBS
Egger erzählte Frank Jemison, dass er Elizabeth Short im Herbst und Winter 1946 mindestens zwanzig Mal als Besucherin einer Show von CBS gesehen habe. James Nimmo habe damit geprahlt, dass er mit ihr ausgegangen sei. Egger sei es so vorgekommen, als wären die beiden tatsächlich sehr vertraut miteinander gewesen.
Doch das letzte Mal habe er das Mordopfer Anfang Januar in Begleitung eines anderen Mannes gesehen. Die beiden hätten sich die Jack-Carson-Show ansehen wollen, seien aber ohne Eintrittskarte gekommen. James Nimmo habe die beiden am Eingang abgeholt und zu ihm geleitet.
Der Polizist aus Chicago
Shorts Begleiter habe sich ihm gegenüber als Polizist ausgewiesen und ihm eine Polizeimarke vorgezeigt. Egger war sich hundertprozentig sicher, dass es sich dabei um eine Marke des Chicago Police Department gehandelt habe. Egger hatte damals das Sagen und gab sein Okay. Die beiden durften ohne Karte rein. Egger beschrieb den unbekannten Polizisten als einen Mann Anfang der 40, knapp 1,80 m groß, 80 kg schwer, mit leicht angegrautem Haar und ausgeprägten Geheimratsecken.
Frank Jemison wollte natürlich wissen, ob Egger sich noch an das konkrete Datum erinnern konnte. Egger wusste, dass er den Neujahrstag krank im Bett verbracht hatte. Elizabeth Shorts letzter Besuch im Studio müsse irgendwann danach stattgefunden haben. Egger schaute die alten Spielpläne von CBS durch. Die Jack-Carson-Show lief immer mittwochs.
Wer war der unbekannte Begleiter?
Zunächst war sich Egger sicher, dass Elizabeth Short und der Polizist in der Radioshow am 8. Januar 1947 anwesend waren. Dieses Datum konnte aber nicht stimmen. Am 8. Januar hielt sich Elizabeth Short in San Diego auf, wie die Zeugenaussagen von Robert Manley und der Familie French belegten. Egger korrigierte seine Aussage: Es könne auch der 2. Januar gewesen sein.
Jemison zeigte Egger mehrere Fotos von verdächtigen Personen. Er identifizierte Dr. Patrick S. O’Reilly als den angeblichen Polizisten, den er in Begleitung von Short gesehen hatte. Aber nachdem er O’Reilly persönlich begegnet war, änderte er seine Meinung wieder. James Nimmo war 1950 bereits nach New York verzogen und wurde laut dem Bericht der Staatsanwaltschaft nie vernommen.
Zufälle
Jack Egger hatte im Übrigen bereits als 13-Jähriger für CBS gearbeitet und war dort zwischen März 1941 und Juni 1948 angestellt – mit einer Unterbrechung. Im Juni 1945, kurz vor Kriegsende, zog man den jungen Mann noch zum Militär ein. Im Oktober 1946 wurde er aus der Armee entlassen und kehrte nach Hollywood zurück.
Im Herbst 1946 kam er dort zunächst bei seinem Vater Frank unter, der 1768 North Las Palmas Avenue lebte. Die Wohnung lag nur eine Querstraße von den Chancellor Apartments entfernt. Die Chancellor Apartments waren der letzte feste Wohnsitz von Elizabeth Short in Los Angeles, wo sie sich vom 13. November 1946 bis Anfang Dezember aufhielt. Die berühmten Zufälle.
Jack Egger machte später noch als Captain der Polizei von Beverly Hills und als Sicherheitschef für das Hollywoodstudio Warner Brothers Karriere. 2010 verstarb Egger im Alter von 82 Jahren in Studio City.
Marvin Margolis: Der Medizinstudent mit der besessenen Psyche
Vom 10. Oktober bis zum 22. Oktober 1946 teilte sich Elizabeth Short in Hollywood gemeinsam mit Marjorie Graham, Bill Robinson und Marvin Margolis das Apartment 726 in einem Mietshaus namens »Guardians Arms Apartments«. Das Gebäude existiert nach wie vor und steht 5217 Hollywood Boulevard.
Eine Bekannte aus alten Tagen
Marjorie »Margie« Graham war neben Ann Toth die einzige Bekannte, zu der Elizabeth Short engeren Kontakt pflegte. Die beiden waren Ende August 1946 aufeinandergetroffen, als Gordon Fickling sein »Beziehungsexperiment« mit Short abbrach und aus Los Angeles verschwand.
