Betty Bersinger lebte 3705 South Norton Avenue in Leimert Park, einem Neubauviertel von Los Angeles. Die junge Mutter einer dreijährigen Tochter hatte am Morgen des 15. Januar 1947 einige Besorgungen zu erledigen. Doch ihre Tochter war erkältet und quengelte ständig herum. Das Anziehen entwickelte sich zur Geduldsprobe. Als sie gegen zehn Uhr das Haus verließ, war sie bereits spät dran und entsprechend gestresst. Sie schob den Buggy eiligen Schritts Richtung Hauptgeschäftsstraße, dem heutigen Martin Luther King Jr. Boulevard.
Zwischen Coliseum Street und 39th Street war die Norton Avenue seinerzeit noch unbebautes Brachland. Die Bebauungspläne lagen zwar längst fertig in den Schubladen der Planungsbehörde, aber im Moment sprießten noch Gras und Unkraut beiderseits der Straße. Als Betty Bersinger sich der Mitte dieses Blocks näherte, sah sie bereits aus etlichen Metern Entfernung einen großen hellen Gegenstand neben der Straße in der Morgensonne aufleuchten. Sie dachte zunächst an eine kaputte Schaufensterpuppe, die jemand entsorgt hatte.
Als Betty Bersinger jedoch nur noch wenige Schritte entfernt war, bemerkte sie ihren Irrtum. Dort lag eine nackte Frauenleiche. Dieser Anblick war an sich schon schrecklich genug. Doch dieser Leichnam war darüber hinaus übelst zugerichtet. Die junge Mutter wendete den Blick sofort ab und hetzte mit ihrem Kind bis zu den Häusern hinter der nächsten Kreuzung. Von hier aus verständigte sie die Polizei.
Inhaltsverzeichnis
Elizabeth Short – Kapitel 1
Tatortarbeit: Chaos oder Präzision?
Die Berichte über die genauen zeitlichen Zeitläufe an diesem Mittwochvormittag variieren. Man kann allerdings davon ausgehen, dass es eine Weile dauerte, bis die Polizei vor Ort erschien. Die ersten Streifenbeamten trafen ungefähr zwischen 10.30 und 11.00 Uhr am Fundort ein. Zur gleichen Zeit trudelten auch die ersten neugierigen Reporter ein, die den Funkverkehr des LAPD abgehört hatten.
In Büchern, die sich mit dem Fall beschäftigen, ist häufiger zu lesen, dass die Mordermittlung just in diesem Moment vor die Wand gefahren wurde. Am Fundort der Leiche habe das pure Chaos geherrscht. Dutzende von Polizisten, Reportern und Passanten seien unkontrolliert über das Gelände gelaufen. Damit seien alle Spuren vernichtet oder unbrauchbar gemacht worden.
Dafür lassen sich jedoch keine Belege finden. Die Fotos, die an diesem Vormittag entstanden, zeigen das genaue Gegenteil. Auf der Wiese hielten sich lediglich diejenigen Polizeibeamten auf, die man dort erwarten konnte.
- Harry Hansen und Finis Brown, Kriminalbeamte des Morddezernats, denen der Fall übertragen wurde
- Ray Pinker, der Leiter der Spurensicherung des LAPD
- ein Polizeifotograf
Die Ermittler: Harry Hansen und Forensik-Pionier Ray Pinker
Harry Hansen galt damals als einer der fähigsten und erfahrensten Köpfe des LAPD. Er war ein Mann, der das „Handwerk“ der Mordermittlung von der Pike auf gelernt hatte und für seine Hartnäckigkeit bekannt war. Hansen hatte bereits an der Aufklärung des Falls „The Italian Woman in the Trunk“ (1934) mitgewirkt, einem bizarren Verbrechen, bei dem eine Frau zerstückelt in einem Überseekoffer aufgefunden wurde. Eine düstere Parallele, die ihm beim Anblick von Elizabeth Short sicher durch den Kopf gegangen sein mag. Später sollte er auch in die Ermittlungen zum mysteriösen Tod der Schauspielerin Thelma Todd involviert sein. Hansen war kein Anfänger, der sich von einem Blitzlichtgewitter aus der Ruhe bringen ließ.

