Am selben Abend, als Carol DaRonch nur knapp dem falschen Polizisten entkommen war, sprach ein gepflegt wirkender Mann an der Viewmont Highschool in Bountiful, dreißig Kilometer nördlich von Murray gelegen, die Regisseurin eines Theaterstücks an. Er fragte sie, ob sie ihm bei der Halterfeststellung eines Fahrzeugs behilflich sein könne. Die Frau war viel zu beschäftigt mit den Vorbereitungen für die Premiere ihres Stücks und wimmelte den Mann ab. Einige Zeit später sprach derselbe Mann sie nochmals an. Sie ließ ihn erneut abblitzen. Als die Regisseurin ihn kurz darauf ein drittes Mal im Backstagebereich der Bühne erblickte, wurde sie ärgerlich. Die Selbstverständlichkeit und Penetranz, mit welcher der Fremde hier herumschlich, wo er nicht hingehörte, kam ihr seltsam und etwas unheimlich vor. Aber der Beginn der Vorstellung rückte immer näher, sodass sie darauf verzichtete, den Mann zur Rede zu stellen.

Debra Kent

Die 17-jährige Debra Kent, Schülerin an der Viewmont Highschool, besuchte die Theaterpremiere gemeinsam mit ihren Eltern. Sie verließ das Stück allerdings bereits vor dem letzten Vorhang. Sie hatte ihrem Bruder versprochen, ihn mit dem Wagen von der Rollschuhbahn abzuholen. Wenn alles nach Plan lief, würde sie noch vor Ende der Vorstellung in die Aula der Highschool zurückkehren. Doch weder ihre Eltern noch ihr Bruder sahen Debbie Kent an diesem Abend wieder.

Ted Bundy - Debra Kent

Debra Kent

Die besorgten Eltern benachrichtigten die Polizei. Denn Debra Kents Wagen stand immer noch auf dem Parkplatz. Verschlossen. An der Bowlingbahn war sie nie eingetroffen. Die Streifenbeamten schauten sich den Wagen an. Direkt neben dem Fahrzeug entdeckte einer der Polizisten einen Schlüssel. Wie die Ermittlungen ergaben, handelte es sich dabei um einen Handschellenschlüssel. Einer der Beamten kam auf die Idee, den Schlüssel an den Handfesseln auszuprobieren, die man am selben Tag bei Carol DaRonch sichergestellt hatte. Der Schlüssel passte. Zudem meldete sich ein Augenzeuge bei der Polizei. Er hatte in der fraglichen Nacht einen VW-Käfer beobachtet, der den Parkplatz der Highschool mit hoher Geschwindigkeit verlassen hatte.

Elizabeth Kloepfer wendet sich erneut an die Polizei

Im November 1974 las Elizabeth Kloepfer in der Zeitung von den vermissten Frauen, die rund um Salt Lake City verschwunden waren. Sie rief erneut bei der Polizei des King County in Seattle an. Dieses Mal gab sie sich zu erkennen und erschien persönlich auf dem Kommissariat, als sie der Kriminalbeamte Randy Hergesheimer zu einer Befragung vorlud. Ted Bundy rückte auf der Liste der Tatverdächtigen wieder weiter nach oben. Doch als Hergesheimer den zuverlässigsten Augenzeugen vom Lake Sammamish die Fotos von Bundy präsentierte, schüttelten diese nur den Kopf. Das sei nicht der Mann, den sie im Sommer am See beobachtet hätten.

Ted Bundy Utah Apartment

Seitenansicht des Hauses in der 565 First Avenue in Salt Lake City, in dem Ted Bundy von September 1974 bis Oktober 1975 lebte. Zeigt die Feuerleiter, die Bundy verwendete, um zu seinem Zimmer im zweiten Stock zu schleichen, wenn er unbeobachtet bleiben wollte. Die Polizei nimmt an, dass Bundy einige seiner Opfer (Melissa Smith, Laura Aime, Debra Kent) dorthin verschleppt hat.
Quelle: Vidor, en.wikipedia.org

Elizabeth Kloepfer ließ nichts unversucht. Im Dezember 1974 rief sie direkt bei der Polizei von Salt Lake City an. Sie schilderte dem Beamten ihren Verdacht. Zwar nahm die dortige Mordkommission den Namen Ted Bundy zu den Akten, aber sie sahen zu diesem Zeitpunkt noch keine ausreichenden Verdachtsmomente, die Bundy mit den Morden in Verbindung brachten. Im Januar 1975 kehrte Ted Bundy nach Ende des Semesters für kurze Zeit zu Elizabeth Kloepfer zurück. Seine Lebensgefährtin erwähnte mit keinem Wort, dass sie ihn im Verdacht hatte, ein Serienmörder zu sein, und Bundy bereits dreimal bei der Polizei angeschwärzt hatte. Stattdessen heckte sie Pläne aus, ihren Freund im kommenden August in Utah zu besuchen. Die Pfade der Liebe sind mitunter unergründlich.

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(7) Debra Kent was last modified: März 7th, 2015 by Richard Deis