Dr. George Hodel ist aus zwei Gründen eine interessante Figur im Mordfall Elizabeth Short. Erstens wurde er in den 1940ern von der Polizei und der Staatsanwaltschaft offiziell als Tatverdächtiger eingestuft und gegen ihn ermittelt. Zweitens behauptet sein Sohn, sein Vater sei der wahre Mörder gewesen. Und Steve Hodel war selber jahrelang Mordermittler des LAPD, der unter anderem gegen Rodney Alcala ermittelt hat.

Inhaltsverzeichnis
Die Verdächtigen: Dr. George Hodel
Der Sohn schöpft Verdacht
Hodels Buch erschien erstmals 2003, inzwischen ist auch eine überarbeitete Fassung erhältlich. Steve Hodel warf seinem Vater nicht nur den Mord an Elizabeth Short vor, sondern weitere Verbrechen, die er über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten begangen haben soll. Unter anderem soll er der berüchtigte Zodiac Killer gewesen sein.
Steve Hodel schöpfte erstmals Verdacht, als er zwei Fotos in einem Album seines verstorbenen Vaters entdeckte, die seiner Wahrnehmung nach Ähnlichkeiten mit Elizabeth Short aufwiesen. Allerdings bestritten unter anderem die noch lebenden Familienangehörigen von Elizabeth Short, dass die Bilder die Verstorbene zeigen.
Für die Ermittler im Mordfall Elizabeth Short geriet Dr. George Hill Hodel Jr. im Oktober 1949 unter Verdacht, als seine 14-jährige Tochter Tamar ihn wegen sexuellen Missbrauchs anzeigte. Hodel wurde zwar im Dezember 1949 vor Gericht von den Vorwürfen freigesprochen, aber das LAPD beschloss, den Mann für geraume Zeit zu observieren. Vom 18. Februar bis zum 27. März 1950 installierte die Polizei zwei Mikrofone in Hodels Haus und setzte insgesamt 18 Beamte auf den Verdächtigen an.

Jemisons Abschlussbericht zu Hodel
Im Abschlussbericht von Lieutenant Frank Jemison vom 20. Februar 1951 heißt es dazu:
Doktor George Hodel, 5121 Fountain [Franklin] Avenue, führte zum Tatzeitpunkt eine Klinik in der East First Street nahe Alameda. Lillian DeNorak [Leonrak], die im Haus des Doktors lebte, sagte aus, dass er sich gelegentlich in der Umgebung des Biltmore Hotel aufgehalten habe. Sie identifizierte das Opfer Short auf einem Foto als eine der Freundinnen von Hodel. Tamar Hodel, die 15-jährige Tochter, sagte aus, dass ihre Mutter Dorothy Hodel ihr erzählt habe, dass ihr Vater während der gesamten Tatnacht nicht zu Hause gewesen sei und angeblich eine Party besucht habe. Hodel habe zudem geäußert: »Die werden mir den Mord nie nachweisen können.«
Zwei Mikrofone wurden im Haus des Verdächtigen installiert (siehe das Transkript der Aufzeichnungen, das ungefähr drei Wochen umfasst und eher für seine Unschuld spricht; siehe auch Aussage seiner früheren Frau Dorothy Hodel).
Die Informantin Lillian DeNorak [Lenorak] wurde inzwischen in die psychiatrische Klinik in Camarillo eingeliefert. Joe Barrett, ein Untermieter in Hodels Haus, kooperierte ebenfalls als Informant. Eine Fotografie, die den Verdächtigen nackt mit einem ebenfalls nackten farbigen weiblichen Modell zeigt, wurde beschlagnahmt. Das Model wurde als Mattie Comfort, 3423½ South Arlington, Republic 4953, identifiziert. Sie sagte aus, dass sie irgendwann vor dem Mord mit dem Verdächtigen Hodel zusammen gewesen sei. Sie wisse nichts davon, dass er in irgendeiner Weise mit dem Opfer in Verbindung gestanden habe.
Rudolph Walthers, von dem wir wissen, dass er sowohl das Opfer als auch Hodel kannte, behauptete, er habe das Opfer nie zusammen mit Hodel gesehen. Er glaube auch nicht, dass Hodel jemals das Opfer getroffen habe.
Die folgenden Bekannten von Hodel wurden befragt, ohne dass jemand den Verdächtigen mit dem Mord in Verbindung bringen konnte: Fred Sexton, 1020 White Knoll Drive; Nita Moladero, 1617½ North Normandy [Normandie]; Ellen Taylor 5121 Fountain Avenue; Finlay Thomas, 616½ South Normandy [Normandie]; Mildred B. Colby, 4029 Vista Del Monte Street, Sherman Oaks – diese Freundin war die Lebensgefährtin von Charles Smith, einem Abtreibungsarzt und Freund von Hodel – Turin Gilkey, 1025 North Wilcox; Irene Summerset, 1236¼ North Edgemont; Norman Beckett, 1025 North Wilcox; Ethel Kane, 1033 North Wilcox; Annette Chase, 1039 North Wilcox; Dorothy Royer, 1636 North Beverly Glenn.
Siehe auch angehängte Berichte, Transkripte der Abhöraktion, die alle darauf hindeuten, dass Hodel nicht als Verdächtiger infrage kommt.
Steve Hodels Detailversessenheit
Steve Hodel ist fleißig im Zusammentragen von Indizien, die seinen Vater belasten sollen, teilweise regelrecht detailversessen. Er hat mit dieser Vorgehensweise auf jeden Fall viele Originaldokumente ans Tageslicht geholt. Dennoch habe ich in seinem Buch (ich habe nur die 1. Auflage gelesen) keinen hieb- und stichfesten Beweis entdecken können, dass George Hodel der Mörder von Elizabeth Short gewesen ist.
Wer noch mehr über Steve Hodels unermüdliche Kärrnerarbeit erfahren möchte, dem empfehle ich neben den Büchern einen Besuch auf seiner Homepage. Dort sind viele seiner Rechercheergebnisse im Original nachzulesen.
Kapitelübersicht zum Fall Elizabeth Short
Ermittlungen
- Die offiziellen Verdächtigen
- Carl Balsiger
- George W. Welsh II
- Sergeant Chuck
- John D. Wade
- Joe Scalise
- James Nimmo
- Maurice Clement
- Polizist aus Chicago
- Salvador Torres Vera
- Dr. George Hodel
- Marvin Margolis
- Glynn (Glenn) Wolfe
- Michael Anthony Otero
- George Bacos
- Frances Campbell
- „Lesbische Chirurgin“
- Dr. Paul DeGaston
- Dr. A. R. Brix
- Dr. M. M. Schwartz und Dr. Arthur McGinnis Faught
- Dr. Patrick S. O’Reilly
- Mark Hansen