Noch beeindruckender war die Personalie Ray Pinker. Er war das wissenschaftliche Rückgrat des LAPD und eine wahre Legende der amerikanischen Kriminalgeschichte. Über 40 Jahre lang leitete er das Kriminallabor und transformierte es von einer verstaubten Asservatenkammer in die modernste Abteilung ihrer Art. Pinker war ein Pionier, der verstand, dass Chemie und Physik im Kampf gegen das Verbrechen mächtiger sein konnten als ein Verhörzimmer.

Er war maßgeblich an der Entwicklung und Verfeinerung des Luminol-Tests zur Sichtbarmachung von unsichtbaren Blutspuren beteiligt – ein Verfahren, das heute weltweit zum Standard gehört. Zudem perfektionierte er die Spektrografie zur Analyse kleinster Lack- und Metallsplitter, was sich in Fahrerflucht-Fällen als revolutionär erwies. Pinker war zudem einer der Ersten, die systematisch Gipsabdrücke von Reifenspuren und Schuhsohlen sicherten und chemische Analysen von Textilfasern durchführten, lange bevor „CSI“ ein Begriff war. Pinkers fachliche Kompetenz genoss ein derart hohes Ansehen, dass die Produzenten der damals berühmten Serie Dragnet ihn als technischen Berater verpflichteten, um die forensischen Abläufe im Fernsehen präzise abzubilden.
Dass ausgerechnet diese beiden Koryphäen – der erfahrene Mordermittler Hansen und der Analytiker Pinker – schlampig mit einem Tatort umgegangen sein sollten, ist schlichtweg unwahrscheinlich. Sie wussten genau, dass in der Stille der Norton Avenue jeder niedergedrückte Grashalm eine Geschichte erzählen konnte.
Auf den Fotos erkennt man zudem, dass die übrigen Personen vor Ort – eine überschaubare Anzahl von Polizisten und Reportern – relativ diszipliniert auf der Straße oder dem Bürgersteig stehen. Zugegeben: Sie befinden sich dort teilweise nur einen Meter vom Leichnam entfernt. Die Reporter hatten also beste Sicht auf das Opfer und durften auch fotografieren. Das wäre heute undenkbar. Allerdings herrschte damals noch ein anderer Umgang zwischen Polizeibehörden und Medienvertretern.

Tatort-Analyse: Die bewusste Zurschaustellung des Opfers
Der Anblick, der sich den versammelten Polizisten und Reportern an diesem Wintermorgen bot, ließ auch die hartgesottenen unter ihnen nicht kalt. Der Täter hatte es augenscheinlich darauf angelegt, sein Opfer auf möglichst schockierende Weise zu präsentieren. Die Tote war auf Höhe der Taille in zwei Hälften zerteilt. Der Torso lag etwa dreißig Zentimeter entfernt von der abgetrennten unteren Körperhälfte, die seitlich versetzt im Gras abgelegen worden war. Die Innereien, die an der Schnittkante hervorquollen, hatte der Täter akkurat unter den Gesäßbacken eingeklemmt.
Der Leichnam wies darüber hinaus zahlreiche Verstümmelungen auf, von denen zunächst nicht klar war, ob sie dem Opfer posthum oder bei lebendigem Leibe zugefügt worden waren. An der rechten Brust, im linken Oberschenkel und im Bauchbereich fehlten komplette Fleischstücke. Das Gesicht war mit mehreren großen Hämatomen verunstaltet. Der Mörder hatte die Frau entweder mit der bloßen Faust oder einem stumpfen Gegenstand brutal geschlagen. Zudem hatte er die Mundwinkel mit einem Messer aufgeschlitzt. Die Backenzähne und das Zahnfleisch waren komplett freigelegt.