Marjorie Graham stammte wie Elizabeth Short aus Massachusetts. Dort hatten sich beide bereits Jahre zuvor in Cambridge kennengelernt. Weil Short nach dem Auszug aus dem Brevoort Hotel dringend eine Bleibe suchte, bot Graham ihr an, bei ihr einzuziehen. In Los Angeles teilten die beiden Frauen sich zwischen August und Oktober mit wechselnden Mitbewohnern drei Unterkünfte, bis sie in den Guardians Arms Apartments unterkamen.
Ein Annäherungsversuch
Bill Robinson war der damalige Freund von Marjorie Graham, Marvin Margolis dessen Kumpel. Das Arrangement darf man sich folgendermaßen vorstellen. Graham, Robinson und Margolis teilten sich das einzige Bett in der Wohnung. Elizabeth Short schlief auf der Couch.
Doch Grahams Freund Robinson hatte mindestens einen Annäherungsversuch bei Elizabeth Short unternommen, wie Ann Toth der Polizei berichtete: »Dieser Robinson hat sie einmal bedrängt, ihr ins Gesicht geschlagen und sie dann aus dem Auto rausgeschmissen. Sie kam an diesem Abend heulend nach Hause.«
Nach dem 22. Oktober 1946 trennten sich die Wege der vier Mieter. Marjorie Graham zog es zurück nach Massachusetts. Marvin Margolis blieb zunächst noch in Los Angeles (1442 South Woods Avenue), kehrte dann in seine Heimatstadt Chicago zurück, wo er sich als Arzt niederließ. Bill Robinson eröffnete in San Diego auf dem Rosecrans Boulevard ein Restaurant und eine Bierkneipe.
Der Medizinstudent
Doch nicht der Schläger Bill Robinson geriet in den Verdacht der Polizei, sondern sein Kumpel Marvin Margolis. Er hatte sich im März 1946 als Medizinstudent an der University of Southern California eingeschrieben und bereits die ersten anatomischen Kurse besucht. Der Gerichtsmediziner und die Polizei gingen davon aus, dass der Mörder von Elizabeth Short zumindest gewisse medizinische Vorkenntnisse besaß.
Die Geschichte wurde noch interessanter, als den Ermittlern Margolis‘ Militärakte in die Hände fiel. Er hatte während des Kriegs in einer Sanitätseinheit der Marine gedient. Man hatte ihn schließlich wegen psychischer Probleme frühzeitig aus dem Militärdienst entlassen.
Ein Möchtegern-Chirurg
Margolis hatte als Sanitäter Hunderte von Leichen geborgen und um seine Versetzung in ein chirurgisches Lazarett gebeten. Als die Behörden sein Gesuch ablehnten, stellte er wieder und wieder einen Antrag. Seinen Vorgesetzten kam das Verhalten alsbald unheimlich vor. Der junge Mann war offensichtlich besessen von dem Wunsch, in der Chirurgie arbeiten zu dürfen. Man erwirkte schließlich seine Entlassung.
Was Marvin Margolis in den Augen der Polizei zusätzlich verdächtig erscheinen ließ, war sein Verhalten nach der Tat. Während sich reihenweise flüchtige Bekannte des Mordopfers bei den Beamten meldeten, hielt sich Margolis bedeckt.
Als man ihn schließlich befragte, erwähnte er zunächst nichts davon, dass er mit dem Mordopfer knapp zwei Wochen in einem Apartment gewohnt hatte. Erst als die Ermittler ihn mit anderen Zeugenaussagen konfrontierten, gab er diesen Umstand schließlich zu. Dennoch tauchten offensichtlich keine weiteren belastenden Beweise gegen ihn auf.
Frances Campbell
Frances Campbell (auch Francis Campbell geschrieben) arbeitete als Kellnerin im »Crown Grill« an der Ecke Olive Street und 8th Street – auch am Abend des 9. Januar 1947, als Elizabeth Short spurlos verschwand. Laut mehreren Bediensteten aus dem Lokal war Short häufiger in der Bar zu Gast gewesen, unter anderem mit ihren Freundinnen Marjorie Graham und Anne Toth. Zudem lag die Cocktailbar nur zwei Querstraßen vom »Biltmore Hotel« entfernt, wo das Mordopfer nachweislich letztmals lebend gesehen wurde. Ein Barkeeper aus dem »Crown Grill« war sich sicher, Short dort am Abend ihres Verschwindens gesehen zu haben.
