Am 29. April 1990 entdeckte ein Streifenpolizist gegen 2:00 Uhr den nackten Leichnam von Carol Dowd (46) hinter dem Fischladen „Newman Sea Food“. Das Geschäft befand sich 4511 Frankford Avenue, doch die Leiche wurde in der parallel dazu verlaufenden Hintergasse gefunden.


Tatort Hintergasse

 

Der Kopf und das Gesicht waren blutig geschlagen. Der Leichnam wies 36 Stichwunden im Gesicht, Hals, Brust und Rücken auf. Darüber hinaus hatte der Mörder der Frau den Bauch aufgeschnitten, sodass die Gedärme aus der Wunde hervorquollen. Außerdem hatte der Täter dem Opfer die linke Brustwarze entfernt.

Carol Dowd hatte an ihren Händen Schnittwunden, wie sie typisch waren, wenn jemand versuchte, einen Messerangriff abzuwehren. Der Tatzeitpunkt konnte auf die Zeit zwischen Mitternacht und 1.40 Uhr eingegrenzt werden. Der Streifenbeamte war gegen 0.00 Uhr wegen eines Einbruchs in der Gegend gerufen worden und hatte dabei auch die Gasse überprüft.

Die Kleidung der Toten lag verstreut neben ihrem Leichnam. Ebenso ihre offene Handtasche. Der Inhalt war zum Teil auf dem Boden ausgeschüttet worden. Doch offensichtlich hatte der Täter nichts mitgenommen. Die Polizei schloss deshalb Raub als Tatmotiv aus.

Paranoide Schizophrenie

Carol Dowd wohnte nicht weit vom Tatort entfernt. Eine Zeugin meldete sich bei der Polizei, die die Tote nur wenige Stunden zuvor in Begleitung eines älteren weißen Mannes gesehen hatte. Dowds Bruder erzählte Reportern, dass seine Schwester bis zum Ende der 1960er Jahre ein unscheinbares Leben geführt hatte. Dann sei ihr gemeinsamer Bruder gestorben.

Danach habe Dowd plötzlich Stimmen gehört. Die Ärzte hätten bei ihr paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Sie sei zeitweise in einer geschlossenen Anstalt untergebracht gewesen. Nach ihrer Entlassung sei sie in ein Apartment gezogen, indem sie vergewaltigt worden sei. Zuletzt habe sie in einer Gemeinschaftswohnanlage gelebt, wo sie sich sehr glücklich gefühlt habe.

Die Polizei hatte sofort den gleichen Täter wie bei den sieben Morden zuvor in Verdacht. Die Ermittler spekulierten, dass der Mörder seinen Opfern gefolgt war, nachdem sie eine der Kneipen in der Gegend verlassen hatten.

Leonard Christopher

Bei ihrer Suche nach Zeugen befragten die Beamten auch die Angestellten des Fischgeschäfts. Dabei stießen sie auf einen jungen Afroamerikaner namens Leonard Christopher, der im Geschäft die Fische zerlegte. Als er erfuhr, dass in der Gasse ein Mord an einer Frau geschehen war, erzählte er den Polizisten, dass er eine Frau gekannt habe, die ebenfalls einem Mord zum Opfer gefallen sei. Ihr Name: Margaret Vaughan, eines der mutmaßlichen Opfer des „Frankford Slasher“. Christopher hatte nun die volle Aufmerksamkeit der Ermittler.

Leonard Christopher arbeitete nicht nur in der Frankford Avenue, sondern wohnte auch dort. Die Beamten fragten Christopher beiläufig nach seinem Alibi für die letzte Nacht. Er gab an, sich bei seiner Freundin aufgehalten zu haben. Doch als die Polizisten die Frau vernahmen, stritt diese die Aussage ab. Sie habe die Nacht alleine verbracht.

Zeugen belasten Christopher

Dieser offensichtliche Widerspruch löste weitere Ermittlungen gegen Christopher aus. Die Beamten konnten einen Zeugen auftreiben, der Christopher angeblich in der Tatnacht gemeinsam mit Dowd in einer Bar gesehen haben wollte. Eine Prostituierte meldete sich und bestätigte, dass auch sie den Verdächtigen mit der Toten vor der Bar gesehen habe. Eine weitere Prostituierte behauptete, sie habe Christopher in der Tatnacht aus der Gasse kommen sehen. Sie sagte aus, er habe geschwitzt und ein langes Messer an seinem Gürtel getragen.

Wenige Tage nach dem Mord an Carol Dowd besorgten sich die Polizisten einen Durchsuchungsbeschluss für Christophers Wohnung. Sie fanden blutverschmierte Kleidung vor. Christopher behauptete, er habe die Blutlachen in der Hintergasse entfernt und sich dabei mit dem Blut befleckt. Einige Kollegen von ihm bestätigten, dass er den Tatort gereinigt habe. Viele Bekannte von ihm bürgten zudem für seinen Charakter. Sie hielten es nicht für denkbar, dass Christopher zu solch einem Verbrechen überhaupt fähig sei.

Keine Ähnlichkeiten zu Phantombildern

Leonard Christopher ähnelte darüber hinaus nicht im geringsten den Zeugenbeschreibungen, die einen weißen Mann mittleren Alters in Begleitung anderer Opfer der Mordserie gesehen haben wollten. Dennoch verhaftete die Polizei den Mann am 5. Mai wegen Mordverdacht. Eine Freilassung auf Kaution wurde vom Haftrichter abgelehnt. Doch während Leonard Christopher in Untersuchungshaft saß, ereignete sich ein weiterer Mord, der alle Merkmale der Taten des Frankford Slasher hatte.

 

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(5) Mord hinterm Fischmarkt was last modified: Mai 14th, 2016 by Richard Deis