Nach der Haftentlassung zog Rodney Alcala bei seiner Mutter in Monterey Park ein. Dass er damit ein Stück Unabhängigkeit einbüßte, störte ihn nicht. Sein Zimmer verfügte über einen separaten Eingang. Er konnte kommen und gehen, wann es ihm passte. Es dauerte nicht lange und Alcala fand einen Job, der ihm zusagte. Eine Fotoagentur heuerte ihn an, Ladenlokale im Süden von Los Angeles abzulichten. Nun verdiente er sein eigenes Geld. Er konnte sich sogar ein Auto leisten. Er war wieder voll im Geschäft.

Rodney Alcala erschien jeden Tag pünktlich zur Arbeit und erledigte seinen Job zur vollsten Zufriedenheit seines Auftraggebers. Die Agentur war begeistert von ihrem neuen Mitarbeiter. Rodney Alcala lenkte sein Leben in normale Bahnen. Die Resozialisation schien von Erfolg gekrönt zu sein. Dann kam der 13. Oktober 1974. Und Alcalas hässliche Seite lugte wieder hervor.

Judith

Am Morgen dieses Tages fuhr er an einem Einkaufszentrum in Huntington Beach vorbei. Dort stand ein Mädchen an einer Bushaltestelle herum. Alleine. Rodney Alcala konnte der Versuchung nicht widerstehen. Er hielt neben dem Kind an und versprach ihm eine Freifahrt zur Schule. Wozu auf den klapprigen, stinkenden Bus warten, in dem eh nur die öden Versager herumgammelten?

Rodney Alcala entzifferte auf den Schulheften den Namen des Mädchens, der dort groß und deutlich geschrieben stand. »Heh, Judith« dies, »Heh, Judith« das. Der erfahrene Alcala schäkerte mit dem Teenager herum, bis Judith über beide Backen knallrot anlief, bei all der Aufmerksamkeit, die ihr der schöne Fremde zuteilwerden ließ. Er fragte Judith, wie alt sie sei. »Dreizehn«, antwortete sie. »Komm schon, Judith, steig ein.« Und Judith stieg ein.

In der Falle

Ein paar Minuten später raste Alcalas Wagen an Judiths Schule vorbei. Erst glaubte sie an einen Irrtum und bat Alcala anzuhalten. Aber der reagierte überhaupt nicht. Da stieg langsam Panik in ihr auf. Sie begann, sich auf ihrem Sitz zu winden und heimlich nach dem Türgriff zu tasten. Da wurde der zuvor so freundliche Rodney Alcala äußerst ungehalten. Er riss sie am Arm zurück und drückte sie in den Sitz. Er brüllte sie an, sie solle es ja nicht wagen, sich nochmals zu rühren. Das verängstigte Kind saß wie paralysiert da und betete still und leise, dass die Sache noch ein gutes Ende nähme.

Die Fahrt endete nach einer Viertelstunde am Strand von Huntington Beach. Rodney Alcala stieg aus und zerrte Judith aus dem Wagen. Anschließend schubste er sie in Richtung der Klippen. Sie solle sich auf einen der Felsen setzen, befahl er ihr. Dann zog er einen Joint hervor, zündete ihn an und nahm einen tiefen Zug. Anschließend reichte er ihn an Judith weiter. Er forderte sie auf, ebenfalls daran zu ziehen. Das Mädchen traute sich nicht, zu widersprechen.

Rodney Alcala - Huntington Beach

Huntington Beach
Quelle: DHN, en.wikipedia.org

Sobald sie inhaliert hatte, befiel sie ein krampfartiger Husten. Rodney Alcala schüttelte sich vor Lachen und machte sich über sie lustig. Judith witterte ihre Chance und versuchte wegzurennen. Alcala bekam sie an einem Bein zu fassen und zerrte das sich verzweifelt windende Mädchen wieder zu sich heran. Er packte sie an ihren Haaren. Dann drückte er plötzlich seinen Mund auf ihren und zwängte seine Zunge zwischen ihre Zähne. Judith überkam endgültig Angst. Diese Sache würde schlimm für sie enden. Daran hatte sie nun keinen Zweifel mehr.

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(8) Tückische Klippen was last modified: Juli 16th, 2016 by Richard Deis