Frances Campbell geriet offensichtlich auf die Liste der Verdächtigen, weil sie sich niemals freiwillig an die Polizei gewandt hatte, um eine Aussage zu machen. Die Frau, die 319 South Virgil Avenue in Westlake wohnte und früher im »Continental Café« bedient hatte, erkannte Short bei der Befragung 1949 zwar anhand der Fotos wieder, stritt jedoch ab, sie am Abend des 9. Januar 1947 gesehen zu haben. Ihre Kolleginnen Bernice Smith und Marjorie Underorbok bezeichneten Frances Campbell als bisexuell, was die Ermittler scheinbar als mögliches Tatmotiv werteten.
Dr. George Hodel
Dr. George Hodel ist aus zwei Gründen eine interessante Figur im Mordfall Elizabeth Short. Erstens wurde er in den 1940ern von der Polizei und der Staatsanwaltschaft offiziell als Tatverdächtiger eingestuft. Zweitens behauptet auch sein Sohn, sein Vater sei der wahre Mörder gewesen. Und Steve Hodel war selber jahrelang Mordermittler des LAPD, der unter anderem gegen Rodney Alcala ermittelt hat.
Das Buch erschien erstmals 2003, inzwischen ist auch eine überarbeitete Fassung erhältlich. Steve Hodel warf seinem Vater nicht nur den Mord an Elizabeth Short vor, sondern weitere Verbrechen, die er über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten begangen haben soll. Unter anderem soll er der berüchtigte Zodiac Killer gewesen sein.
Steve Hodel schöpfte erstmals Verdacht, als er zwei Fotos in einem Album seines verstorbenen Vaters entdeckte, die seiner Wahrnehmung nach Ähnlichkeiten mit Elizabeth Short aufwiesen. Allerdings bestreiten bis heute unter anderem die noch lebenden Familienangehörigen von Elizabeth Short, dass die Bilder die Verstorbene zeigen.
Für die Ermittler im Mordfall Elizabeth Short geriet Dr. George Hill Hodel Jr. im Oktober 1949 unter Verdacht, als seine 14-jährige Tochter Tamar ihn wegen sexuellen Missbrauchs anzeigte. Hodel wurde zwar im Dezember 1949 vor Gericht von den Vorwürfen freigesprochen, aber das LAPD beschloss, den Mann für geraume Zeit zu observieren. Vom 18. Februar bis zum 27. März 1950 installierte die Polizei zwei Mikrofone in Hodels Haus und setzte insgesamt 18 Beamte auf den Verdächtigen an.
Im Abschlussbericht von Lieutenant Frank Jemison vom 20. Februar 1951 heißt es dazu:
Doktor George Hodel, 5121 Fountain [Franklin] Avenue, führte zum Tatzeitpunkt eine Klinik in der East First Street nahe Alameda. Lillian DeNorak [Leonrak], die im Haus des Doktors lebte, sagte aus, dass er die meiste Zeit in der Umgebung des Biltmore Hotel verbracht habe. Sie identifizierte das Opfer Short auf einem Foto als eine der Freundinnen von Hodel. Tamar Hodel, die 15-jährige Tochter, sagte aus, dass ihre Mutter Dorothy Hodel ihr erzählt habe, dass ihr Vater während der gesamten Tatnacht nicht zu Hause gewesen sei und angeblich eine Party besucht habe. Hodel habe zudem geäußert: »Die werden mir den Mord nie nachweisen können.«
Zwei Mikrofone wurden im Haus des Verdächtigen installiert (siehe das Transkript der Aufzeichnungen, das ungefähr drei Wochen umfasst und eher für seine Unschuld spricht; siehe auch Aussage seiner früheren Frau Dorothy Hodel).
Die Informantin Lillian DeNorak [Lenorak] wurde inzwischen in die psychiatrische Klinik in Camarillo eingeliefert. Joe Barrett, ein Untermieter in Hodels Haus, kooperierte ebenfalls als Informant. Eine Fotografie, die den Verdächtigen nackt mit einem ebenfalls nackten farbigen weiblichen Modell zeigt, wurde beschlagnahmt. Das Model wurde als Mattie Comfort, 3423½ South Arlington, Republic 4953, identifiziert. Sie sagte aus, dass sie irgendwann vor dem Mord mit dem Verdächtigen Hodel zusammen gewesen sei. Sie wisse nichts davon, dass er in irgendeiner Weise mit dem Opfer in Verbindung gestanden habe.
