Die Spur zu Henry Hoffman, dem Besitzer des Aster Motel in der 2901 South Flower Street, nahm ihren Anfang während der Ermittlungen gegen den Verdächtigen Leslie Dillon im Jahr 1949. Bei der Polizei meldete sich seinerzeit ein Zeuge namens James Hurst, der behauptete, Dillon als Gast des Motels wiederzuerkennen. Hurst wohnte direkt gegenüber und versicherte den Beamten, den Verdächtigen dort im Januar 1947 – also zum Zeitpunkt der Ermordung von Elizabeth Short – dort gesehen zu haben.
Und auch an das Mordopfer glaubte sich Hurst zu erinnern, als die Polizisten ihm ein Foto zeigten. Er habe sie mindestens zweimal gesehen und einmal sogar mit ihr unterhalten. Die junge Frau habe ihn gefragt, ob er ihr einen viertel Dollar leihen könne. Sie brauche das Geld für ein Fahrticket nach Long Beach. Er habe ihr schließlich 50 Cent zugesteckt.
Wie sich später herausstellen sollte, hatte sich der Zeuge hinsichtlich des Datums geirrt. Leslie Dillon hatte sich im besagten Januar nachweislich in San Francisco aufgehalten. Doch im April 1947 war er dann tatsächlich im Aster Motel abgestiegen. Die Aussagen waren also kein völliger Humbug. Zu diesem Zeitpunkt war den Beamten dieses Detail allerdings noch nicht bekannt, sodass sie sich auf die Suche nach weiteren Zeugen im Aster machten.
Inhaltsverzeichnis
Die Verdächtigen: Henry Hoffman
Ein Zimmer voller Blut
Sie unterhielten sich mit den Besitzern Clora und Henry Hoffman. Sie erfuhren, dass das LAPD bereits während der frühen Ermittlungen im Black-Dahlia-Fall bei ihnen aufgetaucht war. Damals wollten sie einen Sergeant der amerikanischen Streitkräfte überprüfen, der auf der Verdächtigenliste landete.
Nun stellte sich bei den neuerlichen Ermittlungen heraus, dass die Hotelbesitzer den Kriminalbeamten damals möglicherweise ein wichtiges Detail vorenthalten hatten. In der relevanten Zeit war es in dem Motel zu einem ungewöhnlichen Vorfall gekommen. In Zimmer Nr. 3 – in späteren Darstellungen variiert die Zimmernummer – hatte der Hoteleigner im Januar 1947 großes Chaos vorgefunden. Blutverschmierte Kleidung, Blut auf dem Boden, das sich mit menschlichen Fäkalien vermischt hatte.
Mehrere Zeugen bestätigten die Beobachtungen. Seine Frau Clora berichtete, dass ihr Mann sie aufgefordert habe, die blutigen Kleidungsstücke zu verbrennen. Das Zimmermädchen Lila Durante beschrieb übereinstimmende Kleidungsteile: eine Bluse, ein Rock und Herren-Shorts, die alle mit größeren Blutflecken bedeckt waren. Für die Bedienstete wirkte es so, als habe jemand damit irgendwo Blut aufgewischt.

Verdachtsmomente gegen Henry Hoffman
Betty Jo und Burt Moorman – Burt war ein Bruder der Motelbesitzerin Clora Hoffman – bekräftigten die Aussagen. Sie hatten ein Zimmer zwischen dem 10. und 17. Januar 1947 im Aster bezogen, also genau in der Zeitspanne des Mordes. Burt Moorman schwor, er habe beobachtet, dass sein Schwager in dem besagten Zimmer zwei blutdurchtränkte Decken in Händen gehalten hatte, als er den Schmutz beseitigte. Henry Hoffman widersprach. Diese Decken habe es nie gegeben.
Außerdem wunderten sich die Zeugen rückblickend, warum der Motelbesitzer den Raum aufräumte. Normalerweise hatte er sich vor dieser Aufgabe immer gedrückt. Hoffman konterte, die Verschmutzung sei so massiv gewesen, dass er den Job keinem anderen habe zumuten wollen. Und die Zeugenaussagen bestätigten ihn insofern, als dass alle unisono berichteten, das Motelzimmer habe infolge der Fäkalien bestialisch gestunken.
Mehrere Zeugen erinnerten sich darüber hinaus an eine schwarzhaarige Frau, die in den Tagen zuvor Zimmer 10 bezogen und den Raum kaum verlassen hatte. Die Polizisten zeigten ihnen Bilder von Elizabeth Short. Niemand von ihnen wollte aber bestätigen, dass es sich bei ihr zweifellos um die fragliche Person gehandelt hatte.
Neben den verbrannten Kleidungsstücken waren inzwischen auch die alten Motelregistrierungen aus 1947 vernichtet worden. Die Polizei konnte folglich nicht rekonstruieren, wer in den ersten Januarwochen dieses Jahres in den Zimmern 10 und 3 abgestiegen war.
So endeten auch diese Ermittlungen in einer Sackgasse. Die Beamten hatten zwar einen potenziellen Tatort entdeckt. Aber zum einen waren alle eventuellen Spuren längst vernichtet. Zum anderen ließ sich das Mordopfer nicht überzeugend mit diesem möglichen Tatort in Verbindung bringen.
Kapitelübersicht zum Fall Elizabeth Short
Ermittlungen
- Die offiziellen Verdächtigen
- Carl Balsiger
- George W. Welsh II
- Sergeant Chuck
- John D. Wade
- Joe Scalise
- James Nimmo
- Maurice Clement
- Polizist aus Chicago
- Salvador Torres Vera
- Dr. George Hodel
- Marvin Margolis
- Glynn (Glenn) Wolfe
- Michael Anthony Otero
- George Bacos
- Frances Campbell
- „Lesbische Chirurgin“
- Dr. Paul DeGaston
- Dr. A. R. Brix
- Dr. M. M. Schwartz und Dr. Arthur McGinnis Faught
- Dr. Patrick S. O’Reilly
- Mark Hansen
- Leslie Dillon
- Henry Hoffman
Verwandte Fälle
„Lone Women“-Morde in L.A.
Andere Fälle