Leichnam Elizabeth Short. Die Decke im Bild hat nie in der Wirklichkeit existiert. Die Zeitung hat diese im Nachhinein in das Bild hineinretuschiert.
Nur wenige Indizien
Es war offensichtlich, dass der Fundort der Leiche nicht dem Tatort entsprach. Nirgends war eine Blutlache zu sehen. Die Beamten entdeckten nur wenige Blutstropfen. Der Mörder hatte den Leichnam komplett ausbluten lassen und anschließend gewaschen. Der Täter war offensichtlich tunlichst bedacht, möglichst keine Spuren zu hinterlassen.
Zu den wenigen Indizien zählte ein leerer Zementsack mit einigen Blutspritzern, der gleich oberhalb des Kopfes der Toten lag. Die Polizei war sich dennoch nicht sicher, ob die Papiertüte tatsächlich vom Mörder stammte. Die Blutflecken hätten theoretisch auch entstehen können, als der Unbekannte die Leichenteile auf die Wiese transportiert hatte. Außerdem konnte Ray Pinker am Straßenrand noch die Abdrücke eines Autoreifens und eines Schuhabsatzes sicherstellen.
Hohes Risko
Das wirklich Üble an diesem Mord waren nicht allein die Verstümmelungen und die Zerteilung der Leiche. Manche Mörder taten dies aus eher praktischen Erwägungen. Das Opfer ließ sich so leichter verstecken und beseitigen. Doch der Bursche, der für dieses Verbrechen verantwortlich war, hatte keine Eile gehabt und keine Angst vor Entdeckung gezeigt.
Statt in die abgelegenen Hügel rund um die Millionenstadt Los Angeles zu fahren, war er bewusst das Risiko eingegangen, eine belebte Wohnsiedlung im Herzen der Metropole aufzusuchen. Er wollte, dass die Leiche möglichst schnell gefunden wurde. Er wollte, dass alle Welt sein »Werk« sah und entsetzt reagierte.
Außerdem hatte er sich am Ablageort Zeit gelassen. Er hatte dort zunächst den Unterleib platziert und die Beine weit gespreizt. Er stopfte die Innereien in den geöffneten Körper, sodass alles fein säuberlich an seinem Platz war. Dann ging er seelenruhig zurück zum Wagen, holte den Torso und drapierte ihn ebenso sorgfältig auf dem Boden. Die Arme waren symmetrisch nach hinten gestreckt, die Ellenbogen bildeten einen fast schon exakten rechten Winkel. Das Gesicht war zur Straße hingewandt. Der Täter hatte sein Opfer nicht einfach nur »beseitigt«. Das war eine bewusste Zurschaustellung, da waren sich die Beamten sicher.
Der Obduktionsbericht: Todesursache und medizinische Befunde
Noch am selben Abend führte der Gerichtsmediziner die Obduktion durch. Die unbekannte Tote war durch die Schläge auf den Kopf gestorben. Die Schädeldecke war zwar nicht gebrochen. Doch stumpfe Gewalteinwirkung hatte sowohl auf der Stirnseite als auch an der rechten Schläfe zu zahlreichen Hämatomen und inneren Blutungen geführt, die schließlich den Tod herbeigeführt hatten. Insbesondere der sogenannte Subarachnoidalraum, ein kleiner Spalt im Schädel, durch den die Gehirn-Rückenmarkflüssigkeit floss, war davon betroffen. Die tiefen Schnitte im Fleisch waren dem Opfer nach dem Tod zugefügt worden.
Der Tod war am Vorabend zwischen 20.00 Uhr und Mitternacht eingetreten. Der Täter musste die Leiche in den frühen Morgenstunden am späteren Fundort abgelegt haben. Auf dem Körper hatte sich bereits eine feine Schicht Morgentau gebildet. Außerdem entdeckte der Gerichtsmediziner am Hals, an beiden Handgelenken und Knöcheln Fesselungsspuren.
