Den Tatort hat man nie gefunden. Wo sich Elizabeth Short zwischen dem 9. und 15. Januar 1947 aufgehalten hat, weiß man nicht. Alles, was von ihr übrig bleibt, ist ein furchtbar zugerichteter Leichnam, den ihr Mörder inmitten eines Neubaugebiets in Los Angeles ablegt. Und viele Geschichten und Legenden, die sich bis heute um die Person Elizabeth Short alias die »Schwarze Dahlie« ranken.
Inhaltsverzeichnis
Schockierender Leichenfund in Leimert Park
Betty Bersinger lebte 3705 South Norton Avenue in Leimert Park, einem Neubauviertel von Los Angeles. Die junge Mutter einer dreijährigen Tochter hatte am Morgen des 15. Januar 1947 einige Besorgungen zu erledigen. Doch ihre Tochter war erkältet und quengelte ständig herum. Das Anziehen entwickelte sich zur Geduldsprobe. Als sie gegen zehn Uhr das Haus verließ, war sie bereits spät dran und entsprechend gestresst. Sie schob den Buggy eiligen Schritts Richtung Hauptgeschäftsstraße, dem heutigen Martin Luther King Jr. Boulevard.
Zwischen Coliseum Street und 39th Street war die Norton Avenue seinerzeit noch unbebautes Brachland. Die Bebauungspläne lagen zwar längst fertig in den Schubladen der Planungsbehörde, aber im Moment sprießten noch Gras und Unkraut beiderseits der Straße. Als Betty Bersinger sich der Mitte dieses Blocks näherte, sah sie bereits aus etlichen Metern Entfernung einen großen hellen Gegenstand neben der Straße in der Morgensonne aufleuchten. Sie dachte zunächst an eine kaputte Schaufensterpuppe, die jemand entsorgt hatte.
Als Betty Bersinger jedoch nur noch wenige Schritte entfernt war, bemerkte sie ihren Irrtum. Dort lag eine nackte Frauenleiche. Dieser Anblick war an sich schon schrecklich genug. Doch dieser Leichnam war darüber hinaus übelst zugerichtet. Die junge Mutter wendete den Blick sofort ab und hetzte mit ihrem Kind bis zu den Häusern hinter der nächsten Kreuzung. Von hier aus verständigte sie die Polizei.
Tatortarbeit unter der Lupe: Chaos oder Präzision?
Die Berichte über die genauen zeitlichen Zeitläufe an diesem Mittwochvormittag variieren. Man kann allerdings davon ausgehen, dass es eine Weile dauerte, bis die Polizei vor Ort erschien. Die ersten Streifenbeamten trafen ungefähr zwischen 10.30 und 11.00 Uhr am Fundort ein. Zur gleichen Zeit trudelten auch die ersten neugierigen Reporter ein, die den Funkverkehr des LAPD abgehört hatten.
In Büchern, die sich mit dem Fall beschäftigen, ist häufiger zu lesen, dass die Mordermittlung just in diesem Moment vor die Wand gefahren wurde. Am Fundort der Leiche habe das pure Chaos geherrscht. Dutzende von Polizisten, Reportern und Passanten seien unkontrolliert über das Gelände gelaufen. Damit seien alle Spuren vernichtet oder unbrauchbar gemacht worden.
Dafür lassen sich jedoch keine Belege finden. Die Fotos, die an diesem Vormittag entstanden, zeigen das genaue Gegenteil. Auf der Wiese hielten sich lediglich diejenigen Polizeibeamten auf, die man dort erwarten konnte.
- Harry Hansen und Finis Brown, Kriminalbeamte des Morddezernats, denen der Fall übertragen wurde
- Ray Pinker, der Leiter der Spurensicherung des LAPD
- ein Polizeifotograf
Die Ermittler: Harry Hansen und Forensik-Pionier Ray Pinker
Harry Hansen galt damals als einer der fähigsten und erfahrensten Köpfe des LAPD. Er war ein Mann, der das „Handwerk“ der Mordermittlung von der Pike auf gelernt hatte und für seine Hartnäckigkeit bekannt war. Hansen hatte bereits an der Aufklärung des Falls „The Italian Woman in the Trunk“ (1934) mitgewirkt, einem bizarren Verbrechen, bei dem eine Frau zerstückelt in einem Überseekoffer aufgefunden wurde. Eine düstere Parallele, die ihm beim Anblick von Elizabeth Short sicher durch den Kopf gegangen sein mag. Später sollte er auch in die Ermittlungen zum mysteriösen Tod der Schauspielerin Thelma Todd involviert sein. Hansen war kein Anfänger, der sich von einem Blitzlichtgewitter aus der Ruhe bringen ließ.
