Nach ihrer Ankunft in John Wayne Gacys Haus begaben sich die Beamten sofort zum Kriechkeller. Der Bodenraum war mit einer Drainage und Pumpe versehen. Die Polizisten legten den Keller trocken. Der Spurensicherung gebührte das zweifelhafte Privileg, als Erste den 8,50 m mal 11,50 m großen Raum näher in Augenschein nehmen zu dürfen. Sie hielten nach verdächtigen Stellen Ausschau, an denen möglicherweise Grabungen stattgefunden hatten.

In der südwestlichen Ecke wurden sie fündig. Sie fingen an zu graben. Binnen Minuten hatten sie verfaultes Fleisch und einen Unterarmknochen freigelegt. Die Männer von der Spurensicherung riefen den Kriminalbeamten zu, dass sie Gacy nun wegen Mordes festnehmen könnten. Die Ermittler setzten den Beschuldigten von den neuesten Entdeckungen in Kenntnis. Gacy entgegnete, er wolle nun reinen Tisch machen.

John Wayne Gacy Keller

Ermittler im Kriechkeller von John Wayne Gacy

Geständnis

In den frühen Morgenstunden des 22. Dezember 1978 legte John Wayne Gacy sein erstes Geständnis ab. Er gab zu, zwischen 25 und 30 männliche Opfer getötet zu haben. Es habe sich ausschließlich um minderjährige Ausreißer oder Strichjungen gehandelt, wie er behauptete. Er habe sie meist am Busbahnhof am Bughouse Square aufgegabelt oder einfach auf der Straße. Er habe ihnen häufig seine gefälschte Polizeimarke gezeigt, um sie in seinen Wagen zu bekommen. Manchmal habe er seinen Oldsmobile zusätzlich mit einem Polizeilicht ausstaffiert, um seine Opfer zu täuschen. Er habe sie dann zu seinem Haus gebracht, wo er ihnen entweder Geld für Sex oder einen Job in seiner Baufirma angeboten habe.

Die „Seilnummer“

Er habe die Jungen dazu überredet, sich von ihm fesseln zu lassen. Dann habe er sie missbraucht. Um die Schreie seiner Opfer zu unterdrücken, habe er ihnen eine Socke oder die Unterwäsche in den Mund gestopft. Um sie zu töten, habe er ein Seil oder ein Brett benutzt, mit dem er ihnen die Gurgel zugedrückt habe. Manchmal habe er auch eine Aderpresse eingesetzt. Er nannte es seine »Seilnummer«, als habe er einen magischen Trick im Varieté aufgeführt. In Wahrheit durchlebten die Jungen einen zwei Stunden währenden Todeskampf, bis sie von ihren Leiden erlöst waren.

Die Ermittler befragten Gacy nach dem Sinn und Zweck des ein Meter langen Kantholzes, das sie bei ihm sichergestellt hatten. Daran habe er viele seiner Opfer festgebunden. Die Idee dazu sei ihm gekommen, als er in der Zeitung über den Serienmörder Dean Corll gelesen habe. Corll hatte zusammen mit zwei jugendlichen Komplizen eine ähnliche Gerätschaft benutzt, um seine Opfer zu fesseln und zu vergewaltigen.

Bis auf zwei seien allen seine Mordopfer zwischen 3.00 und 6.00 Uhr morgens ums Leben gekommen. Er habe immer nur einen Jungen mit zu sich nach Hause genommen, obwohl er bei drei Gelegenheiten auch zwei Opfer an einem Tag getötet habe, jedoch nacheinander mit einigen Stunden Verzögerung. Gacy gab zu, die Leichen zunächst unter seinem Bett versteckt zu haben oder auf dem Dachboden. 24 Stunden später habe er sie in den Kriechkeller geschafft. Einige von ihnen habe er zuvor in der Garage einbalsamiert und erst danach begraben.

Ungelöschter Kalk

John Gacy benutzte ungelöschten Kalk, um den Verwesungsprozess zu beschleunigen. Er hatte bereits fertige Pläne in der Schublade, den kompletten Kriechkeller im Januar 1979 mit Beton zu verfüllen, um alle offensichtlichen Spuren zu beseitigen. Gacy wusste nicht, wie viele Opfer genau in dem Keller begraben waren. Doch irgendwann hatte er praktisch jeden Quadratmeter mit einem Toten belegt.

Außerdem habe ihm sein Rücken zu schaffen gemacht. Das ständige Buddeln in gebückter Haltung wäre ihm irgendwann zu mühsam geworden. Er hatte mit dem Gedanken gespielt, weitere Leichen in seinem Dachboden zu verstecken. Von dem Plan war er wieder abgerückt. Er hatte seine nächsten fünf Opfer von einer Autobahnbrücke in den Des Plaines River geschmissen.

Gacy gestand auch endlich, Robert Piest ermordet zu haben. Er hatte den Jungen am Abend des 11. November 1978 in seinem Haus erdrosselt. Er wurde dabei vom Anruf eines Geschäftsfreundes unterbrochen. Den Leichnam hatte er noch in derselben Nacht zum Des Plaines River geschafft. Danach war er tatsächlich in einen kleineren Unfall verwickelt worden, was seinen Aufzug erklärte, als er seinerzeit in den frühen Morgenstunden auf der Polizeiwache erschienen war.

 

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(5) Leichen im Keller was last modified: Mai 15th, 2016 by Richard Deis
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John Wayne Gacy gesteht Morde
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John Wayne Gacy gesteht Morde
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Am 22. Dezember 1978 legt John Wayne Gacy ein umfassendes Geständnis ab. Er habe "ungefähr" 25 bis 30 junge Männer umgebracht.
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