Da bis zu diesem Zeitpunkt keinerlei Hinweise auf die Identität der Toten vorlagen – eine Überprüfung der Vermisstenanzeigen hatte keine Übereinstimmungen ergeben – war für die weiteren Ermittlungen eine möglichst exakte Opferbeschreibung notwendig. Solange sie das Opfer nicht identifizieren konnten, kamen die Beamten in dem Mordfall nicht weiter. Je mehr Zeit verstrich, umso mehr Vorsprung gewann der Mörder.
Der Obduktionsbericht vermerkte dazu, dass es sich bei der Toten um eine Frau im Alter von 20-30 Jahren handelte. Sie war 1,65 m groß und wog 52 Kilogramm. Sie hatte braunes Haar, hellblaue Augen und auffallend schlechte Zähne – Karies in fortgeschrittenem Stadium. Der Leichenbeschauer nahm auch die Fingerabdrücke. Möglicherweise führte die Polizei die unbekannte Tote ja bereits in den Akten.
Die Fingerabdrücke führten in der Tat zur raschen Lösung des Rätsels um die Identität der unbekannten Toten. Eine Zeitung aus dem Hearst-Konzern bot der Mordkommission an, die Karte mit den Abdrücken noch in derselben Nacht zu einem Schwesterblatt in Washington zu senden. Die Kollegen konnten die Unterlagen direkt im Anschluss zum FBI bringen.
Die Identifizierung der unbekannten Toten durch das FBI
In diesem Fall zahlte sich die Zusammenarbeit mit der Presse für die Polizei aus. Die Zeitung verfügte über ein hochmodernes Bildfunkgerät, das sich »Soundphoto« nannte – im Prinzip ein Vorgänger der heutigen Faxgeräte. Das LAPD war noch Jahre davon entfernt, sich eine vergleichbare technische Ausstattung leisten zu können. Binnen zwei Stunden waren die Dokumente im Hauptquartier des FBI.
Das FBI hortete in seinem Archiv nicht nur die Abdrücke von Straftätern, sondern von Millionen Amerikanern, die für den Staat oder als Zivilpersonen für das Militär tätig gewesen waren. Die Suche entpuppte sich als Volltreffer. Am frühen Morgen des 16. Januar wurde der zuständige FBI-Agent fündig. Die Tote hieß Elizabeth Short und hatte während des Krieges auf einem Militärstützpunkt in Nordkalifornien gearbeitet.
Das FBI schickte ihre Akte per Soundphoto nach Los Angeles. Als die Reporter das Foto der jungen Toten sahen, wussten sie, sie waren einer ganz heißen Geschichte auf der Spur. Das 22-jährige Opfer war eine attraktive Frau gewesen. Der alte Reporter-Spruch »sex sells« galt über den Tod hinaus.
Brutaler Konkurrenzkampf und die Geburtsstunde der „Schwarzen Dahlie“
Die Journalisten hatten Blut geleckt. Sie riefen umgehend bei Phoebe Short an, der Mutter des Mordopfers. Sie erzählten ihr, ihre Tochter habe einen Schönheitswettbewerb gewonnen. Dann quetschten sie aus der armen Frau so viele persönliche Informationen über Elizabeth Short heraus, wie nur irgend möglich war. Erst am Ende des Telefonats setzten sie die Mutter darüber in Kenntnis, dass ihre Tochter ermordet worden war. Das waren die Schattenseiten der engen Kooperation von Polizei und Medien.

Die Presse scherten solche moralischen Bedenken nicht. In Los Angeles herrschte damals ein brutaler Konkurrenzkampf zwischen den Zeitungen des Medien-Tycoons William Randolph Hearst und den Blättern der Chandler-Dynastie, zu denen die »Los Angeles Times« zählte. Das Hearst-Imperium war der Konkurrenz am 16. Januar eine Nasenlänge voraus. Am Nachmittag erschienen die ersten Ausgaben mit einer Geschichte auf Seite eins, die ihren Lesern Gewalt, Sex und Schönheit versprach. Die Story würde wochenlang die Titelseiten füllen.
