Dass Rodney Alcala ein Serienmörder war, stellte sich erst im Verlauf der langwierigen Berufungsverfahren heraus. So dauerte es bis 2003 – also 24 Jahre -, bis man ihm nach seiner Verhaftung nicht nur des Mordes an Robin Samsoe beschuldigte, sondern ihm auch die Vergewaltigung und Ermordung von Jill Barcomb, Georgia Wixted, Charlotte Lamb und Jill Parenteau zur Last legte. Rodney Alcala saß in San Quentin im Todestrakt ein und verblieb dort bis zum Prozessbeginn 2010. Der Serienkiller vertrieb sich die Zeit des Wartens mit Klagen und Eingaben.

Rodney Alcala - Dating Game Killer - Portrait 1997

Rodney Alcala, 1997
Quelle: San Quentin State Prison, California Department of Corrections and Rehabilitation

Die kalifornische Gefängnisverwaltung verklagte er, weil er während seiner Haftzeit ausgerutscht und gestürzt war. Zudem verlangte der gesundheitsbewusste Rodney Alcala, dass die Gefängniskantine von San Quentin kohlenhydratarme Speisen anbieten sollte. Er legte Beschwerde ein, dass die Ermittlungsbehörden routinemäßig DNA-Material von einem Tatort mit den Daten registrierter Straftäter abglichen. Diesbezüglich hatte er auch allen Grund, sich ernsthafte Sorgen zu machen.

Immerhin sollte man ihm dank dieses Fortschritts in der Forensik noch einige weitere Verbrechen nachweisen können. Er wehrte sich auch dagegen, dass die Fälle Samsoe, Barcomb, Wixted, Lamb und Parenteau in einem einzelnen Prozess verhandelt werden sollten. 1994 veröffentlichte er zudem im Selbstverlag ein Buch mit dem Titel: »Sie, die Geschworenen« (»You, the Jury«), in dem er alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe kategorisch abstritt.

Großer Fehler

Bei dieser Haltung blieb er auch während des Prozesses im Orange County. Rodney Alcala leugnete, einen der fünf Morde begangen zu haben. Allerdings machte er den Fehler, sich vor Gericht selbst zu verteidigen. Mit dieser Tour hatten sich schon Ted Bundy und Carl Hau mächtig auf die Schnauze gelegt. Und die hatten zumindest beide eine juristische Ausbildung. Rodney Alcala hingegen wurde regelmäßig an den Tisch von Richter Francisco Briseno zitiert, wo dieser ihm die Grundzüge der Prozessordnung erklärte.

Alcala überschätzte sich selbst und brachte die Geschworenen mit seinen zirkusreifen Aufführungen und theatralischen Gesten rasch gegen sich auf. So nahm er sich zum Beispiel selbst ins Kreuzverhör. »Mr. Alcala«, raunte sich der Anwalt Alcala dann mit einer tieferen Stimme als üblich selbst zu, »wo waren Sie am Nachmittag des 20. Juni 1979?« Der Verteidiger in eigener Sache wirkte einfach nur lächerlich und affektiert.

„The Dating Game“ als Beweismaterial

Rodney Alcala legte außerdem eine Kopie der Kassette von der Sendung »The Dating Game« als Beweismittel vor. Das Band sollte beweisen, dass er bereits bei seinem Auftritt in der TV-Show im September 1978 die Ohrringe getragen hatte, die angeblich Robin Samoes Mutter gehörten. Doch so sehr sich die Geschworenen auch bemühten, angesichts der miesen Bildqualität konnten sie allenfalls erkennen, dass Alcala damals irgendetwas im Ohr getragen hatte. Aber bestimmt nicht, ob es sich dabei um den besagten Schmuck gehandelt hatte.

Charlize Theron als aufmerksame Zuschauerin

In seinem Schlussplädoyer argumentierte Rodney Alcala, dass die Geschworenen selber zu Mörder würden, falls sie ihn schuldig sprächen. Um sein Argument zu unterstreichen, spielte er einen Ausschnitt aus Arlo Guthries Anti-Vietnam-Epos »Alice’s Restaurant« [Link zu Amazon] vor. Das Spektakel wurde im Übrigen von der bekannten Hollywoodschauspielerin Charlize Theron verfolgt, die sich gerade auf ihre Rolle als Serienmörderin Aileen Wuornos für den Film »Monster« [Link zu Amazon] vorbereitete.

Charlize Theron MonsterDem Staatsanwalt fiel die Argumentation deutlich leichter. Er führte die zahlreichen DNA-Beweise vor und bemühte noch zwei Zeuginnen vor Gericht, die Alcalas Gewaltexzesse am eigenen Leib erlebt hatten: Tali Shapiro, die als Achtjährige vermutlich Alcalas erstes Opfer war, und Monique Hoyt. Zudem zitierte Staatsanwalt Matt Murphy noch aus den Befunden der Autopsie.

Stundenlange Folter

Fester Bestandteil von Rodney Alcalas Modus Operandi laut Autopsiebericht: Er hatte seine Opfer so lange gewürgt, bis sie ohnmächtig wurden. Dann ließ er sie wieder zu Bewusstsein kommen und fing erneut an, sie zu würgen. Er begann die Tortur mit bloßen Händen, wechselte irgendwann zu Strumpfhosen, Schnürsenkeln oder Gürteln über. Und während all dieser Zeit quälte und vergewaltigte er die Opfer. Die Frauen starben nicht kurz und schmerzlos. Sie mussten vor ihrem Tod ein stundenlanges, kaum vorstellbares Martyrium über sich ergehen lassen.

Am Ende des Prozesses sprachen die Geschworenen des Orange County Rodney Alcala im März 2010 in allen fünf Fällen wegen vorsätzlichen Mordes schuldig und verurteilten ihn damit zum Tode. Natürlich kündigte Alcala an, auch gegen dieses Urteil in Berufung zu gehen. Bis heute hat aber kein Gericht zu seinen Gunsten entschieden. Dafür wurde Rodney Alcala 2012 in New York wegen der Morde an Cornelia Crilley und Ellen Hover erneut angeklagt und am 7. Januar 2013 zu einer weiteren Gefängnisstrafe von 25 Jahren bis lebenslänglich verurteilt. Zunächst bestritt er, diese Morde begangen zu haben. Im Verlaufe des Verfahrens bekannte er sich dann allerdings schuldig, um ein milderes Urteil zu erwirken.

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(18) Verteidiger in eigener Sache was last modified: Februar 21st, 2018 by Richard Deis