Ted Bundy gestand insgesamt 31 Morde, aber die tatsächliche Zahl der Opfer bleibt wohl immer ein Geheimnis. Bundy hatte selber mehrfach Andeutungen gemacht, dass den Ermittlern nur ein Bruchteil seiner Verbrechen bekannt war. 1980 äußerte er zum Beispiel in einem Interview, dass auf jeden Mord, den man ihm zuschreibe, ein weiteres Todesopfer hinzukäme. Als FBI-Agenten sich mit ihm über die Gesamtzahl der Opfer unterhielten und die Zahl 36 in den Raum stellten, äußerte sich Bundy wie folgt: »Hängen Sie noch eine Null hinten dran und dann haben Sie die richtige Zahl.« Polly Nelson, seiner Anwältin, wiederum erzählte Bundy, dass die Zahl 35 korrekt sei. Robert Keppel, der die Ermittlungen in Washington geleitet hatte, war nach den zahlreichen Verhören von Bundy überzeugt, dass die Summe der Mordopfer weit darüber lag.

An Abend vor Bundys Hinrichtung unternahm FBI-Agent William Hagmeier einen letzten Versuch, die Frage zu klären. Er ging mit Bundy Bundesstaat um Bundesstaat durch. Ted Bundy gestand folgende 31 Opfer:

  • Washington: Elf Opfer, von denen acht namentlich bekannt sind (darunter auch Kathleen Parks, die Bundy in Oregon entführte, aber in Washington tötete); drei Frauen, die nicht identifiziert werden konnten
  • Utah: acht Opfer (fünf bekannt, drei nicht identifiziert)
  • Colorado: vier Opfer (alle bekannt)
  • Florida: drei Opfer (alle bekannt)
  • Oregon: zwei Opfer (beide nicht identifiziert)
  • Idaho: zwei Opfer (eines bekannt, eines nicht identifiziert)
  • Kalifornien: ein Opfer (nicht identifiziert)

Allerdings äußerte Ted Bundy 1987 gegenüber Robert Keppel, dass er einige Morde begangen habe, über die er nie sprechen würde, weil sie entweder zu nahe an seinem Zuhause, zu nahe an seinem familiären Umfeld stattgefunden hätten oder die Opfer zu jung gewesen seien, als dass er darüber reden wolle.

Ann Marie Burr

Zu dieser letztgenannten Gruppe könnte die achtjährige Ann Marie Burr gehören. Sie verschwand am 31. August 1961 aus ihrem Elternhaus in Tacoma, Washington. Damals war Ted Bundy 14 Jahre und arbeitete als Zeitungsausträger. Das Haus der Burrs lag auf seiner täglichen Route. Ann Marie Burrs Vater war sicher, Bundy am Tag des Verschwindens seiner Tochter auf einer Baustelle gesehen zu haben. Die Baustelle lag auf dem benachbarten Campus der University of Puget Sound. Der Vater von Ann Marie Burr behauptete, Ted Bundy habe sich dort in einer Baugrube versteckt.

Ted Bundy - Ann Marie Burr

Ann Marie Burr

Es gab wohl auch noch andere Indizien, die für Bundys Schuld sprachen. Aber die Kriminalbeamten, die den Fall untersuchten, schließen bis heute aus, dass Bundy etwas mit dem Verbrechen zu tun hatte. Auch Bundy selbst stritt wiederholt ab, der Mörder von Ann Marie Burr gewesen zu sein. Er schrieb sogar einen Brief an die Familie Burr, in dem er versicherte, die Tat nicht begangen zu haben. 2011 unternahm man erneut einen Anlauf, den Fall zu klären. Man verglich Spurenmaterial vom Tatort mit der DNA von Ted Bundy. Das Beweismaterial hatte jedoch die lange Lagerzeit von 50 Jahren nicht unbeschadet überstanden. Der DNA-Vergleich konnte deshalb nicht durchgeführt werden.

