Carl Balsiger

Carl Balsiger war zunächst nur einer von vielen Männernamen, die sich Elizabeth Short notiert hatte. Die Polizei konnte seine Wohnung ermitteln, in de er auch zum Tatzeitpunkt lebte (7424 W. Sunset Boulevard).

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Pures Mitleid

Laut dem Bericht der Staatsanwaltschaft vernahm die Polizei Balsiger erstmals am 20. Januar 1947. Carl Balsiger sagte aus, er habe Elizabeth Short das erste Mal am 6. Dezember 1946 auf dem Sunset Boulevard in Hollywood vor dem Büro eines Immobilienmaklers getroffen. Short sei an diesem Tag aus dem Chancellor Hotel ausgezogen und er habe ihr geholfen, ihr Gepäck in den Wagen zu laden.

Er habe an diesem Tag einen geschäftlichen Termin mit einer Bäckerei in Camarillo gehabt, der er Mehl und Sirup verkauft habe. Elizabeth Short habe ihn auf dieser Geschäftsreise begleitet. Sie seien am gleichen Tag nach Los Angeles zurückgekehrt. Er habe dann unter seinem Namen für das Opfer ein Hotelzimmer auf der Yucca Street in Hollywood angemietet. Er behauptete, dabei sei es zu keinerlei sexuellem Kontakt gekommen. Die Frau habe ihm einfach nur leidgetan.

Beim Lügen ertappt

Am 7. Dezember 1946 habe er Elizabeth Short dann zum Busbahnhof in Hollywood gebracht. Sie habe ihm gegenüber geäußert, dass sie ihre Schwester in San Francisco besuchen wolle. Die Polizei kaufte ihm die Story jedoch nicht ab. Denn die Ermittlungen hatten ergeben, dass das Opfer erst am 9. Dezember 1946 einen Bus nach San Diego bestieg. Die Beamten überprüften die Hotels auf der Yucca Street. Der Name Carl Balsiger tauchte in keinem der Anmeldungsformulare für den 6. Dezember 1946 auf.

Carl Balsiger

Die Ermittler durchleuchteten daraufhin Balsigers Vorgeschichte. Es stellte sich heraus, dass er im Februar 1943 in Camp Cooke stationiert gewesen war. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Elizabeth Short bereits auf der dortigen Poststelle. Kannte Balsiger das Opfer also in Wahrheit schon viel länger? Balsiger war zudem zweimal wegen Körperverletzung angezeigt worden, jeweils von Frauen, die er ohne ersichtlichen Grund verprügelt hatte.

Die Beamten entdeckten in Balsigers Heimatstadt Kansas City noch eine weitere interessante Spur. Er hatte zusammen mit Leila Adele Welsh die Schule besucht. Leila Welsh war 1941 in Kansas City ermordet worden. Ihr Bruder George Welsh wurde des Verbrechens angeklagt, aber freigesprochen.

Erneute Ermittlungen

Als man den Verdächtigen nochmals vernehmen wollte, hatte er Los Angeles bereits verlassen. Die Beamten konnten seine Spur jedoch aufnehmen. Schließlich wurde Carl Balsiger in St. Louis aufgespürt.

Detective Finis Brown reiste persönlich nach Missouri, um den Verdächtigen erneut zu befragen. Dabei stellte sich heraus, dass Balsiger seine ursprünglichen Angaben zumindest teilweise geändert hatte. Während er zunächst behauptet hatte, nur einen Tag und eine Nacht mit Elizabeth Short verbracht zu haben, räumte er später ein, bis zum 8. Dezember 1946 mit ihr zusammen gewesen zu sein. Die Ermittler konnten außerdem nachweisen, dass seine Darstellung des zeitlichen Ablaufs nicht vollständig korrekt gewesen war.

Im Rahmen der Nachermittlungen unterzog sich Balsiger auch einem Lügendetektortest. Detective Brown kam anschließend zu dem Schluss, dass Balsiger nicht der geheimnisvolle „Sergeant Chuck“ war, von dem einige Zeugen aus Camp Cooke berichtet hatten. Brown war darüber hinaus überzeugt, dass Balsiger Elizabeth Short nach Dezember 1946 nicht mehr gesehen hatte.

Die Ermittlungen gegen Carl Balsiger verliefen damit letztlich im Sande. Obwohl sein Name auf der später bekannt gewordenen Verdächtigenliste der Staatsanwaltschaft erschien und mehrere Umstände gegen ihn sprachen, konnte das LAPD keine belastbaren Beweise für eine Beteiligung am Mord an Elizabeth Short finden.

Eli Frankels These

Jahrzehnte später geriet Balsiger erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Autor Eli Frankel vertrat in seinem 2025 erschienenen Buch „Sisters in Death: The Black Dahlia, the Prairie Heiress and Their Hunter“ die These, Balsiger habe nicht nur Elizabeth Short, sondern bereits 1941 auch Leila Adele Welsh ermordet. Diese Theorie stützt sich unter anderem auf Balsigers Bekanntschaft mit beiden Frauen, seine widersprüchlichen Aussagen sowie die aus Frankels Sicht ähnlichen Tatmuster.

Der Black-Dahlia-Forscher Larry Harnisch widerspricht dieser Einschätzung jedoch entschieden. Nach seinen Recherchen befand sich Balsiger zum Zeitpunkt des Mordes an Leila Welsh im Militärdienst im Bundesstaat Washington. Zudem seien die beiden Verbrechen in Tatablauf und Vorgehensweise deutlich unterschiedlich gewesen. Harnisch verweist darauf, dass Balsiger bereits von den ursprünglichen Ermittlern intensiv überprüft, vernommen und letztlich als Tatverdächtiger ausgeschlossen worden sei.

Spätere Jahre

Im Oktober 1949 wurde die Verlobung von Carl Balsiger mit Jane Ellen Moyer bekanntgegeben. Die Juristin hatte die University of Nebraska und die University of Iowa Law School besucht. Balsiger selbst war Absolvent der University of Kansas. Das Paar heiratete noch im selben Jahr.

Über Balsigers weiteres Leben ist nur wenig bekannt. Mitte der 1960er-Jahre arbeitete er als Vizepräsident und Sekretär der North Central Fire and Casualty Insurance Company in Minnesota.

1966 geriet das Unternehmen in die Schlagzeilen, nachdem rund 750.000 USD aus den Firmenkonten verschwunden waren. Zeitungsberichten zufolge versuchte Balsiger damals, 325.000 USD von einer Bank in Minneapolis abzuheben. Die Vorgänge führten zu Ermittlungen des Generalstaatsanwalts von Minnesota. Ob Balsiger persönlich strafrechtliche Konsequenzen drohten oder wie die Untersuchung letztlich ausging, weiß ich nicht.

Danach verliert sich seine Spur. Nur so viel steht fest: Carl Balsiger starb 1977 im Alter von 61 Jahren.

Bis heute bleibt er eine umstrittene Figur in der Geschichte des Black-Dahlia-Falls. Anders als viele andere Verdächtige kannte er Elizabeth Short nachweislich persönlich und verbrachte mehrere Tage mit ihr. Trotz intensiver Ermittlungen, wiederholter Verhöre und eines Lügendetektortests gelang es den Behörden jedoch nie, einen belastbaren Zusammenhang zwischen Balsiger und dem Mord an Elizabeth Short nachzuweisen.

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