Rudolph Walthers, von dem wir wissen, dass er sowohl das Opfer als auch Hodel kannte, behauptete, er habe das Opfer nie zusammen mit Hodel gesehen. Er glaube auch nicht, dass Hodel jemals das Opfer getroffen habe.
Die folgenden Bekannten von Hodel wurden befragt, ohne dass jemand den Verdächtigen mit dem Mord in Verbindung bringen konnte: Fred Sexton, 1020 White Knoll Drive; Nita Moladero, 1617½ North Normandy [Normandie]; Ellen Taylor 5121 Fountain Avenue; Finlay Thomas, 616½ South Normandy [Normandie]; Mildred B. Colby, 4029 Vista Del Monte Street, Sherman Oaks – diese Freundin war die Lebensgefährtin von Charles Smith, einem Abtreibungsarzt und Freund von Hodel – Turin Gilkey, 1025 North Wilcox; Irene Summerset, 1236¼ North Edgemont; Norman Beckett, 1025 North Wilcox; Ethel Kane, 1033 North Wilcox; Annette Chase, 1039 North Wilcox; Dorothy Royer, 1636 North Beverly Glenn.
Siehe auch angehängte Berichte, Transkripte der Abhöraktion, die alle darauf hindeuten, dass Hodel nicht als Verdächtiger infrage kommt.
Steve Hodel ist fleißig im Zusammentragen von Indizien, die seinen Vater belasten sollen, teilweise regelrecht detailversessen. Er hat mit dieser Vorgehensweise auf jeden Fall viele Originaldokumente ans Tageslicht geholt. Dennoch habe ich in seinem Buch (ich habe nur die 1. Auflage gelesen) keinen hieb- und stichfesten Beweis entdecken können, dass George Hodel der Mörder von Elizabeth Short gewesen ist.
Wer noch mehr über Steve Hodels unermüdliche Kärrnerarbeit erfahren möchte, dem empfehle ich neben den Büchern einen Besuch auf seiner Homepage. Dort sind viele seiner Rechercheergebnisse im Original nachzulesen.
Die Theorie des Serientäters: Cleveland-Torso-Morde und Suzanne Degnan
Abgesehen von der wahren Identität des Mörders beschäftigten sich etliche Autoren mit einer zweiten Frage: Hat der Mörder von Elizabeth Short noch weitere Verbrechen begangen? Kriminalisten wie der zuständige Ermittler Harry Hansen oder die ehemaligen FBI-Agenten John Douglas und Rob Ressler waren sich darin einig, dass viele Tatumstände auf einen erfahrenen Täter schließen ließen.
Es war extrem unwahrscheinlich, dass ein zuvor unbescholtener Bürger plötzlich anfing, Frauen auf eine Art und Weise zu zerstückeln und zu verstümmeln, wie es im Fall Elizabeth Short geschehen war. Alleine die Tatsache, dass der Mörder sein Opfer vermutlich mehrere Stunden misshandelt hatte, bevor er es zersägte, ausbluten ließ und anschließend noch wusch, dürfte einen Anfänger überfordert haben.
So psychopathisch und bar jeder Empathie dieser Tätertypus auch veranlagt sein mochte, er war mit realem Blut, Innereien, den damit verbundenen Gerüchen und vor allen Dingen einem leidenden Opfer konfrontiert. Allerdings gab John Douglas zu bedenken, dass viele der Kriegsheimkehrer vergleichbare Erfahrungen wenige Jahre zuvor auf dem Schlachtfeld gemacht hatten.
Wenn es sich um einen Serientäter gehandelt hatte, musste es andere ungeklärte Mordfälle geben, die deutliche Parallelen zum Fall Elizabeth Short aufwiesen. Einige Autoren spekulierten, dass solch eine Verbindung existierte. Nach ihrer Ansicht ähnelte das Verbrechen den sogenannten »Cleveland-Torso-Morden«, einer ungeklärten Mordserie, die sich zwischen 1934 und 1938 ereignete. Das LAPD ging dieser Spur 1947 nach, kam jedoch zu dem Schluss, dass die Verbrechen keine Gemeinsamkeiten aufwiesen.
