Das Rätsel um den Polizisten aus Chicago

Die Polizei fand im Reisekoffer von Elizabeth Short, der nach ihrem Tod sichergestellt wurde, etliche Fotos, die das Mordopfer mit unterschiedlichen männlichen Bekannten zeigten. Der Zeuge und Ermittler Jack Egger glaubte, in einem dieser Männer jenen unbekannten Begleiter wiederzuerkennen, den er Anfang 1947 zusammen mit Elizabeth Short bei einer CBS-Radioshow am Sunset Boulevard gesehen hatte. Der Unbekannte hatte sich als Polizeibeamter aus Chicago ausgegeben und Jack Egger eine Polizeimarke vorgezeigt.

CBS-Studios in Hollywood, 1947
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Das LAPD nahm Kontakt mit den Kollegen in Chicago auf. Es stellte sich heraus, dass sich nur ein einziger Beamter des Chicago Police Department Anfang des Jahres 1947 in Los Angeles aufgehalten hatte. Dieser Mann hatte jedoch erst am 15. Januar 1947 in einem Hotel eingecheckt. Elizabeth Short war in der vorangegangenen Nacht gestorben.

Das LAPD ließ sich auch Listen mit Namen von pensionierten Polizisten aus Chicago schicken, die sich inzwischen in Südkalifornien niedergelassen hatten. Auch diese Spur brachte zunächst keine Identifizierung; ob alle Namen später vollständig anhand von Fotos und Befragungen überprüft wurden, geht aus Jemisons Zusammenfassung nicht eindeutig hervor.

Eine Fake-Marke?

Die Polizei von Chicago benutzte sternförmige Polizeimarken, pensionierte Beamte offenbar ähnliche Marken mit dem kleinen Zusatz „retired“. Jack Egger konnte sich jedoch nicht an die genaue Form der Marke erinnern. Er war sich lediglich sicher, dass er den Aufdruck »Chicago Police Department« gelesen hatte. Möglicherweise handelte es sich ja bei der gesuchten Person auch um jemanden, der sich irgendwo eine Polizeimarke gekauft oder nachgemacht hatte.

Schließlich hatten die Ermittlungen ergeben, dass sich Elizabeth Short von April bis zum 7. Juli 1946 (mit Unterbrechungen) in Chicago aufgehalten hatte. Vielleicht hatte sie hier jemanden kennengelernt, den sie ein halbes Jahr später in Los Angeles wiedergetroffen hatte. Der Polizei gelang es, fünf Männer ausfindig zu machen, die in Chicago in Kontakt zu Elizabeth Short standen und prinzipiell Gelegenheit hatten, sich eine Polizeimarke zu besorgen.

  • Jack Chernau, wohnhaft 7107 Grand Avenue, arbeitete für eine Polsterei. Er gab zu, Elizabeth Short etwa fünfzehn Mal innerhalb von drei Wochen getroffen zu haben. Die beiden hatten auch miteinander geschlafen und sich dazu ein Zimmer im „Blackstone Hotel“ genommen.
  • Slig Diamond, arbeitete für eine Zeitung, lebte im „Park Row Hotel“, in dem Elizabeth Short ebenfalls ab dem 24. Juni 1946 wohnte. Er hatte Short über einen Zeitraum von zehn Tagen getroffen und eine Affäre mit ihr. Er berichtete, sie habe sich ständig über Mordfälle unterhalten wollen.
  • Lou Paris, ein Reporter, der für die »Chicago Daily Times« schrieb. Er hatte sich mit Elizabeth Short unterhalten. Sie zeigte gesteigertes Interesse am bekannten Mordfall Suzanne Degnan/William Heirens.
  • John Giampa, 3421 West Lexington, arbeitete im Versand des »Chicago Herald American«. Er sagte aus, Elizabeth Short habe in Chicago einen Polizeibeamten gekannt, der am Heirens-Fall gearbeitet habe.
  • Jan Jansen, Reporter der »Chicago Daily News«, hatte Short ebenfalls im Juli 1946 kennengelernt.

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