Charles Manson war unzufrieden mit der Art und Weise, wie seine Anhänger bei den Tate-Morden vorgegangen waren. Stümperhaft und unkoordiniert. Sie hatten die Kontrolle über die Opfer verloren. Wäre ihnen die Flucht gelungen, hätte dies die gesamte Opertation »Helter Skelter« bedroht.

Charles Manson beschloss, in der folgenden Nacht den Dilettanten zu zeigen, »wie man es richtig macht«. Er brach am Abend zusammen mit sechs weiteren Mitgliedern der Manson Family auf. Wieder dabei waren Charles Watson, Susan Atkins, Patricia Krenwinkel und Linda Kasabian. Außerdem nahm er noch Leslie Van Houten und Steve »Clem« Grogan mit.

Spätfolgen einer Party

Linda Kasabian fuhr den Wagen. Manson dirigierte sie zu einem Haus, in dem die Manson Family im Jahr zuvor eine Party besucht hatte. Das Nachbarhaus 3301 Waverly Drive gehörte den LaBiancas. Manson schlich sich zunächst alleine die Einfahrt hoch, um das Gebäude auszuspionieren.

Nach wenigen Minuten kehrte er zurück und rief Charles Watson herbei. Manson führte ihn zu einem Fenster. Im Innern sahen sie einen Mann, der auf einer Couch schlief: Leno LaBianca. Manson und Watson verschafften sich durch die unverschlossene Hintertür Zutritt zum Haus. Sie weckten LaBianca. Während Manson ihn mit einer Pistole bedrohte, fesselte Watson ihm mit einem Lederriemen die Hände auf den Rücken.

Anschließend fanden sie Rosemary LaBianca im Schlafzimmer vor und fesselten sie ebenfalls. Manson befahl Watson, beiden einen Kissenbezug über den Kopf zu stülpen. Watson band den Stoff mit einer Lampenschnur fest.

Daraufhin verließ Manson das Haus und schickte Patricia Krenwinkel und Leslie Van Houten hinein. Er gab ihnen Anweisungen, dass sie die LaBiancas töten sollten. Dann fuhr Manson mit den übrigen Begleitern weiter. Er plante einen weiteren Mord in dieser Nacht.

Ein verchromtes Bajonett

Watson beorderte Krenwinkel und Van Houten zu Rosemary LaBianca ins Schlafzimmer. Charles Watson hatte an diesem Abend ein verchromtes Bajonett statt eines Messers dabei. Damit stach er nun auf Leno LaBianca ein. Den ersten Stich setzte er in die Gurgel.

Watson hörte plötzlich Geschrei aus dem Schlafzimmer und eilte hinüber. Rosemary LaBianca hatte sich losgerissen und hielt die Frauen in Schach, indem sie die Lampe herumschwang, mit der sie gefesselt war. Watson versetzte Rosemary Labianca ein paar Stiche mit seinem Bajonett. Danach kehrte er ins Wohnzimmer zurück und tötete Leno LaBianca. Er ritzte ihm noch das Wort »War« auf den entblößten Körper.

Watson ging wieder ins Schlafzimmer. Er beobachtete, wie Patricia Krenwinkel mit einem Messer auf Rosemary LaBianaca einstach. Manson hatte Watson eingeschärft, dass beide Frauen an den Morden aktiv beteiligt sein sollten. Watson wies Leslie Van Houten an, Krenwinkel zu unterstützen. Sie gehorchte und fügte Rosemary LaBianca 16 Messerstiche in den Rücken zu.

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Leslie Van Houten bei einer Bewährungsanhörung 2002

Charles Watson säuberte sein Bajonett und duschte. Patricia Krenwinkel schrieb die Botschaften an die Wände und den Kühlschrank. Sie fügte Leno Labianaca noch weitere 14 Wunden mit einer Bratengabel zu, die sie in seinem Bauch stecken ließ. Zusätzlich rammte sie ihm noch ein Steakmesser in den Hals.

Fehlschlag

Mansons nächstes Anschlagziel war der libanesische Schauspieler Saladin Nader. Nader war ein Bekannter von Linda Kasabian. Manson ließ Kasabian, Atkins und Grogan aussteigen und setzte sich hinters Steuer. Charles Manson fuhr zurück zur Spahn Ranch. Wenn er nicht direkt an den Verbrechen beteiligt war, konnte man ihm später auch keinen Mord anhängen, so sein Kalkül. Die Täter sollten in der Nacht zurück zur Ranch trampen.

Aber zu einer weiteren Bluttat kam es in dieser Nacht nicht. Linda Kasabian sagte vor Gericht aus, sie habe den Mord an ihrem Bekannten verhindern können, indem sie einfach an der falschen Wohnungstür geklopft habe. Es sei zwar jemand an der Tür erschienen. Der habe jedoch keine Ähnlichkeit mit ihrem Bekannten gehabt. Die Gruppe habe daraufhin den Mordplan aufgegeben. Zuvor habe Susan Atkins aber noch ihren Darm im Treppenhaus entleert.

 

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Charles Manson ist zwar am Tatort anwesend, überlässt das Töten aber seinen Anhängern. Eine Rekonstruktion der LaBianca-Morde.
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(14) Was man heute über die LaBianca-Morde weiß was last modified: Februar 22nd, 2018 by Richard Deis