Lisa E. Wick und Lonnie Trumbull

Am 23. Juni 1966 drang ein unbekannter Täter in die Souterrainwohnung der beiden Flugbegleiterinnen Lisa E. Wick und Lonnie Trumbull (beide 20) ein. Die Wohnung befand sich in Queen Anne Hill, einem Stadtteil von Seattle, und lag in der Nachbarschaft eines Supermarkts, in dem Bundy zum Zeitpunkt des Überfalls arbeitete. Lisa Wick und Lonnie Trumbull waren dort regelmäßige Kundinnen. Der Täter überraschte die beiden Frauen im Schlaf und schlug mit einem Holzknüppel auf sie ein. Lonnie Trumbull starb in Folge der Attacke und Lisa E. Wick hatte nach den Schlägen auf den Kopf einen dauerhaften Gedächtnisverlust erlitten. Ted Bundy leugnete, die Tat begangen zu haben, und konkrete Beweise gegen ihn tauchten nie auf.

Susan Davis und Elizabeth Perry

Die beiden 19-jährigen Studentinnen Susan Davis und Elizabeth Perry verbrachten zusammen ihren Urlaub im Bundesstaat New Jersey. Am 30. Mai 1969 fand man ihren Pkw neben dem Garden State Parkway nahe der Stadt Somers Point. Die Leichen der Frauen entdeckte man drei Tage später in einem nahe gelegenen Waldstück. Im Gespräch mit dem forensischen Psychologen Art Norman hatte Ted Bundy erwähnt, dass er 1969 zwei Frauen in der Nähe von Atlantic City ermordet habe. Zwischen Januar und Mai 1969 studierte Bundy an der Temple University in Philadelphia. Die Stadt lag etwa 100 Kilometer nördlich vom Tatort entfernt.

Ted Bundy - Susan Davis

Susan Davis

Möglicherweise hatte Ted Bundy für diesen Doppelmord bereits auf seinen Trick mit dem falschen Gipsverband zurückgegriffen. Seine Tante Julia Cowell erinnerte sich nämlich, dass er am Wochenende des Verbrechens einen Gips am Bein getragen habe. Er habe ihr gesagt, dass er sich das Bein infolge eines Autounfalls gebrochen habe. Aber wie die Ermittlungen ergaben, existierten keinerlei Unterlagen über solch einen Unfall, in den Bundy verwickelt gewesen sein könnte. Das Verbrechen gilt als ungeklärt, doch die zuständigen Ermittler halten Bundy nach wie vor für den Hauptverdächtigen.

Ted Bundy - Elizabeth Perry

Elizabeth Perry

Rita Curran

Die 24-jährige Rita Curran wurde am 19. Juli 1971 tot in ihrer Souterrainwohnung in Burlington, Vermont aufgefunden. Der Täter hatte die 24-jährige Grundschullehrerin, die nebenbei als Zimmermädchen in einem Motel jobbte, vergewaltigt, erschlagen und erwürgt. Das Motel, in dem Rita Curran arbeitete, stand direkt neben dem Heim für ledige Mütter, in dem Ted Bundy zur Welt gekommen war. Die Spurenlage am Tatort wies viele Ähnlichkeiten zu anderen Verbrechen von Bundy auf.

Ted Bundy - Rita Curran

Rita Curran

Es existierten zwar keine eindeutigen Beweise, dass sich Bundy zum Tatzeitpunkt in Burlington aufgehalten hatte. Jedoch gab es in den Archiven der Stadtverwaltung von Burlington eine Aktennotiz, die besagte, dass in den Tagen rund um den Mord eine Person mit dem Namen »Bundy« von einem Hund gebissen worden war. Wo sich Ted Bundy im Sommer 1971 genau herumgetrieben hatte, war der Polizei unbekannt. Aber dass er sein Geburtshaus besichtigte hatte, klang zumindest nicht unplausibel. Offiziell gilt der Fall Rita Curran aber als ungeklärt.

Joyce LePage

Die 21-jährige Joyce LePage wurde zuletzt am 22. Juli 1971 auf dem Campus der Washington State University in Seattle gesehen. Neun Monate später fand man ihre Leiche in einer Schlucht bei Pullman, Washington. Der skelettierte Leichnam war in einer Militärdecke und einem Teppich verschnürt. Es gab in diesem Fall mehrere Tatverdächtige, darunter auch Ted Bundy. An diesem Stand der Dinge hat sich bis heute nichts geändert.