Film-Noir als Namenspatron: Wie Elizabeth Short zu ihrem Pseudonym kam
Elizabeth Short verkörperte das weibliche Ideal der 1940er: wohlproportionierte Beine, geschwungene Hüften und eine kleine Stupsnase. Sie färbte ihre lockigen braunen Haare mal hennarot, mal pechschwarz. Sie malte ihre Lippen blutrot an und steckte sich weiße Blüten ins Haar. Das kräftige Make-up, ihre alabasterweiße Haut und die leuchtend blauen Augen ließen sie auf den Fotos wie eine Porzellanpuppe wirken. Diese Frau war fleischgewordenes Drama. Die Zeitungen würden Zusatzauflagen drucken müssen, um die Neugier ihrer Leserschaft zu stillen.
Der Spitzname, den ihr die Presse posthum verpasste, trug nicht unwesentlich dazu bei, dass das Mordopfer im ganzen Land zur Berühmtheit wurde: die »schwarze Dahlie«. Die Reporter liebten es, griffige Namen für Opfer und Täter zu erfinden. Im Fall von Elizabeth Short reichte eine Recherche im Küstenort Long Beach. Elizabeth Short hatte dort im Sommer vor ihrem Tod einige Tage verbracht.
Der Reporter Bevo Means befragte die Angestellten eines Drugstores nach der Toten. Short hatte sich hier mehrfach aufgehalten. Sie erzählten, dass damals der Film-Noir-Klassiker »Blue Dahlia« [Link zu Wikipedia] ein großer Hit war. Weil Short ständig schwarze Kleider trug, nannte einer der Bediensteten sie scherzhaft „Black Dahlia“. Bevo Means hatte seine Schlagzeile.
Ein unstetes Leben: Die Herkunft von Elizabeth Short
In der Stadt, in der sie aufgewachsen war, war die »schwarze Dahlie« nur als »Bette« bekannt. Sie war am 29. Juli 1924 in Hyde Park (Massachusetts) zur Welt gekommen. Sie war eine von fünf Töchtern des Ehepaars Phoebe und Cleo Short. Der Vater entwarf und baute Minigolfplätze. Die Geschäfte gingen gut und sorgten für bescheidenen Wohlstand. Nach ein paar Jahren konnte sich die Familie den Umzug in ein eigenes Haus in der Nachbarstadt Medford leisten, die als Entstehungsort des Weihnachtslieds »Jingle Bells« leidlichen Bekanntheitsgrad erreichte.

Familiengeheimnisse: Das Verschwinden des Vaters Cleo Short
Doch die Weltwirtschaftskrise setzte der Erfolgsgeschichte ein abruptes Ende. Binnen kürzester Zeit war Cleo Short bankrott. Eines Tages fand man seinen Wagen verlassen auf einer Flussbrücke vor. Von Cleo fehlte jede Spur. Jeder ging davon aus, dass der gescheiterte Geschäftsmann Selbstmord verübt hatte. Die Mutter zog mit den Kindern in eine beengte Kellerwohnung und verdiente mit Schneiderarbeiten Geld für den Unterhalt. Jahre später fand sie eine Anstellung als Buchhalterin.
Zehn Jahre nach seinem Verschwinden erreichte Phoebe Short ein Brief ihres tot geglaubten Mannes. In Wirklichkeit war der Familienvater nach Kalifornien geflüchtet, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen, ohne sechs weitere hungrige Mäuler stopfen zu müssen. Er bot ihr an, sie und die Kinder wieder bei sich aufzunehmen. Phoebe Short zeigte ihm die kalte Schulter. Sie wollte mit ihrem Mann nichts mehr zu schaffen haben.

Aufbruch nach Kalifornien: Zwischen Camp Cooke und Hollywood-Träumen
Elizabeth Short hatte seit ihrer Geburt an Atembeschwerden gelitten. Mit zunehmendem Alter entwickelte sich daraus eine chronische Bronchitis und heftiges Asthma. Als sie 16 wurde, verdiente ihre Mutter genügend Geld, um die Tochter während der Wintermonate zu Freunden nach Miami zu schicken. Die Kur schlug tatsächlich an, sodass Elizabeth Short auch in den kommenden Jahren regelmäßig in den warmen Süden verreiste. Die Sommermonate verbrachte sie bei ihrer Familie in Medford.
