Mark Hansen ist vermutlich der schwierigste Kandidat auf Jemisons Liste. Anders als viele andere Verdächtige kannte er Elizabeth Short nicht nur flüchtig, sondern spielte in den letzten Monaten ihres Lebens eine wichtige Rolle. Gleichzeitig ist die Quellenlage von Gerüchten, persönlichen Feindschaften und späteren Spekulationen überlagert. Gerade deshalb lohnt es sich, die gesicherten Fakten von den Behauptungen zu trennen.
Inhaltsverzeichnis
Die Verdächtigen: Mark Hansen
Der wohl wichtigste Mann in Elizabeth Shorts Umfeld
Mark Marinus Hansen wurde 1890 im dänischen Aalborg geboren und wanderte nach dem Ersten Weltkrieg in die Vereinigten Staaten aus. Aus einfachen Verhältnissen kommend baute er sich in Kalifornien ein beträchtliches Vermögen auf. In den 1920er- und 1930er-Jahren besaß oder kontrollierte er mehrere Kinos, Immobilien und Unterhaltungsbetriebe in Los Angeles. Besonders bekannt war er als Mitbetreiber der Florentine Gardens, eines beliebten Nachtklubs am Hollywood Boulevard.

Als Elizabeth Short im Herbst 1946 in Hollywood nach einer Unterkunft suchte, nahm Hansen sie mehrfach in seinem Haus in der Carlos Avenue auf. Dort lebte zeitweise auch die Schauspielerin Ann Toth, eine enge Freundin von Short. Hansen gehörte damit zu den wenigen Personen, die das spätere Mordopfer über Wochen hinweg regelmäßig sahen.
Eine komplizierte Beziehung
Über das Verhältnis zwischen Hansen und Elizabeth Short existieren widersprüchliche Aussagen. Hansen selbst spielte seine Beziehung zu ihr stets herunter. Er beschrieb sie als freundliche junge Frau, bestritt aber jede romantische oder sexuelle Beziehung. Ann Toth schilderte die Situation anders. Ihrer Ansicht nach war Hansen stark an Short interessiert. Sie erklärte später, Hansen sei „verrückt nach ihr“ gewesen und habe eifersüchtig auf andere Männer reagiert.
Jemison hielt fest, dass Ann Toth und ihr Freund Leo Hymes äußerten, Hansen sei ein Mann gewesen, der gewöhnlich bekomme, was er wolle. Elizabeth habe gegenüber Toth sogar geäußert, Hansen versuche ständig, ihr näherzukommen. Deshalb habe sie ihre männlichen Bekannten oft an der Straßenecke verabschiedet, damit Hansen sie nicht sehe.

Das Adressbuch und die letzten Kontakte
Nach dem Mord erhielt die Zeitung Los Angeles Examiner ein Paket mit persönlichen Gegenständen von Elizabeth Short. Darunter befand sich auch das berühmte schwarze Adressbuch, auf dessen Einband der Name „Mark Hansen“ in goldenen Buchstaben geprägt war.
Hansen erklärte, das Buch habe ursprünglich ihm gehört. Elizabeth habe es irgendwann aus seinem Haus mitgenommen und als eigenes Adressbuch benutzt. Tatsächlich fanden die Ermittler darin zahlreiche Namen aus Hollywoods Nachtleben.
Hinzu kam, dass Hansen zu den letzten bekannten Personen gehörte, die mit Elizabeth Short Kontakt hatten. Nach seiner Aussage hatte sie ihn kurz vor ihrem Verschwinden telefonisch kontaktiert. Seine Schilderungen änderten sich jedoch im Laufe der Ermittlungen mehrfach, was zusätzliche Fragen aufwarf.