Ted Bundy - Joyce LePage

Joyce LePage

Rita Lorraine Jolly und Vicki Lynn Hollar

Rita Lorraine Jolly (17) verschwand am 29. Juni 1973 aus West Linn, Oregon. Vicki Lynn Hollar (24) aus Eugene, Oregon, galt seit dem 20. August 1973 als vermisst. Ted Bundy hatte kurz vor seiner Hinrichtung zwei Morde in Oregon gestanden, ohne allerdings Namen zu nennen oder konkrete Hinweise zu geben, die eine Identifizierung möglich gemacht hätten. Mordermittler aus Oregon halten es aber für wahrscheinlich, dass es sich bei den erwähnten Opfern um Rita Jolly und Vicki Hollar handeln könnte.

Ted Bundy - Rita Lorraine Jolly

Rita Lorraine Jolly

Ted Bundy - Vicki Lynn Hollar

Vicki Lynn Hollar

Katherine Frohe Devine und Brenda Baker Joy

Die 14-jährige Katherine Frohe Devine wurde am 25. November 1973 entführt. Ihre Leiche entdeckte man einen Monat später im Capitol State Forest in der Nähe von Olympia, Washington. Die ebenfalls 14-jährige Brenda Baker Joy wurde zuletzt gesehen, als sie am 27. Mai 1974 in der Nähe von Puyallup, Washington, trampte. Den Leichnam fand man einen Monat später im Millersylvania State Park. Die zuständigen Ermittler waren überzeugt, dass Ted Bundy der Mörder war. Bundy stritt im Gespräch mit Robert Keppel jede Tatbeteiligung ab. 2002 sorgte eine DNA-Analyse im Fall Katherine Devine für Klarheit. Der Täter war ein mehrfach wegen Vergewaltigung vorbestrafter Mann namens William E. Cosden. Der Mord an Brenda Baker Joy ist nach wie vor ungeklärt.

Ted Bundy - Katherine Devine

Katherine Devine

Ted Bundy - Brenda Joy Baker

Brenda Joy Baker

Sandra Jean Weber

Sandra Jean Weber, 19, wurde letztmalig am 1. Juli 1974 in Salt Lake City gesehen. Sie stammte ursprünglich aus Wisconsin, lebte aber zum Zeitpunkt ihres Verschwindens in Tooele, Utah. Man fand ihren nackten Leichnam am folgenden Tag in der Nähe von Grand Junction, Colorado. Angeblich nannte Ted Bundy ihren Namen am Abend vor seiner Hinrichtung. Die Quellen widersprechen sich jedoch. Bis dato gilt der Mordfall offiziell als ungeklärt.

Carol L. Valenzuela

Carol L. Valenzuela (20) war am 2. August 1974 in der Nähe von Vancouver, Washington, als Anhalterin unterwegs. Zwei Monate später entdeckte man ihre Leiche südlich von Olympia. Neben ihren sterblichen Überresten lag ein zweiter Leichnam, den man bisher nicht identifizieren konnte. Bei der unbekannten Toten handelte es sich um eine Frau, die ebenso wie Carol Valenzuela langes Haar trug, das in der Mittel gescheitelt war. Die Polizei konnte anhand der Kreditkartenabrechnung nachweisen, dass Ted Bundy Anfang August 1974 von Seattle nach Salt Lake City aufgebrochen war. Theoretisch hätte er in Vancouver einen »Zwischenstopp« einlegen können. Ansonsten gibt es aber keinen Beweis dafür, dass Bundy der Mörder von Carol Valenzuela war.

Arlis Perry

Die 19-jährige Arlis Perry kam unter mysteriösen Umständen in der Campuskirche der kalifornischen Eliteuni Stanford ums Leben. Man fand ihre Leiche in den frühen Morgenstunden des 12. Oktober 1974 nahe dem Altar. Der unbekannte Mörder hatte Arlis Perry vergewaltigt, geschlagen, gewürgt und schließlich mit einem Eispickel erstochen. Als die Polizei Ted Bundy 1975 in Utah verhaftete, entdeckte sie in seinem VW-Käfer unter den übrigen Mordwerkzeugen einen Eispickel. Zudem kannte Bundy die Uni von Stanford, weil er dort im Sommer 1968 ein Stipendium ergattert hatte. Seine große Liebe Stephanie Brooks lebte in San Francisco, was nur 60 Kilometer von Stanford entfernt lag.

