Lieutenant Joseph Kozenczak zitierte John Wayne Gacy aufs Revier. Er las ihm vor, welche Gegenstände man beschlagnahmt hatte. Gacy war wütend. Er schaltete sofort seinen Anwalt ein, der ihm riet, jegliche weitere Aussage zu verweigern. Noch hatten die Ermittler keine konkreten Beweise in der Hand, um Gacy eines Verbrechens zu überführen. Sie mussten ihn wieder laufen lassen. Doch Lieutenant Kozenczak setzte zwei Observationsteams auf Gacy an, die ihn rund um die Uhr überwachen sollten.

Am 15. Dezember 1978 befragten die Beamten Familienangehörige und Bekannte des Verdächtigen. Gacy hatte die meisten von ihnen bereits über die laufenden Ermittlungen gegen ihn in Kenntnis gesetzt. Er sagte ihnen, die Polizei wolle ihm einen Mord anhängen, weil sie dringend einen Sündenbock benötige. Er sei nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen und habe mit der Sache nicht das Geringste zu schaffen.

Doch John Gacys Ex-Frau verriet den Ermittlern, dass Jahre zuvor ein Angestellter ihres Mannes namens John Butkovic unter ähnlich mysteriösen Umständen verschwunden war. Danach überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst rief ein gewisser Michael Rossi bei der Polizei an, der angab, in der Vergangenheit für Gacy gearbeitet zu haben. Er unterrichtete die Beamten über zwei weitere Vermisstenfälle im direkten Umfeld des Verdächtigen. Charles Hattula, ein Kollege von Rossi, habe man im vergangenen Jahr tot aus dem Illinois River geborgen. Von Gregory Godzik fehle nach wie vor jede Spur.

Der Ring mit den Initialen J.A.S., den man bei Gacy sichergestellt hatte, führte die Polizisten wiederum zur Mutter des seit Januar 1977 vermissten John A. Szyc. Aus der Fallakte ging hervor, dass der Sohn einen Monat nach seinem Verschwinden angeblich seinen heiß geliebten Plymouth Satellite verkauft hatte. Käufer war ein gewisser John W. Gacy gewesen, wohnhaft 8213 West Summerdale Avenue. Die Beamten aus der Fahndungsabteilung hatten anhand der Motornummer auch den aktuellen Besitzer des Fahrzeugs ermitteln können: Michael Rossi. War der angebliche Zeuge selber in die Vermisstenfälle verstrickt? Die Sache wurde immer mysteriöser.

Schließlich hatte sich Kozenczak auch die Akte zu dem Verfahren wegen Körperverletzung kommen lassen, dessen John Wayne Gacy in Chicago angeklagt war. Die Unterlagen entpuppten sich für den Ermittler als äußerst spannende Lektüre. Denn sie vermittelten ihm eine Vorstellung davon, welches Schicksal Robert Piest und den anderen verschwundenen jungen Männern möglicherweise widerfahren war.

 

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(2) Die Fassade bröckelt was last modified: Februar 21st, 2018 by Richard Deis
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Die Polizei findet erste Hinweise dafür, dass John Wayne Gacy etwas mit dem Verschwinden mehrere junger Männer zu tun hat
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