Aus Sicht der Ermittler ergab sich damit ein Bild, das eine genaue Überprüfung rechtfertigte: Hansen kannte das Opfer gut, hatte Zugang zu ihr gehabt und wurde von mehreren Zeugen als emotional stark in die Beziehung investiert beschrieben. Genau deshalb blieb er über Jahre hinweg eine der bekanntesten Personen im Umfeld von Elizabeth Short und tauchte auch in Jemisons Verdächtigenliste auf.
Die Ermittlungen gegen Hansen
Die Polizei überprüfte Hansen intensiv. Seine Häuser wurden untersucht, Zeugen befragt und seine Bewegungen rekonstruiert. Jemisons Bericht erwähnt sogar eine Gegenüberstellung mit mehreren Zeugen. Auch die Gangster Squad des LAPD beschäftigte sich später noch mit ihm.
Trotz des erheblichen Ermittlungsaufwands fanden die Behörden jedoch keine belastbaren Beweise. Weder Blutspuren noch Tatwerkzeuge wurden entdeckt. Kein Zeuge konnte Hansen mit dem Mord in Verbindung bringen. Die zahlreichen Verdachtsmomente blieben letztlich Indizien ohne direkten Beweiswert.
Spätere Spekulationen
Nach Hansens Tod tauchte sein Name immer wieder in Büchern über den Black-Dahlia-Fall auf. Einige Autoren vermuteten, er habe den Täter gedeckt oder selbst eine Rolle gespielt. Besonders die Autorin Piu Eatwell stellte Hansen in ihrer Theorie deutlich stärker in den Mittelpunkt.
Andere Forscher widersprechen dieser Einschätzung entschieden. Larry Harnish etwa verweist darauf, dass trotz jahrelanger Ermittlungen nie ein belastbarer Nachweis gegen Hansen gefunden wurde. Auch die umfangreichen Akten des LAPD und der Staatsanwaltschaft liefern keinen direkten Beleg für eine Tatbeteiligung.
Der Fall Lola Titus
Ein kurioses Nachspiel ereignete sich zwei Jahre nach dem Mord. 1949 schoss die Nachtklubtänzerin Lola Titus in Hansens Haus auf ihn. Die Kugel verfehlte sein Herz nur knapp. Titus erklärte später, Hansen habe sie entweder heiraten oder finanziell versorgen müssen – andernfalls habe sie ihn töten wollen.
In einigen Artikeln wird Titus als Bekannte von Elizabeth Short erwähnt. Eine Verbindung zwischen dem Attentat und dem Black-Dahlia-Fall konnte jedoch nie nachgewiesen werden.
Mark Hansen gehörte zweifellos zu den bedeutendsten Personen im Umfeld von Elizabeth Short. Anders als viele andere Verdächtige kannte er das Opfer tatsächlich, beherbergte sie zeitweise in seinem Haus und tauchte an mehreren Schlüsselstellen der Ermittlungen auf.
Genau deshalb nahm ihn die Polizei ernst. Doch trotz jahrelanger Untersuchungen, zahlreicher Befragungen und intensiver Nachermittlungen fanden die Behörden keinen Beweis dafür, dass Hansen etwas mit dem Mord zu tun hatte. Er bleibt damit eine der schillerndsten Figuren des Falls und zugleich einer jener Verdächtigen, gegen die letztlich mehr Gerüchte als belastbare Beweise vorlagen.
Kapitelübersicht zum Fall Elizabeth Short
Ermittlungen
- Die offiziellen Verdächtigen
- Carl Balsiger
- George W. Welsh II
- Sergeant Chuck
- John D. Wade
- Joe Scalise
- James Nimmo
- Maurice Clement
- Polizist aus Chicago
- Salvador Torres Vera
- Dr. George Hodel
- Marvin Margolis
- Glynn (Glenn) Wolfe
- Michael Anthony Otero
- George Bacos
- Frances Campbell
- „Lesbische Chirurgin“
- Dr. Paul DeGaston
- Dr. A. R. Brix
- Dr. M. M. Schwartz und Dr. Arthur McGinnis Faught
- Dr. Patrick S. O’Reilly
- Mark Hansen