Andere Autoren wie Steve Hodel oder William Rasmussen wollten Parallelen zum Mordfall Suzanne Degnan erkannt haben. Das 6-jährige Mädchen war am 7. Januar 1946 aus der Wohnung ihrer Eltern verschwunden. Die Familie erhielt in der Folge Nachrichten von einem Erpresser. Etwa einen Monat später fand man Teile der zerstückelten Leiche des Mädchens.

Die Behörden klagten den 17-jährigen William Heirens des Mordes an. Man hatte ihn geschnappt, als er in ein Gebäude einbrechen wollte, das sich in der Nachbarschaft von Suzanne Degnans Elternhaus befand. Ob Heirens tatsächlich der Mörder des Mädchens war, ist bis heute umstritten. Der Beschuldigte behauptete, er sei von der Polizei gefoltert und zu einem Geständnis gezwungen worden. Immerhin habe die Polizei damals unter hohem öffentlichen Druck gestanden, weil sie mehrere Monate ergebnislos ermittelt habe. William Heirens sah sich als Sündenbock, der den Polizisten gelegen kam.
Black Dahlia Avenger: Wahres Bekennerschreiben oder Reporter-Bluff?
Die Verbindung zum Mordfall Elizabeth Short? Dem Päckchen, das die persönlichen Gegenständen von Short beinhaltete, war ein Bekennerschreiben des Täters beigefügt. Er hatte es mit »Black Dahlia Avenger« unterzeichnet. Der Schreiber mischte munter Groß- mit Kleinbuchstaben. Der Verfasser der Erpresserbriefe im Fall Suzanne Degnan machte sich einen ähnlichen Schreibstil zueigen. Das sah in der Praxis dann wie folgt aus: »BuRN This FoR heR SafTY«.
Die Theorie hat zwei Haken. Erstens schnitt der »Black Dahlia Avenger« die Buchstaben für den Text seiner Botschaft aus Zeitungen aus. Da lag es nahe, dass er wenig Rücksicht auf Groß- und Kleinschreibung nahm. Zweitens stand nicht fest, ob das Bekennerschreiben tatsächlich authentisch war. Das Päckchen hätte auch von einem der Reporter stammen können.
Wem diese Parallele schon arg weit hergeholt erscheint, wird sich mit der nächsten Theorie noch weniger anfreunden können. Drei Querstraßen entfernt von der Stelle, an der man Elizabeth Shorts Leiche fand, verläuft der Degnan Boulevard. Richtig. Degnan Boulevard wie in Suzanne Degnan (natürlich nicht nach dem ermordeten Mädchen benannt).
Die Journalisten, die in den 1940ern über den Fall Elizabeth Short berichteten, erkannten eher Verbindungen zu anderen ungelösten Frauenmorden, die sich wenige Jahre zuvor oder danach in Los Angeles ereigneten. Dazu zählte beispielsweise der Mord an Georgette Bauerdorf, Tochter aus wohlhabendem Hause. Der Gedanke lag nahe, dass ein Serienmörder für alle diese rätselhaften Verbrechen verantwortlich war.
Doch die Vorgehensweise des Täters wich in der Mehrzahl der Fälle deutlich voneinander ab. Zudem behaupteten einige Autoren, dass sich beispielsweise die Mordopfer Georgette Bauerdorf und Elizabeth Short gekannt hatten und deshalb einen Zusammenhang bestünde. Dies entspricht aber nicht den Tatsachen.
Bauerdorf starb im August 1944 in ihrem Haus in West Hollywood – eine Immobilie, die im Übrigen Lindsay Lohan 2007 gekauft haben soll. Elizabeth Short war Anfang 1943 rund zwei Wochen in Los Angeles. Damals lebte sie mit ihrem Vater zusammen, der seinerzeit von Vallejo nach L.A. umgezogen war. Sie verkehrte zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit nicht in den gleichen Kreisen, in denen Georgette Bauerdorf zu Hause war. Das nächste Mal tauchte Short in Los Angeles erst wieder im Sommer 1946 auf, also zwei Jahre nach der Ermordung von Bauerdorf.
* * * * *
Die einzige Möglichkeit oder Unmöglichkeit dem /der Täter/i/n heute noch auf die Spur zu kommen ist die Handschrift?gab es Jemanden der eine genau solche Keilexeszion/Schnittflächen später beruflich durchführte wie es das Opfer aufwies unter de/n/r Verdächtigen möglicherweise?eine solche Tat lässt keine Ruhe,guter Artikel!