Mit 19 Jahren kam sie zu dem Entschluss, ihrem leiblichen Vater einen Besuch abzustatten. Im Gegensatz zu ihrer Mutter war sie neugierig auf den Mann. Und insgeheim träumte die attraktive junge Frau davon, in Hollywood Karriere zu machen. Ein Abstecher bei ihrem Vater in Vallejo nahe San Francisco brachte sie ihrem Ziel einen bedeutenden Schritt näher – zumindest räumlich.
Die Beziehung zu ihrem Vater war jedoch von Beginn an konfliktbeladen. Sie hatte ihn nicht mehr gesehen, seit sie ein kleines Kind war. Ihn plagten immer noch Schuldgefühle wegen seiner Flucht. Sie waren wie zwei Fremde, die im gleichen Haus lebten. Zudem hatten beide sehr unterschiedliche Vorstellungen über die Rollenverteilungen.
Cleo Short erwartete von seiner Tochter, dass sie ihm die Hausfrau ersetzte: kochen, putzen, waschen. Aber für Elizabeth Short bedeutete der Umzug die Aussicht auf mehr persönliche Freiheit und jede Menge Abenteuer, die das Leben bereithielt. Pflichten und ein kontrollwütiger Erziehungsberechtigter hatten in diesem Szenario keinen Platz.
Sie besorgte sich Anfang des Jahres 1943 einen Job in der Poststelle des Armeelagers Camp Cooke in Lompoc (heute Vandenberg Air Force Base) nahe Santa Barbara, um auf eigenen Beinen zu stehen. Sie blieb dort rund acht Monate. Länger war sie nirgends sonst in ihrem Leben angestellt.
Im Camp Cooke musste Elizabeth Short eine Wandlung vollzogen haben. Als sie dort eintraf, galt sie als schüchtern, fast schon als Mauerblümchen. Doch in dem Militärlager war sie von einsamen Soldaten umringt, die kurz davor standen, in den Krieg entsandt zu werden. Die jungen Männer buhlten um ihre Aufmerksamkeit, wählten sie zur »Schönheitskönigin des Camps« und erzählten ihr, dass sie das Zeug zum Filmstar habe. Elizabeth Short wurde sich ihrer Wirkung auf Männer zunehmend bewusst. Die »schwarze Dahlie« blühte auf.

Das Abenteuer endete im September 1943. Die Polizei erwischte sie mit einer Freundin und zwei Soldaten in einem Privathaus in Santa Barbara. Die vier jungen Leute feierten eine Party. Die Beamten sprengten die Feier und brachten die nach dem Gesetz noch als minderjährig geltende Elizabeth Short aufs Polizeirevier. Der Teenager wurde erkennungsdienstlich behandelt und erhielt eine Anzeige wegen unerlaubten Trinkens von Alkohol. Eine Polizeibeamtin hatte Mitleid mit dem jungen Ding und besorgte ihr eine Busfahrkarte nach Medford – heim zu Mama.
