Glynn Wolfe (auch Glenn Wolfe) geriet in die Ermittlungen zum Mord an Elizabeth Short, weil er der Eigentümer und Betreiber der Chancellor Apartments in Hollywood war. Dort wohnte Elizabeth Short im November und Dezember 1946 zeitweise in Apartment 501, bevor sie Los Angeles verließ und nach San Diego fuhr. Die Chancellor Apartments waren damit die letzte bekannte Unterkunft des Opfers in Los Angeles vor ihrem Verschwinden.
Im Gegensatz zu vielen anderen Verdächtigen stand fest, dass Wolfe Elizabeth Short persönlich kannte. Dies räumte er gegenüber den Ermittlern selbst ein. Allerdings lebte er zum Zeitpunkt des Mordes nicht mehr im Gebäude an der Cherokee Avenue, sondern in einem Apartmenthaus an der North Las Palmas Avenue.
Inhaltsverzeichnis
Die Verdächtigen: Glynn Wolfe
Der Ruf eines Frauenhelden
Bereits die Ermittlungsakten zeichnen das Bild eines Mannes mit zweifelhaftem Ruf. Frank Jemison notierte in seinem Bericht, Glynn DeMoss „Scotty“ Wolfe sei bei verschiedenen Frauen als „sexual maniac“ bekannt gewesen. Woher diese Einschätzung konkret stammte, geht aus dem Bericht allerdings nicht hervor.
Auch Elizabeth Shorts Freundin Ann Toth äußerte sich ausgesprochen negativ über den Vermieter. Sie bezeichnete ihn später als „einen der schlimmsten Typen überhaupt“ und beschrieb ihn als sexuellen Perversen und Frauenjäger. Toth behauptete zudem, Wolfe habe die Apartments regelmäßig überbelegt, um möglichst viel Geld mit jungen Mieterinnen zu verdienen.
Überprüfung durch die Polizei
Denn trotz seines fragwürdigen Rufes fanden die Ermittler keine konkreten Hinweise auf eine Beteiligung am Mord. Auf Veranlassung von Frank Jemison untersuchte der Leiter des Kriminallabors des LAPD, Ray Pinker, die Räume, in denen Wolfe lebte, auf mögliche Blutspuren. Die Untersuchung verlief jedoch ergebnislos. Pinker konnte keinerlei Indizien entdecken, die Wolfe mit dem Verbrechen in Verbindung gebracht hätten.
Auch sonst fanden sich keine belastbaren Beweise. Zwar wusste die Polizei, dass Wolfe das Opfer kannte, doch es existieren keine Zeugenaussagen oder Sachbeweise, die ihn unmittelbar mit den Ereignissen des Januar 1947 in unmittelbaren Zusammenhang bringen.
Die Gerüchte um lesbische Mitbewohnerinnen
Ein weiterer Grund für Wolffes Auftauchen in den Akten lag offenbar in den Chancellor Apartments selbst. Jemison hielt fest, dass es Hinweise gegeben habe, wonach einige der Frauen, die sich Apartment 501 mit Elizabeth Short teilten, lesbisch gewesen seien. Zudem wurde ihm berichtet, dass Polly Blits, eine Immobilienmaklerin aus Hollywood, im lesbischen Milieu der Stadt gut vernetzt sei.
Die Ermittler verfolgten damals zeitweise die Theorie, Elizabeth Short könnte von einer Frau ermordet worden sein. In diesem Zusammenhang überprüften sie zahlreiche Personen aus ihrem unmittelbaren Umfeld. Allerdings wird bereits in Jemisons Bericht erwähnt, dass Elizabeth Short mehrfach erklärt habe, sie habe „nichts für Queers übrig“.
Spätere Spekulationen
In späteren Publikationen wurde Glynn Wolfe teilweise deutlich belastender dargestellt. So behauptete der Autor Donald Wolfe, der Vermieter sei möglicherweise in Drogengeschäfte verwickelt gewesen und habe Frauen für organisierte Prostitutionsringe vermittelt.
Für diese Behauptungen finden sich jedoch weder in Jemisons Bericht noch in den bekannten Ermittlungsakten belastbare Belege. Der Black-Dahlia-Forscher Larry Harnish hat deshalb wiederholt darauf hingewiesen, dass diese Vorwürfe auf Spekulationen beruhen und durch die vorhandenen Dokumente nicht gestützt werden.
Glynn Wolfe 1960
Meistverheirateter Mann der Welt
Auch Jahrzehnte nach dem Mordfall Elizabeth Short blieb Glynn Wolfe eine schillernde Figur. Landesweite Bekanntheit erlangte er später als „meistverheirateter Mann der Welt“. Je nach Quelle ging er zwischen 29 und 31 Ehen ein. Besonders bemerkenswert aus heutiger Sicht: Zu seinen Ehefrauen gehörte auch Bonny Lee Bakley, die spätere Ehefrau des Schauspielers Robert Blake. Bakley wurde 2001 in Los Angeles erschossen. Der aufsehenerregende Fall führte zu einem der bekanntesten Prominenten-Prozesse der Vereinigten Staaten und ist bis heute Gegenstand zahlreicher Dokumentationen und Bücher.
Kapitelübersicht zum Fall Elizabeth Short
Ermittlungen
- Die offiziellen Verdächtigen
- Carl Balsiger
- George W. Welsh II
- Sergeant Chuck
- John D. Wade
- Joe Scalise
- James Nimmo
- Maurice Clement
- Polizist aus Chicago
- Salvador Torres Vera
- Dr. George Hodel
- Marvin Margolis
- Glynn (Glenn) Wolfe
- Michael Anthony Otero
- George Bacos
- Frances Campbell
- „Lesbische Chirurgin“
- Dr. Paul DeGaston
- Dr. A. R. Brix
- Dr. M. M. Schwartz und Dr. Arthur McGinnis Faught
- Dr. Patrick S. O’Reilly
- Mark Hansen