George Bacos taucht in den Ermittlungsakten zunächst über seine Schwester Frances Campbell auf, die als Kellnerin im Crown Grill arbeitete und selbst auf Jemisons Verdächtigenliste erscheint. Campbell identifizierte Elizabeth Short als Stammgast des Lokals und bestätigte, dass sie am Abend des 9. Januar 1947 Dienst hatte – jener Nacht, in der Short verschwand.
Inhaltsverzeichnis
Elizabeth Short – Die Verdächtigen
Zu auffällig geschminkt
Wesentlich interessanter war jedoch George Chris Bacos selbst. Er arbeitete als Platzanweiser beziehungsweise Organisator im Umfeld der Rundfunkstudios am Sunset Strip und bewegte sich damit in demselben Milieu wie Elizabeth Short. Nach eigenen Angaben hatte er das Opfer ungefähr zwölf Mal getroffen. Er berichtete den Ermittlern, dass er sie einmal mit dem Auto auf den Mulholland Drive gefahren habe, wo die beiden parkten und sich unterhielten.
Bacos zeichnete dabei kein besonders schmeichelhaftes Bild von Elizabeth Short. Später erklärte er, er habe versucht, Abstand zu ihr zu halten. Sie sei ihm zu auffällig geschminkt gewesen und habe sich in Kreisen bewegt, mit denen er nicht in Verbindung gebracht werden wollte. Dennoch stand fest, dass er sie persönlich kannte.
George Bacos besuchte zudem regelmäßig das Brittingham’s Restaurant auf dem CBS-Gelände am Columbia Square: einen Ort, der in den Ermittlungen immer wieder auftauchte und an dem sich zahlreiche Bekannte von Elizabeth Short begegneten.

Die Spur zur „lesbischen Chirurgin“
Kurz nach dem Mord erhielt das LAPD einen anonymen Hinweis. Demnach habe George Bacos Elizabeth Short zu einer weiblichen Chirurgin im San Fernando Valley gebracht. Diese Ärztin wurde in den Akten später als „Queer Woman Surgeon“ geführt. Der Begriff wirkt heute vielleicht etwas befremdlich, in den Ermittlungsunterlagen der frühen 1950er-Jahre wurde er jedoch wörtlich genau so verwendet.
Bacos bestritt diese Begebenheit gegenüber den Ermittlern ausdrücklich. Er erklärte, niemals eine solche Frau gekannt oder Elizabeth Short zu einer Ärztin im Valley gebracht zu haben.
Dennoch nahm die Staatsanwaltschaft die Spur ernst genug, um sie separat in der Verdächtigenliste zu führen. Mit anderen Worten: Die Ermittler verfügten zwar zu diesem Zeitpunkt offenbar weder über einen Namen noch über eine konkrete Identität dieser angeblichen Ärztin. Alles beruhte ausschließlich auf dem anonymen Hinweis und den Aussagen beziehungsweise Dementis von George Bacos.
Unterstützung durch Dr. Tony Zorb
Zusätzliches Futter erhielt die Spur durch den bekannten Abtreibungsarzt Dr. Tony Zorb. Gegenüber den Ermittlern erklärte er, in Hollywood werde allgemein angenommen, Elizabeth Short sei von einer lesbischen Frau ermordet worden. Einen konkreten Namen wollte oder konnte er jedoch nicht nennen.
Diese Aussage fiel in eine Phase der Ermittlungen, in der das LAPD öffentlich die Theorie eines weiblichen Täters propagierte. Ob Zorb tatsächlich über eigenes Wissen verfügte oder lediglich Gerüchte aus Hollywood weitergab, lässt sich heute nicht mehr feststellen.
Letztlich verlief die Spur zunächst im Sand. Es fanden sich schlicht keine Belege dafür, dass George Bacos Elizabeth Short tatsächlich zu einer solchen Person gebracht hatte. Dass Jemison sie dennoch in seine Liste aufnahm, zeigt jedoch, dass die Ermittler Anfang der 1950er-Jahre zumindest zeitweise die Möglichkeit eines weiblichen Täters ernsthaft in Betracht zogen. Und sie ließen auch nicht locker, bis sie schließlich eine Verdächtige fanden, die ins Raster „lesbische Chirurgin“ fiel.
Kapitelübersicht zum Fall Elizabeth Short
Ermittlungen
- Die offiziellen Verdächtigen
- Carl Balsiger
- George W. Welsh II
- Sergeant Chuck
- John D. Wade
- Joe Scalise
- James Nimmo
- Maurice Clement
- Polizist aus Chicago
- Salvador Torres Vera
- Dr. George Hodel
- Marvin Margolis
- Glynn (Glenn) Wolfe
- Michael Anthony Otero
- George Bacos
- Frances Campbell
- „Lesbische Chirurgin“
- Dr. Paul DeGaston
- Dr. A. R. Brix
- Dr. M. M. Schwartz und Dr. Arthur McGinnis Faught
- Dr. Patrick S. O’Reilly
- Mark Hansen