Noch beeindruckender war die Personalie Ray Pinker. Er war das wissenschaftliche Rückgrat des LAPD und eine wahre Legende der amerikanischen Kriminalgeschichte. Über 40 Jahre lang leitete er das Kriminallabor und transformierte es von einer verstaubten Asservatenkammer in die modernste Abteilung ihrer Art. Pinker war ein Pionier, der verstand, dass Chemie und Physik im Kampf gegen das Verbrechen mächtiger sein konnten als ein Verhörzimmer.
Er war maßgeblich an der Entwicklung und Verfeinerung des Luminol-Tests zur Sichtbarmachung von unsichtbaren Blutspuren beteiligt – ein Verfahren, das heute weltweit zum Standard gehört. Zudem perfektionierte er die Spektrografie zur Analyse kleinster Lack- und Metallsplitter, was sich in Fahrerflucht-Fällen als revolutionär erwies. Pinker war zudem einer der Ersten, die systematisch Gipsabdrücke von Reifenspuren und Schuhsohlen sicherten und chemische Analysen von Textilfasern durchführten, lange bevor „CSI“ ein Begriff war. Pinkers fachliche Kompetenz genoss ein derart hohes Ansehen, dass die Produzenten der damals berühmten Serie Dragnet ihn als technischen Berater verpflichteten, um die forensischen Abläufe im Fernsehen präzise abzubilden.
Dass ausgerechnet diese beiden Koryphäen – der erfahrene Mordermittler Hansen und der Analytiker Pinker – schlampig mit einem Tatort umgegangen sein sollten, ist schlichtweg unwahrscheinlich. Sie wussten genau, dass in der Stille der Norton Avenue jeder niedergedrückte Grashalm eine Geschichte erzählen konnte.
Auf den Fotos erkennt man zudem, dass die übrigen Personen vor Ort – eine überschaubare Anzahl von Polizisten und Reportern – relativ diszipliniert auf der Straße oder dem Bürgersteig stehen. Zugegeben: Sie befinden sich dort teilweise nur einen Meter vom Leichnam entfernt. Die Reporter hatten also beste Sicht auf das Opfer und durften auch fotografieren. Das wäre heute undenkbar. Allerdings herrschte damals noch ein anderer Umgang zwischen Polizeibehörden und Medienvertretern.
Tatort-Analyse: Die bewusste Zurschaustellung des Opfers
Der Anblick, der sich den versammelten Polizisten und Reportern an diesem Wintermorgen bot, ließ auch die hartgesottenen unter ihnen nicht kalt. Der Täter hatte es augenscheinlich darauf angelegt, sein Opfer auf möglichst schockierende Weise zu präsentieren. Die Tote war auf Höhe der Taille in zwei Hälften zerteilt. Der Torso lag etwa dreißig Zentimeter entfernt von der abgetrennten unteren Körperhälfte, die seitlich versetzt im Gras abgelegen worden war. Die Innereien, die an der Schnittkante hervorquollen, hatte der Täter akkurat unter den Gesäßbacken eingeklemmt.
Der Leichnam wies darüber hinaus zahlreiche Verstümmelungen auf, von denen zunächst nicht klar war, ob sie dem Opfer posthum oder bei lebendigem Leibe zugefügt worden waren. An der rechten Brust, im linken Oberschenkel und im Bauchbereich fehlten komplette Fleischstücke. Das Gesicht war mit mehreren großen Hämatomen verunstaltet. Der Mörder hatte die Frau entweder mit der bloßen Faust oder einem stumpfen Gegenstand brutal geschlagen. Zudem hatte er die Mundwinkel mit einem Messer aufgeschlitzt. Die Backenzähne und das Zahnfleisch waren komplett freigelegt.
Nur wenige Indizien
Es war offensichtlich, dass der Fundort der Leiche nicht dem Tatort entsprach. Nirgends war eine Blutlache zu sehen. Die Beamten entdeckten nur wenige Blutstropfen. Der Mörder hatte den Leichnam komplett ausbluten lassen und anschließend gewaschen. Der Täter war offensichtlich tunlichst bedacht, möglichst keine Spuren zu hinterlassen.
Zu den wenigen Indizien zählte ein leerer Zementsack mit einigen Blutspritzern, der gleich oberhalb des Kopfes der Toten lag. Die Polizei war sich dennoch nicht sicher, ob die Papiertüte tatsächlich vom Mörder stammte. Die Blutflecken hätten theoretisch auch entstehen können, als der Unbekannte die Leichenteile auf die Wiese transportiert hatte. Außerdem konnte Ray Pinker am Straßenrand noch die Abdrücke eines Autoreifens und eines Schuhabsatzes sicherstellen.
