George Winston Welsh geriet durch die Ermittlungen gegen Carl Balsiger unter Verdacht. Wie die Untersuchungen des Los Angeles Police Department ergeben hatten, kannte Balsiger eine junge Frau namens Leila Welsh, deren Tod knapp sechs Jahre zuvor gewisse Parallelen zum Mordfall Elizabeth Short aufwies. Hauptverdächtiger war ihr Bruder George W. Welsh II, der allerdings von einem Gericht freigesprochen wurde.

Dennoch ging das LAPD dieser Spur nach. Die Ermittler erhielten Hinweise, wonach sich George Welsh zum Zeitpunkt des Mordes an Elizabeth Short möglicherweise in Hollywood aufgehalten habe. Diese Angaben ließen sich jedoch nie zweifelsfrei bestätigen. Trotz intensiver Nachforschungen fanden die Beamten weder belastbare Beweise für einen Aufenthalt Welshs in Los Angeles noch Hinweise darauf, dass er Elizabeth Short persönlich gekannt hatte. Laut dem Buchautor Eli Frankel hielt sich Welsh lediglich 1941 für einige Zeit in Los Angeles auf, lebte im fraglichen Januar 1947 jedoch in Houston, Texas.
Inhaltsverzeichnis
Die Verdächtigen: George W. Welsh II
Der Mordfall Leila Adele Welsh
Leila Welsh stammte aus einer angesehenen und wohlhabenden Familie in Kentucky. Sie hatte an der University of Kansas City (heute University of Missouri–Kansas City) studiert. Nach ihrem Abschluss 1938 unterrichtete sie als Lehrerin in Knoxville, Illinois. Im Herbst 1940 kehrte sie auf Bitten ihrer Mutter nach Kansas City zurück und lebte gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Bruder George unter einem Dach.

Am 8. März 1941 ging sie abends mit ihrem Freund Richard Funk aus, mit dem sie bereits seit 5 Jahren liiert war. Richard brachte seine Freundin um 1.30 Uhr nach Hause zurück. Leila unterhielt sich noch kurz mit ihrer Mutter, bevor sie sich schlafen legte. Später in der Nacht wurde die Mutter von einem dumpfen Geräusch geweckt. Da sie keinen weiteren Lärm hören konnte, dachte sie, ihr Sohn sei bloß vom Sofa heruntergefallen. Die Mutter schlief wieder ein.
Am nächsten Morgen wollte sie ihre Tochter wecken. Doch jemand hatte von innen einen Stuhl unter die Türklinke in Leilas Zimmer geschoben. Als es der Mutter endlich gelungen war, das Hindernis beiseite zu räumen, fand sie ihre 24-jährige Tochter tot im Bett vor.
Wie die spätere Obduktion ergab, hatte der Täter Leila Adele Welsh mit einem 2 Kilogramm schweren Gleisbauhammer mehrfach auf den Kopf geschlagen. Er hatte ihr die Kehle so tief durchtrennt, dass der Kopf fast abgetrennt war. Zudem hatte der Mörder ein Stück Fleisch aus ihrem rechten Oberschenkel in Nähe des Gesäßes herausgeschnitten. Es gab keine Hinweise darauf, dass Leila Welsh sexuell missbraucht worden war.
Die Ermittler gingen davon aus, dass der Täter über ein offenes Fenster in das Haus eingedrungen war. Das Messer, mit dem er die junge Frau getötet hatte, fand die Polizei direkt unterhalb dieses Fensters im Garten. Die zweite Tatwaffe, den Hammer, hatte er auf dem Teppich im Schlafzimmer der Toten zurückgelassen. In rund 100 Meter Entfernung vom Haus entdeckten die Beamten im Garten eines Nachbarn auch das Stück Fleisch und blutverschmierte Handschuhe aus Baumwolle.
Die Ermittler gingen davon aus, dass der Täter bereits vor Leilas Rückkehr nach Hause im Garten gewartet hatte. Unter dem Schlafzimmerfenster fanden sie zahlreiche Zigarettenkippen. Zudem berichteten neben der Mutter auch mehrere Nachbarn, in der Nacht zwei dumpfe Schläge gehört zu haben.
Der Bruder gerät unter Verdacht
Die Polizei verhaftete den Bruder George Welsh aufgrund einiger Indizien und eines vermeintlichen Tatmotivs. Die beiden Geschwister waren Erben eines beträchtlichen Immobilienvermögens, das ihnen ihr Großvater vermacht hatte. Im Zimmer der Toten hatte die Spurensicherung Fingerabdrücke von George Welsh gefunden, was aber kein wirklich starkes Indiz war, da er im Haus wohnte.
Zudem konnte man die Fingerabdrücke des Verdächtigen lediglich an der Außenseite des Fensterbretts sichern. Die Verteidigung argumentierte später erfolgreich, George Welsh habe häufig im Zimmer seiner Schwester geraucht und sich dabei aus dem Fenster gelehnt. Die Abdrücke bewiesen daher nicht, dass er in der Tatnacht dort gewesen war.
Außerdem meldeten sich zwei Geschäftsinhaber, die behaupteten, George Welsh habe kurz vor dem Mord ein Messer und Handschuhe bei ihnen erworben, die den sichergestellten Tatwerkzeugen ähnelten. Allerdings waren ihre Aussagen nicht durchgängig überzeugend. Einer der Zeugen hatte zum Beispiel zuvor Welsh nicht identifizieren können, was vor Gericht Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit aufkommen ließ.
Hinzu kam, dass die Ermittler im Schlafzimmer einen verschlammten Schuhabdruck fanden, der nach Ansicht der Verteidigung darauf hindeutete, dass der Täter durch das Fenster eingedrungen war. Die Schuhgröße passte nicht zu George Welsh. Die Polizei konnte für diesen Sachverhalt keine plausible Erklärung liefern.
Vor Gericht sagte die Mutter zugunsten ihres Sohnes aus. Dem Staatsanwalt gelang es danach nicht, die Geschworenen anhand der spärlichen Indizien von der Schuld des Angeklagten zu überzeugen. George Welsh wurde am 17. April 1943 von der Jury freigesprochen. Nur ein Monat später berief ihn die US-Army ein. George Winston Welsh Jr. verstarb am 17. Oktober 1979 im Alter von 66 Jahren in Dallas, Texas. Der Fall seiner ermordeten Schwester Leila Welsh blieb bis heute ungeklärt.
Kapitelübersicht zum Fall Elizabeth Short
Ermittlungen
- Die offiziellen Verdächtigen
- Carl Balsiger
- George W. Welsh II
- Sergeant Chuck
- John D. Wade
- Joe Scalise
- James Nimmo
- Maurice Clement
- Polizist aus Chicago
- Salvador Torres Vera
- Dr. George Hodel
- Marvin Margolis
- Glynn (Glenn) Wolfe
- Michael Anthony Otero
- George Bacos
- Frances Campbell
- „Lesbische Chirurgin“
- Dr. Paul DeGaston
- Dr. A. R. Brix
- Dr. M. M. Schwartz und Dr. Arthur McGinnis Faught
- Dr. Patrick S. O’Reilly
- Mark Hansen