Arlis Perry - Portrait

Arlis Perry

Allerdings sprachen auch einige Gründe gegen die Täterschaft von Ted Bundy. Zum einen hatte er sich bereits im Februar 1974 von Stephanie Brooks getrennt und den Kontakt komplett eingestellt. Im Oktober 1974 hielt er sich nachweislich in Salt Lake City auf. Er hätte eine Anfahrt von 1.200 Kilometern (eine Strecke) in Kauf nehmen müssen, um diesen Mord begehen zu können. Zudem war den Ermittlern bekannt, dass er am 11. Oktober in Salt Lake City getankt hatte und am Morgen des 13. Oktober um 3.24 Uhr in seiner Wohnung ein Telefongespräch geführt hatte. Zwar war es theoretisch möglich, dass er den Mord zwischen diesen beiden zeitlich erfassten Ereignissen begangen hatte, aber es war sehr unwahrscheinlich.

Melanie Suzanne Cooley

Suzy Cooley (18) verschwand am 15. April 1975, nachdem sie die Nederland High School in Nederland, Colorado, verlassen hatte. Straßenarbeiter fanden ihre Leiche zwei Wochen später in 30 Kilometer Entfernung im Coal Creek Canyon. Es gibt Quellen, die behaupten, Bundy habe am Tag des Verschwindens von Cooley im nahe gelegenen Golden getankt. Das FBI hat anhand der Kreditkartenbelege und anderer dokumentierter Quellen die vollständigste Übersicht über den Verbleib von Bundy aufgestellt. Dort kann man für die relevanten Tage andere Angaben nachlesen:

  • 14. April 1975: Bundy tankt in Salt Lake City
  • 15. April 1975: Bundy besucht Vorlesung an der University of Utah, Salt Lake City
  • 17. April 1975: Bundy tankt in Salt Lake City

Auch die zuständigen Ermittlungsbehörden im Jefferson County in Colorado halten die Indizien, die in diesem Fall für Bundys Schuld sprechen, nicht für schlüssig. Der Fall bleibt ungeklärt.

Ted Bundy - Melanie Cooley

Melanie Suzanne Cooley

Shelley Kay Robertson

Shelly Robertson (24) aus Golden, Colorado, erschien am 1. Juli 1975 nicht zur Arbeit. Zwei angehende Bergbauingenieure fanden ihren nackten Leichnam auf einer Exkursion in einer Mine am Berthoud Pass in der Nähe des Winter Park Resort. Auch in diesem Fall hat Bundy angeblich zum Zeitpunkt des Verschwindens in der Nähe getankt, obgleich die offizielle Zeitleiste des FBI nichts davon vermerkt. Der Fall gilt als ungeklärt.

Nancy Perry Baird

Nancy Perry Baird (23) verschwand am 4. Juli 1975 spurlos von ihrem Arbeitsplatz. Sie arbeitete in einer Tankstelle in Farmington, Utah, etwa 30 Kilometer nördlich von Salt Lake City. Bundy hat ausdrücklich verneint, etwas mit ihrem Mord zu tun zu haben.

Ted Bundy - Nancy Perry Baird

Nancy Perry Baird

Debbie Smith

Die 17-jährige Debbie Smith wurde zuletzt Anfang Februar 1976 in Salt Lake City gesehen. Das war unmittelbar vor Beginn des Prozesses wegen Entführung von Carol DaRonch. Bundy war bis zu seiner Verurteilung auf Kaution draußen. Debbie Smiths Leiche fand man am 1. April 1976 in der Nähe des Flughafens von Salt Lake City. Der Fall gilt nach wie vor als ungeklärt.

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(20) Mögliche weitere Opfer von Ted Bundy was last modified: Juni 14th, 2015 by Richard Deis