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(17) Weitere Verdächtige

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Bruce Davis

Die Zodiac-Morde geschahen in etwa zur gleichen Zeit, als Nordkalifornien von den Verbrechen der Manson Family erschüttert wurde. Die Manson-Bande verwendete unter anderem Seile, Stich- und Feuerwaffen für ihre Morde. Außerdem hinterließen sie mehrfach Nachrichten am Tatort, die sie mit dem Blut der Opfer zeichneten. Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass diese Gruppierung auch als Urheber der mysteriösen Zodiac-Mordserie verdächtig wurde. Insbesondere das Mitglied Bruce Davis geriet unter Tatverdacht.

Bruce Davis wurde am 5. Oktober 1942 geboren und begab sich 1962 erstmals nach Kalifornien. Er arbeitete geraume Zeit in Lake Tahoe, bevor er nach Tennessee weiterzog. Nach zwei Jahren kehrte er nach Kalifornien zurück und hielt sich in Newport Beach und Costa Mesa auf. Laut einiger Berichte soll er im Oktober 1966 am Riverside City College gearbeitet haben. In dieser Zeit wurde das mögliche Zodiac-Opfer Cheri Jo Bates dort ermordet.

Ab September 1967 schloss sich Davis Charles Manson an. Am 2. Dezember 1970 stellte er sich den Polizeibehörden, nachdem man ihm Beteiligung an mehreren Morden der Manson Family anlastete. In diesem Zeitraum – zwischen September 1967 und Dezember 1970 – geschahen alle Zodiac-Verbrechen, inklusive der Entführung von Kathleen Johns (22.3.1970) und dem Verschwinden von Donna Lass in Lake Tahoe (6.9.1970).

Andere Tatsachen sprechen jedoch dagegen, dass er für die Zodiac-Verbrechen infrage kommt. Zum einen sein „Hippie-Look“: Bruce Davis trug die Haare seinerzeit lang und meist einen Bart. Dieses Erscheinungsbild passte nicht im geringsten zu den Zeugenbeschreibungen im Zodiac-Fall. Zum anderen stimmte seine Handschrift nicht mit dem Zodiac-Killer überein.

Das FBI und die Polizeibehörden hatten zudem sehr genau untersucht, ob der Mason Family weitere ungelöste Straftaten in Kalifornien zugeordnet werden konnten. Eine Beteiligung an den Zodiac-Morden haben die Ermittler ausgeschlossen. Davis sitzt nach wie vor im Gefängnis ein, nachdem mehrere Bewährungsanträge abgelehnt wurden.

Richard Gaikowski

Richard Gaikowski (alias Dick Gyke) ist eine „Entdeckung“ der Internetseite zodiackiller.com, die seit Ende der 1990er Jahre von Tom Voigt betrieben wird. Dort meldete sich Anfang 2008 ein User, der den Benutzernamen Goldcatcher verwendete. Er wies die Community auf einen Mann hin, der 1986 für kurze Zeit auch in den Fokus der realen Ermittlungen geraten war. Die Besucher der Seite trugen mit der Zeit einen großen Fundus an Informationen, Fotografien, Tonproben und Handschriftenproben zusammen, um eine mögliche Verbindung mit den Zodiac-Morden zu finden.

Gaikowski wurde am 14. März 1936 in Watertown, South Dakota, geboren. Er besuchte die nahe gelegene Webster High School und dann das Northern State Teachers College in Aberdeen, South Dakota. Gaikowski diente in den 1950er Jahren in der Armee. Es ist bekannt, dass Gaikowski eine Ausbildung als Sanitäter durchlief. In den 1960er Jahren zog er nach Kalifornien um, wo er sich als Reporter für eine Lokalzeitung verdingte.

Mordopfer gekannt?

Gemäß der Recherchen der zodiackiller.com-Seite könnte Gaikowski das spätere Zodiac-Opfer Darlene Ferrin aus Vallejo gekannt haben. Ferrins damaliger Ehemann arbeitete bei der Zeitung „Albany Times-Union“ in New Jersey. Nach der Hochzeit am 1. Januar 1966 zog Darlene zu ihm. Kurz darauf begab sich Gaikowski ebenfalls ans andere Ende des Landes und heuerte bei der „Albany Knickerbocker News“ an, einem Konkurrenzblatt der „Albany Times-Union“, das im selben Gebäude untergebracht war.

In den Jahren 1969 bis 1971 lebte Gaikowski in einer Kommune in San Francisco namens „Good Times“, die eine eigene Zeitung herausbrachte. Während dieser Zeit konsumierte Gaikowski regelmäßig Mariuahan und härtere Drogen wie Speed und LSD. Zum Zeitpunkt des Mordes an Paul Stines war die Telefonzentrale der „Good Times“ nur wenige Meter von der Wohnung des Opfers in der Fell Street in San Francisco entfernt. Carol, Paul Stines Schwester, erkannte Gaikowski, als er die Beerdigung von Paul besuchte.

Stine starb in der Washington Street in San Francisco. 1969 verzeichnete das Adressbuch von San Francisco nur eine Person mit dem Namen Gaikowski. Es handelte sich um eine Cousine von Richard Gaikowski. Sie wohnte in der Washington Street und feierte am 11. Oktober Geburtstag – der Tag, an dem Paul Stine getötet wurde. Stine war zugleich der einzige Zodiac-Mordfall, bei dem der Täter sein Opfer zum späteren Tatort dirigierte.

Weitere Indizien

Mittwoch war der Hauptproduktionstag bei der wöchentlich erscheinenden „Good Times“. Die Mitarbeiter arbeiteten von früh morgens bis sehr spät in der Nacht, um die neue Ausgabe vorzubereiten. Zwischen Juli 1969 und 1973, als die „Good Times“ ihr Erscheinen einstellte, trafen 15 Briefe des Zodiac ein. Keiner der Briefe wurde an einem Mittwoch versendet, obwohl jeder andere Tag der Woche mindestens einmal Datum des Poststempels war.

Am selben Tag, als der Zodiac drei Briefe an verschiedene Zeitungen schickte, die drei Teile eines Geheimcodes enthielte, druckte die „Good Times“ ein dreigeteiltes Cover, das von Gaikowski bearbeitet wurde.

In Artikeln, die er 1969 veröffentlichte, verkürzte Gaikowski seinen Nachnamen auf vier Buchstaben mit unterschiedlichen Schreibweisen wie „Gike“ oder „Gaik“. Interessanterweise taucht das Wort „GYKE“ in einem der Geheimcodes des Zodiac auf, die er am 31. Juli 1969 verschickte.

Der Zodiac schrieb nur einen Brief an den „Vallejo Times-Herald“. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete sein engster Freund Bob für diese Zeitung.

Obwohl die „Good Times“ sich als Teil der Gegenkultur verstand, schaltete sie kostenlose Anzeigen für kommerzielle Veranstaltungen „The Mikado“. Der Zodiac zitierte manchmal aus diesem Stück.

Am 13. März 1971 schickte der Zodiac einen Brief an die „Los Angeles Times“. Zur gleichen Zeit wurde Gaikowski in das Napa State Hospital eingeliefert, weil er „komplett ausgerastet“ sei. Die Ärzte diagnostizierten bei ihm eine psychische Erkrankung und überwiesen ihn an das Mount Zion Hospital in San Francisco. Danach verstummte der Zodiac für fast drei Jahre.

Als sich der Zodiac 1974 wieder mit Briefen an die Öffentlichkeit wandte, die sich auf neuere Kinoproduktionen bezogen, betrieb Gaikowski ein kleines Kino im Mission District von San Francisco.

Die Polizei-Telefonistin Nancy Slover, die im Juli 1969 das Gespräch des Zodiac entgegennahm, hat laut zodiackiller.com Gaikowskis Stimme als die des damaligen Anrufers identifiziert.

Ermittlungen ohne Ergebnis

1986 ermittelte das Sheriff Department von Napa County kurze Zeit gegen Gaikowski. Auf Drängen Pam Huckaby (Schwester von Darlene Ferrin) und der Person, die sich hinter dem Usernamen Goldcatcher verbirgt, nahm Detective Ken Narlow in jüngerer Vergangenheit nochmals die Ermittlungen auf und überprüfte den Hintergrund von Gaikowski. Zusätzlich unterzog er ihn für ein paar Tage einer Überwachung. Narlow konnte keine Hinweise finden, die eine weitere Untersuchung gerechtfertigt hätten. Die Sache wurde schließlich fallen gelassen.

Mittlerweile hat das kalifornische Justizministerium bestätigt, dass die Handschrift von Gaikowski gewisse Ähnlichkeiten mit der Handschrift des Zodiac aufweist. Es wurden weitere Schriftproben von Gaikowski angefordert. Goldcatcher sandte einige Proben ein, von denen er glaubte, sie stammten von Gaikowski. Doch es ergaben sich keine Übereinstimmungen. Richard Gaikowski starb am 30. April 2004 in San Francisco an Krebs.

George Hodel

Steve Hodel, ehemaliger Kriminalbeamter des Los Angeles Police Department, hat in einem Buch seinen Vater George Hodel der Zodiac-Morde bezichtigt. Hodel soll gleichzeitig auch für die Ermordung von Elizabeth Short verantwortlich sein, ein weiterer berühmter und ungelöster Fall der kalifornischen Kriminalgeschichte. Im Short-Fall stand Hodel immerhin noch auf der Liste der offiziell Verdächtigen. Für die Zodiac-Morde ist mir darüber nichts bekannt. Zudem häuft Sohn Steve Hodel zwar Indiz um Indiz an, ohne dass allerdings ein einziges dieser Puzzlestücke den Vater mit einer der Verbrechen direkt in Verbindung bringen könnte.

Ted Kaczynski

Ted Kaczynki, auch als „Unabomber“ bekannt, gehörte nach seiner Verhaftung ebenfalls zum Kreis der Verdächtigen. Er teilte mehrere Merkmale mit dem Zodiac-Killer:

1) Kaczynski lebte in den späten 1960er Jahren in der Umgebung der San Francisco Bay.
2) Kaczynski war in der Lage, Bomben zu bauen.
3) Kaczynski kommunizierte mit den Medien, nachdem er seine Taten begangen hatte.

Kaczynski wurde jedoch vom FBI und von der Polizei in San Francisco von jeder Beteiligung an den Zodiac-Verbrechen freigesprochen. Grundlage dieser Beurteilung waren ein Fingerabdruck-Vergleich, ein Handschriften-Vergleich und die Tatsache, dass sich Kaczynski zu fünf Tatzeiten, an denen der Zodiac tätig war, nachweislich nicht in Kalifornien aufhielt.

Lawrence Kane („Larry Krew“)

Der Verdächtige Lawrence Kane (alias „Larry Krew“) geht auf die privaten Ermittlungen des pensionierten Polizeibeamten Harvey Hines zurück. In der offiziellen Falluntersuchung spielte der Name meines Wissens nie eine Rolle.

Hines trug Material über Kane zusammen. Er fand heraus, dass Kane viele Aliasnamen benutzte und drei Sozialversicherungskarten besaß, alle unter verschiedenen Namen. Er hatte zwei verschiedene Geburtsdaten angegeben. Er besaß auch zwei Führerscheine. Zwischen den Jahren 1946 und 1968 wurde Kane 19 Mal wegen verschiedener Delikte, die von Einbruch über Körperverletzung bis hin zum Betrug reichten, verhaftet.

Der „wahre“ Lawrence Kane wurde am 26. April 1924 geboren und zog 1953 mit seiner Mutter nach Kalifornien. Kane diente während des Krieges sieben Monate in der Marine und dürfte zumindest rudimentäre Kenntnisse über Geheimcodes besessen haben. Die Militärärzte diagnostizierten bei ihm eine psychische Störung, woraufhin er ehrenvoll entlassen wurde.

Verheerender Unfall

1962 oder 1964 war Kane in einen verheerenden Autounfall mit einem Zementwagen involviert. Infolge des Unfalls erlitt er Hirnschäden. Er war niemals in einer staatlichen Fachklinik untergebracht, obwohl sein Geisteszustand als „äußerst ernst“ bezeichnet wurde. Nachdem er sich nach zwei Jahren von seiner Frau trennte, zog Kane zurück zu seiner Mutter. In der Folge kam es zu Verhaltensauffälligkeiten. So wurde Kane mehrere Male als Voyeur und Exhibitionist verhaftet.

Hines fand heraus, dass Kane während der Mitte der 1960er Jahre für eine Immobilienfirma in Riverside gearbeitet hatte – zur gleichen Zeit, als Cheri Jo Bates dort ermordet wurde. Während Kane in San Francisco lebte, war seine Wohnung auf der Eddy Street, zwei Blocks entfernt von der Stelle, an der der Mörder in Paul Stines Taxi einstieg. Gilbert und Sullivans Stück „Mikado“ spielte im selben Theaterviertel drei Blocks von seiner Wohnung entfernt. Der Zodiac hatte geschrieben, dass er ein Fan von Gilbert und Sullivan sei.

Krew kaufte am 10. Juli 1969 eine golden-hellbraune Limousine der Marke Ambassador Baujahr 1969. Dies war nur sechs Tage nach Darlene Ferrins Ermordung. Der Mann, der Kathleen Johns und ihre Tochter am 22. März 1970 entführte, fuhr einen hellbraunen Neuwagen.

Mehrere Identifizierungen

Hines sprach mit Darlene Ferrins Schwestern und legte ihnen Fotos von mehreren Männern vor. Sie identifizierten Krew als denjenigen Mann, der ihre Schwester in den Tagen vor ihrer Ermordung verfolgt hatte. Allerdings muss ich hinzufügen, dass die Ferrin-Schwestern auch andere Personen als Verdächtige „identifiziert“ haben.

Hines sprach dann mit dem Polizisten Donald Foukes, der in San Francisco nach dem Mord an Paul Stine vermutlich eine kurze Unterhaltung geführt hatte. Auch Foukes deutete auf Kanes Foto und erklärte, diese Person weise die größte Ähnlichkeit zu einem Verdächtigen auf, die er bisher gesehen habe. Allerdings war er nicht mehr hundertprozentig sicher, dass dieser Mann tatsächlich der Fremde aus der Mordnacht war.

Kathleen Johns, eine weitere Zeugin, die dem Mörder vermutlich begegnet war und überlebt hatte, wurde ebenfalls von Hines kontaktiert. Hines legte ihr insgesamt 18 Fotos von verschiedenen Männern vor. Kanes Foto, das ihn ohne Brille zeigte, legte er an letzter Position in der dritten Reihe. Johns betrachtete die Bilder. Ihr Finger deutete auf das Bild innerhalb von wenigen Augenblicken. „Das ist er. Aber ich hatte ihn jünger in Erinnerung.“

Verdächtiger im Vermisstenfall Donna Lass

Hines war auf Kane als Verdächtigen im Zodiac-Fall erst gestoßen, als er sich ausgiebig mit dem Verschwinden von Donna Lass in Lake Tahoe beschäftigte. Genau genommen wird Donna Lass überhaupt nur wegen Hines Recherchen als mögliches Zodiac-Opfer in Erwägung gezogen. Lass zog im Juni 1970 von San Francisco nach Lake Tahoe, ebenso wie Lawrence Kane. Mehrere Zeuginnen hatten Hines einen Mann beschrieben, der Interesse an Donna Lass unmittelbar vor ihrem Verschwinden gezeigt habe. Seine Nachforschungen führten ihn dann auf die Spur von Kane, der den Zeugenbeschreibungen ähnelte. Kane ist 2010 verstorben.

Rick Marshall

Rick Marshalls Äußerliches und sein Background passen in einigen Punkten zu dem Täterprofil des Zodiac, so weit es bekannt ist.

• Marshall wurde ungefähr 1928 in Texas geboren.
• Nach den Aussagen von mehreren Bekannten lebte Marshall 1966 in der Umgebung von Riverside. Dort starb Cheri Jo Bates, ein mögliches Opfer des Zodiac.
• 1969 lebte Marshall in einer Souterrain-Wohnung in der Scott Street in San Francisco. Die Wohnung war nur wenige Kilometer von dem einzigen Zodiac-Tatort in San Francisco entfernt.
• Marshall arbeitete in den frühen 1970er Jahren als Ingenieur für den Radiosender KTIM. Die KTIM-Logos ähneln den Symbolen, die der Zodiac in seinem „Exorzisten“-Brief vom Januar 1974 verwendete.
• Marshall war ein großer Filmfan und arbeitete als Vorführer in einem Stummfilm-Kino namens „Avenue“ in San Francisco. Zur gleichen Zeit versandte der Zodiac seinen „Red Phantom“-Brief im Juli 1974. Die Polizei nahm an, dass der Zodiac von einem Stummfilm inspiriert wurde, als er die Unterschrift „Das rote Phantom“ wählte.
• Ab 1989 arbeitete Marshall für Tektronix und reparierte Orgeln im Castro-Bezirk von San Francisco.

Louie Myers

2001 gestand Louie Myers angeblich seinem Freund Randy Kenney, dass er der gesuchte Zodiac Killer sei. Kurz darauf verstarb Myers an Leberzirrhose. Kenney wandte sich mit der Geschichte an die Behörden, die ihm aber keinen Glauben schenkten.

Nach dem, was bekannt ist, könnte Myers zumindest einige der Mordopfer persönlich gekannt haben. So besuchte er die gleichen Schulen wie Betty Lou Jensen und David Farraday. Zudem arbeitete er im selben Restaurant wie Darlene Ferrin. Darüber hinaus war Myers im Zeitraum 1971-1973 für das Militär tätig und in Übersee stationiert. In dieser Phase legte der Zodiac eine Schreibpause ein. Als Motiv für seine Überfalle auf junge Paare habe Myers die Trennung von seiner damaligen Freundin angegeben, so Kenney.

Michael O’Hare

Michael O’Hare wurde von dem Buchautor Gareth Penn („Times 17“) als Verdächtiger der Mordserie ins Spiel gebracht. Damit steht der Autor aber auch ziemlich allein auf weiter Flur. Denn es gibt keinerlei Indizien, die O’Hare mit einem der Opfer oder Tatorte in Verbindung bringen. Lediglich ein Punkt spricht für ihn als Zodiac: O’Hare war ein ausgezeichneter Schütze.

Penns „Beweisführung“ basiert auf Morsecodes und binärer Mathematik. Allerdings erwies sich Penns Formel als unzuverlässig. Dies führte dann dazu, dass mehrere Beobachter den Autor Gareth Penn als vielversprechenderen Verdächtigen werteten als O’Hare.

Jack Tarrance

2007 beschuldigte ein Mann namens Dennis Kaufman seinen Stiefvater Jack Tarrance, der Zodiac-Mörder zu sein. Er übergab dem FBI mehrere Gegenstände, darunter einen Umhang, wie ihn der Zodiac bei seinem Verbrechen am Lake Berryessa getragen hatte. Gemäß verschiedener Medienquellen hat das FBI eine DNA-Analyse mit Vergleichsmaterial durchgeführt, konnte aber keine Übereinstimmung feststellen.

„George Russell Tucker“

Lyndon Lafferty, ein ehemaliger Beamter der Autobahnpolizei von Kalifornien, bezichtigte einen Bewohner des Solano County der Tat, der im Februar 2012 verstarb. Da die Polizei die Hinweise nicht für ausreichend hielt, um eine Ermittlung anzustrengen, blieb die wahre Identität des Mannes im Dunkeln. Lafferty gab das Pseudonym „George Russell Tucker“ an.

Ein unbekannter Seemann

2009 wandte sich ein ehemaliger Rechtsanwalt namens Robert Tarbox an die Öffentlichkeit und behauptete, die wahre Identität des Zodiac-Killers zu kennen. Der Mann sei 1972 sein Klient gewesen und habe ihm seinerzeit die Taten gestanden. Damals habe der Mandant für die Handelsmarine gearbeitet. Tarbox nannte jedoch keinen konkreten Namen. Stattdessen schaltete er eine ganzseitige Anzeige im Vallejo Times-Herald. Er wolle mit seiner Enthüllung den Namen des verstorbenen Arthur Leigh Allen reinwaschen, so Tarbox zu seinem Motiv. Robert Tarbox hatte bereits im August 1975 seine Anwaltszulassung verloren.

Earl Van Best Jr.

Der letzte neue Name auf der Liste der Verdächtigen ist ein Mann namens Earl Van Best Jr. Im Mai 2014 veröffentlichte sein Sohn ein Buch, in dem er seinem leiblichen Vater der Zodiac-Morde beschuldigt. Belastbare Beweise führt das Buch jedoch nicht an.

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(16) Arthur Leigh Allen: Tod eines Wandlungsreisenden

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Andere Medienmacher nutzten die Steilvorlage und das bestehende öffentliche Interesse am Fall, um sich selbst auf die Suche nach Verdächtigen zu begeben. Besonders kreativ erwies sich dabei wieder einmal der Erfinder des Reality-TVs, Geraldo Rivera. In seiner Sendung „Now It Can Be Told“ präsentierte er die Ergebnisse seiner „Untersuchung“ zu den Zodiac-Morden.

Sein Co-Autor und Verschwörungstheoretiker Maury Terry war zu dem Schluss gekommen, dass ein satanischer Kult für die Verbrechen des Zodiac verantwortlich sei. In einem Versuch, den Hauptverdächtigen zu entlasten, wurde Allen in Silhouette interviewt, als er zu seiner Verteidigung sagte: „Ich bin nicht der Zodiac. Ich habe nie jemanden getötet.“

Die Publicity, die der Fall inzwischen nach sich zog, entwickelte sich zum Desaster für die Polizeibehörde von Vallejo, die unter Druck stand, Beweise gegen ihren so genannten „Hauptverdächtigen“ vorzulegen. Allen wurde inzwischen permanent überwacht.

Zwischendurch stattete die Polizei Arthur Leigh Allen unangekündigte Besuche ab. In der Hoffnung, den Verdächtigen bei einer illegalen Aktion in flagranti zu erwischen oder irgendwelche belastenden Beweise zu entdecken. Ein FBI-Memorandum deutet jedenfalls darauf hin, dass Allen mehrmals in den Monaten nach der Durchsuchung in seinem Haus vernommen wurde. Das Memo stellt fest, dass Allen immer „sehr kooperativ war, aber weiterhin leugnete, der Zodiac zu sein.“

Ein schrulliger alter Mann

Am 6. März 1992 wurde Allen in der Fernsehshow „A Current Affair“, die in den gesamten USA ausgestrahlt wurde, einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. „Als Schlächter gebrandmarkt“ lautete der Titel eines Einspielers in der Sendung. Ein Foto des „Schlächters“ wurde eingeblendet, das ihn nur in Shorts bekleidet zeigte. Das Gesicht war verpixelt.

In dem sensationssüchtigen Stil, für den die Sendung berühmt war, erzählte der Reporter Mike Watkis mit atemloser Stimme: „Arthur Leigh Allen, langjähriger Bewohner von Vallejo und ehemaliger Lehrer, ist der Mann, von dem viele glauben, er sei der berüchtigte Zodiac-Killer. Allen hat mit diesem Etikett zwanzig Jahre gelebt. Jetzt erzählt Allen zum ersten Mal im nationalen Fernsehen seine Version der Geschichte.“

Allen saß in seinem Kellerraum und wurde nur als abgedunkelte Silhouette gezeigt. „Nun, sie konnten mich aus dem einfachen Grund nie schnappen, weil ich niemals irgendwen in meinem Leben getötet habe und dies auch nicht beabsichtige … Gott sei gedankt für unsere Verfassung, denn diese besagt, dass eine Person solange unschuldig ist, bis man ihre Schuld bewiesen hat.“

Die Polizei war frustriert über die Medienpräsenz von Allen, die ihn wie einen etwas schrulligen Mann wirken ließ, der zu Unrecht von den Behörden belästigt wurde. George Bawart und Captain Roy Conway setzten nun ihre Hoffnungen darauf, dass vielleicht ein Augenzeuge in der Lage wäre, Allen als Täter zu identifizieren. Eine solche Identifizierung konnte vielleicht eine Verhaftung rechtfertigen.

Zeugen „identifizieren“ Allen

So bat man Bryan Hartnell, Allen an seinem Arbeitsplatz aufzusuchen und ihn dort unbemerkt zu beobachten. Hartnell schaute sich den Verdächtigen sorgfältig an und sprach einmal kurz mit ihm. Hartnell sagte anschließend: „Ich kann zumindest nicht ausschließen, dass er der Täter war.“

Das überlebende Opfer Michael Mageau war nach den Schüssen im Blue Rock Springs Park praktisch vom Erdboden verschwunden. Obwohl die Polizei ihm in den Wochen nach dem Verbrechen Fotos mehrerer Verdächtiger gezeigt hatte, hatten sich die Strafverfolgungsbehörden später offenbar niemals bemüht, Kontakt zu Mageau zu halten und ihm auch ein Foto von Allen zu zeigen.

Die Produzenten der Sendung „Now It Can Be Told“ hatten hingegen scheinbar keine Mühe, Mageau aufzuspüren. In ihrer zweiten Sendung zum Zodiac-Fall filmten sie Mageau mit versteckter Kamera. Jahrelanger Alkohol- und Drogenmissbrauch hatten den hageren 44-jährigen gezeichnet.

Die Sendung hatte den Untertitel „Der Mann, der zu viel wusste“. Die Filmcrew schickte Darlene Ferrins Schwester vor, die einen nervös und verwirrt wirkenden Mageau konfrontierte. Sie befragte ihn zu dem Namen eines geheimnisvollen Mannes, der Darlene in den Wochen, bevor sie getötet wurde, angeblich verfolgt hatte. Mageau zuckte mit den Achseln: „Ich weiß nicht, ich kann mich kaum an Namen erinnern.“

George Bawart kontaktierte Mageau im August 1991 und zeigte ihm Fotos von mehreren Männern, darunter Arthur Leigh Allen. Mageau wurde gefragt, ob einer der Personen der Attentäter sein könnte, der vor mehr als zwanzig Jahren auf ihn und Darlene geschossen hatte. Nach einem FBI-Memorandum soll Mageau Allen als Zodiac-Killer identifiziert haben. Bawart beschrieb die Identifizierung und stellte fest, dass Mageau Allens Foto sah und erklärte: „Das ist er, das ist der Mann, der auf mich geschossen hat.“Allerdings zeigte er laut Memorandum auch auf das Bild eines anderen Mannes in der Foto-Aufstellung und äußerte, dass das Gesicht dieser Person dem Gesicht des Zodiac ähnelte.

Komplikationen

Bei den Ermittlern keimte dennoch Hoffnung auf. Denn die Identifikation des Hauptverdächtigen durch einen Augenzeugen schuf prinzipiell eine neue Beweissituation, die eine Verhaftung von Allen möglicherweise rechtfertigen konnte. Doch dummerweise stimmte Mageaus ursprüngliche Beschreibung des Mörders nicht mit Allen überein. Sprich: Seine Aussagen widersprachen sich. Und ob ein Richter angesichts des massiven Alkohol- und Drogenkonsums in den vergangenen beiden Jahrzehnten nun Mageaus neuester Erklärung Glauben schenken würde, 22 Jahre nach dem Verbrechen, schien eher zweifelhaft.

Währenddessen verschlechterte sich Allens Gesundheitszustand. Der Mann war aufgrund von Diabetes inzwischen auf eine regelmäßige Nieren-Dialyse angewiesen. Die Therapie ließ ihn zunehmend dünn, kränklich und gebrechlich wirken. Es kam zu Komplikationen, die zu einer annähernden Erblindung von Allen führten. Er litt zudem unter einem großen Abszess am Fuß, der ihm jede Bewegung erschwerte. Er musste seinen Job aufgeben und verbrachte die meiste Zeit zu Hause. Um seine Einnahmen aufzubessern, hatte Allen den oberen Teil seines Hauses an eine junge Frau vermietet, während er weiterhin im Keller wohnte.

Im Frühjahr 1992 interviewte der Autor Rider McDowell Allen in seinem Haus für einen Artikel im „San Francisco Chronicle“. McDowell beschrieb den kranken und alternden Verdächtigen als entwaffnend freundlich und schrieb, dass Allen erkannt hatte, dass er „mit einer Menge böser Dinge in seinem Leben davongekommen war. Er leugnete aber jede Beteiligung am Zodiac-Fall.“ Allen sagte McDowell: „Ich war es nicht … und das ist die Wahrheit. Und wenn die Leute das glauben wollen, ist es okay für mich. Das ist ihr Problem. Ich bin in jeglicher Hinsicht durchleuchtet und entlastet worden, einschließlich der Handschriften-Proben. Ich sehe dem Typen auf den Phantombildern nicht mal ansatzweise ähnlich.“

Die Polizei von Vallejo setzte Allen weiterhin unter Druck, sich einem weiteren Lügendetektor-Test zu unterziehen. Bis Ende August 1992 schien Allen tatsächlich gewillt, bei solch einem Test mitzumachen, um sich im Zodiac-Fall von allen Vorwürfen reinzuwaschen. Er verfasste an seinem PC eine Einverständniserklärung, die an die Polizeibehörden gehen sollte, und druckte sie aus. Doch der Test fand nie statt.

Nierenversagen

Am Nachmittag des 26. August 1992 wurden die Polizei und die Feuerwehr von Vallejo benachrichtigt, dass eine Person in 32 Fresno Street Hilfe benötige. Dort fanden die Helfer Allens leblosen Körper auf dem Boden seiner Kellerwohnung. Der Hauptverdächtige in dem berühmtesten ungelösten Mordfall der kalifornischen Geschichte war tot.

Bei der Inspektion von Allens Zimmer bemerkten die Streifenbeamten Lawson und Baron den Computer auf Allens Schreibtisch und die Kopie von Allens Einverständniserklärung im Drucker. Baron setzte dann George Bawart von Allens Tod telefonisch in Kenntnis. Bawart fuhr an den Tatort und begutachtete dort Wohnung und Leichnam.

Allen trug einen Bademantel. Sein Kopf wies eine Verletzung auf, die vom Sturz auf den Boden herrühren konnte. Allerdings kam Brawart die Wunde etwas seltsam vor, obwohl sonst nichts auf Fremdeinwirkung hindeutete. Er beantragte deshalb eine Obduktion der Leiche, um die genaue Todesursache zu bestimmen. Die Autopsie ergab später, dass Allen an einem Nierenversagen infolge seiner diabetischen Erkrankung verstorben war. Die Kopfwunde hatte er sich aller Voraussicht zugezogen, als er zu Boden gestürzt war. Der Pathologe schloss Fremdverschulden aus.

Videokassetten und Disketten

Bawart untersuchte den Keller in der Fresno Street und hoffte, dass ihm doch noch Beweismittel in die Hände fielen, die Allen als Zodiac-Killer überführten. Offenbar hatte der Tote den Computer erst vor kurzer Zeit neu angeschafft. Denn ein Jahr zuvor, als die Polizei das Haus durchsucht hatte, war das Gerät noch nicht vorhanden. In der Nähe des Computers fand Bawart einen Kasten mit Disketten, die mit dem Wort „Polygon“ beschriftet worden waren.

Allen hatte eine Sammlung von Videobändern neben seinem Bett stehen. Eine Kassette lag jedoch lose auf einem Bücherregal herum. Diese Kassette war mit dem Buchstaben „Z“ beschriftet. Bawart vermutete einen Zusammenhang mit seinem Fall und bat den Beamten Sampayan, das Band zu beschlagnahmen, bis ein offizieller Durchsuchungsbeschluss vorlag. Sampayan, der die genaueren Umstände von Allens Tod untersuchen sollte, willigte ein und brachte das Videoband zur Hauptwache.

Am nächsten Tag beantragte Captain Conway einen weiteren Durchsuchungsbeschluss, um sich den Inhalt von Allens geheimnisvollem Videoband anschauen zu dürfen. Conway bat das Gericht zudem darum, Allens Computer und Disketten beschlagnahmen zu dürfen, damit sie von einem kompetenten Computerspezialisten überprüft werden konnten. Wieder gab ein Richter dem Antrag statt. Doch auch diese Untersuchung sollte sich als Reinfall entpuppen.

So fanden sich auf der „Z“-Kassette nur einige Fernsehsendungen, die sich mit Zodiac-Fall beschäftigten. Ebenso enttäuschend waren die Disketten. Dort waren tatsächlich Polygonzeichnungen abgespeichert, die aber keinerlei Ähnlichkeit mit den Symbolen aufwiesen, die der Zodiac in seinen Briefen verwendet hatte. Augenscheinlich hatte der relativ neue Computer nur zur Herstellung der Polygone und der Einverständniserklärung gedient. Das wirkte zwar irgendwie schrullig, blieb aber letztlich eine merkwürdige Fußnote in diesem Fall.

2002, zehn Jahre nach Allens Tod, unternahm das San Francisco Police Department den vorläufig letzten Versuch, dem vormals Hauptverdächtigen die Zodiac-Morde nachzuweisen. So konnte das Kriminallabor DNA-Spuren an den Zodiac-Briefen sowie Briefmarken sichern, die vom Speichel des Absenders stammen mussten. Man verglich diese Spuren mit der DNA von Allen. Das Ergebnis fiel negativ aus.

Im Übrigen glich das SFPD im gleichen Vorgang das gesicherte DNA-Beweismaterial auch mit der DNA von Don Cheney ab, der einst der erste Zeuge war, der konkrete Vorwürfe gegen seinen Bekannten Allen erhob. Offensichtlich reichte dieser Umstand aus, um sich in den Augen der Polizei seinerseits verdächtig zu machen. Auch in diesem Fall fiel der Abgleich negativ aus.

Biografie Arthur Leigh Allen

  • 18.12.1933: Arthur Leigh Allen wird in Honolulu, Hawaii geboren.
  • 1950: Allen wächst in Vallejo, Kalifornien auf. Dort macht er an der Vallejo High 1950 seinen Highschool-Abschluss.
  • 1951-1952: Allen arbeitet als Rettungsschwimmer in Vallejo.
  • 1953: Allen arbeitet als Seiler für Mare Island Naval Shipyard in Vallejo.
  • 1957: Allen besucht das Vallejo College und schließt ein Studium der Geisteswissenschaften 1957 mit dem Associate of Arts Degree ab. Dieser Studiengrad, der in den USA üblicherweise nach einem zweijährigen Studium vergeben wird, ist in den Vereinigten Staaten zwar als akademischer Grad anerkannt, in Europa jedoch nicht. Er rangiert in der Qualität unter einem Bachelor-Abschluss.
  • 1957: Allen wird als Soldat zur U.S. Navy eingezogen.
  • 15.6.1958: Allen wird nach einem Streit mit seinem Bekannten Ralph Spinelli vom Vallejo Police Department wegen öffentlicher Ruhestörung verhaftet. Einen Monat später wird die Anzeige zurückgezogen.
  • Dezember 1958: Allen wird aus der Navy entlassen.
  • 1960: Allen besucht das Cal Poly State College in San Luis Obispo, Kalifornien, und schließt 1960 ein Lehramtsstudium mit dem Bachelor-Titel ab.
  • 1959-1962: Allen unterrichtet an der Santa Rosa Grundschule in Atascadero, Kalifornien.
  • 1961-1962: Allen arbeitet während in den Sommermonaten dieser Jahre als Pfleger im Atascadero State Hospital. Dies ist die gleiche forensische Klinik, in der er während der 1970er Jahre wegen Kindesmissbrauchs einsitzen wird.
  • 1962-1963: Allen unterrichtet an einer Grundschule auf der Travis Air Force Base in Kalifornien. Dort feuert man ihn, weil er in seinem Wagen eine geladene Handfeuerwaffe mitführt, während er sich auf dem Schulgrundstück befindet.
  • 1964-1965: Allen ist wegen einer schwerwiegenden Beinverletzung krankgeschrieben, die er sich bei einem Motorradunfall zugezogen hat.
  • 1966-1968: Allen unterrichtet an der Grundschule von Valley Springs, Kalifornien. Die Schulleitung kündigt ihm 1968 wegen „unsittlichen Verhaltens“ gegenüber einem Schüler. Danach arbeitet er nie mehr als Lehrer.
  • Dezember 1968: Allens Mutter schenkt ihrem Sohn eine Armbanduhr der Marke Zodiac.
  • November 1968 – April 1969: Allen arbeitet als Teilzeitkraft an einer Tankstelle in Vallejo.
  • 1969-1970: Allen arbeitet als Hausmeister an der Elmer Cave Grundschule in Vallejo.
  • 6.10.1969: Allen wird erstmals wegen der Zodiac-Morde von der Polizei vernommen.
  • 1970-1974: Allen studiert am Sonoma State College Biologie und Chemie. Er macht alle notwendigen Scheine, erhält seinen Bachelor-Abschluss jedoch erst im Juli 1981.
  • 17.3.1971: Allens Vater stirbt im Alter von 67 Jahren. Ethan Allen war ein hochdekorierter Marinekommandant.
  • Sommer 1971: Allen absolviert ein Betriebspraktikum als Chemiker in einer Ölraffinerie in Pinole, Kalifornien. Dort wird er am 4. August 1971 von der Polizei zum Zodiac-Fall verhört, nachdem sein Bekannter Don Cheney zuvor die Behörden kontaktiert hatte.
  • 14.9.1972: Die Polizei führt eine erste Durchsuchung bei Allen durch. Der Verdächtige gibt zudem Handschriftenproben ab.
  • 27.9.1974: Allen wird wegen Kindesmissbrauchs festgenommen.
  • 14.3.1975: Nach seiner Verurteilung tritt Allen seine Strafe im Atascadero State Hospital an.
  • 31.8.1977: Allen wird nach Verbüßung seiner Strafe aus dem Atascadero State Hospital entlassen.
  • 3.1.-3.3.1978: Allen arbeitet als Mechaniker für Benicia Import Auto Service in Benicia, Kalifornien.
  • 25.6.1978-1987: Allen nimmt mehrere Gelegenheitsjobs an. Am längsten arbeitet er für Ace Hardware in Vallejo.
  • 10.1.1989: Allens Mutter stirbt.
  • 14.2.1991: Die Polizei führt eine Hausdurchsuchung bei Allen durch.
  • 26.8.1992: Allen verstirbt in seinem Haus.
  • 28.8.1992: Die Polizei erwirkt einen weiteren Durchsuchungsbeschluss für Allens Haus.

 

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(15) Arthur Leigh Allen: Ein Buch macht ihn berühmt

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Categories: Zodiac-Killer

Robert Graysmith zeichnete Cartoons für den „San Francsico Chronicle“. Die Berichterstattung rund um den Zodiac-Killer hatte er also aus nächster Nähe mitverfolgt. In ihm reifte die Idee, dass die rätselhafte Mordserie einen guten Stoff für ein Buch abgeben würde. Er stellte auf eigene Faust Nachforschung an. Im März 1980 erfuhr er dann von Kriminalbeamten erstmals den Namen des Hauptverdächtigen Arthur Leigh Allen.

Graysmith heftete sich auf die Spur des Mannes, der inzwischen wieder aus Atascadero entlassen worden war. Er befragte viele Bekannte von ihm. Er schnüffelte ihm auf seiner Arbeitsstelle nach. Er unternahm sogar den Versuch, über den Arbeitgeber an eine Handschriftenprobe von Allen heranzukommen. Der Chef wurde misstrauisch und lehnte ab. Graysmith schickte daraufhin Freunde zu Ace Hardware, um dort verschiedene Gegenstände einzukaufen. Sie sollten ihm Quittungen besorgen, die Allen unterschrieben hatte. So wollte er an eine Handschriftenprobe gelangen.

Bestseller macht Fall schlagartig berühmt

Graysmiths Recherchen mündeten schließlich in einem Buch, das 1986 vom renommierten Verlag St. Martin’s Press unter dem Titel „Zodiac“ herausgegeben wurde. Während das öffentliche Interesse an dem Zodiac-Fall in den zehn Jahren zuvor zunehmend eingeschlafen war, füllte die Geschichte nun wieder die Titelseiten. „Zodiac“ entwickelte sich zum Bestseller und erlebte zahlreiche Neuauflagen. Graysmith wurde von einer Vielzahl an Medien als Experte angefragt.

Im Zentrum des öffentlichen Interesses stand ein gewisser „Bob Hall Starr“, den Graysmith als wahren Zodiac-Mörder enttarnt zu glauben meinte. Der Name war das Synonym für Arthur Leigh Allen, der zu diesem Zeitpunkt noch lebte und Graysmith mit Sicherheit verklagt hätte, wenn er den wahren Namen gedruckt hätte.

Das Pseudonym bot für Graysmith einen weiteren Vorteil. Er konnte Fakten aussparen, die gegen die Schuld von „Starr“ sprachen, und andere Details kreativ ausschmücken oder sich komplett ausdenken, die seinen Verdächtigen schuldig wirken ließen. Wer das Buch gelesen hatte, musste zu dem Schluss gelangen, dass jener geheimnisvolle Bob Hall Starr der Zodiac-Mörder war und nichtsdestotrotz noch frei herumlief. Alleine die Frage, wer sich hinter dem Pseudonym verbarg, blieb für die Leser zunächst ungeklärt. Doch dies sollte sich bald ändern.

Der Informant

Im Dezember 1990 saß der 50-jährige Ralph Spinelli mächtig in der Patsche. Die Behörden hatten ihn wegen neun bewaffneter Raubüberfälle angeklagt. Ihm drohte eine Haftstrafe von bis zu 30 Jahren. Spinelli bemühte sich um einen Deal mit den Ermittlungsbehörden. Er versprach ihnen, den Namen des Zodiac-Killers zu enthüllen. Die Behörden wandten sich an Detective George Bawart, der den Fall für das Vallejo Police Department nach seiner Pensionierung im September 1989 als eine Art „freier Berater“ weiter verfolgte.

Bawart kontaktierte seinen Ex-Kollegen Roy Conway, der 1969 am Tatort Blue Rock Springs Park war. Den beiden Polizisten vom Vallejo Police Department war der Name Ralph Spinelli durchaus ein Begriff. Von den 1940er bis 1960er Jahren stand die Familie Spinelli im Verdacht, Kontakte zum organisierten Verbrechen zu unterhalten. Spinelli war mehrfach verhaftet worden, aber nur in einem Fall zu einer zweijährigen Haftstrafe veruteilt worden. 1972 hatte er mehrere bewaffnete Raubüberfalle auf Restaurants in Oregon begangen, die man ihm nachweisen konnte.

Im Januar 1991 besuchten Bawart und Conway erstmals Ralph Spinelli im Bezirksgefängnis des Santa Clara County. Doch Spinelli mauerte. Er wollte erst dann einen konkreten Namen im Zodiac-Fall nennen, wenn man ihm schriftlich zusicherte, alle Anklagepunkte gegen ihn fallen zu lassen. Darauf wollten und konnten sich die Beamten nicht einlassen. So entpuppten sich die Gespräche, die sich im Januar 1991 anschlossen, als zähes Ringen.

Am 31. Januar gelang den Polizisten dann ein Durchbruch. Spinellis Anwalt meldete sich telefonisch bei Conway. Sein Mandant habe ihn autorisiert, den Behörden den Namen zu nennen: Lee Allen. Laut Spinelli habe ihm besagter Allen erzählt, er würde sich nach San Fancrisco begeben, um dort einen Taxifahrer zu töten. Ein wirklicher Beweis war dies nicht. Dennoch nahm die Polizei erneut Ermittlungen gegen Arthur Leigh Allen auf.

Neue Ermittlungen

Bawart und Conway klapperten zunächst alle entscheidenden Ermittlungsbeamten ab, die sich mit dem Fall befasst hatten. Zum einen wollten sie den Ermittlungsstand kennenlernen. Zum anderen interessierte sie natürlich, ob Spinelli anderweitig hätte erfahren können, dass Allen als Hauptverdächtiger im Zodiac-Fall gehandelt wurde. In diesem Fall wären Zweifel an seiner Aussage angebracht gewesen.

Wie sich herausstellte, war die wahre Identität des besagten „Bob Hall Starr“ seit Erscheinen von Graysmiths Buch „Zodiac Unmasked“ inzwischen ein nahezu offenes Geheimnis in Kalifornien. Offensichtlich hatten mehrere Polizeibeamte in ihrem privaten Umfeld geplaudert. Von dort verbreitete sich der Name Allen in Windeseile. Ob Spinelli von diesen Geschichten gehört hatte, ließ sich nicht belegen. Aber es ließ sich eben auch nicht ausschließen.

Nichtsdestotrotz: Je mehr Bawart über Allen erfuhr, umso verdächtiger kam ihm der Mann vor. Er unterhielt sich mit Schriftsachverständigen. Er erfuhr, dass die damaligen Gutachten längst nicht so hieb- und stichfest waren, wie sie sich im ersten Moment lasen.

Bawart konsultierte einen FBI-Psychologen. Er erhoffte sich Ansatzpunkte für weitere Ermittlungen. Wonach musste er bei einem Täter wie dem Zodiac Ausschau halten? Dr. Ankron verwies auf die typischen Verhaltensweisen von Serienkillern, wie sie sich aus Sicht des FBI darstellten. Sie horteten Andenken oder Trophäen ihrer Taten, um die Verbrechen immer wieder im Geiste durchspielen zu können.

Hausdurchsuchung

Da hatte Bawart seinen Ansatzpunkt. Die Polizei musste endlich einen Durchsuchungsbeschluss erwirken, um Allens Haus auf den Kopf stellen zu dürfen. Am 13. Februar 1991 war es soweit. Ein Richter vom Amtsgericht in Vallejo und Benicia ließ sich von den Argumenten der Polizisten überzeugen und unterzeichnete ein entsprechendes Dokument.

Arthur Leigh Allen wohnte zu diesem Zeitpunkt nach wie vor im Haus seiner Mutter, die im Oktober 1989 verstorben war. Er lebte zwar alleine in dem Gebäude, bewohnte aber immer noch ausschließlich das Kellergeschoss. Ein FBI-Memorandum fasste die Eindrücke der Ermittler wie folgt zusammen: „Die Beamten beschreiben diese [Keller-]Wohnung als sehr dunkel und trostlos, fast wie ein Museum … Allen stritt jede Beteiligung an den [Zodiac-]Morden ab.“ Conway und Bawart berichteten, dass sich Allen während der Vernehmung „sehr nett, ruhig und kooperativ“ verhielt.

Dennoch machte die Polizei einige Funde, die dem Bild vom „netten Kerl“ erheblich widersprachen. So fanden die Beamten beispielsweise Tonbänder, auf denen die Schmerzensschreie eines Jungen aufgezeichnet waren, der verprügelt wurde. Allen gab zu, dass er diese Aufnahmen sexuell anregend fände. Laut dem FBI-Memorandum hortete Allen zudem ein beachtliches Waffenarsenal:

  • Ein Ruger .22 Revolver
  • Eine weitere .22er Pistole
  • Ein Ruger .44 Black Hawk
  • Ein Colt .32
  • Ein Gewehr der Marke Marlin .22
  • Ein .30 Kalibergewehr
  • Eine zweiläufige Schrotflinte Modell Stevens 835 12
  • Eine automatische Schrotflinte Marke Winchester Modell 50 20 Gauge
  • Vier Rohrbomben
  • Eine Zündschnur
  • Sieben Zünder
  • Zwei Rollen Sicherheitszündschnuren
  • neun nicht elektrische Zündkapseln
  • Rohre
  • Rohrgewinde
  • Knallkörper
  • Schwarzpulver
  • Kaliumnitrat
  • Schwefel
  • unterschiedlichste Munition
  • ein Jagdmesser

Zudem beschlagnahmte die Polizei die berüchtigte Uhr der Marke Zodiac sowie Artikel zum Zodiac-Fall. Doch unter all den Fundstücken befand sich kein einziges Beweismittel, das Allen mit einem der Morde in Verbindung brachte. Dennoch hätte man Allen festnehmen und anklagen können. Als verurteilter Straftäter durfte er keine Waffe besitzen. Geschweige denn so ein Waffenarsenal, wie es die Polizei vorgefunden hatte. Aber Allen blieb auf freiem Fuß.

Die Geschichte sickert durch

Conway und Bawart wussten, dass sie mehr Beweise finden mussten, wenn Allen für die Zodiac-Morde verhaftet werden sollte. Das Fehlen von Beweismaterial ließ der Polizei nur wenige Optionen. Ohne einen ballistischen Treffer, eine übereinstimmende Handschriftenprobe oder einen Fingerabdruck, die Allen mit Spuren an den Tatorten oder mit den Briefen in Verbindung brachten, könnte die Polizei kaum einen Bezirksstaatsanwalt von Allens Schuld überzeugen, geschweige denn einen Richter. Man musste also neue Wege einschlagen, um dennoch ans Ziel zu gelangen.

Was auch immer Conway und Bawart bis zu diesem Zeitpunkt geplant hatten, die Umstände in dieser Ermittlung änderten sich praktisch über Nacht. Die Durchsuchung von Allens Haus war von den Nachbarn nicht unbemerkt geblieben. Schnell verbreitete sich das Gerücht, dass die Polizei von Vallejo ein gesteigertes Interesse an Arthur Leigh Allen zeige.

Der Verleger Harry V. Martin startete daraufhin eine Artikelserie zum Zodiac-Fall, die er im „Napa Sentinel“, einer Boulevardzeitung, publizierte. „Nach 20 Jahren nimmt die Polizei von Vallejo wieder die Ermittlungen gegen den Hauptverdächtigen auf.“ Der Artikel identifizierte den Verdächtigen als Arthur Leigh Allen.

Sobald die Identität des Hauptverdächtigen im Zodiac-Mordfall öffentlich bekannt geworden war, konzentrierte sich die Medienaufmerksamkeit auf Allen. Sein Name verbreitete sich weit über San Francisco hinaus. Die Medien enthüllten zudem, dass Allen bereits als reales Vorbild für Bob Hall Starr aus dem Graysmith-Buch diente. Allen stand plötzlich im Rampenlicht des öffentlichen Interesses.

Schuldig auf Verdacht

Allens Nachbarn hatten bereits die Hausdurchsuchung und die anschließende Beschlagnahmung mehrerer Beweismittel beobachtet. Einige wurden sogar von der Polizei befragt. Allen hatte die meiste Zeit seiens Lebens in dem Viertel verbracht. Viele Nachbarn kannten ihn seit Jahren persönlich. Die Nachricht, dass der alternde Mann einer der schwersten und berüchtigsten Mörder in den Annalen der amerikanischen Kriminalgeschichte sein könnte, war ein Schock für einige von ihnen. Andere, die schon die früheren Ermittlungen gegen Allen miterlebt hatten, empfanden die neuere Untersuchung als Bestätigung ihrer schlimmsten Befürchtungen.

Graysmiths Darstellung von Allen alias Starr befeuerte den Verdacht zusätzlich. Und dass die Polizei von Vallejo nun ermittelte, schien diesen Verdacht zu bestätigen. Für viele galt Allen infolgedessen längst als schuldig, bevor die Polizei auch nur einen hieb- und stichfesten Beweis vorgelegt hatte. Die Tatsache, dass die Polizei Gegenstände aus Allens Haus mitgenommen hatte, schien für viele schon Beweis genug zu sein, dass man fündig geworden war. Diese Kettenreaktion sollte sich aus Sicht der Beamten noch als misslich erweisen.

Denn nachdem die Presseberichterstattung massiv einsetzte, rätselte die Bevölkerung, warum die Behörden Allen noch nicht verhaftet hatten. Diese Erwartungen konnte die Polizei nicht erfüllen. Bald fragten sich viele Beobachter, ob die Vallejo-Polizei den falschen Mann im Verdacht hatte. Andere, die wussten, dass es praktisch keine Beweise gegen Allen gab, streuten leise Zweifel.

Interviews

Die Reporterin Jacqueline Ginley interviewte Allen für einen Artikel, der im „Vallejo Times Herald“ erscheinen sollte. Allen beschwerte sich über die Hausdurchsuchung im Februar. „Die Typen haben mein komplettes Haus auseinandergenommen … Ich rief sie an, ob sie mir meine Sachen zurückschicken würden. Zwei Wochen später riefen sie zurück und sagten, dass neue Beweise gebe.“

Zu dem Umstand, dass sein Bekannter Ralph Spinelli Auslöser für die neuerliche Untersuchung war, erklärte Allen: „Er rief mich aus Tahoe an und sagte, wir hätten 1969 ein Gespräch geführt. Und ich hätte ihm damals gesagt, dass ich nach San Francisco fahren würde und dort einen Taxifahrer erschießen wolle … Der Typ ist ein Dreckskerl und eine Ganove … Ich habe noch nie in meinem Leben mit ihm gesprochen.“

Allen behauptete, die Polizei habe ihn unter Druck gesetzt, sich einem Lügendetektor-Test zu unterziehen. Er habe darauf verwiesen, dass er an solch einem Test bereits in den 1970er Jahren mitgemacht habe. Darauf hätten die Beamten erwidert: „Naja, du bist ein Soziopath und kannst den Lügendetektor austricksen.“

Falls Allen unschuldig war, lebte er in einem Alptraum. Allen sagte in dem Interview, er wolle einen Anwalt engagieren, könne sich den aber nicht von den 500 Dollar leisten, die er monatlich aus einer Behindertenrente erhalte. Er sagte, er sei in Kontakt mit Marvin Belli getreten, dem berühmten Anwalt aus San Francisco. Vielleicht habe der ja Interesse an dem Fall.

Melvin Belli? Hatte der nicht in den 1970er Jahren versprochen, dem Mörder zu helfen, nachdem er einen Brief vom Zodiac erhalten hatte? Für etliche Leser galt diese Bemerkung als weiterer Beweis für Allens Schuld.

Als der Artikel unter der Überschrift „Die Zeichen deuten auf einen Mann aus Vallejo“ erschien, äußerte sich der Gerald Galvin, Polizeichef von Vallejo, jedoch wie folgt: „Rechne ich mit einer baldigen Verhaftung im Zodiac-Fall? Nein, das tue ich nicht.“

 

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(14) Arthur Leigh Allen: Die Ermittlungen

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Nach der Befragung waren Mulunax, Toschi und Armstrong überzeugt, dass es inzwischen genügend Verdachtsmomente gegen Allen gebe, um die Ermittlungen zu intensivieren. Zunächst kontaktierten sie Ted Kidder, den Leiter des städtischen Amts für Freizeit und Erholung in Vallejo. Allen hatte zeitweise für diese Behörde als Rettungsschwimmer und Trampolinlehrer gearbeitet. Fünf Jahre zuvor hatte er die Anstellung verloren, weil sein Verhalten gegenüber Kindern unangemessen gewesen sei. Kidder gab zu Protokoll, dass ihn mehrere Beschwerden von Eltern erreicht hätten. Keiner dieser Vorfälle kam jedoch zur Anzeige.

Kidder konnte sich nicht daran erinnern, mit Allen über den Zodiac-Fall gesprochen zu haben. Doch drei Wochen zuvor habe er dieses Thema noch mit seinem Kollegen Philip Tucker diskutiert. Tatsächlich habe dabei auch Allen eine Rolle gespielt. Denn sie seien beide der Meinung gewesen, dass Allen vielleicht der Zodiac sein könnte. Zum einen wegen seiner Ähnlichkeit mit den Phantombildern. Zum anderen weil er sich sexuell abartig gegenüber Kindern verhalte. Zudem sei Allen ein Einzelgänger.

Eine graue Metallkiste

Die Ermittler sprachen anschließend mit Tucker. Dieser konnte sich an oberflächliche Gespräche mit Allen über den Zodiac entsinnen. Eine Unterhaltung sei ihm besonders in Erinnerung geblieben. Allen habe behauptet, dass er von der Polizei verdächtigt werde, der gesuchte Zodiac-Mörder zu sein. Außerdem habe der ehemalige Kollege mal darüber schwadroniert, wie man mithilfe eines Speziallichts am Lauf einer Waffe besser zielen könne.

Zudem habe er einmal gemeinsam mit seiner Frau Allen zu Hause besucht. Bei dieser Gelegenheit habe er ihnen ein Schreiben gezeigt, das er in einer grauen Metallkiste im Schlafzimmer gelagert habe. Er habe etwas in der Art gesagt, dass er dies nur „ganz besonderen Leuten“ zeige. Der handgeschriebene Brief habe eine Person betroffen, die im Atascadero State Hospital wegen Kindesmissbrauchs untergebracht gewesen sei.

Seltsame Symbole

Der Text sei voller juristischer Fachbegriffe gewesen. Offensichtlich habe sich der Verfasser von seinem Anwalt schlecht vertreten gefühlt. Außerdem habe der Brief einige Symbole enthalten, die auch der Zodiac in seinem Geheimcode verwendet habe. Die Symbole seien sehr sorgfältig gezeichnet gewesen.

Ihn selbst habe der Brief nicht interessiert und er habe sich ihn nur aus Höflichkeit angesehen, so Tucker. Aber seine Frau sei direkt Feuer und Flamme gewesen. Sie habe Allen gefragt, ob er ihr das Schreiben leihen könne, damit sie es genauer studieren könne. Allen habe sich geweigert, aber versprochen, ihr eine Kopie anzufertigen. Doch darauf habe sie vergeblich gewartet.

Tucker konnte sich außerdem erinnern, dass Arthur Allen zwei Schusswaffen besessen habe. Bei einer Waffe habe es sich definitiv um einen Revolver gehandelt, bei der anderen vermutlich um eine Automatik. Bisher hatte Allen der Polizei gegenüber noch nicht den Besitz einer automatischen Waffe eingeräumt.

Der braune Corvair

Die Ermittler erfuhren, dass Tucker im Sommer 1969 einen Pontiac und einen braunen Corvair Baujahr 1964 fuhr. Gelegentlich habe er Allen seinen Pontiac geliehen. Im Sommer 1969 habe er, Tucker, in Berkeley gewohnt. In dieser Zeit habe er den Corvair für etwa zwei Wochen an der Tankstelle Richfield Ecke Nebraska & Broadway in Vallejo geparkt. Er habe den Wagen damals verkaufen wollen. Deshalb habe er die Schlüssel bei der Tankstelle hinterlegt. Damals habe Allen dort als Tankwart gearbeitet. Tucker konnte sich aber nicht mehr an das genaue Datum erinnern, wann der Corvair dort abgestellt war.

Tucker erzählte den Polizisten, er habe Allen wegen seiner offensichtlichen pädophilen Neigungen angeraten, sich in psychiatrische Behandlung zu begeben. Allens Schwägerin Karen habe ihn ausdrücklich darum gebeten, dem Bruder ihres Mannes Ron ins Gewissen zu reden. Es habe da wohl kurz zuvor einen Vorfall gegeben, weshalb sich jemand bei der Familie beschwert habe. Aber er habe Allen nicht überzeugen können. Er habe daraufhin den Kontakt zu Allen komplett abgebrochen.

Frauenhasser mit fatalen Neigungen

Anschließend befragten die Ermittler Karen Allen. Sie schien überrascht zu sein, dass man ihren Schwager verdächtigte, der Zodiac-Killer zu sein. Das hielt sie für ausgeschlossen. Sie bestätigte aber, dass sie und ihr Mann bereits seit längerer Zeit den Verdacht hegten, Arthur Allen habe eine „gewisse Neigung hinsichtlich Kindern“. Außerdem hasse er Frauen und habe niemals eine ernsthafte Beziehung zu einer gleichaltrigen Frau unterhalten. Er habe sie persönlich bedroht, weil er der Meinung gewesen sei, sie dränge sich zwischen ihn und seinen Bruder.

Auch gegenüber seiner Mutter hege Arthur Allen einen tiefen Groll, dem er wiederholt Ausdruck verliehen habe. Dabei sei er von der Frau verwöhnt und verhätschelt worden. Sie habe für ihn gekocht, die Wäsche gewaschen, geputzt und ihm auch noch regelmäßig Geld zugesteckt. So habe sie ihm insgesamt zwei Autos und zwei Boote finanziert.

Ein falscher Rechtshänder

Die Polizisten zeigten Karen Allen auch mehrere der Briefe, die der Zodiac an die Zeitungen geschickt hatte. Doch sie konnte keine Ähnlichkeiten zur Handschrift ihres Schwagers erkennen. Allerdings war sie der Meinung, dass einige Ausdrucksweisen für Arthur Allen typisch seien. So tauchte im Bomben-Brief die ungewöhnliche Kurzform „trigger mach“ statt „trigger mechanism“ auf, die Allen in ihrer Gegenwart bereits benutzt habe. Außerdem konnte sie sich erinnern, von ihrem Schwager eine Weihnachtskarte erhalten zu haben, die mit „Merry X-Mass“ statt dem korrekten „Merry X-Mas“ signiert war.

Karen Allen erzählte den Beamten, dass ihr Schwager eigentlich Linkshänder sei. Doch in der Schule habe man ihn dazu gedrängt, mit der rechten Hand zu schreiben. Später sei er wieder zum linkshändischen Schreiben zurückgekehrt. Offensichtlich konnte der Verdächtige also beidhändig schreiben.

Zweifel beim Bruder

Toschi und Armstrong befragten an diesem Abend auch Allens Bruder Ronald, einen Landschaftsingenieur. Ronald Allen konnte sich zwar nicht vorstellen, dass sein Bruder in irgendeiner Weise mit den Zodiac-Morden zu tun hatte. Als er jedoch erfuhr, dass der Tipp ursprünglich von Donald Cheney und Panzarella stammte, bekam er Zweifel. Seiner Meinung nach seien beide respektable Bürger, die solch eine Aussage nicht leichtfertig treffen würden. Er wies die Beamten allerdings darauf hin, dass Cheney sich in der Vergangenheit einmal bei ihm beschwert habe, weil sich Arthur einem der Cheney-Kinder „unangmessen genähert“ habe.

Ronald konnte sich zwar an keine Schreiben erinnern, wie sie Tucker beschrieben hatte. Doch die graue Metallkiste im Schlafzimmer seines Bruders war ihm ebenfalls aufgefallen. Außerdem gab er an, dass Arthur zwei Revolver Kaliber .22 besessen habe. Arthur sei außerdem ein Trinker und habe definitiv „ein Problem mit Kindern“.

Beeindruckende Akkuratesse

Am 11. August 1971, eine Woche nach dem Gespräch mit Karen und Ronald Allen, vernahm Sergeant Mulanax den Inhaber der Arco-Tankstelle. Er ließ den Mann im Unklaren darüber, in welchem Fall genau er ermittelte. Allen hatte sechs Monate auf Teilzeitbasis für die Tankstelle gearbeitet. Im April 1969 hatte ihn der Besitzer gefeuert. Allen sei ein unzuverlässiger Angestellter mit einem Alkoholproblem gewesen. Außerdem habe er seinem Geschmack nach zu viele Interesse an kleinen Mädchen gezeigt.

Mulanax wollte wissen, ob sich der Inhaber noch an den Corvair von Philip Tucker erinnern konnte. Ja, Tucker habe den Wagen tatsächlich mehrere Tage an der Tankstelle abgestellt. Es seien seiner Erinnerung zufolge aber keine zwei Wochen gewesen.

Am selben Nachmittag befragte Mulanax auch noch die Ehefrau von Tucker. Sie bestätigte die Aussage ihres Mannes. Sie habe sich damals für den Brief, den ihr Allen gezeigt habe, so stark interessiert, weil sie eine psychologische Studienarbeit vorbereitet habe.

Allen habe ihr gegenüber geäußert, das Schreiben stamme von einem Patienten aus Atascadero. Sie habe nachvollziehen wollen, wie solch ein Mensch denkt, und sich deshalb für den Inhalt interessiert. Besonders beeindruckt sei sie von der Akkuratesse der Symbole gewesen. Mulanax legte der Frau einige Kopien der Zodiac-Briefe vor. Sie erkannte zahlreiche Symbole wieder, die sie auch in dem Brief des vermeintlichen Atascadero-Patienten gesehen hatte.

Mulanax befragte Philip Tucker nochmals zum Corvair. Doch Tucker konnte sich nach wie vor nicht an das konkrete Datum erinnern, wann er den Wagen an der Tankstelle abgestellt hatte. Als es nicht zum Verkauf gekommen war, hatte er das Fahrzeug einige Zeit auf dem Hof seines Schwiegervaters abgestellt. Seines Wissens habe Allen den Wagen nie benutzt.

Tote Eichhörnchen und ein großer Dildo

Die Ermittlungen setzten sich noch fort. Doch trotz aller Bemühungen konnten die Beamten kein Beweisstück finden, das eine direkte Verbindung zwischen Allen und den Zodiac-Verbrechen belegte. Die bisherigen Erkenntnisse reichten nicht für einen Durchsuchungsbefehl aus. So bat die Polizei Allens Bruder Ronald, ihnen einige von Allens Briefen zu Vergleichszwecken zu besorgen. Ronald schaute sich im Zimmer seines Bruders um, konnte aber nichts finden.

Eine Hausdurchsuchung in der Fresno Street würde also vermutlich nichts zutage fördern. Doch Arthur Allen benutzte nach dem Kenntnisstand der Polizei mehrere Wohnwagen rund um die San Francisco Bay. Sie beschlossen, für einen der Wagen, der in Santa Rosa stand, beim zuständigen Richter im Sonoma County einen Durchsuchungsbeschluss zu beantragen. Der Richter gab dem Beschluss am 14. September 1972 statt.

Toschi und Armstrong führten die Durchsuchung im Sunset Trailer Park in Santa Rosa durch. Arthur Allen war nicht anwesend. Die Beamten stießen auf einen kleinen Kühlschrank, der mehrere tote Eichhörnchen enthielt. Wie sich später jedoch herausstellte, besaß Allen eine behördliche Genehmigung hierfür. Er bereitete sich auf einen Abschluss in Biologie vor. Die Polizisten fanden zudem einen großen Dildo und anderes Sex-Material.

Ernüchterung

Während Toschi und Armstrong den Wagen noch durchsuchten, traf Allen auf dem Campingplatz ein. Die Beamten forderten den Mann auf, auf einem Blatt Papier einen der Zodiac-Briefe abzuschreiben. Sie verlangten von ihm zudem, den Brief zweimal zu schreiben: einmal mit der linken und einmal mit der rechten Hand. Allen kam der Aufforderung nach. Schließlich nahm man ihm noch die Fingerabdrücke ab, um sie mit den Spuren am Taxi von Paul Stine zu vergleichen.

Die Auswertung war ernüchternd. Die Fingerabdrücke waren nicht identisch. Die Handschriftenproben ließen keine Gemeinsamkeiten mit den Zodiac-Briefen erkennen, wie Sherwood Morrill, der führende Graphologe in Kalifornien, darlegte. Es gab zu diesem Zeitpunkt nur noch die Hoffnung, dass die Polizei eines Tages eine Waffe von Arthur Allen finden würde, die eine ballistische Übereinstimmung mit den Geschossen an einem der Tatorte offenbarte. Bis dahin war die Ermittlung gegen Allen aber de facto beendet.

Armstrong und Toschi hielten Allen zwar nach wie vor für tatverdächtig. Selbst die fehlenden Übereinstimmungen bei den Fingerabdrücken konnten ihre Zweifel nicht zerstreuen. Und handschriftliche Gutachten galten ohnehin nicht als wissenschaftlicher Beweis. Der eine Experte urteilte so, der nächste Gutachter behauptete das Gegenteil. Dennoch legte die Polizei von San Francisco die Ermittlungen gegen Arthur Leigh Allen bis auf Weiteres auf Eis, da sich keine anderen vielversprechenden Anhaltspunkte aufgetan hatten.

Verurteilt wegen Kindesmissbrauch

Arthur Leigh Allen brachte sich jedoch selbst zurück auf den Radar der Ermittlungsbehörden. Dieses Verbrechen stand jedoch in keinerlei Zusammenhang mit den Taten des Zodiac. Allen wurde vorgeworfen, einen Jungen sexuell missbraucht zu haben. Am 1. Oktober 1974 erließ der Sheriff von Sonoma County einen Haftbefehl gegen Allen. Kurze Zeit später kam es zum Prozess, bei dem Allen für schuldig befunden wurde. Das Gericht verurteilte ihn zu einem Zwangsaufenthalt in der staatlichen Forensikklinik Atascadero, in die Allen am 14. März 1975 eingewiesen wurde.

In Atascadero erhielt Allen mehrfach Besuch von der Polizei. Beamte des kalifornischen Justizministeriums verhörten ihn erneut als Verdächtigen für die Zodiac-Morde.Darüber hinaus geriet Allen wegen einer weiteren Geschichte ins Fadenkreuz des Sheriffbüros von Sonoma County. Die Polizei untersuchte eine ungeklärte Mordserie an vierzig jungen Frauen, deren Leichen in und rund um Santa Rosa aufgefunden worden waren.

Eine weitere Mordserie?

Die Ermittler hatten bemerkt, dass sich Allens Wohnwagen ungefähr im Zentrum des Gebiets befand, in dem der oder die Täter die Leichen beseitigt hatten. Zufall? Zudem waren einige Opfer mit Wäscheleine gefesselt worden, wie sie auch der Zodiac-Killer bei seinem Verbrechen am Lake Berryessa verwendet hatte.

Doch es gab auch gravierende Unterschiede zu den Zodiac-Morden. Der Täter hatte die Opfer über eine größere Wegstrecke transportiert, sie entkleidet und die Leichen an entlegenen Orten vergraben. Nichts davon hatte der Zodiac jemals getan. Die Ermittler versuchten, das Alibi Allens zu den mutmaßlichen Tatzeitpunkten zu klären, und hielten nach weiteren Verbindungen zu den Mordfällen Ausschau. Doch die Suche blieb erfolglos.

Am Lügendetektor

Die Beamten des Justizministeriums kamen mit ihren Ermittlungen ebenfalls nicht voran. Also baten sie Allen, sich einem Lügendetektortest zu unterziehen. Der Verdächtige willigte ein. Über das Resultat ist offiziell nichts bekannt geworden. Eine Quelle behauptet jedoch, dass der Test zugunsten von Allen ausgefallen sei. Er stritt sowohl eine Beteiligung an den Zodiac-Verbrechen als auch den Santa-Rosa-Morden ab. Der Polygraph schien seine Aussage zu bestätigen.

Allen saß seine komplette Zeit in Atascadero ab und wurde am 31. August 1977 entlassen. Er kehrte nach Vallejo zurück und zog wieder im Keller seiner Mutter ein. Da er ein verurteilter Sexualstraftäter war, wurde seine Straftat öffentlich gemacht. Jeder Nachbar wusste also nun Bescheid, was Allen angestellt hatte.

Dennoch war er in der Lage, neue Arbeit zu finden. Im Januar 1978 begann er als Mechaniker beim Benicia Import Auto Service. Nach einigen Zwischenstationen landete er als Verkäufer bei Ace Hardware in Vallejo. Dort blieb er während der 1980er Jahre tätig. Doch die Zodiac-Vorwürfe sollten ein Leben lang an ihm haften bleiben. Dafür sorgte ein Cartoonzeichner namens Robert Graysmith.

 

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(13) Arthur Leigh Allen: Unter Verdacht

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In den Jahren 1969 und 1970 überprüfte die Polizei mehrere Tausend Personen, ob sie als Täter für die Zodiac-Morde infrage kamen. Bei keiner der Personen reichten die Beweise für eine Verhaftung, geschweige denn für eine Anklageerhebung aus. Arthur Leigh Allen ist aber sicherlich der Verdächtige, gegen den die Polizei am intensivsten ermittelt hat, weil sich bei ihm die meisten Verdachtsmomente ergaben.

Lehrer aus Vallejo

Allen war ein ehemaliger Grundschullehrer mit erheblichen persönlichen Problemen, der unabhängig von den Zodiac-Ermittlungen mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Er stand im Oktober 1969 erstmals im Fokus der Untersuchung, noch vor dem Mord an Paul Stine. Die Überprüfungen dauerten bis kurz vor seinen Tod im Jahr 1992 an. Und selbst nach seinem Ableben verglich man seine DNA noch mit Spurenmaterial, das man im Zuge der Ermittlungen sichergestellt hatte.

Zudem stammte Allen aus Vallejo, wo er zum Zeitpunkt der Mordserie auch lebte. Die Ermittler gingen davon aus, dass der Täter mit hoher Wahrscheinlichkeit einen engen Bezug zu Vallejo oder der näheren Umgebung hatte. Es war sehr unwahrscheinlich, dass ein Ortsfremder einen abgeschiedenen Tatort wie etwa die Lake Herman Road gefunden hätte.

Ursprung der Untersuchung schleierhaft

Sergeant John Lynch von der Polizei in Vallejo war einer der Kriminalbeamten, die den Überfall auf Darlene Ferrin und Michael Mageau untersuchten. Am 6. Oktober 1969 besuchte Lynch die Elmer Cave Elementary School und befragte dort den Aushilfshausmeister Arthur „Lee“ Allen, wie der Polizist in der Akte vermerkte. Tatsächlich schrieb sich der Mann aber Arthur Leigh Allen.

Wie Lynch auf Allen kam, ist unklar. Er hat dazu im Vernehmungsprotokoll keine Angaben gemacht. Es liegt nahe, dass jemand Allen bei der Polizei angeschwärzt hatte. Die Polizei ging in der damaligen Zeit nahezu pausenlos solchen Hinweisen aus der Bevölkerung nach.

Lynch befragte Allen auch nicht nach seinem Alibi für den Abend des 4. Juli 1969, an dem Darlene Ferrin ums Leben gekommen war. Das war ja immerhin der Fall, dem der Beamte persönlich zugeteilt war. Der Kriminalbeamte wollte hingegen wissen, wo sich Arthur Allen am 27. September 1969 aufhielt, dem Tag der Zodiac-Attacke am Lake Berryessa.

Allens Alibi

Allen gab an, am 26. September 1969 nach Salt Point Ranch gereist zu sein, etwa 120 km nördlich von San Francisco gelegen. Dort habe er einen Tauchausflug unternommen und sei über Nacht in Salt Point Ranch geblieben. Am nächsten Tag sei er zwischen 14.00 Uhr und 16.30 Uhr nach Vallejo zurückgekehrt. Er habe den Rest des Tages zu Hause verbracht. Er vermochte sich aber nicht zu erinnern, ob seine Eltern zu dieser Zeit ebenfalls anwesend waren und seine Aussage bezeugen konnten.

Lynch beschrieb Allen in seinem Bericht als 1,85 m groß, 110 kg schwer, füllige Figur, kahlköpfig, weiß, 35 Jahre alt und fügte noch hinzu: „Geburtsdatum 18. Dezember 1933. Wohnt 32 Fresno Street [in Vallejo]. Single. Lebt bei seinen Eltern.“

Zu den anderen beiden bekannten Zodiac-Anschlägen befragte Lynch den Verdächtigen nicht. Weitere Ermittlungen gab es gegen Allen zunächst nicht. Fünf Tage später ermordete der Zodiac den Taxifahrer Paul Stine in San Francisco.

Ein Zeuge meldet sich

Etwa ein Jahr später, im November 1970, berichtete der „San Francisco Chronicle“ von einer möglichen Verbindung zwischen der Zodiac-Mordserie und dem ungelösten Mordfall Cheri Jo Bates in Riverside. Diese Meldung griffen rasch auch andere Zeitungen in Kalifornien auf, darunter die „Los Angeles Times“.

Vier Monate später erhielt die „Times“ im März 1971 einen Brief vom Zodiac, den die Zeitung abdruckte. Gleichzeitig nutzte sie die Möglichkeit, nochmals ausführlich über die rätselhafte Mordserie im Raum San Francisco zu berichten.

Am Mittwoch, dem 14. Juli 1971 berichtete die „Times“ dann über einen brutalen Angriff mit einer Machete auf einem kalifornischen Campingplatz. Der unbekannte Täter konnte entkommen. Doch die Zeugenaussagen stimmten mit der Täterbeschreibung des Zodiac überein, wie die Polizei in San Francisco bestätigte. Inspector Dave Toschi hielt es für denkbar, dass der Serienmörder auch für dieses Verbrechen verantwortlich war.

Am folgenden Morgen meldete sich beim Polizeirevier von Manhattan Beach ein gewisser Santo Panzarella. Er erzählte dem Kriminalbeamten Richard Amos von einer Unterhaltung mit seinem Geschäftspartner Donald Cheney. Beide stammten ursprünglich aus Vallejo und seien vor geraumer Zeit nach Los Angeles umgezogen. Sie hätten sich über die Artikel in der „Times“ unterhalten. Sie seien sich nach der Lektüre und den verschiedenen Täterbeschreibungen sicher, den Zodiac zu kennen. Der Mann heiße Arthur Leigh Allen und lebe in Vallejo.

Jagdfantasien

Amos bat Panzarella und Cheney zur Zeugenbefragung in sein Büro. Sie erzählten ihm, dass sie mit Allens Bruder Ron gemeinsam das College besucht hätten. Über Ron hätten sie auch Arthur kennengelernt, mit dem sie seit rund zehn Jahren bekannt seien. Zuletzt hätten sie ihn im Dezember 1968 getroffen. Cheney habe mit Arthur Allen zudem in der Vergangenheit mehrfach Jagdausflüge unternommen und sich ausführlich mit ihm unterhalten.

Cheney erinnerte sich dabei insbesondere an eine Gelegenheit. Sie hätten beide ein Gespräch in der Art geführt: Was würdest du machen, wenn alles erlaubt wäre? Allen habe darüber fantasiert, wie er die Treffpunkte von jungen Liebespaaren ausbaldowern würde. Er würde sich eine Pistole mit einer Taschenlampe anfertigen, sodass er im Dunkeln zielen könne. Und dann würde er Jagd auf die Teenager machen.

Allen habe ausgeführt, wie hilflos die Polizei reagieren würde. Es seien Morde ohne Motiv, bei denen es keine Anhaltspunkte für die Ermittlungen gebe. Sodann würde er die Behörden zusätzlich piesacken, indem er ihnen Nachrichten zusenden würde, um sie auf falsche Fährten zu locken. Die Briefe würde er mit „Zodiac“ unterschreiben. Allen habe auch darüber gesprochen, auf die Reifen eines Schulbusses zu schießen, um die „kleinen Sonnenscheine“ auszuknipsen, wenn sie aus dem Bus stürmen würden.

Ein aufbrausender Charakter

Cheney und Panzarella beschrieben das äußere Erscheinungsbild von Allen und fügten einige weitere Details hinzu. Der Mann sei sehr intelligent, aber häufig auch sehr aufbrausend. Gerade gegenüber Frauen reagiere er äußerst feindselig. Er sei nie verheiratet gewesen. Mit seiner Mutter käme er nicht gut aus, weil diese ihn permanent wegen seines Übergewichts kritisiere. Er besitze mehrere Waffen, von denen er meistens eine bei sich trage. Ende der 1950er Jahre habe er einige Zeit bei der Navy verbracht, sei dort aber nicht ehrenhaft entlassen worden. Mit Autoritäten käme er nicht klar. Zudem gebe es Gerüchte, er habe sich an Kindern vergriffen.

Richard Amos und sein Kollege Langstaff überprüften zunächst das Vorstrafenregister von Allen. Der Mann war im Juni 1958 in Vallejo verhaftet worden. Allen war in einen heftigen Streit mit seinem Bekannten Ralph Spinelli geraten, woraufhin die Behörden ihm Ruhestörung vorwarfen. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt. Ansonsten lag gegen Allen nichts vor.

Die Kriminalbeamten in Los Angeles kontaktierten daraufhin ihre Kollegen in San Francisco und reichten ihre Erkenntnisse weiter. Dave Toschi, der damalige Leiter der Zodiac-Sonderkommission, kümmerte sich persönlich um die Akte. Er wandte sich an die Polizei von Vallejo und besprach das weitere Vorgehen. Detective Jack Mulanax sollte vor Ort die ersten Ermittlungen gegen Allen durchführen.

Ungebührliches Verhalten

Mulanax unterhielt sich zunächst mit einem ehemaligen Arbeitgeber von Allen, der in Vallejo eine Tankstelle betrieb. Er beschrieb Allen als ehrlichen und brauchbaren Mitarbeiter, der allerdings eine verhängnisvolle Schwäche für Kinder offenbart habe. Unter anderem habe er eine Tochter des Chefs eines Tages zu einem Bootsausflug mitgenommen, ohne die Eltern um Erlaubnis zu fragen. Dabei habe er sich dem Mädchen „ungebührlich anzunähern versucht“. Er habe Allen gefeuert, den Vorfall aber nicht zur Anzeige gebracht. Seitdem habe er ihn nicht wiedergesehen. Die Episode lag etwa sechs Wochen zurück.

Am 27. Juli 1971 traf sich Mulanax mit Dave Toschi und seinem Kollegen Armstrong vom San Francisco Police Department. Armstrong hatte sich inzwischen mit dem Zeugen Don Cheney unterhalten und hielt ihn für glaubwürdig. Die Gruppe beschloss, zunächst noch weitere Informationen einzuholen, bevor sie den Verdächtigen ins Verhör nahm.

Sieben Tage später berichtete Mulanax von den Ergebnissen seiner Überprüfung. Allen genieße einen exzellenten Ruf bei seinen Nachbarn. Die meisten kannten ihn bereits seit seiner Geburt. Entgegen den bisherigen Erkenntnissen beschrieben sie das Verhältnis zur Mutter als innig und gut.

Auf den Zahn gefühlt

Am 4. August 1971 fuhren Mulanax, Toschi und Armstrong zur Firma Union Oil in Pinole, einer Ölraffinerie. Allen hatte dort kurz zuvor eine neue Anstellung gefunden. Die Beamten konfrontierten Allen mit der Aussage von Don Cheney, ohne dessen Namen zu nehmen. Allen behauptete, er könne sich nicht erinnern, sich jemals so geäußert zu haben.

Die Polizisten wollten wissen, ob er vom Zodiac gehörte habe. Allen gab zu, die ersten Zeitungsberichte über den Fall gelesen zu haben. Danach habe er das Interesse an der Geschichte verloren. Sie sei für seinen Geschmack „zu morbide“ gewesen. Allen erzählte, ihn habe bereits ein Beamter nach dem Mord am Lake Berryessa befragt. Er wiederholte seine damalige Aussage und fügte hinzu, er habe seinerzeit bei seinem Aufenthalt in Salt Point Ranch einen Soldaten und seine Frau kennengelernt. Er könne sich nicht mehr an die Namen erinnern, glaube aber, sie sich irgendwo notiert zu haben.

Außerdem habe er sich nach seiner Rückkehr nach Vallejo gegen etwa 16.00 Uhr mit einem Nachbarn unterhalten. Er habe den Beamten, der ihn damals befragt habe, noch darüber informieren wollen, als es ihm wieder eingefallen sei. Doch dann sei sein Nachbar, ein Mr. White, rund eine Woche später verstorben. Deshalb habe er darauf verzichtet, die Polizei zu benachrichtigen.

Seltsame Eingeständnisse

Ohne dass die Beamten ihn darauf ansprachen, brachte Allen dann das Gespräch auf zwei blutbefleckte Messer, die er im Wagen mit sich geführt habe. Das Blut habe von einem Huhn gestammt, dass er damit zerlegt habe. Offensichtlich ging Allen davon aus, dass die Polizisten über diesen Vorfall Bescheid wussten, was aber nicht der Fall war.

Ebenso merkwürdig war, dass Allen gestand, er habe sich in Riverside aufgehalten, als dort die 18-jährige Cheri Jo Bates ermordet wurde. Auch auf dieses Thema hatten ihn die Beamten nicht angesprochen. Allen gab zudem zu, mehrere Schusswaffen zu besitzen, aber ausschließlich vom Kaliber .22. Die Polizisten warfen zudem einen Blick auf Allens Armbanduhr. Sie stammte vom Hersteller Zodiac. Seine Mutter habe ihm die Uhr ungefähr zwei Jahre zuvor geschenkt, so Allen.

Laut dem Vernehmungsprotokoll sicherte Allen den Ermittlern ausdrücklich seine volle Unterstützung zu und sehnte den Tag herbei, an dem man Polizisten nicht mehr als „Bullenschweine“ verunglimpfen würde – ein Begriff, den der Zodiac häufiger in seinen Briefen verwendet hatte. Mulanax fragte Allen, ob er sich jemals mit anderen Leuten über den Zodiac-Fall unterhalten habe. Er meine sich zu erinnern, so Allen, sich mal mit Mr. Kidder und Mr. Tucker vom städtischen Amt für Erholung und Freizeit über dieses Thema unterhalten zu haben. Hundertprozentig sicher sei er aber nicht.

Allen steuerte noch ein weiteres interessantes Detail bei. So erzählte er von einer Kurzgeschichte, die er auf der High School gelesen und die bei ihm bleibenden Eindruck hinterlassen habe: „Das grausamste Spiel“ von Richard Connell, im Original „The Most Dangerous Game“. Exakt diese Formulierung hatte der Zodiac auch in einem seiner frühen Briefe benutzt.

Das englische Wort „game“ ist doppeldeutig. Es ist in den meisten Fällen gleichbedeutend mit dem deutschen Wort „Spiel“. Aber es bezeichnet als Oberbegriff auch alle Säugetiere, die zur Jagd freigegeben sind. In der Kurzgeschichte geht es um einen Schiffbrüchigen, der auf einer ansonsten menschenleeren Insel von einem anderen Mann „wie ein Tier“ gejagt werde. Allen fügte noch hinzu, dass er sich über dieses Buch einmal intensiv mit seinem Bekannten Don Cheney ausgetauscht habe.

 

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(11) Mount Diablo

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Eines der auffälligsten Merkmale des Zodiac-Killers war seine häufig Kommunikation mit der Öffentlichkeit und Polizei, die sich möglicherweise über einen Zeitraum von zehn Jahren erstreckte. Die meisten Briefe oder Karten gelten dabei als authentisch, auch wenn die Schreiben sich in Art und Weise häufig unterscheiden. Auf die Briefe aus dem Jahr 1969 bin ich schon unter (3) „Hier spricht der Zodiac“ und (6) Ein blutiger Fetzen Stoff eingegangen. Nun folgt der Briefwechsel ab 1970. Weiterlesen →

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(10) Donna Lass

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Die 25-jährige Donna Ann Lass arbeitete als Krankenschwester im Hotelcasino Sahara in South Lake Tahoe (heute: Hard Rock Casino). Ihre Schicht am 5. September 1970, einem Freitag, begann um 18.00 Uhr und endete offiziell um 2.00 Uhr am folgenden Morgen. Ihren letzten Patienten behandelte sie um 1.40 Uhr. Ihr letzter Eintrag im Logbuch ist auf 1.50 Uhr datiert. Danach hat sie niemand mehr gesehen. Weiterlesen →

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(9) Linda Edwards und Robert Domingos

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Am 4. Juni 1963 verbrachten der 18-jährige Robert Domingos und seine 17-jährige Verlobte Linda Edwards den Nachmittag an einem verlassenen Strandabschnitt in der Nähe der kalifornischen Stadt Lompoc im Santa Barbara County. Der Strand lag am Highway 101, war aber nur über einen Trampelpfad zugänglich.

Beide Teenager besuchten die Lompoc High School, hatten an diesem Sommertag jedoch freibekommen. Der Abschlussjahrgang, dem Robert Domingos angehörte, durfte offiziell feiern. Doch statt sich seinen Klassenkameraden anzuschließen, bevorzugte Domingos ein Sonnenbad mit seiner Freundin. Weiterlesen →

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