Hohes Risko
Das wirklich Üble an diesem Mord waren nicht allein die Verstümmelungen und die Zerteilung der Leiche. Manche Mörder taten dies aus eher praktischen Erwägungen. Das Opfer ließ sich so leichter verstecken und beseitigen. Doch der Bursche, der für dieses Verbrechen verantwortlich war, hatte keine Eile gehabt und keine Angst vor Entdeckung gezeigt.
Statt in die abgelegenen Hügel rund um die Millionenstadt Los Angeles zu fahren, war er bewusst das Risiko eingegangen, eine belebte Wohnsiedlung im Herzen der Metropole aufzusuchen. Er wollte, dass die Leiche möglichst schnell gefunden wurde. Er wollte, dass alle Welt sein »Werk« sah und entsetzt reagierte.
Außerdem hatte er sich am Ablageort Zeit gelassen. Er hatte dort zunächst den Unterleib platziert und die Beine weit gespreizt. Er stopfte die Innereien in den geöffneten Körper, sodass alles fein säuberlich an seinem Platz war. Dann ging er seelenruhig zurück zum Wagen, holte den Torso und drapierte ihn ebenso sorgfältig auf dem Boden. Die Arme waren symmetrisch nach hinten gestreckt, die Ellenbogen bildeten einen fast schon exakten rechten Winkel. Das Gesicht war zur Straße hingewandt. Der Täter hatte sein Opfer nicht einfach nur »beseitigt«. Das war eine bewusste Zurschaustellung, da waren sich die Beamten sicher.
Der Obduktionsbericht: Todesursache und medizinische Befunde
Noch am selben Abend führte der Gerichtsmediziner die Obduktion durch. Die unbekannte Tote war durch die Schläge auf den Kopf gestorben. Die Schädeldecke war zwar nicht gebrochen. Doch stumpfe Gewalteinwirkung hatte sowohl auf der Stirnseite als auch an der rechten Schläfe zu zahlreichen Hämatomen und inneren Blutungen geführt, die schließlich den Tod herbeigeführt hatten. Insbesondere der sogenannte Subarachnoidalraum, ein kleiner Spalt im Schädel, durch den die Gehirn-Rückenmarkflüssigkeit floss, war davon betroffen. Die tiefen Schnitte im Fleisch waren dem Opfer nach dem Tod zugefügt worden.
Der Tod war am Vorabend zwischen 20.00 Uhr und Mitternacht eingetreten. Der Täter musste die Leiche in den frühen Morgenstunden am späteren Fundort abgelegt haben. Auf dem Körper hatte sich bereits eine feine Schicht Morgentau gebildet. Außerdem entdeckte der Gerichtsmediziner am Hals, an beiden Handgelenken und Knöcheln Fesselungsspuren.
Da bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Hinweise auf die Identität der Toten vorlagen – eine Überprüfung der Vermisstenanzeigen hatte keine Übereinstimmungen ergeben – war für die weiteren Ermittlungen eine möglichst exakte Opferbeschreibung notwendig. Solange sie das Opfer nicht identifizieren konnten, kamen die Beamten in dem Mordfall nicht weiter. Je mehr Zeit verstrich, umso mehr Vorsprung gewann der Mörder.
Der Obduktionsbericht vermerkte dazu, dass es sich bei der Toten um eine Frau im Alter von 20-30 Jahren handelte. Sie war 1,65 m groß und wog 52 Kilogramm. Sie hatte braunes Haar, hellblaue Augen und auffallend schlechte Zähne – Karies in fortgeschrittenem Stadium. Der Leichenbeschauer nahm auch die Fingerabdrücke. Möglicherweise führte die Polizei die unbekannte Tote ja bereits in den Akten.
Sehr interessant.einige Fälle kenn ich ..deshalb musste ich es unbedingt lesen was da überhaupt alles geschah
R.I.P. Beautiful Elizabeth Short!
Sehr geehrter Herr Bäcker,
nach meinen intensiven Ermittlungen ist der Mörder von Elisabeth Short möglicherweise Jack the Ripper.
Sie können mich gerne für verrückt halten, aber wenn er mit Anfang 20 im Londoner East End gemordet hat und einer der Verdächtigen ist nachweislich nach Amerika ausgewandert, als die Morde dort endeten.
Könnte er zwischendurch oder auch nicht unerkannt weiter gemordet haben und mit 70 Jahren vielleicht Elisabeth Short.
Ihre Autopsie-Bilder gleichen denen von Whitechapel…