Nachtleben
In den nächsten Jahren führte Elizabeth Short ein unstetes Leben, das sie kreuz und quer durchs Land führte. Mal wohnte sie in Chicago, dann in Florida oder Georgia und zwischendurch ging es zurück nach Massachusetts. Sie hielt sich mit Gelegenheitsjobs als Kellnerin oder Kartenabreißerin im Kino mehr schlecht als recht über Wasser. [Detaillierter Überblick über Aufenthaltsorte von Elizabeth Short vor ihrem Tod]
Am Abend suchte sie verstärkt die Bars und Nachtklubs auf, in denen man Swing und Bebop spielte. Sie liebte die Musik, die Männer, die ganze Atmosphäre. Sie war nie alleine, außer ihr war danach. Aber im Dezember 1944 änderte sich ihr lockerer Lebensstil, als sie einem Offizier der Luftwaffe begegnete. Sie schrieb ihrer Mutter einen überschwänglichen Brief: »Ich habe jemanden an Silvester kennengelernt, einen Major, Matt Gordon. Ich bin so verliebt. Ich bin sicher, da wird was draus. Er ist so wundervoll, nicht wie die anderen Männer. Und er hat mich gefragt, ob ich ihn heiraten will.«

Die Tragödie um Major Matt Gordon: Eine verhinderte Hochzeit
Als Short im Sommer 1945 Medford besuchte, trug sie an ihrer Bluse einen Anstecker der amerikanischen Luftwaffe. Sie legte eine Aussteuertruhe an, die sie mit handbestickter Bettwäsche füllte. Matt Gordon hatte ihr das Geschenk von den Philippinen geschickt, wo er seinerzeit stationiert war.

Am 14. August 1945 kapitulierte Japan. Der Zweite Weltkrieg war beendet. Elizabeth Short rechnete stündlich damit, dass ihr Verlobter wohlbehalten heimkehren würde. Sie malte sich bereits in allen Details die nun folgende Hochzeit aus. Welches Kleid sie tragen würde. Welche Frisur passend für den Anlass wäre. Welche Blumenarrangements und Kanapees sie für die Hochzeitsfeier auswählen würde.
Ende August 1945 klingelte ein Telegrammbote von Western Union an der Tür der Shorts in Medford. Er überreichte Bette Short eine Nachricht von Matt Gordons Mutter: »Matt wurde auf dem Rückflug von Indien bei einem Flugzeugzusammenstoß getötet. Mein zutiefst empfundenes Beileid. Meine Gebete sind mit Ihnen.«
Elizabeth Short stand unter Schock. Sie las die wenigen Briefe, die Matt Gordon ihr hinterlassen hatte, wieder und wieder durch. Sie trug sie fortan zusammen mit Gordons Nachruf immer bei sich. Mit der Zeit steigerte sie sich in die Geschichte hinein. Sie erzählte Fremden, sie sei verheiratet gewesen und Mutter eines Kindes, das früh verstorben sei.
Kapitelübersicht zum Fall Elizabeth Short
- Kapitel 1: Der Fund der schwarzen Dahlie
- Kapitel 2: Ermittlungen, Verdächtige und der Cold Case
Ermittlungen
- Die offiziellen Verdächtigen
- Carl Balsiger
- George W. Welsh II
- Sergeant Chuck
- John D. Wade
- Joe Scalise
- James Nimmo
- Maurice Clement
- Polizist aus Chicago
- Salvador Torres Vera
- Dr. George Hodel
- Marvin Margolis
- Glynn (Glenn) Wolfe
- Michael Anthony Otero
- George Bacos
- Frances Campbell
- „Lesbische Chirurgin“
- Dr. Paul DeGaston
- Dr. A. R. Brix
- Dr. M. M. Schwartz und Dr. Arthur McGinnis Faught
- Dr. Patrick S. O’Reilly
- Mark Hansen
- Leslie Dillon
- Henry Hoffman
Verwandte Fälle
„Lone Women“-Morde in L.A.
Andere Fälle

Sehr interessant.einige Fälle kenn ich ..deshalb musste ich es unbedingt lesen was da überhaupt alles geschah
R.I.P. Beautiful Elizabeth Short!
Sehr geehrter Herr Bäcker,
nach meinen intensiven Ermittlungen ist der Mörder von Elisabeth Short möglicherweise Jack the Ripper.
Sie können mich gerne für verrückt halten, aber wenn er mit Anfang 20 im Londoner East End gemordet hat und einer der Verdächtigen ist nachweislich nach Amerika ausgewandert, als die Morde dort endeten.
Könnte er zwischendurch oder auch nicht unerkannt weiter gemordet haben und mit 70 Jahren vielleicht Elisabeth Short.
Ihre Autopsie-Bilder gleichen denen von Whitechapel…