Vom 10. Oktober bis zum 22. Oktober 1946 teilte sich Elizabeth Short in Hollywood gemeinsam mit Marjorie Graham, Bill Robinson und Marvin Margolis das Apartment 726 in einem Mietshaus namens »Guardians Arms Apartments«. Das Gebäude existiert nach wie vor und steht 5217 Hollywood Boulevard.
Inhaltsverzeichnis
Die Verdächtigen: Marvin Margolis
Eine Bekannte aus alten Tagen
Marjorie »Margie« Graham war neben Ann Toth die einzige Bekannte, zu der Elizabeth Short engeren Kontakt pflegte. Die beiden waren Ende August 1946 aufeinandergetroffen, als Gordon Fickling sein »Beziehungsexperiment« mit Short abbrach und aus Los Angeles verschwand.
Marjorie Graham stammte wie Elizabeth Short aus Massachusetts. Dort hatten sich beide bereits Jahre zuvor in Cambridge kennengelernt. Weil Short nach dem Auszug aus dem Brevoort Hotel dringend eine Bleibe suchte, bot Graham ihr an, bei ihr einzuziehen. In Los Angeles teilten die beiden Frauen sich zwischen August und Oktober mit wechselnden Mitbewohnern drei Unterkünfte, bis sie in den Guardians Arms Apartments unterkamen.
Marjorie Graham
Ein Annäherungsversuch
Bill Robinson war der damalige Freund von Marjorie Graham, Marvin Margolis dessen Kumpel. Das Arrangement darf man sich folgendermaßen vorstellen. Graham, Robinson und Margolis teilten sich das einzige Bett in der Wohnung. Elizabeth Short schlief auf der Couch.
Doch Grahams Freund Robinson hatte mindestens einen Annäherungsversuch bei Elizabeth Short unternommen, wie Ann Toth der Polizei berichtete: »Dieser Robinson hat sie einmal bedrängt, ihr ins Gesicht geschlagen und sie dann aus dem Auto rausgeschmissen. Sie kam an diesem Abend heulend nach Hause.«
Nach dem 22. Oktober 1946 trennten sich die Wege der vier Mieter. Marjorie Graham zog es zurück nach Massachusetts. Marvin Margolis blieb zunächst noch in Los Angeles (1442 South Woods Avenue), heiratete im November 1946 und kehrte dann in seine Heimatstadt Chicago zurück, wo er sich als Arzt niederließ. Bill Robinson eröffnete in San Diego auf dem Rosecrans Boulevard ein Restaurant und eine Bierkneipe.
Der Medizinstudent
Sowohl Bill Robinson als auch Marvin Margolis gerieten in den Fokus der Ermittler. Letztlich richtete sich das Interesse der Polizei jedoch stärker auf Margolis. Er hatte sich im März 1946 als Medizinstudent an der University of Southern California eingeschrieben und bereits die ersten anatomischen Kurse besucht. Der Gerichtsmediziner und die Polizei gingen davon aus, dass der Mörder von Elizabeth Short zumindest gewisse medizinische Vorkenntnisse besaß.
Die Geschichte wurde noch interessanter, als den Ermittlern Margolis‘ Militärakte in die Hände fiel. Er hatte während des Kriegs in einer Sanitätseinheit der Marine gedient. Man hatte ihn schließlich wegen psychischer Probleme frühzeitig aus dem Militärdienst entlassen.

Ein Möchtegern-Chirurg
Margolis hatte als Sanitäter Hunderte von Leichen geborgen und um seine Versetzung in ein chirurgisches Lazarett gebeten. Als die Behörden sein Gesuch ablehnten, stellte er wieder und wieder einen Antrag. Seinen Vorgesetzten kam das Verhalten alsbald unheimlich vor. Der junge Mann war offensichtlich besessen von dem Wunsch, in der Chirurgie arbeiten zu dürfen, und war regelrecht frustriert darüber, dass man ihn nicht in den Operationsbereich ließ.
Während der Schlacht um Okinawa arbeitete Margolis unter extremen Bedingungen in Feldlazaretten und Versorgungsstationen. Er war mit Tausenden Verwundeten und Toten konfrontiert. Nach dem Einsatz beschrieben Militärärzte ihn als emotional instabil, depressiv und teilweise amnestisch. Man erwirkte schließlich seine Entlassung.
Was Marvin Margolis in den Augen der Polizei zusätzlich verdächtig erscheinen ließ, war sein Verhalten nach der Tat. Während sich reihenweise flüchtige Bekannte des Mordopfers bei den Beamten meldeten, hielt sich Margolis bedeckt.
Als man ihn schließlich befragte, erwähnte er zunächst nichts davon, dass er mit dem Mordopfer knapp zwei Wochen in einem Apartment gewohnt hatte. Erst als die Ermittler ihn mit anderen Zeugenaussagen konfrontierten, gab er diesen Umstand schließlich zu. Dennoch tauchten offensichtlich keine weiteren belastenden Beweise gegen ihn auf.

Auch das Ermittlerteam unter Frank Jemison beschäftigte sich mit Margolis und sein Name tauchte bereits in den Beratungen der Grand Jury auf. Dort wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Margolis als Medizinstudent kurz zuvor anatomische Präparierkurse besucht hatte und mit Elizabeth Short unter einem Dach gelebt hatte. Aus Sicht der Ermittler offensichtlich zwei gewichtige Gründe, ihn erneut genauer unter die Lupe zu nehmen. Man prüfte sogar, ob Margolis jener mysteriöse „Polizeibeamte aus Chicago“ gewesen sein könnte, der Elizabeth Short zu einer Radiosendung begleitet hatte. Aber die Spur verlief im Sande.
Alex Babers Theorie
Ende 2025 rückte Marvin Margolis erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Privatforscher Alex Baber behauptete gegenüber der Los Angeles Times, Margolis sei sowohl der Mörder von Elizabeth Short als auch der Zodiac-Killer gewesen. Seine Theorie stützte sich unter anderem auf eine angebliche Entschlüsselung des Zodiac-Codes Z13 sowie auf biografische Parallelen zwischen Margolis und den Taten.
Die Behauptungen stießen jedoch auf erhebliche Kritik. Insbesondere der langjährige Black-Dahlia-Forscher Larry Harnish wies darauf hin, dass Margolis bereits von den ursprünglichen Ermittlern überprüft und laut Polizeiberichten ausgeschlossen worden sei. Zudem bestritt Harnish mehrere zentrale Bausteine der Theorie, darunter Margolis‘ angebliche anatomische Spezialkenntnisse und die kryptographischen Schlussfolgerungen Babers. Harnish argumentierte unter anderem, dass Margolis zum Tatzeitpunkt lediglich Premed-Student gewesen sei. Diese Studenten präparierten an der USC 1946 keine menschlichen Leichen.
Kapitelübersicht zum Fall Elizabeth Short
Ermittlungen
- Die offiziellen Verdächtigen
- Carl Balsiger
- George W. Welsh II
- Sergeant Chuck
- John D. Wade
- Joe Scalise
- James Nimmo
- Maurice Clement
- Polizist aus Chicago
- Salvador Torres Vera
- Dr. George Hodel
- Marvin Margolis
- Glynn (Glenn) Wolfe
- Michael Anthony Otero
- George Bacos
- Frances Campbell
- „Lesbische Chirurgin“
- Dr. Paul DeGaston
- Dr. A. R. Brix
- Dr. M. M. Schwartz und Dr. Arthur McGinnis Faught
- Dr. Patrick S. O’Reilly
- Mark Hansen