Sergeant Chuck

Die wahre Identität von Sergeant »Chuck« konnte nie aufgeklärt werden. So viel ist klar: Verschiedene Zeugen sagten aus, dass sie Elizabeth Short im Frühjahr 1943 mehrfach zusammen mit einem unbekannten Mann in Camp Cooke beobachtet hatten, der ihnen unter dem Namen Sergeant „Chuck“ geläufig war. Das Problem daran: Sämtliche Informationen über Sergeant „Chuck“ stammten aus besagten Zeugenaussagen und Erinnerungen ehemaliger Bekannter von Elizabeth Short. Unabhängige Belege für seine Existenz oder die geschilderten Ereignisse konnten die Ermittler nie finden.

Elizabeth Short, Camp Cooke, mit zwei unbekannten Männern

Im selben Jahr war es dann dort angeblich zu einem Militärgerichtsverfahren gegen diesen Unteroffizier gekommen. Wer dieses Verfahren ursprünglich angestrengt hatte, ist nicht bekannt. Allerdings wussten mehrere Zeugen der Polizei zu berichten, dass Elizabeth Short in diesem Prozess gegen Sergeant »Chuck« ausgesagt hatte, er habe sie angegriffen. Ob es sich dabei um eine (versuchte) Vergewaltigung oder um einfache Körperverletzung handelte, blieb unklar.

Mehrere Zeugen behaupteten zudem später, Sergeant „Chuck“ sei nach dem Verfahren nach Übersee versetzt worden. Da jedoch weder die Gerichtsakten noch die Identität des Mannes jemals ermittelt werden konnten, ließ sich auch dieser Teil der Geschichte nie verifizieren. Laut diesen Aussagen erhob Elizabeth Short anschließend Ansprüche auf persönliche Gegenstände, die der Mann vor seiner angeblichen Versetzung zurückgelassen hatte.

Die Ermittler des LAPD hielten es dennoch für denkbar, dass jener Sergeant »Chuck« im Winter 1946/47 in Los Angeles aufgetaucht war, Elizabeth Short zufällig über den Weg lief und sich an ihr gerächt hatte. Doch trotz intensiver Befragungen konnte sich keiner der Zeugen an den Namen des Mannes erinnern. Noch mysteriöser: Auch eine Überprüfung der Militärgerichtsakten ergab keinerlei Hinweis auf das Verfahren und die Identität des Angeklagten.

Kurzzeitig geriet Carl Balsiger unter Verdacht, jener mysteriöse Sergeant »Chuck« gewesen zu sein. Nach eingehendem Verhör und Lügendetektortest schlossen die Ermittlungsbeamten diese Möglichkeit jedoch aus.

Der Black-Dahlia-Forscher Larry Harnisch fasst die Informations-Bedrouille, in der wir uns hier bewegen, aus meiner Sicht ganz ganz gut zusammen: Weder das LAPD, noch die Staatsanwaltschaft, noch Journalisten konnten den Mann jemals identifizieren. Angesichts der fehlenden Belege stellte Harnisch sogar die provokante Frage, ob Sergeant „Chuck“ überhaupt existiert habe oder ob die Geschichte im Laufe der Jahre eine Eigendynamik annahm, die schlicht nicht den Fakten entsprach.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert