Richard Eberling behauptete, Sam Sheppard habe ihm die Wahrheit über den Mord gesagt, weil sie so gut befreundet gewesen seien. Dabei sagten Sheppards Verwandte unisono, dass Sam den Fensterputzer möglicherweise nie in seinem Leben zu Gesicht bekommen oder allenfalls mal flüchtig gesehen hatte. Denn wenn der Fensterputzer arbeitete, war Sheppard in der Regel längst in der Klinik. Eberlings Glaubwürdigkeit bröckelte.

Dann erhielt Sam Sheppard Jr. einen Brief von einem Mann namens Vern Lund. Er sei an Krebs erkrankt und habe nur noch kurze Zeit zu leben. Doch bevor er sterbe, müsse er dem Sohn der Sheppards noch etwas erzählen. Wie sich herausstellte, hatte Lund 1954 für Dick’s Window Cleaning gearbeitet – dieselbe Firma, in deren Diensten Eberling damals als Fensterputzer stand. Und am 2. Juli sei er – Lund – für die Arbeit im Hause der Sheppards eingeteilt gewesen, nicht Eberling. Der schwerkranke Mann wiederholte seine Aussage vor einer Videokamera, damit sie später als eidesstattliche Erklärung verwendet werden konnte.

Mysteriöse Todesfälle

Richard Eberling war 1929 unter dem Familiennamen Lenardic geboren worden. Seine unverheiratete Mutter hatte ihn nach der Geburt zur Adoption freigegeben. Er verbrachte seiner Kindheit bei einer Vielzahl von Pflegefamilien. Sein letzter Ziehvater, George Eberling, starb 1946, an Vergiftung. Irgendwie war das Gift in seinen Hustensaft gelangt, den er zu sich nahm.

George Eberling hatte sich geweigert, Richard Lenardic zu adoptieren. Doch nach seinem Tod änderte Richard seinen Namen offiziell in Eberling und wurde zum Betreuer seiner Pflegemutter Christine Eberling. Als die Frau verstarb, mussten ihre Kinder feststellen, dass der größte Teil der Farm der Ebelings auf Richards Namen überschrieben worden war.

In den nächsten Jahren säumten mehrere mysteriöse Todesfälle seinen weiteren Lebensweg. 1959 war Eberling in einen schweren Autounfall verwickelt. Er als Fahrer überlebte ihn unverletzt. Doch eine Freundin von ihm, Barbara Ann Kinzel, kam uns Leben. Im Juli 1954 hatte Kinzel als Krankenschwester im Bay View Hospital, dem Sheppard-Krankenhaus, gearbeitet.

1962 wurde Myrtle Irene Fay, eine Schwester von Ethel Durkin, in ihrer Wohnung in Cleveland erwürgt und erstickt. Der Fall verschwand als ungelöster Mord in den Akten. Im Jahr 1970 starb Sarah Belle Farrow, Ethels zweite Schwester. Sie kam durch einen Sturz im Hause Durkin ums Leben. Die Polizei wertete den Sturz als Unfall. Beide Schwestern konnten Eberling nicht ausstehen. Sie versuchten, Ethel dazu zu bringen, ihn zu feuern. Dennoch wurde niemand misstrauisch – bis sich Ethels Unfall als Mord entpuppte.

Geständnis im Suff

Eine Frau namens Kathy Wagner Dyal hatte eine weitere bemerkenswerte Geschichte über Eberling zu erzählen. Sie hatte für Ethel Durkin als Nachtkrankenschwester gearbeitet. Bei einem nächtlichen Saufgelage mit Eberling kurz vor Durkins Tod habe der Betreuer sie plötzlich gefragt, ob sie jemals von Marilyn Sheppard gehört habe. Er habe die Frau nämlich getötet: „Die Schlampe hat sich für was Besseres gehalten. Aber am Ende habe ich ihren Ring bekommen.“

Dyal hielt die Aussage für das Geschwätz eines Betrunkenen. Erst 1989, als Eberling als Mörder von Ethel Durkin überführt wurde, habe sie sich an die Polizei von Cleveland gewandt. Doch der Beamte habe sie wieder weggeschickt.

Inzwischen hatte Sam Sheppard Jr. zahlreiche Indizien gegen Eberling zusammengetragen, die zumindest für eine genauere Untersuchung seiner Rolle im Mordfall Marilyn Sheppard sprach – auch mit der tatkräftigen Unterstützung von Journalisten, die sich zunehmend für die Story interessierten. Doch weder Polizei noch Staatsanwaltschaft wollten von einer Neuaufnahme der Untersuchung etwas wissen.

Sheppard ging es einerseits darum, schlichtweg die Wahrheit darüber zu erfahren, warum seine Mutter sterben musste und wer ihr Mörder war. Andererseits galt sein Vater zwar juristisch gesehen als nicht schuldig, aber deswegen noch lange nicht als unschuldig. Es war also auch das Bemühen, den Namen seines Vaters reinzuwaschen.

Unerwartete Hilfe

1993 bekam er unerwartete und schlagkräftige Unterstützung bei seiner Suche nach der Wahrheit. Die Detektei AMSEC aus Washington, die normalerweise für Großkonzerne arbeitete, interessierte sich für den Fall. Die Firma bot Sheppard an, auf eigene Kosten Ermittlungen durchzuführen. Und sie wurden alsbald fündig.

Unter den Beweisstücken des Sheppard-Falls fanden die AMSEC-Ermittler eine kleine Ampulle mit einem winzigen Stück Holz darin. Es handelte sich um einen Holzspan, den man an der Treppe gefunden hatte. An dem Span haftete Blut. Und dieses Blut ließ sich 1993 auf DNA-Spuren untersuchen.

Die Detektive trieben einen weiteren Kollegen Eberlings aus der Fensterputz-Firma auf. Ed Wilbert behauptete, dass Marilyn Sheppard Richard Eberling beim Stehlen erwischt habe und ihn nicht ausstehen konnte. Diese Aussage stand ganz und gar im Widerspruch zu Eberlings Schilderung seines Verhältnisses zu den Sheppards. Außerdem erzählte Wilbert, dass es für die Fensterputzer einen eigenen Eingang im Keller des Sheppards-Gebäudes gegeben habe. Die Sheppards hätten die Tür auch dann nicht verriegelt, wenn sie selber außer Haus gewesen seien.

Einbruchspuren

Bezirksstaatsanwalt John T. Corrigan, der den Fall in den 1960er Jahren für den Staat Ohio vertreten hatte, war mittlerweile in den Ruhestand getreten. Seine Nachfolgerin war Stephanie Tubbs Jones, die zugleich erste weibliche und schwarze Bezirksstaatsanwältin in der Geschichte des County. Sheppard und sein Anwalt Terry Gilbert hofften, dass sie ihrem Fall etwas aufgeschlossener gegenüberstand als ihr Vorgänger. AMSEC verfasste einen 160-seitigen Bericht, den Gilbert der Staatsanwältin überreichte. Nach dem sie das Dokument eingehend studiert hatte, war Tubbs Jones zu einer Zusammenarbeit bereit.

Dieser Umstand gab den Ermittlungen weiteren Auftrieb. 1954 und 1966 war es noch nicht üblich, dass die Staatsanwaltschaft sichergestellte Beweismittel, die möglicherweise entlastend für den Angeklagten waren, an die Verteidigung übergab. Diese Pflicht ergab sich erst nach einem späteren Urteil des Obersten Gerichtshofs. Nun bekamen Sheppard und seine Helfer auch Zugriff auf solche Fundstücke.

Dadurch entdeckten die AMSEC-Ermittler, dass die Polizei einen Gipsabdruck von einer Werkzeugspur an einer Tür im Keller gegossen hatte. In dem beiliegenden Bericht hieß es, die Spur rühre von einem„Meißel oder einem keilförmigen Werkzeug“ her. In beiden Prozessen hatte die Anklage immer wieder hervorgehoben, dass keinerlei Spuren am Tatort existierten, die auf ein gewaltsames Eindringen schließen ließen – und nun das.

DNA-Beweise

Im Oktober 1995 reichte Gilbert Klage am Gericht ein. Ziel des Verfahrens war es, Sam Sheppard offiziell für unschuldig zu erklären. Würde der Klage stattgegeben, stünde der Familie Sheppard die Möglichkeit frei, das County vor einem Zivilgericht zu verklagen. Angesichts des Einkommens, das Sheppard durch seine Inhaftierung entgangen war, der angefallenen Zinsen und des Inflationsausgleichs konnte sich der Bezirk mit einer Schadensersatzforderung in Millionenhöhe konfrontiert sehen. Die Medien rieben sich schon in Vorfreude die Hände. Dies klang ganz so, als ginge der Sheppard-Prozess in die dritte Runde.

Im Februar 1996 erwirkte Anwalt Gilbert einen Gerichtsbeschluss, der Eberling zwang, eine Blutprobe abzugeben. So gelang das Sheppard-Team an die DNA des Verdächtigen, um sie mit dem Blut auf dem Holzspan und anderen am Tatort sichergestellten Beweisstücken abgleichen zu können.

Unter den Gerichtsasservaten fanden sich auch noch Haare von Marilyn Sheppard, aus denen das Labor ihre DNA rekonstruieren konnte. Bei Sam Sheppard musste man sich einer etwas weniger sicheren Methode bedienen. Man griff dazu auf Liebesbriefe zurück, die er vor der Hochzeit an seine Frau verschickt hatte. Man vermutete, auf der Rückseite der Briefmarken Speichel von Sam Sheppard zu entdecken. Die DNA-Spur war allerdings durch den Poststempel verunreinigt. Dennoch extrahierte man ein DNA-Profil.

Dr. Mohammed Tahir, ein forensischer Wissenschaftler aus Indianapolis, führte umfangreiche Tests mit den Proben durch. Im Februar 1997 legte er seine Ergebnisse vor. Das Blut auf der Treppe stammte nicht von Marilyn Sheppard. Das bedeutete, dass ihr Blut nicht von der Mordwaffe getropft war, wie die Polizei gemutmaßt hatte. Möglicherweise rührte es vom Täter her. Dr. Kirk, der 1968 als forensischer Experte für die Verteidigung ausgesagt hatte, war davon ausgegangen, dass Marilyn ihren Mörder gebissen hatte.

Das Blut stammte anscheinend auch nicht von Sam Sheppard, obwohl sich diese Frage angesichts der verunreinigten DNA-Probe nicht eindeutig beantworten ließ. Doch dann gab es einen Volltreffer. Das Blut und Eberlings Probe zeigten ein identisches Profil. Eberling hatte zwar 1959 mit seiner Geschichte über die Verletzung zwei Tage vor dem Mord für diesen Fall vorgebaut – sozusagen in weiser Voraussicht, ohne von den Möglichkeiten des DNA-Beweises ahnen zu können. Doch die Aussage seines Kollegen Lund, dass Eberling am 2. Juli gar nicht im Hause der Sheppards gearbeitet hatte, konnten diese Darstellung möglicherweise als reine Schutzbehauptung enttarnen.

Dann präsentierte Dr. Tahir noch einen echten Knaller. Die Ermittler hatten 1954 routinemäßig einen Vaginalabstrich bei Marilyn Sheppard vorgenommen. Dabei war Samenflüssigkeit entdeckt worden. Und das Sperma stammte eindeutig von Richard Eberling, wie der DNA-Beweis ergab.

In der Klemme

Die Bezirksstaatsanwaltschaft steckte jetzt mächtig in der Klemme. Bei diesen Ergebnissen lag eine Ermittlung gegen Richard Eberling eigentlich auf der Hand. Doch die Staatsanwaltschaft oblag nicht nur die Pflicht, Kriminelle strafrechtlich zu verfolgen, sondern auch das County in Zivilverfahren zu vertreten. Eine Anklage gegen Richard Eberling hätte bedeutet, dass man Sam Sheppard von jeder Schuld hätte freisprechen müssen – was wiederum einer Millionenklage gegen das County Tür und Tor geöffnet hätte.

Dazu muss man wissen, dass ein zentrales Versprechen von US-Politikern, um Wähler zu ködern, seit rund 30 Jahren lautet: Steuersenkung. Viele Bezirke und Städte verfügen deshalb einfach nicht mehr über die finanziellen Mittel, um oben beschriebene „Extras“ zu bedienen. Es sei denn, die Verwaltung schließt Schulen, Bibliotheken, Schwimmbäder und ähnlich kostenintensive Einrichtungen. Aber dann kann können sich die Politiker ihre Wiederwahl gleich abschminken.

Also stellte die Staatsanwaltschaft erst einmal infrage, ob Sam Sheppard Jr. überhaupt das Recht zustehe, im Namen seines Vaters zu klagen, obwohl dieser bereits seit mehr als 25 Jahren verstorben war. Im Juni 1997 schmetterte Richter Ronald Suster die Einwände des Staatsanwalts ab und ließ die Klage zu. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein. Im Januar 1998 landete der Fall vor dem Obersten Gerichtshof von Ohio.

Der Sohn zeigte sich unbeirrt. Er ließ den Leichnam seines Vaters exhumieren, damit das Labor eine eindeutige DNA-Probe zu Vergleichszwecken erhielt. Im März 1998, mehr als ein Jahr nach Dr. Tahirs erstem Gutachten, rief Anwalt Gilbert eine Pressekonferenz ein, um den neuesten Ermittlungsstand zu präsentieren. Dr. Tahir hatte die Herkunft von Blutflecken auf Sam Sheppards Hosen klären können, die Dr. Gerber am Tattag beim Verdächtigen sichergestellt hatte. Die DNA passte zu Richard Eberling.

Volltreffer

Außerdem hatte er weitere Erkenntnisse zu dem Vaginalabstrich, den der Gerichtsmediziner bei Marilyn Sheppard vorgenommen hatte. Neben Eberlings Sperma war die Samenflüssigkeit eines zweiten Mannes festgestellt worden. Die Spuren ließen sich dank der neuen DNA-Proben eindeutig Sam Sheppard zuordnen. Dies deckte sich mit den Notizen von Sheppards Anwälten aus dem ersten Prozess. Auf die Frage, wann er mit seiner Frau das letzte Mal geschlafen habe, hatte er Freitagabend angegeben, rund 24 Stunden vor dem Mord.

Tahir hatte noch einen Treffer gelandet. Dr. Kirk, der forensische Experte der Verteidigung, hatte behauptet, dass Marilyn Sheppard ihren Mörder gebissen hatte. Bisher hatte es sich dabei nur um eine Interpretation der Spurenlage gehandelt. Laut Tahir stammte das anhaftende Blut sowohl von Marilyn Sheppard als auch Richard Eberling.

Es gab allerdings zwei Probleme. Dr. Kirk hatte die Blutgruppe des Täters mit Typ 0 bestimmt. Laut Tahir gehörte Eberlings Blutgruppe jedoch dem Typ A an. Tahir erklärte die Diskrepanz damit, dass ein DNA-Nachweis wesentlich präziser sei und die Blutgruppenbestimmung nach der Typisierung A-B-0 Mitte der 1950er Jahre noch in den Kinderschuhen gesteckt habe.

Probleme

Dennoch war diese Abweichung ein Problem. Zum einen musste Tahir einräumen, dass die alten Proben durchaus verunreinigt sein könnten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die alten Blutproben Eberlings DNA enthielten, bezifferte er beispielsweise mit 90 %. Das würde ihre Beweiskraft generell infrage stellen. Ein Gericht verlangte eine höhere Übereinstimmungswahrscheinlichkeit.

Andererseits: Waren die Spuren nicht kontaminiert – was sagte die fehlerhafte Typisierung über die Arbeit von Dr. Kirk aus? Wie sehr konnte man seinem Gutachten trauen? Jeder Anwalt würde auf diesem Punkt herumreiten. Und für eine der beiden Versionen würde sich das Sheppard-Team entscheiden müssen.

Dennoch: Die Beweise gegen Eberling schienen inzwischen vielversprechend. Mit seiner Story, dass er sich beim Fensterputzen geschnitten und dabei Blut vergossen hatte, konnte er sich nicht mehr herausreden. Seine DNA haftete an den beiden Tatopfern. Gilbert forderte die Staatsanwaltschaft auf, endlich ein Ermittlungsverfahren gegen Richard Eberling einzuleiten. Doch die Behörde stellte sich aufgrund besagter Ausgangslage stur. Und der Oberste Gerichtshof zögerte seine Entscheidung infolge eines Postengeschachers hinaus.

Am 25. Juli starb Richard Eberling im Alter von 68 Jahren im Gefängnis. Sein Tod bedeutete, dass wohl niemals mehr ein Strafprozess gegen einen Mordverdächtigen im Falle Sheppard eröffnet würde. Der Familie Sheppard blieb nur noch die Hoffnung auf einen Zivilprozess. Im Dezember 1998 gab der Oberste Gerichtshof endlich seine Entscheidung bekannt: Der Klage wurde stattgegeben.

Neues Verfahren

Auf Anordnung des Gerichts exhumierte man Marilyn Sheppards Leichnam. Man wollte damit unter anderem klären, ob Sam Sheppard tatsächlich der Vater des Fötus war, mit dem sie schwanger war. Möglicherweise verbarg sich hier ein Motiv für die Tat. Doch es kam zu einer weiteren Überraschung. Der Fötus war bereits bei der ursprünglichen Autopsie obduziert worden, ohne dass die Staatsanwaltschaft die Ergebnisse seinerzeit der Verteidigung oder der Öffentlichkeit mitteilte. Das Gewebe des Fötus war durch das Formaldehyd mittlerweile so angegriffen worden, dass ein Vaterschaftsnachweis nicht mehr möglich war.

Die Staatsanwaltschaft übernahm in dem Verfahren wie erwähnt die Verteidigung des Bundesstaates Ohio. Sie blieb der ursprünglichen Argumentation im Strafprozess gegen Sam Sheppard treu. Sheppard sei der wahrscheinlichste Tatverdächtige gewesen. Seine Darstellung der Ereignisse habe lauter Lücken aufgewiesen, die er nicht erklären konnte. Warum weckte der Lärm den Sohn nicht? Warum bellte der Hund nicht? Und so weiter.

Die von der Sheppard-Seite eingeführten DNA-Beweise bügelte die Staatsanwaltschaft pauschal ab, weil sie nicht den modernen Standards entsprach. Angesichts der langen und unsachgemäßen Lagerung müsse man davon ausgehen, dass die Proben verunreinigt seien. Zudem hätten sich grobe Abweichungen bei der Typisierung der Blutgruppen ergeben. Offensichtlich erfüllten diese Ergebnisse nicht die heutigen Standards und könnten daher nicht als Beweismittel vor Gericht zugelassen werden. Informationen über die Todesfälle im Umfeld von Richard Eberling ließ das Gericht erst gar nicht zu. Die Verteidigung argumentierte, dass alle Spuren auf eine Vergewaltigung von Marilyn Sheppard durch Richard Eberling hinwiesen.

Die Verhandlung dauerte zehn Wochen. Die Geschworenen benötigten jedoch nur drei Stunden Beratung, bevor sie am 12. April 2000 ihr Urteil verkündeten: Sam Sheppard junior habe nicht beweisen können, dass sein Vater zu Unrecht angeklagt worden sei. Die Klägerpartei ging zwar in Revision. Aber im August 2002 lehnte es der Oberste Gerichtshof von Ohio ab, die Entscheidung des Berufungsgerichts zu überprüfen. Damit waren alle Rechtsmittel ausgeschöpft. Formal betrachtet handelt es sich immer noch um einen ungelösten Mordfall. Doch mit weiteren Ermittlungen ist angesichts der inzwischen verstrichenen Zeit schlichtweg nicht mehr zu rechnen.

 

*****

 

(6) Neue Beweise was last modified: November 30th, 2017 by Richard Deis